HARVARD COLLEGE LIBRARY DIE GESELLSCHAFT Band 4/2 1888 KRAUS REPRINT Ncndeln / Liechtenstein 1970 A n i f harvard^ [UNIVERSITV ] LIBRA.Vf | ' 1 1 . / f KRAUS REPRINT A Division of KRAUS-THOMSON ORGANIZATION LIMITED Nendeln/Liechtenstein 1970 Printed in Germ an y Iitteratut[ nntf Umtft £ejrtndft oon J)tj. f§. ©OJtrab. £}erausgegeben oon Ht* 6 * fionrai unö Karl 31 eH>treu+ SaJjrgang 1888. 2taefte£ £emeftet. Cdpjig. Vertag t>on 'gBir^etm 3frte&rtd? K «. ^ofbudjWnbln. §n$aft$i>er$ei<$ni$ e*t* Zlberti, ffonrab, Berliner Zljeatetbriefe.714, 970 Zie Bourgeoifie nnb blc Zunft.892 ftaifet griebridf« Zagebudj.979 ÄatI grenjel anb bet WealiAmuS'.1082 Zrmin, gri&, $omer aaf bet OpernbityBe..1108 Bierbaum, Otto 3alia4, £itterarif$e fßlaubereien.1074 Branb, 3nlin£, $enrif 3bfen. Zritifc&e (Stoffea.1180 Branfemetter, f rnft, Ztne ©atborg« erfte* Zrama.986 Bteflaa, 8., $atifet Znnftfeberbrief.707 Conrab, K. ) 646, 621, 696, 794, 949, 1068 Bticr Schatten (ntwigo I. o 6) ein paar ©tunben — unb hn grauen $rüf)Iicf)t Deä SBerfettagS oerbämmert unb oerfltngt Der bunte taufenbfthnmige geftedjubet, Der burct) bie ©tragen bieder ©tabt geroogt; Die SBeflen, bie mich, ben ©ef eierten, ©o t)od) getragen unb fo fjolb getmegt, 3errinnen, unb ^icr ftet)' itf) einjam toicber SBie Dörfer, angetoiefen auf mic^ felbft. St cf)! nne oertraut unb bemtoch roie fo fremb Slicfft bu mich an, bu meiner abgefc^toffnen Vergangenheit ©pmbol, bu 93tlb oon ®rj! 2Bie jener ^lotttoell in beS großen SRaimunb „Verfcf|tt>enber" tief im Snnerften erbebt, Da if)m fein rätfelhafter Doppelgänger firn jag ber Abrechnung entgegentritt, ©o übcnoältigt jefct mich Abgegebnen @in rounberfam erfcfjütternbeS ©efüf)I, SGBenn ich mc * n itbifch ©benbilb betradhte, SBie’ä hoch S u in feinem glitterftaat 2Rir jutoinft, ent ©efpenft be§ ©rbentebenS, Vei meinem ©h rcn faft- 496 6d}tteegatt£. Der ©chatten üon gerbinanb Sang (erfdjeiitt). ©rufe ©ott ©ruft ©ott! DaS fügt fid^ gut. 3uft hör itf), SKajeftät, Sie Dom „IBetfchroenber" monologifieren Unb unfern Heben SRatmunb: nun, ba hoben ©ie wohl auch ben nicht ganj unb gar öergeffen, Der einft fo oft ben 93alentin gefpielt. Unb übrigens moUt’ ich fchon fo mie fo, 9iachbem bie ©röjjern alle fertig finb, Slufmarten meinem föniglidjen £>erm. Subroig, 3a, bift Du’S benn auch toirflidj. alter greunb? SBiMommen mir, jumal in biefer ©tunbe, SBo grab ein urgemütlicher ©efetl SBie bu mir Slot t§ut, um ben SBehmutSfchauer 3Äir megjulächeln, ber bem Übermaß DeS ©lücfS als mahnenber ©efährte folgt, SEßenn baS ©efübl fo ooH fich auSgelebt, Dajj cS ber giug nicht ^öbjer mehr fann tragen. SßiHfommen nochmals! SBeil ich ®ien *etent). 3 maS! ffiaffer brennt nicpt (Sa«bt. Äönig Subtoig nnb fterbiwanb Sag etföete*). Dabaffabrilant. Der §err Rummel bat miebcr feinen guten Dag $aulineli, noch ein ®laS ©ier! SBenn ber §err Rummel getftreicb mtrb, muff man ftch ftärfen. Dt. ©cbarf. Da4 meifj ®ott! Dr. Sinb. ©S banbeit ficb nur b’rum, ju ermitteln, meines fßro* jeCt am biüigften lammt. Äpotbefer. Die ©jperten auS 3 ät ierr Rummel bezeugen, — nicht? SBucbbänbler. ©o mabr meine Siege ba« Vergnügen gehabt t>at, in Gumbinnen ju ftet»eit. ßubroig. 'Der f)ätt auf ©eben f^merlidt) mir besagt; Dodj jefct gefällt mir, ma« ber 3D?ann ba fagt. Der ©infame. Darf id) ben Herren eine einfache ®efcf)id^te cr= jäfflen? 6« mar einmal ein ffürfteitfobn. Säre er eine« Sinteren ©oljit gemefen al« eine« gürften, c« märe aller 2i$af)rf(f)einlid£)feit nach ein ädfter frommer ffünftler au« ihm gemorben. ©o aber marb itjm uom ©d^idfal Äron unb ©jepter in bie Siege gelegt unb mit biefen ba« ganje ©efolgc uon ffäbrticbleiten, melcbc« ber SßoHbefifc ber 9Rac^t, bie Schmeichelei ber Umgebung uitb bie 3 u 9änglicbfeit jebc« ßeben«genuffe« notmenbig mit fid) bringen für beit inneren Sert eine« 3D?enfcf)cn. Dod) ber $ürften= folpt unb nachher ber Äönig bat feine ©c^nfuc^t nach bem 3bealen nicht untergeben (affen roeber im 3 fl uber ber unumfdbränften ©ctoalt, noch im ©umpf ber ©elbftuergötterung, noch im uollen Daumclbedjer ber ßuft. ®r bat feine ÜIRacbt in ben Dienft be« Schönen geftellt, bat fidb nur ba gefcbmeidbelt gefühlt, roo ibm Slnerfenmutg marb für tbatlräftige« ©dbaffen, unb bat bie Duellen feiner berrlicbften ©enüffe toftbar gefaxt, nicht um fidb allein barin $u beraufeben, fonbem um fie jum Gemeingut ju machen einer ju ®aft getabenen Seit. ©o bat c« biefer 9Hann juftanbe ge= bracht, eine Ortfcbaft, bie noch nicht uiel mehr mar al« ein Süreaufraten* parabie« unb ein große« ©ierborf, in eine gefegnete SKetropole ber $unft umjumanbeln, in einen unermeßlichen S3ienenforb freier unb befreienber Arbeit be« ©eifte«. 9Son Manchen roeiß bie ÜRacbtoelt ju berichten, bie ©tobte gegrünbet haben unb benen bafür in ber lanbläufigen Seit* gefehlte eine erfte fJiote juerfaitnt roorben ift; aber ©inen, ber in ehr« Geber Äunftbegeifterung Uerbältni«mäßig nur b a ^> i° ö«el ©cböne« in« ßeben gerufen batte, müßte ich nicht ju nennen. ßang. Sa« fagen« baju? ©o uiel i« g’roiß, Daß Der nicht in« 3 CU 9 fleh* unb für ©ie rebet, Seil fein fötopflöcberl orben«bebürftig i«. 2 Vol. 4/2 504 SdpieeganS. Äogelmann. Äunft uitb immer roieber Äunft! $5ad fann bod) und nicht befonberd rügten. ®r. Scharf. Cljo! ©udfhänbler. Sagen Sie bad nicht, §err Äogclmann! £>ad toeifj ich beffer. ©d ift etrnad Hnmutiged um bie ftunft. 3, — bemt ber SWenfch lebt befanntüch nicht oom ©rot allein. S)r. Sinb. Sch! nein. 9TId ich 00t Sohren in äRünchen ftubierte, mie oft hab’ ich, 9 * 9 «t ffinbe bed SKonatd, menn bie finanziell probte« matifchen Sage (amen, oon benen ber afabemifche ©ürger fagt: fie gefallen mir nicht, — mie oft hab ich & a meine 3uftu fdbcr, toenn baS 3dj ber 93er« ftorbenen nicht bahinfchtoinben müßte, toie ein nicht mehr angefchlagener oerttungener ttccorb, unb toenn ber $tbgefchiebcne hier ju gegen fein unb mich hören fönnte, — ich tourbe $u ihm fagen: Danf Dir, SBittelSbacher, Danf für baS, toaS Du mir unb waS Du fchon Millionen anberen ge« boten hoft, um uns hmUKgjutäufchen über baS ©lenb beS DafetnS! Unb ich glaube, neben all ben §u(bigungen, bie ihm bargebracht roerben mit Aufgebot aller großftäbtifchen Fracht, bürfte oieHeicht ihm, bem getoefenen fiönig, feine fchmeichelhafter erfcf)einen, als bie Oon Siepublifanem, bie ihm unbeteiligt unb unaufgeforbert bie ©h rc geben um feiner rein menfchlichen ©erbienfte willen, trobbem er etwas toar, baS man hier nicht über ficff ergehen läßt unb auch niemals über ftch ergehen laffen toirb: ein Monarch! 3n biefer ©efinnung fönnen mir ©ibgenoffen baS ©IaS erheben unb ein* ftimmig auSrufen: Der 9J?ann, beffcn hunbertjährigen ©eburtStag fie brü« ben begrüßen, ber Schirmer unb görbeter, welcher ber Äunft, biefer er* (öfenben SBeltreligion, Dempel errichtet unb bie Dempeltf)ore toeit aufgethan hat, auch für uns, — er lebe hoch! Alle (onjtofeenb). §odj! §od)! ftogetmann. Den praftifchen Stuben biefeS Doten hob’ ich unter* ithäfct: ^ßaulhte, jur Strafe bafür jwei glafchen Veltliner! Dr. Scharf. SRir auch jmet! 3th höbe ben ÜRünchnem Unrecht gethan: berechtigte ©rfenntlichfeit ift fein ©pjantiniSmuS, auch njenn fie ein fleht wenig über bie Schnur houen follte. Sang (triwnplüetenb). 3®ie ®cootion einmal fo leicht nid)t ab, (Sogar im ©ciftcneid). Submig (mit Junior). ©in üöeifpicl nimm Sin bicfcit ichmeijerifdjen gürftenfreffent! («erfdjwinbet.) Sang. $u bienen, 2Ra jeftät; id) miH mich beffern. ($eridin>inbet if)m nadj.) fßoftljalter (auf bie ui)t jetjenb). 28aS? fc^on IjalO einS! ^o(; $ 011 = ncr unb SBettcr ! (Springt 00 m Stut)!.) Äogelmann. 3Rcin gutes SBctt! ’S ift bie l)öd)ftc 3 c > t - ( 3 tet;t langfam auf.) Sa^ninfpeltor (audtrintenbj. grüner finb mir oft bagehoeft bis jmei unb bis brei; aber, ©ott fei’S getlagt! man mirb älter. SBuchhänbler. 3 maS, baS ©ifcenbleibcn l)at feinen SSert, — nicht maf)r, gräulein Sßa uline? heiraten ift beffer. (?tmi bellt.) SBirt. Stmi, fei ftiH! Sabaffabrifant (feinen tpnt auffepenb). 3 d) f)ätt’ eigentlich fdEjon um S)reiüiertel auf jmölf gehen foUen: ber Schlaf uor SRitternacht ift ber gefnnbefte. 2)ic SInbern (burefjeinanber). ©ute SRadjt, ihr Herren! — ©utc fRacht! — Stbieu! (Sille ab äuget bem SBirt, melier ©täfer unb ürtafdjen auf» räumt, unb bem ©infamen, roeldjer, in ©ebanfen öerloren, öor fitf) binfdjaut.) 2 )er ©infame (für fid>). 2 Bie ^cimmelj jittertS burd) mein ^erj: SluS ber SBergangenheit trübem SRebel ©teigen bie SRünchnet 3 ra uentürme • • • ©tabt meiner Seibctt, Heb ich tndj bodh . . fRachtmä^tcr (ben Äopf jur Ilfflr ^ereinfteefenb, unterbredjenb). fßoli* jeiftunb, meine Herren! ©ar fo preffieren thutS aber not. (Berföminbet tnieber.) ü. üilicncroii. 2)ie SDiergelgrube. 507 Dev (Sinfamc. 9lh fo! tdj bin bet fiepte; pardon! (ab.) '•JBirt. Slbicu! ein nnber 9M mieber bic C£t>r! (©iujnettb.) Die '4>oli$ciftunb fei gefegnet! Jperr ®ott! mic ift mir bet Äopf fo fdjmer! ,?ie Müd>entbür aufntad)enb.) 2lmi, troll bich unb fang fcf)ön fRqfjcn! (9imi ol> in bie ttfldje. ®er SBitt jperrt bo« fiofol ob, jflnbet fid) ein Sidjt on, bretjt bn* ©n* ouä, „unb aßeS ift jerftoben".) J)iq fisrgjltjrnfy (ÜU8 rintm HagfEndi.) Pon Pctleo Freiherr pon Cilicitcron. (•&fffingl)u|>n.) an JKubolf Sdjmibt in ttopeitf)agcit. 9Büftcnl)ammc, ben 3. 2Jfai. SlbeitbS. |j||ine SBicrttfftnnbc fcf)ieit bic Sonne am borgen unb beleuchtete, aber roärmtc nicht bie fpätlichcit $rühlingöfinbcr: ben noch blätterlofcn ^?feffcrftrauch mit feinen jahlreidjcn lila ölüten; bie ftavfflcbtigen rot unb braunen knospen ber Äaftanic, bie noch gefd^Ioffen finb; bic üielftaub= fähigen Süjchcl ber Ulme, bie Keinen, toeicheit ©iirften gleidjen; baS erfte @riin beS Stad)elbeerbufchcS; SJlarjiffen unb Ärofuffe. §cut am Spätnachmittag mar längft bic Sonne miebet hinter bem grauen Vorhang ucrfchmunben. (Sine fehneibenbe Äältc jmang mich, ^ C]t S3intcrüberjiehct bis an bic Ächte jujufnöpfen. 3ch machte meinen gemohnten Slbcnbfpajiergang, allein, toie immer. SKeinc ftiüc, bcfchcibcnc, trübfcligc ©egenb fehtief — mic immer. §ier ift nichts fett, nichts mager. Durd) ben Sonntag bebingt, lag alles menfdjen* leer. 92ur einmal, ganj in ber gerne, auf einem SEßatt, ber auf ber anbern Seite fich fchroff in eine bobenlofe Dicfc ju fcnlcit fchien (— fo laut eS mir oor in biefem ttugenblid; ich muffte, bah hinter ihm fonft glachfelb an glachfelb fich ««h* —), grub ein 9)?ann (— grub er ein ©rab? —) haftig, ohne Slufhören. 3« ber fRcgenftimmung hob fich fein Äörpcr fcharf, 508 V. Siliotcton. fdfetoarz gegen bcn Fimmel. ißlöfclicfe toar er oetfcfetDunben unb alles um miefe feer übe, lautlos unb tot. 3cfe toanbertc meinen alten 2Beg. $>er {alte, fearte, mürrifcfee SRaitag, mte mir ihn feier in ben meiften Sauren hinnefemen muffen, begleitete miefe. SIS i(fe abbog, quer über SBiefen unb brache &cfer, fanb i(fe bie Keine, gefeeimniSüoUc ÜWergelgrube toieber, baS tiefe, unheimliche SBaffcrtocfe, üor bem ich f® gerne ftehe. ®ic liegt — bie Doppel fättt bahin — in einer (Scfe. 3m fätitfbufcfe rafd^eltc baS rote Saub, baS toom lebten §erbft ihm anhaftet 9Zie hob' ich f® We ©infamfeit gefehen, empfunben, nie feot ft« fich mir fo jentnerfchtoer umS §erz gelegt. 933ie grenzenlos oerlaffen liegt baS gelb, bie ganze SEBelt. SRirgenbS ein tßeitfcfeenfnaU, eine SJienfcfeenftimine, ein Sogeiruf. Sor mir, in blauer gerne, trofet baS grofee ©cfetoeigen, ber SBalb. hinter biefem, nrie eines SEBeltbranbeS lefeter ©cfeein, färbt ben ipimmel ein fcfemufciggelbet ©tretf. Über bie natfte, braune ©choHe läuft ab unb ju ein fchnell fmnmcnber unb fchncll fterbenber SBinb unb flüftert meinen Dferen oorüber. 2Bie lange feob' ich an beut SBäffercfecn geftanben unb trat näher unb näher. ©nblicfe aber raffte ich mich auf unb ging nach §aufe. Sch mitl nun üerfuchcn baS nicberzufcfereiben, maS mir heute bort burch bie ©cclc 50g. @8 »irb ein SJurcfecinanber roerben: ©ebanfen, (Erinnerungen auS meinem Scben; roieber trübe Silber, bie ich glaubte, längft für ftetS hinuntcrgefchlucft ju haben. Sin ich ntc^t juft am 3. 2J?ai biefeS SafercS breifeig 3ahrc in biefem Sicft Seamter? S)reifeig lange Safere immer iit bemfelben täglichen ©ang. SSie feab' iefe baS nur auSfealten fönnen? 2ötc oft bin iefe in biefen breifeig Saferen an ber SRergetgrubc ge« loejcn. SGßaS benn jog unb jiefet miefe }u bem trüben, lefemigen, uner« grünblidfeeit Tümpel, in bem alle greube ber (Erbe für immer ertrunten fefeeint. Sft cS baS Setoufetfein ber üöKigen ©infamleit? §ier feab’ iefe meinen ©ebanfen freien fiauf gegeben, ©ebanlen, benen iefe in meinem 3)ienftzimmer nicht geftattctc, zum Sorfcfeein zu fommen; bie noefe toeniger feeroortreten burften in meiner Keinen ©tabt: bie guten 3Jfitbürger feätten miefe gefteinigt ober inS SrrenfeauS gefefeieft. ®aS mofel ift eS, toeSfealb iefe bie oerlorene ©teile fo tief in mein §erz gefefetoffen feabe; feier bin iefe frei, 1*0 frei, bafe iefe miefe tounbere, niefet fefeon längft ben lefeten ©eferitt in bie toibertoärtige, braune 2öeHe getfean zu haben . . . 2)ic Keine 3)?crgclgrubc feat ifere ©efefeiefete. §cutc toieber, (— oon Slumen fafe iefe nur eine einzige: Sötoenzafen —), als baS ©tücf einer GnttoäfferungSröbre, bie oermorfefeten Sretter, eine umgelefert rufeenbe. $ie TOergtlgrube. 509 gänzlich aus beit trugen gegangene ©cbubfarrc not meinen Stagen tagen, fiel eS mir einmal Don Steuern ein: @o fielet bie näd)fte Umgebung aus feit breifeig Satiren. XamalS, unb ich erinnere nrid) ber ßeiten genau, biefe eS plö$licb tm ©täbtcben: ed ift ber ^errtidiftc Xbon gefunben motben: gabrifen, Arbeiter, ©cblflffer, äRittionäre. Sn ber X^at batte man eine feine ©dfidjt Xb on an SWergel entbecft. ©ne gelbgierige „Sefettfcfeaft" batte fnb fofort gebilbet. ©n ©ermaltungSrat batte fi(b im Umfeben feft* gefegt; zahlreiche Änteilmhaber fdjoffen Selber oor. Stber o web, o roet), baS Slücf mar turj. Xrofc tiefer ©obtungen gelang eS nicht, mehr Xb 0tt anS XageSlicbt ju jieben. ©anbfebicbt auf ©anbfd)icf)t jeigte ficb: SBütenb ging SltteS auSeinanber. 3 umeilen, toemt an bcifetn, afritanifeb b^feen ©ommertagen fjux bie ©omte brütet: bann jerbröcfelt ber oertrocfnete ßebm in ©taub, bie ßi* bette fdjnappt bie ©cbitterftiege, ber ©anbflob wagt ficb 0or ; jutoeilen, in folcben glübenben ©tunben warf icb mich an biefem abgelegenen glecfcbeit ©cbe nieber unb horchte, baS Obr am ©oben. Unb roie Don plätfcbem« ben, plaufcbenben Duellen Hang eS, bie tief, tief unterirbifcb b* CT laufen muffen. Unb eine unbezwingbare ©ebnfucbt nach Äfible, grieben, ßauter* feit beS §erzenS übertam mich. Xoiftpartic! Sßenn ich bann nach föaufe fomme, bin ich totmatt Dom groftn beS EtageS unb ein mehr ober minber unbe* Wuftter SBunfch wanbert mit mir in ben bräunt: wenn ich boch nidjt mehr erwaeften würbe . . . ©inmal, Dor Sahren, fprang ich * n ben Snirf neben meiner 2J?ergel* grübe, ©or mir breitete fieft bie ©bene auS bis an ben SGBall, auf bem heute ber feftwarje Sdjattenrift beS grabenben SKanneS fich abhob. Sin bem Etage hatte ich bie ©mpfinbung, baft hinter biefem 2BaH, tief unten, ber Djean branbete. Slber allmählich Derfcftwanb fie unb eS famen mir anbere ©rfefteinungen: Sch fah bie weite ©bene Dor mir beDölfert mit S'ic Wergelflnibc. 511 .'öunberttaufenben Don 5DicnfcE)cn aller Waffen. 3d> fetbft tarn mir wie ein Ipeildoetfünber oor, unb innige, Reifee Siebe, alle bie ^aufenbe Dor mit $u erlöfen, befeelte mich- 3 d) ftieg auf bet anbereit ©eite bed Änitfd mit audgebreiteten Firmen hinunter unb fdjritt — immer mit audgebreite» ten ?lrmen — (angfam, feierlich, fegnenb, ^rieben bringenb auf bad ®e» wimmel ju; Don meinen Sippen flofe bie Siebe. Stber mit jebem gufe Dor» wärtd routbc cd bunflet. ©n mäebtiged Gewitter rollte über und; ftatt bei 5)utd)einanber3 bed ruhigen Jpin unb §er jueften unter ihm filbeme ©(^wettet. Unb in ber jjinfternid, bic mudjd, leisteten oben nur bie golbeuen Slipc unb unten bie fübernen ©djwerter. Unb ich hörte ein ©ebeul oon ben SKaffen ju mir ^et, unb aud bem Söirrwarr Hang ed gellenb: fort, fort mit itpn. ®a würbe ed rabcnbunlel, unb leine goU benen ©li$e unb fein ©ewogc füberner ©^werter iah ich mehr . . . hn hintergnuibe ftieg bie ©onne allmählich auf unb toller würbe ed unb immer beQer. Set) ging auf fic ju, eine ©lutfee burdpoatenb, über Seiten unb fdpreeflid) ©erwunbetc, bie fief) wie ©erlangen wanben. 9Kein ’ilnt* litj war nur gerabeaud jur ©onne, 3 ur ©onne . . . 3 «b glaube, id) bin eine ©tunbe wa^nfinnig gewefen. Sanned; oor Sife (— jo biefe bad anbere ’ißferb —) febaft bu bi wat febamen, bu guulpels." Seb waebte auf . . ©eftern befugte icb $>oftor £>ögel, ben berühmten SKilrodfopifer. 9?atürlid) abnt unfer Heined Sieft nicht, wad ed an bem SJianne bat- 3)afür ift er ©ütgtieb ber broorragenbften Siaturforf^ergefellfebaften ber Grtbe. ©eterdburg, Slmerifa, ©arid, Sonbon, ©ombap, bie Äapftabt fennen ib". SBüftenbamme, mein Sftarftfledcben, abnt ni^td Don ibm ald belehrten; ed weife nur, bafe et 5lrjt ift. 3ulefct, Dor etwa Diev SJionaten batte icb ibn — ben icb öfter befudjen würbe, wenn icb nicht fürchten müfete, ihn 311 ftören — bei 18 ©eraben Äälte im ©ebnee auf feinen Spesen gefunben. (£r beobachtete, bic erftarrten fanget an ben feinen ©^rauben, bureb fein ^öefenfernrobr ben 2 Rard. ©eftem geigte er mir bie Ärätjmilbc bed j$ucbied in bunbertunbfünfsigfacber ©ergröfeerung. ®urcb eine bödjft geiftooHe ©or» riebtung batte er bem toten ©efdjöpfcben, bad meinem Stuge einer (Srbfe an Umfang glich **n ©lafe, etwad rote garbe cingefübrt. 3)iefe, in ©ebat* tierungen bad ftörpereben ftufenb, liefe beutlicb bad ©ebim erfennen, bie 512 ». fiiliencron. acf>t behaarten Affige, bie le^te, im 2)ann jurüdgebliebene Äothmaffe, beit &opf, bat ©efcblecbtdteil, bie ©elenle, felbft bie Statten. ®ie Äräfcmilbe hat Sterben unb ©ehim; aud} bet göttliche Sutiud batte Sterben unb ©ehirn. ©äfar unb bie Sfräbmilbe bed guebfed: melcber Unterfdjieb febon auf unferer Seinen ©rbe! SBie fiebt ed auf bem SRard aud? ®unfeIrot batte er ftcb bamald feben taffen: 2)oftor §ögel behaup¬ tete, bafj er jur ©tunbe mit ungeheuren ©idmaffen umbüQt fein muffe $>iefe ©idmaffen fd}möljen in furjen äBod}en unb ed mürbe bann ein Xropenpflanjenleben bort emporfebiefjen, bad ju faffen und bie ©innc fehlten. Unb fo fei ein beftäitbiger, rafeber Übergang auf bem SRard. 3 ie SRergelgrube. 513 Selche Suft bodj überfiel mich vorhin braunen, an vergangene Siebes* jetten ju benfen. 3 eigten mir bie aus bem Fimmel in ben ©chlamm faOenben beiben (Schmetterlinge ben Seg? SaS fällt mir ein, bag idj j«*t in meinem Tagebuche mie ein finbifcher ©reis über jene „ijolben" ©tunben fchfrafcen mifl? Aber eS fie^t ja feiner unb mirb niemals einer felien, maS ich biefen Blättern vertraue, felbft meine alte, unangenehme, non mir gesagte Haushälterin nicht, bie venoitttvete grau Amaitba Dofe, geborene Älönhammer. H°l’ Xcufel biefen Drachen, geh bin feft überjeugt, fk möchte mich h®* 4 * litte als morgen h®taten. Das fehlte gerabe noch- 3d) bin ganj ruhig: SWein lieber gteunb, ber Amtsrichter hot mir verbrochen, eine ©tunbe nach meinem Tobe meine Tagebücher an ftch ju nehmen unb fofort ju verbrennen. Da tarnt ich f^h** f®n* er hält fein Sort ©eit meiner Änabenjeit mohne ich f trat ein unb tarn mit funfdnben Augen auf mich ju. ©S überfiel mich ein ©raufen; ich fonnte mich nicht regen. Sollte fie mich fehlen, ermorben? ©nblich rig ich mich, fo ju fagen, auS mir felbft loS. geh toarf ihr meine ©dhuf)e unb ben ©tiefelfnecht entgegen, ©ie aber fruchtete ftch au f mein Bett; unb eS mar tvie ein ftampf auf Seben unb Tob, bis fte mich nieberjfrang. DoS ift mein crfteS Siebesabenteuer gemefen. Selche furchtbare ©cfriffenS» ongft habe ich bomalS überftehen müffen. Balb barauf frurbc ich oon meinem Batet in bie benachbarte ©tabt gefchicft um bei bem Kammerherm von Äerdberg, bem föniglichen HotbeS» vogt mich Jfrecfmägig, als ©chreiber, ju befchäftigen. Der Äammerherr, ein hochnafiger, faltet 9Raim, überfah feine „jungen Seute“ gänjlicp, baS heigt: mir mären nur im Dknft für ihn SRenfchen. SRie fpradj er fonft ein Sort mit unS. 3n bk ältefk, fkbenjehnjährige Tochter beS HaufeS, Souifa, verliebte 514 p. Siliencroit. icfe mich jcf)ott am britten Jage. ©oit meinem ©djreibtiich aus, burdf^ g-enfter, l)atte id) fie juerft gcfc()cit. Sie fjantierte im ©arten Ijcrum. SaS ©onnenfehinnefeen, aufgefpannt, liefe fie über bie ©djulter forgloS .ymitfbaumeln unb blinzelte in bic ©omte. Sange bänifdjc ^anbfefeufee ^ogcit fief) bis an bic ©Henbogcn faft. ßvftc Siebe! . . . Sir tänbeln burefe eine SRofenmolfc, unbefümmevt nm bie gan^e Seit. Sir beberfen heimlich Diel taufenbmal ein geftol)lcncS ober übcrlaffeneS feibenes öäitbdjen. Sir fdjreieit, finb mir allein, tfeea* tvalifefe, mit ftürmifefeem Stiller iuic ber ©udffinf (— ein unfinniger, blöb* finniger ©ergleidj, gar feiner, unb bod) fdjreib’ ict> ifen fein —), bie Sinne breitenb: o fomme, fomme. Sir fdjaueti in bic ölätter feinauf, fi^cn mir in ber Saubc, unb erfefenen, erfefenen fie: Sid), märeft ®u nun bei mir. ©ütfec, ber ©innige, ruft: Slumcitgrufe. 2rr Straub, beit id) gepffürfet, teküjje 3Md) Piel taufenbmal! 3cf) Ijabe mich oft gebildet, ttrf), ttjopt ein taufenbmal, Unb if)n and gebrftdet 3Bie bunberttaufenbmal! Sir fcfelafcu fpät eilt mit ben feligften ©ebanfen; mir machen früh auf mit ben feligften ©ebanfen. Seid)’ feufrfjcftc ©mpfinbung im uufäg« (idjfteu ©lütfsmcf). Stil’ bic Sitzungen. ©eobadjtungen, unruhige ©icher* feeit, fid)cre Unruhe, §iit= unb fperermägungen: bin id) mieber geliebt . . . C -- 3mcifel, bis bic ©emifefeeit in einer ©tunbe, bie für unS feat uner- träglid) lang auf fid) märten laffen ober mie ein ©turmminb im Slugen* blid fam, ba ift . . . 3n einer SommcrmittagSftunbe traf id) baS 9Käbd)en, bic in einem uou ÄtiidS eingefriebeten Seg ein fechSjährigcS ©riiberd)en führte. SlUcS ift mir noch fo Har im ©ebädftniS: Sir maren allein; fein fDfrnfch geigte fid) in 9?äf)c unb gerne. Slls mir ftefeen blieben, nahm ich, Nie gezogen, ihre fRcdhte; eS mar mie oon felbft. Slit ber Sinfen hielt fie baS ftinb. Sährenb fid) biefcS nach &em Saü brängte, um eine ©lume ju brechen, baS cS begehrte, lag plöfclich bie kleine nach ber anbent ©eite, ben flnaben nicht loSlaffenb, purpurrot in meinen Firmen. Sir füfeten unS . . . 3m Sege mürbe ein gufetmerf fidjtbar. Sir trennten unS in ooller Slitgft Ser Senfer beS SagenS, ber greife Soeben, ber nur nod) im Scbcn an feine manne ©uppe benfen mochte, nahm uns nicht roahr. ©benfo Sie ©tergetgrube. 515 taub uitb blinb wie feilt bejahrter magerer $Kotftf)imme(, roaS flimmerte if>n em juttgrö ®lüd. Die §cimlid)fcit ber Siebe ift baS ÄtöfttidEjfte an iljr. 3el* fcheibe enblofer 3Biße. SinfS neben bem SiebeSgott ßodte auf einem bittren Hft, hochgeredt, mit ben Hugen jum erfpähenben fRaube, ein gänjtich Verhungerter, jer* jupfter HaSgeier. SRätfel über SRätfel. „Die Siebe unb ißre Begleitung?" Hber bie „Begleitung?" ©oDte fie bie (Sntfagung unb bie ©ferfueßt Der* finnbilbticßen? 3ch fonnte nicht fortfinben von biefen Bitbern. DaS Blut ftieg mir in bie ©chläfe, hörte ober taS ich W* lebernften SBifce. BefonberS baS Nashorn mußte herßalten. Hch, biefe elenben Beurteilet bei unS! Watt ober büßtet einer einmal frifcß aus fuß heraus: (Gleich buden fie 516 o. fiiliencton. ihn, rneil fie ihn nicht öerftef)en fönnen. 3f)t „Seferfreid" mürbe innert auch fonft fdjön „auf'8 Dad) fteigen". gft’d nid^t frf>on genug ber furcht« baten Äätnpfe, bis ein „Steuer" enblid) fic^ burchgebrängt hat?- ©ebt JRautn, ihr §errn! jpelft, ftatt gu erftiefen. Sieber in meiner ©aterftabt angefommen — id) fifce ja noch t^eute hier — ergab idj mich, guerft aud ©ram, bann aud feurigen, mitben, natürlichen Sünden, berber Siebedluft. SWit meinen greunben befudjte ich ^attgböben auf ben umtiegenben Dörfern. An biefe 3eit benf ich gern gurücf, unb ohne ©itterneib, ba% fie nicht mieberfommen farat. Aud jenen Dagen begleitet mich ent mitber Abglang meiner Sugenb, unb bid and ©rab toirb er mit mir gehen. Died «Schleichen nach $hü* unb fünfter, $ta rrnner unb Saube, nur um ein paar Stunben ein hübfehed, gutmütige^ ©auemtnäbel gu bergen. Sie fdjlug mein $uld. Sie ftifch bie m* Qtn frühen SDiorgen auf bem ÜRadjhaufemeg! Sad lach’ ich benn? gällt mir noch einmal bie Heine ©rete ein, bie ber ©ater toütenb gur Arbeit aud bem Dachftübchen holen rooUte. Die Xobedangft babei. Unb n>ie mir bei (Sonnenaufgang bie Stare fehmafcen hörten auf bem Dadjfirft neben und; ihr Sftachäffen oerfchiebener ©ogelftimmen, ihr ÜRadj* äffen felbft bed ^unbegebeHd. Sie hoben mir gelacht in gtücflichfter Stuf). Setdhe gütte oon föftücher, natürlicher Suft. SReine furge, gmeijährige @h e lommt mir mieber ind ©ebächtnid. geh habe Did) fleliebt, mie feine grau fonft auf @rben, Du fHHe Agned. Säreft Du nicht immer fo ftumm unb oerfchüchtert gemefen: Allmählich fam bie Sangemeile, bie furdjtbarfte geütbin ber (Sh*- 2>er ©tarnt, oon ber Statur gur ©telmeiberei befünunt, lägt feine Augen über anbere Seiber ftreifen. 3er Sohlthätig* feit finb feine ©chranfen gefegt“, wie bie befannte Siebendart lautet. Gd War bad ganje ©täbtehen hn groften ©aale »on „Stabt Ham¬ burg“ Derfammelt ®a faft bie geizige grau ©djlachtermeifter Sanfen: Sei jeber Gelegenheit, bie wir Süftenhammer im großen ©aale »on „Stabt Hamburg“ jufammen finb, edfamotiert (bad grembmort ärgert mich, ab« ed ift hi« ju bejei^nenb —) fie bad befteüte ©tücf (— bie ganje ©tobt weift ed unb beobachtet fie bedhatb fortwährenb —) ftudjen, mit bem fie inbeffen gefpielt hat wie bie Äa&e mit ber ERaud, am ©cftluft bed „Sergnügend" in iftr $afchentuch, um ed am nädjften ERorgen beim 518 b. Süitncrou. ftaffec ju ücrjcljren; ba faß mein riefiger, gutherziger ©arbter ipand Jpolm: 3)rcif|ig Sabre bat er mir bie ©toppcln genommen, unb ich glaube, ganj ocrgnüglid) fi(b au« biefen ©toppein fein jefciged §aud getauft; wunber= barerroeife toirb ber 3 )tcfmanft üon und feit unüorbenüicben 3 c *ten „ 2 Re* lobie" genannt. 2 )a fafe ferner . . . nun ade SBüftenbammer mareit erschienen. Scb batte jurn ©ortragen gewählt: „Ghriftel", „fRettung", „2Rorgem Hagen", „$)er ©ott unb bie ©ajaberc", „ÜRahometd ©efang", „®ie feböne SRacht", „örautnadjt", ©SiHfommen unb Slbfdpeb", „9Railieb", „fRaftlofc Siebe". ?lbficbtli(b nabtn ich biefe Sieber, um einmal ben ©bberiten 511 zeigen, wad griffe, SRatur, SRatürlichfeit, jubelnbed, jauchjenbed £ers fei. ©ber aHed blieb ftill; allmählich fingen bic Seute an ben $ifcben an, ju tufchcln: fie langweilten fich- SRach bem ©ebiebt „©rautnadjt" erhob ficb grau fiofprebiger SRöllermütler mit ihren beiben hübfdjen Töchtern unb üerliefj in abficbtlicbcr SlugenfäHigteit ben ©aal. ©Sie ich am anbem SRorgcn hörte — nicht allein, bafj bie grau §ofprebiger biefer SReinung gemefen — oon ©eoatter ©chufter unb ©djneiber: ©ötlje fei ber unfittlichfte SRenfdj. ©Id ich auf meinem ©ulte merfte, bafc bic prächtigen Sieber nicht „jogen", baff fie ben ©nwefenben aud) unoerftanben blieben, fdjlug ich ben Jptmmlifchen su mit ©Sut im fersen, mit Sädjeln auf ben Sippen. ®amt nahm ich — für ben gaU Don mir bereit gehalten — bie „©Serie" ber bei unferen 2 )eutfchen, infonberheit unferen tarnen fo beliebten „dichter" ^ütchen, Hütchen unb üRiitdjen her unb lad aud ihnen. Unb lad mit ©tat auf ben Sippen unb Sädjetn im Jpersen biefen faftlofen, blutleeren ©löbfinn. ©Sit jDeutfchen liebten oon jeher bad ©b* ftrafte. Sebed ind $eug gehenbe, and ber ©Sirflichleit hmübergenommen, jebed wahre ©ebidjt ift und belanntlich ein ©reuel. Stbftrafta, ©bftratta! Unb hört, hört! SRachbem ich aud Öen „©Serien" ber berühmten dichter Hütchen, Hütchen unb ÜRütchen geenbet, brach ein Ipänbefiatfchen lod, bafe bie ©Sänbe sitterten. $)ann folgte bad in jeber beutfehen ftleinftabt unoermeiblidje Äräns- . fiiliencrou. m ben 9Äunb hinein wollte. Srf) ernannte mich eitblid) nnb nahm fie mit ben Ringern furj uor bem geöffneten ©djlunb fort . . . Unten traf idj um bic ftreng auSfcbcnbe SBittwc, bic il)re bebeuben ©efiible nid)t üerraten wollte, bic '5roft= nnb Ipeulweibcr. 'Jvo^bcm Der* ft^toanben bie ©üßigfeiten non einem ßucbenteHer, ben fie wie bic SBagen* lieber ^erumfc^obeit auf bem $ifcb, mit großer ©cbnclligfcit. ÜKcincit ©Treiber juritcflaffcnb, „um nunmehr baS SSeiterc 51t ucr* anlaffen", wie eS in ber gtäfjlid)cn SlmtSftubenfpradjc beißt, gab td) bem Äutfdber, beffen SDiunb ewig aufgefperrt ift (— roabrfdjcinlid) lebt er nur Dom Cftwinb —), baS 3eicben ftum Slbfaprcn. ©in ©las eisfalten 9fot- weineS, mir an ben ©cblag gcbrad)t, wies icp, innerlich febaubernb, banf* bar ptüd. Um acht Uljr morgens baS ben Säuern oerfaufte rote ©ift, fiird)terlid) falt, ju trinfen, bin icb immer anfjer ©taube geroefen. @S ift mir non jel)cr ein Unbcgreifticfjeö gewesen, baß fiep plö(jlid), gön^lidb unDcrmittelt, grauengeftaltc 11 micbcr in meinem „Sufcn" (— roic bic Siebter fagen; mir ein wibcrwärtigcS Söort —) regen, bie icp lange, lange oergeffen batte. $>aS fieben eines jebeit StfanneS befißt ein ©tamm* buch im £>crjen, baS allerlei f^roarje, braune, blonbc Äöpfe unb gbpte entpätt; ein wirflid)cS ©tammbueb mit Coden, außcrovbcittlid) febönen Serien unb ber ergebenften $veunbfcbaftSbetbeuerung ift bieS nun juft nicht Unb es wirb feiten aufgefdjlagcn. 3d) finbe eS jum minbeften wunberbar, baß uor mir, ettoa beim 2ln* 5iinben eines £icbteS ober in einem langweiligen $)ienftgcfpräcb ober wenn icb Porten mifdbc ober waS cS immer ift, ein Sßcfen im §tugcnblid gejaubert ftebt, baS icb längft ins ©rab gefenft. 3>ann muß icb einige Sage mit biefem ©cbanfcit umbergeben. X>aS quält mich- HKit oft leiben* icbaftlicbcit ©tuten, bie nicht ju füllen finb, »eil baS SWäbel längft ge* ftorben, oert)eiratet, grau geworben, rticQeicfjt uerfommen ift, gebe i jumcitcit bic febmarjen, finden Setten auf einem ©treifen beS SafferS -jeigenb, ocrt)üllte bas anbere Ufer, tiefe eS nach SJtinutcn micber frei. Sturj, cS mar fein Stampf mit bem DageSgeftirn. Sir Drei ftanben, bic §ünbiit ab unb $u oor Stätte .ytternb, mir biefet oor ben Shticen, 001t ©cfeilf geborgen, am ©tranb. ISS mar empfenblid) tatt. Säferenb mir fcfemcigcnb in ben Dnnft fabelt, bradj biebt neben uns ein gifdfreiber, ber ficb bis baljin auS ©olitit ftilt gebatten t)abcn mochte, nun aber bod) ber ©efafer beffer burd) feinen Abflug 511 entrinnen gtaubte, auS bem Siofer. ( 5 s mar ein muubcmotlcr Slnblid. Der herrliche ©ogel, erft einige ©eiltänjcrfpriingc mad)cnb, um Suft unter ben gtunt 511 faffen, ging bann in bic ^>i>be. Sir fonnten oott ben nebclfcudftcu glügcln, bic ben Slnffticg baburefe crfdjmcrten, bic Dropfen fallen fcfecn. ©atb mar er im biebten, attc 2 luSfid)t oerbergenben SRiefetregen oerfefemun* ben. SReine £>üitbin gab mir ein üormurfsooHcä Stuge, bafe idj baS ®e* mehr nicht an bie ©ade geriffelt, gatinga, erfeferedt burd) baS ftatfd)cnbc ©eräufd), batte mid) fcbitcll, äitgftlicfe umfafet. Unb fo ftarrtc« mir brei bem mächtigen Sotfcitbcfucbcr und) . . . Unb uon biefem Staber fettete ficb m( i n ©cbanfcngang 51t Rating«, unb in ber itächftcn ©efunbe überfiel mid) eine gcrabc.yt loütcnbc ©ct)n* fucht nach gatinga, unb id) rief memem, ttod) immer ben Dftmiitb Der* fehtudenben Äutfrijer: nach 3 oad)iniSquclI. Die Heine Satbfd)cnfc 3 oad)imSqitclI lag nur eine ©icrtclftunbc oont Sege entfernt. Stach SoachimSquclt! 3 dj ntufe bie ©teile micbcrfcbcn, mo ich fo gtücflid) gemefen bin not — breifeig 3 abvc». Uub breifeig uoltc 3abrc batte ich niefet an gatinga gebacht. ( 5 S ift mir, atS meint id) nicht in einem Dagcbudjc fchrcibc; cS ift mir, als menn id), in meiner imgc* beuren ©nfamfeit, einem greunbe gcgcmiberfibc, um ihm 311 erjäbtcit. 524 t>. SUiencton. ffatinga nannte ich fie in meinec bamatigen tomantifdpn Stimmung. Sie ^teg eigentlich Mönchen ©ilberfacf. SltterbingS fönnte ich mich *** biefem SRamen irren wie auch barin, bafj ich nicht recht mehr meifj, ob fie bie Xochter unfereS Nachtwächters gemefen ift ober eines Gefängniswärters. Huch entfinne ich mich nidht, toie mir uns fennen lernten. ®ie SBatbfdhenfe gehörte bamatS toie heute HRatcS §amann. Sch hatte biefem jener 3eit einmal baburch einen Keinen ®ienft ertoiefen, ba§ eine für ihn oon mir oerfafjte ©ittfchrift höheren DrteS auf guten ©oben gefallen war. ®er SRann wollte mir burdjauS feinen $)anf bezeugen. Hber ich mieS ihn ladjenb ab. GineS $ageS boch fuhr ich S lt ihm, ber fich eben oerheiratet unb baS §auS fchon hn SBalbe getauft hotte, hinaus unb fagte ihm: „Nun lönnen @ie mir einen Gegenbeweis geben, ©ie fallen mich unb meine Keine $rau acht Sage fo beherbergen, bafj mir Oon feiner ©eite beläftigt werben." Unb richtig, eS machte fich vortrefflich. Sitten alten kanten meines NefteS jum Srofc ift baS Geheimnis gewahrt worben. Sie ©chenfe war aus einem bort ftehenben oerfattenben Sagbfchlöft* chen gebaut, ©titte, oerwitberte, oerlaffcne Gärten liebe ich. fanb id) einen. Sn biefem Räuschen, in biefem Garten, oon ocrfchmiegenen SNenfdhen befehlt, burchlcbte ich ben Keinen Vornan. Gin f>etfeer Huguftmonat ging mit uns. Überall, wo ber SBalb, ja, felbft ber oergeffene Garten bie fjaibe julicfe, blüte biefc. GineS SageS fajjen wir auf einer fteinernen ©an! oor einer mit hohem GraS oerfteeften, cingefunfenen Urne. Set ©übwinb wehte fchwüL Gr neigte bie weiten Solbenblümchen ber ©djafgarbe, bie h^ um uns zahlreich fich eingeniftet hotte. Sie fjeufchrecfen jirpten nah unb fern, fliegen, in bunteften garben, fdjwirrten, ftanben in ber ßuft. ^löblich eilte ein Ääferchen auf ben gufe gatingaS ju. ©ie trat ihn tot. 3d) war empört unb oetmieS, äufjerft heftig metbenb, eS ihr ernftlich- Sa jueften bie Sippen ihr, tränen ftürjten hecoor, unb fchludjjenb warf fie fich an meine ©ruft, immer micberholcnb: 3d) hob’ Sir wehe gethan. SRie hörte ich f° Weinen. Saä fam aus bem innerften Snnern h^auS. Sch erinnere mich, bafj eS mir eine füfje Graufamleit bereitete, fie fo fchludföcn ju höten. 3d) beugte mich über fie. SaS ©chluchjen gab ihr Sch h< c ^ f* c m meinen Hrmen wie ein bereuen« beS ftinb. Samt beruhigte idh »h^n leibenfchaftlichen ©cljmerft. Sich, *in SKenfdhenherj liebte mich . . . SBähtenb idh ih r gute, freunblidhe SB orte gab, bemerfte ich, mic fie mich oerftohlen beobachtete, Oon unten auf, nicht Sie SRetgelgrube. 525 bad Äöpfchen, nut bie Äugen fjebenb. (Eitbßch tjob ich fie hoch, tute eine gtiufltdp HRutter ihr Ätnb jeigt, unb ein erfted fiä^ebt, nodj unter Xhräneit, formte fchüdjtern mir entgegen . . . 3m SBalbf)äuäcf>en, tuo mein Dfttoinb uerfchlucfenber Äutfc^er iitbeffen ein Stufcenb fernerer fchledroig*holfteiner ©uchroeijenflöge gegeben, ^atte id) mit bem gleich mir längft ergrauten SRarcd §amann ben ©arten unb bie Stäume befugt, tuo ich einft fo gliicHiche ©tunben uerlebt habe. 9Rerf* roürbig, atd ich tuieber ben ©tagen bestiegen, fdpenen alle (Erinnerungen an f$atinga Uerflogen. 3d) tuar rote befreit. (Ed tuar fpifjer SRittag geroorben. ÄQe 83ögel fchroiegen. SRur bie ©olbammer fang ihr jroettönig Siebten in allen ftnicid. Oft höbe id* gebaut: oerbanft öeethooen unberougt ben Änfang feiner Stritten uieKcidjt biefem ©ögelchen? „Stad ÄnHopfen an bie ©chtclfaldthür"? ... ©eethooen! unb bad ift mir noch roie ein ©erbinbungdjeichen mit bem $immel: tuo^er Eommt ber ©eniud! SBedhalb unter SRiHionen unb aber SRillionen immer mix (Einer! (Eine (Erinnerung uon einer fdjöneren SSBcIt? ©eethooen, ber fo oiel grübelte, bem aud uielen unfdjetnbaren (Einfällen, uon benen und manche erhalten, bie er flüchtig hingefdjrieben, ganj allmählich bie großen SBerfc rouchfen. Unb welch’ ein Unterfc^ieb anbererfeitd mit bem ®ötter= folpt SRojart §ier ift leine ©pur uon Ärbeit, er h at laum 3^ 8 U ftfpeiben, fo brängen bie ©ebanfen. Ätted fliegt bei tipn in unglaublicher ©dptne. Äber ©eethooen unb SRojart finb ed nicht, bie bad in mir roach rufen roie 3ohatm ©ebaftian ©ach unb Stöbert ©chumann. Unb namentlich bicfer, ob ich ih n h^w ober fpiele, bringt mir unerKärlichc ©timmen unb ©timmungen. SBic bad aUed geheimniduoQ ift. 3a, ber ©eniud, unb ich tonn biefe ©orfteUung 3 e *( meined gebend nicht oerroin* ben — ber ©eniud ift noch &on einer anbern Seit auf biefe Häglichc (Erbe mitgeflogen. Ster ©eniud! Unb immer nur unter uielen SRiHioneit SRenfdpn einer! ©on allen ©enied fteht mir in ber gan 5 en SBeltgefchichte ber gtoge Äurfürft, „mit ber ©tim bed 3eud", (— Äleift t)at ihn und in ©olb gefügt —) am §öd|ften. (Ed tuar fo uiel fittlicher ©ehalt in ihm. Ster groge Äurfürft tuar ein gläubiger (Elpift Unb roelch’ ein Unterfc^ieb mit bem jroeiten ©enie auf fßreugend SThton, mit bem grogen ©otted* leugnet griebrich- Ster (Einfame. ©Selche Stiefen! 3ch tarn auf meiner f$ahrt immer mehr md Stenfen hinein. Unb cd löfte fuh aud biefem roie ein Kater ©unlt ber eherne ©Sappcnfpruch cined 526 ». Silitncron. uralten, berühmten bctitfcfjcn 9lbc(SgcfchlechtcS: Cliacun a bien a faire du Sien. 3 cf) mag tf)it überfein mie id) mit!, immer fdjätt ber Äcm hevauS: 3d) bin, ich lebe! 3cf) f>abe baS Siecht tote jeber, ju atmen, ju fämpfeu, jpi genießen. Unfer ßeben ift furj. 3um Teufel mit ber Jagerei. Sein ÜRnrr mill id) fein. Seber lebe nur fo gut roic irgenb möglich. nufer ficben! Selchen 3mcd hat eS! 2Bic unjäljlig ift bic fjragc beit (Sternen von nnS jugcrufeit. Unb niemals fam bic 9lntmort, fam ein 3ctc^cn. fjrüher rang icf) mit ©ott, unb oft, oft fjab' id) ben Sprud) gcfdfjriecn, ber mir in ber SMbel jutjüc^ft fteht: „Herr, icf) glaube; f)ilf meinem lln* glauben." Senn ich meinen greunb, ben Scelforgcr, ben treuen, lieben Hermann — mic tjcrglic^ mar er bod) baS lepte 2Ral in ^onterfird^en; baS finb auch mieber jmei Satire fdjon her — t)ier batte, beffen 3®orte mid) immer fo tröften, vielleicht, vielleicht . . . Unb ich berfant unb brütete ... Sn Srift fuhren mir bei ^aitS färbet vorbei. Unb mie vor breifeig Sahreit ging Iper im ©öpeltvcrf, bie alte Schinbmäferc mit einem abgeriffenen ©llcrnjroeig fchmad) treibenb, ber iteunjig jährige fiaSpar=DI)m. Sd) liefe halten. „9?a, mo geit’t, ÄaSpar* Cfem?" ,Ümmcr ’rüm, ümmer 'rüm (herum), H crt ^arb’Svogt. 4 Unb ich mufete mir im 9iadhhaufemeg oft miebcrt)olen: „Ümmer ’rüm, ümmer ’riim — in ber alten traurigen Tretmühle ... 308er fann baS auSl)altcn"... Ser fBoflmoitb fteigt eben über Stcllau auf: grofe, pratfehig, gelang* meilt. Sch mill heute Slbenb mein ßchmloch befugen. @S mar in einer 5Raef>t, aud) im 9J?ai, bor langen Saften, als id) auf bem grofeen Stein nicht ben 5 U( h ä fahl meine Sinne vermirrten fidh batnalS; erft ber frühe Sau brachte mir mieber baS SBemufetfcin. Ser SWonb befchien bie 3Rer* gelgrube unb ben gelben Huflattich, ber bort in grofeer SRenge rnächft es gab eine rätfcll)afte ßanbfdfaft: ber gelbe SWonb auf bem gelben Huf* lattich- Sft baS ein glcddjen, mie cS auf bem UranuS vielleicht fich jeigt? Unb ich hatte mir faum bie $rage gethan, als cS um mich raufdf)te, mie menn ein ging tauben nah über meinem Äopfe eine Scfjmenfung gemacht habe, unb — o ©raufen — auf bem SRiefenftein lag ein Ungeheuer, ein brachen, ein Sier, ein StroaS, baS ich uic auf unferem Planeten gefehen. Sch trat entfett jurütf, aber im SRücfmärtStreten behielt ich c8 im Stu9 e ‘- cS leefte fich mie ein Hunb, mie eine ifafce bie auSgeftredt liegenbe rechte ^Jfotc. Sine blaue Spfjo^pfjorfd^etbe umrahmte ben 5fopf beS Untiers ... Sann rührte eS fich halb nicht mehr; feine grofeen, fahlen, leeren Slugen 2>te SRetflel grübe. 527 gloßten mid) an, roie in Hamburg auf jenem Silbe bic Gingen beg SJZag* bom*. Unb wie ber ©atan oor bem 5heuj, bag ihm entgegen getragen robb, ging idj jurütf, ben linfen Ärmel oor ben Slugcn, unter ihm hin* ic^ielenb nacf) ber (Srfdjeinung. $>a hörte id}, auö unermeßlicher Seite, Robert ©cf)umanng „Sluffchmung". @g Hang gattj teife; aber nun hiec, nun bort, langsam fcf>rt>ellenb; unb eg mar fein $>urcfjeinanöcr, immer trat icharf bie unoergleicf)lich munbetuofle, ^erjeatfaftenbe SHelobie hcroor. 3d) jpielc bag ©tüdchen oft, unb bann mit jener ftürmifc^en ßcibenfdjaft, roie o* gcjpielt merben mufe. 9toch h eutc borgen, epe ich in ben Sagen ftieg, lieg ich eg über bie haften jagen. Unb lauter unb lauter Hang eg, unb braufenber unb braufenber non allen ©eiten. Unb icf) liefe ben &rm fallen oon ber ©tirn unb hob ben Jlopf unb mit feftem ©chritt trat ich au f ben ©teilt ju. 3c näher ich fam, je mehr ocrmanbeltc fich bag feltfame graufe £ier in eine hohe Sicht* geftalt unb eublich, alg ich 8 an i * n ber Sftähe, erblidte ich einen (Sngel, genau in ber Sorftellung, mic mir fic alg Äinbet hoben. Die meifec, eben¬ mäßig gebaute Geftalt ftanb im blauen ©chein. Unb eg mar biejclbe bämmerige Färbung ber fianbfdjaft: ber gelbe SDionb auf bem gelben Jguf* (attich unb alleg bag ubergoffen oon bem blauen ©chein. SRoch immer jubelte bie SWufif. Unb mein §erj mar mutig. Unb ich rebete ben (Sngel an. Unfer ©efprädj ähnelte einem Serhör jmijehen bem Seamten unb bem auf bag 2)ienftjimmer Ipinbeftellten. 3n bemfelben trodnen, lebengtoten Xon. „Ser bift bu?" (Sin ©ejdjöpf ber Seit. „So ift bein Sohnfifc?" Stuf bem Uranug. „Seghalb ftehft bu hier?" 2)u riefeft mich- „©ehen auf bem Uranug bie ©eidjöpfe jo aug mic bu?" Stein. 3cf) gab mir bie ©eftalt, bie beincr SBorftellunggfraft möglich ift Surbeft bu hier ein ©efehöpf beg Uranug erbliden, fdhlüge bich auf ber ©teile ber Sahnfimt. „SlHeg ift anberg mic bei ung?" 3a unb nein. „Sag foll bie Slntmort? 5)u fprichft ja mie ein beutfeher ^rofeffor." Stuf bem Uranug mie auf allen ©omten unb fßlaneten finb bie ©runbftoffe biefelben. 3)en ©tein, auf bem ich fabe» ftnbcft bu auch au f bem Uranug. 528 D. Sttiencton. „Siebt ed bet euch laudj Drahtzieher, Äeffetflitfer, Dichter, ©äder unb anbete §anbwerfer tote bet und in Deutfcblanb?“ Die Dichter finb bei und föinftler. „Unb bütfen fie fdfteiben, toie fie wollen? Unb finb, roie in Deutfcb* lanb, nicht gezwungen, nur für bie fönberftube tyre Sächelchen ^etjuric^ten?" Sie bütfen ficb audleben bei und. ,4jabt ihr grieben, ben ewigen grieben bei euch?“ (,Äuff fagte ed bit febon. „§at euer ©lut rote garbe?“ Du fönnteft ed nicht begreifen, wenn id) bir batauf Antwort geben würbe. Du würbeft fofort wabnftnnig. 3cb fprec^e mit bir, ald wäre icb ein Srbenbruber oon bit. „£öfe mir bad Diätfel ber Seit.“ @d ift Jein Diätfel. Äfled war, afled ift, aHed wheb ewig fein hn immerwäbrenben Secbfcl, im Aufgang unb ÜRtebergang, im Seborenwerben, im Saufen, Hbnehmen, Sterben. „Die le^te grage (— unb icb f a b bem Sngel Har in bad feböne, regelmäßige, etwad boebmütige Sefübt —): wirb unfet ®ei|t befreit, wenn bie Schatten bed Dobed und umtaufeben; wenn wir ber irbifeben Dualen unb Sreuel entbunben werben, febweben wir bann nach feligcn Snfeln?' (,Sluff(bwung‘ war gänzlich erftorben; lautlod ging bie Seit). Statt bet Antwort oetwanbelte ficb langfam — ed fniftertc — bet Sngel in bie Seftalt bet Spbinj mit bet altbelannten, elepbantenobrlappigen, bumpf=bummbrummigen, fdjläfrigen, unempfänglich * unempfinblicb gleicbgül* tigen, ftnbifch febweigenben grabe. Unb eine ungeheure Stille umgab mich- 3cb fchlug ju ©oben unb oerlot bad ©cwußtfein. Sie ein lefcted Se* räufcb Hang mit bad ferne Seraffel bed fRachtfcbneUjuged . . . 3itf meinem Unglauben. ©ott ift bie Siebe. 9tun, Du Dbeuter, bift Du angefommen an bed ©emaltigen Dhron, fltemlod oom ©ettfpiel bed Sehend, Jeuchenb, ftebft Du oor ihm. @r aber, bet und ind tieffte §etj fiebt, öffnet Dir bie SBaterarme unb fanft, fanft jiebt et Dieb an ftcb: „Du matft ein ÜRenfd); nun tube aud bei mit." ©ott ift bie SQmacht. ©chteitet fein Sag übet bie ©tbc, ftreift fein 9RanteJfaum ben Uranud. ©ott ift bie ©üte. Der Du jefct Dieb btrgft an feinet SBruft mie ein oeriaufett ge« mefened Äinb, Dir legt et miibe bie $anb auf Dein ipaar unb flüftert: „201 Seib bot nun ein ®nb\ ©ad Du geittt, ich [träfe Dich nicht: Du matft ein SRenfcb" 530 (Eonraö. 3 a, ucrctjrte Slnmejeubc. 3 U ®ott wollen wir aufblitfcu, alle® ihm oevtrauen — an ihn glauben. Slu® ben SdjrccfniffcH itnb SSirrnifjen nnb Sßiberfprüchen be® Geben® — er allein hilft nn* Ijcrau® . . . Schlaf wohl, S>u treuer $reimb. flieht ein SBiebcrfcljn. Ter 3 'riebc ift mit Tir. S>er Triebe j c i mit itnö. Ter ^riebc in ©ott. |m jBtlbq* 3 mv , vefftoniftif(fje 5 ftj$e oon 2TT. <0. <£onr ab. (Mimten.» "|^or uicrjebn Tagen mar ber Silbl)auer Sichter nach Slmerifa abgcrcift. 4 9 Kaf o. Mailing nnb bie fehroarje Sofia ermatteten ftünblidj bic üftadjricht oon feiner glüeflichen Slnfuitft in ber neuen Sßclt. S)cnn fo hatte bic SScrabrcbung gelautet: SEBir ftärjen un® nicht in foftfpieligc «Schreibe* reicu, noch weniger fefcen wir bie Äftionärc ber tranSatlantifchcn Äabcl= geielljchaft in Nahrung, aber bei jebem neuen ©lücfcöfchritt unfere® «Geben® jenben mir un® im ©eiftc frcunbfchaftlichcn ©rufe unb einen Äartenbericfet oon telegrammatifcher Äürje; jebet jucht feinen SEBeg, bi® un® ber 3 u f fl tt auf biefer tollen ©rbfugcl roieber jufammenführt. „2Bir mögen e® noch i° Hug nnb oorfichtig anpaefen unb noch f° Diel ©elb baran menben," pflegte Stelling feine ^ß^ttofop^ie jufammen* jufaffen, „ba® «Geben bleibt immer ein berwünfelfte® Sjperiment oon jroeifel* haftem Äu®gang. ©8 fpielen übermächtige, rätfelhafte Äräfte mit, benen ber befte SGiUe nicht immer gemachfeit ift. Sei’® brum!" „Äber a — ©elb mufe ber Sftenfch hohe!" fiel bann jebe®mal ber refolute Sichter in feinem breiten batjerrfch'fc^wäbtfc^en S)ialefte ein. „Unb a Temperament unb a «Geibenfchaft unb a ißaar ffäuft’!" S)abei ftrupfte er bie Ärmel jurücf bi® an ben ©Hbogen, bafe ba® enganfchliefeenbe 3ä* gerfche SBollhemb fichtbar würbe, unb machte mit ben kauften eine frei* feitbc ©elenfbewegung oor ber Stuft, a(8 ob er einen Slnlauf jum Sorftofe gegen einen unfidhtbaren ©egner nehmen wollte. @r warf ben bicfeit Slopf mit ben afdjblonben floefen jurücf, unb au® feinen ftafjlblauen Äugen bltytc 3m «tflier. 531 ebenfooiel ©utmütigfeit roie entfdjloffcner ßämpferfinn. Dann f trief) ec fid^ mit beiben §änben beit langen, gelblichen ©djnurrbart gegen bie fpabidjtS* naje hinauf unb rief mit bcolliger ©djmermut im Donfatl: „D mei\ gteun* berl, eS iS hat* nij. SBer loa ©elb hat, iS a ßump." Cber: „Drei'fchlaga möcht’ man in all' bcn piunbcr, aber man faitn [ich elenb öerhaua, unb bei bcr Silbhauerei am tcuern SRarmotblod hab’ id) fchon a biffel ©cbulb g’lernt. Die lumpigen ©chetben finb immer baS ftoftjpieligjte unb eS ift nij bannt ju richten. ?lber jum Pufclumpen für bie Änbern geben mir uns noch lang nit her. ©jer auf unb baüon!" Der reiche Galling hatte feine ftille f^eube an biefen ©cfüljlSauS* brüchen beS ÄünftlerS — unb banfte ihm mit freier gafjri nach Slmerita. ©o turj bie $etanntfd)aft ber Seiben mar, fo rafdj hatte fie fid) ju einem innigen, roenn auch für Dritte rätfelhaften grcunbfchaftStoerhältniS auSgemadjfen. ftaum einen äRonat hatte ihr perfönlic^er SSerfchr gemährt. Dalling mar bu«h eine überaus hämifche 3eitungStritif Ü6er bie Darmin* Süfte beS jungen SilbhauerS unb burch bi* miberfprechenbften Urteile, bie über fein originelles SBefen umliefen, angereijt morbeit, fich ben SRann hn Atelier anjufcljen unb feine Perfon unb fein SBerf ju muftem. DaS Atelier lag in ber Slrfoftrafjc, inmitten oon 3tnS* unb profcenbauten. DaS mar ein hiriofcr JRaum, ben er im £>of betrat. SSon ber Dhür* fchmelle aus mufjte er fünf Dreppcnftufen hmabfteigen; er blieb aber gleich auf ber jmeiten ftehen, ein riefiger, gelbbrauner üfteufunblänbcr trat ihm fnurrenb unb gäfjnefletfchenb entgegen. Sellenb tarnen noch brei §unbe oon geringerer 9iaffe aus ben buntlen ©den heroorgefrochen unb eine trächtige ^mhnerhünbin. bie am Änie einer antiten ^elbenftatue angefeffelt lag, flirrte mit ber ftette unb erhob ein flägli^eS SBimmem. 2luf bem genfterfhnS ber Dhür gegenüber fafj ent halbnadteS SRäbcljen mit fdjmar* jem §aargelod im üollen Sicht, Hatfchte in bie §änbdjen unb fdjrie mit hoher, freifchenbeT ©timme: „Äufdj, tufch, Starrt), tufch Diana!" 3n ber Xhür beS SiebenjimmetS linier Jpanb öerbuftete ein munberbar fd)lanfeS gtaueitjimmer, nur mit einem bie prachtooUe ©üfte entblößt jeigenben ©emb betleibet Seine unb güfje mären entjüdeitb geformt Äber melche Ätmofpljäre! (Sin fdjmüler Dunft, gemtfeht aus pene» trantem §unbeftaQgerudj unb heiler, fumpfiger ÄeHerluft fchlug bem ©n* tretenben jugleid) mit bem nrifjtönigen §unbe* unb fönberlärm entgegen. „Herrgott, mer hat fchon rnieber bie Dhüt aufg’riffa?" fchrie jefyt eine metafluolle Dcnorftimme in ftarier ©regung. „©tili, SuberShunbe!" Unb eine unterfefete, breitfchultrige SWannSgeftalt in Pantoffeln, mit einem me$Ieinenen ©einfletb, nactten, haarigen Urnen, bie $äitbe mit frifdjem 632 Sonrab. Dpon bebaut, auf beut blonben Socfenfopf eine SJfüpc aud 3eitungdpapier, trat Gintec einem fepmupiggrünen ©orpang perbor, bet Don ber falben Slaumedpöpe btd auf ben ©oben reichte unb bie SBerfftatt in jmei un* gleiche Deile fepieb. „©erjeipung, icp fanb bie Dpür nur angelernt unb mein JHopfett mürbe überhört," fagte Galling, fiep entfepulbigenb. Sinter tarn bem gremben bid an ben g u 6 ber kreppe entgegen unb fixierte ipn mit rafepem ©liefe. SBäprenb er mit ber einen §anb ben ■Jieufunblänber jurüefbrängte unb bie Seinen fföter mit einem leisten gng* ftog jur SJtupe mied, machte er mit ber anbem ipanb eine einlabenbe ©e- megung. „©itte ungeniert herein p fteigen!" Dann manbte et fiep flugd um, pob in einem ©epmung bad SJfäbel Dom f^enfterfimd unb fcpob ed burep bie Dpür bed ■sftebengentaepd bem oerbufteten ^rauenjhnmer naep. „SRarfep, bapinein, unb 9tupe jept!" „©ie paben ba ja eine präeptige $unbefamilie — Statur unb färnft im fepönen ©erein! M bemerfte läepelnb 2Kaj u. Dafling, inbem er oorfieptig bie fteilen Jpoljftufen, bie bei jebem Dritte fraepten, pinabftieg. Äuf ber borlepten blieb er noep einen ftugenblicf jögemb ftepen unb maepte mit bem §ute meepanifep eine grügenbe ®efte. „Saroopt," ermiberte ber ©itbpauer — ftieg rafcp beibe §anbe in einen SEBafferfübel unb troefnete fie an einem jerfepten ©tüef grober ©aef* leinmanb — „jamopl, ed ftnb meine ©rüber, greunbe, Äameraben unb teilmeife meine ©mäprer. Die SRaepjuept meiner Diana pat mir feit brei Saprcn mepr eingebraept, ald aQe @ötter bed Olpntpd unb bie anbem alten unb jungen fterrfepaften, bie picr peramftepen. ÄSerbingd feplt’d an ©laefereien mit ben §uttben auep niept" Diefe Ungebunbenpeit bed (Sntpfangd unb ber 9udfpracpe gefiel 9Waj 0. DaHing über bie SHagen. Dpne eine meitere <£inlabung abjumarten, rütfte er ftep einen lapmen ©tupl aud bunBem ©cpenpolj jureept, ber mit ber öepne auf bem ©oben lag, bie ©eine in ber Suft, legte §ut unb ©toef auf bad genfterbrett unb lieg fiep nieber, naepbem er oorforgtiep fein Dafcpentucp über ben ©ip gebreitet. „9n ©taub unb ©cpmup feplfd in bem berbammten ßoep niept. 9bet ed liegt bequem, pat gute ©eleucptung unb ift billig . . ." „Unb luftig, alle SBetter!" fiel DaHing ein unb füprte bad 9Rai* glöefepenfträugepen in feinem Änopfloep an bie Stafe. „9p, iep berftepe," maepte 9cpter ungejmungen unb rig einen Seinen genfterflügel auf. „©on. SKaienbluft unb ßfrüplingdbuft ift pier freiliep feine ©pur. 3ep laffe jmar bie Dpür oft ftunbenlang auf, aber ber §uitbc* 3m Hieltet. 533 gcrudj fifct feft Unb id) fag’ 3hn«n, man mertt U)n gar nicht mehr, toenn man ftd^ bran gemöfjnt hat" ®or ^remben ^od^beutf^te er mühfam. „3a, bie ©emoljnheit tf)ut nie! . . „@eruch ift fchtiepd) ©erudj, menn er nur gefunb ift. güt einen regten Dierliebpaber ..." „Der aud) id) bin," ffaltete Delling ein, htbem er bequem ein Sein über baS anbere fdEjlug. „SRun alfo!" rief ber Stlbhauer trhmqj^ierenb. „kommen ©ie öiel* leicht eineä §unbeS megen? Mit ber Diana giebt’S nädjfte SBod^e feierlich fiinbbett, Dienftag ober Mittmodj ober fpäteftenS Donnerstag . . . Die Hebamme ift fd^on aoifiert ..." Unb ber Äünftler tackte oergnügt, bafj jmei Steifen elfenbeinrneifeer 3äf)ne unter bem ©«hnurrbart hetöorglänjten. Dann h°b er baS trächtige Söeibdjen auf feine ftarfen Ärme, ftreidelte eS Zärtlich unb fagte: „Sticht mahr, Diana?" „©e^en ©ie einmal biefen ^racljtbauch! Da fterft maS DrbentlicheS brin. ©ic trögt ihn auch ganz ftotj, bie Diana, als ob fie fagen toottte: ©(baut nur tyr, baS ift Mutterglüd. Sin braoeS Dier!" „3immclswillcn, am Snbc finb eic fclbcr einer non benen, Äreujfafra ..." Sädjclnb liefe SDalling baS 33latt finten, erhob fich bann mit Sin* ftanb: „Sch mufe um SScrjeihung bitten, mein ÜTCame ift SRaj o. Galling, id) bin ßunftfrcnnb, aber nid)t Äunftridjter, unb meine Äritif hat bis jefct nie ben SBeg in ein Soutnal gefucht. 3)iaj u. Galling furjweg, ohne amt* licfee Dualität. 3cfe lebe ju meinem SBcrgnügen." SS lag nach bem SSorauSgegangenen fo uict fomifd^e geicrlicfefcit in biefer Oerfpäteten 93orftellung, bafe ber ftünftlcr ganj oerlcgen würbe unb nun fcinerfcitS ein ©egenftüd leiften ju muffen glaubte, inbem er fid) Oer* beugenb gleid^faHS öorf teilte: „Wein 9tamc ift Sofcph Slcfeter, afabemifefeer 33ilbhauer." „StUc Hochachtung! «Sie finb mir längft uorteilhaft befannt als ein tapferer Zünftler, ber unbefümmert um greunb unb fjeinb fein 3*el tut Sluge behält. Unb baS freut mich unb hat mich S u 3h ncn Q^füt^rt . . ." Patting tiefe ben gelben 3 » 9 arettenftummel fallen unb taftete mit ber Hanb nach ber SBabe. „S)och fchon fo ein üerbammter $lofe!" murmelte er. „SSarten ©ie einmal," fagte ber SBilbfeauet unb rieb fich bie Stirn, „Galling — 0. Mailing, ^>crr 0. Galling — Sfer Stame ift mir auch nicht unbefannt. SBo hob’ ich ife n benn gleirf) gehört?-Sch hab’S: ein 2>ucll, fo oor jwei Saferen etwa, niefet wafer, baS waren ©ie? Sitte 3«* tungen feaben baüon gefeferieben. ©o etwas befealte id). 2Rir gefällt eS, wenn einmal orbcntlicfe brcingefcfelagen wirb ..." „Slber ben unoerfefeämteften Hieb feab’ ich abbefommen." „Schabet nichts, baS Vergnügen bleibt baS gleiche." 3>ie beiben STZänner fcfeüttcltcu fich fräftig bie Hanb. ißlöplich fehlugen bie Hunbc wieber an unb ber 9leufunbtänber fcfctc feine mäefetigen fßrafcen mit einem einzigen Slufbäumen auf bie oberfte 2reppeuftufe. 3m 9ltelicr. 535 (rin wibcrtirf) l)öf(idj grinfcubcv Slopf erfcf)icu in ber Dljürfpaltc unb fiitcltc: „£abc bic (Stjve, $crr 2 td)tcv, t)abe bie @I)te, id) ftörc bod) itidjt? Sic erinnern fid) bod)? Sd) fomme bod) roafjrfjaftig nid)t 511 frütj? . . . $ittc, ttjun ©ie bod) bie fjöltifdfcn öunbe toeg! . . . Äbfdjeulidje iBefticn! . . ." 'Ärgerlich oerzog bev Silbt)auev baä ©eficf)t, feine 3 ovne 8 aber fdjnjotf, feine tfäuftc ballten fid): „£>o(’ ©ie ber Teufel!" „©ie finb nid)t l)öflid), §err Steter!" „ 3 ft auch gar nitf(t nötig, ©ie ©urgelabfdptciber!" fd)rie jefct bev 33 tlbt)rtucv mit brötfnenber ©timme, in melier bie §unbefamitie bie Stuf* jorberung erfanutc, mit aller N?acf)t ber ßetjie unifono einzufallen. (Se war ein frcibcnlärm. Sluö bem Nebenzimmer crfdfatlte ©dfreien nnb Seinen be* Äinbcö unb in ber 9lrci3ftra&e legte wie auf SSerabrebung eine Drehorgel I 08 , wät)renb ein 0 orü 6 erfutf cfjierenber ©tabtpoftitlon föntet« tetnb in fein §om blicS. „Drei’fd)lage mödjt’ mer! ©old)e Cuabratlumpcn!" tobte ber 33 i(b= baucr aufjet fid), warf ben gcnftcrfliigel flirrenb ju, eilte ftudjenb oon D()ür zu Jfjör, fdfob bic Nicget oor unb gebot ben §unben $Ruf)e, mit bem Jujjc ftampfenb. Sßerbliifft ftanb 9J?a£ o. Kafling inmitten biefer totten ©jene, mcd)a= nifcf» bae 3 e *^ungd 6 (att jufammenfattenb unb nad) ©toef unb £>ut greifenb. „Da 8 war wieber eine ©notion!" rief ber tBilbtjaucr auffdjnaufenb unb nötigte feinen ifpt fragenb anblidenbcn ©aft, bod) wieber gefältigft ^>lafj z u nehmen. „Darf id) 3^nen nod) eine 3 * 9 nrettc anbieten?" Dalüitg nafjm banfenb an. „©e^en ©ie, feit eö ruchbar geworben," fuljr ber Zünftler fort, „bafj id) 9Wünd)cn oertaffen Witt, rennen mir bie äRatefijfertc bie Dl)ür ein, ber eine mit einer ©dfutbforberung, ber anbere mit einem $ anbei, ber brittc mit etwas anberem . . . Den id) foeben abgefertigt t)abc, ift ber unOer* jdjämtefte oon alten, £cutc ift cS fdjon ber brittc Dag, bafj er mid) an eine lumpige ©djutb mafjnt, bic baju erft ©nbe beS 2 Jionat 8 fällig ift ... Sd) tann bod) baS ©clb, baS id) fetbft nid)t f)abe, bem §atunten itidjt nadjrocrfen? Serrgott, baS oerbammte ©etb" ... „©ie wollen bic Aunftftabt 9D?iind)cn oertaffen? DaS erfte Sort, bas id) t)öre," entgegnctc DaHing teitnat)m30otl unb ftreifte mit bem Fingernagel bic 3ifl< , rcttcnafd)c ab, nad) ber Dür Unter £anb fd)ie(enb. „©ne fd)önc Shinftftabt!" fagte ber Sitb^auer eifrig. „Drei Sabre t)ab’ id) t>ier vafüod gearbeitet wie ein Silber, getämpft wie ein ©tier — umfonft. Itnmöglid), aufjufommen, Stnerfcnnung unb fiotjn ju finbcit. 4 Vol. 4/2 536 Gonrab. Alled ift mibcr midj: bie ftritif, bie Clique, bic Alabemie, bie 30et»örben ... ÜDtanchmal eine bertröftenbe Siebendart, jamohl, eine fcf)öne SBerfprechung — aUed SBinb! 0, ich fönnte 3hnen ©efdpchten erjagen! ©ogar non ben fyödjften $errfcf)aften, oon ben SRiniftem, bon bet ^o^en ©eifttidj* fett . . . 316er ich f>ab’ mir ben SJtunb oft genug oerbrannt. 3dj mag nichtd ntef)t babon fagen. ®d tft ja auch aUed umfonft 3th raum’ bad gelb, i." ©efpannt betrachtete ber ftünftler ben ®aft „Senud, ficb mit Stofen fdjmütfenb," bemerfte Kafling, einer lebend* grofjen ©ipdfigur naher tretenb unb bad rechte Sicht fuchenb. „ 3 n ber Xbat ein hetrlidjed SEBeib, faft ju ebet im Audbrucf für bie ©öttin ber fimtlicben Siebe . . . Diefe ftiHe, flare Durchftdjtigfeit bed Atttltyed, toelche bad bomehmc 3 nnere ht bem entfpreebenben Äugeren mie in feinem reinen ©piegelbilbe ruhen lägt, ed ift entjütfenb." Steued ©fielen nach ber Dür. Der Zünftler laufdfte mit SBohlgefaüen. „§aben ©ie fich ftreng an ein etnjiged SRobetl gehalten, ober haben ©ie beren mehrere benüfct, um biefed harmonifche ©anje $u fomponieren?“ „3ft faft 3ug für 3ug ber Statur eined einzigen SEBefend nachgebitbet Stur im ©eficht mürbe ©iniged geänbert." „Unglaublich!" rief DaHing unb umfehritt bad Silbmerf. „©in gottboller Seib unb baju bon einer unfäglichen Anmut in ber Haltung, ©ine feufdie Didfretion.in ber Üppigleit ber Srüfte, ber Senben ..." 3m «telier. 537 Äd}ter ergriff einen gtebermifch, fuchtelte ber bemunberten ©enud über bad @efid|t, über bic beftaubtcn lüften unb ©«henfel unb murmelte lädfdnb: „0 ja, bie mar fdjdn mic ein ©igel unb tt)at fromm mie ein §etligenbilb, cd mar aber im ©runbc hoch eine gang niehtdnufcige Äreatur, eine treulofe §eje." „3d} bitte ©ie!" rief Kafling ironifd) begütigenb unb cntgünbetc bic crfaltete 3*Ö aret *e. „©ne ©enud*9?atur! Stoen 2J?oral miß ja boch nur mit bem SRagftabe ber freien Äuffaffung olhmpifcljer 3Jft)tf)enmelt gemeffen merben!" „3a, ja," machte Ächter fopffchüttelnb. „©eiehrte Sergucferungen unb ©lafuren. 3« ber Sirflichfeit nimmt f«h bad anberd aud." „©ebenfen ©ic boch: eine oon ben ©öttern fo Ijodjbegnabete grau!" „Sad Götter! Äud bem 9J?obebajar in ber ^eatinerftra|e mar fie, unb if)r 0lpmp mar .. . Äber rnad fdjmab’ ich baoon! ®ad ift gum £adjen jefct. Sie mar jcfjön — unb ebenfo nicfjtdnu|jig mie fcf)ön. Äber luad liegt fchtieglich mir baran?" 3e|t fdjieltc Ächter naef) ber 2ür. „©o?" fragte Daßing gcbef>nt, ben Äugen Ächterd folgenb. ,,3d) ^abe nie $reue beim frönen ©efchledjt gefugt. 3ie Äugen ber beiben Männer begegneten fich unb ihre ©liefe ruhten eine furge Seile forfchenb in einanber. „9töcht äße, nein, gemig nicht afle!" fprach bann ber ©ilbtjauer mit marinem SRadjbrud. „3c hinaudgeboben t^ot . . . ffunft ift hoch bad ©efte." Gd lag eine eigentümliche Gntfdjloffenheit in bem bunßen £on, mit metchem ber Äünftler biefe ©äfce iprach, unb ed Hang boch etmad unhebn* lieh SSk-tc^cd burch mie SReue, oor einem Unbefannten an ein tiefed, fdjmerg* lidjed ©eheimnid gerührt gu hoben, bad emig im ©anne ber ftummen Seele bleiben foßte. „©eheit ©ic einmal biefen jpcrfuled an!" fuhr er fort, firf» auf bem 538 Sonrnb. 9fbja|jc «in!cl)rcnb unb bie fturbcl bcr Xrd)idjciOc crgrcijcub. ,,©on allen ©eiten, bitte! $>a ift alles 9 ?atur!" Sltach einer SScile ftillcn ©ctradjtcnS jagte Galling, inbem cv einige Stritte jurüeftrat: „Safjen ©ic nod) einmal baS volle $id)t auj baS ©cfidjt fallen ... ©o . . . ©an,} gut jefjt . . . SBirflid) famoS! Unb bod^ . . . unb bod) etwa« 51 t viel ©rimm im ©cficfjt. “ „3att»ot)t, aber fröfjlid^cr ©rimm, urfibele ©robljcit baju, miffen Sie, non jener $trt, melcbc bic ©chmcifjflicgcn uerfdjcuc^t unb alles Sittnpen* gcftnbel, ohne bic ilculc non bcr Schulter ju nehmen, mit bem blojjcn ©iid, mit bem bloßen ©ebanfeit fogar. SBcnigftenS mar bas meine 91b* ficht, maS idj burd) biefe ^ß^jfiognomie auSbriitfen rooUtc. Slbcr, bu mein lieb'S ^crvgöttle non ©ibevaef), fo ’maS ift and) ßcvfulifcf) fermer." „Stenn ftimmt cS!" rief Mailing im Sone hcrjlichftcn SBeifallS. ,,©ic haben 3t)rc Äbficht oollfommeit erreicht." „®S mar einmal oor nicht langer 3eit ein ©chriftftcllcr bei mir," fuhr ber ©ilbhauet fort, „bcr fonnte fich an meinem JpcrfulcS nicht fatt fcheit. ©efonbcrö baS ©emegungSmotio in ben ©einen unb bic Äraft in ben Senben unb im SRütfgrat hatten ’8 ihm angetan unb er machte ganji fonb«bare ©prücfjc barüber. Sluch ben innemohnenben ©rimm beutete er fchr gut. ©o benfe er [ich ben ÜRann, nicht ber $abel, fonbera bcr mirflichcn, mahrhaftigen ßufunftSraffe, fagte er — ben SWann gleich ö ro B an ScibcS* mic ©eifteSfraft, bcr in feinem humanen Sngrimm alles ©er= altetc unb Slufgcfdjminfte umftürjt, bie Stenfmälet einer ungefunben ftultur faltblütig jertrümmert, üb« ©taaten unb ©efeKfdjaften unb ihre ©or* urteile mie über ©cherbcnbcrgc h'utucgffreitet, unb menn er feine Stculc fchmingt, ba muffe cS burch bic ©Seit faufen mie ein ©turmminb, oor bem alles fdjmache ©cfinbel, alle ©drangen unb SWemmcn mit ihren flugen Slnfdjlägcn unb gcfcheiten SWichtigfcitcn in ben ©taub finfen, um nie mehr aufjuftchcn. Äurj er hat gefprodjen mic ein gottlofcS fonfiSjiertcS ©uct>." „©ic haben cS gut behalten," bemerfte Galling. „Stejj ich «och alles faft mörtlid) mcifj, fommt aus meinem 9iotij= buch- 3ch bin nämlich fein fyrcunb Dom vielen Scfen. 9lbcr l)ör’ ich ctmaS, maS mir rcdjt beljagt, ctmaS fo recht frifch non ber Scbcr meg, ba mach’ ich fKnf meine SRotijcn." „©raoo!" rief Mailing unb feine Stugcn leuchteten. „Studj baS fagte ber ©djriftfteilet nod)," fuhr bcr Äünftlcr fort, „bafc cS geratener märe, fold)c Jperfnleffc auf ben öffentlid)cn ©läfcen unb Äreujmcgen aufjufteilen, als bic jämm«lichcn Hrmefnnbcrbilbfäulcn unb bie berühmten Srjpnppen fteifer ©clahrthcitSphilift«: beim au ber gc= 3m ätelier. 53!) fuubcit, utioürijfigcit SKauncafrajt, blühcitb in frei crjd)lojjci;cm ©cift linb fü()ncm Sillen, ftärfc fid) jebei fDtcnjc^cnljcrj!*' „“2)011 femte id), ber fo gefprodjcit: bai ift bev Toftor ©urlingcr!" „©0113 richtig, baS ift fein SRamc." „größer l)Qt er aud) fo gcfdjriebcit, bann l>abcu fic i()tn aber ba$ Sehen fo faucr gemadft, baf3 er bic geber fortwarf. 3 cf)t crfdjließt er fein £*cr* mir itodj in ber Siebe 3U uertranten greunbeu, unb baff er 311 3 hncu fo rücfßaltlod gefprodjen, biirfen Sic ali 3 CU 9 11 *' 5 aufrichtigftcr Scrtjdjäßung nehmen." „ 3 d) banfe Seiten!" faßte ber junge Sliiitftlcr nnb reifte beut ©aftc mit iöegeiftcrung bic $»anb. „Sber geftattcu Sic eine gragc, bic ganj uitintcrcfficrt ift; benn wenn man aud) ganje Alleen non tjxrfulcffcn er* richtete, beit mciniger. würbe man ja bod) uidjt nehmen, menigftenS in Teutfcßlaub nid)t — brunt tnufj id) ja itad) Stnerifa! — aber offen: halten aud) Sic unfere Shiltur für fo faul unb bi$ inö SJJarf oergiftet, uitfere berühmte curopäifcßc Shiltur, wie?" „Gin aufgefd)minfter Slabaocr," enoibevte Talling Oerächtlid). „Tic 'Dicitfdjcit fiitb ju weit ooit ber cinfad)eii Siatur abgegangen. Sic finb eine billige unb fd)lccßtc gabriftoarc geworben. 9 iun l)odcit fic ju hießt aufciitanber in beit ©rofjftäbtcn. Ta^tt fc()(t cd an Freiheit unb ©clb. .^errgott, bic Seit ift hoch fo weit unb rcid)," meinte Seßter. „Tic Sicidjcit müßten eben ooit ihrem Überfluß abgeben unb bic Srntcit iljrc 33 cgievbcn oemünftig einfdjräitlen. Siebzig bii achtzig fßro- jent ber 9 Hcnfd)l)cit finb heute überhaupt ju itidjti SDfenfehenwürbigent mehr 311 braudjen. TaS bringt and) bic fo^ialc ginge in SWifjfrcbit." „Tai ocrftcl) ich oid)t. Sai wollen Sie bamit fagcit?" „Taff bic Höfling ber fo^ialcit gragc bic SKüßc gar nicht mehr lohnt Sud) wenn bic Süfung 311 bewcrlftelligcit wäre, ber Grfolg würbe bic Stofteu nidjt beefen. 9 Wöcßtcu Sic für Tinntnfüpfc, Sd)toächlinge r Seßmaroßer, fdpnußige Sdjuftc unb anberen SDtcufd)cnfchunb bic Seit auf ben Stopf [teilen, bi$ Sic fclbcr uor Sdjwinbcl tot l)iufaUctt?" Sieber trafen fid) bic ölitfc ber jungen SRänncr unb bohrten fid) fragenb ineinaitber. Gä war plößlidj fo [title im Stclicr, baß man bic Stahlige ber §unbc hörte. Sber bie ÜKänitcr fprad)eu fein Sott: fic lafcii gegeufeitig lautlos bic ©cbaitfcn ooit ben lcud)tcnbcn Stirnen, ooit ben fcftgcfdjloifcncn Sippen ab. 3 ,uc ' OSciftcr berührten fid) unb fuchtelt $üitbiti 3 . Sber noch traute feiner bcin anbetit. „ 3 a, ja," faßte Talling unb flopftc mit bem Stnöd)cl bei 3 c *fl l ' : fittgerS ber ^»crfulciftatue au bic Sabcit, „ernft ift bei Sehen unb heiter 540 Conrab. bie Stunft, wenn man bem ©emeinplahe glauben batf. Hm beften merbett beibe noch uielleid)t non ben Dtaioen unb ©ebanfenlofen genoffen. 3e mehr Srfenntniö bineingetrageu »heb, befto unocrbaulicber unb gefdjmatf= lofet..." „©ine arge Äe^erci, bie Sie ba auSfprecbcn unb bie bem Daged« glauben in« ©efidjt ferlägt. Dem gilt bodj bie SBiffenft^aft als baS HDbeilmittel." „Sowohl, bie heilt, nad)bem bet Patient bem Scbinbet nerfauft ift . . . Hber fagen Sic bod), mit fällt auf, bafj f)iet faft fein einziges Slünftletporträt ju feljen ift. 933tt haben bod) in SRund^en eine ftattlic^e 3abl l)übjc^er, pifanter Sdfaufpieletmnen, Sängetinnen, Dänaerinnen, bie bureb if)te ftunft »nie burd) ihre Hbenteuer gleich inteteffant finb. 3n ©ariS j. ©-" „3a, in ©arid! $iet in HRündjen bat ein naturaliftifeber ©ilb bauet feine güblung mit biefen Streifen. Dann ift für biefc §errfd)aften bet ©botograpfj bet praftifdjere ©orträtift. Die §auptfacbe ift ba meift nicht bet Stopf, fonbetn bie Doilette ..." „Hb, fab ba, unfere Heine Dänjerin, alfo boeb eine nieblicbe HuS* nabme! 933ie nie! Schelmerei in biefem <^eficf)tcf)cn! Die brauchte eigentlich bie ©eine gar nicht, um einem ben Stopf ju oerbreben!" Unb Dalling brol)tc ihr mit bem Ringer. HuS bet Dürfpalte fpäbten jwet Hugen . . . „©enmnbem Sie boeb auch meinen ©arlamentarier, bet fich nicht »oeniger auf allerlei Däitje nerftebt, ben preiswürbigen gortfdjrittSmann!" »ief bet Äünftler fchetjenb, holte auS bet ©de einen ftaubigen Stopf her* not unb fefcte ihn auf eine umgeftülpte porjeÖancne 933afcbfcbüffel, hart an bie Seite bet Dänjevin. „®S tbut mir b^^lich leib, aber ben ©utfehen mag ich nicht. DaS ©oftament ift übrigens febv paffenb für ben ungooafebenen Schwäher." „Hber ber ©ute öffnet ja ben SWunb nicht mehr!" „Dafür bat er bie Hugen noch t>oH trioialet ©brafcit unb mit beit langen Obren mebelt et fich feiger ©eifall." Hchter lachte. Die Politiken 3nngenbrefcber flöhten ihm auch leine Sympathie ein. „Sie haben uorfjiit ©ariS erwähnt. Dort gicbt’S gewiß noch eine granfam bümmere Sorte uoit ©olitifern, als bei uns, nicht wabt?" „HllerbingS." „Hber mein ©iömard hier? Der wirb 3b*ten behagen?" fragte dichter unb beutete auf eine Heine Äanjlerftatuette auS gelbem Db° n - 3m Ätflier. 541 „$>er gefaßt mir in Syrern liliputanijehen WobeUmaßftabc eigentlich nicht. Sigmare! ift eine jener gewaltigen Äenmaturcn, bie man nur in Überlebensgroße jehauen barf, bann mhrfen fie unb man tritt mit ihnen m ben ©eift ber SRibclungen jurürf. ®aS Heine Waß ift für bie fjuchs* fdjwänjer ber ©alonS, ber Parlamente, ber ©afrifteien, nicht für bie wetterharten gelben auf freiem plan. Werfwürbig ift aber bie ähnlich« feit ©iSmarcfS mit ^yerfuleS in ben Waßverhältniffcn beS StapfeS. jjiir bie wuchtigen ©eftalten l^ben beibc auffällig Heine Äöpfe. Jpaben ©ie fchon barüber nacßgebacht?" „SRod) nicht, aber ich roillS in ber erften ruhigen ©tunbe tßun, Diel* leicht wenn ich über baS große SBaffer fahre unb bie flagge beS Reichs über einen wiber feinen Spillen $)eutfchlanbmüben Hießt — vielleicht 5 um lebten Wale. 0, mei’ greunbert! .... och öerjeißen ©ie, £>err u. DaHing!" „§icr ift gar nichts ju öerjeißen, ich eßre 3ßre Smpftnbungcn, weint ich auch beren ©runb beHage. Aber was fehe ich benn ba? 5)en Storni merjienrat ©lunjenmair?" „©ic erfennen ißn?" „Aber wer wirb biefcS ftabtbefannte ©ajajjogeficßt nicht erfennen?" „®a wäre mir 3ßtc 3euflf habe ben $erl furj vor feinem SEob gemacht. Sr ift mir ja fojufagen unter ber §anb geftorben. Sv ftrich einem WobetI nach u °b fatn immer als ftinfige Ateliertoanjc in mein Atelier. 2 )a glaubte er mir für bie ewige ©eläftigung hoch etwas fcßulbig ju fein — unb bot mir fein ebleS S^^inojerod^aupt für — 300 Warf! Srft woHte ich ben Staufer hinauswerfen, aber in ber 9?ot, ©ie üerftehen — ©treit mit ben Srben, bie woQten ben Sferl nicht, flößten auch nicht, fochten bie Äßnlicßfeit an n. f. w. Abfinbung. 3 ucr ff wollt ich ben Sferl jer= fchmeißen, nun muß er auch mit nach Ämerifa — oielleicht ^anbelt ihn mir ein Snbianer als ©öfcenbilb ab!" „Aber, worum ich bitten wollte: bie $arwinbüfte! $)te müffeit ©ie mir noch fleigen, bann barf ich 31)re ©ütc heute nicht länger in An* fpruch nehmen, tiefer Äopf intereffiert mich ganfl befonberS ..." „©ebaure, ift gcrabe im @uß. £rofe ber fritifchen ©eßmierereien ber Äunftjdjwäfeer war bieS mein rceHfter Srfolg. ®arwinS SEBittwe, ber ich bureß ©ermittelung eines engtifeßen ^reunbeS 3 e i Win geigen. JaS Honorar ift Icibcr nid)t gtänjcnb ausgefallen." 3n biefent Slugcnblid würbe (ebtjaft an bie Xtjüe bcS SftcbengcmachS gepodjt. „J'crgcihung, einen Slngcitblid!" ÜJlit vafdjcn Sdjritten war ber SBilbfyaucr uerfchwunben. Mailing blidtc ii)nt lädjelnb naef). Jic gcbrnngcitc Äraftgeftalt mit beit berben formen in bem abgetragenen SlrbcitSgcwanb unb ber Sdjöpfer biefer teile hnpofanteu, teils gicrlidjcn, aber ehrlichen itunftwerlc! „©cnialcr üWaturburfchc! 31bcr jene« gcheitnuiSbolle Scibdjen ..." 9iad)bem Jolling einen neugierigen Süd auf bie ftaubgraucn Sänbc unb ©efimfe geworfen, bie über unb über mit JotcnmaSfcit, Slbgüffen üon cin^ctnen ©ticbmafjeu, SielicfS, autifen 9iac^bi(bungcit unb allerlei anberent Stubicugcrümpel ber ftunftwcrlftatt bebeeft waren, lehrte er, wie uoit einer magifdjen ©cwalt augejogen, wieber ju ber rofcngefchmüdtcn SScnuS gitrüd. Scltfam! JicfeS fjjraucnbilb Ijattc cs ihm angetfjan. (Er lieft ftd) auf einen Schemel nieber unb bliefte fiitucnb 511 ber £>crrlid)cn auf. Unb feine Seele quoll über uon (Erinnerungen, fo wunbcrfüfjcu unb guglcid) fo fdjmev^lidj bittern! SScituS — bie fid) unb ihre Opfer mit 9iofen fdjntüdt, unb bann . . . (ES war jwar eine anbere, pifantcrc 91rt 35Jcib, aber bodj bie itämlid)c 5?oHfommenl)cit. Ser bas lebcubigc Original befäfee! JOattc fic cinft nicht in feinen 'Hirnen gelegen, bie flüffifdjfte aller grauen? Ipattc niefjt fein ttutlify an il)rent warmen, wonnigen 93 ufcn ge¬ ruht? ÜBlii^tcn ifjrc fdjuceigcu Srüftc nicht unter feinem leibcnfd)aftlid)eu itufi? Unb if)rc göttlichen Scitbcn, gudten fic nicht unter feiner gluhcnbcit Umarmung? Unb weint er auffah 51 t ihren wunbcrfamcit Kugen, wie ftral)ltcn fic halb fanfte, balb feurige ©rüge! Sic flüfterten fic fiifj, bieje I)immlifd)cn Sterne, wie gart unb fcufcf) ermutigten fic — unb wie ücr* fchwammeit fic im Taumel ber fiuft in bämmrigeu Strahlen wie ber lefjte leifc Sltemjug einer ftcrbcuben ^eiligen! Unb immer weiter flogen feine Giebantcn, unb Söilb bräugte fich an 93ilb, aber bichter würben bie Srfjattcit unb balb oerfattf alles in einfamer, laltcr 9iaaupt in bie Ipänbe gcftüfct, wie eilt Jräumcnber. (Ein trüber 9?arr alten ScibcrglüdS unb neuer Glicr . . . s JÜ?it einem „51h!" fuhr er auf, als plöfclid) bie §aub beS 33i(bf)auevS fid) auf feine Schulter legte. ,,od) Ijabc Sic foeben füll betrachtet," begann bei Stünftler, ber jefct 3m Äteliet. 543 in .ycmlid) elegantem, fycKent Seinfleib mit fdjmaräfaiutcucv Soppc unb genial gcfdjlungcncv mcifjcv Straüatte neben il)in ftanb — „Sie l>aben einen jfulptural fcl)r banfbarcu Äopf. Sin feftcr Üpinterfc^äbel mit bev {traf* fen 9?arfcnlinie fontraftiert fe^c anjietjenb mit bem meidjen profil. . . Tem Äinu mngte nur ctroaS mef)t güdc unb §ävte gegeben merben. Ipier liegt eine Heine SRadjläffigtcit bet 9iatur ..." „2Bo beiden Sic hin!" rebete Galling basmifdjeit, ohne wie! babei ;,u beiden, nod) ganj im Sanne feiner phantaftijehen Smpfinbungen. Tväumerifch gefenften §aupteö ging er 5 mifd)eit beit Silbrocrfen um* l)cv, mä()renb ber Äünftlcr fortfu^r: „SRur jmei für 3f)tc phhfiognomie charaftcviftijchc Tinge mürben für bic Sfulptur unlöslidjc Probleme blci* (Kn: bev magnetifc^e Süd 31)rev tilgen unb bev tieffc^marjc ©lanj 3()tev £aarc ..." „Sie idjerjeu, ich hab graue.§aare, troj} meiner Sugeitb" fcufjtcGalling. „ÄcineSmcgS, id) beobachte crufthaft," erroiberte bev Zünftler mit Atenucnnicnc. „Sie füllten mir noch fifcen üor meiner Slbreifc!" „C, nic^tö baüon jept! Sch habe fd)on übermäßig ©clmaud) gemacht oon 3hrft Slufincrffandeit unb ©iitc. Sch jevplafje fonft oor Sinbriiden. Sin anbermal, memt Sie erlauben. SS ift fct)r intereffant bei Shnen..." Sdjon brängte er bem SluSgangc ju, bie Jpunbe Ratten fid) fcf)nüf» fclnb unb bic Obren fpifycnb erhoben, als in ber leifc geöffneten Xf)ür beS ÜNebcngcmacbS baS Heine, launi bveijähvige 9)Jäbd)eit micbcr erfchien. Tic fehmarjen §aare marett in ctmaS ungleich geratenen 3öpfdjen ge* banbigt unb umfränjten baS bleiche ©efid)tchen mit beit fchall()aft funfeltt* ben klugen, bem StumpfnäSdjcn unb bem herzigen EKunb aufs licblidjfte. Ss tnig ein rotes fKödchcn, baS bie $lrme unb Seine freiliefe. Slauc Stvümpfcheu umfd)loffen bie SKiniaturmaben, unb bic «innigen güjje ftedten in grob geftridten Pantöffelchen. SBährcnb eS mit ber einen foanb bic Xbürflintc fefthielt, ftredte eS bic anbere oor unb marf bev Tiaua eine Srotfrume ju. Sofort {prangen bie Keinen £nmbe Ijetbei, um ber Seuorjugten bie ©abc ftreitig ju machen. „9?ij .§eftor, nif ?(li, für Tiana, nur für Tiana!" fchric bie Alleine unb ftampftc mit beit Seinchcn. „©eit, Papa, nur für Tiana?" Tiana machte aber gar nicht ÜDiiene, als ob ihr an ber Speitbc ctmaS gelegen märe, fie blieb mit ihrem fehmeren ficib ruhig auf bem Strohfad $u güjjen ber ipelbenftatuc liegen unb begnügte fiaiib!" Dad winjige ^rauenjimmer tigerte in bie £>ünbtn hinein, umfdjlang beren §al8, fterfte it)t ba8 §änbcfecn inS 9 J?auI unb blifetc fcfeelmijcfe 51t ben Scannern hinüber mit einem ÄuÄbrurf, ber fagen Wollte: „Die Diana ift mir jefet toiel lieber, — e8 langweilt mid), citcfe anbem einen ©atjefe 31t geben." „ 9 ?un, wirb’8 halb?" „ 3 (fe geb Dir ein ©träufeefeen!" lodtc ber frembe SRann. „®?ag lein ©träufeefeen!" „Die wirb t>raftifc^ unb refolut," fpraefe ladjenb Datling unb 30g bie ®elbtafefee. Sefet liefe er ein ©ilberftücf blinfen. „Da8 magft Du aber?" „Dfe!" fagte bie Jtteine unb maefete fiefe oon ber £>ünbin I08. „6rft eine ftfeöne §anb geben!" fufer fic Slcfetcr mit bätcrliefeer ?luto= rität an. „Unb a ©ufferl baju!" Die fdjwarje ©cfeelmin gab bie ißatftfefeanb unb ba8 ©ufferl, lefctereS fefer eilig, bann nafem fie bie SRünje unb ba8 SWaiglöcfcfeenfträufecfeen baju. 3fer ©efiefetefeen leuchtete üor ©ergnügen. „SlUertiebft!" fdjmun3ette DaUing. @r futfetc natfe bem Dafcfecntutfec. @4 war auf bem ©tufele liegen geblieben. 9 fl 8 er füfe anjefeitfte, e8 auf= jufeeben, lam ifem bie kleine jubor. „Da8 miOft Du wofei auefe?" „Sawofel, ber 9 )tama bringen!" Unb wie ein apporticrenbeä SBiitb* fpiel war fie im 9 ?u auf unb bauoit. Die ©antöffelcfeen blieben auf ber glucfet jinftrf. 3m Ätelicr. 545 „0, bic Diebin, galtet fie!" rief if)r Dalling nadj unb wollte im ©fer beS Sdjerze8 in baS IWebengemach bringen, als jcmonb non innen bic 2^üt jubriiefte, na^bem eine jcf)tan!e grauenhanb mit ben ginger* fpifcen ba8 Dafdjentuch ^erauägcreic^t hatte. Dalling errötete, et wujjte felbft nicht roarum. 9Bie gebannt blieb er einen äugenblid fielen. (Sie! 3c&t fprangen bie §unbe fröhlich bellenb an ihm hinauf; fie betrachteten if)n offenbar feit bem Spiel mit ber fd^toarjen SKina als einen geweihten greunb beS §aufeS. Damit gewann er feine Ungezwungenheit wicber. „9ta, ich gratuliere zu ber Dotier! Sßrinzcffin ober ßigeunctfinb?" wanbte er fich fdjerzenben DoncS z ,! Vilbhauer, ber fid) inzwifchen an feinem Sd)reibtifch zu fc^affen machte. „3, taffen Sie nur! SBenn Sie mir aber bodj noch etwas z c '3 en wollen, fo fteden Sie mir bie SWama 3h rcg entzüdenben ÄinbeS uor." SKerfmürbig, jc^t war bie Verlegenheit am ©ilbhauer. „Die ÜKama? Mber — woher wiffen Sie?" Dalling fagte entfdpdbigenb: „Stein, für einen erften ©efudj bin id) whrflich zu aufbringßch- 911 jo ein anbermat, wenn Sie geftatten, unb herztichften Danf für heute!" (Sr reifte bem Äünftler bie föaitb unb mit einem innigen, warmen Drud Rieben bic beiben üDtänner. „Vatb wieber fommen!" rief ber ©ilbhauet unter ber Dl)itr bem @afte nach- „Sie muffen mir fipen, beüor ich abbampfe!" „Der STOenfch ift mir unheimlich," fagte bie jehwarze 3ulia, als dichter zu ihr in bie Stammet trat. „3d| will ihn nie fehen, ^örft Du? Diefer SDtcnfch ift wie ein Sc^icffol." Unb Dalling lam täglich- Uitb als fie ihn fah, war fie fein. Der Stünftler frohlocfte. greie gah rt - $' c Hciuc unb bie großen §unbe hot er mit nach 9lmerifa genommen, baS anberc £>unbetoolf ließ er zuriief. 546 linier £icf>tctal6um. Unstti JitljisraHimn. citms '^Teriiw^tnü?. (Ku# t>er 33tlW i»r# jnHuijigllrn 3af)rlii!ii&crU.) jföic Sonnt ftuft fünab jum fjimtnelsranb; ijv 3 n purpttr t^iiUt fte fdjeibenb ein bie (Bipfel, Die fdjnecgefrönten, uub die ©eiten §ipfel Des praanbcs fdjleppen tief ins £anb. €itt heilig Beben getft burdj die Hatur, 211 s fduoebt’ ein (Sott burdj Berg unb (Thal unb ^flur. Hur bort, an bcs fjimalaya (Sefcnfc, £icgt’s fdjtocr unb bäfter, unb es grollt Derfiecft, als ob oott bort nntjolb <£itt IDettcrfturm ftdj 3U entfeffcln benfe. (Se5acfte Klippen ftarren bort empor, Ton tocitgefpre^ten Üftctt überragt, Dodj blattlos toten; toic vom IDurm benagt. So beben fic gefpenftifdj ftdj fferoor. Jfaft fdjeint es, als oermtebe bieje (Trümmer (ScfHffcntlidj ber Sonne letzter Stimmer. Dodj tjier, an biefem Ubljang, ©eilt fie milb, 3 t?n mit bem Sdjcin ber £icbc 3U umfärbeu, Unb übergiegt ein fricblid; eruftes Bild, £in ernftes: benn cs gilt ein Sterben. Bcfdjirmt oon tiefgencigteu palmcu £iegt, ©eidj gebettet auf ben Halmen, Das IPeib bes Hbarn; über fte gebeugt Stetju, bie bas erfte (Elternpaar gc5eugt, Unb itjrer (Enfel eine bliilfnbe Schar, (Sebräunte IDangen, ttcroge Sehnen, (Seftätjlt itt Urbeit unb (Scfatjr Huf borttenoollem £ebcnspfab — Dodj jefct bas trotjgc Uttg' in (Thronen, Denn itjrer IHuttcr Ictjte Stunbe naht. Still liegt bie Sterbenbe: fein feiges Hingen Um £idjt unb £eben mad?t itjir dobespeitt, Pielmeljr ©ie ©armen ^reubenfdjein Sictjt mans burdj bie tjalboffncn £iber bringen. Der Stirne galten, bie ein partes £os Sidj eingegrabett, fdjeinen ftd? 31t glätten, Unb gleidj, als ob befreit oon fdjtoeren Ketten, Schlägt fte jetjt auf bas 21 ugc frei unb groß. linier Dieteralbum. 647 Hub plöfclidi, mic 3u iicncm Sein ermadjt, (Ergebt fie t^afb ftdj auf bem (Ellenbogen, Die IDaugen röten fid?, bie Briifie mögen. Das 2 luge glänzt in fefjerifdjer pradft. Hub roie uodj alle frolj crjtaunen, £}ört man fie biefe IDorte raunen: „l?erbci, ifjr Kiuber Jlbamst as mir uidjt laffctt Fonntcu, Derftieg er uns aus jenen (fellbefonuten (Seftlben, uub iu Sturmesmelfu Unb milbem Dounerfcblag ^crfd^cllt, Perfaitfen fie — ein öbes (Ernmmerfelb. — — IDir lebten. — Denn nidjt fyart genug Jur uns galt ifjm ber (Lob. Sein ^lud? XDarb unfre Strafe; mir, mit allen, Die unfres Bluts, fiitb feinem ^ludf ocrfallen. Danf itjm bafär! Den Sdjmerj erfdjnf Seht £ludf uns; Sdfmerj uub Hot unb Pein. Danf feinem ,ftodj — 3um Segen it^n 3U meitin, IDarb fortan nnfer einiger Beruf. 3n jener erften Hadjt ber feiben. Da regte fidfs ge^eimnisooU 3 n unfrer Bruft unb fdjmoll unb fdymoll 3u adgemaltgem Drange in uns beibeit. 548 Unfer 2)ic$teralbum. Hitt'js um uns i?er bic weite frembe IDelt — UJit brin adeln auf eigne Kraft gefieUt — Da roarb’s juerfi uns offenbar, Dajj eins bem anbern alles war. Unb in bes erjlen Kuffes flammen Schloß fefl fid? unfre Kraft jnfammen; lDir würben eins, um hoppelt ftarf 3U fein. So ftnb wir burdj ber 3 a ^l re lange Heittn, Dnrdj Creue mächtig, fyingefdjritten; Unb wie wir and} gefämpft, gelitten: XDas uns in jener Hadjt geboren, (Es ging uns nimmermettr verloren, Unb feine Klage um entfdjmunbnes <8lücf (Erfetptte je bas parabies juriirf. So lebt uns nadj in Cwigfeit. Unb wenn fein jorn audf türmte £eib auf £cib Unb fafl eudj 3ur Deqweiflung triebe, €ndj bleib* ein Croß, ein Efeil: bie £iebe!" So flang es aus. Utit fegnenber (Sebärbc Sinft leife fie baijin unb giebt ber (Erbe gurütf, was fie von ifjr erhielt. Dodf fiegesfrolj, als ob fie trüge (Ein ljot|es (Slficf oon Rinnen, fpielt (Ein felig £ädjeln über itjre £jüge. Berlin. *?cnri ^repbanf. „ÄulbvoHfl gemixten Seine Utajeftüt, * Dies »ftlidje Bonmot 3U madjen:-' Unb ein paar EDorte folgen brauf, gum tDeinen nidjt unb nidjt 3um £ad}en. Hur Unfinn ift es eben nidft, IDas Seine IJTajeftät ba fpridjt; Dodj bas genügt ben öben Kriedjern, Sidf untertljSnigji tot 3U fidjern. Sdjleppt vor ben Uidjterfiuljl bie £erfer, 3l}r £jod)verratspro3e§ausliecfer! 2lls OPunber räljmt bie Sdjmeidjlerjitnft, ZPenn KJn’ge reben mit Dernunft. Unfer Dichteralbum. 549 t r IHenfdjen (Semeinheit fjab’ ich ftubiert Dom (Srögten bis ins Kleinfie; 2 Wein: ein fäuflidjer 3 °urnalift, Das mar bodj flets bas (Semeinfte. Hamburg. §U mtufme &tma. 2Tb# tan Kugariföen ir* Kfrxauta 'tt'nita bin ich, bie Derrnfne, Wi — Sdjamerrötenb mögt’ idj’s fagen — Doch bie Scham, mein Seibentüdjlein, 3 ft baijin feit 3 a *l r unb lagen. heimatlos ift meinesgleichen, Knsgeftogen ohne Schonung — UTeine Sruft ein pfflhl ber Strolche, Die Spelnnfe meine tPohnnng. Hehlerei ift mein (Semerbe, Diebe finb mir Spieggenoffen; Der «Erlös geftoljlner (Suter liegt in meiner Crnh’ oerfchloffen. (Saunem fing’, mit ihnen tan3* idj, IDenn nach Sang unb lanj ge ledjjen, — fuftig bran nnb brauf, ihr Räubert ’s giebt llTufif, bie Raben fräsen ... £>ei, mie piele fdjmucfe Bnrfdjen, Die an meinem £jals gehangen, Rlugten an bes (Teufels (Sabel, IMugten an bem (Saigen prangen I Unb ich fettft . . . mie merb’ ich enben? Sieh, 9*mieben unb pergeffen, Sterb’ ich mo in einer (Söffe, Unb mich merben IDürmer freffen. Die §igeuner in ber (Söffe faben mich auf einen Karren, mit bem Kafe eines fytnbes 3 n bie (Srnbe mich jn («harren. ©tto «Ernft. 550 Unfer ®t<$teralbum. (Eemest>&r. IDeV mir, welj’I Do d) Du, o Mutter, IDirft nodj gröftcr lDctf’ crbnlbcn, IDirft vor (So tt einft Hed>nung Icgeit^ . . . IDurbe fo burd? Dein Derfdjulbenl rDoüt* ein Surfdje inidj 311m IDeibc, Den idj liebt’ aus I?er3cnsgrunbc — ITtntter, ba warft Du bagcgeit, Unb 311m Unheil warb bie Stuitbe! . . . HIa£ ^arfas. Don 21 Ifreb (Ecnicrs in JDicu. 3n ber £aubc von 3<*smtn. ^in ber £aube t>on 3 asn ” 11 5 ? Saften wir; 3n ber £aube oon 3 asm ' u Uftett wir, 23 eibc ungcfcljn; 3u ber £aubc von 3^smiu 3ft nodj metjr gefdjebu! Hofe unb Sd}n>ert. jin id? bie flüdjt’ge £ofc J Sold? ernftcr £icbe wert? 3 n ber linfen f^ielt er bie Hofe, 3 n ber redeten Ejanb bas Schwert. .Die Hör für Did?, Unb, — Füffejt Du einen Hnbcrn, — Das Schwert für tnid>!" iDanbernöe Stubenten. janberube Stubenten Brachten it^r mandj* Stänbdjeu — IDanbernbe Stubenten Küftten if^r bie f?äubd}en. fjordj, weld? Icifer Schritt! — IDanbernbe Stubenten!... Unb flc wanbert mit. ♦ * ♦ Unfcr S>ic§teralDutn. 551 3m Sdjattcn öer tiufeo. Schatten ber £iube, ber mid? barg, <--y (Träumt tdj bei* Siebe (Traum — £jerr Schreiner, jimmere mir beit raig 2 lus bem fo lieben Baum; Unb lab’ 31U 2lrbeit ein, Die unterm Baum mid} fußte Unb bann rergeffen mein! * * * £0115, fccr IPunberttjäter. jflafe ber £cnj ein IPuiibertfyätcr, Das faa’ id? nidjt 3um Sdjerj: £odt bodj ber fdjöne Perräter Die £iebe in bas f^erj, Unb beit Blnmenflor, — IDas ift bas gröfe’re tPunber? - Uns ber (Erb’ borocrl ZTCeerüber. Stteife nid?t, warum idj beflommeu, ^if EDarum meine Seele mnfe trauern? UTeernber ift er gefommen Uns bem £anbe ber fietbttifr^en mauren. Der «olbfioff fein Qaupt nmwinbet; Unb fdjön’re Uugen bat er, Uls man in Spanien finbet. 4«cifers Äer Kriegsherr ^rnnbsberg fuhr ju (Srab Unb trug bie Sdjulb bes ^leifdjes ab. Die £anbsfnedjt’ lagen an ber Strafe, Dieweil fein Krieg im £anbe was. Drob 3ogen fie 5ur bjimmclstbiir, Den (Einmarfdj 3a oerfndjen. Der pfärtner Petrus fafe bafiir, Den f^alten fie mit .Jludjen: 5 Vol. 4/2 552 Unfet Didjteralbum. „(Eljor aufl Sonft wirb es eingerenntl pofc UTarterblut unb Saframentl" Sanft peter nichts wm ^Indjen fennt Unb hält bie wiibe UTeute,. Dieweil fie fdjön Das finden rerjtefj’n, Unb bie 3erfd)ramtnten Srnfie 3U feb’n, ,fnr heilige UTartYrsleute I Efnfdjahl Efufchibberah! ff eilige ntartyrsleute! €r lägt jie ein 3um tymmelsthor: Die Spielleut’ pfeifen anf bem Hohr, Dom homifchharten ItTaffentritt Crbröhtit bes Cflridjs Chryfolith- Den Chorus lieber (Engelein, Den jtören fie mit Johlen, Sie raufen ob bem Spiel nit fein, Derpraffen, was erftohlen. Unb petrns äeil B 3 U' nnb f^immel weg uns fpet’n, ZTennt frnntbe £anbsfnedjt uns ber <£iit’, Der Unbre fdjreit non EfbUenfäu’n — IPir (affen's uns ntt ffimmem. £>ei, frumb unb fredj Seim Klingengeftech- IDir Raufen fort mit präg unb cSe^edj Unb leinen ben Safl jn Crämmernl £jufid)ternlbum. Unb anbre famen mit ber 3 a ^ rc < 8 ana Unb Hoffnung fdjtoebte leudjtenb tjer oor allen, ilad» Süben folgten fie bem feigen Drang, Die fjoffnung blieb - fie aber ftnb gefallen. Diel fjunberttanfenb traten biefen (grnnb Doll f ebensmut, umglänjt oon lidjten IDeljren, (geführt oon ffelben, träumenb, tfoffenb — unb ßin 3 ogeit fte, um nie jnrücfäitfelfren. ffier toar’s, too Kutljaris oorübcr 3 og, Ejier flanben IDittelsbatber unb ©ttouen, Den Ejeinridjen, ben Ejoljenjlaufen f ,0 9 3br Banner oor nadj ben erfebnten goneu Unb burdf ber (großen Fjäupter sogen tjier (gebanfen, müdjtig mie ber Klpen ginnen, Umflattert oon ber Hoffnung Irugpanier, Sijj unerfüllbar fie ein (träum oon Rinnen. Illir mar’s, als trübte fidj bes Utonbes Sdjein, rüie ins Dergangne fdjroeifteu bie (gebanfen, 2luf einem £eibensn>ege ooller Pein Sdjiert 3 ittemb mir fein bleiches £idjt 3 U fdjmanfeu. Unb jene Sdjatten, bie mir ftumm genagt, Sinb treu in ber (Erinnrung mir geblieben, Uls £eibensßrafje fdjeint mir Ijent ber pfab Unf ber (gefdjidjte Karten eingefdjrieben, Kls ein paffionstoeg, ben mit Blut beflccft Don (Emigfeit bie Dblferfdjaren gingen, U?eil fte oon bnnflen (träumen aufgefdjrerft 3 m tiefte it>rer Sebnfudjt fid? oerfingeu. gratis IDidjmann. Ulündjen. jpammrr. Äritifdje flitinerfunflen jum mobrrneit «unft*^udftfHuitflsroeffii. 555 jlnmtrfemigfn junt müterntn “^und- JhsshHungsutmn. Don ß v x p Jammer. (Äuitdjfit.) ^j*|aft gleichzeitig mit bev beutfc^'nationalen Äunftgcmerbeausftelluug in ; Wüncpen mürbe bic grofce SanbeSauSfteUung in Äopenbageit er* öffnet. 3n Äopenpagen Ratten ®icptung unb SKufif ipreti murbigen pro* gramntmägigen Anteil an ber Eröffnungsfeier: ein meit über Dänemarf hinaus befannter Dieter hatte eine geftfantate oerfafjt, ber geniale Cpetn* fomponift £ange*9Wüller eine charafteriftifche, bem Xcjrt fiep anfepmiegenbe IRufif baju gefegt. (Die Jfontatc zerfällt in brei foauptepöre, roelche beit Äcferbau, bie Snbuftrie unb bic Äunft verperrlicpen.) Stacp Slbfingung be* ©cpluftcporS tjielt ©raf grieS, ber ehemalige bänifepe "fJremierminiftcr, bic geftrebe voll ©eproung unb geuer. 3 n ber ftunftftabt SWüncpen begnügte mau fi(h mit viel meniger. 3 rgenb eine Siegimentsmufif fchmetterte einige üJlärjcpc herunter, von irgenb einem SRufifmeifter tamponiert. ®er ©orfipenbe bes SlnöftellungS* fomiteeS, 1>ireftor einer Äunftgemerbefcpulc, verlas eine lange, fcpulmäfiig bieber ftiltfierte Siebe in ziemlich unfünftlerifcper SÖeijc. Es mar mepr ein hart perauögeftofjeneS ©pllabicren, als ein flüffigeS ©orlefen. Die)e rei^lofc bilettantifepe ©epanbluttg unferer SWnttcrfpracpc pflegt felbft in tünftlerifehen Jheifen noch 9 an Z in ber Drbnung gefunben j>u merben, ju* bem ift fie faft bei allen oratorifchcn ©elegenheiten, gleichgiltig melcpcr 8 rt bic fcftliche ©eranlaffung fein möge, fo fepr im ©ebrauepe, baß- nie* manb baran Slnftof} ju nehmen fepehtt. 3» ©ottcS Slamen! $Bott einer geftbieptung ober einem geftgefang mar feine ©pur mapr^unehmen, obmopl es in SRüntpcn meber an begabten Zeptern noep an peroorragenben $ 011 * fepern mangelt — mir nennen oon (enteren nur ben jungen genialen Sticparb ©traufe, — bie mit ©egeifterung fiep ber Aufgabe entlebigt patten, baS geft ber ftünftc burep ©efang unb SWufit oerootlftänbigen unb in eine pöpere ©cfüplSfppärc erpeben ju pelfen. Sicht, tticptö von allebem. Shtcptem, ftetf unb langmeilig, fo fepeint ben SDfüncpener Äunftftäbtern gerabe eine ÄunftauSfteüungSeröffnung baS jmccfmä§ige offizielle ©epräge am beften ju mapren. ®ie Wnmefeupeit bcS föniglicpcn Jpofcs unb ber ©lanj ber Uniformen übergolbet jepieftiep viele SKättgel. 91m ©onnabettb vor ^fingften fanb bic Äopenpagener Eröffnung** 556 .■p (immer. feiet ihren Abjcf)lug iit einer Abcnbgefcllfchaft, bic bei - bnnijdjc ftönig für alle biejcuigeit gab, ruefcEjc iit irgenb einer ©e^iefjung 511 ber Aufteilung ftanben. Auch bic Vertreter ber in* unb auSlänbijchen SBIätter maren geloben. Um !) Uhr uerfammelten ficfi bie ©äfte, ungefaßt 400 an ber 3 a hl» in S^riftian^ VII. Calais auf ber Amaltenborg. 9?ad)bem bic ÜJlajeftätcn in beit inneren ©emädjern Äur abgehalten, mif^ten fie fid> unter bie ©efellfchaft unb unterhielten fich bjauptfäc^Iid^ mit ben ©er* tretem ber fßreffe, bereit ©ovftellung ber burcl) feine meifterhaftc Über* ietjung bcS „gauft" befannte ^rofeffor ©eter Raufen übernahm. Taö Abenbeffen fanb um IO 1 /, Uhr im ©alaiö beS ftönigä ftatt, roohin bie ©efellfchaft burch einen Uerbecften ©ang gelangte. Huf alle Teilnehmer biefeö gefteö mirb bic herzliche greunblichfcit ber 2 )lajeftäten einen un* uergeglichen ©inbruef gemacht haben. in ber föniglich batyerijcf)en Äunftftabt SJlünchen mar bei ber ©r* Öffnung ber beutfdh*nationalen Aufteilung uon aliebem feine Siebe, ©ine befonbere ©erücffichtigung ber ©ertreter ber ©reffe fanb bieämal infomeit ftatt, bag man ihnen bei ber ©röffnungSceremonie einen günftigeren ©la&, als fonft bei ähnlichen Anläffen in ©tünchen ju gefc^etjen pflegt, an* gcroiefen unb für bic Iperftedung eines Sefe* unb Schreibzimmers geforgt hatte, beffen ©enufcung ben iountaliften manche ©equcmlichfeit bietet (Sobann hatten fich bic Tireftorien beiber AuSftetlungen bereit finben (affen, einem uon bem ÜKünchener iountaliften* unb Scf)riftftelleroerein geplanten „internationalen ©regfongreg", einige angenehme @g* unb Trinf* unb Teflamier * ffieranftaltungen auf AuSftellungSfoften jujufichem. Ter funftfinnige §of fcheint noch jener flaffifchen SCuffaffung beS 3citungS* roefenS ju uermeilen, melche unterfchiebloS im iournaliften nur ben Sleporter unb. ben ©Zaun beS „uerfehlten ©crufS" erblüft. ©oh ben uerfchiebenen AuSftetlungen, melche neulich alte ©e* letjrtenftabt ©ologna mit ber geier ihres achthunbert jährigen {pochfdjul* jubiläumS uerbanb, nimmt bie internationale ©ZufifauSftellung einen tpi* uorragenben Slang ein. Tiefelbe mürbe am 6 . SRai eröffnet. TaS italienifchc ÄönigSpaar, ber Kronprinz, bie HRinifter ©riSpi unb ©nmalbi mohnten ben ©röffnungöfeierlichfeiten bei, bie in Pier enblofen Sieben beftanben unb fo troefen als nur irgenb möglich maren.. Tie geft*£>uuertüre uon ©ugenio ©irani, bie programmmägig zur Aufführung gelangen foUtc, mugte im lebten Augcnblicf auSfaHen, rnegen Streitigfeiten zmifchen bem Komitee unb bem impreffario, unb fo rneihte man benn bie erfte „internationale SDZufifauöfteUung" ohne SDZufif ein — gemig eine Äuviofität! dritijdK Mnntrrfungrn jum mobernen &unit«9(u$ftf({itnß*rocjett. 557 Der SRufifpalaft, ber bcn großen. 3000 ißerfonen faffenbeit Saal enthält, übertagt bic ©ebäube für 3nbuftrie,' ßaubmirtfepaft uitb Äunft burcf) Fracht unb ©leganj. 3« bcn an bcn Saat grenjenbeu Räumen ift bic eigentliche Wufifaudftelluug untergebenst. 3m unteren Stod bc- ftnbet fich bic ntobemc Abteilung, bic tcilmcifc noch niept fertig ift, im oberen biejenige ber Altertümlich fetten. 3u beiben Abteilungen ift Dcutfdi» lanb beruorrageub vertreten. Über ben ©fjaraftcr ber Sttünchencr Audftellung am 3farfai tjat firf> §crr griebriS 9$etf|t, ber Altmcifter ber SRündjencr Äunftfritif, in einem ©erliner Statt in fotgenber marfiger SBeife audgejprochen: „Die feit bem 15. 9Wai eröffnetc beutfd)c tfunftgcmcrbcüudftcllung beftätigt in erfreulicpfter SBcife, baj? und ber 3°PT mdj* ,,ur Anteil hängt, wad er ja immer tpat, fonbern bag er und neuerbingd auch ins Sotvf, gemachten fSeint. — Denn allcd, mad fich ba ata bejonberd neu auf' fpiett, ift Siofofo, wenn nicht gar dpnefifS- Aufd Sianbarinentum rubent mir ja offenbar überatt lod, heute, wo ei bai t)öd)ftc ßiel jebed bieberen Dentfchcn ift, womöglich einen btauen Äitopf, ein „uon", einen Sommer* jicnratd», wenn niept fßrofeffordtitel $u ermatten. Söotjer nur biefc Sor» liebe für ben Stil ßubmig XV. unb XVI. auf einmal über und gefommcit ift? Dämmert in und etwa bic Ahnung auf, baj} wir oor einer ähnlichen Sintflut ftetjen fönnten, wie fie bcn Sc^teren meggejehmemmt? „3cbenfalld ift biefc SRobc, benn mehr ift cd nicht, eine um fo ab» gefdjmarftere, ald fie und einen ^cillofcn Schaben jufügt, und um einen Stil bringt, ber, wie bie beutjdje Stenaiffauce, wirtlich uolfdtümlich unb babei ber paffcnbfte Audbrud für eine ^eriobe nationalen Auffchmung* war, wie bie jepige. Aud) bie Spät*9ienaiffance Scf)lütcrd unb felbft Söpetmannd hat ihre öerechtigung bei und, .weil wir fie beffer bargeftellt paben, ald irgenb eine anbete Station, wie j$on Semper bemerfte. Aber welcher Dämon plagt und, Stofofo» unb 3°bffM wieber aufjumärmeu? Jpaben wir wirtlich fo grofje Sehnfudjt nach ben 3uftänben, beten voll» fommen entfprechenber Audbrud fie oor 100 Sagten waten? SiiStdbefto» weniger warb unfer AudfteQungdgcbäube im fclben Stil errichtet, wie er in 9tympf)enburg uon f^rancoid Suuillier unb Anberen angewenbet warb unb $u einem ©rgebnid uon foloffaler Slücptemheit führte. Diefe ift benn aud) noch eper überboten worben im 3nnern unfered Audftettungd» gebäubed, mäprenb allerbingd bad Äußere weit mehr befriebigt unb einer gewiffen @rö§c nicht entbehrt. Die munberbar veijenbe Umgebung au 558 .'Dämmer. beit milb raujchenben glitten ber ()icv burdi bvei föftlidjc gnieln uub mehrere JBrücfen gefrfjmiicften grünen 3far, mit bei - tyerrlidjen 9lu«ficht auf bic gegenüber (iegenbe, mit ^aläften unb Äircfjen roie prächtigen iBaumgruppen beichte ©afteighöhe, t^ut bann bas übrige, um ein ©anje« uon aufjerorbentlichem malerifchen 9ieij heröorzubringen. 3Bic bie in unferer Nation immer uorljanben getoefene Neigung jur 4$ebantcrie bic Schulmeifterei unb ben Jrieb, jebe freie 3^ätigfeit 311 Der« ftaatlidjen, mächtig förbert, am liebften jeben etwachfenen SRenfchen jum Scamten unb jeben jungen jum Schüler machen möchte, ba« fönnen mir in unferer Slu«ftclhmg genügenb ftubieren. greiheit unb fßotmcnbigfeit, bie fich fo fehr bebingen, finb uit« offenbar beibe eigentlich gleich f c h r ä u = miber. Sin ihre Stelle jejjcn mir minbeften« bic Sprannei ber SRobe, bereit SBiUfür mir und bann al« geborene Nachahmer unbebhigt unter« merfen, mie mir bie« eben je^t bei ber oöllig unbcgrüitbeten unb für und nur nachteiligen SBertaufdjung unfere« nationalen Stil« mit bem unferem Naturell menig entfprechenben SKotofo gethan haben, bcffeit leiste fran« Zöfiidje Slumut bei itn« gleich in ben oiel fchmcrfäHigereit $opf an «artet." * * * Sem auf« Starte, äöudjtige angelegten bajumarifchcn S3olf8geifte angemeffener roirft bic (Empfang«bülle, melche ber Slrd)iteft SUbert Schmibt für bie Sntcmationalc unb 3ubiläum«htnftau«ftellung in bie SKitte be« SRünchencr ©la«palafte« gebaut tjat. @« ift ein prachtooller Kuppelbau uon ben ftoljeftcn 3>erhältniffen, getragen 001t farbigen Säulen unb ge« maltigcn, grün bronzierten ftarpatiben. 3tt bic roeijjen glächen be« @e« mölbe« finb ©emälbc uon ©eper eingclaffen, bie burch ihte tiefe garbc aujjerorbentlid) fräftig mirfen. Über ber mittleren ftuppelöffnung erhebt fich eine Suter ne mit flciiteren farbigen Säulen, ba« ©anje in licht« uub ftimmungSuoflfter SEBeife frönenb. Slit biefen herrlichen 9ieboutenbau, beffen gitnenraum ein luftig plätfchentber Springbrunnen mitten in einem SBalbe loftbarcr fßalmen unb 3ie*ffräucher einnimmt, fdjliefjen fich niebrigerc gemölbte Säulenhallen an, melche in bie gtuebt ber Slu«ftellung«iäle führen. Sorneit unferc (Erinnerung geht, ift bic« bie hnpofantefte unb jdjönfte gefthallc, melche bi« jept uon SDiündjener Zünftlern für ihre Studftellung«« jroeefe gefchaffen mürbe. 9?oit beit Slu«fteltung«merfeu ielbft nehmen in erfter fiinie bie ikijtungcii ber uerhältniömäjjig fchr zahlreich unb bebeutenb uertretenen ^»ellmaler (^ßleinaiviften unb gmpveffioniften) fomie bie hift° r Uch c Sammlung ber SRünchencr 9J?alerfchuIe feit hunbert fahren unfere Sluf« 9 rttif<$f Knmcrfungnt jum mobrmen Äunft»9tu8fteBimfl8Wffen. 55g mertjamfeit nt Anfpruch- 2roß be« fet)v befchränften Slaume« — wenigftcit« würbe bie« Dielen au«ftellung«(uftigen Äünftlern gegenüber al« Ab* meifung«grunb geltenb gemacht — räumte man bem ©pejialiften ber Äopf* maleret £>erm Ißrof. fjranj ü - Senbad) jwei ganje ©äle für eine ©onber* au«ftellung feiner befannten „jeitgenöffifdjen Vilbniffe" ein — Vilbniffe, an benen nichts jeitgenöffifch ift al« ber Slame be« Waler« unb feiner Wobelle, fienbatf) felber mit feiner altertiimelnben £edjnif unb ©tiüfierung mutet un« wie cm Überlebenber ber Vergangenheit an. Übet biefe ganje 2cnbad>=©pejialität ift fchoit fo übergenug gefagt unb gefdjrieben Worben, baff wir über bic ©eparatau«fteHung ftiflfd)Weigenb jur Xage«orbnung übergehen fönnen. SSir werben im nächften £>efte ber „©efettfdjaft" au«* führlidher über bie moberne Dichtung referieren. $>ie offizielle (Eröffnung biefer Au«fteflung l)at am 1. 3uli ftatt* gefnnben. ©ie bot außer ber Siebe be« ^räftbenten (Sagen ©tieler fchterlci bemerlen«werte neue Womente. SBir fdjlielen, inbem wir beit Wortlaut biefer Siebe bem Slachbenfen unferer fiefer überliefern. „Wtt freubigem ©tolje haben wir heute bie $h°te biefe« fßalafte« geöffnet, benn wir hoffen mit bem SBerle, ba« nun notlenbet ift, ber Jtonft, bem Vaterlanbe, ber Heimat gebient ju haben. SBohl galt e« hatte Arbeit, mehr benn je; benn überall ift ba« Ver* ftäitbni« bafür wad) geworben, bafj e« einem fiattbe, einer ©tabt (Ehre unb Stoßen ift, ber ©ammelpunlt ju werben für ba« geiftige unb fünft« lerifche Schaffen ber Voller. fBa« un« troß be« SBettbewcrbe« fo oieler ©täbte junt ©iege Der» polfen, ba« ift ber alte Sluhm Wündjen« al« Äunftftabt, ben e« junächft Vapem« erlauchtem Jperrfdjerhau« Derbanft. SEBie Diel füitftlerifchc« ©treben unb fünftlerifchen (Srfolg umfafjt ba« oahrhunbert, ba« jwifchen heute unb ber erften Au«fteHung liegt, welche Wüncpen gefehen! An bem £agc, ba wir bie 3ubiläum«au«ftellung eröffnen, gebenfen wir ban&aren .fberjen« be« großen Äönig«, ber Wüncpen jtrr blühen* ben Jpeimat ber fünfte gemacht. Subroig I., ber föniglidjc Wäcen ift nicht mehr; aber e« lebt fein (SJeift in ban erlauchten ©ohne. Subelnb unb Dertrauenb, mit bem ®e* fühle innigften Danfe« huldigen wir heute (Euerer königlichen Roheit, unfetem erhabenen Vroteltor, bem Präger be« (Sebanlen«, baff e« eine hohe, eine löniglidje Aufgabe ift, Iport ber ibealeit ©üter eine« Volle«, Schirmherr ber fünfte ju fein. 560 $tön. Dpferfrcubig gaben Regierung uiib ®oIföuertrctung, Stabt' imb Söfirgerfcgaft geholfen, benn baS ©erougtiein ift (ebenbig geworben, was bie Äuitft einem 93olfc ift: bag fie bitbet unb erjicgt, bag fie fegenSreicg unb befruegtenb einwirft auf weite ftreife ber 93olfSarbcit unb bamit auf bie SBogtfagrt beS SBoIfeS felbft; bei ben flogen StaatSregicrungen beS 2)eutfcgen SteicgeS wie bei? Stuälanbeö gaben wie jenes (Sntgegenfommen gefunben, wclcgeS allein eS möglid) machte, eine SluSftellung ju fdgaffen, bie würbig ift bec alten Xtabition. Söärmften ®anf all' benen, bie fidj als (Sonnet unfeter grogen Sacgc etwiefen. Sdglieglidg, aber nicgt in legtet Linie fei banfenb $>erer gebaut, bie uns gegeben^ waS bie grudgt igicS Gingen«? unb igter SCrbeit ift — bet ftünftler aller Stationen. ÜDiöcgten bie Xaufenbe, welchen biefen $alaft buregwanbern werben, aHjeit beffen eingebenl fein, bag in jebem ber SSerfe, bie gier oereinigt finb, un8 ein SWenfcgenftrcben, bas Ergebnis einer emften Lebensarbeit entgegentritt. SOTöcgten bie Äünftler lernen aus bem SBergteicg mit bem Sdgaffen anberer unb ein neuer Sluffcgwung unferer ftunft ber ©rfolg biefeS SagreS fein! $)ann ift baS 3^1 erreiegt, baS wir erftrebt." Soweit $err Eugen Stieler. 2)er aufmerffame Lefer wirb fieg u. a. bie $ragc borlegen, warum benn in biefer geftrebe bie beiben grogen $hinftfönigc SDtaj II. unb ßub- wig II. mit fo berebtem — Stiflfdjweigen Übergängen würben? ^ühBfrlu« unb mn Jauptarfc „Jas ^aptlal“. Don Karl Pröll.*) (Serfht.) 1776 erftgien Mb am SmitgS epocgemacgenbeS SBerf über „Statur unb Urfacgen beS StationalreidgtumS". 1825 ftarb ber $ropget beS *) 9lu8 bet jweiten Sammlung „©lobetnet lotcntan^", meTdje bemnfidjfi im Setlag »on «bolf SanbSberger, Setlin, etfdjetnen wirb. SRobbertuö unb fein .tyauptmerf ft'auital". 561 mobetnen ©ojialiSmuS, ©aint ©imon, ttac^bem cv fuvj normet baS „neue (Eoangelium" Oerfünbct. (Enbe 1875 uerfdjieb in unferer SDfitte, unerfannt oon ben 3 e ^Ö eno ff en » ber originelle f o 5 i a 1 * Ö f o n o nt i j d) c Genfer fRobbertuS. Die reife grudjt feiner ©tubien unb gorfebungett, metc^e er urfprüng* lieh als bas „Problem" bezeichnen wollte, Ijielt berfelbc über zwei 3 al>v= Zehnte einem erfenntniSfcheuen ©cfcfylcdjte oerborgen. Der Dvicb nad) einer ooQenbeten ©eftaltung, nad) einer unbejwinglic^eu (Beweisführung, welcher biefem SBa^r^citÄgenie eingeboren mar, lieg aud) inbeffen faft ein etn SJfenfchenalter errcid)enbem ©tnbientag bie grunblegcnbe Unterfudjung nic^t jum gänzlichen ?lbfd)luf} gelangen. 933eitere acht 3ahre jögerteit bie Herausgeber uoit iRobbertuS' (itterarifdjem Stachtafj (ber felbftbemujjtc Vorrebner ?lbolf SBagner unb ber eigentliche (Bearbeiter Dheoph*! Äojal) mit ber Veröffentlichung, bie oor oier gafften (1884) erfolgt tft DiefeS 9Reifterroer! nationalötonomifcher Slnalpfe unb füi)iter fojialcr ©pnthefe liegt in einem ftattlichen Vanb als „Vierter jovialer Vrief an Äitd)mann“ oor. Der jefcige Haupttitel „baS Kapital" beeft nicht oötlig ben gnhalt, inbem zwei felbftänbigc (Erörterungen, welche baSfelbe Seitmotio anflingen taffen, ber Sehre oom Vtejen unb ber t^iftorifchen ©itwitfelung beS Äapi« talS oorauSgehen. Dieje finb: ein „Stefumö ber SRententheorie" unb bie unbeenbete „(Eharafteriftif ber HanbelSfrifen". Die Aufgabe, bie Alerngebanfen biefer im großen gbeenftile burd)« geführten (Ergrünbungen in wenige 3eilen jufammenbrangen, ift eine äufjerft fchwierige. Diefe ©fijje wirb nur baS aüerwichtigfte berühren. Viel« leicht errät man barauS wenigftenS bie fojial«ett>ifc^e Tragweite feiner gorjd)ungen. 3n SRobbertuS war jener fategorifche gmperatio beS ©taatcS lebenbig, welchen ÄriftoteleS im (Eingänge ber „fßolitif" folgenbe uit« Oergängliche (Sorte geliehen hat: „Stach &ent ^öc^ften ©ute trachtet aber oorjugSweife ber Verein, welcher ber bebeutenbfte ift unb alle anberen um« faßt — ber ©taat ober ©taatSoerein." Das bleibt ber ©ruitbjug ber gefeUfchaftShiftorifdjen Sluffaffung oou (RobbertuS. ©ne gütle beS (Biffens wirb in ihm tritijch unb fd)öpferijch thätig, geabelt burd) bie flafflfd)c gönn begrifflicher DarfteUung. (Sie baS eleltrifche Vogenlicht, in beut bie Äraft innerfter Sltombemegung juv Seudfte geworben, wirft biefc hell* ftrahlenbe ©eifteSofjenbarung auf unfere eigene Denffähigfeit. Sicht unb ©chatten erfcheinen ftreng gefchieben, für ÜbergattgSfchatten, für Dämme« rungSgcbanfeit bleibt wenig 9ianm übrig. 9Sir fehen baS 3^1- wir er« 562 ‘P { röll. feinten jugleid), was im tfreife unjcvcf iojialpolitijdton Crbuuug jefjott jetjt gctl)an lDcrbeu fönntc mtb füllte. Der Sdjwerpunft bcS non 5Kob6ertuS logifd) imb fritifd) eutwidelten, f)iftorifcf> erläuterten StjftemeS ift bie fcf)arfc Abgrenjung beS Kapital* ^Begriffes unb beffen Sonberuug fowoljt oom ©infommen, ber ©runb* tage unfercr fojialen ©jt'iftenj, als aud) uom ‘ißriuatfapital, ber gegen« wärtigen gorm unfercr nationalwirtjchaftlichen Drganifation. Um bieten '.Begriff genau jn fixeren, erfaßt er benfelben juerft in ber Df)ätigfcit beS „ifolierten 28irtcS" — biefem .'pedepfenuig alter inbiuibualtftifd)en Dheorien — bann in ber auf Arbeitsteilung berufen« beit ©efellidjaftS« ober 9iationalwirtjchaft. jpier beobachtet er bie ©rfdjeiitungen, welche fid) in einer Ijppotbetifch angenommenen, aber auch als einftige 3 u lunftSform gebachten ©emeinmirtfehaft ohne ©runb« unb Mapitaleigcntum ein)teilen müfjten, um fchlieglich jum heutigen Staate mit ©rttnb* unb Äapitalcigcntum uberjugehen. (JS ift bieS eine ©etrachtungSmeife, meldje an bie £efjrftufen bei ©rfenntniS ber aftronomifchcn ©runbanfehauungen erinnert, hierbei wirb in erftcr Sinie bie ©eftalt unb bie ©ewegung ber ©rbe um ihre eigene Aye bemieien, bann bie ©ewegung ber erbe um bie Sonne toerfolgt unb eitblid) noch bie ©iuroirfung ber fcineStoegS uitoeränbcrtichen Neigung ber erbaue jur ©fliptif bargelegt, aus welchen Momenten ber SBechfel unb bie ©eränbernng uitfcrcr DagcS« unb Jal)reSjeiteu heruorgeheu. Auch bei JNobbcrtuS gelangen mir burd) eine ähnliche methobifche AuSeinanber« fefciutg allmäl)lid) jum ©crftäitbniS ber ©rfcheinungen unb Ummanblungen ber „©efellfchaftsformationen" im jovialen SBcltfhfteme. Der „finblichc" 2 öal)it uon einem beharren biefer ©cfellfchaftsformationen, uon ber „ewigen" ©iltigfeit ber Snftitutioneu, innerhalb welcher wir beraugewachfen finb, wirb uns genommen. Der „ifolierte 2Birt" (baS aus jeber fojialeit ©ejiehung heraus« gcriffene Snbioibuum") muß fortwäl)reitb arbeiten, um feine ftetS mieber auflebenben ©ebürfniffc 511 befriebigeu. „DaS ©ittfommeu bilben bie ©efriebigungSmittel, mit melden ihn bie Arbeit regelmäßig verficht. DaS Kapital finb bie ©3crf,\eugc unb Materialien, mit unb auS benen bie Arbeit bicfeS ©infommen IjerfteHt." DaS natürliche Kapital ift alfo 'JSrobuft, baS uod) weiter jur fßrobuftion bient. DaS Kapital aus ber heutigen fform ber fojialei». ©robuftiou, baS ©riuatfapital erfcheint als etwas ganj anbercs. SRobbertuS ueranfdhaulicht bies in bem UrtppuS aller ©robuftion. „Der ifolierte SEBirt bndjt fid) einen Steden ab unb fchlägt bamit eine ftobbtrtuä unb fein jpaupttotrf „$n* Änpitnl". 563 Frucht vom Raunte. 3)iefe gnic^t wirb barnit teineSwcg# ein genieinjamcS ^robuft bev Arbeit unb beS ©tctfcnS. Sie ift uiclntefjr baS ^robuft ber Arbeit, bic ben ©teden biad) unb bev Slrbcit, bie ihn führte.“ Cbnc ©teefen würbe cd mehr 3«* unb Mühe gefoftet hoben, bic ^rucht ■,u gewinnen, ja cS wäre Piellcidjt unmöglich gewefen, fie ju erreichen. „•Jfber baS bei biefem Vorgang erhöhe Sinfommen ift nur bas $robuft einer probuttipereu Arbeit". Senn ber ifotierte Sirt nun noch bie /jrncht in irgenb einer Seife umwanbeU, um fie beffer genießen ,\u fönnen, fie mehr ieinem Bebürfniffe anpajjt, fo wirb biefelbc neuerbtugS jum Material ber ^robuftion, ^um Kapital, welche# wieberum burch bic Arbeit jum fertigen ‘ifjrobuft, jum ©intommen, umgewanbelt wirb. Sta# Kapital bleibt mithin bie ftitjangSarbeit, welche burch bie ©chlujj« arbeit jum ©infommen, jum ©nbprobuft fich entwidelt. ©rftere# bilbet alfo, wenn ich niich ber "ÄuSbrüde ber mcchanifchcn Bewegungslehre be= bienen barf, ben Serf=©toff, mit bem aber bic Serf=ftvaft, bie Arbeit, bereit# unauflöslich uerbunben ift. tiefer Sert*©toff erhält burch neue Scrf*&raft nur eine oeränberte Dichtung nach bem 3icle oon ©infommen#* gutem, ben gemünfehten BefriebigungSmitteln. 3>a3 Kapital befteht nach biefer Begriff Sentwideluug au# Materialien unb Scrfeeugen für bie Arbeit @3 barf aber nie mit bem fertigen fßro* butt, bem jum Berbraud), jur 9tu$niefjung bienenben Sertc, mit bem ©infommen oerwechfelt werben. &ie ©teigening ber s 4Srobuftioität hängt feineSmegS Pon lefcterem, fonbem oon jener „mittelbaren Arbeit" ab, bic auf feine §erftettung oerwenbet worben ift. ©ein Sefen liegt nicht barin, bajj e# „ein Borrat, eine gewiffe Menge oon JRapitalgegenftänben wäre", noch in ber $>auer biefer ftapitalgegenftänbe. „Senn ber Silbe ben ©tecten, mit bem er bie ftrucht abgeschlagen, nach bem brauch wieber ^erbricht ober fortwirft," fo war betfelbe nach ber einhelligen ’änficht ber Stationalöfonomen, hoch „ebenjo gut Kapital, als bie Xaufenbe uon 3«'t* nem Baumwollt, bie bauerhaften (Sebäube unb bic Mafdjinen einer h^» s tigen ©pinnfabrif." Beibe hüben ißrobufte, bic noch Weiter jur s ^to= buttion bienen. tiefes Kapital entfielt in ber „ijolierten Sirtfchaft" nicht burch ©paren, burch 3 UT u^ho^ en öoit Äonfumtion. @3 idjtiefjt nicht bie UnterhaltungSmittel beS ijolierten Brobu&enten in fich, bie er braucht, wäheenb er eine neue Arbeit burchführt. ®aS Kapital Perhält fich ouch nicht gU bem ©infommen wie baS Muttertier $u feinen jungen. Beibe finb ©efchöpfe einer au&er ihnen ftehenben Äraft, ber Arbeit. ^iefe Älarftellung, biefe ©vhelUmg beS ÄapitalbegriffS, Welche fchon 564 $r»Q. foziatpolitifdjc unb nationalölonomijche gorjcfjev wie Siobbertud untcr= nommen, hot biejer recht im Doflen Umfange burrfjgefüfjrt. «Sie hot für bie nationalöfonomifchc SBiffenfchoft biefetbe Vcbeutung, wie bie nach fahr* taufenblangcm Srrtum gefunbene Srfenntnid, baß bie @rbe fid) um bie (Sonne, nicht bie ©onne um bie Gebe bewege. 9lid)t bad Kapital, fonbern bie Arbeit bilbet ben 3 e ntralpunft ber SBcltprobuftion, um welchen fief) biefe bewegt. Stad Äapttal ift nur ein abgelöfter SRiitg biefer ^ßrobuttion, weither fic^ im fjiftoriicfjen Verlaufe jum Kapital-Eigentum, jum Ißrioatfapital ocrbidfjtet unb in einer eigenen «Sphäre abgefcfjloffen pat, beten Stauer feinedtoegd mit jener bed 3 en trotförperd gleich fein muß. Stad ptolemäifdje (Spftem in ber 9?ationalöfonomie mit feinen fünftlic^en 1l)eorien ift bamit begrabe*. Stad Stjftem bed Äreidlaufed aller ^robuftion um bie Arbeit öffnet und ben 9Beg ju ben naturgemäßen fojtalen ©raöitationdgefefjen. hiermit hätten wir ft^on bie weitere (Sntwicfclung ber bahnbrechenbeit ßel)re oon SRobbcrtud angebeutet. Vom Kapital bed „ifolierten SBtrted“ gelangen wir zum UiationaUapital, weldjed juerft in bem 3 u f^ an be ohne ©runb* unb Äapitaleigentum, unb bann in bem 3 u fl an ^ c mit ®runb= unb Äapitaleigentum, im (Sigentumdftaate (ber heutigen ©efellfchaftd* orbnung) betrachtet wirb. S)iefed Stationalfapital entfpringt in beiben 3uftänben einer (Staatdmirtfcfjaft, welche fich aud ber Leitung ber Slrbeit ableitet. SKit ber Strbeitdteilung erzeugt fich unter ben 3nbiütbuen eine ©e* meinfehaft, bie allen Gegriffen ber ifolierten SBirtfdjaft einen neuen (Shorafter aufbrüeft. S)iefer oerlangt noch onbere wirtfchaftliche Vegriffe unb eine fReihe neuer wirtfcpaftlicher Shätigfeiten. S)ie ^ßrobuftion erfolgt in Sßro* buftiondabfehnitten oom Siohftoff ju ben §albfabrilaten unb oon biefen ju ben fertigen (Sinfommendgütem; fie erfolgt in Ißrobuftiondfächern unb ben fie jufammenfe^enben ^ßrobuftiondgruppeu ober Unterneh¬ mungen. (Sd finbet mithin eine zeitliche, ftoffliche unb örtliche, eine horizontale unb oertifale ©lieberung biefer Ißrobuftion ftatt 6d gehen baraud heroor bie Xhatfache bed ^ßrobuftenaudtaitfched unb bie fie regu* lietenben Vegriffe unb Munitionen Oon SBert, ©elb, Ärebit Stad 9?ational= bebürfnid muß erforfeßt, bad IRationalfapitat oerwenbet unb reprobuziert, bie Verteilung bed IRationaleintommend beforgt werben. @me oberfte ftaatdwhrtfchaftliche 3«ntralbehötbe, eine Ärt oon fReidjd« arbeitdamt, hätte nach ©emeinbebürfnid unb oorhanbenen Ärbeitdfraften bie Seitung ber 9fotionalprobuftion zu führen, bie Munitionen ber heutigen Vrioatunternehmer unb bed Mtuonzminifterd zu übernehmen. 3 u r Teilung SHübbfrtuS unb fein ^xiuf)t»ett „In* Kapital". 565 bcr Arbeit toürbe fi$ bic Leitung beS Erarbeiteten gefelleit. Äber nicht nach ben @runbjä|cn eines gcnufjrohcn, banaufifchen Kommunismus. $5aS gejamtc Rationalcinfommeit märe nach 2J?afcgabc ber „Rormaltoerfarbeit", auf beten Erflärung mir aus Raummangel oerjic^ten, beS burch biefelbe {ouftitutionierten SBertcS an bie einzelnen ^robujenten zu oerteiten, nach* bem oorher bie öffentlichen ©cbürfniffe unb für bie Xräger ber „immatc* ricScn ©erufe" (©eiehrte, Kfinftler, Ärzte, ©camte, ©olbaten u. f. to.), bcr etforberliche Äbjug gemacht motten. ®ie ßiquibation ber ÄrbeitS* mertc mürbe in ÄrbeitSbonS erfolgen, bie foftjpictige „ftehenbe Rfafchine beS SNctallgetbeS" für bie Verteilung bcS EinfommcnS überflüffig merben. ES beftänbe fein ©runb* unb Kapitaleigentum, baS in bic §änbe ber ©efamtheit übergegangen, mohl aber baS burch Arbeit gemonnene Ein« fommenS*Eigentum. 3)ic mit menigen «harafteriftifc^en 3üfl cn Ijinge* morfene ©ojialiftenorganifation oon RobbertuS lägt fi burch ben Unteraehmergeminn, fo baß ber ßohtt bed Arbeiters ftet3 zum Stiüeau be3 notmenbigeit ßebcitd- unterhalts unb ber Aufzucht be3 ArbeitemathmuchfeS perabzufinlen ftrebt. SticarboS ©runbrente mirb mit Stecht al3 eine bloße Differential - ©runb- rentc hingefteQt. Die Statte entfteßt mefentlich nur burch bat Abzug Dom Arbeitslöhne. Diefe3 heutige «Spftem ber Verteilung be3 ©rarbeiteten unter ber $errjdjaft bc3 ^rioatlapitals hat aber, fich felbft unbemußt, einen fclbftmörbcrifchen ©p 0 * 0 ^- ber fieß in ben „^anbcls-Ärifen" äußert. Sn einer äußerft Haren VcmeiSführung miberlegt StobbertuS bic Anficht öoe«fe. ^ujcbrift au« beiu ßeierfrei«. 567 uon fthrtbmaim, bcv tu bcm geringen Soljiic ber Arbeiter bic alleinigen Urfadjeit biefer ftrifen fat). @v erinnert an bie ^atfadje, baß beit $an- bcl$= unb ^vobuttionSfrifen uerl)ältni3mä§ig gvofjc £öbne DorauSgcl)cu unb gelangt ja bem ©d)luffe: ©e müffen, falls bie ^robnttiöität nnb bic bamit oerbunbene ©rfparung ber menfc^lic^en WvbeitStrnft firf) fteigert, berartige ftrifen immer eintreten, wenn nicht bie fiö^ne im gleichen 3?ev= pltniS fortffreiten, b. b- ftet? einen beftimmten Anteil an bem ^Rational* eintommen erhalten. ©ouft luadjft bie ^ßrobuttiuität unter beit §änbcn ber Unternehmer immer leifer, nwbrenb bic Slbfinbung unb bamit bic ft auf traft beT Arbeiter gleichseitig ebenio leifc jurüdfebreitet. $a aber bic Arbeiter bie SWajorität ber ©ejcllfcbaft bilben unb mitbin auch bie 9Rebv= beit bev Ääufer, fo mirb ben Unternebmern ohne ibr SSerf^ulbeu burd) biefe« ©inten be* ÄrbeitSanteilS ber ©oben unter ben güfjen entjogen. $)iefc ^mnbelSfrifen bilben bie unoermeiblicbe ÜKitgift eine? ficb felbft überlaffenen ^erfebrS, ber „ Anarchie in ber roirtfcbaftlichen SBelt". ■ÄuS btefem ehernen ®cfcfc ber SBirtfcbaftSfrijcn entspringen bic näheren praftifdjen SRcformrointe Don JRobbertuS. |fii$d([rjft nm bim Jrmrkriis, t t iut ©laibeft Der »<4Vei>Ufd>aft*‘ eutl)altene „berliner Xljeaterbcief" oon ffonrab 'Älberti, Da« „Deuticbe Xbeater* betreffenb, giebt mir ©eranlajfung |u einigen ©egenbemerfungen, bie id) mir erlaube tytt folgen |u laffen. Stiebt auf Die Slu«lanungen (Iber bie Leitung be« „©eutfeßen Xbeater«”, Aber bie ©etlamefucßt mancher feiner ©litglieber, ober (Iber bie ©reßoerßAltnijfe miß ich näher eingeben; biefe Slu«laffungeit mögen berechtigt (ein. 2Ba« aßein mich * n bem ©rief ungemein befrembet bat, ift bie Slrt unb UBeije, wie Jperr älberti an ben €ie(ern al* folchen, unb gan| fpegieß an $errn ftaiuj, ftritif übt. ©ie Äritif über leßteren ermeeft faß ben @lauben, al« fei fie in bem ©eftteben oerfaßt, eine ©erfönlicßteit, ber man nicht« anbaben fann, um jeben ©rei« herunter-- inreißen. Damit märe Sainj’ ©ebeutung natürlich mieber überfcßäßt. ©aß bie äußere Sricßeinung ft.« |u roflnfeßen übrig läßt, lann nicht geleugnet »erben, Doch fmb biefe ©länget feinenfaß« fo groß, baß-man ftd} über biefelben nicht (eießt binmegfeßen fönnte. öerr Sltberti übertreibt ba ettoa« febr. Übrigen« « Vol. 4/2 568 9 oe?fe. Sufcpnft an? bem Sejerfrei?. hoben bcrartigc tHuöcrlicfjfettc» mit brn Seiftungen eilte? Scpaujpicterö nichts gu tpun — fic brfchränfeu l)ftd)fien? ieinen 9Birfungbfrei?, beeinträchtigen ober nicht feine Jeiftungen uch erinnere nur an ftean unb Sehbelmann) — unb bab 91uf« gäblen iolcper Stängel in ber & l eiie, roic e? ^ier gefchnh, gehört gor nicht in eine ftritif. Selbft bab „roitre" paar »on Waing ift bem Jperrn Äritifer int ©ege! Sun, bab ift ©efcpmacffachc; mir gefällt biefe grifur entfliehen beffer, alb bie glatt» gefcheitelte, pomabenglängenbe Salonpertüde, unb ich glaube auch faum, bah leptere einen Someo ober (Sarin? genießbarer machen mürbe. ffia? nun Äaing' Crgan betrifft, fo ift babfelbe aßerbingb h°err älberti fiep »on feinem gerechten Samt übet bie $äuflicpfeit ber Breffe u. f. m. aßgufepr pat übermannen laffen unb beb Über» fcpuffeb »on Sntrfiftung fiep niept anberb gu entlebigen gemuht pat, alb inbem er jfaing fogufagen alb Blipableiter benupte. Berlin, 3uni 1888. 91. S. tterantroortlicfie Cfirung: Dr. ®. (Ionrab in TOßntfccn. ©erlag oon ©ilbrlm Orrirbricfc. UfanblungBn* Don <£buarb v. fjartmann. (3frfin-Sid)l«fff>f.) ^I^Bb cit ‘ )cm ®rfö«nen meiner ©od) lang genug ge* mefen, um eine futturgefcfjicfjttic^ intereffantc SSanbelung im Säger I . $arttnann. Sluflöfung einen $amm entgegenftetlen, unb blicft fich nach ben noch öor* banbenen lonferoatioen ©Rächten um, melcbe biefem «Streben eine Änleb* nung unb Stü$e gewähren fönnten; eine folche ©Jad^t glaubt man auch in ber Strebe ju ertennen, unb nur barum menbet man fich ihr mieber ju. Unfre gebilbete Sugenb ift ^eute meit ungläubiger als in irgenb einem ber oorbergebenben ©efdjlecbter bie Sugenb eS mar; aber fie fpric^t nicht mehr Oon ihrem Unglauben, meil ihr baS fßatboS ber Wahrheit felbft in feiner negatioen ©eftalt abbanben gefommen ift Sie ift ffeptifdj unb inbifferentiftifcb, facbftreberifcb unb genußfüd)tig unb beSbatb gleich« gültig gegen bie Unmabrbaftigteit, bie in bem äußeren Änfdjluß an eine ihr innerlich bötlig entfrembete Kirche liegt. $)aS fßatboS ber Negation bat fich aus ben Greifen ber ©Übung in biejenigen ber §albbi(bung unb Unbilbung geflüchtet, unb treibt hier feine Sßropaganba um fo erfolg« reicher unb mit um fo befferem ©emiffen, als ihm baS berechtigte ©efübl ber Überlegenheit über bie fleptifche ©efiitnungSlofigfeit unb Sbeallofigleit ber ©ebilbeten jur Seite ftebt. ®ie firdjenfeinbliche Schicht in ber ©Joffe oerbreitert fich fo oon Saht ju Saht, unb alle oercinten Bemühungen beS Staats, ber Kirche unb ber Schule, „bem Bolle bie Religion ju er« halten", oermögen baS Umfichgreifen ber Unchriftlichfeit unb 3rreligiofität höchftenS ein menig ju Oerlangfamen. $ie eoangelifche Kirche h at ein beutlicheS ©efübl baoon, baß bie „grüebte beS ©eifteS", welche an ihr machfen, immer fpärticher rnerben, unb baß eine Söiebererftarfung oon innen heraus beim SBeiterf (breiten auf bem bisherigen SSege taum ju ermarten ift 3Me eS beShalb am emfteften mit ber Kirche meinen, beginnen an ber praftifeben Sßirlfamleit beS eüan« gelifchen ©eifteS in feinem freien ©Balten ju oerjroeifeln, unb fuchen ber Kirche menigftenS eine äußerliche Kräftigung unb oerftärfte äußere ©Jacht« *befugntffe ju retten, b. h- fie befchreiten ben 2Seg ber allmählichen 9Jetatho* tifierung ber proteftantifdhen Kirche. Huf biefem SBege hoffen fie beS 3eit« geifteS Iperr §u rnerben, freilich mit bem geheimen Kummer, baß ihnen bie fatholifche Kirche auf biefem äöege meit, febr meit oorauS ift Hber fie wollen lieber fich on bie fRocffchöße beS KatholijiSmuS hängen, um für bie Kirche ju retten, maS noch ju retten ift, als baß fie ihrer eigenen Ohnmacht gebulbig erliegen. $)er ©ebanle einer fReunion ber Scßmefter« tireben hot für bie proteftantifdhen Klerifalen nichts ©bfcbreclenbeö mehr, ba fie bie Kluft jmifchen fich u °b bem unfehlbaren ^ßapfttum mit 9Jedjt für oiel fchmatcr erlennen als bie anbre jmif^en fich un b bem $eitgeift 2luch oon ©Jännent, bie einft für liberal galten, hört man ben 9Juf aus« ftoßen, baß bie nahe fei, mo alle Sbnften f*eft 2 ©. 161—179). C. Sßfleiberet bat fich in ber neuen ©earbeitung feiner SietigionS* pbilofopbie in gmei ©änben nicht unerheblich oon ©iebermann« fpefulatioem ©tanbpunft entfernt, unb bat fich baburdj ber berrfebenben theologifchen 3 eitftrömung mehr genähert, melcbe bahin geht, über alle mehr meta* 572 Sbuarb D. £artmann. pl)pfifcf)e» Dogmen, in benen ber tiefftc ©epalt beS GhriftentumS jum SluSbrucf glangt ift, ju jc^meigcn ober mit oberftäc^tic^cr Seriihrung hm* wegjugleitcn. 2BaS ich über bie Abweichungen biefer jwciten Auflage oon ber erften unb über bie im erften Sanbe gegen mich gerichtete Äritif ju bcmcrfcn hatte, habe ich *n jmei 9tcjenfionen ber beiben Sänbe (in beit Slätteni für litterar. Unterhaltung) niebergelcgt, beren Hauptinhalt in bem Auffafo „3ur SfehgionSphilofophie" (in meinen „^htfofophifö ” 1 Stagen ber ©egenwart" 9h. VI) jufammengcfajjt ift. Der britte oon beit in meiner „ÄrifiS beS ShtiftentumS" ootjugS* locife berücffichtigten Dheologcn, 9t. CipfiuS, hat in feinem Suche „^ßt»tlo= fopf)ie unb 9icligion, neue ©eiträge jut wiffcnfchaftlichen ©runblegung ber Dogmatif" (Setpjig 1885) auf S. 31—33, 45, 58, 76, 94, 239 u. 304 einige (Entgegnungen gegen meine Äritif ber crfenntniä*theoretifchen ©runb= lagen feiner Dogmatif einfliejjen taffen, welche mir ju einer SRücfäujjerung feinen Aitlafi geben. Sch fann mich bamit begnügen, auf bie Sfejenfion beS fitpfiuäfchen ©ucf)eS oon 91. ßaffon in ber „geitfcfjrift für ißhilo« fophie unb pt)ilofopl)ifchc Äritif" 1886 Sb. 89 $eft 1 S. 101 fg. 511 oettocifcit. SBcnn fiipfiuS noch eine 2RittelftcUung jioifchen ben fpefulatioen Dljeo* logen cinerfcitS unb ben gänjlich unfpefulatioen 9feufantianern anbererfcitS einnimmt, fo treten neucrbingS mit bem 9 iücfgang ber fpefulatioen 9 ?ei= gungcit mct)r unb mehr folche Oöllig unfpefulatioe Dheologen üt ben Sorbergrunb ber 3cttintcreffcn. (Eine folche Dhcologic, Welche fid) gegen allcö SWetaphhfifdhc nicht nur als SfcptijiSmuS, fonbent als negatiO«bog* matifcher AgnoftijiSmuS fct)rt, pafjt oortrcfflich }u ber Oerächttichen 2)hta= phpfiffchcu unfrer Dagc überhaupt unb ju bem religiöfen SubiffercntiS* muS unfrer gebilbeten Greife inSbefonbte. Sie hat eS bei ihrer ©leid^ gültigfeit gegen bie chriftlicfjen Dogmen fcht leicht, fich mit bem Schein gerichtlicher Unbefangenheit unb miffcnfchaftli^er (Ejafthcit ju umgeben unb fann ber 9fcgatioität ber philofophifchen unb hiftorifd^cn Äritif unbc= bcnflich grojjc 3 ugeftänbniffe machen; benn fie behält fich oor, nach allen bicfcit hoch nur reinbaren 3ugeftänbniffen plöfclich mit beiben Seinen in baS pofitioe Äirchentum hmeinjufpringen, wie bie ungläubigen fonferoatioen ©cfcQfchaftSfreifc cS toünfchcn unb brauchen. Die Scgrünbung biefeS salto mortale auS bem ffeptifch*inbifferentiftifchcn AgnoftijiSmuS in baS pofitioe förchentum mag fo fchtoach auSfalten, toie fie will, — biefc Schwäche Wirb ber Dheologie bereitwillig nachgefehen, ba baS pofitioe Ergebnis ebenfo wie ber negatioc AuSgangSpunft ben Sebürfniffen beS 3 e ttgeifteS entfpricht. SReligiöfe Staublungen. 573 Senn bad ganje furtftootle Dogmengebäube ald eine ljetbnifcf>e @nt* Stellung bed reinen ursprünglichen ©priftentumd beifeite gefepoben »heb, jo applaubiert bad Ißublitum unb erlägt biefen Dpeologen 9 er0 S ta 9 e » »ad benn nun eigentlich ber unentftellte reine Äern bed ©priftentumd Sei. Diefe §rage tft nämlich 9 aT nicht mehr ju beantworten, »enn fiep nicht babei peraudfteflen f 0 H, bah ed ein uncpriftlicped SReformjubentum ift;*) biefe Rheologie geht bedhalb auch »ohl»eidlich um biefen angeblichen Äern bed ©priftentumd, ber nicht mehr ftrchü^ s bogmatifch fein foH, »ie bie &afcc um ben heilen Srei herum, gür bad praftifche ©ebürfnid genügt ihr bie lanbläufige Äanjelpprafeologie; aber fte bebenft nicht, bah biefelbc nur non bem ftiüfcpweigenb boraudgefepten Dogmengcbäube ihren ©inn erhält, unb nach beffen Sefeitigung jeben ©inn ncrliert. @ic tann fiep getroft über biefen ©imoanb phtwegfefcen, »eil ihr fßubtifum an biefe ißprajeologie gewähnt ift unb auf bie fReflejion über ben ©inn ober bie ©innlofigfeit berfelben ju fünften ber ©rmöglicpung bed Äircpentumä be* rcitwiUigft üerjicptet. ©chlhnmften g°Ud wirb, »ie in ber ortpobojen Äircpenlepre, ber §in»eid auf bie gerichtliche Offenbarung unb bie innere ©laubenderfa prang benupt, unbefümmert barum, bah ber 3npalt ber ge» icpicptlicpen Offenbarung eben erft in bem funftbollen Dogmengebäube ber Stircpentepre feine ißräjificrung unb ftlarftellung erfahren pat, unb bah bie innere ©laubenderfaptung eine junäepft ganj unbeftimmte ©emütdtpatfacpc ift, bie erft ber fpehilatioen Äudehtanberlegung ipred impliciten ©epaltd bebarf. SBo bie gefchicptlicpe Offenbarung auf ben reinen ftem bed ur» fprünglicpen ©priftentumd befepränft wirb, ba feprumpft fie unmittelbar ju einem borcpriftlicpen SRubiment jufammen; wo bie innere Erfahrung bed religiöfen Sehend opne SRücfficpt auf überlieferte Dogmen audgebeutet »er» ben foH, ba pärt bie SRöglicpfeit einer Ärccpe im bidperigen ©inne auf, unb ed tann nur bann ein netmendwerted ©rgebnid peraudtommen, »enn bie berpönte ppilofoppifcpc ©petulation an bie ©teile ber ebenfo berpönten fircplicpen Dogmatil tritt. @d liegt auf ber §anb, bah W* fßpilofoppie feinen entfpreepenben Stnlafj pat, fiep mit einem folcpen ©tanbpunft fritifcp ju befepäftigen, »ie fie ©runb patte, ed mit bem fpetulatiben ißroteftantidmud ju tpun. ©d genügt, biefe 3citerf$tmung ote eine neue fßpafe ber ©elbftjerfepung bed ©priftentumd unb ald ein mtereffanted ©pmptom bon ber SRäpe bed ©nbed ju tonftatieren. Der pier gewaltfam jufammengefepweihte ppper» *) Sgl. „tie ©elbftjerfepung be« Cpriftentum« unb bie ^Religion ber Butunft“, 3. HnfL Sbfdjn. IV unb V unb ,9teIigion«ppiIo{op^ie* 2. Hufl. teil I ©. 614—631. 674 (Ebttatb b. fyrctmattn. fritijche theoretffcfje ©feptiztßmuß unb unfritifche fmhüdhe ©ofitioißmuß muß notmenbig außebtanberfaHen, fobatb bie gebanfentofe 9tocf)TOtrfung bet getoohnten ftanjelpfjrafeologie aufhört. 35ann roetben fier* foppelten Reiftet fdjeiben müffen m folcffc, benen eß Gmft ift mit bem ungläubigen Slgnoftizißmuß, unb in fotc^e, benen aKeß an bec (Schaltung beß pofitioen Ämhentumß liegt; bie einen merben fic^ Dom ©jriftentum, aud) üon bem unangebbacen reinen unb urfprüngtichen fterne beßfetben abroenben, bie anbern bem Äatholiztßmuß jufe^ren. ÜKit meiner 9iuf>e unb ©elbftgemißheit ber Äatholizißmuß ben Gin* tritt biefcß Gteigniffeß ermattet, baß zeigt ftd^ unter anbetm in ber^ettinger* fcßen ©chrift: „Die Äriftß beß Ghriftentumß; $roteftantißmuß unb fatho* lifd^e Ätrc^e" (^reiburg i. ©r. 1881), tocldje, mie jcffon t^r Xitel jeigt, butd) bie erfte Stuflage meiner ©chrift oeranlaßt ift. X)er ftathotizißmuß bat ganz Siedet, memt er bie ©elbftzerjefjung beß Ghriftentumß nur alß eine ben fßroteftantißmuß betreffenbe Grfdjeinung gelten taffen rniH; benn nur baß Sebenbtge tarnt fterben. Gine Sföumie ift Dot ©etmefung fieser, aber fie ift nicht baoor fidler, baß fie nicht einmal bei irgenb einer ftarten äußeren Grjchütterung in ©taub jetfällt. Vorläufig mirb fie noch butdj bie ©inben unb fteifen ©rofatgeroänber ber fat^olifd^cn Äirthe, b. h- burdj beten ungeifttiche, toeltlic^e aRachtftellung zufammengehalten. Gß ift fein SBunber, baß baß religiöfe öebürfniß beß ©olfeß [ich lieber an biejenige ber zwei geiftoertaffenen Äirdjen anfcßließt, welche ihm meitigftenß äußerlich burch ftraffe ^ierarc^tfche Organifation unb fojialen Ginfluß imponiert, unb baß eß in Grmangelung einer wahrhaft (ebenbigen unb zeitgemäßen {Religion fid) an bie fRefte oergangener Herrlichkeit hält- Güten gänzlichen Umfchmung biefer äußeren Söeltlage fann man nicht eher ermatten, alß biß eine bem retigiöfen ©ebürfniß unb bem 3eitgeift gleichmäßig Rechnung tragenbe Religion ^eroortritt. 3)ie Grunbjöge einet folgen ootaußjujehauen, fann man nur bann Oerjuchen, rnenn man ben ©lief gleichzeitig auf ben gcfdjichtlichen Gnt* midfelungßgang beß teltgiöjen ©emußtfemß ber SWenfchheü unb auf bie fpefulatioe Slußlegung ber inneren Grfahrung eüteß oon feinen Dogmen unb feiner äußeren Offenbarung befangenen retigiöfen ©emußtfeinß richtet liefen ©erjuch h Q be ich üt üett beiben Xeüen meiner fReligionßphitofophie unternommen. SBie ber erfte hiftorifdh'fritifche Xeil biejeß SBetfeß in bem ©chlußabfdjnitt ber „©elbftzerfeßung beß Ghriftentumß“ ün oorauß an* gebeutet mar, fo ber zweite jpjtematijchc Xeit beßjelben in bem ©dßtuß* abfehnitt ber „Ärifiß beß Ghriftentumß", melcher bie Überjchrift trägt: „Xtaß religiöfe Grunbphänomen alß OueUpunft ber 3ufunftßreligion". Religtöfe XBattblungetL 575 Überblidt man bie Äuäfid^ten, meldje baö S^rtftentum au8 rein praftifchen, fulturhiftorifchen ©efichtöpunften in ber ©egenmart hat, unb bergleicht man biefelben mit benjenigen, tpeld^e e$ $ur 3eit beö alten römijchen Sfteicheö batte» fo (teilt fich ber Überfchlag fcfyc ju Ungunften ber ©egenmart, auch bann, toemt man non ber inneren ©dpoierigfeit einer Bereinigung beb ShriftentumS mit ber mobemen SBeltanfchauung gang abfieht Stuch im alten röntif(ben fReid) beftanb eine Religion ober biel« mehr eine SRenge bermanbter Äonfeffionen, meldje bon bem gortfchritt bed 3eitgeifted feit ihrer ©ntftehung überholt mären; in biefe trat baö ©hriften* tum atö eine aud bem 3eitgei(t felbft ermachfene Könfutrenjreltgton neu hinein. 3efct hingegen ftebt baö Ghriftentum fulturgefchichtlich betrachtet an ©teile ber bamaligen ©taatöreligionen, gleich ihnen unfähig, (ich aud (ich felbft $u verjüngen, unb nur bt8 je^t noch *>on feiner neuen au£ bem 3e ihre ©jiftenj begrünbeten unb behaupteten, fie »waren auch ein £)auptanjiehungSmittel für ben (Beitritt neuer (Witglieber. ©tctat unb ©cfeUfchaft hatten Aufgabe ber (Berficherung noch nicht erfaßt, barum fonnten bie religiöfen (Bruberfchaften ficf| berfelben als eines hertcn* lofen ©uteS bemächtigen unb an ihr erftarfen. 'Sie ©cgemoart mit ihrem bereits hochauSgebilbeten freiwilligen unb obtigatorifchen SierficherungS* iDefen ho* ber Kirche biefeS gelb ber 5£^ätigfcit befinitito abgefchnitten, hoch ftehen wir in biefer §inficht erft am Anfang einer großartigen ©nt* widetung, »welche mehr unb mehr auch W* SBohlthätigfeit, Armenpflege, unb Ätanfenpflege ben ^änben ber Kirche entwinben unb auf rein weit« liehen» ©oben organifieren wirb. ©aSfelbe gilt won ber ©hule, welcher baS ©hnftentum, wenn nicht in ber Urjett, fo hoch im (Wittetatter unb ber WeformationSjeit ben größten $eil feiner (Wachtjtellung werbanfte. ge blühenber bie fo$ialethifchen gnftitutionen auf rein »weltlichem SBobcn [ich entwicfeln, befto mehr wirb ber fördje baS ©ebiet, auf bem fte praftifche Äulturerfolge erzielen fann, befchränft. (Sic ewangelifche fördje ift in biefer (Bejahung feßon in einer red)t fchlhnmen Sage; bie fatholifche Äirie fatholifche Äirche würbe bamit ihre ©teUung nicht haben behaupten fönnen, wenn fie nicht burch ben fBeichtftußt eine feelifche (Wacht über einen großen (namentlich ben weiblichen) (teil beö SBolfeS auSübte unb biefe (Wachi ffrupelloS ju ©unften ber fiitche auSbeutete. (SaS ©hftem biefer Ausbeutung befteßt wefentlich barin, bie unbotmäßigen ©lieber ber fördje mittelbar burch ben ©influß ber treuen ©lieber jur (Botmäßigfeit jurüefjuführen unb in berfelben $u erhalten. (Sie ©törung beS inneren gamilienfriebenS unb beS wirtfehaft* ließen ©ebeihenS ftnb bie beiben Jpaupthebet, »welche bic Kirche benufct, um unbotmäßige ©lieber ihre (Wacht fühlen ju laffen unb jur Unterwerfung unter ihre gorberungen ju jwingen; bie ffräfte, Welche an biefen Rebeln wirfen, ftnb ber birefte unb inbirefte ©influß auf bie (Beichtfinber, bie ftraffe h»erarthif^e Organifation ber Kirche unb ihre umfaffenbe (Berjwei* 578 Sbuarb b. $artmann. gung, ihre bebeutenben pefuttiäten Machtmittel, ihre intime AerattniS bet gamiliengehetmniffe unb ihre jperrfchaft über ben gefellfchafttichen 9tuf unb baS gefchäftliche Stenommee bet ©iitjelncn in latholifchen ©egenben. ®ie eoangetifdje Atrd)e mirb hoffentlich für immer Stnftanb nehmen, in ber ©enu$ung bieder Machtmittel mit bet latholifchen in SBettbemerb ju treten. Stur in einem fünfte liegt ihr bie ©erfuchung baju nahe: in ber ©enufcung ber gurdjt oor ben §öllenftrafen unb oor ber ©erfagung ber lirchtidhen ©hren; inbeffen hot h* ct t>ie fatholifdhe Äirche einen nicht einjuholenben ©orfprung DorauS: baS Fegefeuer unb bie Macht, ju binben unb ju löfen. ©o lange ber ©taube an bie ©dhrecfen beS SenfeitS im ©ollSgemüt ferne 5^caft behält, hot bie Kirche einen gemiffen ©inftujj ficher; aber biefer ©taube oerbtafjt mehr unb mehr unb oerliert ftetig an Moti* OationSfraft felbft ht ftreng fathotifchen ©egenben. Stun hot jmar bie Airthe felbft bem ungläubigen ©liebe gegenüber noch ^ nen ftarfen ©er» bänbeten an ber ©ollöfitte unb beren ftiHen ©mftufj auf bie in ihrem Areife Sebenben; aber biefe Macht, j. ©. bie bei felbft ungläubigen Aatho* lifen häufig ju finbenbe Ängft oor ber ©eerbigung in ungetoeihter ©Obe, ift hoch in ihrer abhängigleit oon ber ©itte unb ©etoohnheit eines all» mählichen ©erfaUeS ficher, melcher noch burch gef etliche Änotbnungen, j. ©. ©ntfhxhlichung ber ©egrä6niäpläfce, befdhleunigt »erben lann unb mirb. ©on melcher ©eite man auch bie ÄuSfichten ber chriftlichen Ährchen auf ©rhaltung unb ©teigerung ihres ©influffeS betrachten möge, überall fteilen fic fich als ungünftig bar. ©in ganj befonberS bebenQicheS ©hat))« tom aber fei noch äutefet ermähnt, meines barauf hinbeutet, baff felbft bei benjenigen, bie eS mit ben Sntereffen fürs SenfeitS ernft nehmen, bie Macht ber Airdhe unb bie ©ebeutung beS ©hriftentumS hn ©dhminben ift, — baS ift baS SBieberauftaudhen unb Umfichgreifen ber antifen Mpfterien unter bem Stamen beS ©piritiSmuS.*) «IS baS grtcchifch=römtfche fpeibentum anfing, mit ben 3uftänben beS 2)ieSfeitS unjufrieben ju merbett, unb in ihm bie ©ehnfudht nach einer Übcrminbung beS trbifchen SßeffimiSmuS burch einen tranfcenbenten Dpti* miSmuS ermachte, ba mären eS bie Materien, metdhe biefer ©ehnfudht ©efchmichtigung boten, htbem fie burch oHegorifche ©dhaufpiete für bie nieberen ©rabe, burch mpftifche Übungen unb fpiritiftifche ©ifeungen für bie hätten ©rabe ber ©htgemeihten bie $uoerfidht an eine ittbioibuette •) Sgl. Aber biefen ©eger.ftanb meine im ^alfre 1885 erfd)ienene Schrift: „Der Spiritismus*, unb baneben bie ftbhanblung „Der SonnambuliSmuS* in „Woberne Probleme*, 2. 9fuff. 1888. fReligiftfe SBanblnngen. 579 ffortbauer nach bem Xobe anfcbauticb ju begrünben unb emptrifcb ju be* feftigen fudjten.*) ®ag bie ^etbntf^en ©aturreligionen fidj übet bie 3 e » t Älejanberö beö ©rogen f|htaud behaupten tonnten, oerbanfen fie mefent« lieg bem SRbfterienfultuä unb bem Umftanbe, bag fte bereit unb im ©tanbe mären, biefen ©fpfterienfultuö in ficb aufgunebmen unb ficb burd) ign ju oertiefen, ju oerjfingen unb ju ftärfen, inbem fie ben Unfterbfidjfeitd« münfcbcn ber 9Wenftben Nahrung barboten. Äber gerabe ber Umftanb, bag auch bei biefen @ricf)etnungen, ebenfo mie im blutigen ©piriti&muö, ©etrug unb ffiunberbareö burcbeinanberltef, mugte pm ©erfaß ber SDtyfte« tien führen, gumal bie SRacbbölfe ber ©riefter um fo nötiger mürbe, je megr ber ftreid ber ©ingemeibten ficb oergrögerte. ®aö ©oangelium Oon ber Äuferftebung beö gefreujigten SÄeffiaö ber Suben bemcfratifierte bie äRpfterien, inbem eö ihren Snbalt «fegte. 2 )te Äuferftebung ©brifti foßte jebem, ber an ign glaubte, bie eigne Äuf« erftegung ebenfo gut oerbürgen, mie bie SD^fterien ben ©ingemeigten; mie ber ©rlöfungötob ©grifti aßen SWenfcgen bie ©enriggeit ber ©ünbenOer* gebung, fo foßte feine Äuferftegung aßen äRenfcgen bie ©enriggeit bringen, bag autb für fie ber ^Stacgel beö $obe8" übermunben fei ©in folcgeö ©oangelium, baö autb ben 3ößnem unb ©ünbern, ben ©flauen unb ge« faßenen SBeibem bie Teilnahme an ber mbftiftben Äuferftegung barbot, mugte auf ©runb feiner einmaligen oorbüblicgen ^ilötgatfacge ba« Se« ftreben ber SJtyfterien, ficb immer oon 92euem empirifcg oon ber ffort* bauer ber ©erftorbenen $u überzeugen, prinjipieß als geibnifcgen Unglauben beflbnpfen, unb auö bemfelben ©runbe mug aud) baS heutige ©briftentum bie ©erfutbe bed ©piritiömuä alö eine oermerflicge ©taubendfcgmäcge unb alö eine für ©brifti ©erbienft beleibigenbe ©erirrung befämpfen. SBetm fomit auf ber einen ©eite baö ©briftentum ohne ©erleugnung feiner gefcgicgtlicben Urfprünge unfähig ift, bie fpiritiftifcbe SBieberertoecfung beö SWbfterienfultuö ht ficb aufjunegmen unb ju Oermerten, fo geigt botb anbrerfeitd baS SBieberermacgen biefer ©eftrebungen in ber ©egentoart, bag bie angebliche Igatfacge ber Sluferftegung ©brifti im Saufe ber 3agr« taufenbe igre Überjeugungöfraft Oerloren bot. „3ft ©griftud nicht auf« *) *gL Carl bu $tel: .Sie StgfHt bet alten ©tiefen' (Selbig 1888) Wb« jcguitt m* .Sie Stgfterien*. Set 9ta(gn>ei£, ba| e* fug fflt bie gOgeren Stabe «m fflnftlicge Srjeugung oon Sonnambuli$mu8 unb SiebiumiSmu« bejiegung8»eife um bie 3uf Umweges burdj ben ©tauben an bie Stuferftefjung Gfjrifti. 9Scr heute an eine inbioibuelte gortbauer ju glauben geneigt ift, ber oerftept barunter nidjt eine mirafutöje Slufetwedung ber $oten burcf) bie göttliche 9Bunbermad)t um ihrer Sittlid)feit, grömmigfeit unb ©läubigfeit mitten, fonbem eine naturgefehlidje X£>atjac^e im Sinne einer über ihre bisherigen ©renjen ermeiterten Raturwiffenfdjaft. $af)er tommt eS, baß bie Spiritiften, auch 10(1(11 f (C f (£ h äußerlich in ben formen ber djriftlichen Religion bewegen, hoch innerlich fdjledjte Ghiiften ftnb; wo ber Spiritismus jum eigentlichen ÄuttuS geworben ift, tritt er entmeber jctbjtänbig an bie Stette ber gejchichttichen Religionen, ober er jucht 9lnjcf)tuß bei foldjen Religionen, welche ben äRpfterienfultuS nicht auSfdjließen, jonbem beffen pflege fpftematifiert unb auf ihren ©ipfet erhoben h fl ben. S)ieS ift aber in ben inbifchen Religionen gefächen, unb eS ift beShatb nur folgerichtig, wenn ber Spiritismus $u einer Reftau« ration ber inbifchen SBeltanfdjauung auf europäijehem ©oben führt.*) 2)ie* jenigen Snbiöibuen, benen cS in unfrer Weltlichen $eit noch Gmft ift mit tranScenbenten ©eftrebungen, unb bie babei nodj nicht burdj ben ©effimiS- muS fo weit geläutert finb, um baS ©rtöfdjen ber eignen Snbioibualität im Xobe als $iel ihrer Hoffnungen ju erfaffen, werben beShalb eher im Spiritismus, ReubrahmaniSmuS ober ©ehehnbubbljiSmuS als im <5htiften= tum ihre Rechnung finben. ®aS Ghriftentum barf ftd) barauf gefaßt machen, in biefem mobernen HRpfterienfultuS noch weiterhin einen nicht $u unterfdjä$enben Sonlurrenten auf bem ©lafce ju finben, ber jmar ftiQer wirft als bie politijehe unb humane greiheitS* unb ©leichheitSfchwärmerei, als bie Sojialbemofratie, ber StaatSfojialiSmuS, baS prioate ©erfidjerungS« Wejen unb bie Weltliche ©ereinSthätigfeit, bafür aber auch ß ( tobe biejentgen Snbioibuen für ftch in S3«fd>tag nimmt, welche burch i^re jugtcich tranS* *) Sgl. bie biefem Seftreben getoibmeten 3eitf4tiften: „The Theosophist“ unb ,,©p$ini". ©ilbetftrin. $a« Oeljetmnia bt8 SBilberetd. 581 cenbenten SEBünfc^c unb optimiftifchen (Srwartungen in früherer 3eit baS wertüollfte SWenfchenmaterial für bic Sßropaganba beS (SfjriftentumS ab* gegeben haben Würben. Sch für meinen 5£eit lann in biefer Sewegung nur einen fonberbaren Umweg fetjen, welchen bie Äulturgejdjichte einju* fchlagen beliebt, um ber inbifchen 2Beltanfchauung unter ben occibentalifchen Äulturtoöllern nur überhaupt erft einmal wieber eine Stätte ju bereiten, unb fo bie Setfchmeljung non djriftlicher unb inbifcher 2Beltanfcf)auung oorjubereiten, ohne welche bie „Steligion ber 3 u ^ un f t " ntd^t eine höhere (SntwicfelungSftufe als baS Gf)riftentum repräfentieren fönnte. pas 6*|*hnnis b* Silb«r%. (Sine ©efchichte pon 21 u g u ft Silber ft ein. (3ien.) » c fräftige SJZanneSgeftalt bcö ©erfjarbuS Sßofdjacher fag in ber großen Sorberftube feines Sauemhof eS, auf ber alten braunen Sani, bic fich längs jener SBanb hinjog, bie ben genftem gegenüber ftanb. Son ba fonnte man freiauS in bie ©egenb feheh unb pamentlid) auf ben oor* gelagerten jpügel ober fogcnannten Sorberberg, welcher jur Sllpe führt, unb auf ben Steig entlang beS SBalbfaumeS, welchen bie Säger jumeift gingen. ©erhärt, ober £>artl, wie ihn feine grau, auch 3 teun be ^ie^en, hatte feine pfeife angejünbet, fah feierabenblicl) raftenb ins greie hinaus unb erquictte fich am Äbenbrot beS reinen Rimmels, welcher nur oon einzelnen gotbigen SBölfcfjcn burdjjogen war unb ben SSalb in allen garben beS SurpurS, unten an ben braunen Stämmen, unb beS ©rüngolbeS in Statt* Wipfeln unb ÜRabctn hoch oben, flimmern lieg. (Sin tanger, breiter Sonnenpurpurftreif fäumte bie §ügeltante bort ein, wo eine Sichtung hn SGBalbe war; unb gerabe in biefer Sichtung, fo bag er fich befonberS metflich aus ber Suft unb aller Umgebung abhob, ftanb ber Säger girmian Solberauer unb fah weithin ringsum. (Sr fah hetrifch unb ftolj auS, wie er baftanb, mit bem gangen Sonnenflammen* grunbc hinter fich, nfö toäre er hingemalt, ben §unb an ber Schnur ju feinen gügen, baS Stohr eine fcharfe Sinie an feiner Schulter. ©erharb begann ben Stauch ftärfer auSjuftogen, als er ben Säger fo bemerfte, unb blicfte eine SEBeile unabgewenbet hin* Snblich fuhr er 7 Vol. 4/2 582 Silberffein. mit ber (panb in ben bitten Dabatöquatm not (einem ©efidjt unb jer* ftreute beffen SBotfen, um fich ba« SBilb nicht oerbüftern ju taffen, auch bamit ihm nicht ba« ©eringfte entgehe; unb er fuhr in feinen ©ebattlen, mit fich fprechenb, fort: „Ob er bort fielen geblieben, um grab' ba t)er, auf biefed §au« 5 U fe^en? Ob er finnt, mie er ba (Schaben anftiften, ober fidj eine« geinb’8 ertoetjren !ann? — fjeinb? . . . ©in idj fein geinb? SBa« tarnt ich bafür, bafj er bie granjl geheiratet hat, mit ber ich in ber Sugenb freilich Diet beifammen gemefen! 2Rein ©ott ... mir finb au8 einem unb bemfelben Reinen Ort. . . ich unb ba« Dirnt, ba« ba« jegige Säger« meib . . . unb menn man alte Dirnt heiraten thät’, mit benen man eine ©djarmujirem anfängt, ... fo ... na ja, fie mar ein arm’8 Ding unb mein §ab unb ©ut fjätt' nit gelangt, ich h fl b’ ntüffen beffer oormärt« trachten . . . unb mit mein’ SBeib, ©ottfeibanf, fjab id)’« gut getroffen . . . meine beigen Äinber . . . unb jegt hab tefjö ermacht unb ben £of ba getauft, ©in prächtige« ©ütt, hätt'8 nit beffer miinfehen tönnen, auf bem ©runb gebest Stile«, unb ftotj ift förmlich ba« §au«! (Reib’t er mich toobt? (Reiben ©iete. ©effer (Reibet at« ÜRitletber! Stber hätt’ ich ba« ©ütt’ getauft, menn ich qemufjt hätt’, ber ©olberauer, ift ber Säger . . . ber SRann ber ftranji ... fie fetbft im Ort?" @r fann ein SBeitchen. „@i, ja!" fagte er fich mieber. „SBa« foH ich Qefchrectt fein? SBa« fott ich mir SRuden in ben Äopf fegen unb megen alten ©efdjichten . . . pag! ba« ift alte« oorüber unb ich &* n c * n SWann bei §au« unb $of, bin ein auf ©ütt unb ©eredjtfam, in« ©runbbuch gefchricbenet fefter ©e* meinbürger, unb bamit ift'8 gut . . . bie unfetige $eit unb bie fchmärmerifdhe 3«t . . . o, bu mehl ©ott, menn man mit ber btofjen Sieb’ ©teuer unb Stbgab’ jagten fönnt’!" (Rach biefem ©innen ftopfte er mit bem Ringer bie pfeife fefter, brürfte bie Stfcge hinab jur ©tut, bafj biefe ftärferen (Rauch Ö^be. @r bemerfte, bafj ber Säger fich (jemenbet hatte, fein Stugenmert nimmer hier* her gerichtet haben fönnte unb feinen SBeg meiter abmärt«, ^etitt jum Dorf genommen. Der Slbenb mar mittterrneile ftärfer hewingefunten, ba« (Rot hatte einem bunRen ©treif (ßtag gemacht unb e« biiftertc fo, bafj bie ©eftatten aufjen nimmer ju ertennen marcit. Der §au«mann erhob fich non feiner ©anf, ging in bie (Rebenftube, oon ba in« Sorhau« unb in ben §of, um allerlei Slnorbnungen ju treffen, unb nach c i ner kh rtc er mieber in bie ©tube jurücf. ©r hatte faum fein grüne« $au«mannötäppchen auf 2>a6 <8ef}timni& b(8 SBilbettrS. 583 bie ©anf neben fiep gelegt, war fiep, naep ©etoopnpeit, mit ben Ringern beibec §ättbe burep bie teilen, nic£)t langen Äopfpaarc gefahren, ald ein becber Änöepel an ber Äufeentpüre bet ©tube Hopfte. „•Wut immet perein!" „Äp, Du bift’d, 3örg hoblet. . . gräjj Diep aucp ©ott . . . fommft toiebet einmal ind 3eitterplaubern ... gut ift’d . . . bajj Du Diep meinet etinnetft! . . . fommft mit g’tab reept, um allerlei ©inniterei mit aud bem flopf ju treiben. ©e$’ Diep . . . meine Älte full und einen fitug SDfoft bringen! §örft, SSBcib brin; einen 2Roft!" Unb naep biefem Wuf in bie impfte Dpüre fupr et fort: „... unb jept teb’ oon Weuigfeiten unb guten." Jpm," jagte Nobler, ein langet, bünnet, fepr berbfnoepiger Sßann, mit tiefliegenben Äugen unb gattet, taufet ©thnme, auf beffen braunem ©efiept immet ©artftoppeln ftanben, „gut unb neu, Du oetlangft nit wenig ... gut ift, bajj Du Dein’ ©aepen enblicp Dom ©eriept, ÄUed fij unb fettig paft . . . bad ©efte fogat, bajj Du ben ©efifj auf mein Än« taten gefauft paft . . . unb neu . . . nun, icp rnüjjt ni|* Weuered .. . bad Weuefte, bajj icp ben Säget g’tab begegnet pab, unb et patt’ ntiep halb mepr angefnuttt ald fein §unb." „ffiad gept Ditp bet Säget an?" „HRicp? 0, Du Unfcpulbiget! ®?an fiept unb pött, bafj Du noep niept reept roeifjt, toad in unjetet ©egenb ba ootgept. Der Säget pat miep in ©etbaept, baff icp ein SBilberer bin, unb et pat fogat gemeint, üp bin bet §auptmaitn oon allen." „Du?" tief ©erparb auf, bet bei bem Weben bed Döblet in bie näcpfte Dpäre gegangen mat, feinem SBetbe ben SRoftfrug abgenommen unb ipn jept bem ©aft pingereiept patte. Der §audmann mat ftetd in pötmette bet raupen ©thnme geblieben. „Scp pab immet gemeint," jagte et jept, inbem er ein fiiept anjünbete, „Du benfft nur and Raufet* ober ©auerngütl«©erfaufen .. . aber an’d Sägern . . ." „Scp bring Dit’d . . . Dein’ ©efunbpeit, §artl!" jagte bet ben SWoft» frag §a(tenbe. „Äbet Du Oerjeipft fepon," fupt et naep bem fräftigen ©eplud jo bumpf fort, ald fpräcpe et in ben Ävug pinein, „Dein Warnend« jtcg auSlacgen laffen? . . . miQft ben JBerbacgt aufbringen, bag S)u ju ben §errifdgen gegörft unb ®tt in feiner uffeS, baS Dreffen unb ©rlegen, ©rreidhen beS ©SitbeS fo lebhaft auS, bafs ihm baS $erj immer ftärfer fdjtug unb bie ©ehnfucht nach Sagbtuft, bie eine ©Seite eingefdhtummert war, aufs höchfte ftieg. Die reiche 3agb unb bie nötige 3agb ringsum wedte ben ©roß gegen ben 3äger. ©Sie fchön wär’S, wenn er bie Seute ringsum aufriefe jum SWitthun . . . aber ... er will ftotj allein fein, ©IteS beffer wiffen unb haben! ... Die Waibmännifdhen ©ebenfen würben bei ©erwarb immer ftärfer oerbrängt burch ben Drob unb -baS ©ufbäumen beS ÜbetwinberS ber ©egenfäbe. ©iS er gerabe in feinem ©arten ftanb unb aufmerlfam in bie ßtortge eines ©imbaumeS fah, benen einige junge ©fn^en Oon einer ©pinnraupe arg üerborben waren, ba fchritt oom 3aune heran ber ©taStrager. Der ©taStrager ift ein ©tonn, welcher auf einer ©rt „©udl*$rajen", ber „Äippe", einem eigens baju eingerichteten ©efteile, ©taSfdjeiben alter ©röfjen bereit hot, um bie ^erbrochenen ©djeiben 5 U erfeben unb ju fKden. ©piegel fehlen auch nicht, ©ent Diamantl, mit bem er baS ©taS wie ffSapier fdhneibet, ift immer ein üon ©tt unb Sung angeftaunteS Ding, unb bie btibenben, abgebrochenen ©IaSftreifdhen Werben bewunbernb be= trautet. Sn einem ©äddfjen ober einer Sebertafcf)e h°t er auch baS genfterbtei, ben Äotben, um etwa bie bleiernen galje unb ©chienen ju töten, £a$ @ef>etmni8 be$ SBilbeterS. 589 oft auch trägt er ein Äörbdfen mit fief», ooH gierigen Jpanbfptegeldjen, bun* ten ©läfern aller Strt für ©lumen ober gunt Drinfen, gegiert mit frönen ©prüfen unb golbigen ober eingefchliffenen Ärängen, bie ficf> rings um Taufnamen gieren. 9D?it biefen ©Saaten gebt er, gerufen ober ungerufen, burch bie Dörfer unb eingelne 0rtl ober SRotten, weitaus über ©erg unb Dhal Gr tft a£fo ein gemietet, pfiffiger, felbft abgefc^tiffener ättenfeh, weift öiel oon allerlei fieuten unb ©Srctfdjaften, gerabefo wie ber Utjrtrager, ©anblframer, ©ägefeilet unb anbere gwifdjen fefet^aftcr ©eüölterung wan* bernbe fieute. Der übliche ©rub war halb gewechfett. „©SaS madpft Du ba, ©eit, frag ber JpauSmann. „©Süfjt nit, baß was 'brachen ift, ^aft ja ep erft MeS bei mir eingeriept’ unb auSgebeffert ©SiUft oieüeitbt felm (felbft) was einfdplagen, bab Du gleich gu tpun „DaS gerab nit," täfelte ber fd^ielenbe ©laSträger auS bem mageren ©efiepte unb nahm bie ^olgpfeife oon bem SRunbe, in bem er fie mit ben lüefigen, fdpwargen 3äpnen ö^alten. „9Köcf)ft nit ein fdpöneS DrintglaS taufen, mit ein' prächtigen §itfelte er beute mehr als mäbrenb ber lebten Sage baS ©lonbbaar unb nahm auch bie roten ©äcKein jmifeben bie beiben £änbe unb fab ihm feft in bie feuchten, betten, blauen Äugen. Ser fötabe hielt ficb auch ^cute fefter ju bem ©ater als eine 3«t her, unb halb bufcbelte ber kleine ficb «eben ihm im marmen, meicbcn ©ette ein. SaS auSgeftredte Jpänbcben babin über beS ©aterS breite ©ruft, näcbft bem erzen, fdjien bieS mehr ju beruhigen . . . halb ging ber ^ßulSfdjlag leifer . . . leifer . . . unb erfebnter ©cblummer fenfte ficb über bie Äugenliber beS ÜJtanneS immer fefter unb fefter ... im ftitten, finftern . . . naebtrubigen §aufe. Sie Uhr feblug, in ber nächtigen, fonft (autlofen ©titte, er hörte fie nicht. SJferfmürbig ... er fab mit ausgezeichnetem ©lidc bor ficb auf bem DaS ©eljeimni« beS SBilbererS. 593 SBeg im SGßolbc, als er augerorbentlich rafclj unb glücflich bem JpauS entronnen mar. $>a8 Sagbropr frampfte er feft, als er eS hinter bem Reifen gurecht gerietet hatte. Sr ftieg überaus leidet, frohgemut... ein §üpfen über einen Saumftumpf, ein ©bringen über einen ©tein {am ihm fo unföroer an! Sr füllte fid) mie getragen oon 9Wut, oon Sagbluft unb noch einem unbefchreiblidhen StmaS. IRingSum mat’S ftitte, nichts rührte fich in bem SEßalbe unb ©ebitge. Stoch mar alles 2Bilb tief geborgen im $icKcht unb oerftecften Säger, lein SBogel rührte fich im ©egmeig, nur bort, meitab, fdpenS ilpn gu leuchten, mie oon gmei großen Sulenaugen . . . ober foHte eS fauliges £>olg fein? Sefct hörte er ein ßäuglein matt pfeifen unb ächgen. Sine fcfjlimme SSor* bebeutung? Si, folcpeS ©etier gab’S ja jebergeit im SBalbe! Unb felbft a(S eine glebetmauS nahe an feinem Äopfe puffte, artete er’S nicht in ber an feiner ©tirne ftreic^enben Stadjtluft. Sr ftieg unb ftieg rnerfmürbig rafdj, Sut^lmiefen unb ©ranbftein lagen f$on hinter ihm unb unter ihm, er mar am ©erinne beS SEBilb* bacfjeS, unb biefer ftieg baS Staufchen unb ©ctjlagen beute fo ftarl an fein 0pr, mie er’S !aum je noch bemerft. freilich, heute unb jefct fönnten ipm bte ©djaummellen, bie an ben gelsblöcfen in ihrem SEBege tobten, nicht ben S3Iict fo befc^äftigen, unb bie nächtliche ©tiHe lieg fie beSmegen um fo fdhaUträftiger auStönen! Unb als er ein SEBeilchen am Äluftranbe geftridhen mar, betrat, überfchritt er baS ©tegbrücftein. $>ie Dbplatten ftieg gmifchen garrengeftrüpp unb grauem SBrödelgeftein an, bis . . . halt! ®a hörte er gmei ©d^üffe fcharf, fnapp na^einanber . . . unb meint er recht gmifchen bem rafch gefolgten SluSbonnern gehört, fo mar mie ein ©ehret bajmifchen! §orch!... mar’S ein Stufjaucfjgen ... mar’S ein Ängftfchrei? 3Renfchenfthmne mar’S. 3hm gitterte baS §er$. Sr fchritt aber mutig oor. Sr mugte fo, benn jept gab’S lein Siebenten mehr. 35ie Äametaben toaren in Arbeit ©ie hatten ihn vielleicht fchon bemerft, erhorcht . . . eS laufdjte vielleicht 3emanb auf bem Stnftanb, mo er paffiert mar . . . ÄUe mollten fidh ihm bodh nicht gteidh unb einzeln geigen . . . er bog tinlS um bie Scfe, auf ben ©teig fcharf am Sianbe beS ha^auf* ragenben gelSfopfeS unb ber breiten ©flucht unten . . . noch ein Heiner SBeg $um fiampfattel ... unb bie bürren f^öhrenftumpfen mit ihren ragenben $ac{cn geidjneten fidh aus ber Suft ab ... ba ... ein Stepbocf flüchtete heran gum ©angfteig! Sr ift mohl oerfolgt? 0eft im 2Beg ihm entgegen . . . angelegt! 594 Sitbftftem. Doch .. . faum jum 3* e ^ en fatifl . . . ba, „halt!" ein ftarfer er* fdjtedenber SRuf: „§alt!" «uf breifjig Schritt’ not ihm bet Säger! SBie er auS ber ÜRachtluft beutlidj »ar . . . ber Säger! ,feinen ©dhritt »etter! ©rgieb Dich!" fchrie biefer. ©tunun ftarrte er, ©erwarb, in ber errungenen SRichtung. Sßlöfcttcf) ri§ er aber fein ®e»ehr »ieber bor, legte an, »ie unnrill* ffirlich, »ie auf ein SBilb. Der §ahn machte fict( !att am ginger fühlbar. „£eg Dein ©e»ehr nieber. . . ftrecE bie $änbe fo lange au3, bi3 iort trag mich hin - • ein ©cglucf SEBaffer... bort lag mich au«ftrecfen, ich wich’ mit ber §nnb in« Sßaffer unb fühl mir meine brennenben SEBunben . . . bort lag mich liegen, bon bort lauf hinab unb berftänbige Sfameraben ... ber ©tafer mug fomrnen, helfen, tragen . . ." ©r brach gang nieber. §artl war mit ihm fegon am ©teg, er fchleppte unb fdfleifte ihn mit harter Slot an ben SEBafferranb unb lieg ign liegen. Seht aber borwärt«, über ben ©teg unb hinabgelaufen . . . Sieht, noch nicht! Der Sorg lag am SEBaffer, ber Sorg war ber eingige 3euge unb SJlitroiffer ... ein ©tog . . . unb ber ©chwache, @r* liegenbe rollt bann mit bem fegäumenben ©ach hinab, gerfcglagen, gerftogen, Sto# Qkheimtti* bei ©ilberer«. 597 ftumm intb tounb. (Sr toirb gefuttben ... er toirb bet X^äter fein, melier ben Säger erhoffen . .. unb ©etfjarb ift frei. §inab mit ihm! Doch nein, ein jroeiter Sorb? (Sin jtoeiter Sorb in fo furjer £eit... Da and) bet Sann am flampfattel noch nid)t talt? ©Räuber riefelte burth Sart unb ©ein beb nod) unoerfe^rten, auf* rechten Silbererb. Seboch, 3ötg bum nidjt leben, er ift fo angefc^offen, f>at fo ftarfen ©lutberluft, baf$ er in httjet 3eit aubatmen mu{j. (Sr toirb ba ftitt ein« gehen, toie ein angeföoffeneb Dier ... unb er, ®erf)arb, tootte barum hinab eilen, fort aub aß bem ©raub unb (Slenb inb rettenbe §ehn! 3efct bbrt er rufen, oon unten am Sitbbach rufen bie Stimme 3örgb: ,,©et’ noch einmal, ©erwarb, bet' noch einmal mit mir ein ©ateruttfer, bab le^te ... eb ift mein (Snb!" Da bleibt ©erwarb mitten auf bem ©rudiein fteilen, neigt ben Ober* förper hinab jur Diefe, aub ber eb raufdjt, unb er fräc^jt, ba eb ibm bie Äeb^ c felbft b^lb öerfcbnurt: „©ater Unfer!" Doch ber Untenlicgenbe ift toieber ftitt, ftitt, er ertoibert nicht . . . er braucht lein ©ergeben mehr ... ber ©eter unterbricht. . . benn nun... Oortoärtb, über ben Steg in Sicherheit, fo iftb am beften! Da, alb er lief unb faum mit einem Schritt bie ©rüde hinter fich hatte, fafjt eb ihn an . . . riefengroh • • • nein, eb fteigt aub einem ©ufd) am Seg empor, bie 9iad)tluft oergröfjert nur ... eb ift ein Seib, eb padt ihn an. „©erharb . . . ©ofchacher!" fffranji, fjranji’b Stimme, beb 3ägerb Seib! Sie hnt ihn an bem fileibe erhafcht, fie brängt fidf an feine ©ruft, fle hangt fich an feinen §at#, tote einft ,4?artf!" ruft fie mit entfe^licher, mit hetjbrechenber Stimme, „gieb mir meinen Sann mieber!" Stile Staate fteigen ihm &u ©erge, eb riefelt unb grufelt ihm faft unter jebem einzelnen. (Sr oerliert bie Sprache. (Snblich fagt er: „Sab toeijj ich öon Deinem Sann?" „Du toeiht! Du mufft toiffen unb fein Änberer! 3ch h°&e Jtoei harte Schuh tafch hintereinanber gehört 3ch bin mach gelegen int Sägerfjaub unb toeifj, fein Senfdj auher meinem Sann ift heute ba im 9teoier alb Säger. Senn $oei Schuh fo hart toibereinanber tollen, fo ift’b ent Schuh unb ein ©egenfdjufj. Sein Samt müht fdjon baheim fein. Sein Sann fommt nicht. Äber Du, Du bift mein einftiger ©eliebter. Du haft einen 8 Vol. 4/2 598 Silbetßein. §ag auf meinen ÜJlann. Sieht anbetet SJlenfcg ift im SBatb, Du etlft ba herunter mit bem ©emegr in bet §anb, Du bift berftört unb ganj äuget Dir ... Du gaft meinen SJlamt angefcgoffen . . . gemorbet!" „@icb mir meinen toten SKann . . . SRörber!" fegteit fie, bag eS im SBatbe ringsum gräglkg auSfcgattt. „Siicgt lebenbtg unb nicht tot," ruft et bagegen, „lag mich foü . . . tag mich gehn! 9kh fcgüttcl Dich ab!" „Du fcgüttelft nticg nicht ab. Scg gatte ®i! wie eS fitf> graufig hob unb fenfte, tote eS förmfich nicfte unb erjagte. SortoärtS ... bie Sugenbgefiebte ift abgefcffüttelt, fdjtoeigenb, tot, fie betrat nichts bon intern ersoffenen Stanne, unb ber blutige 3örg am ©ache gilt nun als bet Stürbet, bet fturnme Störber. tffott! Unb boch noch, in bet fdftoeren Sfngft unb 9tot, ein ©tofjge* betfein gum §>emt für baS §eif bet eigenen atmen ©eefe, bie f«h nicht gu Reffen getourt unb in fchtoadEjen, gäh äbetfommenben Stugenblicfen, ohne ©efimtung unb Vorbereitung gefünbigt. ©ufjfahrten unb Opfer . . . §a, toie bet Sichtftrahf bort herauSrücft! di fommt feftfam unb feftfam heller, bet Stonb fämpft ^eute frühgeitig mit bet tagenben §elfe, baS ©lau unb ^a^Ibtau unb ©elbrot. . . toaS leuchtet bod^ fo feltfam ^etbei übet bie grüne SSBiefe? ©erwarb famt im $aöoneifen fd}on tiefet nach bet Sichtung feffen, in toelc^er fich fein §audbadj auS ben anbemt Fächern beS Dorfes, emporhebt. 2fber toaS fommt fo feftfam feudftenb übet bie grüne ©ud)ftotefe empor... eS ift ein Stopf, ein ©fonbhaar, ei ift bet ftopf feines ftinbeS . . . gtangf! Unb et heifet toie beS Sägers SEBeib, beim aurf) fein Sauf* pat. . . nein, baS Sägerstoeib ^eigt nimmer ... um ©otteStoilfen, toaS totff baS Stinb ba? „Sätet!" ruft eS unb breitet bie Strme aus. „Sätet! ®u bift fort* gegangen unb bie äRutter fudfjt £)ich ... S bin in ben SGBafb ba gefaufen, $>ich fuc^en . . . toelcf)' ein fcfföneS ©etoehr S)u ^aft. . . ich t9er ^ > Stuftet fagen, toie ein frönet ©chüb ®u bift ©d^übenfönig!" „©c^toeig, Stinb!" tief bet entfette Sätet. „Sd) bin brunten geftanben unb fyab herauf gefeiten, gum ©tein unb gum ©rficff, unb h gefehen, toie ftarf Su bift, Sätet. Sich tauft Steinet herunter, $)u aber, Sätet..." „2)u haft nichts gefehen, Stinb, fchtoeig! UmS ^immefStoiffen!" ©r fafjte ftdh nach ben ©chläfen. „2kh toiff ja aber bet Stuftet fagen, bafj ich f° einen ftarfen Sätet hob, ben Meinet nieberrauft" „Stein Stinb! Stein gtangf, f^toeig . . . auch $>u! $)u, mein Ser* röter, ®u; mein Stürbet, mein eingigeS Stinb? Stein eigenes fffeifch unb ©tut! . . . §a toohht? . . ." ©r öertor einen tfugenbficf bie ©efiimung. Stein Stinb fchtoeigen machen auf etoig? Sein, mich tötcnl ©r fafjte baS Safte Sohr unb febte eS gegen ftdh an - 600 SUfcetßeitt. Stein! SBenn iu fo, Sater?" fagte ffraitjl fanft unb ec bcücfte einen Äuß auf bie Sippen beS SBaterS. „SRamt!" fagte järt(icf) unb feft baS SBeib. ©erbarb ißofcbacber fdflug bie gesoffenen Äugen auf, fab über fid} baS mitbe, becjtaufig liebe ©efiebt feines ÄtnbeS ... ec griff um fidj . . . fein ©emebr ... nuc baS moegenfonnige ©efiebt feines ftinbeS hn ec* madbenben 'Jage! (Sr bauchte faum: „SBo bin idf . . .?" (Sr richtete ficb auf... ec lag in feinem Sette ... ec batte fein füßeS Äinb meid) unb roarm im Ärm ... ec batte ficb öerfebtafen, bie Sagbjeit mar boriiber unb braußen lautete bie grübmeßglode ben SBadjcuf! ®aS SBeib faltete bie §änbe unb betete. (Sc eegeiff ben Äopf beS fönbeS, preßte ibn mieber mit beiben §äitben unb fußte ibn bannig, meinte ftill unb Oerftoblen ein Xbtänlein glücf* felig barauf. ,$aft ®u abec b^ut’ gut gefcblafen!" fagte nun baS SBeib. „9Mt gerührt baft S)u $)kb bie ganje Stadjt, beemeil $)u febon jeitber hnrnec fo uncubig marft." J)ie breite Sruft beS SJtanneS mogte b°cb auf unb miebec atembolenb jur Xiefe. (Sr reichte feinem SBeib bie §anb mit einem btt^S 11 ®n»ß. (Sr fomtte ficb an SBeib unb Ähtb unb §ehn im auftaudbenben SRocgenßdbt nicht fatt feben, mit ben meitgeöffneten, umbechrenben Äugen. „Siuc jept, gegen SKorgen, btft unruhig gemorben," fagte baS SBeib. ,$aft einen Xraum gehabt?" frag fie recht teilnebmenb. „3a, ©ottfeibanf. . . einen Xraum!" „©ottfeibanf. . . alfo feinen böfen, einen recht guten?" „Senenn’ mie ®u magft... ich freu* mich im JperrgottSmorgen!" „$)ie ©loden läuten foei, ich unb ®u," fügte er jdjlietjtich h* n 5 u > toir werben uns fdjon allbot ucvfteh’n!" §attc er einen weltlichen ©ebanfen, in ber grühmorgenftunbe, als er an bie geweihte (Schwelle getreten, fo roar’S wohl ber: ju roiffen, was heute 9tad)t gefchehen, roaS bie SBilberet, namentlich ber 3ötg, biefe Kacht öoll* führt hätten? Der ©ebanlc hatte ihn auch noch mch* oerlaffen, als er aus ben SKauern heraus trat, beren ©chatten bie gtühfonne heute an ©teilen fo herrlich oergolbetc. SCßie wohl war ihm im SKorgen; wie war er t>on einem ganj unbefchreiblichen ©efühl burchbrungen! (Sr hatte burchgelebt, jum ©lüde im Draum, roaS boch auch hätte SBahrfjeit fein fönnen. ©S hätte nur ben erften ©dfjritt beburft, unb all baS Schattenhafte hätte auch SBirflichfeit fein fönnen. SBohin war er gefommen? 3Bar er nicht felbft früher ber ftrenge §üter feines 2öilbrecf)teä unb hätte Den als einen Dieb erflört, bet nur einem einigen feiner §afen auf ben Sßelj ge* brannt? . . . Unb jefct! SBelche ©erblenbung, welche ßeibenfchaft! 3efct foHte, hoch oben auf bem Reifen, unter ©otteS §immel unb biefem näher, baS gehegte SBUb freigegebenet fein als unten . . . felbft als baS fitäut* lein im eigenen gelbe ober ein Saum in feinem ©arten? §at er, ©erharbuS, ober ein anbeter Söauer ober 2J?ann, auf ©runb unb ©oben, ben SBmb unb ben Kegen unb ben ©onnenfchein gepachtet, bie SahteSjeiten, bafj fie fämen, ßuft änbem unb reinigen, Sicht unb Nahrung geben? Unb wächft baS SBilb nicht unter gleicher Sebingung wie baS Äotü, wie ber Äpfel, wie ber SBeinftotf im gehegten Kaum? 3a felbft wie baS §auStier ift'S ... nur ift £>auS unb £of ber Sanbfchaft gröjjer . . . unb freilich, *m unbegrenjteS Äuge fieht in, fieht über ÄlIcS! Äuf ihn hafS wohl gefehen unb geachtet. @r ift noch e ' n unbe* fcholtener, reiner HRann, ©emehtbürger unb JpauSoater! SBie fchön alle btefe SB orte, obfchon ungefprochen, boch nun feinem eigenen inneren ©ehör Hangen! @S fam jebeS ihm Oor, fo wie nie früher, unb namentlich im ©egenfafce ju jenen SBorten unb Kufen, bie ihm noch aus bem Draume ins ©rmnern brangen. 602 Silberfitein. 6t rooHte nun bocf) nicht oergeffen, bei bem 21 uägange, auf bem Äirchenplape, fich ein tocnig unter bie Seute ju mengen, ba unb bort, rote abfichtSloS, ein ©efpräch anjufnüpfen unb etroa ju hören, roaS e§ 92eue8 gebe. Sielleicht fonnte er 3cmanb treffen, ber bem 3örg näher ju lornmen pflegt, öietteic, Seit!" rief ©erharb ihn an. Äber fdjon hatte biefer Saurer ihn auch bemerft unb fd^ritt jept um fo rafdjer auf ihn ju. „©afj ©u fo ruhig breiit fd)auft!" fagte ber ©lafer mit eigentümlich emftem ©on. „©ajj ©u fo mir nij ©ir nij brein fchauen lannft, roie ein unfcpulbig Äinb! freilich, glaubft etroan, roeil ©u ins Seien gegangen?" ©ie SBortc jueften bem ÜDfanne ins £>erj. Älfo nicht einmal fein einfacher, aufrichtiger '©rang, fein echt tnenfcf)enroütbiger 3ug füllte roahr fein bürfen? ©ein ©emüt fträubte [ich unb er hatte ba§ rechte ©egenroort noch n ^t gefunben. „§aft e$ oieDeicht fefjon gebeichtet?" fuhr ber ©laätrager höhnenb fort. „Seit!" rief ©erharb, unb bie ganje ©ntroürbigung, fich oot einem folchen ÜJ?enfchen oerteibigen ju muffen, ftieg ihm im 3nnern auf. „2So bift benn heut 9?acht geroefen?" frag ber ©laStrager mit einem eigentümlich jubringlidjen, ja frechen ©one. „SSarum?" „92a barum! Unb ich frag noch einmal." ,,©aä roerb ich boch roohl ©tr nit ju fagen unb etroan ju oerant* roorten haben?" „SBohl hoch, mufjt ©u!" „3ch?" „3a ©u . . . ber ©u burch ©ein Ungefct}icf ben 3örg ftatt ben SocE getroffen haft." ,,©en 3örg ... ich! ©er 3örg ift getroffen!" „3a mit einer $uget, im rechten Ärm." „Son einer Äuget . . . heut 9Jacf)t . . ." @ef)rimni£ beS SBilberer«. 603 „3a unb oon Deiner Äuget. SBcis Du fo, als ob . . . ba8 nufct Dir rtif!" „HReine Äuget . . . »iefo?" „3ft botb baS Äreuj brein, ba8 bet 3örg fenut.“ „Da8 Äreuj meiner Äuget. . . ba8 gebt nit mit redeten Gingen ju!" „SBoju ba8 ßeugnen . . . nut im Ungefcbicf. . . fdjanbbaft ift’8 frei* tief), ba& Du baüongegangcn unb ben Äamcraben etenb oertaffen t>aft." ,,3d) b°& nit gesoffen, mar gar nit oben unb tarnt it)n nit Oer« taffen haben!" „3um ©tuet bat ficb bet 3örg in ben SBatb oerfdftagen," fagte Seit weiter, „unb fyot fidj noch auf ben anbereit ©teig in« Übertbat retten tönnen, fonft toär er liegen geblieben unb ber 3äger if)n finben muffen." „SBar’ö nit ber Säger, ber ihn angefd^offen?" „9Sit ber Äreujfugct? 5Rcin, Du . . ." „Seim §eitanb, ich bin8 nit getoefen! Da8 ift ein ©ebeimniff!" „Seim £>ettanb, fagft Du?" „Sag’ irf). ©cb»öf ich, fo »abr er mir ^etfe!" Deä ©tafcrS Äuge ging in ber 3rre umher. „3«b toar babeim unb bab’ bie 3«* oerfdblafen," fagte ©erbarb mit reblicb »obrem ÄuSbrutfe. „Daheim . . . oerfdblafen . . . icb bin »irr ... ba8 ift ein ®e* beimntfj!" Die beiben Seutc ftanben fi«b gegenüber, »irre, mit taufenb ftiegenben ©ebanten. ©türmifeber »aren boeb »obt bie be8 ©erbarb. Der ©laötrager nahm enblid) »ieber ba8 SBort unb fagte: „SBa8 nufct ba8 jefct? 9Benn’8 nur fein Änberer toeife! 3ann weife unfer Herrgott fdjon, ffiie mit’# gern fjätten! Ä Söub, ber fein 2)intl liebt, 35er b“t gat fein’ f|Sein, S8ie fönnt et in Fimmel fomm’ ©Ioub’, e# fann nit fein! 3auSmumt fiep felbft über fein unbefonneneS Xpun unb oietleiept öffentliepeS ©emcrfcnlafjcn einer Sicptigfeit unb eines $u* fammenpaitgeS mit einem folgen ©äutläufer, maS mopl beffer ftreng Der* peimliept bliebe, llnb jept lehrte er peim. Sr fjatte in ber Silfertigfcit, epe er Dom £>aujc fortgegangen, in ber freubigen inneren Srpebuitg unb Srlöfung noep gar niept baran gebaut, nadp ber Derborgeneit Sagbflinte ju fepen. SBäprenb ber Xage per fjatte eS iprn gejepienen, bafj fie bort ganj mopl geborgen fei, mo er fie peimliep Dermaprt; jept aber begann iprn ber ©ebanfe an bie ©efapr nodp bringtieper aufjufteigen, unb er moUte fie nodj pcimlieper fiebern. (Sr patte fie unter anberen Umftänbcn bem 3örg 5 urürfgegeben, jept aber mar Sorg fern, fron!, angefepoffen. SDfit einer Don ©erparb’S Äugeln angefepoffen? SS mar, halb naepbem biefer fein §eim betreten unb abfieptlidp mieber naep Söraucp unb ^erfommen ben Xag im Ipehnmefcn begonnen patte, ÜRiemanb in feiner großen ©tube. (Sr blieb jum ©lüde allein. Sr fap fidp mifjtrauifdp Dorerft um, er öffnete fobann bie Xpüre jum Ofen, er griff pinciit . . . glintenlauf, Äolbcit, Äugelscug, SlUcS mar Der* fepmunben! 2>a$ @ef)eiinni$ bei SBilbmr*. 605 So oid er immer «lieber umbertoppen unb greifen mochte, nicht baS ©eringfte jeigte [ich- @S fuhr ihm burcf)S Jperj. Ser füllte ÄUeS genommen hoben? «Sein Seib? Die hot nichts baüon gefehen! ©ie hotte eö ihm auch gefagt, roenn fie oorgehobt, ihn auf fold^e SBctfe ju hüten ober $u Oer« warnen. «Sollte ein Äncdjt baS ©anje genommen, gcrabeju geftohlen hoben, um ihm ju fchaben? Die ßeute mären ihm ja neu in biefem neuen §of. Unb Sörg fagte ja oon Dielerlei ßeuten! Sar bie Äreujfugel boch wirtlich loSgefdjoffen roorben, feine $reujtugel aus bem Oon ihm oerheimlicht ge« wefenen SRohr? DaS toar eine toirre, böfe, geheimnisootte ©efchichte! Stad) umherirrenben ©ebanten, ohne richtiges 3iel unb @nbe, beflog er, fich boch on fein Seib ju toenben. ©r trat an fie heran, nahm ihre beiben §änbe, hielt biefe an feiner üöruft empor unb fah ih* ftumrn in bie Äugen. „SaS haft benn?" frag fie fanft erfchroden. „SaS bift benn fo feierlich?" ©r tooHte noch immer nicht baS rechte Sort fagen, oon feiner Schulb jelbftüerratenb fprechen. „SS rft unS, um ©otteSwiHen, boch nichts gefchehen?" „©efchehen? . . . wie Du meinft . .fagte er mit Hanglofer Stimme. „3ft Oon Dir nichts gefchehen?" „5Bon mir . . . ©erharb, alle Zeitigen ftehen mir bei ... Du gtaubft boch n l!" fügte bad SBeib Ijettüuf mit ihrer frifchen 9GBahr= tpftigleit „SEBhrb boch wohl old §oudmonn ... unb nit ettoon im SBirtdhaud . . fügte fie, gefdjäftig bem ©oft ben SEBeg toeifenb. 0, hätte fie erft gejögert mit ihrer Äntwort! bockte ber in ber (Stube §örenbe. 2)ad Verleugnen toäre ihm nod) lieber gemefen. „(Seltfamer 93efucfj . . ." fuhr fie fort. ,$err Säger!" ®en ©erharb überriefelte ed fyei§. 2)ie §mtb mit ber pfeife erbitterte, ©r füllte bod. 9lun erhob er fid), um, »ie gegen eine Ärt ©efahr gerüftet unb freier ju fein. Unb fdjon rührte fid) bod Schlofj unb gleich borouf »or bie 22)üre breit genug aufgefpannt, bajj bie ©eftalt bed 9Konned, ganj »ie jur Sagb gerüftet, barin erflehten, Oor ben Süden bed §audherrn fich beutücfj genug jeigen tonnte. 2>ie Jpaudfrau »ar in bie 5tü(^e geeilt, batte ein Sicht bafelbft geholt unb »ar nun, bamit Ieudjtenb, hinter bem ©afte, ba| er fich »ieber fd)arf unb ftarf bem Äuge bed Starrenben abjeichnete. „©rüg ©ott!" fügte ber Gintretenbe, nachbem fein Äuge ein SBeil^en ben 9taum burdjbrungen. SWit gleichem SEBorte »urbe ihm aud), über nicht fo fräftig, erwibert ®ie grau fteQte bad Sicht auf ben Xifdj. Äud ihrem runben ©eftchte, mit ben frifchen Äugen foh fie fo unbefangen ben Säger an unb fügte gerabheraud: „ST und eine ©hr! 2Bad oerfchafft und bie ©hr? 9la ja, ©efchäfte. 2)ie SWänner hüben miteinanber ju reben, bad ift nit SBeiberfach’ ... unb ich toerb fc^ott »ieber bie ©hr haben!" Unb bamit »ar fie jur 2$ür h»aud. 2)er Jpaudmann bot erft Sßlafc an. ©r fprach fein anbered Sßort. ®r »ar btag. Gr wollte oorerft gaffung ge»innen. 2)et Säger fcfcte fich, gerabe an ben Sßlafc nächft bem Stifte, »o oor einiger $eit ber Sötg gefeffen. Gr hotte bad Sagbrohr jwifdjen ben Äitien. ®a ber Säger noch immer fdjwieg, mit fe|r ernfter SWiene, begann nun ©etharb halb beutlich, mehr abgebrochen, ju fragen: „SEBomit ©hte . . . bienen?" „§err Sofchadjer," fagte enblich bie mannhafte, et»ad ftreng Qingenbe ©throne bed Sägerd, ,,»ir hoben noch uü ©öfed unb nit ©uted mitein* anber gehabt. Äuger einigen ©rügen unb flüchtigen Sßorten »ar lein Änlag, miteinanber $u reben." 608 Silberfiein. „So ift’S." „Unb barunt werbet 3h* wotjl fo aufrichtig fein unb mir gerabeauS Antwort auf meine grag’ geben!“ ,$ragt!" ftiefe bie Stimme ^ßofc^ac^erö heroor. „Stennt 3h* • • • bieä ©eweh*?" ®r hob c8 im Sicht empor. $)e3 Überrafchten Äugen jutften barauf, er erfanntc e$. @r bife einen Äugenblitf bie 3äf>n« übereinanber. ®ann fagte er: „SRein!" „3a!". entgegnete 3ener feft 5Rach furjem Schweigen fuhr ber Säger fort: „(SS ift ©uer . . . 3h* h a bt’S oom 3örg!" Sie einen leibhaftigen Teufel blidte ber SRann ben 3äger an. SESie tonnte er baS wiffen, wie gelangte baS $Roh* in feine Jpanb? „3at unbemerft näher gehen fönnen, gang nahe, fie ^at fidj ans fünfter geftellt, hot burdh einen unuerhüttt gebliebenen (Streif ber (Scheibe gu fehen oermodjt . . . unb ba . . ." „Da!" rief ©erparb auf. ,$at fie genau gugefehen, mie Sh* aH baS 3eug in ben Ofen gefteeft..." „grangi ... unb fie .. . bic Sägerin!" „Die Sägerin hat fid) in menigen Sagen ein $erg gefaxt. (Sie moHt’ gu Surem SEßeib gehen, unb fie bereben, ihr ergäben, meines Un- glüd Sh* Such unb ihr unb ©urem ftiitb gu bereiten borhabt" „Sie Sägerin gu mein' SEßeib unb Äinb!" „Obmohl fie nie noch mit ©urem SEßeib gefprodjen. Sie ift ins SSorhauS getreten, fiein SDienfch mar ba unb hott’ fid) gemelbet. Sie hat bie Stubenthür geöffnet. Sttiemanb mar barin. Sh* ©Kd ift auf ben ©erfted gefallen. Sftur ein 9lugenaufguden jum ©ebadhtneljmen ... fie hat fiel) bann niebergefniet, h at nach bem ©aitgen gegriffen unb ift bamit hinaus!" „gtangi!" „Stfein SEßeib! Sie hat, mie fie fagt, ©urem SEßeib bie Unruh e*foaten motten, bie Demütigung, bafe fie ©uch bemachen unb bemahren mufe; fie hat fehmeigen unb baS ©eheimniS tragen motten; aber eS mar hoch nicht fidjer, ob Sh* ©uch non 3örg unb SEßitbererfdjanb loSmachen fönnt!" „DaS hat grangi gethan? 5D2hr, mit, ber . . ." „Der fie einft oerlaffen? Samohl! Sch weife ÄtteS. Sh* ©eibe hobt ©uch geliebt. Die SEßelt mar ftärfer als bie bergen. Sh*, ©erljarb, hobt eS über @udh bringen fönnen, eine Änbere gu hewoten, unb Sh* feib ja glüdlid). Sie, grangi, ift ein ftarfeS, fie ift ein prächtiges SEßeib. Sie hat bie Sugenbgebanfen oermunben. MlS fie mich fennen gelernt hot, ba hot’S ihr halb gefdjienen, als märe ich ber tttedjte, ber fie burchS Seben führen fönnt Sch hob fie oom §ergen lieb! SGßir haben tapfer unb treu gu einanber gehalten, gehören uns an, ein §erg unb eine Seele. Unb menn fie ©uch, ®e*h°*b ^ofdhacfjer, ^auSgefeffener unb ©auerngutS* inhaber in unferem Dorf unb unferem fReöier, ©udh, ouS alter ©utmeinung S)aä ©eljeimitiä be3 SBilbererä. 611 einen ^reunbfdjaftdbienft erfteifen tonn, fo ift fie babet ... fie hat’d bekräftigt!" ,,©ie ift (ein SBeib ... fie ift ein Qngel!" ,,©ie ift ein SBeib. §ängt bad Quere weniger an Qutf) mit ßei6 unb ©eel? 3ft Quer brat) SBeib nicht ald ein SRufter im gangen Drt rafd) betonnt geworben?" „ßafet mich gu grangi, ich mufe ifjr gu flögen fallen, bie !panb füffen!" „9ii(^t0 ba, bei einer Sägerin fdjidft fidj fo Wad nit. SBifet Shr wad, ©etfeatb? ©agt Qurern Söeib, bie Sägerin ift g’rab fo brat) wie fie, unb ed wirb gut tl>un, wenn fie SBeibe in rechte f^reunbfehaft mitein* anber tommen!" „3Rann, §err!" fagte Qerharb ^ofchacher geröhrt. „ßafet mid) Qudj bei Qurern tarnen fjirmian . . . SBolberauer nennen." „SRur girmian!" „Der Änbere ergriff feine §anb. „ßafet mich Quch oorerft tyxfr lidjft banfen, ja tofet und oorerft greunbe werben unb wollet mir Oer* geihen . . ." „Vergeben unb üergeihen! Sa, j$reunb, wie thun wir nun mitein* anber? 3b* feib wohl tßü braudgetommen. 2tber ber Sorg, ber $aupt* wilberer, ift angefdboffen!" „Ängefcboffen!" rief Qerharb aud, um noch weiter gu oemebmen. „23on wem? Die f^rage liegt Such wohl auf ber ^unge. Sch toar'd, ber bad get^an. 3ab ich ih n angerufen. Qr ftofet einen fRuf aud, ben alle SEBitberer ald ijjilfruf (ernten; er legt aber auch gugleich an unb fuefet bad 3«l nach ntir. Sch barf ben ©chufe nimmer erwarten; ich h°b f«nen rechten 9rm genau gefehen unb grab burch e < n Oorüber* guefenbed Sicht wohl treffen tonnen, ich h Q b brauf gefchoffen ... er mufe oerwunbet fein ... er ift auf unb baoon, ich *nei& noch nicht wohin. 612 Silbcrfieht. Sh bin f)eil uub gefunb: aber ber SBUberer hätt auch micf) treffen fönnen mtb mir 3mei tjätten mogl nimmer fo miteinanber rebcn fönnen. 3aitb nimmer au! 3 )cl)a(tct fic. Sä ift meine gezeichnete ilugel, bic ben Sorg getroffen. 3 d) will 51 t ihm hinüber. 3 d) will mit ihm reben. Unb ich werbe fo rebett, baft er mir fdjmörcu joU, 9iu l)C unb ^rieben muffen hier einfehren. 3a, bie böje föilberci joU hier ein Sttb haben. 3ch tuerbe meljr bclcrntcn unb Sud) jagen . . . 3h* werbet c-j fchon erfahren. Aber jefct Sure Jpaub, Aufrichtiger, Center . . . d bleibt Sehetmni^ nnb mir finb grcuitbc!" „Singcfdjlagcn, £artl!" „Sä lebe ber bicbcrc Jirtni • • unb tuir triufen einen Ärug . . ." ,Steinen tropfen!" „Aber bic frcuzbvauc Sägerin muffen mir hoch leben laffen unb ihr einen Sanf fehiden!" „Auch baä, maö fie betrifft, bleibt ©eheimniä!" jagte ber 3 äger ernft. „ftein 38ort bauon, bad ift ihre ©ebiitguttg. Unb ich f c &’ woraus, cä hat 11118 üRiemaitb gehört. Aber noch ®iue* ... meint 3örg uit fdjmört unb ber Slastvager unb ihre Kumpane . . ." „Scv ©lastragcr . . . Su meijjt . . „AHeo! Unb jc|jt ober nimmer ift bie 3 e *t- ®aä bann?" „SSetm fie nicht jehmören unb gutthun . . . bann gejchcljc mic ba mode... ich bin tapfer babei!" „(Shit gcfprochen. Alfo ein 3Mann, ein . . ." „Qkh^wni^!" fiel ©erharb ein. Sic SRänncr jdjüttclten feft bic Ipänbe unb jähen fich tief in bic Augen. „Su fül)rft mich nun zu Seinem SEBeib, ober Su bringft cä herein?" jagte ber Säger. „3th werbe ihr jagen, mie gerne bic SWeine mit ihr gute greunbjehaft haben thät, aber meiter oerratejt Su fein 2Bort!" „3immel hinauf, lange, lange. (Sr unterliefe bie SBege niefet, bie er bem Söget Derjprocfeen. @r featte feine allju fefetoete Arbeit bei Sörg, nadfebem biefer erfahren, toie feine greifeeit auf lange Safere feinauS gefäferbet, ober toie fie für alle 3ett ge* fiefeert toäre. (Sr fonnte leiefet audfe bie öeranttoortung für ÜJZitbeteiligte übernefemen, er mar ber Häuptling, in feine £>anb liefen alle gäben jufammen. „Unb toir fefemören und baS ©efeeimniS!" „©efemören!" $)et ©laStrager oerfefemanb halb ganj aus ber ©egenb unb mufete fiefe in frember gerne fümmerlicfeft burefebringen, bis er oerfam. Sn anbertfealb Saferjefenten barauf feat baS Sägertöefeterl ben jungen granj fßofdjadfeet gefeeiratet. 2Bie befeaglicfe fafe ber Sllte auf ber Cfenbanf unb liefe ficfe’S bei feinen ÜRacfefommcn mofel gefefeefeen! S)a niefte er ju feinem ©dfeläfefeen ein, Don bem ifen oftmals ein Heiner fcfealfifdfeer (Snfel unb bie feerjige ©efemiegertodfeter mecten mufeten, bamH et fiefe jum SBacfeen labe unb feine ÜRadfetrufee niefet 511 fefer geftört merbe. ©eine Sagb mar jefet naefe gliegen unb ein getreuer £>unb bradfete ifem gleidfe baS ©emefet baju, bie ßtappe. @4 bedte ber füfele SRafen bereits innige greunbe Dom Säger» unb Sauemfeaufe, ba fafe ber fteinalte, fefeneemeifee ©erfearbuS ißofdfeadfeer, als Sefet*ÜbriggebIiebener, auf ber braunen San! in ber SBorberftube unb er* jäfelte, Dor feinem balbigen (Snbe, feinen feorefeenben (Snteln bie ©efefeiefete, baS ©efeeimniS beS SBilbererS! J)iif Hmjwjranteten tmb b*ij JPröf*$*tnj JP* in jSMigmi Hacfefläncje oom „jtoeiten grofeen ZTCuftffeft" in ber fcfemdlnfcffen UTetropole oon 2X1. <8. Conrab. (XAndfeit.) f orbemerlung ber 9tebattion. SBir haben früher bereit« einige SipungS« berichte au« ber jtoanglofen Bereinigung »on Äünftlern unb Äunftfreunben, bie unter ber Bezeichnung „Die Ungefpunbeten" beim Ätofterbrflu ihrer fröhlichen fBiffenfdjaft bie 3flgel fchiefeen taffen, in biefen Blättern neröffentlieht. 82 fei nnr Sie Ungcfpunbeten nnb bet $rofeffor $. ©ätfdjiuS in Stuttgart. 615 an ba* ©efpräd) Aber „Sie Sichter unb bie Siebe" erinnert, baS gewiß nodj man« djem Sefer in ©ebanfen ein Säbeln anf bie Sippen ladt. 3m 9?achfoIgenben bieten wir wieberum einen folgen Seridjt, ber bieSmal jeboch meljr feines 3nI;attS als feinet 3orm wegen ber &>re eines ißlapeS in unferet „©efeHidjaft" gewfirbigt Wor* ben ift. ^Serfonen: bet fchwäbifdje fforrefponbent, ber Sanfter, ber Waler, ber Wnftfbireftor, ber Saron, ber fRebafteur, ber Oberft unb ein Stuttgarter Wagnerianer al« gefpunbeter ©aft. Wie früher, beobachten wir auch bieSmal bie SiSfretton, bie Wedjfelreben ohne nähere @prether«Se)eichnung unb ohne oerräterifche bialeftifche Knflänge wiebetjugeben. „9hm, Stuttgart wirb Äunftftabt, baS Schwabenreich nimmt einen fabelhaften üuffchmung im fReidf) ber $öne. Schon baS jroeite grobe OTufiffeft! 933aS ba gefungen, gepfiffen, geftrichen . . ." (Seflamierenb einfaDenb.) „Sie fmb betannt im ganjen Reiche, man nennt fie nur bie Schwabenftreiche . . „(Smfthaft, bitte, fdfon mit ftücfficht auf unfern toerten ©aft!" „Der fo ttug getoefen, oor bem ^weiten ©roßen 1 fidß oom 9fefenbach an bie 3far ju retten." „SBahrhaftig nicht, um in bem funftfinnigen SRünchen ein ßoblieb auf ben Äuttftfinn beS Stuttgarter ^ßublifumä anjuftimmen!" „DaS will ich meinen. Stuttgarter ißublifum unb Äunftfinn! 833er baS jufammenrehnt, ber trhrft 9?efenbachwaffet für ungefpunbeteS Älofterbier." „®iel ©efchtei unb wenig Sinn. 3d) fenn’ fie ja, bie braben 9Ru* ftfanten. Älaffifch bis inS üfcpgraue. 83om SRobernen leinen Dunft Bopf hmten unb Dom. Die brauchen feinen Daftierftocf: fie macfein mit Km 3opf, baS giebt baS fdjwäbifche 9tormaltempo." „über mo nehmen fie berat um ©otteStoiflen bie Schneib' ju einem großen fflhififfeft het?" „91a, eS ift ja auch banadj, mie ich 0l«auptfadje ein Sludflujj ber Streberei unb Äunftbufelei, bie burdj ben tor mehreren Sahren gegrünbeteit ,93erein jur görberung ber Äunft* fid) ein bequemed SBett gegraben hat unb ihre fcf)önfte Aufgabe barin fieht, eine Süfte nach ber anbem aufjuftellen unb ben abgefchmacftcften ^ßerfonenfultud ju treiben. SNit fleincn, hanblichen ©öfcen natürlich, unb n>o ettoad babei heraudgueft. 3>ie Ungefpunbeten unb ber ^rofefjor ©ötjdjiu^ in Stuttgart. 617 ®iefeS ganje ©ebahrcn mürbe felbft einigen (Stuttgarter Streifen, benen noch nicht alle f^intjeit abfjanben gefommen, arg unb fie bejeic^neten e 8 ärgertief) als JhinfMppäneutum." „@S ift fchabe, baff ba brübeit am ©efenbad) eine Slriftophaniiche ober menigftenS 2Biclanbfd)e Feber fehlt, um ben fdjroäbifd)cn Äunft* Slbberiben einmal ihr Sptegelbilb ju jeid)nen." „ein niel 511 fanfteS ©Sittel, 9Scret>rtcfter! 2)ic einbilbung ber Slb* beriben ift fo grofj, bafj fie fiel) in jebem Silbe gefdjmeicfjelt fügten. Stein, ba ^eifet’S blanf uom fieber jief)en unb gelben mic biefen ©ötfdjiuS mit« famt ihrem Stnljang non ©achfchmäfcern unb ftopfnidern einfach in bie Pfanne hauen!" ,,©ötfcf)iuS, mer ift ©ötfdfiuS?" „ffiaS, ®u fennft biefen ©ötfdfiuS nicht, biefen Stuttgarter Äonfer* üatoriumS=Pr ofeff or, ber mufifalifetje Äunfturtcile probujiert unb einen Stiefel jufammenfe^reibt, baff man fpornftreidjS bic SEBaitb fjinauflaufen möchte? §aft S)u benn nicht baS Feuilleton in ben ©2ünd)enet Steueften ©ad)rtd)ten über ihn getefen, baS it)tn unfer DSfat ©ter^ mit ebenfoniel Schärfe als ©rajie geftiftet fjat?" „©ötfc^iuS, nein, roaf)rf)aftig, biefe Äunftgröfec mürbe mir noch nid)t oorgefteilt. 3d) erinnere mich, nor nicr, fünf fahren etmaS über einen getoiffen 3ofef Sittarb getefen ju haben, feines 3 e i ( h cnö auch Äonfer* oatoriumS * Profeffor, ber fict) in greulichen Schreibereien als Sinti* roagnerianer ober als SBagnernerbcffercr — ich üteife nicht mehr genau — aufgethan hat unb bann non einem SDtünchener Schriftfteller ganj elenb abgeführt mürbe. Slber non einem OötfchiuS — — 9ta ja, alfo ner- mutlich auch lieber fo einer, ber in feines ©idjtS burchbohrenbem Äunft* gefühl berufen fühlt, bem ©teifter SBagner fieftionen 511 erteilen ober feine Partituren unb Sejtbücher burd)ju!orrigieren. Slann mir’S benfen, fo ein überfchnappter Seffetmiffer, ein nebulofer SUaffi^itätSfej, ber baS Sllte ju nerftehen meint, meil il)tn bic SemunberungSphtafcn non Fugenb auf eingetrichtert mürben, unb ber bas ÜJieue nerläftert, meil er nichts banon nerfteht, fich aber traft feiner fd)utmeifterlid)en Dmnipotenj boch nicht enthalten tann, grofjmauligc Sprüche barüber loSjulaffen . . . Steh, baS ift alles armfetiger Settel, an ben man fein SBort mehr uerfchmenben follte. liefen übergefcheitcn Schreiern fteht einmal baS ©Saul non fetbft ftiD, ohne bafe man fie barauf fchlägt. $)ie fritifdhen Schmieranten nergehen unb bie ©teiftermerfe bleiben. 5)aS ift meine einfältige ©ieinung. Profit!" ,,3d) bin nun nicht 90115 Shrcr Sfnfidft, Serehrtcfter. ^rcilict), bas ift fehr gleichgültig, ob biefe fieut^en Sittarb ober ©ötfdjiuS ober Pump* 618 Sontab. fjofiuS ober fonftoie feigen, ober 06 fie in ÄonfetDatorien ^etumfd^ul» meiftern unb nebenbei SRejenfionen furnieren ober ein ähnliches ^anbtoerf treiben: aber baS ift nicht gleichgültig, bag fie burch bie Flachheit unb ®ebanfenlofig(eit beS ©u 6 lihimä bahin gelangen, ein bidcS, trübes Un* finnSgefpinnft über bie ftra^lenbften ©djönheitSiDerfe nationaler Zünftler ju »neben, bag fie bie öffentliche Meinung nertoirren unb nerbüftem, bag fie bie ©egeifterung ber 3 ugenb für bie lünftlerifchen ©rogthaten ber neuen HRctfter löhnten, bag fie fich immer unb überall mit ihren uitermüblichen Äbfbrechereien mie ein Ulf) auf bie fcgaffenSfrohe ©ruft jeitgenöffifcher Äünftler fchmeigen unb mit ber Saft ihrer eigenen Smpotenj bie greube ber ©djaffenben unb ©eniegenben erbrüefen." „SraDo! TaS ftimmt. Unb hier gleich ber ©etoeiS: beim 5 »oeiten ©tuttgarter SRufilfeft mürbe unter anbenn SGBagnerS ©arfibal*©orfpiel aufgeführt unb jebem Teilnehmer ein nett auSgeftatteteS ©ücglein mit Programmen, Tejten unb ausführlichen (Erläuterungen ju ben einzelnen geftnummem in bie £anb gebrüeft. Tiefe Erläuterungen nun finb eben »on bem Dielbelobten ©tofeffor ©ötfdjiuS Derfagt in jenem HRifchmafchftit Don fdjönheitstrunlenen Taumelphrafen, auf ©teilen einher ftotyerenbctt technifdhen §anbmer(Sf>rahlcreien unb fuperllugen Ärittfflaufen, barüber gegoffen bie belannte Feuilleton=©auce, bie bem litterarifch »oenig Der* möhnten ©ublifum fo angenehm ben (Räumen fifcelt, aber auf jeben feineren, mählerifcgen ©efehmaef roirft mie ein ©rechmittcL 2 lm toUften treibt’S ber Erläuteret in ber (leinen Slbljanblung, bie er bem SEBagnerfdjen ©atfifal*©orft>iel mibrnet. §ier ift baS ©üchlein! Unb hier einige ©toben! 3uuäte Ungefpunbeten unb ber ^rofefjor (9ötfd)iu3 in Stuttgart. harmlofe, beleihen rate ein ©eilten im Verborgenen btübjertbe Dummheit märe, baS nimmt t)ier in ber raeiten, feierlichen Cffentlidjfeit bie 35imenfion unb baS Vernicht einer burch nichts ju entfchulbigenben Frechheit an. SEBie auf bem Xitelblatte biefer unglücffeligen ©rofdjüre in fetten Settern gebrucft fteljt, rautbc bas SJiufiffeft unter bem aQerhödhften ©roteftorate Sr. SKafeftät beS Königs Äarl uon SGBürttemberg gefeiert, ©ei einer fo aufjerorbentüchen Gelegenheit ift, mein’ ich, auc h c * n GötfchiuS oerpflichtet, einmal feine fünf ©iitne jufammeit su nehmen." „Unb baS ©dhönfte: biefer Unfinn ift nicht einmal GötfchiuSfcheS Original! GS ift aufgeraärmter Äoht. ®enn gleich na( h & ct erften ©ap= reuther ^arfifal*3lufführung oor fed)3 3ahren trat ein fdflechtunterrichteter ©uperfluger mit einer ähnlichen Plagiats --Schnüffelei h ctt, P r - raurbe ihm aber gleich üon berliner Sßagnerforfcher läppert in ber ,freuen 3«tfdhrift für üRufiP, foraie in ber Allgemeinen 9Kufiljeitung‘ grünblich heimgeleuchtet. 3ch erinnere mich btö ©pafaS noch 9 an i 9 ut ," ,AHe SEBetter, auch noch? ?Hfo oor fed)S fahren raurbe biefc UnfinnS=Slafe fchon einmal öffentlich aufgeftochen? 3a, rao fteefte benn bamalS biefer gelahrte §err GötfchiuS? SEBar er bamalS üielleicht noch gar nicht auf ber ©Seit, ober fafj er noch auf ^ cr ©chnlbanf unb übte fich in feinen erften ©tilblüten? Ober bereifte er bamalS als SBunberfhtb ben SKonb? Siein, baS ift ju ftarf: ein Eühtfifprofeffor, ber in einer mufilalifchen geftfdfrift über SSagner fchreibt unb nicht einmal bie SEBagner* litteratur fennt! ®aS ift mehr als ein ©dhraabenftreich, baS ift ein." „3a, eS ift unglaublich, baff bei einem mit großen SWitteln oeran* ftaltetcn, oon gebilbeten unb angefehenen 9D?ännern geleiteten Äünfäerfefte fich folche ®ingc einfchleichcn fonnten raie biefe unfinnige ©efchimpfung eines ber größten Äünftler ®eutfchlanbS. ^öffentlich h at fich ^ 0( h C » 1 Stuttgarter gefunben, ber Kenntnis unb Gemiffen genug befaß, bie Gl ) 10 ber fchmäbifchen <ßublijiftü ju raahren unb in eine bortige Leitung eine Grflärung ober ^Berichtigung einrüefen ju taffen." „35a faitn ich Äuffchlujj geben. $er ©erfuch raurbe aQerbingS ge* mad)t, allein er mifjglücftc. Gin EDZitglieb bcS Stuttgarter ©BagnerueteinS mit einem in ganj 35cutfchlanb belannten unb geachteten tarnen bot ben jroei gelcfcnftcn fchraäbifchcn ©lottern eine ruhige, fachliche ©erichtigung ber GötfchiuSfchen ©chauptung an, biefetbc raurbe jeboef) foraohl 00 m ,©chraäbif^en SDierfut* raie 00 m Amn STageblatt 4 abgclehnt. 2)arauS mögen Sie erfennen, meine Herren, baff eS jur 3eit ganj unmöglich W, in ber Stuttgarter Sprcffc bem SWeiftcr ©Bagner 511 feinem Siechte 511 ocrhelfen." Hafer $i$teralbum. 621 „Me ©etter! Run wäre ich aber »örtlich neugierig $u erfahren, wie bie genannten ©lätter bie Ablehnung begrünbet haben." „Such bamit !ann ich Sfjnen bienen. Sie Rebaftion beS ,Sdf)toäbifchen SRerfurS* antwortete: erfteitS habe fie Raummangel, jmeitenä Kege eS ihres ©radjtenS außerhalb beS Rahmens einer politifdjeit 3eitfchrift, bie oor* liegenben SReinungSüerfdhiebenheiten jum SluStrag ju bringen, ©örtlich!" „,!sReinung3üerfchiebenheiten‘ ift gut! Sch berichtige, bafc 2x2 nicht 5, jonbem 4 ift, unb ba fdjüttelt ber $Rerfur*Rebafteur ben Äopf: baS fei eine SReinungSöerfdhiebenheit, bie er u. f. m. Übrigens fpricht ber ÜRann ein merftoürbigeS £)eutfch. ©isper glaubte ich, &<*& man bf°& einen Streit über Meinungen, aber nicht ,S9>erfd)iebenhetten‘ oon SReinungen jum ,9fo3* trag bringen* fönne. ©eiter — unb baS ,Reue Stuttgarter Stageblatt*?" „@8 fiepe fonft Wohl gern ju Stienften beim frifcljcn, fröhlichen Sagen, aber int oorliegenben galle müffe eS ben ^apn in Ruh’ h a ^ en > fintemat unb aubiemeil Jperr ^ßrofeffor ©ötfcpiuS — ber Dpemreferent beS ©latteS fei!" „Tirez le rideau! Cafjt ben ©orljang fallen! Schluß ber Somöbie — biefe Sßointe famt burdh feine effeftoottere mehr überboten »erben." „$>och, meine Herren: burdh SR oral öon biefer ©efcpichte, bie fchon griebriep Scpittet, ber genialfte unb ebelfte aller Sdfpoaben, in bem erfepüttemb refignierten ©ort gezogen: ,©egen bie Dummheit fämpfen Glätter felbft oergeben**." JuljUntHimn, Äm Sanier i. f er 2Hpenbänfe feenhaft (Sejimmer Umfdjliefjt ben See, bie buntbelebte Süijtte. 2tot flammt bie Ufenau im Hbenbfdjimmer, 2IIs fdjreie tjier nodj immer (Ein ungerecht pergoffenes Sint nadj Stirne. 622 Unfer JHcgteralbum. €s flog fein Slut, bodj Ijunbertfadjes Sterben Quält Me verbannten mübgeljegten EDanbrer, Des ^eiligen (Seines «Erben, Die nimmertpo ein irbifd? Qeim erwerben. Unb ig es Qntten nid?t, fo ift’s ein anbrer. Des «Senins (Eobesinfel bleibt begehen, Die ^orm nur wed?fe(t, wie im See bie tDeOen. «Ein immer gleid? «ßefdjeljen unb Dergeffen. Die Ulpen aber feigen Kfiijl, rutgg, auf bas tDogen unb $erfd?el(en. 3n biefes febens engen Uferfdjranfen Sdjwimmt einfam mandje 3 n f*l tiefer Ceiben. Dod? ewig gipfeln aufwärts offne ZDattfen Der menfdfbeit Efodjgebanfen. 3m EllpengltUjen lägt gdj’s rutfig fdjeiben. n. jfeier fag id? lang am grünen Uferraine. * Die Uugen rnljten auf ben glberffeOen Dom Ubenbbuft oerflärten 2Jlpenfd?weflen. £ets plätfdjerte ber See, als ob er weine. © bag für immer aus bem .bunten Sd?eine UTein Sein 3 ergäffe in bie flaren EDeUenl Die £eibenfd?aften, bie uns ewig prellen, Shtb Staub unb UHttagsglut, bie id? verneine. 0 bag ein «Engel mit bem £Iammenfd?werte Dertilgenb füljre über bas (Semeine, Das mir ber EDurjelfraft verfefjrtel Qeil Dir, Dapoleon, Du groger tDürger I Du rädjteg an bem menfdjenviel? bas Heine. Efeil, Hobespierre, Du blutgetaufter Bürger!" Karl Hleibtren. f od? einen SItcf bem bügem, flehten Haume, Dem Efeim bes £eibs, in bem vergebens rang Die Seele mit bem Ijelfren «Sättertraume — «Ein Dämon ge ins Heid? ber Efälle jrnangl 2Das ig’s, bas meinen ^ug an biefe Sdjroelle 3n übermächtigen (Sefüfjlen bannt? Kann id? nidjt giel?n von biefer äben Stelle 0t?n’ bag mid? feige Hüi?rnng über mannt? Uttfet $id>tetalbttm. 623 3 m lefeten Blirf verpege, Iefete (tbräne, Qmmcg von btefes ftammen 3 ammers Bilb! Crläfung ip’s, bie idj fo h*if} erfebne, Crläfung minft in golbenem ^rieben milbl Sollt’ idj, erbarmungstvert, an mir verjagen, Sold}' (eben leben nm bes £eibes preis? 0 ba§ bie Sdfmad}, bes Jammers Sein ju tragen Die IPfirbe ffiljnt, bie pdj ju opfern «veiffl Hid}t länger fdjleppe id} bie Sflavenfette I Die Jeffein finfen Jjin im (Eobesgang. Jabr’ moi;l, bn qnalverbammte ©pferffätte — Sdpon locft mid} janbrifd? bolber Sdjmanenfang. Qimvegl id} eile in bie Hadft, bie falte, Ciffger Hegen fchlägt mir ins (Sefidjt. (Ein ferner ©locfenton im Sturm verhallte — 3 et{? Hur bleid}« Statten naben, midj ju t}dt}nen — ‘- ©bn’ (troff, obn’ Qoffen idj b*näbergeb’. HJie burft’ idj eines ©ottes Zttitleib fflblm ? Hie marb in b*b rem ©laubensmut idj ffarf: Die (tobesmunbe muff idj felbff jertv&blen 3 m Smabre £ofung ruft: „ben (tobI" ©efpenftifd? ffadem bie £atemenflammen: Hus jeber träb bes Cobes Jacfel lobt. Cs Puffern unterm ffotjen Brüdenbogen Der recfenbaft auf b°b en Pfeilern rubt. So geifferbaft bie näd}tli Huguft Silberftein. jftei mir gegrfigt mein ZDatbafyl, * Du grfine (Etnfamfeit, 3n beinern Schatten, traut unb fühl, tt>irb mir bie Seele »eit. |tn nun fchliege »ieber bu um mich Dein bnftburch»ebtes gelt. ZDie grfigt mich Hßes heimatlich 3n beiner ftißen ZDeltl Unfet Didjteratbum. 627 Die Droffet fingt im Snfdje laut, Der Spedft im Qolse pirft Unb ans bem Rolfen (farrenfraut Die «Slodenblume nirft. Hlnn<^en. IRir fcffleidjt ins ^erj mit Sang nnb Spiel Cin (traam ber Kinberjeit — Sei mir gegriift mein XDalbafpl, Dn grüne (Etnfamfeit. Qeinj ©ffer. »eifcut faftalteu im jfcffaß. Sie erfdjetnru meißelt» löd?e(nb unb trag«n Oefärnteibe ober Sdfdfee; bann feifreu fit meinen* ffeim; fit ftnb mit bit Hefte bes alten (Klaubens an ge r m a ni fdfe (Kötter. Stöber unb Grimm. as ifi ©bin, bas ifi (freia, bie bnrrfj biefe ZVÖlber fdjreiten, IDenn fid^ bnrcf} bie 3nnin5d{te erfte (tagesröten breiten. Aber ©bins £oftognomie eines SeibeS. ©ie fdjob baS £eft, mit bem fie fieft aus ber $anb — hier an biefem Xifch im Eafö SBirt haben ich unb mein ©etnahl mit Shuen fröhlich geplaubert. ©ie erroiefen fich unS als ganz mohllunbig, inbem ©ie bie SJteiftcn ber toorüberfpajicrenben SRenfchen mit ihren SRanten bezeichnen fonnten" Sch Schüttelte ben Sopf, fah bie ©precherin an unb marf einen ocr- tegenen ©lief auf ben bemufjten $ifch, aber feine Erinnerung rneber an ihn noch an baS Ehepaar mollte in mir aufbäntmem. „ES mar bei einem Äonjerte — (am fie meinem ©ebä^tniffe ju pfiffe, „als mir unS an Shren $ifch festen; ©ie gerieten mit meinem ©emaht ins ©cfpräch, in melcheS auch ich utich Später mifchte; mir rebeten oiel über ©raj unb bie ©rajer, unb ich bebauerte bamalS fehr, baf} unfere rege Unterhaltung burch bie Xheaterftunbe ein rafcheS Enbe fanb." — Eine fchmache Erinnerung taufte in mir auf, ohne bafj fie jeboch eine beftimmte Färbung gemimten tonnte, ©chliejjlich beteuerte ich, utich Qanz genau ihrer, ihres ©emahlS unb jenes ©efprächeS ju entfinnen unb prieS bei mir bie miUfonunene ©elegenheit, ber Unbefannten etmaS näher treten ju tönnen, beten ungenierter, freuitblicher $on mich für ben SRoment mohl anfprach- Slach einigen gleichgültigen Sorten fehiefte fich öie junge grau ju gehen an, fchlug mein Anerbieten, eines ihrer jätete tragen zu bürfen, mit höflicher Entfchiebenheit aus, führte jeboch baS ©efpräch berart meiter, baf} eS mir Schien, als märe ihr meine ^Begleitung nicht unrnilltommen. 10 Vol. 4/2 630 f&tdfSltt. ©o traten mir ins greie hinaus; ber Stegen hotte auf gehört, bie SBolfen« bede mieS mehrere blaue Süden auf unb bie ©onne machte emfthafte HJtiene, ben £ag not bem Äbenb loben ju laffen. $>ie $affage über ben Äo^Imartt, an beffen ÄSphaltierung man arbeitete, mar ziemlich erjchmert. $aS ÄuSmeicfjen ging müpfam oon ftatten unb um feinen SSeg gerabe fortfefcen ju fönnen, muhte man Seine Älüfte überfdjretten, unb ftdh oon einem freigemachten ^Jftafterfteine jum anbem batb hinauf unb halb hinab« fpringen. S)iefe Keinen, befonberä für ®amen läftigen §inbemiffe jmangen meine Begleiterin, mir ihre beiben ©epädsftüde anjuoertrauen; als mir auf bem traben angelangt maren, ftanb ich unfchlüffig ftiQ, ob ich nicht beffer thäte, ber guten gorm megen bie $inge einem Präger ju übergeben unb ob überhaupt meine furze Bcgleiterfchaft hier nicht ihr ©nbe erreicht hätte. ©inen 5)ienftmann, ber eifrig mit ben §änben zulangte, mehrte fie etmaS oerlegen ab, fie trage bie ©tüde felber, ba fie halb bahehn fei Unb ba fie feine Äbficht geigte, auch mid) ju entlaffen, fchritt idh neben ihr hin, in etmaS nadfbenKicher ©timmung, mährenb fie neugierig bie ©efdfjäftSlaben mufterte. „SBiffen ©ie," fprad) fie enblidj, nachbem ich einigemale üergeblidh in eine ©eitengaffe einlcnfen moüte, um bie Stiftung ihre« 3iele3 ä u er* forfchen, „ich h°be einen ©ang oor, ben ich ntich eigenKicfj nicht zu machen getraue unb ben ich fölfefelid) boch machen muh — idh fehre 8 U nieinem ©atten jurüd unb ich njeijj nicht, ob er mich mohl aufnehmen mirb. ®a3 alfo mufete ber ©runb ihres ©^merjeS fein, ben fie bei Saft unfreimidig oerraten! ©ie that bieö ©eftänbniS mit fefter Stuhe, bie ihres ©inbrudS auf mich oerfehlte, ba fie mie bie 3 u oerficht beS SeichtfinnS Kang. Unb befonberS einem gremben gegenüber! 3dj hotte eine unet* quiefiiehe Ähnung non erjmungenen Vermittlungen unb Statfchlägen, bie einem gernftehenben in einer fo bclifaten ©ache nur unbequem fein muhten. ©ie hotte bieS gemerft unb fprach: „föenn ich 3hnen folcheS an« Oertraue, fo holten ©ie, idh bitte ©ie, mich fu* nichts ©dhledhteS! ©ie erfdhienen mir heute als ein gutes Vorzeichen, ba ©ie bamalS, an jenem Konzerte, auf meinen HHann, mie er fpätcr auSbrüdlich fagte, einen guten ©inbrud gemacht" — ich nerneigte mich — „unb ich fprecije mit 3h*ien um fo lieber, meil ©ie mir jene glüdKidhe 3«ten machrufen, mo ich noch nicht fo tief gefunfen mar, mie jefct! Unb heute, an biefem für müh f° michtigen Sage, benötige ich einen Statgeber um fo eher, einen Berater in 3 htem Älter, mo man mein Jpanbeln am beften üerftehen unb beurteilen fann. Nehmen ©ie eS uns grauen nicht übel, menn mir uns in ent« jeheibenben Momenten an aK’ baS Kammern, maS uns ein gutes Omen zu Die Stfidfeljr bet grau Jfatyarina. 631 fein fdjeint! 3atte ©ie für ein foldhe«! Unb nun begleiten ©ie mich — ich fpfire trofc meinet bebenflichen Sage einen tüchtigen junger — in bie näcpft befte SWilchhaüe. — Dort totü ich 3hnen beizten unb mit frifehe Äraft fammeln, oot meinen hatten p treten!" Diefe fo ernften unb fehalfhaft beenbeten SBorte ermedten in mit eine geteilte ©timmung, unb hoch bie Äufridf)tigfeit, — unb roof)t gar auch bet gute ©inbrad, ben id) auf ihren hatten gemacht hatte —, ba« ganje SBefen bet jungen grau überhaupt, begann mich p intereffieten; ich führte fte in bie nahgelegene ©utttramSborfer SKilchhalle, mo id) ihrer (Stählung entgegen harrte. Diefe lieg aber etma« lange auf fidf »arten. 3Wit ootlem SBeljagen fchlutfte meine ^Begleiterin ben Äaffee, frag mich über öa« unb jene«, ohne auch uur mit einem SBorte ba« eigentliche Dhema beruhten p wollen. Äber eS festen mir, al« ptänge [ich ba« SBeib getoaltfam p einer §eiter* leh, bie nicht ihr innere« erfüllte ... Da ftüfete fie ba« §aupt auf ihre fdjöngeformte, OoUe Jpanb unb erschüttert bemerfte ich, mie au« ihrem hellen Äuge eine Dhräne brang, bann mieber eine, langfam, tropfettmeife, ohne fich p einem erlöfenben ©trom bereinigen p lönnen. „©eit heute morgen üerfdjiebe ich ^ en ® e 0 uon einer ©tunbe pr anberen. Um ©otteSmillen, ma« habe ich benn eigentlich gethan, bafi ich ben ©chritt ju ihm fo fcheue? @t mar, foUen ©ie rniffen, ein alter greunb meine« Später«. Äl« ich SBaife mürbe unb mittellos in ber Sffielt ftanb, glaubte er fich utenter annehmen p rnüffen unb es auf feine beffere Ärt p thun, inbem er mich heiratete. 3ie Äfltffeljt bet gftau Äatljarina. 633 bauerte trägt lange. 2Retn ©etfügrer toarf bie $rucgt, bie er gcörocgen, überbrüffig weg unb lieg mieg altem gurüd. ®r entflog mie ein feiger $)ieb. Unter bem Seucgter auf meinem 9iacgtfäftcgen fanb icg einen ©rief, toorin er mieg anftagte, unb mir bie folgen, bie unfer $gun für ign gaben tonnten, gufcgrieb; biefen niegtSwürbigen 3 c *^ en fegte er eine ©ummc ©elbeS bei, bie gü einer ©üdreife fnapp ginreicgte. 3cg glaubte mieg oott einem fegtoeren bräunt befangen, auS bem icg gut Jperrlicgfeit ber testen Sage miebet ermaßen mügte. 3tg füllte mieg oernicgtct in meinem gangen SBefen, getroffen oon einer ©träfe, bie icg niegt oerbient 3$ tonnte mir niegt benfen, bag icg etwas ©c^tecfjteS getgan, aber baS wugte icg, bag icg eS mit einem fcglecgten SKann getgan. 3cg roeig, icg gäbe einen gegl« tritt begangen, inbem icg einen liebte, ber mkg betrog; aber bag icg je- manben liebte, tann mieg niegt gereuen. Unb biefet fjegltritt ftäglt mieg, jene ©infamteh toieber gu ertragen unb mit banfbarerem ©emüte meinem §erm gu bienen, als icg eS bisher Oermocgte. Söenn mieg aueg ber ge« beiratet bat, ber mein groeiter ©ater batte fein joUen, toarum foll icg niegt aueg einmal lieben, als SBeib lieben? ©etbft baS grögte Ungtücf, baS mich je treffen fönnte, barf mir biefe ©ereegtigung roebet oerbieten noeg roegnegmen. 3cg tann ja bei aUbem meinem (Satten eine treue ©flegerin unb grau fein, ja eine treuere als icg eS bis geute ogne baS geimlidj genoffene ©lud gatte fein tönnen, »eil mir bie ©itterfeit fegtt, bie fonft über mitg getommen wäre. Unb biefeS ©etougtfein ftärft in mir bie Hoff¬ nung, bag er mir oergeigen wirb, oergeigen mug! SWit enter getoiffen greubigfeit trat i(g bie ©üdreife an, geute früg traf icg gier ein — unb ein 3 a 9*n ergriff mieg. 3cg oerbraegte ben ©ormittag gtoifegen ©etoiggeit unb 3toetfel, in biefer 3t®itterfthnmung wartete icg ©tunbe auf ©tunbe. ©ie traf icg, als icg mieg gu Saft flüegtete, um mieibeutigfeit wieber etwas nüchtern ftimmte. 3Kir war eS ja eigentlich ganj bequem, mit einer hübfehen jungen grau burdj bie ©tragen ju fchlenbem, aber wenn ich bebachte, bag eS ihr wohl beffer anftehen würbe, feinen Moment ju üerfäumen, um bie ©erjeihung ihres ©emahlS ju erlangen, ftatt in leichter Toilette fpajieren ju gehen unb mit einem ihr benn boch fremben SRenfdjen üon nichtSfagenben Gingen ju ptaubern, ba lief meine Teilnahme für fie ©efapr, auf ben ÜRuHpunft h^rabjufinfen. ©Unartig tauchte in mir ein ©ebanfe empor, ein fehr oerbachtSüoHer, ber aber feine feften ©urjeln faffen fonnte, benn nach un b nach erinnerte ich ntich ganj genau an jene ©egegnung in ©raj, wo man ben tarnen biefeS fo alteroerfchicbenen ©aareS, Jperr Slbolf unb grau Katharina ©t. . ., fehr oft nannte, — mein gar fchlimmer ©erbacht warb fomit haltlos, aber ich fonnte nicht umhin, im ©ebanfen bie fchöne junge grau an meinem $Irm fehr leichtfinnig 5 U nennen. 2 öir wanberten weiter unb weiter, bis jum ©rater. Sh« ®nge* legenheit erwähnte fie mit feinem ©orte, aber ich nterfte eS beutlidh, bag etwas Schweres auf ihrem Jperjen lag unb fie alles aufbot, ihr Seib ju oergeffen unb bie ©tunbe ber ©ntfdjeibung ju oerjögem. ©ehn britten ®afö angelangt, wollte ich umfehren, fie aber blieb ftehen unb fagte nachbenßidj: „Sch weig, bag ©ie tooHauf berechtigt finb, ©Rechtes öon mir ju benfen, unb boch thun ©ie mir bitter Unrecht. Sch brenne öor Ungebutb, ihn ju fehen unb feine Ättiee ju umBammern, aber ich bin fo innerlich fchwach, Oor biefem äftoment ju fchaubem unb ihn hinauSju* fchieben. Sch bin jwar überzeugt, er mug mir oerjeihen, aber wenn er $ic ftfltffeljr bet Stau Äailjarina. 635 eS bodj nicht thut unb micf) oon fich ftö%t? SReincn ©ater hätte ich wegen meines gehltritteS fofott um ©erjeihung anflehen fönnen, aber üor ihn, ben ich als meinen ©ater betrachtet, als feine gefallene ©attin ju treten — ich bringe eS nicht über midf! Unb fehen ©ie, fott ich je&t 5 U ihm tommen, ju fpöter XageSftunbe? ©ei $age, im Haren ©onnenfdjein, urteilt man ftrenger unb 'härter als bei Stacht @r wirb SRitleib mit mir hoben, meint ich fpät abenbs herein trete, allein, meinenb, — märten mir bis jum Abenb, ja? 3ch bin plöbüch fo jaghaft gemorben, als ob ich fcfbft mein Unrecht an ihm für uttoerjeihlich hielte, unb bann, eS ift ber le^te Sag meiner greifet! ©teQcicf)t nimmt er mich au f un b läfjt eS mich ober fleinmeife entgelten, benten ©ie fich baS fürchterliche fieben, baS meiner märtet! 3ept möchte ich m *ch noch «0*9« ©tunben jerftreuen, alles oergeffen, bann füge ich mich inö Unoermeibli^e, fomme, mie eS mill! Aber noch furje 8 e *t tmD ich frei, lebig fein-" ®iefe lebten 333orte erhielten eine raufchenbe 3 u ftimmung, eine aus Ronadjer tommenbe feurige SWelobie oerlieh ihrer ©itte einen beftridenben Reij. ®aS 333eib fah in biefem SKoment mirttich munberfd)ön aus. SRich übertam jene truntene, über allem grbtfchen erhabene ©timmung, als atmete ich jene fiuft, bie üon bem ®unftfreiS beS fietheftromeS herauf* meht S33ir fchritten burch ben ©arten, lüften ©iHetS unb traten in ben ©aaL SRit lebhaftem 3ntereffe oerfolgte fie ben ©erlauf ber (leinen Operette „SiebeSjauber", ber ©urleSfe „jßrofeffor Xfchinbrabum", ©ühnen* ftüde, welche mich nur infofem unterhielten, als ich 3Ru&e genug hotte, ihr ©efidjt, in beffen 3ügen fich lebhaft baS ©ergnügen am ©efeljenen malte, ju beobachten unb mich an ihrem herzlichen Auflagen ju erquiefen. ©tmaS ernfter geftimmt mürbe fie beim Auftreten ber „333iener $anj* fängerimten". AIS fie bie Oierjehn greHgef^minften, hochgefdjürjten ÜRäb* chen, bie in ber frappanten ©leichmäfjigfcit ber ©eften ben ©inbrud machten, als ftänbe nur eine burch gefdjidte Anbringung oon ©piegeln oielfach refleft i erte ©eftalt auf ber ©ühne, erblidte, mürbe fie ernfter ge* ftnrant. ©litt eine Ahnung burch tyre ©eele, bafj ihr oieUeicht auch ein ähnliches ßoS beoorftänbe, menn ihr betrogener ©cmahl fie oon fich ftiejj?. • • ^löblich neigte fie fich ju mir unb flüfterte: „©eben ©ie nur, mie uns bie 33fchgefeUjehaft nebenan fixiert! 5)ie fieute holten uns fidjec für ein junges ©h es ober Siebespaar!“ Dtefe SBorte begleitete fie mit einem fchelmifchen, hormlofen Sädjeln, baS mir fonft fehr gut gefallen hätte, menn ich rric^t gemußt, bafj biefe junge grau heute noch 3$ränen ber Reue ju menten höbe. Aber alle meine ©ebenfen oerloren nach unb nach ihren ©tachel, mein Urteil mürbe mitber, bis ich fchtiefjlich bie ©ache fo 636 9Be$8(er. t)imtaf)tn r tote fie mar unb mich jene Stimmung, tote t>or bem Saale, mäd)tig ergriff. ©teine ©liefe toutben feuriger unb bie ©teinung unferer Stahbam über und SBeibe mufete fet>r beftärft morben fein. (ES toar auch fein ©Sunber, bab id) midi nun ganj unb ooQ bem 3 auber meiner ©efährtin Angegeben. — Stad) beenbeter ©orfteDung dritten totr burd) bie fparfam beleuchtete §auptaUee; rafteten auf einer ©an! unb eS fd)ten, als fei ber gaben beS ©efprächeS plöfclih gertffen. 3h fpücte, bab in mir bie Stolle beS ©eraterS, bie fie mir juerteilt, nah unb nah 5 U ®nbe ginge. ©Senn fie mit beflommener Stimme ihres alten ©emahlS ermähnte, ju bem fie bod) jurüeffehren müjjte, fam mir bieS ht fo fpäter Stunbe unglaublich, umtatürlih t>or . . . bie (Erinnerung an ben alten £erm brängte fih gefpenfterljaft jmtfehen mih unb fie. Stad) langer toortlofer ©aufe erhoben mir uns, fhritten h«h «regt bie fdjmarje Strabe bahin, bis baS Sichtergemirr beS ©raterftemeS uns bie nötige Stufte unb Stühtemlfeit toiebergab. 3h fragte fie, ob fie fahren moflte unb mobin. Sie bejahte bie erfte grage unb befahl bem Äutfher, ©ifdaftrabe Str.... ju halten. „Sie fehren alfo jurüd, manbte ih mih nah «net ©Seile ju ihr, bie fih im ©tagen fröftetnb an meine Seite fhmiegte. „3a, ih mub mohL" „©Btrb aber 3hre ^»ehnfehr in fo fpöter Stunbe nicht ungemöhnlih unb für ben alten franfen £>erm ftörenb fein? ©Sollen Sie niht lieber bie Stacht in einem §otel oerbringen?" ©ei biefer grage, bie ih ahnungslos hat, fpürte ih, toie fie meine §anb, bie fte bis jefct hielt, plöfclkh loSlieb- „Stein," fagte fie, „um biefe 3«* fann er mir niht bie $hüre toeifen unb er mub mir, menn auh ungern, oerjeihen." hoffen mir baS ©efte, gnäbige grau." 3h roar in einer unbehaglihen Saune. ©Bare ih boh nur ber fühle ©erater geblieben! 3h mähte mir ©emiffenSffrupel, bab ih baju beige« tragen, bie grau menn auh nu t für einige Stunben ihre Steue oergeffen gemäht unb ihr fo einen Xeil jener geftigfeit geraubt ju haben, mit ber fie notmenbigermeife oor hren ©atten treten mubte. — SDer ©Sagen hielt; Oor bem Xh ote reihte ih ihr ftumm bie §anb jum ©bfhiebe. S)aS tfntltfc ber grau toar bleich unb ein 3ütem lief burh ihren Äörper. „Shlagen Sie mir bie lefcte ©efäHigfeit niht ab! 3efct ift bie (Entfheibung ba, lonunen Sie mit herauf unb helfen Sie mir, menn eS Slot thut (Er ift ein guter 2Jtann unb löbt fih in feinen ©ntfhlüffen oft burh baS ©Sort eines gremben mehr beeinfluffen als burh baS eines ©ermanbten ober greunbeS, unb 3hrer mirb er fih nod) entfinnen. Sie haben ben ganjen $ag bei mir auSgeharrt, helfen Sie mir ben entfdjeibenben ©toment jum ©uten toenben, niht, mein greunb?" $ie Sflcffef)t bft grau Satljarina. 637 ©a« wollte icf) anbei« ttjun? ©ie gellte unb nad) turjem Darren öffnete bie £au«meifterin. „O, bic gnäbige grau!" 211« fie aud) midj mit eintreten faf), warf fie mit einen btquifitorifdjen ©lief ju. ©ortloö leuchtete fie un« bie jwet kreppen hinauf. 2luf bem ©efidjt ber jungen grau tag ein 3 U 9 öon jenem büfteren Drofc, ber feine geftfer bereut, aber audfj z u entfdjulbigen roetfj unb 00 m 9iicfjter fein Urteil, fonbern Witfeib forbert. SRun ftetjen wir oor ber Dfjüre. Dief fcfjöpft bic arme grau 2ttem, fie Hopft fo teife al« möglid) an, ben ©lotfenapparat lägt fie unberührt, ©nbtidfj fdfjürfenbe dritte oon innen unb wie bie Dienftmagb bei f)alb geöffneter Dtjüre if)re Herrin erblidt, ruft fie mit gebämpfter «Stimme: ,,3efu« Watia, bie gnäbige grau!" Die aber finft gebrochen auf einen ©effet, unb getraut fid) feine grage an ba« Wäbd)en ju rieten. „0, bem £>erm ift fd)led)t, fetjr fd>led)t! ©eit tyeute früf) fragt er in einem fort nadfi ber gnäbigen grau! gmmer jammerte er, ob ©ie nodEj immer nidjt ba wären, unb fo oft bie ÄUngel ertönte, fut)r er auf: Sefct ift fie’«! Unb am 9facf}mittag, al« ©ic nodj immer nidjt gefommen, fagte er ju mir: SWati, wenn bie ©näbige fommt, gieb if>r ben ©rief ba! ©ie mu§ freute fommen! Unb am 2(benb fragte er nodj einmal nad) Sljnen, bann f)at er ftilt ju weinen angefangen unb gejammert, bafj ©ie nodj immer nidjt ba finb! Dann ift er eingefdjtafen ... ber ©djtaf ift gar gut für ben £>crrn, er f>at fjeut fo oiet gelitten! Unb ba ift ber ©rief für bic ©näbige." ©ie rifj ba« Jtouüert auf unb überflog ba« ©djreibcn. „ftlein," fdjrie fie auf, bei mir ift alle ©djulb, Du wunbetbarer Wann, id) will fie Dir abtragen mein Seben lang, 0 ©eliebter!" Unb ftürjte fjinein an« ©ette be« Äranfen. 3 df) naijm ba« ©Treiben — e« waren ©orte ber Überzeugung oon ifjrcr SRüdfefjr, ©orte 00 H ©efjnfudjt unb ©erzeifjung, um fo fcfjmerjliclj rütjrenber, ba fie ba« ©eftänbni« eigener gepfer enthielten, ©orte, bie ber ©ater an fein $inb richtet, beffen ©ünben er fjalb auf fid) nimmt. . . Staunt fonnte id) ju ©nbe lefen, al« bie tiefe ©title burcf) ben marf* burdjbringenben ©efjruf ber jungen ©itwe unterbrochen würbe, welche ben ©erewigten in ^eifeefter Siebe umjdjlungen, wie e« if>m ju feinen Seb* Zeiten nimmer oergönnt gewefen . . . 638 fynnmer. JPautatlfmtajj nn tan ^nnslkrilitaq |>i[* jltalbri jltrotata m Pon ^rtp Jammer. (Äüudjf».) » eljr geehrter §ert 'Jioltor! Sie haben in 9lr. 40 ber in ©erlin er» fc^einenben „'Jieutfchen geuilteton*3*it u ng" bom 4. 3uti einen „©lünSener AuSftellungSbrief" beröffentlicht ©rief ift befanntlidj ein 2)ing, ba8 irgenbwer an irgenbwen fdjreibt, um üjnt irgenbwaS mitjuteilen. ®er 3rgenbwen in Syrern gatte' ift bie ©efamtjaljl ber Abonnenten unb 2efer ber „$eutfchen -geuitteton-3eitung". AB 2efer tiefer 3eihing bin id) in ber angenehmen 2age, 3h r «i SÖlündjener AuSftettungSbrief auch an nteine SBenigleit gerichtet betradjten ju biirfen. (SS ift Sitte, für empfangene ©riefe $u banlen. 3S banle 3h nen bafür. 3h r ©rief ift mir fehr lehrreich ge* wefen. (Sr hat mir nicht nur über bie Äunft ber SRaler, fonbem aud) über bie Runft beS ©rieffdjreibenS neue Anfichten bermittelt, ganj ju fdjweigen bon ber (Sinfidjt, bie er mir in 3h re ®rt, Äuuftwerle unb Sünftrichhingen ju beurteilen, eröffnet h°t. Sh« ftunft beS ©rieffdjreibenS, feljr geehrter $err ’Softor, ift wirflidj — um bie bon 3h nen f° berfSwenberifch gebrausten grembwörter anjuwenben — ungemein „artiftifch", „grajiöS", „eminent", „birtuoS", „impreffioniftifch", „genrebilblidj", „referbiert". (Sinige 3h r «r Sapgefüge höbe iS orbentliS angeftaunt ob ihrer „2tnieneleganj"; eS waren ftiliftifSe „©rachtobfefte" barunter bon einer ganj ungläubigen „3nfeftion8= fraft", bie manSe 3h rer Sefer in „jubenilem" 9?adjahmung8eifer noS lange fpüren werben. Unb mit welcher Sdjneibigleit Sie als 8unftrid)ter inS 3*ng gehen! 3a ift febeS SBort eine fßerte. SBenn aber ein benfenber 2efer mit ber breiften grage lonunen Wollte: Sagen Sie 'mal, geehrter $err ®oftor Sboboba, wie lomtte benn bie SRün* cpener fßrüfungSfommiffion folche franjöfifdje Sdjmieralien bon gmpreffto* niften „lepten SHangeS" julaffen, nadjbem fie eingeftanbenermafjen eine ganje Offenes 3)anffd}retben ac. 639 Steife guter beutfdjer Kunfetoerfe abgetoiefen unb bie Slbmeifung mit fRaum? manget begrünbet hat? — fo brauet er in 2Jf)rem munberOoQen StuSftel* InngSbriefe nur ein paar toeiterjulefen unb er finbet 3h* e Antwort, bie wie ein roohlgejietter Sanftferr ©oftor ©Ooboba! ©iefer U(jbe unb biefer Siebermann, na, jept meife bie bumme SBelt enblicfe, toa3 fee bon ihnen ju halten hat, naefebem ©ie mit rafefeem fünft? richterlichen ©riff ben ©ecfel oon ihren garbtöpfen genommen unb beren mibetlichen Inhalt enthüllt haben. fßfui Kucfucf! ©iefe fogenannten beut? fefeen SReifeer ber ^eümaterei fotten erft beim erften befeen ©panier in bie ©dfule gehen, beoor fee fich in unfere nationalen 3luSfteHungen brängen: nicht mafer, geehrter ©oftor ©Ooboba, ba3 ift 3h* £ funftrichterliche äReinung? ©i gemife, bettn hi« ftc^t'S ja in 3h rem „SRünchener SluSftettungSbriefe" fdjmarj auf meife: „©er ©panier Oerfteht e8, üirtuoS ju jeiefenen unb ju malen, führt fdföne unb charatteriftifche ©eftalten Oor, etjählt feinen «Stoff Har unb gefchmacfOoH, mäljrenb ber Oormalige fädhfifche fRittmeifter Uhbe, ben man fo gern afö oertannteä ©enie unb als ben Soulanger ber beutfefeen 3mpreffioniften preift, e3 über ftnbeutuitgen oon gotm unb garbe taum hinauf bringt“ $err ©oftor, baf ift ein ganjeä Kalifornien golbiger SBeifhcit, baf ©ie un8 in biefem einzigen @a|e bieten, ©ie Serfcfemenber! „©et ©panier Oerfteht ef" — fchlanftoeg, ohne fRamenSnetmung, ein ^beliebiger ©panier alfo! Unb ber beutfefee Uhbe Oerfteht nichts, „taum bafe er ti über Änbeutungen u. f. m. hinaufbringt.“ O ©ie anbetungf? toürbiger beutfdjer Kunftricfeter mit bem frönen ftaoifdjen üRamen! „©er oormalige fädjfefehe fRittmeifter Uhbe“ — maS hat ber überhaupt unter ben SRalern ju fuefeen, nicht toahr, #err ©oftor ©ooboba? SBarum bleibt er nicht bei feinen fRofefcfemeifen? £Ba8 braucht er nach i>en SRann rüünfcfjte ich boch $u lennen, ber ben Ioloffalen SBip gemacht unb $errn grifc b. Uhbe $uerft als ben „Soulanger ber beutfchen Smpreffioniften" gefeiert ober, toie Sie fagen, „gepriefen" hat 2dj habe fchon eine Un$ahl bon firitifen über grifc b. Uhbe gelefen, aber auf ben „Soulanger" bin ich noch nicht geflohen; ich finbe ihn in 3h ran weifter* haften SluSfteDungSbrief $um aDererften SRal. Slatürlich muh eS bem Sefer genügen, bah Sie, ber £err Dr. Slbalbert Sboboba in SRünthen, für 3h ten ungenannten ©eteährSmann mit 3h rer eigenen teerten Setfon einftehen, — auch in bem gälte einftehen, ber ja immerhin benfbar ift, bah ber „bor* malige fächfifdje Stittmeifter" unb nunmehrige ßünfhnaler unb föniglich batjerifdje ^3rofeffot gri|j b. Uhbe ben „Soulanger" nicht ruhig auf fich fijjen liehe unb ben Vergleich mit bem etteaS anrüchigen parifer „Zingel* tangel^öeneral" (teie ihn 3uleS gerrp nannte) als eine öffentliche Seleibi* gung auffahte . . . Vielleicht haben Sie felbft fchon über bie SJiöglichleit nachgebacht, #err Zoftor Sboboba, bah ber fffrofeffor grip b. Uhbe, !. SHttmeifter a. Z. 3h rcn „SJtünchener HuSfteöungSbrief" mitfamt bem „Soulanger ber beutfchen gm* preffioniften" ernft, fehr ernft nehmen unb bon ghnen ©Körungen forbern fönnte — nicht wahr? Stber Sie finb, nach ber Haltung 3h rcr ßunftfchreiberei $u fchliehen, geteih ein ebenfo mutiger als teeifer SRann, unb teie Sie in 3h rcm tuhm* reichen StuSfteHungSbriefe ber gan$en „Seite ber technifdj impotenten CinbrucISmaler" ben gehbehanbfcfjuh berächtlich inS ©eficht fdjleubern, fo teerben Sie auch i m Slotfalle nicht blofj mit ber geber in ber $attb mit einem „bormaligen fädjfifchen Stittmeifter" unb „Soulanger ber beutfchen 3mpreffioniften" fertig $u teerben teiffeit. Unb nun $unt Schluffe, geehrter Zoftor Sbalbert Sboboba: 3h r „SJtündjener SluSftettungSbrief" in ber „'Beutfchen geuiüeton^eitung" Wirb als Zofument beffen, toaS fid) ein ftunftfdjreiber gegen beutf^e fiinftauS* über erlauben lann inmitten einer gebilbeten, fünfte unb wiffenfchaftfchähen* ben Station bon Zenlem unb Richtern, feine Ijiftorifche Sebeutimg bewahren bis in bie fernfte Seit; Sie haben gegenüber ber übelberufenen Sefferteifferei unb Superllugheit ber fchöngeiftigen Äritif, bie fchon fobiel Unheil geftiftet Stahl. 3ut CharaftertfH! ffiagnerä. 641 in beutfdjen Sanben, ein ganz neues, ^ödjftperfönlidjeS SRufter bon ftunft* ridjterei in Syrern SluSftellungSbriefe aufgefteUt — baS SbobobasSJhifter, ttrte icfj'S feinem ffirftnber ju (S^ren nennen will — unb eS Wirb nicht an Seuten fehlen, bie nicht genug bauon befommen fönnen. 3$ bin befrei* bener — unb habe an biefem 3^ren einzigen ©tief boQauf genug. Sßit fdjulbigem Sanle, geehrter Softor ©ooboba, 3h* ergebener Siener gtifc Jammer. -~35~- m §|jtraWtmJtk Wagufr* aus bem 2Bagner*SiSjtfdjen ©tiefroechfel. Don &rich Stahl. (flUnd)tn.) f on bem granbiofen Zünftlerernft unb Über^eugungSmute SBagnerS ent* Ratten feine ©riefe zahlreiche ©eiege. 9113 ihm SiSjt ©otfcfjläge machte, wie er feinen „Stienzi" auf bie ©arifer ©üljne bringen föimte, ant= wartete er : „3errmann festen wirflid) ihr befteS können an bie §erau8* arbeitung ihrer nicht immer leichten SRoflen. §ert Söiiforet), ber gelegen!* lieh mit ben ®amen ®repler unb SBeifc ben SUtittelpunft ber ^aitblung hätte, bilben unb machtboü inbibibualiperen füllen, ftanb leiber fdjaufpielerifch nicht auf ber $ölje feiner eminenten ©efangSleifhutg; namentlich bie banf* bare SBaf)npnn8f{ene im brüten Atte h°t er nicht boH {ur ©eltung {u bringen bermocht. SDtandjeS wirb ftch bei ben SBieberholungen bon felbft SRüncptnet AoDitäten-Äbenbt. 645 oerbeffem. Sie ®tünd)ener AuSftattung beS SEerfeS ift fjinrei&enb fdjön — feenhaft! (SS wirb nicht an oben Nörglern unb fiebengefdjeibten Kapettenmeifter- ©cdmeffem Dom Sdjlage beS ju raffet ©erühmtheit gelangten Stuttgarter ©rofefforS ©ötfdjiuS fehlen. Welche bie unbefcfjreibüd) fd)öne AuSftattung allein für ben glänjenben (Erfolg biefer 3ung JEagneriabe oerantwortlid) machen werben. SBarum nid)t? 3ebent Siercheit fein ©läfierchen! ®ar manche Kapetlmeifter=Oper würbe fd)on prachtPolt infjeniert unb ift bodj mit Raufen unb trompeten unb altem SeleudjtungSjauber burdjgefallen. Aber baS fotl und nit abhalten, ju fonftatieren, baß ber Obermafchinenmeifter 2autenfcf)läger, ber Koftüpibichter ©tof. glüggen unb bie SelorationS* malet ©tioScf)i unb Surghart fid) biefeS SJtal fetbft übertroffen unb bie fßagnerfchen Seen in ein fo glänjenbeS, poefieerfüüteS ©etoanb gelleibet haben, baß fid) bie oerwöhnteften klugen nicht fatt fefjen tonnten. Älfo bieS ift baS (Ergebnis: „Sie geen" ftnb für Ohr unb Äuge eines ber intereffan* teften unb reijooHften SBerfe beutfdjer Opern* unb ÄuSftattungShtnft, eine entjüdenbe gugenbfünbe beS „SDteifterS". Stachbem SbfenS „Stora" an ber Königlichen $ofbüf)ne längft ju einem 3 u 9ftüdfe erften StangeS geworben, Ijat bie ^h ea ter(eitung nun auch wieber ju einem älteren gbfenfchen ©tüde jurüdgegriffen, baS fchon oor jeßn fahren mit gutem (Erfolge eine Steiße Pon Aufführungen erlebte: ju bem Scßaufpiele „Sie Stüpen ber ©efellfdjaft". ©or auSPerfauftem #aufe h^t am 2. 3uti bie neu eingeübte unb jum Seite neu befefcte Auf* führung unter ber portrefflichen Stegie KepplerS ftattgefunben unb ftürmifchen ©eifall gehabt; nach jebem Atte mußte fich ber ©orßang Pier bis fünfmal heben, unb am Schluffe wollte baS Klatfdjen unb ©raoorufen fein (Snbe nehmen. Sie Sarftellung jeidjnete fich burd) PoHfommene Abrunbung auS. Son ben einjelnen neu befefcten Stollen Perbienen auSjeicßnenbe $erbor* hebung: Konful ©ernid (Scßneiber, früher ©offart), Johann Sömtfen (gucßS, früher Sthobe), SchiffSbaumeifter Auner (2Bof)lmuth, früher $erj), Oberlehrer Sunbt (#äuffer). grau Sahn*#auSmann ftattete ihre fchon früher gefpiette Sona Reffet, eine ber urfprüngtichften weiblichen ©haratter* geftatten gbfenS, mit einer güHe eigenartiger 3üge auS, währenb grau ©onrab*Stamlo auS ber fleinen Stolle ber Sina Xorp ein KabinettSftüd natürlicher ©harafteriftif beS rePolutionierenben 3JMbd)enher$enS Poll SBärme, Schneibigteit unb Anmut ju geftatten wußte. Sehr tüchtig fpiette gräulein ©tanb bie grau Konful, eine gute #aut, unb bie Samen SBeiß, #erj* felb*£inf unb Sanjlott ergöfcten burch ihr famofeS Klatfdj^Serjett ber* maßen, baß ihnen noch am fetbigen Abeitb Pon bem „©erein gefchworener 3unggefeHen" ber Statfdj* unb £ratfch*Orben I. Klaffe — an ber 3»ngen* fpifee ju tragen — feierlich überreicht Würbe. Sehr fein empfunben gab grl ffierner bie SRärtha. AIS franjößfche 2uftfpiet*9tobität Würbe noch an einem §unb$tagSabenb bie ©aiHeronfcße „9JtauS" ferbiert, eine ©arifer ©uffier* unb Siebes* gefehlte, beren tieferen Spaß jwifeßen ben 3eilen ju ergrünben, bie fitt* liehen beutfdjen Kater noch lange nach @or, mit einigen fritifdjen ©anbgtoffen auf biefe erfolgreiche SRau«« Bonität jurücf ju fomrnen. ®ie bramatifdjen Schäfereien eine« ©ailleron finb immerhin lehrreich genug, um etwa« länger bei ihnen ju oertoeilen. |hm|rift hi» b«n Jrmrfcr*»* (Beehrte ©ebaftion! Jfta« ©ebicpt „©annonien mein ©aterlanb' macht wenig Hnfprucp auf «7 poetifcpen Sert, mehr auf politifcpe ©ebeutuna. Sie werben un« Deutfdjen Ungarn« einen ©rflberbienft erweifen, Wenn Sie biefen Hufruf, famt ber beigefflgten Hnmerfung, in ber „©efeflfcpaft* teröffeutlicpen. ©annonien mein ©aterlanb. ©annonien, mein ©aterlanb, Umfdplinge mit ber Siebe ©anb HD’ beine Söhne ba! Un« Sitte mach' iw ©echte gleich, Un« HUe mach’ iw @lütfe reiep, $urrap ©annonta! ©om Datrafet« bi« Orfowa Seifet biefe« Sanb ©annonia, 4a« ift ba« rechte Sort! ©annenifd} nennen wir e« froh, Ämeitaufenb 3“b re beifit e« fo, Den fremben ©amen fort! Sploanien, Slabonien ©ereint euch wit ©annonien, ©eicht ihm bie ©ruberhanb! ©omanen, Slaoen, beutfdbe« ©lut, 3pr f*ib ber ©tenfeppeit befle« ©ut, (Euch blühe biefe« Sanb! Säet bat benn Ofen frei gemacht, Ser hat gefiegt in 3?nta« Schlacht? (Ed War ber beutfdbe ©tut. (Errungen hat jurn jweiten ©Jal Die« Sanb be« beutfepen Schwerte« Stahl, Da« treue, beutfebe ©lut. Scr hat oerfolgt bie Dürfen flucht? (E« war ber beutfuf. Sanft«©ottbarb, Sien unb ©iograb Serfünben bie (Srlöfertpat, Die hnnbert Siege fchuf. (Erobert hat bie« ©aterlanb Sothringen« ftarfe Siegerhanb, Saoopen« fielbenjug. Da fühlet Strpab nimmer mit, Der über ßirtenüölfer ritt, Unb feine Schlachten feplug. ©tagparen unb Sumanier ©eherrfepet niept ben ©riet! 3pr macht hier HDe« faul. Sa« ihr in biefem Sanbe preift, Da« fcpuf ja ©Ke« beutfeper ©eifit, ©iept ba« ©iagparenmaul. 3h* beutfepen Stübte, Ofen, ©eff, öewapret eure Sitten feft, Unb eure beutfepe Äraft! ©tongolifcp pat pier feinen Sinn, Drum fort bamit nach Debrejin, #fer ift e« löngft erfcplafft Die Stabt erbaut man niept allein ©fit fflitter unb mit totem Stein: Der ©eift erbaut bie Seit, fioepfaprenbe« ©lagparentum, Sir japlen bitter behten ©upm ©Eit unferm ©ut unb ©elb! ©omanen unb Slaoonier, Sir ©Ile finb ©annonier, Sir paben gleiche« ©edpt. 3m Sanbe leibe niemanb ©ot, ©8 petrfepe Seiner al« De«pot, Unb Seiner fei ber Snecpt. Bufcßrift aus bem SeferfreiS. 647 SRetn beutfcheS Soll id| rufe bir, Xu lebft oon StiemanbS (Knaben tytet 8nf beinern eignen (Kut! SBaS bit bie feeimat tytt tjerfdjafft, ffiar betner nljnen f>elbenhaft, 3(1 beiner Sätet ©lut Xich unterjocht nicht jebet ffiidjt, Xie Äaße frißt ben fiörnen nicht, 9hit immer füljn ooran! Äein ©ßbarite macht bich bumof, Du fdjreiteft im SRagharenfumßf 8«m beutfdjen £)gean! 9tot flimmert fdjon baS SRorgentidjt, ©acht auf! ^eloten finb mir nid)t 3n unferm eignen $au3. SRit ftleiß unb Schmeiß, mit ©tut unb©Iut Crmarben mir ßannonifdj (Kut, Saßt euer SRedjt nicht auS! ©annonien, mein ©aterlanb, Umfdjlinge mit bet Siebe ©anb ®P beine Äinber ba! Un3 8Me madb’ im Steckte gleich, UnS ÄUe mach’ im (Klüfte reitf», Hurra!} ©annonia! Snmerlung. liefet Buruf ift gut taufenbjährigen Seiet ber ©tagßaren ben nichtmagßarifchen ©ölten» „Ungarns' gemibmet Xie Ungarn, in ißrer ©brache SRagßaren genannt, hoben im 3al}re 889 unter ÄrpabS güfirung oon ©annonien, bem heutigen „Ungarn', meldjeS Oon Xeutjd)en, ©laoen unb (Romanen beoöltert mar, ©efaß ergriffen. (Rad) ber (Rieberlage bei SRoßaß 1526 büßten fie, infolge inneren Verfalls, ihre $errfd)aft ein unb trugen 170 3ah« baS Xürfenjodj. ©on (Knaben ber beutfdjen SteicßSannee unb ber beutfdjen Heerführer fiarl oon Sothringen, SRaj Cmanuel Oon ©aßern, (fugen oon ©aooßen erhielten fie mieber ihre ©elbftänbtg« feit, mogu fie aus eigener ßraft niemals gelangen tonnten. — 8He3 maS im mober* nen „Ungarn' Jtultur unb ©ilbung ähnlich fußt, ift beutfcßer Herkunft gum Xante hiefür merben im „Staat Ungarn' beutfdje ©brache unb beutfcße Sitten überall Oer« bringt 3" ©eft-Cfen mahnen mehr a(S 100000 Xeutfdje, bie feine eingige beutfdje Schule befaßen. Ungarn muß mieber ©annonien heißen! XiefeS SofungSmort mirb bie (Kleichberecßtigung ber (Rationalitäten ßerbeifüßren unb baS bebrängte Xeutfcßtum retten. SBenn baS alte unb neue ©annonien ftcß im Umfange nicht betten, fo aut« motten mir barauf: auch baS neue, burdj Siebenbürgen, Kroatien unb Siume oer« größerte Ungarn ift nicht baS frühere mehr. Unfere Stanbarte heißt: Ungarn ift tot, eS lebe ©annonien! ©efa«Ofen, 3»ni 1888. ©uguft oon ber ©urg. €ctoiberting auf bie „Sufdjrtft aus bem Ceferfreis" in fjeft 7. 3on Earlod benft, ift mic oollftänbig gfetÄgiltig, fo gleidjgittig wie bet gange $etr ftaing; ich wiD wiffen, wie fiep ihn ber dichtet baqte. 2>er Sdjaufpielcr fott bei Stillet Qbealift (ein, bei 3bfen Sealift. 3n bie Intentionen bed Xicpterd einbtingen unb fie ooll unb flat bid auf bad lebte lüpfet* epen gum Audbrud bringen, bad ift ber wapre unb einzig berechtigte Sealidmud bed ©djaufpielerd — eined reprobuftioen Jtünftlerd. Ob $ert ffaing alfo an jenen fünfzig ober mehr Abenben ftetd nur „unaufgelegt* war, weih ich nicht! $>ie Häufigfeit biefer Schwäche wäre wohl ein wenig fatal. Aber eined weih ich- Sin Schauspieler, ber feinen Mangel an Aufgelegtheit bei ben Kerfen Schitlerd ober Spafefpeated nicht nach ben erften fünf Minuten oergißt, ber nach einer ©jene ©ötped ober Äleiftd, auf ber Sühne ftepenb, nicht ben Reinlichen Ärger bed Xaged, bie neroöfen Kerftimmungen, benen er audgefept ift, überwunben hat unb hoch über ben Jammer feiner SBirtfepaftäforgen, bed GouliffenRatfcped fich nicht auf ben glflgeln ber Kegeifterang forttragen läßt in bad Sei* ber Dichtung, felbft fortgerifjen, AHed mit fich fortreißenb, ber bei Melcptpald Kachefcpwur, bei Kalentind Xobedfatnpf, bei Someod ßiebedöergweiflung nicht feinen Äopffcpmerg per* gibt, feinen Streit mit bem grifeur, Reinlichen Sotlenneib, unb alle bie taufenb eingebilbeten Seiben, benen ber Mime audgefept ift — wer nicht imftanbe ift, feine erbärmlichen Xagedforgen hinter ber Eouliffe abguftreifen: ber hot feinen Anfprucfj auf ben Xitel Äflnftler, ber ift ein Honb werfet, ein elenber Sanaufe, ber um ben Xagelopn in Äunft arbeitet. 3clbent>aftered §etj für 'EJeutjcplanbS ©röfje unb 9tuhm gefcf)tagen. Stuf ©apernS X^ron erhoben, richtete ber crlaudjtetfte „Xeutfcpe" fein epocfjemad)enbeS SebenSwer! als roaf)rt)aft föniglicper ©ebirmtjerr aller ibealen ©eftrebungen in feiner SanbeSpauptftabt ajfündjen auS, eine gülle oon fünftlerifcpen ©cpöpf ungen über fie ergiepenb, bie beifpielloS in ber beutfepen ©efepiepte. ©S hat nichts ÜberrafchenbcS, jumal in unferer jubiläumstollen 3eit, ba§ fich München oerpflichtet fühlte, bie punbertfte Söieberlepr beS lönig- licpen ©eburtStageS aufs feftlichfte ju begehen. DaS heutige München wollte bamit auSbrücfen, baß ihm ein banlbareS ©erftänbniS für all baS ©cpöne unb ©rofjc aufgegangen, womit ber ftönig Subwig oor $eiten bie ©tabt überreich befepenfte, — befepenfte jum größten $eile unter bem SBiberfprucpe, bem ©pott unb £opn ber bamaligen SJfüncpener, $räp* winfler, SRörgelmeicr, $ebcrfucpfer unb ftompagnic. 2SaS SJiüitcpen burch Subwig geworben ift, ift eS gegen ben Söillen ber SKüitcpenet geworben. 3a, wäre Subwig nicht ber geuerfopf unb bcr jähe, unbeugfame, beparr* liehe Regent gewefen unb juglcicp ber umfichtige SBirtjcpafter, ber mit ben Gingen unb 3J?enfcpen fo überaus gefchicft umjugepen oerftanb, München 650 Sonrab. märe niemals ju bem Nange einer Äunftftabt aus eigenem Erieb unb Vermögen entporgemachfen. ©ollSregiment, bemofratifche ober buteau« fratifdje ^errjdjaft unb bergleidjen Ratten baS alte SNünchen niemals ju einem §orte ber freien Äünfte unb SBiffenfdjaften ju ergeben oermoc^t. ®aS neue SNünchen mit feinen unermeßlichen Sdhäfcen unb feiner beifpiel* gebenben Stellung in ber beutfdjen Äunftgefdjichte ift bie 2Bunbertl)at eines genialen dürften — beS ÄönigS Subttng beS Srften. Eurd) politifdje SNißoerftänbitiffe jut ftbbanEung gelungen, nahm SubmigS Sohn unb Nachfolger auf bem $Ef)rone, Äönig SNaj II., baS SBer! beS SSaterS auf, um eS mehr nach ^ er miffenfchaftlidhen unb litterarifchen Seite meiter ju führen. Sin ju früher Eob fefcte 1864 feinem eblen Streben ein jähes 3icL SNit bem jugenbljerrlichen Submig n., bem pfjantafieoollften unb enthufiaftifchften fiopfe, ben je eine ÄönigSfrone fchmücfte, mürbe bie SebenSarbeit feiner Vorfahren bie glänjenbfte gortfefcung gefunben hoben unb jugletch eine Srgänjung nach öe* mufifaltfd^*bramatifchen Seite, hätte nicht neu auSbre^enbeS Ärähminfelturn unb philiftröfe ©oSljeit bie Sßibet* ftänbe gegen beS Königs ibeale Äbfichten fo maffenhaft aufgethürmt, baß ber junge ftolje fjürft nur noauptftüd ben künftlerfeft* Zug, ber mit einer $utbigung oor bem SubwigSbenfmat auf bem ObeonS* plafce in Änwefenbeit beS königlichen §ofeS unb unter ©ntfaltung alles erbenöichen böfifchen ©ornpeS fließen füllte. $>ie ©egrüßung ber ©brengäfte hn großen ©atbauSfaale burch baS Bentraßomitö (unter bem ©otfifce ber beiben ©urgermeiftet Dr. 3. o. SBibenmaper unb SBilbelm ©orfcht) war in oerfchiebener Jpinficbt febr pitant unb charaftcriftifcb- Bunäcbft batte ber befignierte ©ertreter ber Skutfdjen Äunftgenoffenfchaft in ©erlin bei bet ©tfinebener Zentenarfeier, §etr 9ffabemie*2)iteftor 91. ü. SEBerner, nicht üermocht, bei biefem ©e* 652 Cimrafe. grüfeungSafte gegenwärtig ju fein. S)aS übrige ©erlin hotte eS überbauet im oorauS abgelehnt, fic£> offiziell oertreten zu taffen bei einem f$efte, baS bem größten beutfchen Äunftfürften gemibmet mar: bet öürgermeifter bet SteichShouptftabt banfte für bie bagerifdje Ginlabung mit bem WhtmeiS auf — bie preufjtfdje SanbeStrauer ober fo etmaS ähnliches. GS hätte getoifj bem beutfchen ©eichSgebanlen nicht« gefc^abet unb ber preuftifchen SanbeStrauer (einen Abbruch getpan, rnenn baS offizielle ©erlin fid) bei biefer Gelegenheit ein menig in bie baherifche Wauptftabt bemüht hätte ... 3e nun, bie ©egrüfjung ber Gljtengäfte ift auch ohne ©etliner recht gut beutfch non ftatten gegangen. Sticht nur ber Vertreter ber griechifchen Regierung, §err SlngeloS ©Ia(roc^en. 9ttS ausgezeichneter ©ebner im eleganten unb zugleich feurigen fßlauberftil er« mieS fich ber ©ürgermeifter üon Stthen, Werr ißhilimon, mährenb ber gabrifant ©tief, ©orftanb beS GemeinbebeoolImächtigtensÄoIIegiumö oon Nürnberg, ganz gemütlich in ber SRunbart feiner ©aterftabt mit treff« lichem ^mmot lodlegte zum nicht geringen Gntfeperf jener geftteilnehmer, rnelche ben ^ßrebigerton als bie allein angemeffene ©ortragSmeife ihrer gefchraubten Gentenargebanfen erachteten. GS ift toirdich (omifch, mie bie $>eutfmiegen ton jämt* liehen Deutfdjen: SubmigS Segeifterung für bie beutle Sitteratur unb Dichtfunft Stur ber ©rieche sptplünon gebachte in feinem ©prudje ein* mal ber beutfdjen Seiet, mit ber auch &#nig Submig fo begeiftert gefämpft habe für bie Unabhängigfeit ©riechenlanbS. Dann mar’S mährenb ber ganzen geftgeit mit ber beutfehen Sitteratur öorbei. ©ie epftierte offenbar nicht für bie Sentenarmenfchhrii; fo oft oon Äunft unb SBiffenfd)aft ge* fprochen mürbe, bie $£unft beS SBorteS unb ©ebanfenS lag babei feinem im ©inn. Sin SetoeiS mehr für baS ftfchenbröbeltum, ju meldjem unfere ex officio jubilierenbe beutfehe Äunftmelt bie getftigfte Jtunft oor aßen, bie fchöne Sitteratur, hetabbrüefen möchte. ÄuS bem ^eigelfchen geftoortrage ift fehr oielcS als eine 9lrt gürften* fpiegel bteibenber Srinnerung mert. Diefcr Submig L oon Saperlanb, biefer „Deutfdjefte ber Deutfdjen ", biefet oon Heinrich §eine unb einer ganzen publigiftifchen ©chmierantenßique feiner 3«* fo hünbifch oerbelferte Monarch, über ben einmal bem Säfar Napoleon I. im 3ont baS SfBort entfuhr: „ Qui m’empßche de laißser füsilier ce prinoe?“ — h°f fah burch eine Steüje oon Sharaftereigenfchaften ausgezeichnet, bie ihn freute noch aus ber 3ahl ber dürften gtängenb bmmrtreten laffen. §ören mir, toaS Sßrofeffor geiget berichtet: . . SBährenb Napoleon bie entfeheibenben ©chläge gegen baS alte römifche ftaifertum beutfeher Nation führt, muff ißrinj Submig in feiner ©eburtSftabt ©trafjburg in ber Umgebung SofephinenS meilen. ©chon toar für ihren Sugen beS ^ringen ©chmefter als Staut auSerjehen unb bie baperifchen fochten unter ben frangöfijehen Äblern. Deshalb überhäuft bie ©attin Napoleons ben Prinzen mit Strtigfeit; fie unb ipr §of hui* bigen bem jungen fjürftenblut; Submig barf nur moßen, nur ein menig meniger gerabe fein, unb er ift ber Srfte bei ben glänzenben ©iegeSfeften. 2BaS fagte er ba, fo bafj bie Srgebenen 3ojephüienS, feine ©chmeidjler, 654 donrab. eS hören föniten: ,®aS folltc mir bie teuerfte ©iegeSfeier fein, toemi biefe ©tobt, in ber ic % geboren bin, roieber eine beutfdpe ©tobt fein mürbe!* 3ft baS nicht felbftloS, ebel, gro§ gebaut? „®er Jhronprinj muff, bem ©ater ge^orfam, unter ben gtanjofen fämpfen. @r geborgt unb jeic^net ftcb bei ©ultuSf burtf) Unerfcbrocfen* beit unb Umfidjt auS. Stöer er b°t feine greube an biefem ßotbeer. ©r mu§ hn ©efolge ber franjöfifcben SRarfcpälle in ©erlin einjieben, bod) fein erfter ©ang ift ju ©ebaboro, um eine ©üfte — griebridjS beS ©rofjen ju befteilen; inmitten ber beutfeben 3 err *ff cn ^ e ** un b ©ntmutigung abnt er bie Sßenbe, fafjt er ben ©ntfcblufj, bem beutfdpen ©eniuS einen ©bren* tempel, bie SBalbaHa, ju bauen! „$>en Scannern in feiner Umgebung ift über bem perfönlicben ©or* teil unb über bem ©üblen um bie ©unft beS SlugenblicfS alle politifebe gemfiebt, alles ©etneingefübl entf^munben. ©r allein erfemtt, mer baS Siecht unb bie 3ufunft für ficb tyabe. ®arum fiebt er in ben Tirolern, obmobl fie bie baperifeben Sappenfd^ilber in krümmer f(boffen, nicht f^einbe, fonbern natürliche ©unbeSgenoffen unb münfebt ihrer ©rbebung ©lüd unb ©rfolg! „Unb im ©efreiungSjapr felbft! SBäprenb bie königlichen fRäte auS gurdpt oor bem fiommenben unb in Sfagft um baS ©rrungene oor jebem entfebeibenben ©djritt mamen, fepreibt er febon im ^rü^ja^r, mäbrenb ÜRapoleon noch ©ieg über ©ieg erlämpfte, an ben leitenben SRinifter: ,@S giebt nur ein SRittel, unS bie Sichtung ber Nation mieber ju ge* roinnen: fofort unfere SBaffen oon ber franjöfifcben ©treitmadpt ju trennen!* . . . . 3« raftlofer Xbätigleit fpornte ben Siegenten ernfteS ©flicht* gefübl, jur ©flege ber Äunft brängte ihn bie Neigung beS §erjenS. ®ic Äunft ju fdpüpen unb ju förbem, patte er einft gelobt, ba er als Jüngling in ben ÄreiS ber .guten ©eifter*, ber beutfeben Äünftler in Slom, getreten mar. „. . . Denn ftunft, bie jmar ipr fidjreS (Erbteil broben 3m $immet pat, bebarf, fo lange fie Stuf (Erben gept, beb irb’fcpen ©djufce8 »Opi!" ... „2Bie treu b at cr jenes ffierfpredben gehalten! SBeltbetannt ift, toaS fiubmig I. als ©dbupberr unb Sipofiel ber Äunft getban. dagegen finb bie ©emeife bon feiner ebenfo merftpätigen ©egeifterung für bie SBiffen* febaft fdbmieriger ju erbringen, ©ei allen ©öllern, bie fiep einer hoch' entmicfelten Kultur erfreuen, roerben ^unft unb SBiffenfdbaft* immer ju* 3«t Erinnerung an ba* fiubmiglfeft in 9tflnluSultra*geft, ju bem man §eIlaS unb 9tom ju ©aft bittet — unb ein Jpunbewetter unter aller ftritif, baS ift mehr, als felbft ein gebulbiger ©aber ertragen tann. ÄUein e8 regnete hn Suiri, eS regnete im 3uli, Sag für Sag — unb Eafcengrau wölbte ficb ber iphnmel über ber geftftabt an ber raufeben» ben 3far. ©anje Saratenmälber marfchierten b^tein unb fleibeten bie Käufer in ©rün unb oerbreiteten in ben Strafen einen fo fraftooSen £arjbuft, baft ber Sunft oon ©talj unb Hopfen, Ääfe unb ©ettig nic^t mehr bagegen auftommen tonnte, a0ein ber §immel hing toie ein grauer «Sacf barüber. 3tUeS, toaS man an weiftblauen Sßmqteln unb gähnen unb §ängetücbem, an buntem 3tctrat, an oergolbeten Äränjen, an rot unb gelb bebänberten ©uttlanben unb geftonS, an ©lumen unb Sropbäen unb SBapben unb Sprucbtafcln unb b<>$ragenben glaggenmaften auf« treiben tonnte, würbe herbeigefdjlepbt, um üoU unerfc^ öf>fticken fünftlerifchen SinnS unb GiferS bie ganje Stabt in baS reiebfte unb fünfte geftgewanb ju tteiben, baS fie je getragen — nur ber §immel lieg fidb nicht um» fthnmen unb umfärben. Uber man fab ihn auch taum mehr oor lauter ©om|) unb ©u$. So mochte er benn fchlieftlich ber einige Unfeftlidbe unb Unwirtliche bleiben! ©tan tbat fo aufterorbentlich oiel, ben ©lief Oon ihm abjulenfen unb allen erbenflichen ©eij auf baS Stabt» unb Straften» bilb ju häufen, baft in ber St)at bie §unberttaufenbe oon ©äften, bie jur „(Sentenarfeier" aus allen ©auen nach ©tünchen eilten, überrafebt toaren Oon fo oiel Schönheit unb geftlichteit unb ficb in ihrer frohen Stimmung taum beeinträchtigen tieften, gloffen bie ©ettarqueQen ©tüneftener ©rauer» tunft etwa weniger reich unb erquieftich, Weil ber ^itnntel trübe unb bie ßuft oom ©egen burchfeuchtet toar? ©tit nieten. SaS einzige §ofbräu* ftauö oerjabfte am erften gefttag an bie burftig tohranelnbe unb fchtoär» menbe ©tenge feine 150 §eltoliter — unb bie übrigen Schantftätten blieben nicht jurücf . . . Unb ma$ AätbemeS unb Schweinernes, nach bafuoarifcher ftrt gubereitet, ju bem fchäumenben Sranf beS ©tafttrugeS oergehrt toutbe, foH biefeSmal, nach Suff teil ungen bewährter Statiftifer, alles Sagetoefene überfteigen. So fab man auch, mitten burdj bie ©or» bereitungen jum geft, jraifchen ben ©Sagen OoQ gähnen unb Sannengtün, jtoifchen ben Raufen oon Äränjen unb Samtenbäumen unb Schmucfftücfen an allen ©den unb ©nben, bie ftattlichen, langen ©ierfuhrwerte mit ihrem ferneren ©efpann Sag unb ©acht burch bie Straften fnarren unb raffeln unb hinter ihnen brein riefige ßabungen oon totem unb lebenbigem Schlacht» 658 Conrab. trief), um bie perrlidpe, faftigfte &ßung für ba« Ieiftung«fäpige geftöolt auf allen fünften bet ©tabt bereit ju paben. Hpnungen, trübet al« ba« trübfte Setter, befcplicpen ba ba« §erj be« uteingefeffenen SRwtcßener«: Serben bie gefräßigen gremben ipm iricpt bie beften Griffen megfdßnappett, ipm bie foftbarften ©terqueßen bi« auf ben lepten tropfen au«trinfen? Slber plöplicß gefcpap ba« Sunberbare: ber Sinb fprang um, ber §hnmel peflte fiep über Sladpt auf — unb glänjenber ©otutenfipem Der* golbete ben jtoeiten tM tta 0 : W* 3«« au f Spetcfienmiefe mit bem erftauntidpen geuermerf an ber StupmeSpaße, ju bem man fiep ben berüpm« teften römifepen fßprotecßniler Derfdßrieben patte, naprn ben benBbar feßönften Verlauf. $11« nadß bem mannen monnigen Sage bie SJiadpt ßeteinbraep unb neben ber Stußme«ßaße bie beiben ftoljeften ©auroerfe ÄÖnig ßubnrig«: bie Salßaßa bei 9Regen«burg unb bie ©efreiung«ßaße bei Äelßetm, in feuriger .3eidßnung erftraplten unb po

ofe in ber pruntooßften Seife feine Äuffaprt gepalten unb unter bem roten ©albatpin fßtap genommen patte, Derfünbeten gegen 8ut (Erinnerung an bat Snbwtgtfep in 9Rfind)en. 659 10 Ul)t Kanonenfatoen unb fchmettembe Fanfaren ba« SRahen be« 3 u 9 e8 * bet fchon feit 6 Ul)r in bet grühe in bet ©onnenftraße, am Karl«thor unb ben benachbarten flöhen feine Äufftetlung genommen hatte; et be* toegte fich Durch bie ÜReuhaufer* unb Kauftngerftraße über ben SRarienptafc gegen bie SRefibeng, umfdhritt am ^oftljeater ben 3Raj 3ofeph«pIaß unb münbete bei bet gelbherrnhaße in bie eigentliche geftftraße, bie et bet gangen Sange nach, atn ©iege«thor Jich menbenb, in großartiger ©egen» betoegung burdjgog, um bot bem Subttrig«*Senfmal hulbigenb unter taufenb* ftimmigem ©ang unb Klang unb Kanonenfatoen, unter bem ©ptele bet Fanfaren unb fRegintentölapellen abgufdjließen. ©ine ungegarte SBoll«* menge, mie man fie in SRiinchen faum jemals* gefehen, h^lt bie ©traßen, bie Tribünen, bie öaßone, bie genfter, bie Sächer unb fogat bie Kirnen folgte bie eigentliche Koftibngtuppe: eine ©char aRäbdjen in bet Stacht au« bet ©eburtSgeit be« König« — man glaubte, bie ©ilbetbücher bet Kate ©reemoap lebenbig getootben unb Durch ©traßen flattern. 2ln bet ©pifce befanben fich to« aßetliebfte {Rotolobämchen gu {ßfetbe mit ©tanbatten. Samt laut bet mit Diet ©chimmetn befpaitnte gefttoagen mit bet golbenen SBiege be« König«, Don einem ©tütenbaum iiberfchattet, Don ©enieen umgeben. {Reue Kinbetgtuppen mit Krängen unb ©uhdanben. Unb fo fort! Sie ftubentifche SJugenb Seutfchlanb« au« bet 3eit bet 12 Vol. 4/2 660 Cottrab. ©efreiungdfriege tocttctfcrte in tyiftorifd) echten Xppen 5 U ©ferbe unb ju gufj mit ben guljrleuten, melche u. a. bic ©erfehrdtoeife ber oorcifenbahn* licken 3«t öeranfdjaulidjten; bie groben ©Zünchener ©emerbe ber Stauer, ©fengiefjer, ©olbfdjmiebe, Dptifer, Sudjbrucfer u. f. to. rangen um bie ©alme mit ben ©Zeigern, ©ädern, ©chnapdbreitnern, SBirten unb oer* manbten ©efdjäftdbefliffenen in ber malerifc^en ®arfteHung ihrer dforal* teriftijehen ©efonberheiten auf gefchmüdten, oon ben erften Äunftlern SJZündjend entmorfenen SBagen. ®ie groben baperifchen Äunftfchulen unb ©emerbeOereine, bie Kirnungen ber ©teinmeben unb 3 i mmeT ^ eutc » bie königliche ©tjgiefjerei unb ©ladmalerei, bie ©ereine ber 9Ird)tteften unb Ingenieure, bie Stfabemie ber bilbenben fünfte unb bie Äünftlergenoffen« fdjaft äberboten fith gegenfeitig in formen* unb farbenreichen ©ilbern oon höchfter Jünftlerifcher ©oQenbung. ©ne ber reichften unb eigenartigften ©ruppen bed ganzen geftjuged fteilten Äaufmannfchaft unb §anbel — ed mar eigentlich ein 3ug im- 3 u 9 e . biefe ©pmbolifierung bed £anbeld aller fünf ©bteile oon'ber oerfchmenberifchen ©rächt bed Oriente bid ju ber Ärmfeligfeit ber ©olarbemohnet, oon ber Äatamane in ber SBüfte bis ju bem mobernen ©eefahter in ber beutfehen SDZatrofenjade. Mein ju mannigfaltig mar biefer üppige ©ilberjhftud unb ju ferner ju beherrfchen bad jahlreiche frembe £anbeldüoH mit feinen fömtclen unb ©tefanten, melche ©olb, ©Ifenbein, ©pejereien unb allerlei toftbaren Xanb trugen; bie acht ©efanten, bem ^agenbedfehen 3 ^^ entlehnt, burchbrachen plöhKch bie Drbnung, fcheu gemacht burch ben pfeifenben unb puftenben brachen, ber, eine ©trafjenlofomotioe in feinem fieibe bergenb, fich in ber ©egenbemegung bie geftftrafje in ber ©ruppe ber ©feninbuftrie*®arfteUung heraufmäljte. $)te Äataftrophe mar unabmenbbar. ®ie bichtgebrängte ©olldmenge, oon einer milben ©and ergriffen, h atte noch e h ct <*ld bic armen ©lefanten ben Äopf Oerloren . . . 2JZit ben ©efanten entfeffelte fich auch bie Äritd bed geftjuged. ©löblich gab ed allerlei ju bemäleln: bie ©roperei ber Äaufleute, bie fich ungebührlidh in einem Äünftterfeftjuge heroorbrängten, bie oielen Ochfen, melche bie ©Zeiger gef teilt, als ob bad Äönigdfeft nur ein Mteger ber Ianbmirtfchaftlichen StudfteKung Oon ber Dftoberfeftmiefe märe u. f. m. ©ine ©emerhing mar nicht unbegrünbet: eine Abteilung bed 3 u 9 «ä enthielt bie fogenamiten „3eitgenoffen aud ber Umgebung bed ftönigd", alte ©eamte, Wiener u. f. m., eine anbere Abteilung oon trägem ber SJZobeUe fiubmig* fdjet ©Zonumentalbauten — unb ba fragte einer: §at ben niemanb oon ben geftjugma^em an bie ©Zitatbeiter bed fiöntgd gebacht, an bie Slrchiteften, bie feine oielen ©outen entmaefen unb audgeführt, an bie 3ur (Erinnerung an bat Submigtfeft in Stünden. 661 SWalet, bie fie mit Silbern gcfc^mücft, an bic SBitbfjauer, bie fie mit ©tatuen öerjiert, an bie ©eiehrten unb ©chriftfteller, bie if>m mit ihren gotfchungen unb ©giften an bie §anb gegangen u. f. tu.? SBarum erfuhren alle biefe „guten ©eifter" nicht irgenb eine bilbliche ober wenig* ftenS mfchrifttiche ©ertretung im geftjuge? Diefe ßüde oerbient in ber Dh°t fonftatiert $u toerben. Äber taffen wir bie unglüdlichen (Siefanten mitfamt ben Ärititem laufen unb betrauten toir ben ©c^Iufj beS 3 u 9 c8 - 9tocf) längerer pein* lieber ©aufe toar bie Otbnung toieber ^ergeftellt. Die fd)timmen folgen ber mitben (Jtefanten * ©f>antafie unb bie Drohungen beS woltenfchweren, leicht riefetnben Rimmels tuaren gtücfticherweife boef) hinter ben erften ferneren ^Befürchtungen jurütfgeblieben. Die einzelnen 9Äigtöne erftarben in bem Driumphaßorb ber greube über baS ©etingen eines unoergleich* liehen gefteS ju @hten eines beutfehen dürften, ben mit ben ©apern bie ebelften 3 eu 9 cn tünftlerifcher 2BeItbtlbung unb SebenSoerfchönerung banfbar als ben 3fb)rtgen oerehren. Der §u!bigungSaft oor beS ftönigS 9teitermonument am DbeonSptap — ber Jeftjug hotte faft oier ©tunben gebauert — machte einen über* wältigenben ©inbrud. Unb als mit ben Stanoncn bie ©loden in ber ganzen ©tabt erbröhnten unb weige gah ncn au f allen Dünnen gepigt ttmtben unb bie ßorbeerfränje oor bem ©rjbilbe beS ©efeierten ju Sergen anwudjfen, taufenb Sanner fich fenften unb aus abertaufenb Äefjlen bie ÄönigShpmne erbraufte, ba tonnte man wohl fagen: nie ift ein tönigticher ©chirmherr ber freien Äünfte auf beutfehem ©oben prächtiger unb toürbiger gefeiert worben, als ßubroig I. oon ©atjern am f)unbertften Jahrestage feiner ©eburt Unb nun jurn ©cfjtufe bie fragen, bie fich jebem benfenben Schauer, ber eht .§erj hat für bie oatertänbifche Äunft, unwiQfürtich bei ber ©e* tradjtung biefeS unocrgteichtichen JubelfefteS aufbrängen mußten: SBelchen bteibenben ©ewhm retten ftunft unb ftünftter aus biefer bunten, märchen* haft fchönen WaSferabe, naepbem ber ©mft beS SIrbeitenS unb ©trcbenS hn ftrengen ©(eichmag ber Dage wieber an bie ©teile beS ©pielS mit erhebenben ©rinnerungen getreten? Jft eS wirtlich fo, wie ein ©erliner Äünftter (gelij ©offart) im SBonneraufcf) beS ©antettierenS unb DoaftierenS im alten SRathauSfaal oertünbet hat, bag angefichtS biefeS gefterfoIgS bie Äünftlerfchaft ber 9teichShauptftabt baS Stingen um bie gührerrolle in Deutfd)Ianb aufgiebt unb ndbloS ben üföünchenem bie ©orgerrfchaft im beutfehen Äunftleben jufpricht? f^ühlt fich München ftarf unb wohl* organifiert genug, aus feinen fienben bie Dräger neuer Äunftibeale ju 662 ftteittyaul. jeugen unb fo ftegfjaft ju firmen, bafj fie int SRitbemerbe ber übrigen Äunftftäbte bie ©rften unb Stärfften auf bem Sßlane bleiben? 2)te fiofung tnurbe audgegeben: aUjä^rlicfj in München ein ßubmigdfeft mit einem internationalen „«Salon", mie ihn bie Sßarifer haben, um bie Sntereffen ber beutfdjen, ber europäifchen Äunft ht ber baherifdjen Äunftmetropole ju lonjentrieren! (Sine ftolje fiofung fürmaljr unb ein hohed 3^1, geeignet, jebem raftlod ftrebenben äJtünchener Zünftler bad H er S lauter pochen unb ben glühenben SlidE in eine traumhaft reiche 3 u l un ft Tc^metfen ju laffen! ©lüclauf inbed — ben Sträumenben mie ben SBadjenben, bid mir und beim nächften Submigdfefte mieberfehen. SEBir lieben bie $üh nen unb gurdjtlofen unb finb nicht am menigften jenen ^»ochfliegenben h»lb, melche, mie ber mpthifche SSogel SReropd, bem Himmel bed Sbeald jufegeln, inbem fie ihm trofcig unb fteptifdh jugleich bad humoriftifche Hinterteil juEehren. ©lüefauf! m mm H[a^rtn« Don Hubolf Kleinpaul. (4*iwi0.) L « d giebt eine SEBiffenfchaft, melche fchledhthin bad SSahre, bad ©djic, bad SBirQiche fucht unb bie mörtlidj SBiffenfchaft Dom SBahren, ©Etymologie, in bemfelben Sinne Reifet, mie bie ©ottedgelatyrtheit Xh^ologic, bie fiehre bom SWenfchen Anthropologie, bte SternEunbe (urfprünglidh) Aftrologie genannt mirb — logie ift ja nachgerabe ent reined Suffty geworben, bad bem boranftehenben Stöorte bie öebeutung einer SBiffenfctyaft erteilt, ©ttymon aber eben nichtd anbered ald bad SGßahrc, bad SBefentlidhe, bad Seienbe, bie SBurjel biefribe, melche unferem fein, bem lateinifchen esse, ju ©runbe liegt (ES), danach märe frei* lieh aHed SBiffen, ja jebe Art flennerfdhaft jur ©ttymologie ju rechnen, unb mer ein Staffenpferb bon einem Halbblut, orientalifche Stubinen bon brafilianifcEjen, „©dtyted" unb ^ßatyentyofer, eine Smportierte unb eine Ham* burger 3*9arte ju unterfcheiben müfjte, hätte bad Stecht, ein ©ttymolog ju heilen, er befäfje bie SBiffenfdtyaft bom SBahrett. ©d ift hi«, mie fo oft. ®ie ffiifftttfdjaft Dom fBaljrett. 663 ein allgemeiner Begriff in einem befonberen Sinn genommen toorben unb auf biefem befchränft geblieben. die alten ©riechen, meiere bad ©ort erfanben, faxten ben gtojjen begriff ©aprheit eng ald fprachliclje ©ahr* heit auf, fie Ratten bie Beobachtung gemacht, bah We ©orte im Saufe bet 3eit eine ganj anbere ©eftalt unb einen ganj anberen Sinn an* nehmen, toobutch fie oöllig unfenntlich werben, unb Wad nun wirtlich hinter bem entfteilten ©orte ftecfte, wad fich ihnen wie eine Urlunbe ju einer f^älfchung ju oerhalten fehlen, bad betitelten fie fchlechthüt bad SBahre unb bad ©chte, unter bem ©tprnon oerftanben fie xd ixvfiov xrjg JJ^eug. ©ad Reifst $eud eigentlich? §tmmel; wie fommt wohl bad lateinifchc ©ort Jus, bad fo merfwürbig mit bem franjöfifchen Jus, Bratenfauce, jufammentrifft, ju ber Bebeutung „Stecht"? @d ift ur* fprünglich audgequetfehter Frucht« ober Äräuterfaft, bann bad Stecht, bad Wie eine Ouinteffenj aud bem Brogefj gewonnen wirb. ©elched ift ber wahre ©hm ber ©ilbermunje drachme? ©ine ^anboott. ©ie anbere SDtünjnamen bejeichnete bad ©ort drachme urfprüngtid) ein ©ewidjt. dergleichen Hufflärungen fottte bie ©tpmologie ben Sitten geben unb giebt fie heute noch und; benn bie etpmotogifche Steugier titelt alle SRenfchen, über ben Urfprung belannter ©orte nachjubeitfen, ho* einen grofjen Steij, jebed ©ort ift gleichfam ein hübfehed Stätfel unb bad ©tpmon feine Huf* töfung, welche bie ©ttjmologen um bie ©ette ju finben fich bemühen — nun, Bergteichen, ©etten, Stätfelraten ift Keiner ©eifter ©chweinebraten. kleiner ©eifter? freilich, j 0 meinen biejenigen, bie einer praltifcheren Stiftung angehören. ©d giebt auch fouoeräne Beräd)ter ber ©ttjmologie, benen biefe Strt Unterfudjungen h&hft unnüfc fc^einen, bie fich um jebe anbere ©ahrheit mehr lümmem ald um bie ber Sprache unb oor* lommenbenfaQd ber banalen dhatfache getröften: ed einmal fo. Hber ich möchte nicht fagen, bah fie gerabe bie grofjen ©eifter feien. SRan wirb beobachten, bah Seute, bie fich au d ben überrafchenbften etpmo* logifdhen ©ntbeefungen gar nichtd machen, meiftenteild ungebilbete unb feichte Äöpfe finb, bie überhaupt nicht gerne benfen; bemt wer benft, muh fich fü r ®üige intereffieren, bie fo eng mit bem denfen felber jufammen* hängen, ©orte ftnb Begriffe, in ben ©orten fteeft eine gewiffe Bhü° s foppie, bie Sprache ift, wie ©ithetm oon Jfjmmbolbt fagt, eine ©eltanfidjt — biefe ©eltanfi^t fudjt benn ber ©tpmolog im ehtjelnen ju erfennen unb aufjufchliehen. Sebermann befennt fie eben, inbem er fpridjt — ba auherhatb ber Sprache gar fein ©ebanfe ift, ba jebwebe ©iffeitfdjaft, fie möge §et§en, wie fie wolle, ber Sprache bebarf, um überhaupt jum Stud* bruef ju gelangen, fo lann man auch f®9 e u, bah jeber ©eltweife, nodj 664 Jtleinpaul. ehe er feine eignen Definitionen macht, bereits in feiner Sprache ein ganzes ©Aftern bon Definitionen mitbringt, bie bor if)m baS ©otf ge» macf>t t)at (Sr muß fie forttoa^renb tmplicite »ieberfjolen, er tann nic^t anberS, toenn er fid) ntd}t eine eigne, neue ©brache erfinben miß. Datier benn ber Siffenfchaft bom Sahren niemanb, niemanb entraten tann, offne gebanfenloS ju fein — SInfchauungen fort unb fort öorjutragen unb öffentlich au&jufprechen, bon benen man gar nichts »eiß, ift bodj »apt* lieh nicht minber leichtfertig, als äße SlugenbUcfe ein unbefannteS unb unoerftanbeneS Credo Ijerjufagen. (SS ift beSpalb hn höchften ©rabe anjuerfennen, baß fchon unfer Urbater Sfbam im ©arabiefe eine (Sttjmologie jum beften giebt, toenn fie auch nicht ganj richtig ift, unb fich baburch als einen benfenben Äopf unb als einen ßftann ertneift, toie bie 3nb ogermanen ben ßßenfdjen nen* nen; übrigens finben fich » ber ©enefiS mehrere Söeifpiete ber Siffen* fdhaft bom Sahren, namenßieh »erben gerne bibfifchen ©erfonen etpmo* togifche Sortfpiele mit üftamen in ben SBunb gelegt (ßloah, Abraham, ©ata). „3Kan »itb fie SRännin heißen," fagt ?Q>am, „barum bafi fie bom Spanne genommen ift" — juft »ie ber galante Deutle: „man »irb fie fjrau heißen, barum baß fie eine Docfjter bet greube ift: Surcb oröube oroutoen ftnb genant, 3r ocBube erüröumet eUtu lant. SBie wol et Btöube fante, Ser fie ftrfte otonwen nante! — lautet ein ©prud) ^reibanfS. 9lun, ber mittefhodhbeutfehe Dichter h Q t »trflich nicht fo unrecht, »ir »erben fpäter barauf jutücffommen, bei ©ater 2tbam rft bie ©ache mehr afS jtoeifethaft. Suther had latemtfche Homo hat man fchon in alter 3«t üon Humus, @rbe, ableiten wollen, inbem man und, im ©egenfajje ju ben §immeldbeWohnern ober ben Göttern (Caelites), old bie ©rbbewohner, bie hienieben ihr Srot effett, mie §omer fagt, betrachtete. ®ad fthnmte vortrefflich z u bem ^Berichte ber ©enefid, nach welchem ber SRenfd) aud einem ©rbenHog gemacht Wirb — wenn bad nicht felbft eine etpmologifche, eben burch ben ©leid)* Hang öon 9bam, SJienfch, unb 9bama, ©rbe, beranlagte (Sage ifl $enn fchon Quintilian macht fich über bie ©tpmologie luftig, bie Homo t)on Humus fonunen lägt — etiamne hominem appellari, quia alt humo natus? Quasi vero nou Omnibus animalibus eadem origo, aut illi primi mortales ante nomen imposuerint quam sibi? — 3ebenfaHd ift bie Serwanbtfchaft ber beiben begriffe nichtd weniger ald audgemadjt, unb wenn wir ben Namen 9b am erHären Wollen, fo wirb und nichtd anbered übrig bleiben, ald ed mit bem Iperm fßaftor ju halten, ber feiner ©emeinbe mitteilt, bag berfelbe eigentlich Ach b.u armer Jlenfcg! bebeute. 2Btr haben in ben europäifchen Sprachen fo viele alte, wichtige, grunblegenbe Sßorte, beten Urfprung und oöHig unbefannt ift; bad SBort fprechen felbft, ohne r: fpedjen, englifch to speak, bilbet für ben ©tpmologen noch Siatfel: bie germanif^e SButjel fteht allein wie ein ginbelfinb, fie hat augerhalb leine glcichbebeutenben Serwanbten, ihre ^erhmft ift bunfel wie bie Äafpar ^aufetd. ®ad englifche to beg, betteln, unb beggar, Settier, hat man vergeblich mit bag, Settelfach bem §auptgeräte ber Settlcr, unb mit ben Seghinen unb Segharben, ben Srübergemeinben bed XH. Sahrhunbertd, ht ßufammenhang gebracht, bie Ableitung bed SBorted bleibt aber unb abermald zweifelhaft; fein SNenfdj Weig zu fagen, warum ein Slonblopf Slonblopf ober Warum ein Äagt* lopf in ©nglanb Baldhead hctgt 2)er Steutfcge trintt feinen Sft^cin* wein aud Nömetn, ohne zu erfahren, woher fich biefer 9udbrucf fcpteibt; ber Neapolitaner igt feine 2Jfaccaroni, unfunb, Wad er igt. SNan fieljt nur, bag bad SBort ein fßturat unb eind mit SRalrone ift, alle übrigen Seziehungen finb zum minbeften zweifelhaft. SSte ht aller SBelt ift bad Wunberliche SSort Nofolo entftanben? Sollte ed wirflich auf bem fron* Sie XBiffenföftft botn ©agren. 667 ißftfdgen Roo fugen unb eigentlich gefö unb ©rottenwerf bebeuten? SGBeSgatb nennen tmt einen gelehrten ©tubengocfer einen Äalmäufer? ©oUte eS wirflich eine SSerftümmelung non Äamalbulenfer fein? SCBeS* halb reiben bie ©tubenten auf ihren Äommerfen einen ©alamanber? — @8 finb gerabe bie Reinen, trioialen SRebenbinge beS täglichen hebend, »agre Sappalien, bie betn ©tgmologen bie grögte Slot machen Rinnen, »eil fie oft unberechenbaren gufällen ihre Slawen nerbanlen unb noch ba$u mit frembem Äram unb Ritter aufgepugt finb. Unfer beutfcgeS Falbel ift aus bem franjöfifcgen Falbala gefloffen; »ober haben aber bie Sumpfen biefeS SGBort, baS aus ber 3 c *t ßubwigS XIV. ftammt? ©3 »tri) erzählt, ent gürft fei burch baS Palais de justioe gegangen unb habe bie nieten SGBaren angeftaunt, bie früher bort feilgehalten »urben. „SGBaS befonberS merlwürbig ift," meinte einer aus feinem ©efotge, „bag man nichts netlangen latm, »aS man nicht auf ber ©teile betäme, mag bie ©a h«&t lucus, »eil er nityt luous ift, bah h^&t, »eil er nityt hdt tft (non luoet), »obei ju bemerfen »äte, bah htrc nur bie ©rücfe, bie non einem ©egtiff jum anbern führt, ungeftyicft angelegt ift, inbem Luous »hrötty a luoendo fommt: eS h«ht eigentlich eine Sitytung, bann, »eil bie Sitytung beS SBalbeS oft mit religiöfen 3eremonieen nerbunben »ar, ein h«ütger Ipain. 9taty bemfelben Sßrinjip hat ©rifaan oanis, ipuitb, a non oanendo, »dl er nityt fingt; bellum, Ärieg, non bellus, ftyön, »eil ber Ärieg nitytS ©työneS ift (quia minime bellum), unb dn tynftlityer 2tyeolog baS SBort Religion non ben ©anben (religamina) abgeleitet, non benen uns ©fjriftuS frrigematyt hot — unb fo ift mantyem ©eutftyen in SGBelftylanb baS italieniftye oaldo, baS „warm" bebeutet, als dne offenbare Sinti* pprafiS non unferem lalt erftyienen. 2)iefeS ^rinjip eines ©egenfimtS, in weltyem §err Dr. 6arl Slbel ein ©runbgefefc beS menftylityen 2)enfenS erfannt ju haben glaubt, ift gewih nityt ohne weiteres non ber §attb ju weifen; berat nityt nur, bah bie ©egriffe ptn unb »ieber -non felbft ins ©egentril umftylagen — nityt nur, bah «n „ungaftlityeS 3Äeer" im Saufe ber 3«t unb burty ben Umftywung ber ©erhältniffe ein Pontus Euxinus »erben fann — eS Iaht fity auty nityt leugnen, bah bie SKenftyen in 670 ftleinpaul. emseinen fallen mit ©ewufjtfein baS ©egenteil bon bem fagen, WaS fie benlen, fo namentlich in bet Sronie unb im ©uphemiSmuS. Semt in bet heiligen Schrift mehrmals „fegnen", hebtäifch barak, füt „fluten" unb „täftem" fteht; wenn baS latetnifd^c sacer, heilig» man benfe an SBtrgild: auri saora fames! — ben ©inn bon „betflucht" amtehmen famt: fo läfjt fich baS butdh eine fpoittane ©egriffSwanbeiung etfläten. Senn abet bet ©rieche bie SRachegöttinen: ©umeniben ruft, ober toenn bet {Römer „ein Dpfertier fchlachten": „eS bethettfichen" (maotare), „ent Opfer betbtennen": „eS gtofj machen" (adolere) nennt: fo werben hier abfichtlidh unb mit ©ewufjtfein ÄuSbrücfe gewählt, bie ben $hatfad)en nicht entfprechen. Snbeffen finb biefe antifen ©uphemiSmen, bie bon ben tttten füt äntiphrafen gehalten würben, unb bie bod> im ©tunbe nur eine Slrt Schmeichelei barftellen, wie bie Sroitie auf einem feinen ©pott beruht, mit grofjer ffiorficht aufsunehmen: felbft wenn fie nicht anberS sn etfläten finb, fo beweifen fie bod) ftreng genommen nichts für baS ^rinjip bet SlntiphrafiS, ba betfenige, welcher fie braucht, recht Wohl weif}, was et fagt, nämlich eben baS ©egenteil bon bem, WaS et benlt; bie Sorte mithin ihre eigentliche ©eltung gar nicht betloten hoben. StUeS ift mit ©orfidjt aufsunehmen, WaS bon ben Sllten fommt. Sn ben tömifchen Äatalomben unb fonft finb häufig ©tabplatten mit gufj* ftapfen gefunben worben; eine fotche befinbet fich jurn ©eifpiet in bem befannten förchtem an bet appifchen ©trafje Domine-quo-vadis. ®et italienifche ©eiehrte ©olbetti glaubt in ben gufjftapfen ©pmbole beS ©e* fifceS unb bie Hn^eige su erlernten, ba§ bet ©egräbnisplafc läuftich erworben wotben fei liefet ©taube ift Wieberum auf bie falfche ©tpmotogie beS alten Sunften ©auluS gegtünbet: Possessio = Pedis positio. ©o gut fidh biefetbe su unfern eignen IRechtSaltertümem f^icfen würbe, aQwo „auf ben gujj treten" ein 3«$«* bet ©efifcergreifung unb bet angetretenen §errfchaft ift, fo toetwetflich etfcheint fie boch im Sichte bet mobetnen ©pradjwiffenfchaft (possideo = por-sedeo, bet ©egtiff beS ©eftfceS geht, wie bei uns, nicht öom treten, fonbem oom ©ifcen aus). Übrigens gehört baS Sott ftatafomben su ben etpmotogifch unerhörten Sotten; bie ©elehtten hoben eS boreilig aus bem ©riedfifchen gesogen unb bie {ßräpofition xard su hören geglaubt, bet Sßabre ERarchi holt eS fogar für halb griechifch unb halb lateinifch unb für eine 3ufammenfebung mit bem ©erbum oumbo, fich uieberlegen; baS würbe swat fehr gut su bem StuSbrucf Coemeterium, ©chtafftätte, paffen, mit Welchem in ben romanifchen Sprachen bis heute ein SKrchhof bezeichnet wirb, fdjeint aber fprachlich nicht jutäffig su fein. $ie flHffenföaft mir {Balten. 671 Statürlity; bie (Etymologie ift eine flunft, bie gelernt fein Drill unb bie eine tintige änftyauung Don bem Sßefen unb bem Seben ber ©pratye überbauet DorauSfept — eine foltye bat fity eben erft in unferem 3ab r ' bunbert ©ahn gebrochen, ©ie ift bie ftunft, ein gegebenes SBort auf feinen Utfpnutg jurücfjuführen; bieS gefcbiebt nach beftimmten Siegeln, Don bencn bie alten (Etymologen noch gar leine Stbnung batten, ©ie taugten noom unb ber pottugiefifdhe Xitel Dom. @8 liegt in ber Katur ber ©ache, ba& eine foldje einfeitige ©leichtst nicht genügt, fonbem allein bie gleichzeitige Übereinstimmung in ©egriff unb Saut eine Garantie für ben 3 u fammenhang gewährt. Unb jwar mu| bie Über* einftimmung eine abfolute fein; bie geringfte Hbrneidjung nach ber einen ober Set anberen ©eite hin hebt, wenn fie nicht erHärt werben lann, ben 3ufammen^ang ebenfo fidler auf, wie ber gröbfte Unterfdjieb. X)a8 fielet unfer (Stpmolog Wölfl ein; aber eS lommt ein neue* SRotnent ^tnju, baS ihm feine Aufgabe abermals erfchwert. ©owohl bie Segriffe als aud) bie Saute unterliegen im Saufe ber 3eit mannigfaltigen SRobififationen, fie werben bis jur UnlenntlidEfleit entfteHt. ®er ©egriff „©ad" oerwanbelt fich (il saooo di Roma) in ben ber „Sßlünberung", ber ©egriff „§errin" oerwanbelt fid) in ben eines „untertfaltnen grauen* jimmerS" (Mattresse), auS bem „ruhmreichen" ©lawen Wirb ein „©Habe", fdfon oben erwähnten wir, wie baS lateinifd^e saeer, fettig, ben ©inn bon „berfludht", baS l>ebräiftf;e barak, fegnen, ben ©inn bon „täftern" angenommen ^at. SBaS bie Saute anbetrifft, fo grenzen bie SRetamor* Phofen oft ans Unglaubliche; bon bolltönenben ©olabetn bleibt gelegentlich nur eine einzige arme ©ilbe übrig, oftmals wanbem fie wie bie Slpritofen in bie gerne unb lehren bann gebräunt unb mit arabifdhen Hrtileln belaftet ins ©atcrlanb jurüd. (SS ift alfo möglich, baff allmählich ein Unterfchieb herborgetreten ift, wo ursprünglich böllige (Gleichheit ^errfc^te; unb baff aHerbingS jwei SBorte, Welche nur bem Saute ober nur bem ©egtiffe nach übereinftimmen, etpmologifch jufamtnenhängen, eS lamt ja bie Übereinftim* mung ursprünglich auch begrifflich, auch lautlich beftanben haben unb nur nadhgerabe berwifcht worben fein. Umgelehrt ereignet eS fid) auch, bafj jwei bon §auS aus grunbberfdhiebene SBorte im Saufe ber 3eit, infolge berfetben SRobifilationen, fei eS bem Saute, fei eS bem ©egriffe nadj, cinanber ähnlich werben unb bafe fich bie Ungleichheit berwifcht: in biefem gaHe entfteht wieber ber ©chein eines partiellen 3ufammenhangS unb bie Suft, benfelben mit §tlfe lühner Kombinationen boHftänbig ju machen. XaS finb bie gefährlichen Klippen ber ©tpmologie — bie geiftreidhften ©ermutungen ohne erbrachten ©elbigfeitSnadpoeiS haben gar leinen SBert — ber SRadjWeiS fchehtt fo leicht ju führen unb wirb hoch oft fo fdhwer. gür gewöhnlich ift nun ber (Sang folgenber. 3 loe i SBorte ftnb Sie ®iffenf#aft ootn Sagten. 673 lautlich gleich; biefer ©leityflang, felbft wenn er nicht Dollfontmen ift, bat etwas ©eftetyenbeS — man ^alt eS für freier unmöglich, bah biefe 3wülinge nicf)t jufammengehören foUten. Stuf gut ©lücf beutet man alfo einen ©egriff aus bem anberen unb menn bie ©egriffe nicht wollen, erzwingt man bie togiftye Harmonie unb baut eine ©rücfe über bie tiefften Abgrünbe hinweg. Unb bo(b ift ber ©runbfafc falfcb, bah ber lautliche ©leityflang irgenb etwas beweife — er beweift nicht einmal etwas bei ©orten einer unb berfelben (Sprache, DoUenbS nichts bei ©orten Der» ftyiebener Sprachen, baS geht eben barauS herDor, bah fity bie ©egriffe um feinen ©reis oereinigen taffen. Der 3ufaÜ fpielt in ben Sauten ber menfcbticben Sprache oft gerabeju wunberbar; unb wenn auch ^gegeben werben foU, bah ein unb baSfelbe ©oll benfelben Sautfomplej nicht Don Domherein auf jwei Derfchiebene begriffe übertragen werbe, weil baS gegen ben 3wecf ber Spraye fei: fo ift hoch fieser, bah in einer unb berfelben Sprache, infolge lautlicher Alterationen, bei grunboerfchiebenen ©orten ein abfoluter ©leityflang entftehen fattn, benfen wir nur jum ©eifpiel an fein [©ott] unb [gut] fein, an meinen [©ruber] unb [eS gut] meinen, an [ebten] ©einen unb [taut] weinen; ©ölfer, bie gar nichS Don einanber wiffen, mögen unjähÜ9 e,na f in ty 1 * 0 Sauten jufammentreffen. 9J2an fagte Don bem Automaten Äing-gu, er fei fein Orientale, foitbem ein SJianbarin; wobei man anbeuten wollte, eS fei ein 3)2ann barin. 3a, ift beim etwa ben Sauten nach ännjtyen bem portugiefifty*chinefifchen Xitel SRanbarin unb ben beutftyen ©orten: 9J?ann barin ber geringfte Unterftyieb? Älingt etwa Äanjleifefretär Diel anberS als ©an$»teife»fräht«er? 3ft etwa baS ©ortfpiel, mit welchem bem §umoriften Saphir Don feinem SRietSmann gefünbigt warb: Judicium = 3ub i gity um, unb mit welchem er bemfelben bie (Erlaubnis jum Umjug gab: Officium = D Sieh gielj um! — nicht richtig unb wohtgetungen? — ©er fennt nicht ben geiftreichen Apolog Don bem Apfel, ber eine ©ftaume liebt — bie ©flaume erhört ihn nicht unb fagt: Neapel — ba ftylägt fity ber ÜRufjbaum ins ©littet unb rebet ber ©flaume ju, worauf er bem Apfel bie Nachricht bringt: SeDilta! — Unb boch wirb fein Derftänbigcr SRann an einen etymologiftyen 3ufammm* hang jwiftyen Neapel unb nee Appel ober jwiftyen SeDilla unb fe witt ja benfen. ©leitywoht mögen bie meiften geljfe*» bie in alter unb neuer 3eit Don ben (Etymologen begangen worben finb, gerabe auf ben Xrug beS 674 £Iein$au(. @leid)flang8 jurütfjuführen feilt. $D?an {amt eS bett SRenfcijen titelt ein» teben, bag jtoei ©orte, toetd^e ähnlich Hingen, nid^t auch etwas ähnliches bebeuten unb aus berfetben Duelle ftammen foKen, unb baff wir nicht mehr hn ^ettalter bet ©urjeln leben — eine jufättige Ipomonhmie be» fthnrnt ben gewiffenhafteften Sßriefter, ein Sßaar ju trauen, ohne bag bie ©apiere in Dtbnung finb, wie ein nicht ntinber jufäHiget Slftgton fdjutb fein fann, bag er orbentlid^e Seeleute mit Unrecht fdfjeibet. SRaja, SJtaja! 3)ie ganje ©ett mit allen ihren ©rfchehtungen ift eitet Xrug unb ©djem, unb nur wer ben trügerifchen ©dreier hebt, befifct bie ©iffenfdjaft uom ©aljren. 2)ag ©orte öerglichen werben, beren ©egriffe ibentifclj finb, bie aber lautlich böQig auSeinanbergehen, ift ber fettenere, obgleich aud) nidjt unerhörte gatt; in bemfelben befanb fid) pm ©eifpiel ber berühmte SDJSnage, als er baS fpanifdje alfana bon bem lateinifd^en equus ab» leitete, weil beibeS „©ferb" bebeutete, unb aus equus ber SReipe nach aquus, auaquus, fanaeus u. f. W. Werben lieg. Jpier Wirb ben Sauten ©etoalt angetan, eine $ette bon SRittetgliebem wiflfürltch geraffen unb mit ©eracljtung aller Sautgefepe ber Übergang erzwungen — l’etymo- logie, fagt ©oltaüre, est une soienee, oä les voyelles ne valent rien et les oonsonnes pas grand’ohose. freilich finb bie ©prünge, welche bie ©orte in ihren formen madjen, oft bijarr, unb bem Unein» geweiften mag eS flehten, als ob fid) gerabeju alles aus allem machen liege. ®emtoch t)at aud) ber Sautwanbel feine beftimmten ©renjen, er erfolgt nad| gewiffen ©efepen, bie gleich SJfaturgefepen würfen unb bie für jebe einzelne ©pradje befonberS ermittelt werben müffen; ^ier tann biefer, bort tarnt jener, aber Ijier nur biefer, bort nur jener Saut aus einem gegebenen Saut entftetjen; regellofe ©Ultür ift bei ©udjftaben, bie mit unerbittlicher deutlichteit auf bem Rapiere haften, noch fühlbarer als bei ©egriffen, bei benen ©ip unb 2)toinationSgabe über manche ©chwierigteit hmwegjuhelfen fdhehten, gerabe bie unfritifdje ©epanbtung ber Saute hat bie ganje etpmologifche Äunft in HRigfrebit gebracht. ©aS oerleitete baju? ©ben ber ©runbfap, bag bie begriffliche Übereinfthnmung für ben 3ufammenhang 5Weier ©orte beweifenb fei — ein ©runbfap, fo falfct) Wie ber, bag bie lautliche Übereinftimmung etwas beweife. ®emt Wenn man auch abermals jugeben will, bag ein unb baSfelbe ©olf für einen unb benfelben ©egrtff nicht öerfdjiebene ©orte erfinben werbe, fo tömten boch im Saufe ber $eit berfdjiebene Änfdhauungen ju bem gleichen Stefultate führen unb wie tiorhin biefelben Saute, fo aud) biefelben ©egriffe aus oerfdhiebenen Duellen fliegen: erft redht bei öerfdfjiebenen ©öltent, bie Sie ffiiffenfdjaft turnt Sagten. 675 überhaupt nicht biefetbe ©ptache tebcn, menn fie gleich biefelbe Vernunft unb biefelbe »Bitbung ^oben. ©äre baS nicht fo, fönnten bie Sttenfchen nicht biefelben »Begriffe auf Derfdhiebene Strt auSbrücfen, fo mürbe eS eben gar feine Derfchiebenen ©praßen geben. $>ie befc^ränften Änfidhten, toeldp bie alten Stpmologen übet biefe Derfchiebenen ©praßen unb »Bölfer unb ihre ^iftorifc^en »Bejüge Ratten, unb bie jum $eit eben eine fjolge ihrer unorbentltcf)en ©ptachftubien »Daten, traten baS S^rige ^inju, eine gefunbe ©tpmologie nid^t auffommen ju taffen. @S teuftet bodh ein, baff bie Sinnahme eines grernbmorteS bon ©eiten einet Nation ein Keines tjiftorif^eS f^aftum ift, baS mit bet Qk- fc^id^te im aKgemeinen, ben ©anberungen unb VanbetSDerbinbungen bet »Bölfer hn (SinKang ftetfen mufj; unb baf} eS, ganj abgefehen Don bet fot= mellen Stidjtigfeit, auch einet äufjeten ©ahrfcheinltcf)feit bebatf, um bie Verleitung eines SBotieS aus einet ftemben Sprache ju begrönben. ©enn idf jum »Beifpiel meifj, ba§ bie ^ß^önijier jatjlreid^e Sheberlaffungen in ©pa* nien gehabt paben, fo mirb eS auch angängig fein, fpanifd^e Ortsnamen aus bem ^^önijifd^en ju erKären; ich toerbe eine p^önijifc^e (Stpmologie leistet anne^men, menn eS firt unb ber grofje ©prachentreiS, ben man als inbogermanifchen bezeichnet, nod) nicht entbecft; bielmehr ^ielt man fid) an bie ©tammeSfage bet §e» btäet übet bie ©djöpfung bet etften SRenfcfjen unb beten ©erteilung übet bie Ctbe. ÄIS bie Urfprache beS SRenfdjengefchlethtS, bie im ißarabiefe gefprochen fei, befrachtete man baS §ebräifche,' bemnäcpft tarn baS ©rie* chifcpe, benn bidjt h^tet Jporner foUte bie Stege beS SÄenfdjengefchtethtS geftanben tyiben. ÄuS biefen beiben patriarchalifchen alten ©praßen, bet hebtätfchen unb bet griedjifchen, waren alle übrigen gefloffen; fcEjon baS Sateinifche entfprang auS biefen Quellen. @8 lam ben (Etymologen früherer Sahthunberte nicht batauf an, baS ©erburn amare, lieben, auS bem hebtäifchen Sott für „SÄutter" (Em, Am am, aftyrifty Ummu) herjuleiten, »eil SKutteriiebe bie wahre Siebe fei; unb 3uliuS ©äfar ©caliget jeigte, bafj puloher, fdjön, auS noXvxeiq, oielhänbig, ordo, Otbnung, auS oqov 6(5, fe&e eine ©renje, entftanben fei — wenn et noch astrum, ©tern, ober thius, Oheim, als griechifche ffrembwörter gebranbmarft hätte! Denn ba hätte et aÜetbingS recht gehabt; baS ©rietyifche war be» famttlich SRobefpradje im alten SRom, wie bet uns baS ffrarijöfiftye, unb baS griechifche &elog, italienifd) zio, ift genau fo mS ßateiniftye gebtungen, wie baS franjöfifche onole ins Deutfdje. ffür bie mobemen 3biome waten jene beiben alten QueHenfpratyen natürlich «4* recht mafegebenb. SRut burch folche ©efitytspunfre wirb eS oerftänblity, wie ein ^tetbinot auf bie 3bee tarn, alle franjöfiftyen Sorte erft bon griedjifchen, bann bon hebräifdjen Sutjeln abjuletten; was Joachim Sßerion, was ^enticuS ©te» phanuS, was anbete franjöfifche ©eiehrte über bie ©erwanbtfchaft ihrer ©prache mit ber ber §eüenen patriotifch fabeln tonnten. DaS griechifche detnveiv war offenbar baS franjöftfche dtner, nlyooeiv — Messer, fttelög = moelle, itaQeaig — paresse u. f. ». u. f. w. Buch bie italienifchen unb fpanifchen ©eiehrten betrachteten baS ©rietyifthe als eine gunbgrube beS unlateinifchen unb fteHenweife felbft beS latemifchen DeileS ihrer ©prache. Die berittenen unb mit Sanken bewaffneten fRinberhirtett ber römtfehen (Sampagna führen ben tarnen Butteri, berfetbe wirb auf griechifch ßo*W, Jpirt, ja, auf ßovg, 8 tinb, jurüctgeführt Calma bebeutet in ganj ©übeuropa „SRuhe" unb „Sinbftiße", angeblich auch W* „h c *fe € DageSjeit"; SRuratori jieht baher baS romanifdhe Sott auS bem grie* dpfdjen *av(ia, ©ranb, $tye, ©omtenhtye, »eiche lefctere freilich nötigt, ©Ratten unb fRuhe aufjufutyen, unb felbft oon einer fdjtoülen ©tiHe be* gleitet ju fein pflegt. 3a, ber gtojje Dizionario Oon Dommafeo unb Die ffiiffenföaft Dom Starren. 677 ©effini, ber afferbingS etpmologifch gar nichts wert tft, fügt hmju: eS möchte wohl burch WetathefiS aus griedjifdh fialaxia , Seichheit, tote forma auS poQaupt. 3ugleüf) nahm er bie Deöife an, bie unter bem §etmfcf)mucf ftanb: 3te (SingangS ermähnte Verleitung beS ©amenS grau ton freuen ift ein ©eifpiel foldjer tolfsthümlichen Deutung ht ber mittelhochbeutfchen fßeriobe. $)er lautliche SInflang, bamalS noch toHfommener als jefct, fälfehte ben mähren 3 u f ammen h an 9 öeS SBorteS, meines ben ©egriffen beS grohfinnS unb ber greube mirflich nahefteht, junädjft aber „Verrät" bebeutet, bem lateinifchen Domina, italienifch Donna, frangöfifd) Dame entfprechenb, unb erft auS ber „Verrät" heraus ju einem Xitel beS SSeibeS gemorben ift ®ie grau ift bie grohe, froh ober bebeutet urfprünglidj nicht fomohl „heiter", als tielmehr „milb" unb gnäbig", unb menn ein alter Xeutfdjer fagte: „SKeine grau", fo mar baS fotiel mie: „Siebte ©näbige". £>aS SfoSfulmunt ift Frö, nach unferer Schreibmeife groh, altnorbifdj Freyr: fo nannten unfere Sthnen ben Sonnengott, als ben frohen, ntilben, gnäbigen ©ott unb Verm; befamttKdh h*e| auch t^rau, altnorbifch Frey ja, eine frohe unb frohmachenbe, liebe, gnäbige VräratelS* göttin. ©S hot baher einen tiefen Sinn, ton ber „gnäbigen grau" gu reben, unb eS ift gang richtig, menn mir bei „grau" mehr an bie SEBürbe ber VauSherrht, bei „SOBeib" mehr an bie gefchle^tlichen gunftionen benfen. XaS „SEBeib" ift bie Femina, bie ©ebärerin ober bie Säugerin, baS fßarticipium HKebii ton feo. Xer gnquifitor gafob Sprenger, ©erfaffer beS „VejenhammerS", braute eS im XV. gahrhunbert fertig, baS lateinifche Femina ton feie minus, meniger mert als eine-Äafce, abguleiten. Stuf biefe SBeife terfteht man erft, mie in chriftlithen Seiten bie S)ie ffitffrnfdfäft Dom ffial)rtn. 679 SDtutter ©otted fd^lec^t^tn grau, unfere Siebe grau genannt worben ift; au<$ Fro bat nicht nur für ben beibnifeben Sonnengott, fonbem aud) für ©ott ben §erra, ben c^rifttid^en Kyrios gegolten, gronleicbnam ift foöiel wie: bed Herren Seidjnam, lateimfd) Corpus Domini. Übrigend mürbe bie SDtilbe unb Sanftmut unferer Sieben grau rec^t gut zu einem £emtinud technicud ber romamfdjen $üd)en paffen, ber auch in 3)eutfc^= Ianb eingebürgert ift, zu bem Audbrucf Bain-marie. SBenn bie ^Berliner Äöcbin einen $opf in ein SBafferbab ftellt, bad beijjt, teenn fie bad ©efäß nicht bireft über« geuer, fonbem in ein anbered ©efäb fefct, bad mit fiebenbem SGBaffer gefüllt ift, fo nennt fie bad ein Bain-marie. ®ie ®e« lehrten haben bad aud Balneummaris eröären wollen, aber ed ift möglich, bafj bad SBolf 5Recf>t bat, .wenn ed in ber Sanftheit biefer ©r* marmung bie Art ber ÜDfotter SDtaria ju ertennen glaubt SGBenigftend bat ed ben Sitträ auf feiner Seite. 5)ad SBolf würbe ben ©elebrten jebnmal htd ©efidjt lachen, wenn ipm biefe eine febwierige ©tpmologie empföhlen ftatt einer anbem, bie fo nabe ju liegen febeint Sizilien würbe bid in bie neuere $eit eingeteilt in bad Val di Mazzara, bad SBeftftücf; bad Val di Demona, bad Storboftftücf; unb bad Val di Noto, bad Süboftftüd. SBenn man nun, wie ed gef (beben ift, ben Sizilianern einreben wollte, baf} bad Val in biefen ^Bezeichnungen nicht mit Valle ibentifcb fei, weil bie brei ®iftrifte gar nicht auf natürlichen Abteilungen bemben, baff oielmebr bad arabifebe Wali, Statthalter, barin ftede, fo würben fie ficb bab oerwunbem — unb am (Snbe mit Stecht oerwunbem. Mazzara, Demona unb Noto finb nicht blob Stabtnamen, fonbem auch gtubnamen, unb ed wäre ht ber $bat auffällig, wenn eine fo üoUfommen abäquate unb noch baju fo gewöhnliche ^Bezeichnung für Sanbfcbaften einmal eine anbere, arabifebe Duelle haben foüte, auch wenn ficb flat feine ©rünbe für bie 2Babl ber ^bäler auftreiben lieben. §ei! ®afj am ©nbe auch im SSeltlin ein SBaK fifct? — 2)ad fommt mir bodj nicht üiel beffer oor ald wenn man ben 3tamen ber Stabt Ulm aud V. Lfegionis]. Mfansio], Stanbquar* tiere ber fünften Segion, erftären will ®ad natürliche ©efübt faßt boeb häufig bad SfHchtige. Porta Asinaria Reifst ein olted l £b or ber Stabt Stom, beffen Stelle gegenwärtig bie Porta di San Giovanni einnimmt. @d batte feinen tarnen oon ber Via Asinaria, welche oon ihm in füblicher Stichtung audlief; bab biefe wieber ihren Stamen oon ber gamilie ber Afinier habe, ift ber gorm wegen nicht wabrfcbeinlidj, unb fo fteben bie Archäologen Ziemlich ratlod ba. Sticht fo ber Populus Romanus. Asinaria! SOterft 680 JHeinlwttl. man beim ben Asinus nicpt bann! — DaS Xf>or mürbe nach ben ©fein benannt, rneldhe burch baSfelbe Kohl unb (Salat in bie emige ©tobt herein* trugen. ©8 mürbe nach bem Sanbe bet ©fei benannt, $u melchem man burch bicfeS Sh ot gelangte, nämlich nach bem Königreich üfteapet Diefer 3Bt& ftanunt auS bem XYL 3af)rhunbert ©8 giebt noch» ein anbere8 römifche8 Dhor, ba8 ebenfalls in bie ©ottS* ethmologie bermebt ift, ba8 ift bie Porta Latina, ebenfalls je|t Der* mauert unb ebenfalls burch bie Porta di San Giovanni erfefet ©or biefem Shore mürbe ber ©Dangelift SohanneS mährenb ber jmeiten all* gemeinen ©hriftenDerfoIgung unter Domitian in einen mit fiebenbem (Öle gefüllten Keffel gemorfen, ohne bafj e8 ihm ba8 geringfte gefchabet hatte; 5um Änbenten baran mirb in ber latholifchen Kirche am 6. SDtai ein eigenes geft gefeiert, melcheS unter bem 9tamen Johannes ante por- tarn Latinam, franjöfifch lurj Saint Jean Porte Latine befantti ift Den granjofen {lang baS mie: Saint Jean porte la tine, ber heilige Johannes trögt bie ©ütte, unb auf ©runb biefer populären ©tp* mologie mürbe ber ©Dangelift Johannes ©cpuppatron ber SBinjer. §a! SBir Derficherten oben, e8 mürbe nientanb rat ©mft einfallen, einen etp* mologifchen ^ufammenhang etma jmcfcpen SRanbarin unb 9Rann barin anjunehmen. SBer {ann miffen? — freilich finb in ber Spat nicht alle Dorgcbrachten ©tpmologien emft* gemeint, fonbem unf SBipe, auS Denen man bem Urheber leinen ©ormurf machen mirb, meil er gar nicht bie ©rätenfion hat etmaS mirl* lieh §u crHären. SBenn ein Stubent ben oben ermähnten StuSbrud ©ala* manber auS ©auft*alle*miteinanber ober baS SBort Serien auS faire-rien entftehen lögt — roenn ein ©rieche ben Sftamen beS ©felS raidctQog auf räeidaqog unb auf baS del teqeo&tu jurüdführt meil er immer geprügelt metbe — rnemt fiep ein gemiffer Schmer am Anfang unfereS 3ahrhunbert8 in feiner Desoription du Valais (Sion 1812) ben tarnen ber ©emmi, beS aQbefannten unb Dielbegangenen 2Hpenpaffe8, alfo jurecptlegt: er {omme Don ben Dielen ©eufjern, rnelche bie fReifenben auSftofjen (Gemmi, eomme qui dirait: G6mi! — o’est 4 dire qu’il faut gömir quand on y passe) — fo märe e8 bodj h&hft gefchmadtoS, h«r ein miffenfchaftlicheS 3 e * er 0 e f c ^rei ju erheben. SBatum foQ eine geiftreiche Dame, bie fich auf einer anatomifchen Safel bie ©auch* cingemeibe anfieht, nicht einmal Don Darmftabt reben Dürfen? — ©elbft bie ©eiehrten oetfehmähen ja bergleichen Spielereien nicht, befonbetS bie 3uben finb ju SEBortmipen geneigt; ich h*« jum©cifpiel baran erinnern, mie ©liniuS baS SBort Unedo ableitet Unedones nannten bie alten $ie ffiiffrofdjaft #om SBa^reu. 681 Körner bie Sogenannten ©aumerbbeeren, bie unter betn Kamen Corbez- zole ober (toeil ber ©traud) an ber ftüfte toächft) Cerase marine, SReerfnfchen, noch ^eute in Korn ju ©torfte gebraut unb auf ©raratftoein oerarbeitet toerben; baS ©Jort ift ein griet^tjc^eS f^rembtoort ( olvdg ). Sie fchmeden nicht befonberS; im Altertum, too man nur ttrilbe hatte, toaren fte ooHenbS ungenießbar; unb baher meint ©liniuS, nnedo Reifee eigent» ließ unnm edo, id) effe nur eine, banfe für mehr. dergleichen ©bmolo* gien, bie eben nur ©Jortfpiele finb unb fein tooBen, ließen fidj titele fant* mein, man hört ihrer alle dage. Überhaupt aber barf man baS 8oß nicht bömmer machen als eS ift — man foB nicht uberaB ©pmologien riechen unb bem gemeinen 9Kann feinen geljk* nicht eher aufmuften, als bis er ihn toirflich begangen hat Stultoram infinitas est numerus, baS ift eine alte ©eßhichte, unb eS laffen fich ja taufenb Albernheiten benlen, bie ben Leuten in ihrer ©e* fchränttheit einfaBen mögen; aber man foBte boch lieber (Sott banlett, toenn biefelben noch nicht auSgefprodjen morben finb, als baß man ihnen gunt Überfluffe felber welche an bie §anb giebt ßeibet finb bie Werten (Skiehrten nid)t immer frei oon biefer pebaittifchen giftion — fie lieben eS, fleh dunanheiten auSjubenten unb fie bann bem ©öbel hintennadföu* werfen. „daS ©Jort ©," fagt ©rirnrn in feinem ©Jörterbudje unter ©ilanb, „lornrnt nicht in ©etracht, toenn fchon ber dotter toie eine runbe 3nfel im ©weiß fchwhnmt" ©ne eigentümliche Stnfinuation! §at benn fchon ein SRenfchenfinb biefen tounberbaren 3 u f ommen h an fl geahnt? — „©labregen," fagt Änbrefen in feiner deutf^en ©olfSethmoIogie, ©eite 160, „gehört natürlich nicht ju ©lab aus platea, als ob ©trichregen Oer* glichen toerben bürfte, fonbern ju platzen, laut anfchlagen." du meine ®üte, ruft ba toohl ber fiaie gefränft aus, ich habe bei „©labregen" noch niemals an ben domplab ober an ben gleif^erplab gebacht! — ©Jo baS @ute fo nahe liegt, am ©erftanb beS ©oße$ noch ä u Jtoeifeht, feßeint mir boch toahrlich nicht am ©labe. Unb, barf ich no( h ein tühneS ©Jort hin* werfen? die ©Jiffenfchaft bom ©Jahren ift fo groß unb oielumfaffenb. ©oBen mir noch eine ©Jiffenfchaft oom Umoahren baju auSbitben? — 682 Sagutt jtowbL HoneUe Don Hella Saguit (3fnrtig.) L mm ftatte eS iftr an einem frönen Äuguftmorgen gegeben. ©ie lag tm ©anbe am 9WeereSftranb unb träumte. SWtlidfteS §aar fiel meid) unb Ieicftt gelorft auf iftre weifte ©tkn; bunlelgraue Äugen faften über bie blaue ©ee. ®ie breitete ficft öor iftr auS in groft* artiger Stufte, wie ein gewaltiges Stätfel. $ell glifterte bie SDlorgenfomte baräber ftin unb bienbete fo ftarf, baft ßifa bie Äugen fcftlieften muftte. StingSfterum tiefe ©tille. SS war ein einfamer gletf in ben $>ünen, woftin fidft öabegäfte nur feiten öerloren. Äuf einmal ftörte fie ©(ftritte; fie wanbte ben Äopf nidftt um, benn fte waren iftr ni(ftt fremb. „Sdft bacftte mir’S, baft icft ©ie ftier finben Wörbe," fagte ent junger ÜDtann erfreut. Sr war groft unb gut gewadftfen unb ftatte feine, regelmäftige 3öfl e > waS aber juerft an iftm auffiel, war ber fdftöne ÄuSbrucf feiner Äugen. „3cft jweifelte nidftt baran, ba eS ni(ftt baS erfte SDtal ift," erwiberte fie lacftenb, bie Äugen weit öffnenb. ,,©ie glauben nidftt, wie fdftön eS ift, ftier allein §u liegen, in biefer warmen Suft, bie Äugen gefdftloffen — unb träumen." „Senieren ©ie ficft nidftt, betradftten ©ie micft als nicftt öorftanben —" Sr jögerte eine ©efunbe: „Ober foH idft geftn?" „Genien ©ie, wenn icft ©ie als nidftt öorftanben betradftten lönnte!" — ©ie lacftte unb errötete. „Stun fo feften ©ie fidft bodft —" fuftr fte nadft furjem ©innen fort „SRöcftten ©ie baS?" „28aS?" „SRicft als nidftt öorftanben betradftten?" „9Ber weift, ob baS nidftt gut wäre!" fagte fie fdfterjenb. „SBiffen ©ie, baft bie fcftöne 3«t halb ein Snbe ftat?" „Sßoftt weift idft'S." „SBann feften wir uns wieber?" „SBieHeidftt nie." „fiifa — fagen ©ie baS nicftt, nur baS nicftt; baS ift untnöglidft!" ®o8 Ämutet. 683 „3h* ©ruber hot mich eingelaben, ©ie in 3§ter Heimat gu befuchen," fefcte er letfc hingu. „3a? $at er baS? ©ie fdfönl" „©erben Sie mtdj bis bahin oergeffen?" ©ie fa§ ihn an, ohne etwas gu fagen. Sr öerftattb fie ohne ©orte. „3ch höbe b* CT etwas für ©ie mitgebracht, bitte fdjlagen ©ie eS mir nicht ab; nehmen ©ie eS gum Slnbenten, bamit ©ie mich gang gewiß nicht oergeffen. SS gehörte meiner fetigen SDtutter" Sr nahm einen Seinen fdjmalen Sting aus ber $afche, mit einer fßerle barauf. „perlen bebeuten frönen," fagte Sifa. „Sr tonunt oon meiner ÜDtutter unb fie war ein SngeL ©aS oon ihr ift, fann nur ®lücf bringen." „Unb braute er auch frönen, ich nähme *b n öoeh " fagte fie leife. Storbert fah fie bantbar an, tfißte ben Seinen Steifen unb gab ihn ihr. ©ie that wie er unb tüßte bie fßerte mit Änbacht. $amt befeftigte fie ben Sting an eine feine golbene Äctte, bie fie unter bem 5Meib am $alfe trug. „SJtein Ämulet," fagte fie. 3ht ffltunb (achte, aber bie Äugen waren feucht. Sr nahm ihre §anb unb führte fie an feine Sippen. ,,©o lange ©ie ben Sting hoben, muffen ©ie an mich benfen." $kmn war eine lange fßaufe. Stur oome am Ufer plätfeherten bie ©eSen in regelmäßigen ßmifchen-' räumen. „3a." „©erat bie 3 e * tcn fiot mugte fegt intereffant oon feinen oielen (Edebniffen in bet gtembe ju etjäglen. ®ie fagen big tief ht bie 9hugt ginein lacgenb unb plaubernb am £amin. — IIL „SBatum gebor unb ßifa fieg mögt iricgt heiraten?" fagte bie ßanb* rätin, al« fie ein Diner gab. 686 ©aguft „9GBit Rotten eS ftüe fd)on befd^toffen, als ©eibe noch Äinber toaren." „3a, eS »heb bodj baS @nbe fern; toarum nicht gleich?" ertoiberte eine 9J?utter non oier ettoathfenen Xbextern feufjenb. „Ste femten ficf> ju gut unb finb ja tote ®efdjttrifter aufge»achfen," meinte ihr SRachbar, ein 93ertoanbter non fitfa. ,,©ie fott einen anbetn gern haben," hauchte ein junge« SRäbc^en mit fd)toätmerifd)em ©tief. „Sa, einen Diplomaten; fie haben aber beibe fein Vermögen" „Unb gebot ift bodj eine fo gute fßartie," feufjte toieber bie SWutter bet Oiet Dächtet, tion benen eine immer tunbet als bie anbete mürbe unb eine immer erftaunter als bie anbete in bie SEBctt fafj, als fid) fein 9GBerber am §ori$ont jeigte. „$aben bie D.’S benn fein ©erntögen?" fragte ein Jperr, ber ftemb in bet ©egenb mar. „STiein, baS ©ut hat 9EBolfgang arg berfchulbet übernommen," ant* »ortete ber ©ertoanbte; „fie müffen fefjr einfach leben, um e« überhaupt behalten ju fönnen." Unterbeffen »eilte ber befprodjene Diplomat bei feinen greunben. SBolfgang »ar mS Dorf gegangen, um ben franfen $aftor ju befugen, gebor unb ßifa »aren allein. „SXlfo eS ift eine berheiratete grau? D gebor, baS gefällt mir gar nicht!" „ÜRir auch nicht. — Sie ift übrigens bon ihrem Spanne getrennt.“ „Darf fie benn »ieber heiraten?" „SRein." „9GBarum nid)t?" „SGßeil fie römift^ «=fatf)otifd^ ift." „DaS ift ja aber eine ganj ungtücftidje ©acf)e!" „Sa." „©öUig hoffnungslos?" „Sa. — Uber, ßifa, jefct möchte ich kiffen-" „Unb Du hoff f»e bertaffen?" unterbrach fie ih n - „3a." „Unb Du bift traurig?" „Sa." — @r fpielte mit feinem Schnurrbart. „SRun lafj boch enblicf) Dein einfilbigeS Sa unb fei ettoaS ausführlicher.'* „Da ift »eiter SRidjtS, als toaS ich ®ir fchon erzählte: fie ift Sta* lienerin, furchtbar fd)»arj, furchtbar fdjön, liebte mich rafenb — unb ich Stal fhnnlet 687 fit — unb ed war nidf)t jurn audhatten, unb wir trennten und. ©o. — aber Du haft mir öerfprodjen, ju fagen-" „ffamtft Du ed jefct au dealten?" „Sad benn?" „Die Trennung." „3d) mar feht unglüctlid), ald ich abreifte, bann jerftreute mich ber (Skbante an bte Heimat unb ich freute mich, (Such wieber ju fehn." „3a — unb nun?" (Sr gönnte unb fah fie ht ©ebanlen an. „SJerjeih — Wad fagteft Du?" „3df| fragte, wie Dir nun umd §erj ift?" „Senn idj allein ju §aufe bin, in ber (Sinfamleit, nach all bem ftäbtifd^en Seben unb Dreiben, bann überfällt mich oft eine öerjweifelte ©timmung, unb ich fühle midi) nur wohl bei (Such-'' „Stad freut micf), gebor, wirfinb auch aufgelebt, feitbem Du jurüd bifi" „Sag’ einmal, gehft Du gar nicht in bie 9?ad|barfd^aft? §eut ift ein Diner bei ber Sanbrätin. 3h* lebt ja wie bie ©infiebler." „3d) mag nicht allein gehen unb Solfgang bat immer am Sage fo oiel ju t^un, ba ift er Äbenbd mübe." „3cb habe auch abgefagt. Setfjt Du marum? Segen ber biden guten Gräfin fß. ©ie ift mH ihren toter biden, runben, erftaunten Stom* teffen ba unb ich mufj ihr einmal wahrgefagt morben fein ald ©djwieger* fobit, berat fie lägt mich nicht aud ben Äugen, ebenfo wenig SKoIh, goty il f. w. — 9htn aber, Sifa, bie fReihe ift an Dir ju beichten; haft Du mir 9tidf)td anjutocrtrauen?" „SRein — nein," fagte fie jögernb. „Sifa?" (Sr fah fte prüfenb an. „Sei&t Du, bafj Du oft feht bleich bift unb üie!, fehr toiel ftiHer ald fonft?" „3dh bin ja auch älter geworben." „Äudflüchte, Sifa; früher hoben wir und toerfprochen, und immer ÄUed ju fagen.-" „3ft ba 3emanb, ber —?" „3a — gebor." (Sr wedhfette bie garbe, wad ihn fetbft überragte. ,,©o —" fagte er gebehnt Äld fie ihm in hirjen Sorten bie Sage ber Dinge mitgeteilt hotte, antwortete er SRichtd. ©ie fah nach einem Äugenblid ju ihm auf. (Sr brehte feinen Schnurrbart unb fah toor fich hin. 688 Sagittt. „Ärme fitfa," faßte et barat, tote fid) befbmenb unb brürfte ihre §anb. „ffiir tönnen und jufammen tröften," lachte et, abet gar nicht fo hetjlich tote fonft „©ad fehlte gebor, er toar ja fo einfilbig unb jerftreut," faßte ©olf* gang, ald jener Äbenbd fortgefahten toar. „3 lieb?" ,,©thr." „Äber „Äber nicht fo.“ „SBerfucb’ ed einmal. gebor fcheint nicht abgeneigt, er fieht j&idj an, ald ob-“ „©olfgang!" fagte fie erjörnt „Sag hoch unfte hormlofe greunb* fchaft, bie nie ettoad anbered toerben lann, in Sht^-" „fftidjt böfe, fitfa, ed ift nur, toeil ich ®uu gaft ja Sifa, oorlaufig." „Sa." „Unb bann bliebe fte allem." ffiotfgang fagte jum britten 2M „ja." Qx mar recgt Iatonifcg geute. Äbet gebot fannte baS; er toar immer fo, meint ign etmaS fegt befcgfif* tigte. ©ie trennten ftcg mit fräftigem ^änbebtucf unb gatten ftcg Oer* ftaitben. ©in paar Sage fpäter mar gebot auf bem ©eg nacg fßart«. IV. Über ein Sagt mar feitbem bagin gegangen, ©olfgang gatte ficg tnjmifcgen mit einer alten Siebe oergeiratet Qi mar ©ommer, ein mariner Sag im Sunt; fiifa ftanb im ©arten unb pflfiäte Stofen. ©ie mar ftgmaler unb bteicger gemorben unb fag traurig au8. ©6 tnirfdgte im ©anb ginter igr, fte glaubte ed fei ©olfgang unb fag ftcg trägt um. „Sifa!" groge Stöte ftieg igr tnS ©eficgt „gebor — enbücg mieber ba!" unb fte ftrecfte igm beibe §fittbe ent* gegen, bie er abmecgfelnb fügte. „$aft ®u micg oeratigt?" „©elcge grage! $>u gegft fort, mie Su fagft, auf jrnet SRonate unb bleibft über ein Sagt, ©arum?" — „3aguit. „Sehr, fie mar fcf)on lange meine greunbin." „aber ©u bift einfamer feitbem?" ,,©ttt>aS." ©n faum mertlicheS trauriges Säbeln umflog ihren SJtunb. „©arum freue ich mich fehr auf ©eine ©efefffdjaft, gebot." „Sd) fürste nur, nicht lange hier bleiben ju fönnen." „SeShalb?" „Sieh mich einmal an, finbeft ©u mich beränbert?" ,,©u bift etioaS magerer, ©ein «Schnurrbart ift noch flcrabe fo lang als fonft, ©u haft tiefere «Schatten unter ben Äugen, mahrfcheintid) oon ber Steife. — Übrigens, moher lommft ©u?" „ÄuS Sottbon." „Ob ©u fonft jugenontnten haft an SeiSheit unb Serftanb, tarnt ich erft fpäter fagen, ja, eine gälte auf ber Stirn hatteft ©u, fo Oiel ich toeifj, früher nicht." gebor machte ein gatt$ ernfteS ©eficht „SDtit ber 3«t burdjlebt man fo SWancheS unb babon bleiben galten auf ber Stirn unb Starben im §erjen." ©ie Sorte tarnen fo aus bem Snnerften, bafj Sifa nicht lachen tonnte. „Jtomm’ ju Solfgang," fagte fte. „@rft mufft ©u raten, toaS mir paffiert ift unb meShalb ich einiger 3eit toieber fort muß." Jßtfa fah ih« prüfenb an. „®u haft — fte toiebergefehen?" „Sen?" „Stun, ©eilte Stalienerin — unb fie ift frei?" „galfch, ich ^abe fie lange oergeffen." „Unb fte?' „§at mich halb burd) einen Ättbent erfefct/ „©amt tarnt ich wicht raten." — „3ch habe muh beriobt." Sifa that plöfclid) ettoaS fchtecftich toeh im £>er$en. „SJtit mem?" fagte fie nach einer Sßaufe. „SDtit SBera ß. — §iet ift ihr ©ilb." „(Sin hübfcheS ©eficht 3ft fie ©tglänberin?" „Stein, ©eutfch*9tufftn; fte toaren nur junt ©efud) in ßonbon." „Unb - bift ©u glücüich?" „Sa." ,,©aS freut mich." — aber Sifa tounberte ftd), baff fie ftch nicht mehr freute. Da2 Ämnlet. 691 „Unb Su, fiifa?" JD f^jrc^en mir nicht don mir-Äomtn’ jefct betein ju Solfgang." „SBann dürft Su Zitaten?" fragte biefer gleich, nach bem er bie Keuigfeii erfahren. „Su bift immer fo grünblich unb orbentlich, SBoIf." — „Kun, itb bente — baS ift boehn bieten, in bem ©ie glüef* lidh fein follen — fo meit eS an mir liegt 3n otergeßn Sagen Sann ich abreifen, meinem ©tücf entgegen. S^id^t mäht, ich brauche nicht erft gu fragen ob ich fontmen barf — baS Vertrauen ift ber Siebe ßöcßfteS ©ut — Sifa, baS ämulet hat boeß geholfen! 9J?ehte 2Rutter hat uns gu* fammengeföhrt, — fie mußte moßl, baß ich °ß nc nicht gut bleiben tonnte. — Norbert" Sifa mar gu 9Wut, als etmaeße fie aus einem feßmeren Sraunt. — 9U8 fie gebot gum erften 9Äat mieberfah, ftieg jähe SRöte in ihr fcßmalgemotbeneS ©efießt. ©ie ängftigte Oor bem, maS er fagen tonnte. SaS fühlte er. SRacßbem er ftrrge 3eit bei ihr gefeffen unb nur gleich* gültige Singe gefproeßen, oerließ er fie. (Sin paar Sage fpäter laut er mieber. ©ie faß im ©arten, unter einem großen ©onnenfdhitm, ber in ber (Stbe befeftigt mar unb fte mie ein tleineS Sach 001 ben Strahlen ber SKittagSfonne feßüßte. „Sifa, ich h°be teine 9tuße mehr. Ungemißheit tonnte ich n * c a ‘ tragen, Oetgeiß, ®enn t<ß ®i<ß um furje, einfache SBaßrßeit bitte. Su tennft meinen ungebulbigen ©inn, er ift ftarfer, als ich-" ©ie mar gang rußig unb maeßte ißm ein 3enßett, baß er {praßen törate. @S mußte ja boeß einmal tommen. — „SBir finb ©eibe gebunben, ßaft Su gefagt, Sifa; mir moHen aber bureß einen 3rrtum unfer Beben nießt Oerberben, barum laß eS Har merben —“ „3a, mir moHen unfer unb anberer Seben nießt üetbetben" — fagte fte in leifem, rußigem Son; „mir ßaben geträumt, gebot — ßier, lies "- ©ie gab ißm Norberts ©rief. (Sr naßm baS ©latt, laS unb ließ eS fallen. „3tß oerfteße," fagte er naeß einer langen Sßaufe unb ftarrte finfter oor fieß ßin. „gebot, liebt Sich Seine ©raut?" Sifa fptaeß gang leife, eS mar, als fürchtete fte fuß ober ißn feßon bureß einen gu lauten Son gu üermunben. „Sa." „Su fießft, unfer SBeg liegt Har oor uns — nießt maßt?" S)a« Ämulet. 695 ^cbor ftfi^ntc. „ßtfa, ich febe, baff vä) biefe 3abte gehofft habe ttriber §offen, ohne €8 fcEbft ju totffot uitb baff nur S)u mich glücflicb machen famtft" — JD — mache ed und nidfjt fo fdjwer —" „ßifa, mm feben toir und lange nicht »ieber. 3df) »erbe meine ©flicht tbun, toetl S)u ei »iinfcbeft, fei beffen gewijj." Sie reichte Upn Beibe §änbe unb ftanb btafj mit bunfet umränberten Äugen oot ihm. „@ott mache unb erhalte Skcb glücflicb." „Äbieu, gebor." Äld er gegangen, lernte fie f«b in ben ©tu# jurücf unb »einte. — V. fiifa batte an Norbert getrieben: „2Bir »ollen und am SReer, in unfern Stänett, »ieberfinben." — (Ed »ar ein feiger Sag im September. ©Sieber gitterte bie Sonne auf bem SReer $u ßifa’d güfeen. Sie fab auf bie grofje »eite fläche mit träumenben Äugen, aber nicht mehr mit bem finblid^en beteten ©lief; fonbern mit tiefem, emftem Äudbrucf. „®anj wie bamald unb boo, jtatt auf Sarrifaben Sn bluten für fein Hedft, ber freie Ulann Hur auf ber (Suidotine fierben fannl 3m Sagno nur bei meinen Kameraben £ebt mie bes dementes milbe Kraft Hodf ungejäifmt unb frei bie (eibenfdfaft Surficf ju iffnen fetjne idf midf mieber, 3dj fiel) auf biefer EDelt fonft ga«3 allein, $aji mie ber (Sreis, ber mir fällt eben ein. ZJodf riefelt falt es mir burdf alle (Siieber, Denf idf an bas, mos idf e^ätflen min." Cr fegte ftdf, mir aber ifordften jliH. „’s mar 89, beim SafHUenftnrm; Die (SloCen Ifeuiten milb oon jebem Curm Unb um bie alte fbtjire $mingburg tfer SdfmoU Ifeulenb mie ber Sturm bes Dolfes Oleer." „ „31fr mart babei, marf frolf ernannt idf ein, 3br f&mpftet mit in jenen Qelbenreilpt? Das mar ein Dolf, nidft maijr?l ni$t mie bas Ifeute Sidf feinem Herren felbjt oerfauft als Seute. Das mußte nodj ju fämpfen, ja 3a ßerben, Sobalb es galt bie ^reitjeit 3U ermerben."" 698 Unfet Dt^tftatbum. ©ar babei, ein Knabe non nenn ^atyren, Kämpft’ i«b ein Ulann in jenen ffelbettf«baren. Qeig brütete bet 3nlifonne «Blut, Dodf Ijeiger fodjte nodj in ans bas Blut. Die Dege fiel. EDas ©irb, ©as mug nidft fallen, IDenn einig gdf ein Dolf 3nm Kampf erbebt! HJte UBes tarn, befannt ift es en«h 2lBen, Dodf b*'« 1 weiter, ©as i«b ba erlebt. tDilbgntenb gur3te, jügellos, bie lllenge Dnrdj aB bie £jöfe, (treppen, KeBer, «Sänge; Die «Dpfer fndjten ©ir ber (tfrannei Unb jnbelnb riefen ©ir: „$rei feib ibr, frei! «En«b fdjrecfen feine Kerfer mebt nnb Ketten, 3b* bflrft eu«b ©ieber in ber ffeimat betten!" Uns einem Keller aber gieg ein «Sreis, Derwelft fein Kntlig nnb fein fjaar fdjneeroeig. €r ftarrt’ nns an, es ©ar ibm ©ie ein Cranm; Kn’s «Sebn f«b<*n längg ni«bt mehr ge©öbnt, »ermodjten fanm Pie $flge feines feibes £aft 3U tragen. Da nannt’ er 5trag’ nnb §aus anf nnfer fragen 33a«b feiner JDobnnng, bie nnn ffinfjig 3®b re , $ln«b ben Cfrannen! er ni«bt mehr gefebn, Unb OTänner trugen ibn auf einer Sabre; IDie ein (Erinmpb3«»3 ® at es an3ufebn. UJir famen an; man öffnete, man frng, JJtag bann mit fremb neugierig falten »liefen Den KIten, ben man anf ber Sabre trng, Unb fdffittelte ben Kopf. Utit feftem Uiir faßen wie erjlarrt, als er 3a €nbe, Unb fdjeu unb fd)weigenb ging ein 3 e & er fort; <6c aber brücft’ fein Qaupt in beibe Cfänbe Unb murmelte ffir fid) bas büfl’re JDort: „IDte er fiel}’ id) anf biefer Welt allein; 34 } mbdjte wieber fjeim im Sagno fein." — £eip3ig. Qermatt Semmig. $ie faftfattt. L f iefe flehten, 3arten ftfigel, U?ie mein £id)t fie ffifjn umftf} wirren I Kamen fie von jenem Qfigel, ffier fid} tbtlidj 3U oertrren? Diefe fdjimmemben 3 nfeften, fauer Sommernacht Dafallen, Wie fie it}re flfigel recften, Qier bem tobe 3a uerfallen I Kamen fie von jenen bnnflen Sergen hier 3a mir herüber? müßten fie, baß biefes ^unfein, ZZur ein Schatten iß, ein trüber, Der — wie meiner Seele Seinen Sad) enblos(tiefen! £ebt — nnb Freiftl — bodj ich will tauchen 3n bie (Sriinbe meiner nächte, U>iO hinaus mit ßidem (fauchen Streden meine offene Hechte I U?ie 3 hr (amt, 3 h r Hadftbepügelten, UHH id} biefer tf acht, ber reichen, Unb ber großen, fforumhügelten ^erne meine Seele reichen I 0 wie reich bie Hadjt! Unb Keiner 3P, ber mit mir ffe burdjwachtel 3ß nicht (Einer, iff nidft (Einer, Der mit mir ffe gern bnrdjladjte? Ejier ein ®Ias, unb Iß« bas ^unfein (Eblen Weins, nnb h' er bie Seele, Die in biefer Hadft, ber bunden, (Sem bem ^reunbe ßdj »ermähie! £reunbe, adfl — wer iff geblieben? — $rember, fomm’l »oll Sehnfudjt rufe 34 btdf her: ich ®iU bidj lieben Huf bes £ebens leßter Stufe. Komm’! ber ich bi^Iuten t)ält i!jn Sdjlaf jnrficf ... Hein, moju langen Kn» bem Strom Iieranf ber Welt UjnPI Horfdjad? am 8obenfee. ©nfarn mieber! — 3 « bie Batyluft Diefe lebenb&mmernben Stnnben Steigt bes Ulorgens fendjter Sdjladjtbuft Wie aus taufenb frifdjen Wunben! £5ftterbüfch(ein, aus (SolBBraht gefpomten, UnB feiBnen Schleifen nnB anBerem (Steig, Pen Ber (Lanner beim Scheibenfdpegen gewonnen. Um ^ugenB’ hängt Bas IPeihmaffertdpfchen, P’rin lehnt als IPeBel ein Buchsbaumreis, UnB genflber hinter Bern blonBen KBpfchen Unfet Irtdjteralbum. Steht bleidf unb oerfjärmt ein fdjlanfes tDeib, Das fHert auf ben fleinen toten £eib, Ilnb wehrt wie im Cranm ben gierigen fliegen Die fnmmenb fidj nm bas Ktnbletn wiegen ... (Ein „(Srfiß’ Dich" fdprecft fle ans ihrem Sinnieren, Unb bie Hann unb bie (S’oatterin fielen cor iijr. „3a (Sertranb, ’s iß Ijart ein Eignes oerlieren," Beginnt bie fies, „idj glaub’ es Dir, 3df benf es oon Daters lob tjer, wie’s ttjutl Dodf weißt wohl, alles iß (Bottes tDillen, Cr waltet ob uns im (Beweinten unb Stillen, 0b er giebt ober nimmt — beibes iß gut; So lißt’s ein Cfjriß tjalt in Demut gef<^el}n nnb freut ßch auf bas mieberfeljn." Die Camterin fenfjt ferner auf unb neigt Den Kopf 3U leifem Zlicfen unb fd?weigt. Die Banni f)inwieberum unb bie (Sothe Beferen ßch jefco näher bas lote. „mie fdjbn ’s ba liegt, einem 3*f n l e * n gleich, Hur iß es gar fo freibebleidf, 3hr habt ihm oergeffen bie mänglein ju färben." „Kdj, freilich bleidj!" hebt bie (Bertrub nun an, Qaß Kecfjt, £iesl 2lber was liegt and? bran, IDeil bie jfarb’ es bod? nicht mehr weifen famt I mie mildf unb Blut war's — auf einmal iß’s franf, Dnb f{ilft nichts, unb muß mir fo elenb uerberben ... Bein — baß mir ber Herrgott bas getljanl" „ZDas er thut, (Sertranb, iß mofßgetiian! Bimm Croß an, CDeib, unb fage (Sott Danfl mir haben nun $firbitt’ im £eben unb Sterben, mir haben ein Cnglein im Parabeisl" „3df weiß es, (Seuatterin, 0, idj weißl Dodf wer bort oben, wirb’s herjen unb warten?" „2lber (Sertranb I bie (Engel im Ißmmlifdren (Sorten 1" „Cs wollt’ aber nie fein Knb’res als mich, Ünb bie (Engel, weißt wol)l, ßnb nicht ich 1 mie wirb mein Krmes fremben nnb fchrecfen, 3n’s nit einmal ani en? P* nur laffen, ® * ber ^ err *>«« fdfieunen unb fotzen gebnJ" "■?* audff £iesl <8ott, aufs IDieberfebnl" 'ip a ' morgen. Hm jieben mirb’s begraben Dann ijl’s oerränmt unb bat fein’n Trieben- Drauf merben mir Hmt unb OTeffe Wen, n nadlet tft Crnnf beim Untenotrt nteben" jnnsbrnrf. ijans pon Dintler. OTnndpen. |§te Jfldjer Happen, Snfen mögen, J ® n 9 «ng ein ^bfemDrama. jn em paar fülle Sdjattenaugen Sali i<$ 3 n tief, — id; armes £ama! Ztora, was Ifaft Du getränt*_ Do „ - Z *'!“?nngei=(Ligern, Don einer Spfonj, graj.ös, bi 3 arr, Hlit langen Htias«2Iugen(ibem. Der Hoftor fagt, i$ mdr’ ein Harri »ora, mos Du getijan? - 2Uejanber Don Htuf^Ijfc. m wtutL fanb im (Saften -gatij allein Unbbad>t’ pergangner feiten: Da fai} idj ju bem Bosmarein Dtein einfüg £ieb i^mf^reiten. Den Slirf umflort, bie langen blaß, fie Porfibermanfen, Die äugleht ffl§, oon Ufrünen naß. Sie ftarrtert in (Sebanfeti. Dnb Heis um Heis brad? fie f?d> ab ©ebeugt pom tiefen S^merje — *** P e ®*t(oren ijab’, <8ing’s mie ein Stidf burd?s Qerje. 706 nufer Sidjteralbutn. (Ein Büb burdftog bie Seele mein: Sie lag * m Sarg, gefdjmfirfet Dlii jenem Kroty von Hosmarein, Pen fie geh felbg gepgücfet. Karlsruhe. Hobert £Dei§. 2Ldf\ n>ot)( alpt’ ich bebt H>eh, Bleicher Qerolb ber Pacht, XPenn fo bn fdjieipt mH perhärmter XTliene Überm finfiem tDipfelbom bes ZPalbs, Qinab in fättlfdpturrenber ZDogen Spiegelnbes ©eheimnis — 3m ttjränenfdjnjeren ©eigerblicf Bebt bie geheime Klage: Paf bir perfagt bas Qöchge: gn nähren im (iebenben Bufen Per ©egalten »n***, XPadjgefiigt anf ber (Erbe Fäulnis, Pom Qerrfdfermunb ber Sonne — ZZtcQt traurig tpaUtefi bn Pnrdj ber ©urigfeit ©rabgetuälb Pie nmbnnfelte Bahn — Qeil birl Pag anf beinern Hnnb Kein ©efrenjigter mH ©rläfungsmahn (CQorQeit grifft, Parmgabt. Pag fein Hörner anf bie (Übe ©nttäufdjung fog Uns Ejeigbegehrtem, Kein ©äfarenbnnfel, Pon Sflapen pergbHert, Blnttriefenben forbeer Uuf beinen gelbem flcQ pgficftl Qeil, bag feinem IPeifen, ber Qnbanf* bares barste, Pn ben Schierling grog jogg, Pag fern Schrei bes Qnngers Peiner Ctjäler ^rieben oergucht, Unb aQ ber prunfenbe ZTarrentanj Pon Qenchelei nnb (Ehrfurcht Huf beinern Hncfen nimmer Qöhnenber Pennefnng entgegentanjt — Unb meil nicht palag, nicht Tempel bi $u Derteibigen. ©on hunbert Zünftlern affirmiert jeber eine anbere 3bee, unb glaubt nur an feine eigene $ftf)etil größer gab e« 2J?eifter, bie ihren ©chülcm bie drabition überlieferten, welche biefe al«bann erwei* terten unb bereicherten; auf beren gunbament fie weiter bauten. — §eute giebt e« wohl ber ©chulen genug, aber bort wirb nur mecf)anifcf) ein a£t= gemeine« ^anbwerf gelehrt, unb befonber« barauf gebrungen, bag ber jugenbliche (Snthufiaft auf {einerlei Abwege gelange, wa« h c *% cn fofl, nicht einen 3®tt wehr nach linl« ober recht« ju gehen, al« bie Äameraben unb ber fßrofeffor. (Sinntal Don ba in bie SBelt hwau«geworfen, fielet nun aber ber lämpfenbe unb beobachtenbe Äünftler fogleich, bag ba« Jpanbwerf, wa« er mühfarn erlernt, ihm ungefähr fo Diel nüfct, wie eine Lüftung, bie für einen $tnbern gemacht, unb nur fojufagen in einem prioaten gechtfaal eine ©ebeutung haben lann, aber fidj al« ungenügenb unb oft hinberlich im Äarnpf um« dafein in ber lebenben fiebenben SBSett ergiebt (Sine gewiffe materielle Erfahrung ber $edf|ni! allein bleibt ihm errungen, unb baju mug er fich nun ohne SReifter ein gelb erobern unb ein ®efe| ergrünben. Ohne SWeifter fagc ich, benn {einer führt heutzutage ben jungen ©efellen oon ©tufe ju ©tufe bi« jur eigenen 9Reifterfchaft: bie fßrofefforen ber alabemifchen ©chulen nicht, benn fie finb felbft {eine 9RaI*2Reifter, fonbent Äompilatoren aller ©hfteme; {ein origineller Äünftler, benn biefe haben zu Diel mit fidh z u th ltn unb würben fürchten, inbem fie ihre „©eheimniffe" bem jünger überliegen, zu gut nachgeahmt unb be«halb in 9htf unb ©erlauf (br€vetä!) gefdE)äbigt zu werben, ©o wohnen wir benn bem merfmürbigen ^ßhäuomen bei, zu gleicher 3eit mit berfelben ^►eftigleit Don hunbert 3RaIem hunbert äfthetifche ©hfteme befchmdren zu fehen, unb fommt e« mir Dor, beim durchgehen einer $lu«ftetlung, al« paffierte man eine unabfehbare fReipe Don SDfegbuben, Dor beren jeber ein &u«fade. Da ift befonberS in bem beinahe in gorm einer grife tomponierten ©emätbe beS StlänberS Saoerp baS Saron=Denntö=Spiel als SDtotio für ein teizenb gefärbtes unb febr bewußt DolIenbetcS ßunftwerf benufct. 3Jiit außergewöhnlicher 3 ar tbeit liegt ein leichter Sonnenfehein auf bem grünen ißlap, auf welchem weißgetleibete ©cftaltcn burch einige gciftootle Rieden Dortrefflich mobeKiert unb ton« ftruiert, fich in ben graziöfeften Stellungen gruppieren. — Sn einem anberen ©ente erfreut uns baS febr gelungene norbbeutfebe Snterieur beS SDtüncbenerS Äuehl, ber übrigens fdjon feit Sabten mit jeber SluSftedung fich ncue ®nertennung halte. Seine SDtalerei zeugt Don ungewöhnlicher ©efcbidlicbfeit, unb leibet bennoch nicht an Seere. ÜDtit Snnigfeit unb großem ©efebmad finb feine mittelgroßen Vilbflächen aus* gefüllt, unb fowoßl als Silhouette, wie als Äoloration febr angenehm. — Von jüngeren franzöfifeßen Suchern ift Wohl eine bet begabteften Staturen Sulie geurgarb, eine junge grau Don rarer SnteHigenz. Sie bringt ben Saal einer ©räche, b. b- Äleinfinberbewabranftalt, wo SSiege an 9Biege in anmutiger weißer Harmonie fich wibt, nur burch baS Vlau ber eifernen Vettfteilen, ber SSänbe unb beS ©ewanbeS ber fllofterfrau unterbrochen, bie im §intergrunb neben einer grau fipt, bie foeben einem jtfeinften bie Vruft reicht. — DaS Sntereffe biefcS VilbeS ift mit feinem ©efübl ganz auf ben malerifchen StfpeEt Derlegt, unb ift bie Harmonie unb 3°rtbeit ber garben rctzDod genug, um felbft Ungebilbeten einzu* $arifer ftuttfMteperbrief. 711 teuften. — $)aSjelbe Sob berbient ein junger SWann, namens Sobre, ber jtoei Heineren Sachen ben tarnen baS blaue 3tntnter unb baS rnetße 3änmer giebt. Sn bem einen ift einfach ein Heines SRäbdjen ju Seit, bem eine alte Kinberfrau ÜKebtjtn reicht, im anberen ift baSfelbe Kinb ftehenb bor einem Xifd), non meinem eS ein Sßlateau mit $hee megnimmt. Söeibe Sujets flehten non alltäglicher Simplizität unb mären fogar unerträglich, ließe nicht ber Kiinftler auS ihnen eine üMobie ber Intimität unb fiufteinhüHung Hingen, mit ber Sater (Sharbin fltfbiß einOerftanben märe. — Son meiteren gremben haben bie Schroeben, mie jebeS Sahr, fehr achtungSmerte Stüde, hoch hat »h r junger SKeifter Kroper, nebft mehreren anberen ber Seften, nichts gefanbt, unb fd^eint mir nur Sohannfen mit einem ähnlichen Silbe, mie fein borjährigeS, einer Szene bei Slbenb* beleuchtung um einen runben Xifd}, fehr intereffant Sjör!, glaube ich, heißt ber Urheber einer Schmiebe mit Iräftigen Dualitäten. — 9tn bie fchredlichen großen großen Silber mich zu magen, fehlt mir Courage, bennoch märe eS übler 3BiHe> bem jungen SÄeifter SRoll nicht beim Scheiben ein ehrfameS Kompliment zu bebizieren, benn feine zu>ei hellen unb mad>tboHen Silber: eines, einen Beinen Knaben auf bem $ontj burch bie §aibe galoppierenb, baS anbere, ein junges normännifcheS 2J?ilich ermähnte! Sch miß nur üetfehrte Anforberungen nicht gelten laffen, bie man an ba« Sßublifum fteHt: ich will nicht gelten laffen, baß man bem ^ßublttum feine ftunftuntoerftänbigleit oormirft, unb bagegen alle« §eil bet ftunft baoon etmartet, baß man biefem ^ßublifum öon oben hetein ftunftintelligeng einpropfe: feitbem e« Äunftfenner giebt, ift bie ftunft gum Teufel gegangen! ©urd) Stnpaufen oon ÄunftinteHigeng lömten mit ba« ißublifum nur öotlenb« ftupib machen. Sch forbere nicht« oom ißublilum al« gefunbe ©inne unb ein menfehtiche« §erg. ©ie Vornehmen, geiitgebilbeten unb mutig ^ühlenben glauben oben gu ftehen, — unb mie irren fie fich! 3ht unfetet h eut *d en ÜBeltotbtiung ^crrfc^t gang unbebingt bet ^3l>tltftcr, bet gemeine, feige, fchtaffe unb babei gtaufame ©eroohnf)eit«menf(h. ®r ift bie ©tüfce be« ©eftehalben, SRiemanb anbet«, — unb gegen ihn tämpfen mit mit noch fo ablichan ÜDhite alle Dergeben«. 3 e *8 cn wir un« gegenfeitig, ma« mit lönnen, unb fühlen mit un« hoch belohnt, menn mit un« gegenfeitig gu erfreuen Oer« mögen. SBit lönnen nur, ba mit bodj einmal ba finb unb nur in biefer 3eit leben lönnen, auf un« felbet bebaut fein, baß mit unfete SSürbe unb Freiheit bemahten al« Äünftler mie al« SJfeitfchen; laß un« in un« menigften« geigen, baß bet HRenfdj etma« mert ift! —" ©a« finb golbene 933orte! ©ie Älage übet bie „©felhaftigfeit bet Äritif" unb übet bie baburch Sut C^tttoftetifHf SBagnerft unb beb Stuttgarter SWufifptofeffot« Oötf^iu«. 713 met>r unb mef>r befeftigte §errfd)aft be8 „gemeinen, feigen, fdjlaffen unb babei graufamen ©emof)nl)eit8menfdjen“ ift (eiber §eute noefj fo beteiligt, mie bor baö> oiergig Sagten, al8 SBagner fie blutenben .maben* ftreidt) anläfjlidj bc8 groeiten großen Stuttgarta SJlufilfefteö erlebt, mo ber gelehrte ^ßtirfeffor ©ötfcf|iu8 fid) mit feinen fritifcf)en 6normitäten als SBagnerbaläfterer in ber offiziellen geftfdjrift auffpielen burfte — unter ber Ägibe be8 Stuttgarter „©erein8 gut görberung bet Äunft"! Slidjt allein ba, aud) in ben ^eftberic^ten angefeljena Stuttgarter unb ^Berliner ©Iätta berfpürte man ben Unfunftgeift be8 enormen <$ötfdjiu8, fo g. 39. in bem Stuttgarter Drigina(6eridjt ber ©alhter „£äglicf)ett Shutbfdjau", mo ei mörtlid) Reifet: „©reifere ©egenfäfce !Önnen nid)t feiert gefunben merben . . . £>ier §änbel, bet urfräftige, jeben 6ffeft berfcfjmätjenbe (!) 3D?eifter ber sßoty* Päonie, ein SKufifer fo gang au fond (o ©ötfd)iu8!), bort SBagner, ber $eforation8maler (o aller ©ötfdjiuffe götfdjigfter ©ötfd)iu8!) — SBagner mürbe geroiffermafjen mit ©efremben angef)ört (oon ®ötfd)iu8fdjen Df)ten natürlich!) unb feine inftrumentale, (jarmonijdije SBürge (o bu ©emürglenner unb ^armonif^inftrumentater JKit^enmeifter ber Stuttgarter ftunftfinnigfeit, mögen bie SKufen ber ißfeffetbüdjfe bein latent nodj fange fonfetöieren!) machte ben ÜWangel inneren ©ef)alte8 erft red^t be* merlbar." Unb an meinem SDfeiftermale SBagnerö fanb ber öerefprte get)altt>oHe ©Ötfdjiu8 ben „SRangel inneren @el)alte8 erft redjt bemerlbat"? 2lm — ^ßarfifat=S8orfpiet! Unb hn „Sdjmäbifdjen SJlerfut" eefjote ber nämliche ©ötfdjiu8fdE>e ©eift: „68 (ba8 ^ßarfifat=5Borfpiet) machte . . . einen fonberlidjen, redjt entfdjiebenen unmufilalifefjen ©inbrud, unb gmar (je$t öffnen fidj bie Scfjteufjen ©ötfd)iu8fdjer 2Bei8t>eit unb Älarfyeit!), meil e8 nidjt mef)t mie ein edjter ©tod felbftönbig au8 bem ©oben ber magren ^onhinft fjeröortreibt, fonbem mie ber ©pf)eu fidj an Selbftänbige8 anlefjnt, nur einer Scfpoeftcrfunft, bem ®tama, gut fdjmuden Sttuftration bient." D bu — ©ötfdjiud! 68 gab eine 3^, ®° ben SReifter bie „3ubenmtrtfd)aft" in ber ftunft unb „iljt berfludjte8 ®efd)rei6e" am mciften ärgerte unb er bann mit jener befannten, (1850) guerft pfeubonpm gebrudten Sfrtifelferie in ba „9?euen 3«tferau8. 714 SUberti. Subentum tit bet SRufif! 2(cf|, bet Otefbefe^bete SRerfter et* lebte beit d^riftlic^en ©djtoabenprofeffor ©ötjcfjiuä iricfft, fonft hätte et getotf} noef) ein ©eitenftüd öerfajjt: „$)a8 ©tfjtoabentum in bet SRufif". Stbet bafj SBagnet, bet $tf)nungSDoUe, auch feinen ®ötfd)iu8 üor* geahnt ^at, baran ift nach & em obigen ®tiefe be3 SRetfterö an gtanj fitfjt nicht ju jtneifein. ^labrlrrofy*) Don Conrab Jtlberti. (•Berlin.) M<$ toitt nun non einigen weiblichen ftrfiften beS „SJeutfdjen Xfyeaterä“ fprechen — unb wahrhaftig, ich werbe mich bei biefem Äapitel fehr furg aufhalten. J)enn ich glaube nicht, bafi es für bie Sefer btefeS ©latteS non Bntereffe fein tann, gu er* fahren, bafi unb wie gräulein Sounbfo lifpelt unb welch Mächten Gebrauch 8rrau Singfiba non ben fümmerlichen SReften ihres Organs macht. Sie lönnen 3h ntn famt unb fonberS nicht gleichgültiger fein, biefe weiblichen „Ifrfifte' — o locus a non lucendo! — , bie Sie auS ber 3rerne feine perfönlidje ©orfteHung non ber fflfig» lichteit ihrer Seiftungen gewinnen l&nnen, biefe leeren, nichtSfageuben Samen, bie Sie nielleicht in Bljvem fieben gum erften Stal hüten — fie tünnen 3h«en nicht gleichgültiger fein, als fie eS mir finb, ber ich Unglücklicher gezwungen bin, mit gemartertem Ohr ihren ©erfpottungen bet Steifterwerfe unferer Älafftfer allwöchent* lieh ein* bis gweimal guguljören. Sur einige wenige werbe ich baher auS tfem toielföpfigen Raufen herausgreifen: folche, beten Ärt unb Unnatur mir thpifdj erfdjeint für bie gange ©erlobberung unb Stigwirtfchaft, bie an unferer beutfehen ©fihne ©Iah gegriffen, wo leibet CüotteS noch immer, wie gu Beiten ©ötheS „oerfudjt ein Bebet, was er mag' unb wo bie ©h to fe non ber Freiheit ber Äunft noch immer gleichbebeutenb ift mit ber Bügel* lofigfeit berfelben. ©n charafteriftifcher IhpuS ber beutfehen ©ühne ift guerft ffrfiulein ©ognfir. ©Sie niete ihresgleichen feljen wir in unferen lagen anf ben ©rettern! ©nft eine Äünftlerin non wohlbegrünbetem Suf — wie wenigftenS unfere ©fiter nerfichern, unb wer befftfje fo wenig ©ietfit, einem ©ater nicht gu glauben, wenn auch feit beffen Beit ingwifchen baS Oben gum Unten geworben ift — hemorgegangen anS ber Schule SaubeS, eine ©ertreterin ber ©Bienet Spielweife, biefer echten, gut reinften Satur gurüdgeführten Äunft, lernte biefe Schaufpielerin frühzeitig bie Süfjigfeit, bie unenbliche, beraufchenbe Stelobie jenes einfachften, urfprünglichften unb boch immer wieber am liebsten gehörten SKufifinftrumentS foffen, ber beiben gufammen* *) Segen ÜbfrfüDe an ©atrrial neifoAtet gum 86bnid gebraut. Sie Rebattion. ©erlittet Xpeaterbriefe. 715 fcptagenben $anbflächen. Unb »erführt burch biefen trodnen, eintönigen Scpad unb ©ppthmuS, bet wie baS ©djedengeraffel bet gnbier alle Serben auf rüttelt unb in ein unaufhörliches, faft franfpafteS gittern »erfept, brach f' e baS fefte $auS ab, baS fie ftch gegrflnbet, unb mietete fich für lange, lange gapre ein in bent auf biet Stübern über Serge unb fjlüffe rodenben eifemen $aufe. Sille Vorteile peimfte auch f* e in Sfflde ein, welche baS ®aftfpielroefeu feinen Jüngern berlodenb in ben SBeg wirft: Sorbeeren, §ulbigungen in ben berfchiebenften ©tunbarten ber oaterlänbifcpen ©brache, einen Sanbregen bon ©anfnoten unb @olb, unb einen fich rafch über alle ©rooingen auSbreitenben Stuf. Slber bie gapre tommen unb gehen, ohne bag man fie im Staufche ber (Erfolge bemertt, unb trop ber freigebigften Serfdjwenbung ber fjtei« bidete, trop ber lauteften ©ofaunenftöge gefälliger ftreunbe, trop ber riefigften Sor* beertränje, bie man fetbft eine ©tunbe bor ber ©orftedung beim ßunftgärtner aus* gewühlt, trop ber blipenbften diamanten unb ber golbftarrenben brofatenen ®e» wünber geht bodj eines XageS ber ©tonb auf Aber einem fdjweigenben, murrenben, höhnenben $aufe, tönt boch einmal ein tötlicheS Sichern aus einem SBinfel ber oberften ®alerie, wenn SRortimer in himmelSftürmenben SluSbrüden bon ber Schön» heit BtariaS fchwdrmt, bie bor ihm fteht, bie tiefen, bom ©lei ber Schminle einge* freffenen Stunjeln, bie bortretenben ©adenfttocpen jodhoch mit Slot unb SBetg bebedt! Xann ift er ba, ber oerpängnisoode tag, an bem bie Sofung lautet: Umtepr! an bem ©erjidjt geleistet werben mug auf bie Seibenfchaft erwedenben Stoden ber gtagenb, unb bie einfache (Erfahrung fagt, bag fein SDtenfdj einen ®aft, eine ©ir» tuofm in ber Stode einer weinenben ©tutter werbe fehen woden. tarnt berfudjt man jurüdjufepren ju ben Slnfängen feiner glänjenben Sauf bahn: ©ine fefte Sin» ftedung — bie bother fo ftolj berfchmühte — um jeben ©reis, ober ber tflnftlerifdje Stuf ift für immer bapinl... Umfonft... auch pier lügt fich Stiemanb mehr blenben burch bie funfelnbe ©rächt ber ®ewünber, burch bie in aden ©chaufäften auSge» bängten neuen ©erbietfältigungen alter, längft bon ber geit Sügen geftrafter gugenb» bilbet... Stde ©ibotter ber SBelt mit adern gudet SBeftinbienS machen biefe hohe, auSgefchrieene, fpip freifchenbe ©timme nicht mehr fanfter, nicht gefchmeibiger... Stein gapnfünftler tann biefer fich bumpf in ber (Saumenpöple berlierenben Sprache Xeutlicpfeit unb Straft wiebergeben, fein rodenbeS St, welches fich jwifcpen bie einzelnen Silben mifdjt, jenes berbüchtige giften unb fauchen hinwegwifchen, feine tanjmeifter« liehe ©ofe, feine erfünftelte Slnmut, fein Bonnern unb ©chmettem, fein unber» mittelteS ^inüberfprtngen auS bem fjflüftern inS ©chreien, aus ben höchften Sagen in bie tiefften baS erfepen, was unter bem jahrelangen nerbentötenben klappern jener oben erwähnten ©tufif, unter bem Saudjjen gebtenbeter, berftänbnislofer ®rfinblinge im ©arterre berloren gegangen ift . . . bie (Einfachheit, bie flare ©e» obacf)tung, bie SBaprheit beS SluSbrudS, bie Statur!... ©in gan§ anbereS ©ilb gewährt uns Fräulein Xerefina ©egner, bie jugenb* liege §elbin beS XpeaterS. Sine junge ©üblänberin, halb böhmifcher, halb italienifcher Slbftammung, bie bis in ihr petanwachfenbeS Sitter feinen beutfehen Saut über bie Sippen gebracht, fonbrnt immer nur in ber Sprache ©etrarcaS gerebet, fagt ben ©ntfdjlug, ftch ber beutfehen ©Ahne jujumenben. Stit ber ganjen (Energie ihres fprAhenben Temperaments führt fie biefen ®ebanfen burch, fie lägt burch mehrere gapre feinen Saut ber gewöhnten gugenbfpradje Aber bie Sippen bringen, Tag unb ©acht lebt fie nur in ber ©orbereitnng beS neuen ©erufS, in ber ihr- bis bapin fremben Sprache, unb fiepe — nach wenigen gapren fepon ift eS ipr gelungen: fie 716 Klberti. beherrfcht blefe ihr fo günglich neue gfotm beS AuSbrudS mit ber foielenben Sicher¬ heit eines Stübchens, bie feit ihrer ©ebnet (eine anberen Saute als biefe Betnommen, nnb unterftüfct Bon bet ihrer Kaffe angebotenen ftüljiglett, bie ©ebanfen unb (Ern- pfrnbungen butd) Ion unb Bewegung gu fcharfem unb Blaftifchem AuSbrud gu bringen, ift fte, ein blutjunges ©efdjöbf, nad| (utget 3«it bet prattifcijen Begütigung ihrer unermftbltdjen Übungen imftanbe, an bet erften Bflljne beutfcher 3“«8« fich ben Beifall bet oerm&hnteften aller $u$5terf$aften gu erringen. (Ein 28inbfto| beS 3ufaDS führt biefeS junge, fraftftto&enbe Zaleut nach Korben, an bie fanbigen, {laubigen, flachen Ufer bet Spree, an benen bie fetbfttnbigen, mit bem Blut bet (Eigenart ausgerüsteten (ünfllerifchen latente fo feiten finb, wie bie fonnigen Zage unb bie blühenben Auen. Unb ©Ifld aüet ©lüde! biefeS fdjmellenbe, gnt (Entfaltung unb gum Sicht fütebenbe ©amenforn oerfliegt fidj auf einen ©oben, bet Bon Stünnern, bie gehn Stal übet ihr ©erbienft Born $ufa!I begünftigt finb, mit bet auSgefbtochenen Abficht bereitet rotrb, eine gefunbe ©flangftfitte gegenüber bem alten, abftetbenben, nerfumpften, auSgefogenen Ader StetyomenenS gu bereiten. Bie toetben fie biefeS frifche, (oftbare ©fanb behüten, pflegen, anSbitben, nach allen Kegeln bet Kunft unb beS ©erftanbeS ÄUeS befeitigen, was feine (Enttoidlung hemmen (Btrate, Alles befchleunigen, was bie natürliche, gefunbe (Entfaltung unb Kräftigung beSfelben fötbetn muff! Sie werben fte bereit fein, jeben Auswuchs im Anfafc nn» erbittlich toeggufchneiben, unb nicht Bon biofeer ©ewinngiet geleitet, ftreben, baSfeibe nach einet Kidjtung hin gu treiben, bie ihnen für ben Äugenblid Botflbetgehenben ©orteil, bem jungen ©flüngchen felbft aber für bie 3»(unft unberechenbaren, nn» Betbeffetlichen Schaben bringt! 3a freilich, wer fo bentt — wie etwa bet felige Saube gebacht haben Würbe — bet h«t bie Kechunng ohne $etrn S’Arronge gemacht, biefem Steiftet in bet Kunft, Zalente gu Berfenrien unb fich entgehen gu laffen, gu oerbilben ober für bie 3wede feines ©elbbeutels auSgunufcen unb bann wegguwetfen wie auSgebrefjte Simonen! Kaum hatte 3*1- ©efjner Bot bem Berliner fßublifum bie erften Beweife ihre# ftarten unb urfprflngticijen ZalentS gegeben, fo ahnte $err S'Ärronge mit jener feinen ©djnüfflernafe, bie allen Spetulanten eigen ift, baff h' et «in leibliches ©efchüft gu machen. Zie gfingliche Unerfahrenheit beS blutjungen ZingeS in (aufmünnifchen nnb juriftifdjen Angelegenheiten (lug auSnufcenb, Berficherte et fich gunfichft bet neuen Kraft auf eine lange Keilje Bon 3al|ren unter ben für bie testete benlbat nngflnjtigften ©ebingungen, burdj einen Kniff, bet aOerbingS nicht getabe unter bai Straf gefefcbuch füllt, bet aber bas BerhültntS beS Bühnenleiters gu feinen Stitglic» bern in bem feltfamften Sichte erfcheinen laffen muß. Unb bann, nachbem et biefe Kraft feinem Unternehmen gefiebert muffte burdf einen ©ertrag, bet, nebft ben Umftfinben, unter benen et abgefdjloffen war, baS Adjfelgnden bet 3«tißen erwedte, aber fichet, ba§ bet felbftbemufjte Stolg beS jungen Stübchens ihr nicht geftatten würbe, bie übereilte $anblung öffentlich i M bereuen unb wieber gu Bet» neinen — bann begann eine AuSnufeung, ein foftematifcheS Kuinieren biefer eigen¬ artigen Begabung, bie fchon nach wenigen Stonaten gu ihrem notwenbigen 3»«l« führte. ZaS fSrach, gu bem Sri. ©efjner geboren unb berufen fchien wie wenige, war baS ber jugenbtidjen $etbinnen. ZaS (laffifche ©ewanb war eS, in beffen galten fie fich am natürliche« bewegte, bie Zöne Berfchmtthter, fehnenber Siebe, bie ©türme eines jngenblichen, Born erften ©feil ber Siebe getroffenen, bangen ben, leibenben, enttüufchten $erg«S gelangen ihr meifttrlich, unb feiten haben wir ©milienf Schmer) Oerliner Zgeoterbrtefe. 717 nnb pgenbe Sinnlicgfeit, $ero« Seligfeit beb etgen, big bagia nngefannten ®e» unffei in fo einfachen nnb bewegenben ZOnen oeraommen alb au* igrem Runbe. Da Dar nicht« gezwungene*, gemalte«, erfüngelte*, ba war alle* fcgliegte«, gefnn« beb, prte* Seben! Die tiefgen nnb getoaltiggen BuObrücge ber Seibenfdjaft waren igt freilich oerfagt, in bie Ubgrünbe beb menfcglicgen $erpn* batte biefe* junge Rühcgen noch feinen ©lief getgan, wügrenb beb Saufe« ibreb Seben* nicht, nnb bie (finglerifcge Intuition enbete bei ibr ancb ba, wo bie eigene (Erfahrung an ber ©tenje ibreb ©ebiete« angefommen war. Da« war fein Unglfld, aber bab muffte beachtet werben toon einem ©fignenleiter, ber fich auf feine (Erfahrung nicht wenig einbilbete unb eb (Entft meinte mit bem fremben, ihm anoertrauten Schabe. 3nnge Weibliche latente ffnb Weicheb ©ach« in ben $üjtben ihrer (Er^ieger. Ran mufj ihre 3nbioibüalitfit erforfchen, fte butch ftetige Übung in ihrer natürlichen Wichtung fortbilben, aber man barf fie nicht fibermüben, unb beileibe nicht anf ©ahnen brüngen, bie ihnen wiberftreben, für bie fte nicht geraffen finb, noch ebenfomenig ihnen Aufgaben anflegen, bie p leicht finb für fie, Saften, bie ihr Zaleut p ©oben brücfra ober bie fte nicht fühlen, fonft geht eb mit ihnen wie mit ©Utfern, in welche man p beifieb ©affet füllt: fie {bringen. 3ene beiben Dinge aber gefchaben mit Sri. ©efjner. 3h* Warne anf bem #ettel füllte bab Zgeater, ihr Sob war in aller Runbe — alfo muffte berfelbe fo oft alb möglich bort erflehten, ©ei jeber ©elegenbeit, paffenb ober nicht ttHe* mußte fte fpielen, wab ihre ftrüfte weitaub überftieg, wab fie anf ©ahnen führte, anf benen p gehen ihr Suff nicht gemacht war. ©tan lieg, biefeb junge, garmlofe Rübchen bie Sabh Racbeth fpielen, biefe furchtbare Zochter ber Wacht, bie Schöpfung eineb Ricgelangelo ber ©ügne, welche bie (Erfahrung, bie ftraft einer gereiften, Oieljührigen ftflnglerfdjaft oerlangt, tiefe ©lide in Seiten beb Sebenb, bie einem neunzegniAgrigen Rübchen felbft beim Zheater nnbelannt bleiben, unb würe ge bab grOgte ©enie, bab bie ©eit noch gefegen. Ran bürbete igt Wollen anf, wie bie' Wntigone, beten* Wnforberungen fegon ihre hhhßfcgen Prüfte weit übergiegen. Ran lieg ge junge, rügrfelige ©itwen in faben ©lumenthalfchen Slfanjereien fpielen, mit benen ge fo wenig anpfangen mugte, wie eine junge. SOwin mit einem «oglfopf, mit bem ge eine 3 junget} % nmt} ttnfr mnq ^mhensguHliL Pon 2TI. <0. <£onrab. (2iun4fn.) ^ at f e * ne fJ e i m 9 e 8 an 9 encn erftcn Kaifer, beit greifen SBilfjelm unb ben totfraufen griebricf), geliebt unb betrauert, mie ein grofjeS SReicf) feine §elbenfiirften lieben unb betrauern muß. *“^ 6 ^ @3 roirb iljren Saaten unb iljren 2eiben, bie beifpielloS in ber Jwf Kaifergefd)id)te, ein unerfcf)ütterlitf)e§ 2lnben!en bemaljren. JYt) 3118 ber britte Kaifer ben Xfjron beftieg, ba jubelte jebcS errfd)er, ber feines ©oßeS gugenb t>erftef)t, meil er felber jung ift. 3Rit ber Kaifermürbe beS jungen 2Bilf)elm mirb eine ©erjüngung aud) über baS SReidf) lommen; neue ©aft* unb Kraftquellen merben aufbrecf)en unb eine frifc^e Stuft mirb meljen, bafj e§ eine 2uft ift ju leben unb ju fdjaffen. 16 Vol. 4/2 722 (Eonrab. @o hoffen cS wenigßenS affe optimiftifchen fReidjSfreuttbe. 3)ie Säurten beS KaiferS ju unferen norbifchen SRadjbarn, §u bm #errfcf)ern pon SRußlanb, ©djweben unb JDänemarf, — beneit ßdj je|t bie galjrten nad) bem ©üben, nodj Sien unb 5Rom anfchließen, »erben tn ihrer Sirfung auf bie Politiken ftußänbe freilich leicht Pom Solle überfd)äfct Kein (Einfuhtiger »irb glauben, baß burch fürftttdje Sefuche unb $öflidj* feiiSauStaußhe jemals auch nur baS (Geringfte in ben Sejiehungen ber Stationen ju einanber gebeffert »urbe. Auch baS broljenbe ©efpenß ber Kriegsgefahr »irb baburdj nicht Perfcheucht, fo fehr man ftd) auch bemüht, aus affen Sorten unb #anbhmgen unfereS jungen KaiferS unb jumat auS feinen ÄuSlanbSfahrten bie ßärfßen Sfirgfdjaßen für ben gortbeßanb ber europäifchen griebenSpotitif hetauSjuflügeln. Äffe Seit f&htt fort ju rüßen, ein Staat übertrumpft ben anbern in ber Aufhäufung Pon Kriegs» material, unb jeber glaubt fidj nur info»eit Por einer feinblichen Über* rumpelung ft eher, als feine Simbni8*@tärfe unb KriegSauSriiftung bem Machbar gurdjt einflößt. $)aS Si vis pacem para bellum hot im heutigen (Europa eine AnWenbung erhalten, Pon ber fidj bie ©taatSftugheit ber alten {Römer »oht nie et»aS hätte träumen taffen. ®iefe merfwfitbige Art Pon griebenSpotitif, bie eigentlich nur bebeutet: bewaffnet bis an bie $ähne, »iff ich jUtar leinen AngriffSfrieg, aber fobaff) in irgenb einer ©de ber $anj loSgeht, lann mich fein Sirbel erfaffen unb ber Teufel foff mich h 0 ! 01 » wenn ich nicht u. f. ».! — h fl t bisher leinen unfern geinbe friebticher geßimmt; »eher in granfreidj noch in Sußlanb ift ein merfbareS Burücftreten ber Abßdjt ju (onftatieren, unS bei nädjfter günftiger (Gelegenheit mit Krieg ju überjiehen. 3a, »enn burd> foIcheS hinausjögern — auS gurdjt Por bem {Rißfo! — »enigftenS eine Abftärung unb ©änftigung ber ßdj feinblich gegenüber ftehenben wirflidjen ober fünft* liehen ©taatSintereffen ju erwarten Wäre ober AuSficht beftänbe, baß in* jwifdjen bie friebliebenben Elemente unter ben Söllern baS fpürbare Über« gewicht über bie friegSluftigen gewinnen! Aber feine ©pur baPon. @o wirb ftch benn auS ben beftehenbleibenben feinbfeligen ©egenfäpen unb auS ber immer fchärfer betonten griebenSpotitif nur um jfo ßeßerer ber Krieg enttpicfeln, für beffen ®urchfämpfung"jept affe (Großmächte ihre beften Kräfte auffparen. 9fach romantifcher fianbSfnechtS*Auffaßung haben wir alfo baS (Glüc£ in einem hrcrifdjCTt 3ritalter ju leben! SDa mag eS benn bem beutfehen Soße ju Iroft unb (Ermutigung gereichen, baß fein junger griebenSfaifer jugleidj ein rechter ©olbatenfaifer iß, ber genau fo lange {Ruhe in (Europa ftiften unb bie Serträgfidjfrit Permitteln hilft, als eS ßch mit bem Sorteil S>eutf<$fonb8 junget Äaifer unb feine ffriebenbpolitif. 723 unb bet ©ürbe unfereb jungen Steife« nettrögt SRöge bann wenigftenb, wenn bte fatale ©tunbe ferlögt unb bet Angreifer aub Oft ober Söeft unb an ben Seib will, bab junge {Reich Wie ein Athlet auf bem Ifampfplap et* ffeinen unb alle (Segnet fiegreidj in ben ©anb ftreefen. Sieben bem latenten ftrieg in bet ÜRabfe bet tfriebenbpolitit ^aben jept fdfjon fäntilidje europäifdje Staaten in intern ©chofje bab ©djaufpiel beb täglich wilbet entbreimenben ftampfeb bet flebenb* unb (Srwetbbintereffen. ©er Arbeiter fagt: ©ab foO ich mich um $ungerloh n noch länget für bie ftemben reichen Seute fd)inben? ©et fatte ffigoift fagt: SBetm eb mit ge« lingt, alle meine Sebürfniffe unb Raunen §u b^ntebigen, fo ift eb mir bödfjft gleichgültig, ob alle anbeten Xtoglobpten im (Slenb h^den. Unb fo Weitet bet ©petulant, bet Frömmler, bie äjthettfche Seftie, bet ehrenhafte, befolbungbfidjere ©üreaufrat unb tntti quanti, bie übet bie gemeine {Rot* burft hinaub ftnb. $iet h«6t bie ffriebenbpolitil einftweilen ©ojialreform. Unb im {Reich beb (Seifteb, in bet ßitteratur unb ben fünften, flehen bie ©inge nicht friebfertiger. Uber auf biefem (Sebiete hat bab {Retef) übet* haupt noch leine fßolitit; ba fteefen wir noch in bet fünften ftleinffaaterei unb ftlemftäbterei. Mein Wähtenb einzelne Staaten unb #öfe beb Wieber« gebotnen beutfehen {Reicheb wenigftenb ben ftnnfälligeren unb materielleren fünften, bet Hrdjiteltur, SRalerei unb ©fulptur mehr obet Weniger beben« tenbe Aufgaben {teilen unb jahrein japraub mächtige Aufträge unb {Rittet juweifen, geht bon ftaatb« unb ftabtwegen bie oatetlänbifdhe ©ichtung faft ooUftänbig leer aub. ©enn bafj ein ©ichter, bet enblich mit Sich unb ftrach unb unter bet (Sunft beb BafaUb butchgebtungen unb ju Sfafehen unb Popularität gelommen, in feinem bietjigften Sah« einen Otben, in feinem fünfjigften einen Xitel unb in feinem fechftigften ben (SinfUber „bon" aUethulbteihft öorgefept erhält, bab wirb man hoch wohl nicht für eine genägenbe, eineb großen SBoHeb wihtbige Unterftüpung bet batetlänbifchen ßitteratur aubpofaunen Wollen? ©äprenb man bie beutfehen ©uibbeftper, bie ©chnapbbtennet u. f. w. mit bet liebteichften ©otge umgiebt unb ein ©djupgefep umb anbere für fte bereit hält, werben bie beutfehen ©ichter auf ben ftaatlidh unb ftäbtifch fubbentionierten Sühnen bet ttriiienbften Äonfurrenj bet Slublänber, namentlich bet {frangofen, fdjuptob pteibgegeben. ©ie franjöfifchen ©chriftftetler unb ftomponiften fchleppen jährlich ftunberttaufenbe aub unfern Xheatetlaffen fort, wähtenb einheimifche ©ramatiler in ©ahnftnn unb {Rot oertommen. Sa, fchon auf unfeten gelehrten ©taatbfchulen macht man bem batetlänbifchen (Seift unb feinem Schrifttum fort unb fort geßiffentlich unb Programm« 724 Gontab. 2)eutf$Ianb* junger Äaifer nnb feine SriebenSpolttif. mäfjig bie überfpamttefte Ifonfurrenj butcf) bie unberhältniSmäfjige ©er* himmelung unb ©eborjugung, bie man ben antifen ©praßen unb Schriften angebeiljen läßt; ba gilt unferer h 0 ( h m ögenben ©elaprihrit bet elenbefte gtiedjifdje unb römifche ©djmierant unb ©erfifey ^eute noch mehr, als bet begabtefte unb töc^tigfte mobetne ©djriftfteller DeutfchlanbS. ©net getoiffen unauSgefefcten 21 ufmerff amfeit non Oben ^abett ftdj unfete ©chriftfteller unb Ih efltw aöerbingS §u erfreuen: bet 3*nfur unb bet polizeilichen ©ebotmunbung. 3n feinem anbeten ßulturftaate bet SSBett »erben jährlich fo biele ©iicher, ©ebichte unb Xheaterftiicfe betboten unb ge»altfam berftümmelt, als im Deutfchen ©eiche, ©nem unbeteiligten ©e* obadhtet, bet 3 . ©. auS bet Höh e beS HunbfterneS jufähe, mit »eldjer Hochachtung unfete ©taler, ©ilbhauet unb ©tofefforen im ©eich behanbelt »erben unb »elcf)e ©ücfftchtSlofigleit man unfern Richtern unb ©«hriftftellern entgegenbringt, bem miifjte gan§ blümerant »erben. Die größte ßunfttljat beS SaljrhunbertS h at ein Deutfdjer boUbradjt: bet Dichter*Äomponift ©teifter ©ichatb SBagnet. Unb flehe ba: fein epo«he* machenbe« 2 eben 8 »erf, baS ©apreuther geftfpiel, mufjte ftch unter ben un* erhörteften ©ch»ierigfeiten als reine ©ribatangelegenheit feine (Jjiftenj er* fämpfen, ohne einen toten Heller ^itfögetb bon ftaatS* ober r deswegen, »ährenb bie beutf^en Staaten jährlich ©KUionen für ben ©r»etb alter ©ilbet unb ©chmöcfer in ihren SubgetS hüben. ©ne reiht artige Übung ift auch bieS, bafj fuh unfere großen ©taatS* bibliotheten bie SBerfe moberner ©chriftfteller am liebften nichts foften laffen, fonbem auf beren ®r»erb in ©eftall unberechneter ©efepenf* ober ©flicht* ejemplare bebaut ftnb. SBaS »ürben unfere bermöhnten ©talermeifter baju fagen, »enn bie ©taatSmufeen ihre ©ilbet als ©efcf)enf* ober ©flicfjtejeni* plare hüben Wollten? ©on bet ftaatSerhaltenben unb ftaatSgeiftentwicfetnben fitaft bet bater* länbifdjen Sitteratur fdjeint unfern großen ©eicpSpolitifern noch nichts ju bämmem, ober »enn fchon, fo benfen fte »ahrfcheinlich: bie armen ©cplucfet bon Richtern thun ja ohnehin ihre ©cpulbigleit, bie brauchen feine Huf* munterung. Unb fo fönnte man benn bie hnxfehenbe gricbenSpolitif beS ©eicpeS nach bet ©eite beS baterlänbifchen Schrift»efenS unb feiner Präger auch fo befinieren: Der griebe ©otteS, Welcher höh er ift, benn alle ©ernunft, fei mit ihnen, fo lange fie Orbre parieren — im übrigen mögen fie unS ge* wogen bleiben. 2 tmen. ©löge eS unS bef«hieben fein, bafj wir unter bem jungen, geiftboQen Äaifer auch ber baterlänbifchen Sitteratur unb ihrem geiftigen ©epalt — $üfinemann, $enrif 3bfen8 GtetfteSentnrictelnng uitb Äunft. 725 abgefehen Don intern „öfonomifcfjen Xaufchwert" — jene Vebeutung unb ftaatlid|e SBürbigung gewinnen fehen, bie bet SBeltmachtftellung eines großen, jugenbftarten VotfeS entfpricht. Bwtril P«f n* imlmntattdUtrog unb Xtttml« Pon (Eugen Küljnemann. (Jkatuiourr.) *Sueer« fahrt" unb ,,©ie Äronprätenbenten". ©ie „Storbifdje Heerfahrt" be« hanbelt bie ©age oon ©runhilb, ©unther unb ©iegfrieb, aber nicht in ben mpthifchen, gewaltigen ©erhältniffen; auS ber SBattüre ift ein irbifcheS SBeib, #jötbiS, au« ben rieftgen Steden ftnb gelben oon menfchlichem Eitaft ge« worben: ©igurb unb ©unnar. Sn aufopfernber Sreunbfchaft für ©unnar hat ©igurb feine eigene Biebe ju $jörbiS unterbrüdt unb biefem baS SBeib erworben, inbem er bie oon ihr oerlangte $etbenthat ausführte, unb be« ftauptete, ©unnar habe fte oottbradjt. Elber bie ©he mit bem frieblidjen Eltanne oerjehrt #jörbi8' wilbe Seele, unb als burch mannigfache ©reigniffe bie beiben, ©igurb unb £jörbi«, ihre gegenfeitige Biebe entbeden, ba Will baS mächtige SBeib, unbelümmert um ©itte unb ^erbmmen, bem geliebten Eltanne als Waltürenhafte ©eteiterin folgen, ©och @igurbS Stüdficht auf fein SBeib unb feinen ffreunb oerbieten eS, unb in geiftjerrfittenber ©er« jWeiflung tötet ftjörbi« ihn unb fich. ©aS Unglüd einer ffrau in ber ©he, f«h®n wir, ift baS bewegenbe SRoment ber £>anbtung. ©urch eine Büge warb biefe ©ha begrünbet, fchon barin trägt ftc ben fteint beS Unheil«, unb Warum Warb biefe Büge be« gangen? Eticht in treüer $i(fSbereitfd|aft beS talt gebliebenen fffreunbeS, fonbem um bie ©itte, ben für ©ugenb gehaltenen SEraucft ju wahren, hat ©igurb bie Etatur, feine Siebe getötet ©iefen groften, wichtigen ©egenfap beS ©rauche«, ber für ©ugenb gehalten wirb, unb ber Etatur, ber treu $u folgen bie rechte ©ugenb wäre, baS ift ben ©egenfa| ber fittengemäften unb ber geiftigen Eluffaffung oon ©ugenb erfennen wir noch an mehreren Stetten. EU« ber alte Oernulf $jörbi8 eine SSuhlerin fchilt, weil fie ftch Jpenrif gbfeitS (Seißetentnridelung unb ftunß. 727 ßabe entführen laffen, miß fie ißre (Eßre titelt bureß bie gefeßmäßige ©uße, fonbent burdj eine große, ißre SBaßl reeßtfertigenbe Dßat SunnatS gereinigt roiffen. Unb naeß bet (ErfemttniS ißrer gegenteiligen Siebe miß fie troß (Eße unb $erfommen ©igurb als geiftige Semaßlin folgen, 3n bem Siber« ftanbe ©igurbS tritt juerft bet anbere roießtige Segenfaß ber Stütfficßtnaßme auf bie Söer^ftltniffe unb Umftänbe gegen ben reinen Seift ßeroor. 3n biefer auf Süge gebauten (Eße ßat bie Statur beS SBeibeS ißre Kräfte nießt in ißr entfpreeßenber Seife entfalten fönnen. DiefeS ©ebürfniS ber ©tenfeßennatur, ißre eingeborene *JCrt naeß aßen ©eiten §u entroiifeln, muß feßon ßiet im tiefften Srunbe bie $aitblung betuegen. Sir fötmen eS ben inneren ScbenSberuf beS SÄenßßen, baS ©rinjip ber 3fnbioibualität nennen. Die ©erßältniffe, in roeltße §jörbi 8 geführt ift, ßnb ißr ju eng, ißr ge« maltiger SebenSbtang iß in bämonifeßen SerßörungStrieb umgeßßtagen. Die reeßte (Entfaltung ißrer Snbioibualität iß üerfeßtt Senn mir natß biefen (Erroägungen bem Sange beS Dramas folgen, maS ßefit eS unS bar? bie (Entmicfelung ber Saßrßeit auS ber Siige, ber Statur auS ber.Unnatur. Die äußere unb innere ©teßung ber $jörbi 8 lernen mir fennen, unb bureß ißren jerftörenben Stacßeburß mirb bie $anblung bemegt. Da nun bie mannigfaeßen öorauSfeßungen in epifeßer, farbenreießer ©reite Porgefußrt merben, fo entßiißt fitß erft im jmeiten Stft bie ganje Diefe beS ÄonßifteS. Überßaupt öermenbet ^bfen feßon in ber „Storbifcßen $eerfaßrt" auf bie gatbe beS Sanjen große ©orgfalt; bie bämonißße Statur ber ${i)rbiS giebt gteießfam ißrer ganzen Umgebung eine bämoitifcße garbe. Seroitter unb ©türm feßeinen ißre Begleiter, unb in biefer unßeün« ließen, milben Stimmung feßeint .baS Drama über baS ©tenßßlitße ßinauS« jumaeßfen. Die „ftronprätenbenten" füßreu unS auf ben bemegten Äampfplaß politiftßer ©treitigfeiten. SluS mirrem Kampfe iß #a!on als Äönig StortoegenS ßeroorgegangen, aber ber garl ©fule fann feine faßrelange Hoffnung auf ben Dßron nießt aufgeben unb mirb bon 3»eißl unb ©erlangen gepeinigt, als er Pom ©ifdßof StifolaS erfäßrt, baß $afon mögtießerroeife nießt ber ©oßn beS alten ÄönigS fei. 3n feinen ©eelenfämpfen trifft ißn bie (ErfenntniS ber genialen Über« legenßeit beS ©eneibeten. Diefer miß aßer Überlieferung jutn $oßn einen ganj neuen, ureigenen Sebanfen inS Ser! feßen: er miß auS bem 5 er« fplitterten Stormegen ein einig ©ol( maeßen. 211S ©fule fieß bennoeß jum ftönige auSrufen läßt, erßebt ßtß #afon in feiner ganzen ®raß. ©ein $erj ßnbet Stuße unb grieben in ber Siebe feiner SJtutter unb feines SeibeS, ©fuleS Dotßter, bie er auS ©olitif geßeiratet ßat, — grauen, beten ^erjenS« 728 JHUjnemann. tiefe er jefct erft in feiner Sebrängnid erfennt. Sättig üemicf)tet finbet Slule nur am Sebendenbe eine gute Xt|at: bamit #alond Äflnigdgebanle unb $alond ©lüd meüerleben, geht er freimittig in ben Job. SBir erfennen halb, bajj in biefem Jrama noch meit mehr ald in ber „Sorbifdjen Heerfahrt" ber ©ebanle bed Sebendberufed ben $em> unb $eün= punlt ber $anbtung hübet. 3art Slule betrachtet ed ald feinen Sehend» beruf, Äönig ju merben, aber ed ift bie Sufi ju bem ©lan$e unb ber SRac^t bed ßönigtumd, bie ü)n leitet. Ja er nun fetbftffichtig auch 9 e 0* n bie (Genialität §a!ond feinen ißlan meiter oerfolgt, oertennt er feine nicht jum $errfjörbid aber fteht gu gewaltig, gu geiftig in ihrer Auffaffung ber Dinge bor und, ald bafj fie burch *>ie 2Jtöglier ©ebanle fchafft hier ben äufjeren ©ang. gm erften 2Ute Wirb er gang abftralt ben herrfcljenben ©tächten be« Beben«, Welche in brei tppifdjen ©eftalten Pertörpert jtnb, entgegengefteHt ©egenübet bem ©tumpfjtnn, ber hinter 83rauch unb Überlieferung in feiger Halbheit ftch Perfchangt, bem Seichtfinn, ber am HbgrunbSranbe Sieber fingt unb bie SebenSpflicht nie erlernet, bem SBahnfinn, ber ©öfe« für gut erachtet, Will ©ranb bie tiefe Erfüllung ber SebenSpflicht burch ©eifpiel unb SBort Perfechten, bie in treuer 9tu8bilbung aller eingeborenen Kräfte bie Statur be« SJtenfdjen einigenb pollenbet. Stlfo nicht bie ©erhältniffe, fonbem ber reine ©eift foH herrfchen, ba« Seben foU leine burch @chidfal unb Umft&nbe bewirlte Stneinanberreihung Pon ©egebniffen, fonbem ein ßunftmer! fein in harmonifcher StuSbilbung be« ©elbft. SJtit anbem SBorten: ber innere Se* benSberuf, ber ben ©tenfehen gut ©erfönlichleit macht, foü gang erfüllt werben. 3)iefe innere männliche SBelt Wirb im gweüen Ulte erweitert unb belämpft ©ranb beweift burch bie Xhat ben Emft feine« Streben«. $)a juerft tritt ihm bet ©ebanle ber ©ererbung entgegen, unb Pott Schauber erlennt er, wie ber ©tenfdj ohne feine ©djulb beftimmt ift burch feine ^erfunft. ©ei einer grau guerft finbet er ©erftänbni«. Slgne«' reine« #erg ahnt bie erlöfenbe SBeite be« ©ranbfehen ©ebanlen« mehr, al« bajj fie ihn Perfteht, fie erblidt in ihm ihre eigene ©oüenbung unb beweift ben ganzen erhabenen Opfermut, ber bagu gehört, ber alten SBelt abgufterben. dagegen tritt ihm bie $atb* heit ber menfchlidjen Statur in ihrer niebrigften gorm, bem kleben am ©elbe, in ©erfon feiner eigenen ©tutter entgegen. 8 HT biefe Elemente werben im britten Hit auf ihre $öhe geführt. Slgne« ift ©ranb« SBeib geworben, unb bei ihr finbet er grieben in feinem raftlofen $enrit 3bfeni Seiftetotttoidelung unb Äunft. 731 Streben. „90tteb ober nicbtb", ift fein ©aljlfprucb. (Sr tröftet bie SRuttev in iferer Xobebftwtbe triebt, »eil fte bem nichtigen Rängen am Selbe nicht entfagen fann. (Sr Oerbammt bon feinem männlichen Stanbpunlte aub bie Siebtingbfcbtagworte ber ©eit: Siebe unb Humanität, alb Mattieren mit bet menfdjlicben Schwachheit unb in biefem ©orte: ber feige ©alt mit ben ttmftänben, bem Stoff ber SBelt, finbet er bie abftrafte (Srlenntnib für all bie $atbbeit im Seben, toelcbe bon ben itbifeben ©ebürfniffen an bid $u ben religiöfen (Smpftnbungen reicht. DiefeS ©altieren tritt ihm in febroff« fter Form im Sogt entgegen, ber, ein echter ^^ilifter ohne Sefüfel unb Se* banlen, in feinem ©ejirfe bie borgefchriebene ©flicht tbut, boeb irgenb toelcbe geiftige ©flicbtauffaffung nicht begreift ®em gegenüber erlennt ©ranb immer mehr in ber febroffen aubbilbung beb ©ittenb bie innere (Srtdfung beb SRenfcben. SBo^t erfebüttert ihn bie (Srlenntnib, bafe bie raube Suft beb Sanbftricbeb, ben Sott ibm jum ©irhtngbfelbe gab, fein Äinb toten »erbe. aber bennoeb befcbliefet er nach febwerem Äampfe, feiner ©flicht treu $u bleiben, unb bemeift fo butcb bie Xbat ben (Smft feineb Streb enb. ®ab Äinb ftirbt, unb feinem ttrie feineb ©eibeb $erjen nicht einen Söfcenbienft in Siebe ju bem Seftorbenen §u erlauben, ihr SefiUjt, ifet eigeneb $erg, in bem ihr größter ffetnb, ihr gröfeiet Stampf ruht, ju überminben — bab ift ihre Aufgabe im Pierten Ulte, ©äferenb Sranb fo bab #flcbfle Pon feinem rein geiftigen Streben Perlangt, tritt ihm am niebrigften im ©ogt bab ©altieren mit bem Seben entgegen. Hgneb reifet enblicb ifer #erj bon bem Xoten lob, aber biefer ftampf ift übermenfcblicb, er tötet fie felbft X>ie äufeerfte (Sntfagung ift ber Sieg, aber fie Pernicbtet ben Sieger.] Xer einfame ®ranb, bureb feinen übermächtigen ffiampf gleicbfam geifter* baft aub ber ©eit entrüeft, erlennt enblicb i m lepten alt, »ie bab ©altieren mit ben ©erbältniffen, bab Unterbrüden ber ©erfOnlicbleit bib in bie bOcbften Äircben* unb Staatboerb&Itniffe berrfebt »ie Äircbe unb Staat biefe Halbheit begünfrigen, »eil fie gute Untertbanen macht, ©obt gelingt eb ihm, flüchtig bie SRenfcfeen ju ber anerlennung feineb 3bealb, ber (Sinfeeit Pon Seben unb Sottbienen fortjuretfeen. aber alb fie lein äufeereb Slüd finben, Oer* laffen fie ifen, unb in einem Sawinenfturj gebt er unter. ©enn »ir bie Sebanlenentmidtung alb ben eigentlichen Äern erft recht erfafet haben, fo erfennen wir, bafe bteb Sebicbt echt bramatifcb gebaut ift. SRU ber (Sntttridlung beb ffibaralterb enttoideln ftcb bie Sebanlen unb er* langen in beffen bärteftem Äampfe ifere febärffte Formulierung. Xab ©altieren mit ben gemeinen äRäcfeten beb Sebenb ift im »eiteften Umtreife oerfolgt, unb biefeb ©altieren hemmt bie (Sntttridlung ber 3nbi* 732 £flgnemann. öibualität, hiergegen aber ergebt ftd) eben bec SRut ber üßerfönlicgleit in Sranb jum Sfampfe: fort mit bem niebrigen sieben am (Selbe, roelcge« ben 21b el ber ©eele befledt, fort mit bem Seicgtfinn, ber bie SRenfcgennatur er« niebrigt, fort mit ber feigen 83erfcgan$ung hinter $erlommen unb Überlieferung, fort oor allem mit ber eingeü«lofen 3erftfidetung be« ©efügl«, melcge e« am S erltag bumpf rügen lägt unb igm nur feiertags eine flüchtige (Sr« gebung gönnt! Unb auf« größere Seben übertragen: fort bie pgiltftergafte 2tuffaffung be« 2lmte«, fort bie überlieferte (Enge ber fircglicgen unb ftaat» liegen 2lnficgten! 9Rit einem Sorte: fort alle $atbgeit unb alle Berfplitterung ber SRenfcgennatur, an beren ©teile aber fiege bie einheitliche ©urcgbilbung aller Kräfte in ber Erfüllung be« innern SebettSberufeS bureg Eingabe be« Sitten« an große ©ebanfen unb Biele! ftber beim ftufenmeifen ©uregringen feiner ©rlemttni« »erfüllt ©ranb felbft in Irrtum. Shcgt ogne jebe Stücffiegtnagme tann ber SRenfcg bureg« Seben gegen, bor allem aber muß er bie Statur ftet« gelten laffen. $ier» gegen feglt SBranb 2lgne« gegenüber. Senn mir bei ber tranig eit feine« ftinbe« gleich ig m felbft noeg fegmanfen lönnen, fo müffen mir ign tabeln in feiner gorberung an bie trauernbe SRutter. 3gr Frauenberuf ift e«, igre Seit mit unenblicger Siebe $u umfaffen, §u biefer Seit gegärt igr $inb, unb igre Siebe ju bem ©oten ift lein ©ögenbienft, fo lange fte ber Sieben«» »fliegt, ber Siebe ju bem ©atten unb igrer Umgebung, ebenfo treu bleibt. $ier erftieft bie Übermaegt be« Sillen« ba« ©ernüt, unb bie« gemaltfame Übermiegen tötet böQig ©ranb« ©lüd. ©iefe«, au« feinem Seben«beruf abgeleitet, ift feine tief tragifege ©egulb. Seboeg, mieg bünft, gier liegt aueg ein F^glec ber ©iegtung. (£« mar offenbar 3bfen« Stbficgt, mit abftrafter ©egärfe ba« Sbeal be« mobemen 3 ufunft«gebanfen« in einer eegt männlicgen, ganj auf fieg gefteUten Ißerfön* licgleit, baneben eine eon bem Seift, nicht wie bab ©rama fonft oon bem Stoff bet ©Seit, oon ben ©etßältniffen aub. ©ie SntmicBung beb einen $elben in bet 3bee, unb bie ©egießung bet Seit auf biefe 3bee erregt unfet Qnteteffe. Sewiß — ber Seiß iß bab ©ewegenbe, bab $dcßße in bet Seit. Aber bieb $eraubtreiben jeben Stoffes, biefeb abfolute Abßtaßieten, wie eb be» fonbetb im „©tanh" auftritt, iß eine ftanfßaße Stfcßeinung. Sb ift bie fttißb in bet SntWicttung beb ©icßtetb, bet ©utcßgang gu bet wirflicßen ©eßettfcßung bet Seit aub umfpannenbet Sebanfenauffaffung ßetaub, eb iß bie ©eriobe beb tünßtetifcßen ©tannbatwerbenb. 9tun abet iß bet ©icßtcr flat. 3m „©ranb" liegt abßtaßiett faß bet gange 3nßalt feinet fpäteten ©tarnen. Scßon betlangen im „©eer Sßnt" bie ©etßältniffe einen breiteten Kaum. Unb fo betritt benn 3bfen bab Sebiet, auf bem et feine glorreicßßen Siege etfocßten hat ©ab moberne ßeben an feinen Sebanten gu meffen unb ißm bab ßäutetungbibeal gu weifen — bab witb fein ©etuf. #iet 736 ftüQnemattn. tritt bie eigene ©ebanlenflätung jurücf, tein SBort fällt über ben ©eruf unb bie &rt be$ Sintert, bie ©erfonen, befangen in Unflarfjeit unb grrtum, fprecfjen jebe SSBort für SBort ihrer Stellung gemäß, unb e8 ift, als ob ber Sichter ganj unterginge inben ©erhältniffen, er, ber boie ber (Sharaltere bebingt, unb bie Halbheit ber ©haraftere erUärt ftch miebernrn auS ber ©erfehlung beS ßebenSberufeS. Sem ©uchhanbter ©ahlmann ift burch ®elbmangel ber ©ilbungSmeg abgefchnitten, unb baburch ift er oerbittert; ähnlich fleht eS mit ben anbern SRenfchen, unb Oor allem mirb oerfehtte ©rjiehung, eine (Erziehung burch ®3orte, ftatt burch ®eifpiel, getabelt. Siefe (Srjiehung, bie ÜERenfchen oerbilbet, bereu Seben anberS ift als ihre Überzeugung. Senn nie ift eS ihnen jur unbemußten Laturaot« menbigfeit gemotben, ehrenhaft ju haubein, toeil man fie nie auf eigene güße gefteüt hat ©in foldjer SRenfdj ift Steinhof in feiner UnUarheit, in bem nichts Oon Hingabe an große ©ebattfen, fonbera lauter Ueinliche Selbft= fudjt ift; fogar feitr ©mpftnben ift nicht Uar, benn auch *** biefeS mifcht ftch feine felbftfüchtige ©iteUeü. EluS folcher unb ähnlicher Befangenheit ber ©erfonen, oor allem ber ariftofratifchen Borniertheit beS ftammerhemt, in $etttif 3bfettft CBeifteSenttoidelung unb Äuttft. 737 bet man ben ©ebanfen ber ©eretbung wieberfinben Wnnte, erffärt ft cf) aljo bie ®djiefheit bec ©erhäftniffe. Unb biefe fefbft erlernten mir fcf)lie&fiA/VV #«n raii Jhttt» Don ^rifc Jammer. (VAndjni.) (Hb mar im (Taf4 SRayimilian. Seit Igbfen in SWintcfjen moljnt, ift er bort täglich ju fefjen, bei jebem ©etter, abenbb jmifdjen */,7 unb 1 j i S, ju feiner anbem Shmbe, immer am jmeiten ober britten Sifrfjdfjen redjtb bom ©ingang, gemöljnliat gleichfalls feine Schulung in deutfdhlanb befdjloffen, ©pntnafium unb Uniberfität in SRünchen abfolbiert 9fatürlich tieft unb fpridjt auch grau Sbfen beutfch- Seiber habe ich fie nodj nicht gefehen. Sie fcfjeint oollftänbig jurüdgejogen ju leben. die« jut Kenntnisnahme für diejenigen, bie in 3bfen ben ehrfurcht* gebietenben getmanifdien dppu« frampfhaft jum Äuätänber ftempeln möchten, dafj biefer gewaltige germanifdje did)terbenler feine SEBerfe notwegifch am unb abfafjt, ift felbftberftänblid) für biejenigen, bie felbftfd)öpferifch begabt, einen gemeinten .ßugang $u ben ütRpfterien edjten fiünftlergeifte« haben. (Sin Sitteratur^anbrnerfer ober ein 3mitation«*SchriftfteHer, ohne .ßeugiutgägeift, fann freitith in jWei, brei jungen jugleich „bidjten". 3bfen benft unb fdjreibt nortoegifch unb behanbett normegifdje Stoffe fdjon um ber (Semifjem haftigteit unb {Reinheit mitten, bie er in jeber ernften Sebenfithätigleit be* obachtet. SBie einer ber ftärlften, ift er einer ber teuf «heften Seifter be« Sahrhunbertö. Cht anbermal (Om ich mit unferen Kollegen ©aron 91. &. unb ©aronin ©ertha o. Suttner in« 2Rafimilian«=Cfaf6. „der bort mit ber Sötoemnähne?" „da« ift 3bfen, liebe gteunbin." — ? —" ff * „Natürlich ftette ich mit bem größten ©ergnügen bor. die ©ev= fafferm be« ,3nbentarium« einer Seele* barf nicht Oon München f^eiben, ohne — unb fo rneiter. 9üfo bitte." 9tachbem ich bie #errf (haften Oorgeftettt, jog ich mich jurüd. 3laS ©eranlaffung hot baS ThSatre libre in fßariS — eine Art bramatifcher ©erfuchSanftalt — ftch bie „©efpenfler" überfein taffen, um fie im Saufe beS nächften SBinterS aufjuführen. SouiS be $effetn hat bie überfefctntg beforgt unb in einem ergebenen (Schreiben an Sbfen um beffen fpejieHe Autorifation gebeten. (SS Oergingen ©Jochen, HRonate — SouiS be #effent erhielt feine Antwort. ®a wanbte fid) ber Überfeper an mich- Sch ging ju Sbfen, §emmeter*#au8, (Scfe ber ft anal unb 3Rajimtlian= ftrafje über jwei Stiegen. Sin ber 21jür ein OierecfigeS ©tücfchen ©apier, baS in 3bfen8 eigener ©chrift „Dr. §enrif Sbfen“ anjeigt 3 noch nicht Den finbe tcf> erft am ©chtufj unb ich bin erft beim Dierten &ft" „Da8 Drama behanbelt gemifj mieber einen intereffanten fömftift?" „3a, ich glaube." „könnten ©ie mir eine Stnbeutung —?" „DaS ift unmöglich nrit ein paar Sorten ju machen. DaS fann ich nicht (ES mürbe nur ein fc^iefeS Vitb geben, (Erft menn alles fertig ift. 3a8 ift mirflich fchön. geh laffe ben $erm bielmal 8 grüßen." Hn einem ftämtifchen SBinterabenb, in ber SRcgimilianftrafje ein eingiger toller glocfentang, t ©cbnee Wa 8 bom Fimmel hernieber wirbeln fonnte — manbette ber junge nortoegifebe Stater grithjof ©mith boH ©ebnen unb Ungebulb unter ben Gefaben be 8 ©af48 auf unb ab, at 8 hätte er Sieb’ im Seibe. geht bohrte fin getroffen unb mit geschmettertem Sein in ben Bahngraben gefdjteubert hatte; baS anbte SRal einet Keinflafche me gen, bie aus bem ootübettafenben SchneQguge unb mitten auf feine Stuft geflogen mat. Sufjer biefen beiben UnglüdSfftOen hatte nichts oermodjt, ü>n, fo balb et frei mat, oon bet ftitt^e fetn gu galten. Zie etften fünf Qa^te hatte et ben Keg oon ©d)dn*otnftein, einet Stalcmie an bet Spree, herüber nach 9teu*3ittau allein machen mfiffen. (Eines frönen Zages mar et bann in Begleitung eines fchmächtigen unb fränfliep auSfefjenben grauengimmerS etfdienen, bie, One bie Seute meinten, gu feinet Ijerfulifdjen ©eftalt menig gepafft hatte. Unb miebetum eines fernen Sonntag nachmittags teilte et biefet fetben fßerfon am SItare bet Äitcpe feierlich bie $anb gum Sunbe fütS Sieben. &mei Sapte nun faf} baS junge, garte Keib ihm gut Seite in bet ftirdjenbanf; gm« gapre bliefte iht h^himangigeS, feines Seficht neben feinem oom Kettet gebräunten in baS uralte ©efangbuep —; unb pldfelich fafj bet Sahnmättet miebet allein mie guöor. Sn einem bet oorangegangenen Kochentage hotte bie Sterbeglocfe ge« läutet, baS mat baS Sange. Sn bem Kälter hotte man, mie bie Sieute oerfichetten, laurn eine Set« änbetung mahrgenommen. Zie Staäpfe feinet faubten Sonntagsuniform maren fo Man! gepufft, als je gubor, feine toten $aare fo mohl geölt unb militätifch gefcheitelt One immer, nur bah er ben breiten, behaarten 9taden ein menig gefentt trug unb noch eifriger bet fßrebigt (aufchte obet fang, als et eS ftöh« gethan hotte. (ES mat bie allgemeine Snficht, bah ihm bet Zob feinet grau nicht feht nahe gegangen fei, unb biefe Snficht erhielt eine 748 $au»tmann. ©efräftigung, als ftc^ Xt)kt nad} ©erlauf eines gahreS jum {Weiten ©tale unb {War mit einem biden unb ftarfen graucnjimmet, einer Äuhmagb aus $Hte*©runb, »erheiratete. Auch bet ©aftor geftattete ftdj, als itjiet bie Trauung anmetben fam, einige ©ebenfen {u äußern: „3h r Wollt alfo fcßon toieber heiraten?" „9©it ber loten lann ich nicht wirtfchaften, §err ©tebiger!" „9hm ja toohl — aber ich weine — 3h* eilt ein wenig." „®er gunge geht mir b’tauf, $err ©rebiger." £hiel8 grau mar im Wochenbett geftorben, unb ber gunge, welchen fie jur Welt gebracht, lebte unb hatte ben ©amen JobiaS erhalten. „Ach fo, ber gunge," fagte ber ©eiftüche unb machte eine ©ewegung, bie beutlich jeigte, baß er fich beS kleinen erft feßt erinnere. „®aS ift etwas anbreS — Wo habt^hr ih n benn untergebracht, mäljrenb 3h* im ®ienft feib?" Xhiel erzählte nun, wie er JobiaS einer alten grau übergeben, bie ihn einmal beinahe habe »erbrennen taffen, währenb er ein anbreS ©tal »on ihrem Schoß auf bie (Erbe gefugelt fei, ohne glfidlichermeife mehr als eine große ©eule bauon ju tragen. ®aS fönne nicht fo Weiter gehen, meinte er, jubem, ba ber gunge, fchwächlich Wie er fei, eine gan{ befonbre ©ftege be« nötige, deswegen unb ferner Weit er ber ©erftorbenen in bie $anb getobt, für bie Wohlfahrt beS jungen ju jeber 3*»t ausgiebig Sorge ju tragen, habe er fich 8 U bem Schritte entfdjloffen. — ©egen baS neue ©aar, Welches nun aüfonntägtich jur Kirche fam, hatten bie Seute äußerlich burcßauS nichts einjuwenben. ®ie frühere Äulj« magb fehlen für ben Wärter wie geraffen. Sie War faum einen halben ftopf Heiner wie er unb übertraf ihn an ©fieberfülle, auch war ihr ©eficht ganj fo grob gelitten, Wie baS feine, nur baß ihm im ©egenfa| §u bem beS Wärters bie Seele abging. Wenn Iljiel ben Wunfch gehegt hatte, in feiner {Weiten grau eine unuerwüftliche Arbeiterin, eine mufterhafte Wirtfehafterin {u haben, fo war biefer Wunfch in überrafchenber Weife in (Erfüllung gegangen. ®tei ®inge jeboch hatte er, ohne eS {u wiffen, mit feiner grau in föauf genommen: eine harte, herrfchfüchtige ©emütSart, .Banffudjt unb brutale Seibenfdjaft* lidjfeit. ©ach Verlauf eines halben galjreS War eS ortSbefannt, Wer in bem Räuschen beS Wärters baS ©egiment führte, ©tan bebauerte ben Wärter. ©S fei ein ©tücf für „baS SKenfch", baß fie ein fo gutes Schaf wie ben ®hial jum SDtanne befommen habe, äußerten bie aufgebrachten @he= männer; eS gäbe Welche, bei benen fte greulich antaufen würbe. So ein „Xier" müffe hoch firte ju machen fein, meinten fie, unb wenn eS nicht Sapnto&rter Dpiet. 749 anberd ginge, benn mit ©cptägen. Durcpgewalft müffe fie werben, aber bann gteicp fo, bag ed jöge. Dabon aber war Dpiel trop feinet fepnigen Ätme weit entfernt. Dad, Worüber ftdj bie Seute ereiferten, festen ipm Wenig Äopfjerbrecpcn jii machen. Die enbtofen ©rebigten feiner grau lieg er gemöpnttcp wortlod über fiep ergeben, unb wenn er einmal antwortete, fo ftanb bad fcpleppenbe 3 eitatag, fowie bet (eife, liiple Don feiner Siebe in fettfamftem ©egenfap ju bem freifepenben ©efeif feiner grau. Die SfugenWett fepien ipm wenig anpaben ju fönnen, ed war, atd trüge er etwad in gep, wobuwp er atted ©öfe, wad fie ipm antpat, reicpKcp mit ©utem aufgewogen erhielt. Drop feined unberwüftlicpen ©ptegmad patte er bodp StugenbKefe, in benen er niept mit ftep fpafjen Keg. Cd war bied 'immer anlägttdp foteper Dinge, bie Dobidddpen betrafen, ©ein finbguted, natpgiebiged SBefen gewann bann einen Hnftricp bon ffeftigfeit, bem felbft ein fo unjäpmbared ©emüt wie bad Sened ni(pt entgegen ju treten wagte. Die SlugenbKcfe inbed, barin er biefe ©eite feined SBefend peraudleprte, würben mit ber 3 *ü immer fettener unb betloren fiep jutept ganj. ©in gewiffer teibenber SBiberftanb, ben er ber $errfer £>anb be« ©ater«, inbe« fich feine 3Jtunb= Winfet ju einem ttöglichen Sädjeln oerjogen. S)er SBärter ^atf ihm fogteich beim Stn^iefeen ber Wenigen KIeibung«ftücfe, wobei f>Iö^Iich etwa« wie ein ©chatten burch feine ÜPtienen lief, at« er bemerfte, bafe fich au f ber iahten, ein wenig angefchwoünen ©acte einige gingerfpuren weife in rot abjeichneten. 911« Sene beim grühftüct mit üergröfeertem ©ifet auf borberegte SBirt= fchaft«angetegenheit jurücftam, fchnitt er ihr ba« SBort ab mit ber ÜRachricht, bafe ihm ber ©ahnmeifter ein ©tuet Sanb läng« be« ©ahnbamme« in un= mittelbarer 9tälje be« SBärterhaufe« umfonft überlaffen höbe, angeblich weil e« ihm, bem ©ahnmeifter, ju abgelegen fei. Sene wollte ba« anfänglich nicht glauben, nach un & nach wichen jeboch ihre Bweifel, unb nun geriet fie in merflich gute Saune. 3$re fragen nach ©röfee unb ©üte be« Steter«, fowie anbre mehr »erklangen fich förmlich, unb al« fie erfuhr, bafe bei allebem noch jwei .gwergobftbäume barauf ftünben, würbe fie rein närrifch. SH« nicht« mehr ju erfragen übrig blieb, jubem bie Sljürglocte be« Krämer«, bie man, beiläufig gefagt, in jebem einzelnen #aufe be« Orte« oernehmen tonnte, unaufhörlich anfdflug, fdjfofe fte babon, um bie SReuigteit im Örtchen auäjufprengen. SBäferenb Sene in bie bunBe, mit SBaaren überfüllte Kammer be« Krämer« tarn, befchäftigte fich ber SBärter baheim auSfdjtiefelich mit $obia«. ®er gunge fafe auf feinen Knieen unb fpielte mit einigen Kieferjapfen, bie Xhiel mit au« bem SBatbe gebracht h a ^. ,,8Ba« wiUft ®u werben?" fragte ihn ber ©ater, unb biefe grage war ftereotpp, Wie bie Antwort be« jungen: „ein ©ahnmeifter". @8 war leine ©chetjfrage, benn bie träume be« SBärter« oerftiegen fich in bet Xhat in folche ftöfeen, unb et h e 9 te «Uen ©rnfte« ben SBunfch unb bie Hoffnung, bafe au« Xobia« mit ©otte« $ilfe etwa« StufeergeWöhnliche« werben foQte. ©obalb bie Stntwort „ein ©ahnmeifter" oon ben blutlofen Sippen be« Kleinen tarn, ber natürlich nicht Wufete, Wa« fie bebeuten foHte, begann Xhiel« ©eficht fich aufjuheüen, bi« e« förmlich ftrahlte oon innerer ©lüc& feligteit ,,©eh £obia«, geh fpielen!" fagte er furj barauf, inbem er eine fßfeife SaljnB&tter 753 ©abaf mit einem im $erbfeuer entjünbeten ©pahn in Vranb ftecfte, unb bet kleine btiicfte fich algbalb in freuet greube jur ©hüte hinaug. ©Ijiel entfteibete fich, ging ju SBett unb entfd^lief, nad)bem et geraume 3eit ge* banfenboö bie niebrige unb tiffigc ©tubenbecfe angeftatct hatte. ©egen 12 Uhr ÜRittagg ermatte et, Heibcte ftd^ an unb ging, roäljrenb feine grau in ihrer lätmenben SBeife bag ÜÜJittagbrob bereitete, hinaus auf bie Strafe, wo et ©obiagcf)en fogleich aufgriff, bet mit ben gingern Äalf aug einem Sot^e in bet Sßanb fragte unb in ben SJtunb ftecfte. ©et SEBärter nahm if|n bei bet #anb unb ging mit ifjm an ben etwa adft ^äugdjen beg Orteg Dorübet bi2 hinunter jut (Spree, bie fcfiWarj unb glafig jmifdjen fchwach belaubten Rappeln lag. ©idjt am Stanbe beg SSaffetg befanb fich ein ©ranitblocf, auf Welchen ©hiel ftc^ nieberliefj. ©et ganje Ott batte ficf) gewöhnt, il>n bei nur irgenb erträglichem SSetter an biefer ©teile ju etblicfen, bie S4nbet befonberg hinflen an ihm, nannten ihn „Vater ©hiel" unb würben üon ihm in mancherlei ©pielen unterrichtet, beten et fich aug feiner gugenbjeit erinnerte, ©ag Vefte jeboch bon bem S n h°lt feiner ©rinnerungen war für ©obiag, er fchnipelte ihm gitfchepfeile, bie höhet flogen wie bie aller anberen jungen, er fcfjnitt ihm SBeibenpfeifchen unb lief} fich faflar herbei, mit feinem Oerrofteten Va§ bag Vefchwörungglieb ju fingen, mäbrenb er mit bem $orngriff feineg ©afdjen* mefferg bie SRinbe lofe Hopfte. ©ie Seute oerübelten ihm feine Säppfdjereien, eg war ihnen unerfinb* lieh, d>ie er fich niit ben Vofcnajen fo oiel abgeben fonnte. gm ©runbe burften fie jeboch bamit jufrieben fein, benn bie ftinber Waren unter feiner Obhut gut aufgehoben, übetbieg nahm ©hiel auch etmfte ©inge mit ihnen bor, hörte ben ©rofjen ihre ©chulaufgaben ab, half ihnen beim ßetnen bet Vibel* unb ©efangbudjbetfe unb budjftabierte mit ben kleinen „a" — „b" — „ab", „b" — „u" — „bu", unb fo fort. SRadj bem SRittageffen legte fich t*er SBärter abermalg ju futjet SRuhe nieber; nachbem fie beenbigt, tranf er ben ÜRachmittaggfaffee unb begann gleich barauf fich für ben ©ang in ben ©ienft borjubereiten. @t brauchte baju, Wie ju allen feinen Verrichtungen, biel 3ert; jeber $anbgriff War feit gohren geregelt, in ftetg gleicher ^Reihenfolge wanberten bie forgfam auf ber Heinen iRufjbaumfomobe auggebreiteten ©egenftänbe: SReffer, IRotijbuch, fiamm, ein fßferbejaljn, bie alte eingelapfelte Uhr in bie ©afcfjen feiner Kleiber, ©in neineg, in roteg Sßapiet eingefchlageneg Vüdjelchen würbe mit befonberer ©orgfalt behanbelt, eg lag währenb ber SRadjt unter bem ßopffiffen beg SBärterg unb würbe am ©age bon ihm ftetg in ber Vruft* tafche beg ©ienftrbcfeg herum getragen. Sluf ber ©tiquette unter bem Um* 18 Vol. 4/2 754 $auptmann. fchlag ftanb in unbeholfenen, aber öerfchnörlelten Schriftjügen, üon Tfyiüi $anb getrieben, Sparlaffenbudh beS DobiaS J^ieL Die ©anbuhr mit bem langen ißeitbel unb bem getbfüd^tigen 3iffer= btatt jeigte breibiertel fünf, als 2^iel fortging. Sin deiner Kahn, fein Sigentum, brachte ihn über ben glufj. 9lm jenfeitigen (Spreeufer blieb er einige SOtale flehen unb laufdjte nach bem Ort jurüct Snblidj bog er in einen breiten ©albweg unb befanb fid} nach wenigen Minuten inmitten beS tiefaufraufchenben KiefemforfteS, helfen Stab elmaffen einem fchwarjgrünen, Wetfenroerfenben ÜWeere glichen. Unhörbar wie auf gilj fc^ritt er über bie feuchte 2Roo$* unb Stabelfchicfjt beS ©albbobenS. Sr fanb feinen ©eg ohne aufjubfiden, hin burch bie roftbraunen Säulen beS ftochwalbeS, bort weiter¬ hin burdj bicht PerfdjlungeneS Jfungholj, noch weiter über auSgebehnte Scho» nungen, bie bon einzelnen h»h en «nb fchlanfen liefern überfchattet Würben, welche man jurn Sdju|e für ben StacfjwuchS aufbehalten hatte. Sht bläu« lieber, burchfichtiger, mit aUerhanb Düften gefchwängerter Dunft ftieg auS ber Srbe auf unb lief} bie Sahnen ber Säumen berWafchen erfcheinen. Sin fchwerer, milchiger $immel hing tief hnab über bie Saumwipfel, krähen« fdjwärme babeten gleichfam im Stau ber Suft, unaufhörlich ihre fnarrenben Stufe auSftofjenb; fdjroarje ©afferlachen füllten bie Sertiefungen beS ©egeS unb fpiegetten bie trübe Statur noch trüber mieber. „Sin fruchtbare^ ©etter," badjte als er auS tiefem Stadhbenlen erwachte unb auffchaute. Sßlöplich jeboch belamen feine Sebanfen eine anbere Stichtung, er fühlte bunfel, bafc er etwas baheim bergeffen haben müffe, unb Wirdich öermifjte er beim Durdjfuchen feinet Dafdjen baS Sutterbrob, welches er ber langen Dienftjeit halber ftetS mitjunehmen genötigt War. Unfd^lüfftg blieb er eine ©eile ftehen, wanbte fich bann aber plöplich unb eilte in ber Stiftung beS Dorfes jurücf. 3n furjer 3«t hatte er bie Spree erteilt, fepte mit Wenigen fräftigen Stuberfchlägen über unb ftieg gleich barauf, am ganzen Körper fchwi^enb, bie fanft anfteigenbe Dorfftrafie hinauf. Der alte fdfäbige Sabel beS Krämers lag mitten auf ber Strafje, auf bem geleerten ißtanfengaune eines Koffäten« hofeS fa| eine Stebeßrähe, fie fpreijte bie gebern,' fchüttelte ftch, niefte, ftie| ein ohrenjerreifienbeS „Ktä", „ftä", auS unb erhob ftch ntit pfeifenbem glügelfchlag, um ftch bom SBinbe in ber Sichtung beS gorfteS bapontreiben ja laffen. Son ben Sewohnent ber deinen Kolonie, etwa gwangig gif ehern unb ©atbarbeitem mit ihren gamilien, war nichts $u fehen. Der Don einer freifchenben Stimme unterbrach bie Stille fo laut unb Bahnwärter tljiel. 755 fchtill, baß bei Kärter untoiHfütlich mit laufen inne tjielt. (Sin Schwall heftig herauSgegoßner, mißtönenber Saute fcßlug an fein 0^t, bie au« bem offnen ©iebelfenget eine« niebeigen H&uSchenS ju fommen fdjienen, welche« ec nur ju wohl tonnte. Da« ©etäufdj feinet Stritte nad) Stögtidjteit bämpfenb, ßhli4fftege. „©fui, pfui, pfui!" hob e« wieber an, babei hörte man, wie Jemanb breimat hinter einanber mit allen Seiten ber Kut unb Betastung auSfpie. „Du erbärmlicher, nieberträchtiger, hinterligiger, hänufdjer, feiger, gemeiner Stimmet." Die Körte folgten einanber in geigenbet Betonung, unb bie Stimme, welche ge herauSgieß, fdfnappte zuweilen über Oor Kngrengung. „Steinen Buben witlg Du fchlagen, wa«? Du elenbe ©Öhre untergehg Dich, ba« atme, Iglffofe $inb auf« Staul zu fchlagen? — wie? — h c tu**? — Jdj will mich nur nicht bredig machen an Dir, fonft — ..." Jn biefem tlugenblid öffnete Xhiel bie Dhür be« Kohnzimmer«, WeS« 756 $auptmann. fjalb bet etftf|tocfnen grau baS ©nbe beS begonnenen ©apeS in bet Äeljle ftecfen blieb. Sie mar freibebleidj Oot 3otn, iljre Sippen jucften bösartig, fie Ijatte bie Sterte erhoben, fenfte fie unb griff nah bem SRit^topf, aus bem fie ein fiinberftäfdjcfjen boQ ju füllen berfudjte. Sie liefe jebod) biefe Arbeit, ba ber gröfete Seil ber SDiildj über ben glaftfeenfealS auf ben Xifdj rann, fealb beruhtet, griff tolllommen faffungStoS bot (Erregung halb nadj biefem, halb nah jenem ©egenftanb, oljne ifen länger als einige Stugenblicfe feftfealten ju lönnen unb ermannte ftdj enblidj fotoeit, iferen SDtann heftig anjulaffen: SSaS eS benn $eifeen foHe, bafe er um biefe ungetböljnlidje ßeit nah häufe !äme, er mürbe fie bod) nidjt etma gar belaufenen mollen, „baS märe nod) baS lefcte," meinte fie, unb gleidj bar auf, fie feabe ein reines ©emiffen unb braudje bor niemanb bie klugen niebetjufhlagen. Sljiel feörte laum, maS fie fagte; feine ©liefe ftreiften flüchtig baS Ijeulenbe SobiäStfeen, einen ?lugenblid freien eS, als müffe er gemaltfarn etmaS furcfetbareS jutüd Ijalten, maS in il)m aufftieg; bann legte fid) über bie gefpannten SKienen plöplid) baS alte ^ß^tegma, bon einem berftofelnen begehrlichen Xlufblifeen ber Slugen feltfam belebt, ©efunbentang fpielte fein ©lief über ben ftarfen ©liebmafeen feines SBeibeS, baS, mit abgemanbtern ©efidjt Ijerumljantierenb, nodfj immer nad) gaffung fud>te. 3h r e tollen, tjatbnadten ©rüfte blähten fich bor (Erregung unb broljten baS lieber ju fprengen, unb ihre aufgerafften SRöde liefeen bie breiten hüften no ben äufjerften 9tanb ber SBipfel mit einem rötlichen Schimmer ftreifenb. SautloS unb feierlich botljog fidj baS erhabene Sdjaufpiet Ser SBarter ftanb nodj immer regungslos an ber Saniere, enbKdj trat er einen Sdjjritt bor, ein bunfler ©unft am ^orijonte, ba too bie (Steife fidj trafen, bergröfjerte ftdj. Son Sefunbe §u Sefunbe wadjfenb, freien er bennodj auf einer Stelle ju fielen. ißlöplidj befam er ©ewegung unb näherte fidj. Surdj bie (Steife ging ein Sibrieren unb Summen, ein rljpttjmifdjeS ©eflirr, ein bumpfeS ©etofe, baS lauter unb lauter toerbenb, julept ben #uffdjlägen eines peranbraufenben Seiterge* fdjwaberö nidjt unät)nlid) war. ©in föeudjen unb Sraufen fdjrooQ ftofjWeife fernher burdf/ bie 2uft; bann plöptid) jerrife bie Stille, ein rafenbeS Xofen unb Xoben erfüllte ben Saum, bie (Sleife bogen ftdj, bie (Srbe jitterte — ein ftarfer ßuftbrucf — eine 2Bot!e bon Staub, Sampf unb Dualm, unb baS fdjwarje, fdjnaubenbe Ungetüm war borüber. So wie fie anWudjfen, ftarben nadj unb nadj bie ©eräufdje. Ser Sunft berjog fidj, jum fünfte emgefdj rümpft fdjwanb ber 3ug in ber gerne, unb baS alte Ijeitige Schweigen fdjlug über bem SSalb* Würfet jufammen. * * * „ÜJiinna," ftüfterte ber SBarter Wie au§ einem Xraum erwacht unb ging nad) feiner Sube jurütf. Sabbern et fidj einen bünnen Kaffee aufgebrüljt, lieft er fidj nieber unb ftarrte, bon 3eit ju 3 e ü einen Sdjjlud ju ftclj netjmenb, auf ein fcftmupigeS Stüd 3ettungöpapier, baS er irgettbwo an ber Strede aufgelefen. Sadj unb nadj überfam itjn eine feltfame Unruhe, er fdjob ed auf bie Sadofenglut, welche baS Stübchen erfüllte, unb rift Sod unb SBefte auf, Saljnro&vter X$te(. 759 um fid) ju erleichtern; roie ba« nicht« h®lf» erhob er fich, nahm einen Spaten au« ber (5de unb begab fich auf ba« gefd^enfte Äderchen. (58 mar ein fdjmalet Streifen Sanbe«, öon Unfraut bicht iibermuchert; mie fdjneemeißer Schaum lag bie junge ©lütenpracf)t auf ben 3ft>eigen ber beiben gmergobftbäumchen, melche barauf ftanben. Jh'el mürbe ruhig, unb ein fülle« SBohlgefaßen bestich ißn. 9hm alfo an bie Arbeit. Xer Spaten fchnitt htirfchenb in ba« ffirbreich, bie naffen Schoßen fielen bumpf jurfid unb brodelten augeinanber. ©ne 3eit lang grub er ohne Unterbrechung, bann fpeft et ptöplich inne unb fagte laut unb Perneljmlich bor fleh hin, inbem er baju bebenflich ben ftopf hin unb h«r miegte: „nein, nein ba« geht ja nicht," unb mieber: „nein, nein, ba« geht ja gar nicht." (58 mar ihm plöplidj eingefaßen, baß ja nun Sene be« öftren h*tau8* (ommen mürbe, um ben 91 der ju befteßen, moburch bann bie hergebrachte Seben«meife in bebenKkf) e Schmanfungen geraten mußte. Unb jäh ber* manbelte fich feine Sreube über ben ©eftp be« 9tder« in fßibermißen bor bemfelben. Saftig, mie menn et etma« Unrechte« ju thun im ©egriff ge* ftanben hätte, riß er ben Spaten au« ber <5rbe unb trug ihn nach ber ©ube jurüd. $ier berfant er abermal« in bumpfe ©rübelei. (5t mußte !aum marum, aber bie 9(u«ficht, fiene ganje Xage lang bei fich tm Xienft ju hoben, mürbe ißm, fo fetjr er auch Perfudfjte, fich bamit ju berföhnen, immer unerträglicher. @8 fam ipm oor, al« höbe er etma« ihm SBerte« ju berteibigen, al« berfuchte Semanb fein ^eiligfte« anjutaften, unb unmiflfürlid) fpannten fich feine 9Ru8felu in gelinbem Stampfe, mähtenb ein furje« h«au«* forbembe« Sachen feinen Sippen entfuhr. ©om SBiberhafl biefe« Sachen« erfeßredt, blidte er auf unb berlor babei ben fjaben feiner ©etrad)tungen. 9H« er ihn mieber gefunben, mühlte et fich gleichfam in ben alten ©egenftanb. Unb pttplich jerriß etma« mie ein bießter, fchmarjer ©orfjang in jmei Stüde, unb feine umnebelten 91ugen gemannen einen Karen 9lu«blid. (58 mar ihm auf einmal jumute, al« ermache er au« einem jmeijährigen, totenähnlichen Schlaf unb betrachte nun mit ungläubigem Sopffdjütteln aß ba« £aarfträubenbe, melche« er in biefem 3 u ftonb begangen haben foßte. Xie SeibenSgefcßichte feine« Älteften, melche bie (Sinbrüde ber lepten Stunben nur noch hotten befiegeln fönnen, trat beutlich Oor feine Seele. SWitteib unb bittre 9teue ergriff ißn, fomie auch eine Hefe Scham barübet, baß er biefe ganje in fcßmachPoßer Xulbung hingelebt hatte, ohne ßcß be« lieben, hilftofen ©efdjöpfe« anjuneßmen, ja, ohne auch nur bie Sraft $u fhtben, ßch einjugeft?hen, mie feßr biefe« litt. 760 £>auptmann. Über bett felbftquöterifeßen ©orftetlungen all feinet Untertaßung8fünben überfam ißn eilte fcßmere Kiübigfeit, unb fo entferlief et mit gelrümmtem Kfiden, bie Stirn auf bie $anb, biefe auf ben ©ifeß gelegt. ©ine 3eit lang ßatte et fo gelegen, al8 et mit erfüllter Sümme meßt« mal8 ben Kamen „SKinna" tief. ©in ©raufen unb Saufen füllte fein 0ßr, mie oon unermeßtießen SSaffermaffen, e8 mürbe bunfet um ißn, er riß bie Slugen auf unb ermatte. Seine ©liebet flogen, ber 2tngftfeßroeiß brang ißm au8 allen ©oren, fein ©ul8 ging unregelmäßig, fein ©efießt mar naß Oon ©ßränen. @8 mar ftodbunfet, et mollte einen ©lief naeß ber ©ßür merfen, oßne gu miffen, moßin er fieß menben foöte. ©aumelnb etßob er fieß, noeß immer mäßrte feine £jergen8angft. ©er SBalb braußen räufelte mie SReere8btan= bung, ber SBinb marf $agel unb Kegen gegen bie SBänbe unb fjenßer be8 #äu8eßen8. Xljiel taftete ratlo8 mit ben |jänben umßer, einen Äugenblid lam er ßcß oor, mie ein ffirtrinlenber ; — ba plößücß flammte e8 bläuließ blenbenb auf, mie menn ©ropfen übetirbifeßen 2itßte8 in bie buntle ©rb- atmofpßäre ßerabfänfen, um fogleicß oon ißt erfüllt gu merben. ©er Stugenblid genügte, um ben härter gu fieß felbft gu bringen, er griff naeß feiner ßateme, bie er aueß glüdlicß gu faffen befam, unb in biefem Äugenblid ermaeßte ber ©onner am femften Saume be8 märftfeßen KaeßtßimmelS, erft bumpf unb berß alten groHenb, mälgte er ßeß näßer in furgen, branbenben ©rjmetlen, bi8 er, gu Kiefenftößen anmaeßfenb, fieß enbliiß, bie gange Sttmofpßäre überflutenb, btößnenb, feßüttemb unb braufenb entlub. ©ie Seßeiben flirrten, bie ©rbe erbebte. ©ßiel ßatte 2ießt gemaißt, fein erfter ©lid, naeßbem er bie Raffung mieber gemonnen, galt ber Ußr. ©8 lagen faum fünf Minuten jmifeßen jeßt unb ber Slnfunft be8 näcßßen ScßnellgugS. ©a er glaubte, ba8 Signal überßört gu ßaben, begab er fieß fo fcßnell at8 Sturm unb ©unfelßeit er« laubten, naeß ber ©arriere; al8 er noiß bamit befdßäfügt mar, biefe gu feßließen, erllang bie Signalglode. ©er SBinb gerriß ißre ©öne unb marf ße naeß allen Kießtungen auöeinanber. ©ie liefern bogen ßeß unb rieben unßeimtieß tnarrenb unb quietfeßenb, ißre 3meige an einanber. ©inen Stugenblid mürbe ber SKonb ßeßtbar, mie er, gleicß einer blaßgolbnen Seßale, gmifeßen ben SBollen lag. %n feinem ßießte faß man ba8 SBußlen be8 SBinbeS in ben fißmargen fronen ber liefern, ©ie ©lattgeßänge ber ©irfen am ©aßnbamm meßten unb ßaüerten mie gefpenftifeße Koßfeßmeife. ©a* runter tagen bie fiinien ber ©leife, meteße, bot Käffe gtängenb, ba8 btaße SÄonbließt in eingetnen ffleden auffaugten. ©ßiel riß bie SKüfce Pom &opfe, ber Kegen tßat ißm moßt unb tief Safjmoärter 761 bermifcbt mit X^t&nen über fein ©eßcbt. ©8 gäljrte in feinem $irn, unftore ©tinnerungen an ba8, mag ec im Xtaum gefeben, betjagten einanbet. ©8 »ar ifjm getoefen, a!8 mürbe Xobia8 bon gemanb gemißbanbelt unb jmat auf eine fo entfefclicbe SBeife, baß ihm noch jeßt bei bem ©ebanlen batan ba§ $etj ftiüe ftanb. ©inet anbten ffirfdjeinung erinnerte er fidj beutlic^er. ®r ^atte feine berftorbne grau gefeben, fie toar irgenbmober au8 bet gerne gelommen, auf einem ber ©atmgteife, fie ^atte recht fränflicb auggefeben, unb ftatt ber Kleiber blatte fie Summen getragen. Sie mar an Xtjietö $äu$djen borübergefommen, ot)ne ftcE) barnacb umjufcbauen unb fdjtießlicb — hier mürbe bie ©rinnerung unbeutlicb, mar fie au8 irgenb meinem ©runbe nur mit großer 2Äübe bormärtg gelommen unb fogar mehrmals jufammen gebrochen. X^iel backte meiter nach unb nun muffte er, baß fie fidj auf ber glucbt befunben hotte. ©8 lag außer allem .gmeifel, benn meöbatb hätte fie fonft biefe ©liefe boll $erjen8angft nach rüdmärtg gefanbt unb ßdj meiter ge* feffteppt, obgleich if)t bie gttße ben Dienft berfagten. 0 biefe entfefclidben ©riefe! Über e8 mar ettoa8, ba8 fie mit fidj trug in Xüdjer gemidfelt, etma8 @cbtaffe8, ©lutige8, ©leid^e8, unb bie ürt, mit ber fie barauf nieberblicfte, erinnerte ihn an Sjenen ber ©ergangenljeit. ©r backte an eine fterbenbe grau, bie ihr laum gebonte8 ftinb, ba8 fie jurüdlaffen mußte, unbermanbt anblidfte, mit einem üugbrud tiefften ©dbmerjeg, unfaßbarer 0ual, jenem Üu3brud, ben X^iel ebenfo menig ber» geffen fonnte, al8 baß er einen ©ater unb eine Sftutter fjabe. SBo mar fte bingelommen? ©r mußte e8 nidjt; ba8 aber trat ihm flar bor bie Seele, ße hotte ßcß bon ihm lo8gefagt, if>n nicht beamtet, ße batte ßaare fdj einen fidj aufjubäumen. ,,©r lebt nod), OieHeidjt ift nod) tpilfe." ©aljumärter Xfjtel. 767 (Sin Stößeln ift bie einzige Stntroort. „kommen Sie fdjnell, fdfjnell!" Xljiel cei|t fidj auf mit gewaltiger Slnftrengung, feine fdfjlaffen 9Äu«= fein fpannen fiel, et rietet fief» tjodj auf, fein ©efidjt ift blöb unb tob. Cr rennt mit bem ©oten, er fie^t nid^t bie totbleidfjen, erfdjredten Cefidjter ber SReifenben in ben 3ugfenftern. Cine junge grau fdjaut Ijerau«, ein $anblung3reifettber im gej, ein junge« ©aar, anfdjeinenb auf ber #od(j« $eit«reife. SEBaä geljt’8 if)n an? Cr ()at ftd) nie um ben ^nljalt liefet ©oltertaften befümmert; — fein 0|r fällt ba« ©etjeul Senen«. ©or feinen Äugen fdjwimmt e« burdjeinanber, gelbe fünfte, ©lütjroürmdjen gleich, unjäljlig. Cr fd) rieft jurüd — er fleljt. Äu« bem Xanje ber Clätjmönndjjen tritt e« Verbot, bla|, fdjtaff, blutrttnftig. Cine «Stirn, braun unb blau ge« fdjlagen, blaue Sippen, über bie fdjwatje« ©tut tröpfelt Cr ift e«. Xfjiel fpridjt nidjt, fein Ceftdjt nimmt eine fdjmu|ige öläffe an, er lädjelt wie abtoefenb, enblidj beugt er fid», er füljlt bie fdjlaffen, toten Clieb« ma|en ferner in feinen Sinnen; bie rote gatjne micfelt fidj barum. Cr geljt. SBo^ht? „3um ©aljnarjt, jum ©aljnarjt," tönt e« bnrdjeinanber. „SSir nehmen itjn gleidj mit/' ruft ber ©admeifter unb madjt in feinem SBagen au« Xienftröden unb ©tiefem ein Saget juredjt „9hm alfo?" Xljiel rnadjt feine Änftalten, ben öerunglädten loSjulaffett. SRan brängt in ilpt. ©ergeben«. 2)er ©admeifter Iä|t eine ©aljre au« bem ©adwagen reifen unb beorbert einen 2Ramt, bem ©ater beijuftetjen. 2)ie 3«t ift foftbar. ®ie ©feife be« 3ugfüfjrer« trillert Ötänjen regnen au« ben genftera. Sene geberbet ftd} wie roatptfbmig. ,,2>a« arme, arme ffieib," tjeifjt e« in ben Coup4e«, „bie arme, arme SOhittet." 2>er 3ugfä|rer trillert abermal« — ein ©fiff — bie 3Rafdjine ftö|t Wei|e, jifd^enbe 2>äntpfe au« iljren 39linbero unb ftredt itjre eifenten Seinen; einige Seftmben unb ber fturiequg braufit mit weljenber iRaudj* faljne in Perboppelter ©efdfjtoinbigleit burtf) ben Sorft 2>er SBärter, anberen Sinne« geworben, legt ben Ij alb toben jungen auf bie öaljre. 2>a liegt er in feiner Perfontmenen ftörpergeftatt, unb nur tjin nnb toieber Ijebt ein langer, raffelnber Ätemjug bie Moderne ©ruft, welche unter bem jerfegten ^»emb fiefftbar wirb. 2)ie Ärme unb ©eine, nidjt nur in ben Celenten gebroden, nehmen bie umtatürlidjften Stellungen ent. ®ie gferfe be« Keinen gu|e« ift nadfj Pom gebreljt, bie Ärme fdjlat* tem Aber ben 8hrab ber öaljre. 768 $auptmann. Seite Wimmert in einemfort, jebe ©pur ipreS einstigen SropeS ift auS intern SBefen gewichen, ©ie wieberpolt fortwöprenb eine ©efcpicpte, bie fie üon jeber ©tpulb an bem 93orfaü reinwaftpen foH. Spiel fcpeint fie nitpt ju beamten, mit entfepticp bangem ÄuSbrud haften feine Äugen an bem Äinbe. ©8 ift ftiH ringsum geworben, totenftill; fcpwarj unb peig rupen bie ©eleife auf bem blenbenben ÄieS. Ser SJiittag pat bie SBinbe erftidt unb regungStoS, wie auS ©tein, ftept ber gorft. Sie ÜRänner beraten fiep leife. SJtan mug nun, auf bem jtpnellften SEßege na(b ftriebritpSpagen ju tommen, nacf) ber ©tation jurüd, bie natp ber Stiftung SreSlauS liegt, ba ber nätpfte 3ug, ein befdjleunigter ißer* fonenjug, auf ber ftriebricpSpagen näper gelegen, nicpt anpält. Spiel fcpeint ju überlegen, ob er mitgepen foüe. Äugenblictlicp ift nie* manb ba, ber ben Sienft oerftept. ©ine ftumme $anbbewegung bebeutet feiner grau, bie Sapre aufjunepmen; fie wagt nicpt, fiep ju wiberfepen, ob* gleitp fie um ben jurüdbleibenben ©äugling beforgt ift. ©ie unb ber frembe SRann tragen bie Sapre. X^iet begleitet ben 3ug bis an bie ©renje feines StebierS, bann bleibt er fiepen unb fcpaut ipm lange nacp. ißlöplitp ftplägt er fiep mit ber flacpen $anb bor bie ©tim, bag eS Weitpin ftpaQt ©t meint fitp ju erweden, „benn eS wirb ein Sraum fein, Wie ber geftem", fagt er fiep. — Vergebens. — SKepr taumelnb als laufenb erreiepte er fein ^äuScpen, brinnen fiel er auf bie ©rbe, baS ©efiept bor an. ©eine SRüpe rollte in bie ©de, feine peinlitp gepflegte Upr fiel auS feiner Safcpe, bie Sfapfel fprang, baS ©laS jerbraep. ©S war, als pielt ipn eine eifeme Sauft im Sßaden gepadt, fo feft, bafj er ftdp niept bewegen tonnte, fo fepr er auep unter Äcpjen unb ©töpnen fitp frei ju matpen futpte. ©eine ©tim War talt, feine Äugen troden, fein ©tplunb brannte. Sie ©ignalgtcde wedte ipn. Unter bem ©inbrud jener fiep wieber* polenben brei ©lodenftpl&ge lieg ber ÄnfaU natp. Spiel tonnte fitp erpeben unb feinen Sienft tpun. $War Waren feine güfie bleiftpwer, jWar treifte um ipn bie ©trede wie bie ©peitpe eines ungepeuren fitabeS, beffen Ätpfe fein ßopf War; aber er gewann botp wenigftenS fo biel Sraft, fitp für einige .Seit aufretpt ju erpalten. Ser ißerfonenjug tarn peran, SobiaS mugte barin fein, je näper er rödte, umfomepr berftpwammen bie Silber bor Spiels Äugen. Äm ©nbe fap [er nur notp ben jerfcplagenen jungen mit bem blutigen SRuttbe, bann Würbe eS ÜRatpt. Statp einer ©eile erwatpte er auS einer Opnmatpt. ©r fanb fitp bitpt an ber Sarriere im peigen ©anbe liegen, ©r ftanb auf, ftpütttfte bie ©anb* ©agumftrter Igitt 769 (örner aus feinen Kleibern unb fpte fle auS feinem SRunbe. ©ein Äopf mürbe ein menig freier, er bermocgte ruhiger ju benleit. 3n ber ©ube nagm er fogleicg feine Uhr bom ©oben auf unb legte fie auf ben Digg. ©ie mar trog beS f$aHe$ nicht fielen geblieben. (Sr jäglte mftgrenb §meier ©tunben bie ©efuitben unb ©Knuten, inbem er gef) borfteHte, WaS inbeS mit XobiaS gefegegen mochte. 3e|t (am Sene mit igm an, fegt ftanb fie bor bem Slrjte. tiefer betrachtete unb betaftete ben jungen unb fcgüttelte ben ßopf: „©cgltnun, fegt fegtimm — aber bielleicht . . . mer toeig?" (Sr unter* fuegte genauer, „nein," fagte er bann, „nein, eS ift borbei." „©orbei, borbei," gögnte ber SBärter, bann aber richtete er ftch hoch auf unb fchrie, bie toHenben Äugen an bie Dede geheftet, bie erhobenen $&nbe unbetougt jur Sauft ballenb unb mit einer ©timme, als miiffe ber enge Kaum babon jerberften, „er mug, mug leben, ich f a Q e ®it, er mug, ntug leben;" unb fchon flieg er bie Xgür beS #äu8cgen8 bon neuem auf, bnnh bie baS rote geuer beS ÄbenbS ^ereinbrac^ unb rannte mehr, als er ging nach ber ©arriere ijutfid. |#ier blieb er eine SBeile mie betroffen flehen unb fegritt bann plögftcg, beibe Sinne auSbreitenb, bis in bie SKitte beS Dammes, als menn er etmaS aufhalten wollte, baS aus ber ftiegtung beS ©erfonenjugeS (am. Dabei machten feine meit offnen Äugen ben (Sin* bruef ber ©tinbheit SBägrenb er, rüdmärtS fdjreitenb, bor etmaS ju meichen fegien, flieg er in einemfort galbbergänblicge ©Sorte jtoifegen ben 3ägnen herb»*: — bürg Du — bleib boeg — Du — göt boeg — bleib — gieb ihn mieber — er ift braun imb blau geflogen — ja ja — gut — ich Win fie wiebet braun unb blau fchlagen — ^öxft Du? bleib boeg — gieb ign mir mieber." (SS fegten, als ob etmaS an igm borübet toanble, benn er manbte geg unb bemegte fieg, wie um eS ju betfolgen, naeg ber anbern ffliegtung. „Du äRinna" — feine ©timme mürbe meinerlicg, mie bie eines (leinen ftinbeS, „Du SÄinna, görg Du? — gieb. ign mieber — icg miH . . ." (Sr taftete in bie Suft, mie um jemanb feggugalten. „SBeibcgen — ja — unb ba miH icg ge . . . unb ba miH icg ge aueg fegtagen — braun unb blau — aueg fcglagen — unb ba miH icg mit bem ©eil — gegg Du? — Äücgenbeil — mit bem ftüdjenbeil miH icg ge fcglagen, unb ba mitb ge berreden." „Unb ba... ja mit bem ©eil — Äücgenbeil ja — fcgwatjeS ©lut!" ©eganm ganb bor feinem fäOhmbe, feine gUtfernen ©upiflen bewegten geg unaufhörlich. (Sin fanfter Äbenbgaucg grieg leis unb nacggaltig übet ben Sorg, unb 19 Vol. 4/2 770 §auptmaKK. tofaflammigeb SBotfengetod ^tng wie ein ©iabem über bem weftlidjen §inunel. (Stwa Rimbert (Stritt hatte er fo bab unfichtbare (StWab »erfolgt, alb er anfdjeinenb mutlob fielen blieb, unb mit entfefctidjer Ängft in ben SRieneu ftrecfte ber SRann feine 9trme aub, fleljenb, befdjwbrettb. (Sr ftrengte feine Äugen an unb begattete fie mit ber #aitb, wie um nodj einmal in weiter Seme bab SBefenlofe ju entbeden. Schließlich fanf bie #anb, unb ber ge? fbannte Äubbrud feineb (Seftdjtb oerfe^rte fid) in Rumpfe Äubbrudblofigfeii, er Wanbte f«h unb fdjleppte ftc^ ben SBeg jurüd, ben er gefommen. ©ie @onne gofj ihre le|te (Slut über ben Sorft, bann erlofch fie, bie Stämme ber Kiefern ftredten ftcfj Wie bleidjeb, oerwefteb (Gebein jwifd)en bie SBipfel hinein, bie wie graufdjwarge ERoberfd>iielitfet lag über bet ©egenb. ÜRatfe einer SBeile, alb bie Äaucfemolfen aubeinanbergingen, erfannte Xfeiel ben ftieb^ug, ber mit geleerten Soren jurütfging unb bie Arbeiter mit fitfe füferte, met(fee tagbüber auf ber ©tretfe gearbeitet featten. Xer 3 U 8 feutt« eine reiefebemeffene gaferjeit unb burfte überall an* fealten, um bie feie unb ba notfe beftfeäftigten Arbeiter aufjunefemen, anbre fetngegen abjufefeen. ©in guteb ©tfitf bor Xfeielb ©ube begann man ju bremfen. ©in lauteb Quietftfeen, ©tfenarren, Staffeln unb Stieren burefebrang meitfein bie- Stbenbftitte, bib ber 3 U 0 unter einem einjigen, ftferitten, lang* gebefenten Xon ftittftanb. ©tma fünfzig Arbeiter unb Slrbeiterinnen maren in ben Soren berteilt Saft alle ftanben aufreifet, einige unter ben SÄännem mit entbtäfetem Sopfe. 3n iferer aller SBefen lag eine rätfetfeafte geierlitfefeit. SÖb fte beb SBärterb anfitfetig mürben, erfeob fitfe ein glüftern unter ifenen. Xie Sitten jogen bie Xabalbpfeifen jmiftfeen ben gelben 3^fenen feerbor unb feietten fte refpeftbott in ben $änben. £ie unb ba manbte fitfe ein grauenjimmer, um fitfe gu ftfenäujen, mab ber Xferänen toegen geftfeafe, bie ifenen in ben Slugen ftanben. Xer 3ugfüferer flieg auf bie ©tretfe feerunter unb trat auf Xfeiet ju. Xie Slrbeiter fafeen, mie er ifent feierlich bie £anb ftfeüttelte, toorauf Xfeiel mit langfamem, faft militäriftfe fteifem ©tferitt auf ben lefeten SBagen juftferitt. Seiner ber Slrbeiter magte ifen anjureben, obgleich fi< ifen alle fannten. Stob bem lefeten SBagen feob man foeben bab Heine Xobiäbtfeen. ©b mar tot. Sene folgte ifem, ifer ©efitfet mar bläulitfe*meife, braune Steife tagen um ifere Slugen. Xfeiel mürbigte fte leineb ©litfeb, fte aber erftferaf beim Slnblitf ifereb SRanneb. ©eine SBangen maren feofel, SBimpern unb ©artfeaare Perttebt, ber ©tfeeitel, fo f«feien eb ifer, ergrauter alb bibfeer. Xie ©puren oertrotf* 772 fyiuptmann. neter Xpränen überall auf bem ©eficpt; baju ein unfteteb Sicht in feinen Äugen, bäoot fte ein ©rauen anfant. «udj bie Xragbahre hatte man toieber mitgebracht, um bie Seiche tranb= portieren ju tönnen. (Eine SBeile ^errftpte unheimliche Stille. (Eine tiefe, entfetliche Ser* fonnenheit hatte ftch ZtyzU bemächtigt. (ES würbe bunfler. (Ein Subei Sehe fe|te feitab auf ben Sahnbamm. ®er Socf blieb flehen mitten jroifdjen ben ©eleifen. (Er wanbte feinen gelenfen §alb neugierig h enim - Pa Pfiff bie 9Rafcf)ine, unb btipartig oerfdjwanb er famt feiner $erbe. 3fn bem Äugenblid alb ber 3t*8 f*er SBärter am Stod, baoon in fienntniö gefegt, erbat telegrap^tfd^ §ilfe. 9hm öerfueßten mehrere HRänner ißn burdj gutes d^eben non ben ©eleifen fortjuloden; leibet oßne (Erfolg. 2)er ScbneQjug, bet um biefe 3eit paffterte, mußte an Ratten, unb erft bet Übermalt feines ißerfonaleS gelang eS, ben Uranien, bet alSbalb fureßt* bar ju toben begann, mit @emalt oon bet ©trede ju entfernen. 3Ran mußte ißm #änbe unb Süße binben, unb ber injmifcßen requü rierte Oenbarm übermalte feineii XranSport nad) bem ©erliner Unter« fucßungSgefängniffe, oon too aus er jebocß feßon am erften läge naeß ber 3rrenabteilung ber (Tßarite uberfüßrt mürbe. 9to<ß bei ber (Anlieferung ßielt er baS braune ©titßcßen in $änben unb bemaeßte eS mit eiferfü<ßtiger Sorgfalt unb 3üctK(ß(eit. J)i$ JPrftstnmifiq. (Erjäßlung oon fjanna Scßomacfer. »W mir ben Gefallen, Julius, unb ßöt' mit biefem entfeßließen ©etrommel auf! (ES iß rein jum ©errüdtmerben!" fagte Hftincßen äußerft gereijt SuliuS mürbigte bie Scßroefter leineS ©lideS unb unterbrach feine ©e* fcßäftiguitg, mit ben jiemlicß langen 9iägeln einen unbefinierbaren SRarfcß auf ber Xifcßplatte auSjufttßren, nur auf einen Äugenblid, um (EtmaS jmifeßen ben 3üßnen ju murmeln, maS faft roie „ffier feßon oerrüdt ift, fann eS nidßt meßr merben!" flang. (Erftaunt unb ein menig befümmert blidte bie äRutter oon ißrer Arbeit auf. SBaS mar nur feit einiger 3«t in bie ©eiben gefaßren, baß fie, friißer ftetS frieblicß unb Oertrttglicß, fteß jeßt ben ganjen Xag lang ßerumjantten? Unb mann ßatte SÄincßen moßl fonft je Serben geßabt! — Sdßon feßidte fie fieß an, ben ©eiben eine Seine, moßloerbiente Straf« prebigt ju ßalten, ba mürbe bie Xßür §um Stubierjimmer beS 9RamteS ge« öffnet, unb ber SRat felbft erfeßien auf ber ScßmeSe. 2>ie ©reiSnoocOe. 775 „Bft bie ©benbpoft noch nic^t gebraut, Ämalie? SRtr festen eS boef) fo, als ob bor fhtrjem geläutet würbe." „Wein, e$ tjt wohl and) noch ju früh baju," meinte bie grau Wätin, einen Süd auf bie altbäterifdje Wanbuljr toetfenb. „Wocfe nicht fieben; unb ber ©oftbote oerfpätet fttf) oft um ein ©iertelftimbchen. (Srwarteft Du etwa ©tiefe?" fügte fie freunblidi ^inju. „3d>? Wem, burdjauS nicht," fagte ber Wat etwas Saftig. „3dj fe^ne mid) nur nad) meiner Leitung." „Da läutet eS wirtlich!" fdjjrie plöfelid) QuliuS, fo unerwartet bon feinem ©ife in bie $81je fa^renb, bafe Wänden leife auffdjrie, unb auch bie SRutter nnwillfürlich jufammenjutfte. „Der ©oftbote!" rief ber Wat unb Wanbte ftdj ber D^ür ju. „Sich, lafe mid) bod) gehen, ©ater!" bat aber 3uliu8 bienftfertig, unb and) SRindjen berliefe ihren ©lafe am Difcfj unb ^ufc^te an bem ©ruber borüber. Wohlgefällig flaute bie äRutter ben ©eiben nach. Waren bo bin boch wohl felbft fdjulb baran!" meinte bie SRutter. „^dj hätte gleich anfangs ftrenger eingreifen, bie ßinber nicht ihrem $ang jur (Einfamleit überlaffen foUen. 9lHe8 hätte ich aufbieten miiffen, um (Göttlich mehr ans $au8 ju feffeln. Ser fonnte aber auch OotauSfeljen, bah eS fo fchtimm werben würbe!" — SorgboU blidte bie §rau SRat oor füh h' n tn ben Schein ber Sampe, ba melbete bie eintretenbe SRagb, bah bie Äbenbfuppe aufgetragen fei. Sie $au8frau erhob, fid), ftrich mit ben runbtichen Ringern ben noch immer bunlelbraimen Scheitel glatt, jupfte ihre faubere Schür je jurecht unb rief bie brei (Einftebler jum 3tbenbbrob. Sie SRahljeit Oerlief wiber (Erwarten gut. Julius unb URinchen hatten wie auf Serabrebung Saffenftillftanb gefchloffen, unb ber {Rat, ber wohl fürchten mochte, er fei in ber fo unerwartet auftretenben §au8 hermautorität etwas ju weit gegangen, nannte feine 3rau ein SRal über ba8 anbere bei ihrem SieblingSnamen „SRaldjen" unb war überhaupt oon fo auSgefuchter SiebenSmürbigfeit, bah bie gute grau fdjnell allen Summer oergab unb feelen* Oergnügt inmitten ihrer Sieben auf bem (Ehrenplafc oben an ber Safel thronte. — „SRinchen," fagte bie SRutter, ihre Siltefte oor bem Schlafengehen noch einen Stugenblid bei Seite nehmenb. „Su lönnteft bei paffenber (Gelegen* heit Sater auf jarte Seife barauf aufmerffam machen, bah utein (Geburtstag in biefem 3®h r fdjon gefeiert worben ift, unb wenn er tropbem barauf befteht, mir (Etwas ju fd) eitlen, feinen (Einlauf ein wenig überwachen, ißater ift fo jer* ftreut!" Slber gleich barauf, als SRindjen ftatt aller (Entgegnung ein etwas befpeltierlicheS Säbeln jeigte, fügte fte ftrengeren SoneS tjiuju: „SUle be* beutenben SRätuter fhtb jerftreut SRerle Sir baS, liebeS Sinb! Sie haben Sichtigeres ju thun, als an gamilienfefte ju benfen. Saju fmb wir grauen ba!" Ob eS SRindjen nun einleuchtete, bah bie SRäbchen unb grauen auf ber Seit fein füllten, um bie 3rcftreutheit ber 9Ränner gut ju machen, blieb unaufgellärt; jebenfaHS war fie Hug genug ju fdjweigen, unb bie Samilie trennte fich im heften (Einoernehmen. — * * * (ES war etwa oierjeljn Sage fpäter, als bie SRutter in ber Sommer« ftunbe Oon einem Saffeefränjcben bei ber grau 3uftijrat SRüQer heimlehrte. Sie ©tetbuooelle. 779 <3ie mar in feijr angeregter Stimmung. ©ie Stufnaljme mar glänjenb ge* mefen. („Saft ein wenig ju glänjenb," hatte bie Stau ©djulbirettor gemeint) ÜRiemaitb hatte ihr unb ber Stau Äonftfiortalrat ben ©htettplap auf bem ©oplja ftreitig gemalt; man hatte i§r Piel Änertennenbeb über ÜDänchenb ©rfcheituxng alb blonbe Söinjerm auf bem SRabtenfeft bei ftuhteteb gefagt unb bie Vermutung aubgefprodjen, bafi fte auch heute Slbenb auf bem Statt bei ßefjmaraib eine ber gefeierteften Jänj er innen fein roerbe, unb fchliefjlich mar eb jept ganj feftgeftettt, mab man Porter nur gerüchtmeife gehört ©ie junge Stau ©aumeifter, Pon ber hoch bie ganje ©tobt muffte, baff ihr ÜDtarai bib über bie Ohren in ©cfjulben ftedte, batte ftaj ben grünen ©eiben* ftoff getauft, ben fomobl bie Stau ©ottor, alb bie Stau Äriegbrat, f«h, alb ju teuer, nicht gegönnt batten. Unb bab waren hoch ein paar aner* tarnet mohfljabenbe ‘Damen! — @anj in ihre öebanten Pertieft, batte bi« Stau 9tat ben $eimmeg jurüdgelegt, ohne Piel nach reebtb unb lintb ju f(bauen. ©a, alb fte um bie $aubecfe bog, Jftanb plöplich, mie |aub bem ©oben geworfen, eine ©eftatt Por ihr, mit ber fte beinah jufamnt engeprallt märe. (Srfcbredt fuhr bie Stau 9tat jurüct, unb bie (Srfcbeinung — eb mar eine hochaufgefchoffene Süngtingbgeftalt mit ungewöhnlich langen ©einen — machte blipfdjnefl ftebrt unb mar mit einigen Schritten, bie man beinah Sprünge nennen tonnte, in einem 9ht auf ber anbem ©eite ber Straffe. „Suliub!" rief bie äÄutter, bie jept ihren Süngften ju erlernten glaubte; aber ber alfo Stngerebete entfernte fiep eilig, ohne auch uut einmal jurüct* jubliden. „SRertmürbig! SEBie man ftd) hoch täufepen tann! 3ier!" Die SRutter war fd) einbar jufriebengeftettt „3 fefet um« juHeiben. Sei SehmannS fängt eS immer fchon gettig an, unb itberbieS, Du weifet, bafe SuliuS nicht gu warten liebt" Stber überrafdjt horchte bie Stätin auf, als SDtinchen berichtete, 3uliu8 fei fdjon bor einer halben ©tunbe fortgegangen unb noch nicht heimgs^ehrt Äopffdhüttelnb entfernte fich bie grau JRat, um ben <8efeHf felbft eine Dhörin, aber eS war tljr bodj beflonanen gu SRut. „3r ein rnenig bei ber Doilette Reifen," fudjte bie Stätm fidj felbft gu tröften unb madjte fiel) fogleid) auf ben SBeg baljin. 9hm ftanb fte bor ber Dljür. Sie mottte öffnen. Der Driider gab nicht nadj. Die Dljür mar berfdjloffen. 3SaS um beS $immelS mitten ^atte baS gu bebeuten! Der Stätin ftodte ber Stern . . . eine leichte Sdjmädje iiberfam fie. 91ber nur einen Sugenblict Dann raffte fte fidj gemaltfam auf. „SRindfjen!" rief fte, mit bor innerer SBemegratg faft erftidter Stimme. „SRach’ auf, mein fthtb! 3dj bin eS! 3dj, Deine SRutter!" . . . Anfangs rührte fidj nichts. Dann Hang eS, als ob eilig eine ßabe gugefcfjoben mttrbe — bann ein Don, mie unterbriidteS Scfjluchgen, unb enbltdj — ber SRutter büntte eS eine Smigfeit — erftang SRntcljenS Stimme, unbeutlidj, gepreßt: „SBaS giebt eS, 9Rama? 3, öiefleicgt gerabe, »eil eS fo feiten gefcgag. @ttua eine galbe Stunbe öerftricg, nur bann unb wann bureg turje ©emerfungen bet Stätin unterbrochen: „'Den ßopf mehr rechts, SRindjen, ich fehe 9KcgtS! . . . ©ieb mir noch «tue ^oarnabel . . . Diefe Scgletfd ift fchief angeheftet . . . ©eweg’ Dich nicht fo ^cfttg, ich »erbe $ioar nicht ber ©rief, nach bem fie fud)te, aber bielleicht hoch (StmaS, baS fte auf bie ©pur bon SRinchenS fjerjenSfummer leiten tonnte. Sie fdjlug bie erfte Seite um. „SBarum ich lebig blieb!“ ftanb ba in grofeen tlaren ©udjftaben ge* ftrieben. ©er fRätm Wimmerte eS bor ben Slugen. fBarum ich lebig blieb?! — 784 Sdjomadet. Sie featte alfo bereits entfdjieben! ©er Sffeffot featte gefragt unb fte ge* antwortet ... 0, unglüdfeligeS Sfinb, baS ba feanbelt, ofene feine Rädjfeen, 95ater unb 9Jtutter um Rat gu fragen! 9hm tarnen Reue unb Rergweiflung nadfe. ©afeer bie Xferänen! bafeer baS ftc^ bon ber SGBelt 3urüdgiefeen* wollen! „üRincfeen, SRtncfeen! mein armes Äinb!“ fdjludfegte bie Rätin. „©er Slffeffor Sdjulfce! (Sin fo braber, lieber SRann! ©em einen ftorb gu geben!“ SRüfefam erlangte fie ifere Raffung foweit wieber, um in bem Xagebucfe itacfe bem „2Bo unb 2Bie“ gu forfcfeen. ©a erflangen bon bem ßorribor t>er bie ferneren Scferitte ber SRagb, bie 9Rtndfeen8 (Stube gur Radjt orbnen tarn. SdjneU liefe bie Rätin baS $eft in fein Serfted gurüdgleiten. 3ürS (Srfte wufete fie ja genug, unb morgen beichtete SRincfeen bielleicfet freiwillig. 911S Sinne, bie SRagb gut einen Xfeür feereintrat, berliefe bie grau Rätin eben bunfe bie anbere Xfeüre baS 3hnmer. öangfam, in tiefeS (Sinnen berloren fdferitt bie SRutter gur SBofenftnbe jurücf. Sollte fie iferem SRanne fogleicfe baS ffintbedte mitteilen? Um feinen Rat in biefet Sacfee bitten? — Stber er War ja in lefeter 3«t ftetS fo ungugäng tiefe! Seine ©ebanfen weilten fo offenbar bei anberen ©ingen . . . ©a fafe fie im Soriiberfcfereiten einen Sicfetfcfehnmer in Julius' 3önmer. §atte ber Sefunbaner bergeffen bie Samfee gu oerlöfcfeen? ScfeneS öffnete fie bie ©feüre unb feielt überrafcfet auf ber ScfeweUe an. ©a ftanb ifer 9Rann, ben Rüden ifer gugewanbt, am Sdfereibtifcfe beS SofeneS. Sei bem ©eränfcfe ber ficfe öffnenben Xfeüre gucfte er erfcferedt gufantmen, bafe bie Sampe auf bem Xifcfee flirrte. Saftig warf er eine geöffnete Sabe ins Scfelofe unb ficfe gu feiner ©attin wenbenb, nocfe in fealbgebücfter Haltung, fagte er etwas berwirrt: ,^cfe braudfete ben Rftrgil gum 9tatfef(felagen. SEBeifet ©u bielleicfet, wo Julius ifen berwafert?" „Stber ber feefet ja wofei auf bem Sücfeerbrett," meinte bie Rätin er* ftaunt. ffiie jerftreut ifer SRann bodfe War! 3n ben büraten Scfereibtifdfe pafften biefe bieten alten Römer unb ©riedfeen ja gar itiifet feinein! „Sdfe ja, jawofel!" erwiberte ber Rat feaftig. (Sr war etwas gerötet im ©efeefet unb ficfe tlicfe berwirrt ©cum langte er ofene weiteres ein Sucfe bon bem Regal feerab unb berliefe bamit eilig bie Stube. Sdfeon wollte bie Rätin ifem folgen, ba fiel ifer Slicf auf ein Seines blaueS (Ecfcfeen, baS auS ber borfein feaftig gugeworfenen Sdfereibtifdfelabe feerborlugte. Sofort trat fie näfeer. ©aS bulbete ifer OrbnungSfhm nidfet Rorfecfetig, um baS emgeSemmte Sanier nidfet gu befcfeäbigen, gog fee bie Sabe feerauS. ©aS blaue (Sdtdfeen gefeörte gu einem giemlidfe bieten $eft, ungefdfeidt gufammengenäfet unb mit emenv_groben blauen ©edel berfefeen. SBie unfauber gefeeftet eS war! ©afe man fo WaS im ©femnafhan gefeattete!... Sie $rei*noQeOe. 785 Die Stätin fdjlug beit Dedel um. „Älejanber bon Stacebonien« erfte Siebe" ftanb ba in ihre« guliu« fii^ner $anbfon SRacebonieng erfte Siebe!“ rief bie grau fRätin in fittUdger ©ntrüftung. „Unb ba)u gaben ge offenbar einen Sßreig für biefe Siebegauffäge beftimmt, toie um bie Sangen nodg auf biefem fdglüpfrigen fßfabe )u beftärfen. ©leicg obenan ftanb grog unb breit: fßreigbemerbung ad N 1! ©ottlieb, Du mugt mit bem Direftor fprccfjen!“ „Stber tiebeg fiünb!" meinte ber 9tat beHommen. „Dag motten mir bodg nocg in fRuge überlegen, ©g ftnb fegt neuere Shdgtungen in ben ©pmnafien unb ©(guten, atg )u Deiner unb meiner 3rit. SBer roeig meldge 3mecfe bie Segrer babei Oerfolgen, tßieHeicgt . . . Oietteicgt . . .“ — beg Siateg Stimme mürbe immer unftcgret — „gaben fie babei bie Abfdgredhmgg* tgeorie im Auge." „Abfdjrecfunggtgeorie! 9hm, fei fo gut, 3Ramt!" rief bie fRätin aufg äugerfte erregt. „Alg ob fo etmag je abgefcgrecft gätte! Aber auf bumme ©ebanfen bringt eg, unb bie grücgte biefer ©tjiegung mürben mir halb )u fegen befommen. 9iein, ©ottlieb rnemt Du nicgt mit bem Direftor fpricgft, tgu’ i(g eg!“ „Aber, liebeg ßinb! Siebe Didg bocg nicgt fo in $ige ginein! SBenn Du eg burcgaug münfcgeft, bin idg ja bereit ba)u, obgleicg, icg geftege eg aufrichtig, icg micg ungern gineinmifcge. SBer fagt ung benn aucg, ob Suliug nicgt etma ... gm . . . gm ... etma ben Auffag nur fo, )um eigenen Vergnügen gefcgrieben gat?" „Suliug?! 3um eigenen Vergnügen!“ rief bie fRätin; igt Don gatte faft etmag SSeracgtenbeg. „9iein, lieber ©ottlieb, bag tgut unfer Sogn nicgt! Da oertaffe Dicg barauf.“ „©ottlieb!“ begann ÜRalcgen mieber nacg einer fßaufe, bie ber 9tat ba)u benugt gatte, ficg ooüenbg )u entfleiben unb eg ficg im 8ett bequem )u macgen. ,,©g fällt mir fcgtoer, fo mag über bie Sippen )u bringen, aber eg gilt unfereg ftinbeg SBogl Sn bem Auffag (am eine ©teile bor — Alejanberg Angebetete, eine gemiffe SRojana bittet fidg nacg feinem An* Sie $tei£ttoDeQe. 787 trag ein gahr ©ebenljeit aus — ba fdjreibt guliuS »örtlich (bie häfcltche ©teile Ijat ft»ötf SRonbe lang foH idj auf Sure Siebe garten, unb eS bat bot)eüe. 789 gutiua in bec Schule fbftemaüfch berborben würbe . . . 9Ktndjen in jugenb; tigern Unberftanbe ihr ©lüd Don jidj [tiefe unb lebig — ©ott, wie fdjred* lic^I — lebig bleiben wollte! . . . 3a, alt biefeS traurige tonnte aud) nur in einem $aufe gefdjehen, wo ber Sater fchüef, wo ber $üter fdjnarchte. $ordj! wa8 war baa? . .. 3h r SRann hatte fic^ im ©djtaf umgebreht, imb langfam, bentließ ftüfterten [eine Sippen: „(Einmal unb nid)t wieber!" „SBa8 einmal?! . . . 2Ba8 nid)t wieber? ... So fprid) bod), fDtiinnchen!" ittemtoS hatte ftef) bie Stätm im Sette aufgeridjtet, ftd) über ihren ©ottlieb gebeugt, Serjehrenb ^ing ihr Süd an [einem 2tntlife . . . 2tber ©ottüeb antwortete nidjt. SRit bem [einen 3uftinft, ber SUlen im Sdjlafe Stebenben eigen i[t, oerftummte [ein Selbftgefpräch. „©ottüeb! Du [agteft: einmat unb nicht wieber! SBünfcheft Du nid^t nod) mehr ju fagen?" Siebebott ermuntemb Hangen bie[e ge[Iü[terten SBorte. Slber ©ottüeb hatte nichts mehr ju [agen. (Er [djtummerte ruhig weiter. Doch SOtaldjen fdjlummerte nid)t. Da War e8 wieber, ba8 Unbegreifliche, Unfafeüdje, ben #au8frieben Störenbe — baa ©eheimnife! . . . SBa8 hatte ihr ©ottüeb gemeint, ata er aua bem «Schlafe h«au8 „(Ein? mal unb nicht wieber!“ füifterte? Sltfo gab ea bodh (Etwa8, Waa er einmat gethan unb nicht wieber thun wollte, (Etwaa, Waa auch f$ on eine 3Kat §u biet gesehen War! . . . SQtalchen rang in [tummer Siot bie £>änbe. SBaa tonnte ea [ein! Sie [ah ihten ©ottüeb an, wie er fo friebtich unb fromm in ben ftiffen tag. 3war „StUer [chü^t bor X^or^eit nicht,“ [agt baa betaimte Sprichwort — aber nein, nein, baa traute [ie ihrem SRanne, ihrem ehrwürbigen State nicht ju! . . . SBie hatte boch neulich grau Sehmann gefagt? „3n 3h rcr Stelle, grau Stat, Würbe ich auch iein [o bilbfauberea Stähmäbchen wie bie Sertha in8 #au8 nehmen!" Damota hatte [ie nur an 3uliu8 babei gebaut, aber follte bie Sehmann, bie immer gern hetumfpfirte, barnit bielleicht auf ©otttieb ge= jiett haben? — Stuf ihren ©ottüeb, mit bem fte nun fdjon [eit jwanjig 3ahren ent [tillea, jufriebenea Seben in 3ud>t unb (Ehren geführt hatte! Stein, baa war nicht möglich 1 f^techt tonnte auch Stau Sehmann nicht beiden! . . . Stber freilich, Warum [agte ©ottüeb: „(Einmat unb nicht wieber!" SBer täfle alle 3>°eifel! ©8 War fchon [pät nacht8, ata bie grau Stätm enbüch entf^tummerte; aber auch bann noch würbe [ie bon böfen Dr&umen berfotgt . . . 3uliu8 fah fte, ber ba8 ©pmnafium aufgab unb [ich nuT uodj bem Stubium ber 790 Sdjontader. Siebe wibmete . . . SRinchen, als biirre alte Jungfrau, wie fie ein Snftitiit fiir ^ö^ete Dödjter eröffnete . . . unb ihren ©ottlieb, ber bie ^übfd^e ©ertha umfdjtungen t(ielt «nb fidh mit il)v in einem milben, rafenben (Salopp breite! — G 8 war eine böfe 5Rad)t für bie grau {Rätin! — * * * Sfnt Abenb be$ nächften DageS fafj bie (leine gamilie nad) langer Seit wieber einmal in altgewohnter Art um ben runben Difch ber SBoljnftube. ©ottlieb raucljte fdjweigenb, SRalchen ftidte ein ©aar $au 8 fd)uhe für ihren ©h e h ertn: SuliuS trommelte eine luftige ©olfa auf ber Difdjplatte, unb SRindjen, weit entfernt ihn ju berufen, fdjaute mit einem glürffelig träum« haften Sädjeln übet ihre #äfelarbeit hinweg auf bie blaue Dapete, bereu SERufter ihr boch fd)on recht befannt war. Die grau {Rätin Warf einen fdjnetlen ©eitenblicf auf ihre lochter. Sie war heute fo fröhlich — nein, baS ift nid)t baS rechte SBort — fo feüg! Sollte noch nidft AHeS tierloren fein? „HRindien!" fagte bie SRutter auf einmal, „mit wem tanjteft Du geftern ben erften SBaljer?" „SRit #errn Affeffor Schulde," erwiberte SRinchen. ©ine berräterifche ©lut tauchte p(ö$lid) in ben ©rübdjen ihrer SBangen auf, fHeg langfam höher, trieb ihr alles ©lut bergeftalt in ben Äopf, bafj ihre Augen faft ju thränen begannen, unb üerteilte fich enblich fchabenfroh über baS ganje ©eftcht „ 3 fa, er war riefig liebenSwürbig, auch 0 e 9 en mich!" erläuterte guliuS etwa§ ironifd). „Gr bot mir ju rauchen an unb fagte, mein profil erinnere ihn an IguliuS Gäfar!" „Gr Wirb ©ater morgen feine Aufwartung machen," ergänzte SRindjen baftig. @8 fchien, al 8 erwarte fie bon EguliuS bertraulidhen {Mitteilungen feinen befonberS guten Ginbrucf auf bie ©Itern. „SMir?" fragte ber {Rat erftaunt. „{Morgen feine Aufwartung machen! — So ift benn nod) nicht AHeS" — bie grau SRätin hätte beinah’ gejagt „nod) nid)t AHeS berloren!" Aber fie befann fidj noch J u rechter 3 eit unb berfchludte ba 8 lepte Söort. $ordf)! Da würbe bie £jauSglocfe gejogen. Die {Mutter hotte e 8 beut« lieh gehört, aber bie übrigen nicht, wie eS fchien; benn alle brei blieben ruhig auf ihren ©läfcen. „SBurbe nicht eben geläutet?" fragte bie {Rätin unb erwartete bn nädhften Augenblid guliuS unb SRinchen auffpringen ju fehen. „SBir hoben nichts gehört!" berfidjerten aber ffleibe, unb bie {Mutter bachte, eS höbe ihr wohl nur in ben Oh ren gedungen. Die $rei3not>ette. 791 Slber «ein, ba mürbe jum jroeitenmal geläutet, fdjarf, ungebulbig, gellenb. ,,©o hört bodj, ^tnbet! Die ©lode toitb ja faft abgeriffen! Sicher ift e« bet $oftbote mit ®ater« 3ritung." 3uliu« fah 3JHnd)en an; 3Rind>en fah 3uliu« an, aber deiner rührte ftdj bom ißlafc. (Erft al« e« böUig jmeifello« mürbe, bafj bie ©d)roefter feine Änftalten machte fict> ju erbeben, ftanb 3 u lin8 langfam auf, redte gäbnenb bie ©lieber uub berliefj in einem redeten ©djlenberfchritt träge bie ©tube. Sangfam teerte er jurüd unb überreichte bem ®ater ba« eben eiuge« troffene 3oumal unb bie Slbenbjeitung. Unb bann gefcbab ba« Unermartete, bafj ber ®ater, anftatt ber 3ritung, erft ba« Sournat ergriff unb fi(b eifrig in bie Seftüre beäfelben bertiefte. Die Stätin nahm ben abgeftreiften Umfcblag ber 3ritfdjrift jur #anb — bie grofjgebrudten roten Settern barauf jogen fte maguetifch an — unb begann ihn ju ftubieren. ,$ört bod>!" rief fie plö&lid), ohne bie Singen bom Statte ju ergeben, „hier ift ein $rei«au«fdjreiben für Siobellen unb $umore«fen. Unb ma« für grofje ©ummen! Daufenbe merben au«geboten! SBelch’ gute ©elegenheit für unfere bemäljrten ©c^riftfteöer, fid) ein hübfdjc« ©tüd ©elb ju berbienen! Slber freilich werben fidj audj biele Unberufene baju gebrängt haben unb fidj bie Singer berbrennen, mie bie SRotten am Sichte! . . . übrigen«, mufj ba« Sille« ja fdjon längft entfliehen fein, benn mie idf eben felje, ift biefe Siachricht bereit« mehrere SDtonate alt" Sßiemanb antmortete. ©rftaunt, fo menig Deilnaljme bei biefer intet' effanten SRitteilung ju finben, erhob bie grau fRätin ihre Stugen bom Stätte djen, ba« fie fo eifrig ftubiert hatte . . . Da fafj ber fRat, unb feine ffllide bohrten fich fo unnatürlich feft in bie 3ettfchrift, bafj man ihm ben 3mang orbentlich anfah- Stuf feinen äBangen aber brannten jrnei Meine, bunfelrote Siede ... Da fafj 3utiu«, ba« Stntlifc halb abgemanbt, unb feine Singer, bie roeiterjutrommetn ber« fuchten, jitterten ften barinnen auf ben ^Briefträger martenb — ihre einfamen Stbenbe 792 ftalantorotv. bei bei Satnpe . . . 2öe$. ®a$ 509 bttyfdjnett an ihrem (Seifte Darüber. Sie Ijatte ben ©cfjlüffel jum ©eheimniS gefuttben! „©otttieb!" fagte bie SDhitter ptöfolich in fe^t fanftem, Iiebebottem Sone, als ba$ Schweigen bie brei Slnberen bereits ju erftidfen bro^te. „©otilieb! SEBittft ®u und nicht ffitwaS au« ber 3eitfd)rift Dorlefen?" „©erne, mein Kinb!" ertoiberte ber Stat freubig, wie bon einer ferneren Saft befreit. Unb nach langen Monaten fafj bie Keine Samilie roieber einmal toie in alten feiten um ben runben Sifch in ber friebtidjen SBo^nftube beifammen. J)tij redjffy ]P»I^ <£in rufftfc^es Zftärchen pon XI. v. Kalantoron?. (Sfaftan.) R S toar eine falte, regnerifd)e iperbftnadjt Sin armer, ausgehungerter, mit Sumpen faum notbürftig bebecfter Kohlenbrenner fchritt burch ben bunfeln Salb. Ser ©türm tobte, ber Siegen gofj in ©trömen, bie Säume ödsten; boch ber fpäte Sauberer festen auf nichts ju achten, er toar tief in ©e* bauten oerloren, ber ©egentoart ööffig entrüeft. 3 e mehr ber ©türm ttriitete, je ftärfer ber Siegen flatfdjte, befto fchneßer fdhritt ber Kohlen* brenner. Sa, mit einem SJlale bleibt er toie angetourjelt ftehen; ber ganje büftere Salb toirb plöfclidh Don einem unfidhtbaren Sichte erleuchtet, eine ehttoürbige unb hehre ©reifengeftalt tritt bem Kohlenbrenner entgegen. Sie toeifjen §änbe toie jum ©egen emporhebenb, fragt ber ©reiS: „SaS fuchft Su ju biefer fpäten ©tunbe in biefem einfamen Salbe?" Ser Kohlenbrenner: „Sch fudje einen fßaten für mein armes neu* gebomeS Kinb." „Sch toiH Sein Kinb aus ber Saufe heben," fpricht ber ©reis. Ser Kohlenbrenner fragt toeiter: „Ser bifi Su, ehrtoürbiger ©reis?“ Set redjte $ate. 793 „3«b bin ©ott bet §err, ©dfjöpfer unb ©efdjüfcer bet ganzen »eiten SEBclt unb »erbe Dir als <ßate »obl »itlfommen feilt." „Sieht," ruft bet Kohlenbrenner, „Du bift mir nichts toeitiget als »ütfomtnen jum Sßaten, benn Du bift im ^öc^ften ©rabe ungerecht; Du lägt bie Stritten im ©ch»eige ihres StngefidbtS arbeiten, täglich ärmer unb etenber »erben, bie ebrlofen unb gtaufamen Steidjen aber in $üHe unb güHe leben; Du nennft Dieb barmberjig unb gütig unb bift eS nidbt, benn Du baft meinen ©rftgebomen im Kriege oerftümmetn unb meine fünfjebnjäbrige Dotter ber SBerfübrung erliegen taffen unb fo mir attem SDlanne meine lefcte ©tüfce, meinen Droft unb meinen ©tolj genommen unb mich noch etenber gemalt, als icb eS obnebieS febon bin. Sieht, icb mag mit Dir nichts $u tbun haben. Sag mich oorbei, ich habe noch einen »eiten SGBeg ju geben." ©pracb’S unb ging an ber ©reifengeftatt mit feften «Schritten oorüber. Kaum batte er einige ©dbritte getban, ba hört er eine fchneibenbe, barte, raube ©thnme rufen: „§e ba, »er bift Du unb »aS fuchft Du, armer, geplagter SJlenfcb?" „333er Du auch f«ft, Du fpricbft bie SBabrbeit," ettoibert ber Kohlenbrenner, — „»abrtich, ich bin ein armer, geplagter STOenfdb." „Unb »aS tft Dein Segebr?" „3üre auf, tritt tu bie «Stube unb bleibt tote gebannt in ber SDJitte berfelben ftef>en. ©ein franteä SGBeib fijjt fcfetuc^jenb an ber SBiege beS Säugling^ unb immer t^eifeer ftrömen ifere fronen. „Sßaä ift f)ier benn toieber loS, toaS für neue Prüfungen fenbet un3 ber £>immet?" ruft er feine fdjlutfföenbe $rau an. „Unfer Äinb ift nicfet me^r," fann fie nur müfyfam IjerauSfto&en unb finft ofjnmädjtig an ber SBiege nieber. $er $ßate*2Bürgengel l)at fein SBort gehalten: ®a$ arme ÜRenfdjenfinb toar alter 9Wüf| unb tßlag enthoben. %tmr[ JidjiintHmiiu Ätt Üetmft Ibfett. » dft fd?lägft bte £eier Du 3a £iebes!lagen, Podj laut erfüllen Peine Sdjladjtgtfänge; Sie loden uns ins roilbe Kampfgebränge, IPoljin Pu fiifyn Pein Sännet uorgetragen. Pu fjag suerft mit männlidj federn IPagen Pen (Sögen, bcffen pug unb Sdfeingepränge 3n fflaofdjer €tjrfurdjt fdjeu oereljrt bie Ptenge, Pie ITIadjt ber £üge, in ben Staub gefd?lagen. Podf viel < 5 efd?led)ter tuerben nodj oerroeben, < 2 b’ f »4 was Icbenb Pu erftrebt, erfüllet, €b’ Peine tDünfcfje alle einjl gefHUet. Pir ift es nidjt benimmt, bie ^Jrudjt 3U fetten, 5 u ber Pu jegt bajt ausgeßrent ben Samen, Podj an bie Sterne fnüpfjt Pu Peinen Hamen I felij (Efcbmeg. Serltn. Unfet Oidjteralbum. 795 ^r(tn6|‘o^citrattfer. Sir Sfrowfrfirt ob* bem 16. 3dl)rfjHRbic$teralbum. 797 ein Sd?redertstag — ein Hierein otjne (Snabe, IDUb Ijeult ins ©Ijr ber Sturmglod’ 3ammerton, Straßauf, fhaßab rafl jäij bie felbfanon’; 3 m pnloer bampft brr Cuilerien £afabe, Sd?n>adj roetjrt fi<$ nodj bie große Barrifabe, (Erbaut als ber Kommune pSbeltfpon; IPas treibft Pu bort, Du Dämon polier fjobn, mit roter $adt I auf ber Baluftrabe ? IDie famft Du tjin, weldf feltfam tDerf Du firniß? (Ein wilber Sranbgerudj — o tjollifdjcs (Sefpinnßl Blutrot im Schloß ftdj Jfeuerjungen fammeln. Dem Kampfgefcf?rei folgt bas €ntfeßen ftumm Unb „HJafferl" tanfenb bleidje Sippen ßammeln — fjoijnlacfjenb rufft Du: „Bein! Petroleum!" £>err Kodjefort ßol} mit Sdjam unb Poll entfeßen. Den Bart raftert — fein Cafdjenbud? gefpicft, Du trinfft bie bitt’re Qefe, lädjelnb blidt Dein Kug’, wie fie ber Had?e ITleffer roeßen. §um (Srubenlodj auf einen Karren feßen Sie eud{; ber Degen fißelt Didj, umfiridt Kn blntbefprißter tPanb fud^ft Du gefd)idt mit Caneaufraßen nodj bie IDut 3U ijeßen. (Ein fiarrer Croß um Deine Sippen fpielt, Ztidjt eine musfei judt bes ßarren Seibes, ©bgleidj bie lllunbung auf Dein £jer3 fdjon jielt. Balb gleicht Dein Staub bem eines brauen ZDeibes. © (Sott, fdpra’ Deine XOeltl — mos wirb iljr Sos, Stirbt bas Derbredjen fdjon fo ßelbengroß? £i<$terfo&. 4 tFm Dadjßrß, wo ber Ießte Sdjmalbenbau, Ml Qodf fiberm Stabtgewfitfl, in SonnenfHIIen, Da bffnet fld? ins weite Qerbßesblau €in ^enjterlern, bas rote Kaufen bfitten. (Ein banger Hauml es füllt nur arm (Serät Die uon bem Sonnlicfyt bellbeßammten IDänbe; (Ein bSftres Bett, bas ßiUbereitet ßeßt $fir Cinen, ber an feiner Cage tfclficimatlanb IDof)I ahnten jnr felben Stunb’, Daß fern ben lob Ujr Sänger fanb Huf tiefem UTeeresgrunb. — II. jtta Dolf in faiter i$teraHmm. 801 Der {{eilige SUoarej. •Ätoarej, — nidjt u>iö td? iljn fd}änben, — Wf £fatte mandj’ ignoble paffion; Unf{eiligfte aüer Eegenben Sendeten gar fpöttifd? baoon, getfjn itjrt ber Unjudjt, o Sdjmadj! — <2in {^eiliger ift er ’roorben, IDeil ein — Sfinber iljit ({eilig fpradj. * * * Ztur eine 5rtunbin! t dft er mit bem Slidf bes 21 ars, Der midj fo ftol3 gegraft, 21 dj, nur eine ^reunbin roar’s, Die plbtjlidj midj gefußt. Dom Sdjdnfen feine Spurl — 2ld; ergf5ntg. P er König bet groerge Die £iebfte mir ßaljl; Sie ipoitnt nun am Serge, Statt nnten im Ifyal. <£rtr>i(d)’ idj ben Iropf, Seif’ idj iljm ba» Krönlein Dom jtrnppigen Kopf. * * 4t 3af}rinarft. f aljrmarft ifi’s; bas Dolf iß Reiter, Snrfdjen ranfen; Don Korallen einen Heiter IDill idf fanfen Unb von <ßoIb — Unb ben Heiter Renern fdjenfen, Dem idf Ijolb. * * ♦ Sdfön toi« SeoiHa. » b man audf tanfenb Stäbte bnrd)n>anbre, Sdjön rote Sevilla 3 ß feine anbre: 3 ß feine, feine. Denn brinnen rooljnet Sie, bie idj meine I ♦ * ♦ Bie ijeje. * b ße and; frifdj roie Dtaientag Unb faß fo fdjön roie bn, Sie lotft aufs ffans ben EDetterfdjlag, Dettjejt im Stoß bie Knl) Unb midj, nnb midj: Denn 3 »ei mnß idf nnn lieben — Die ff eg’ nnb bidjl Uttfet Didjteralbum. 803 Die (Slocfen oon Dallaöoliö. * n Dallabolib in bem Rotten Dom fjängt jegt feine (SlocF, bas iß gefdjeit; Denn bie (Slocfen flogen alle nadj Som $um papft, als bie ({eilige ie gefallen meine Ciebeslieber Dir?" (Eeurer, immer nodj oiel Säufelfummgejroitfdjer. einer fetten ©räfung fdjeing Du fetjr bebfirftig; Komm 3U mir aufs £anb unb trinfe Buttermildj. Übermorgen roirb bie l?nt}nerjagb eröffnet. Durdj bie Stoppeln, burdj bie braune fyeibe 3ieljen Dann mir beibe; unterm Knicfbufdj fdjmetft bas ^rüljgficf. (Segern Ubenb ging allein idj burdj bie Qeibe, Unb im £ilafdjimmer ganb bie gan3e ;flädje, 8lüt’ an Blüte — unb bem £ilafdjimmer fdjenfte Stumpfen (ßlanj bie Sonne, bie 3um müben Ubfdjieb Sidj oergeefte hinter meige Hiefenroolfen, Deren Spigen, gleidj mie Ijödjge Bergesgipfel, Sie nmranbete in i(I erhellen, Seit Dir ben (Satten naf?m ber lob. Da — freoelnb regt in Dir fid? leife (Ein IDunfdj, ber brächte (Soib nnb tfab’ — £äg’ft nuberüf?rt bie farge Speife, Die tngenbfiol3 ein ZDeib Dir gab, Unb Iädjelnb fpringft Du auf vom Stahle, Der tiente and? gepfänbet warb; Dein 2 Inge bligt — „Der fei mein Buhle, Der Hot unb (Elenb mir erfpart!" — Betroffen f^dltfl Du pldglid? inne; XDas taudjt bort geifierbleich empor? — „Set ftarf 3U bleibenbem (Seurinnel" Dein (Satte fpricht’s im (Trauerflor. Berenenb ftnffl Du üjm 3U $ügen, ZDillft brüefen feine melle fjanb, Dodj floh er fdfon mit ernftem (Srfigen, Sdjanft tuieber nur bie graue JPanb. £fordj I leife podjt es an ber Pforte; Den Siegel 3iehft Du bang 3urS(f; Dein Hausherr grügt mit geilem IDorte, Bethbrenb Dich mit Ififter'm Süd. „3. Haten. ( 3 rrfin.) P i wirb mehr uttb mef}r jur Dtjatfache, bah bie fonVentionellen Opern uttb namentlich bie Operette — fei fie nun roienerifdjer ober parifer ©ro* venienj — abgeroirtfcf)aftet haben. Diei fteht menigfteni für ©erlin aufjer Srage, Wofelbft auch bie Sofalpoffe fchon feinen ©oben mehr h fl t. ®*an fcheint fich förmlich nach bem fo lange fchnöbetweife veritacf)läfftgten ernften Drama ju fehnen — Wir werben biefen SBinter nicht Weniger ali fec^S ber Haffifchen STOufe Ijutbigenbe Dh eater befifcen. ^öffentlich lernen mit ©erlittet babei auch «in« Änjahl neuer, echter Scljaufpieltalente fennen; wir haben uni leibet feit fahren mit Shtinen behelfen müffen unb für bie (Jntwieflung talentvoller Änfänger War hi« feither ber benlbar ungünftigfte ©oben. Dafj bai ®rfdj einen bei in Dreiben unb Hamburg gerabeju Vergötterten $elben* fpieleri Äbalbert SRatfoWifp auf ber ©ühne unferei föniglidhen Schau* fpielhaufei in ber ali nüchtern verfchrieenen „$auptftabt ber ^ntcttigenj" barum wie ein erlöfenbei (Gewitter unfer ftagnierenbei ©ühnenleben reinigen unb viele bem Xheater fern (Sebliebene unb SdjmoHenbe mieberum ju ben $öhen ber Jhmft emporreihen muhte, ift flar. — $ört unb fieht man ©tatfoWifp — fei ei in Welcher Stolle ei wolle — ich möchte hi« mit ben ©efamteinbruef feinei Spielei feftljalten — fo ift man plöfelidj in einer ganj anbem SBelt, Welche — etwa wie bie SRariWelt — eine Steihe ber Wunberfamfiten, feenhafteften ißhantaimagorien bem geiftigen Äuge bei #öteri vorjaubert. Diefe fönigliche #elb engeftalt, biefei balb in b&mottifchem ©roll ungeftüm hin* unb Ijerrollenbe, halb milb* Verföhnenb, h«>h«itiöolIen Trieben auibrücfenbe, Von mächtigen ©rauen über* fchattete Äuge, biefe hohe, eble Stirn, biefer ablige Stecfenleib fcheinen gött* liehen Urfprungi ju fein, ebenfo bai eherne Organ, bai oft in wilben Somgewittern Wie ©ofaimenton bröhnt unb bann plöplich wieber in ben füfjeften fjlötenlauten ber SBehmut hinfchntiljt, ja felbft im ljöchft«n Äffeft noch fiegteidj in ftrahlenber Stemhett erglänzt unb eine ©mpfinbung in ihrer Sfntenfität ber ähnlich, Welche etwa Purpur ober Scharlach auf bai förper* liehe Äuge auiübt, in unferer Seele herVorruft. @ini fteht felfenfeft: SJtat* fowifp ift eine foloffale gnbivibualität. Ällei dritteln unb St orgeln, bai 810 Katen. egoiftifcher ftollegennetb ober bornierter ftritiferunberftanb anjetteln mosten, mu| bot ber wahren Grö|e berftummen, gleitet machtlos an bet Stiefen* erfdjeimutg biefcö Äünftler« ab, ber ba« gbeal be« bottfomntenen @dE|au« fpieler« repräfentiert, toie eS fi haftet ©rinj" bie ©jene öerläfjt. Übermütig, man benlt unwiKEürlich an einen Gebirgsbach im grühling, reifen bie gtuten ber Seibenfchaft ben Zünftler ju ben gewagteften ÄKppen unb Untiefen hin, aber fpielenb übet« minbet feine faSjinierenbe Genialität bie größten ©d)Wierigleiten, Welche jeben anbem ftraudjeln machen würben. SHIeS an ilpn ift Grö|e, Sterü unb ©oefie. — Stuf ber ©jene ift SRattoWSty wie feiner ju $aufe, er befjerrfcht fte wie ein Gott — Gin ejplofioe« flabifc^ed Temperament, ba« {ich an beutfdjem flafftfeheit Geift gefättigt, ift biefer #ero« ber Seibenfdjaft ohne ßweifel eine ber gewaltigften Grfcheinungen ber ©üfjnenWelt aller feiten, berufen ju feltener fünftlerif^er SRiffton. 9lad)bem äWatfomSlt) am 13. !guni mit feinem föftlic^en gerbhtanb fein jroeite« Gaftfpiel in golge be« Tobe« Äaifer griebridj« ebenfo föneH Wieber abbrec^en mu|te, wie er eS erfolgreich begonnen h®tt e » 0a& er bei feiner bieSmaligen brittcn $erfunft un« ben geuerlopf Steinljolb in SBilben* bruch« „SJiennonit" unb wieber gab er in biefer Stolle fo öiel echte föünftter« fchaft, ba| bie nicht fchon je|t im ©olb be« Seffingtheater« unb ber anberen Sonlurrenjuntemehmungen ftehenbe ©reffe ihn freubigft begrüßte unb nur ein bebauembe« Reibet erft im uächften 3 a h t ber unfrige" in ©arenthefe fe|te. SBa« unferem heutigen ©ubtifum unb unferer hcuüflot ftritil jum grö|ten Teile fehlt ba« ift ber richtige 2Bttrbigung«ma|ftab einer fo ööttig au« bem $eimatgrunb aller ©djaufpielhutft, bem Temperament heraus ent* wicfelten gro|artigen gnbioibualität, wie ber SKatloWSfh«. Ttnflatt ba| „biefe gnfeftenfeelen am SBerfe ber Siebe (hier be« Geniu«!) hinauffchwinbeln follten" — um mit ©dptter ju fpredjen! — bleiben fie im nüdjterwplatten ©annfrei« ihrer ÄHtagSempfinbung, befeftigen fleh Wohl gar noch fa 5 bolem Spott in laltherabfefeenber, tjerjenSarmer gronie, um fieater ben 9Re* Phifto. betreu bem SReifter folgenb, bemüht ec fidj beffen Intentionen gerecht ju Werben, inbem ec Weber mehr nodj weniger fein will als ber Interpret beS XicljterS. 3n einer Seit, wo reflamfüchtige Sirtuofttät unb SRadfe faft alte 3n>eige ber geiftigen J^ätigfeit beherrfcht; ba ift baS SBirfen eines foldjen ftünftlerS eine wahre (rrquiefung. §äufferS SRacbeth, baS ift tein fonoentiouetter I^eaterwüteric^, baS ift ber Shatefpearefdje Äraft* menfd), ber Xh aM £>odhfchottlanbS, „ber ju Stacht gegeffen mit ©efpenftera". £äuffer8 gtto — ber Äonbottiere beS 30jährigen fttiegeS, Perfcglagen unb rücffichtSloS jugleid), baS ed)te ftinb beS SaturauS, in ber Sprache SEBallenfteinS ju reben. $äuffer8 galftaff — bie SJertörperung beS luftigen StttengtanbS, eine gigur bie SBiUiam ben ©örtlichen fetbft entjüdfen mügte, tonnt’ er fie fegen, ftein SEBunber bager, bag man ber SRepgiftobarftetlung biefeS ScgaufpieterS mit Spannung eittgegenfag — benn Ipäuffev fafjt jebe Stolle mit feinem Reifte auf; er giebt iiicfjtö Schablonenhaftes, nichts imitiertes wieber unb ich Wii§te nicht, Woburd) fid) baS ©ente oom latent in jeber ftunft unter* fcheibet, — wenn nid)t burd) Originalität. XaS @enie macht oft gehler, bie fich tein Xatent ju Schulben tommen liege; aber eS fietjt mit eigenen Stugen unb eS hört mit eigenen Ohren; währenb baS Xatent nie bie ge* bahnten ©leife Perlägt: barum giebt eS recht talentPolle $unbe unb Slffen — aber leine genialen. SBir finb im $immel, Por bem Singefichte beS $erm. Xie himmlifchen ^eerfegaren haben ihren Sobgefang beenbet — unter geuer unb SBlifc fteigt er empor, ber Sohn ber $ölte — SRepljiftopgeleS. Salten QpniSmuS ftettt er ben $pmnen ber ©nget entgegen; bennoch lägt er unS feinen Stugenbticf Pergeffen, Por Wem er fteht, ju wem er jptiegt. Slufmerffam, faft gierig horcht er auf bie Siebe beS §erm — unb bei ben SBovten: „Sott alten ©elftem, bie Pemeinen, ift mir ber Schall am wenigften jur Saft", ba jifegt eS in ihm auf Wie gatbertofdjeneS ©lutgejügt aus frühen, tängft oergange* nen Seiten. 2Reiftergaft ift SRepgiftoS gntermejjo mit bem Schütev. SRancge Schau* fpieter faffen baSfetbe ju d)eoalereSf--humoriftifch auf, fehr mit Unrecht, wie ein ©tief in ben ©ötge beweift. SRepgifto will nidjts weniger, als ben harmtofen jungen fo en passant pon ©runb auS pevberben unb baS ge* tingt ihm. (Siehe gauft II. Xeit.) Stiegt jeber ift ein gauft, $u beffen Äortumpierung bie gottje §ölte aufgeboten werben tnug. — SBott beuget Sdjaufpielfunft. 813 ©cfjon bic 2lrt, mie biefer 2J?epl)ifto in trefflid^ aufgefe|ter profefforalet SRa8le ben blöbeit gud)8 empfing unb attmälig jutraulidj machte, mar ein Äabinet8ftfid. 9?ad)bem er it)n nun ein tnenig jubereitet Ijat unb be8 trocfenen Xone« fatt mieber reer Stiftern!) eit, bafj bem jungen ganj angft unb bange mirb. #iet gel)t unfer URepIjifto big an bie ©renjen beffen, mag bor einem jut $älfte au8 grauen beftepenben ißublihim juläfftg unb möglich ift — mit SRedjt. Xenn er jeid)net nur nadj ben Sinien be8 Xidjter«, ber in ber SBalpurgiSnadjt unb in ber ©jene Stalb unb fööljle mit nod) biet grelleren garben aufträgt. Stäubern ber ©d)üler, begleitet non ben ©egen8münftf)en feine« ißrofeffor«, gegangen, f)abeu mir alle ba8 ©efüfjl, baff be8 Xeufel« gute 9tatfäuffer. ©8 ift überhaupt eine fel)r treffenbe Intuition biefe8 ftünftter«, ba8 finnlicf)4üfteme SRoment feiner Stolle befonber« ju betonen; beim nur mittel« ©tnnenraufdie« l)ält er feinen gauft bantieber. „©taub foll er freffen unb mit Suft." Sennod) münfdjen mandje jartbefaitete Seelen unfern äftepljifto t)ier „feiner"; nur fdjabe, bafj fie fief) ba an bie falfdje Sbteffe menben; an ben ©epaufpieter, ftatt an ben Siebter, ber öietteid)t bod| gemufjt t>at, marum et feinen Xeufel leine „feinen" Snfpielungen, bielmeljr fogar (mef;e, menn e8 ein Snberet al8 ©ötlje gemagt Ijätte) jiemlidj au8giebigen ©ebraudfj toon „unanftänbigen ©eberben" machen läfjt. 2uftig*ironifdj, bietteidjt ju luftig maren bie ©jenen mit grau Start !ja ©djmertlein. Sei ben äBorten SRartlja«: „bie Stacht bridjt an" prefjt 2R& p^ifto ein üielfagenbe« „ga — unb mir motten fort" — Ijerau«, ba8 miber* lidj roirlt mie assa foedita. Sb et miberlief foU er ia auefj gerabe fein, bet $ert ber gliegen, gtöfc^e, SBanjen, Saufe, ffibenfo menn er mitten in gauft« glüljenbe 8iebe8fd(jmärmerei ba« giftige Start träufelt: „Sun Ijeute Statut?" — Sber mir mürben lein ©nbe fbtben, motten mir ber $äufferfdjen SRepljiftobarftettung in alle ©injelljeiten folgen, genug, bafj fie eine foldje ift, bie burcf) ©eift, Staft unb Originalität ber beutfdjen ©djaufpiellunjt jn Ijödjfter ©Ijte gereicht. — 814 ©tapt. ^adprifrifl \n bin ^tttrigtst $aijr*uilpij üon (Erich Stahl. (•Jlfiiupen.) f a§ (Ereignis biefer geftfpiele gipfelte nicht ira „©arfifal", fonbern in ben „SReifterfingern“. SBic man bor gWei Qa^xen in Sapreutlj erft bcn wahren Zriftan ju hören befam, fo machte man bieämal bie (Entbecfung, bafj bie wapte, echte, unberfälfcpte 2Reifterfinger=0per borget noch nie unb nirgenbS aufgeführt worben fei. Unb bie eprfamen Nürnberger fd|Iugen ben armen Xeufel unb frummen Naturburfdjen ©arfifal fester tot. 3a, man fragte fiep, ob ber 9Reifterfinger=2ßagner, überfdjäumenb bon göttlicher Reiter* feit, bon genialem $umor unb blüpenber ßebenöfüße, al8 fatpolifierenber, aSletifcper ©arfifal-SBagner überhaupt noch ernft genommen werben bürfe, ob biefe chriftlidpe (Einfalt bom Sanbe nicht biel mehr als ein (Ejgefj mutwiHigfter ©arobie auf alles Zragifche aufgufaffen fei?! idjtung unb SRuftf gleich Perunglüdte unb Perfekte Diffonanj*0pu«, welche« gegenüber bem SRetobieen »Frühling Pon „gigaro« §oan« ©ach« (einer ftimmenmörberifchen ©artie!), beffen enblofe«, unglaublich fchwache« ©Palieb, ba« er im 2. SIfte $u ©Epen einer überäugigen, fchon in ber ©enftoit Perbilbeten ©erfon jum beften giebt, man aderbing« eher einem ©chufter al« einem ERufüer ju« trauen Würbe! «ber wa« fott man fagen ju biefer ©parognerie in Koten, bem 2. ginale?! t)ie Seilerei ift ba« tollfte Sittentat auf Sunft, ©efcpmad, SRufif unb ©oefte, welche« je bagewefen ift. ©rutat ift ber einzig richtige «u«brud bafür. 833enn äRuftf ftinlen fönnte, fo Würbe man fleh bei biefer ©amperie in Koten bie Kafe jupalten! ©oll un« etwa ba« fog. „Quintett" im 3. «ft bafür entfdjäbigen? 3n einem nach anberen ©rmjipien ge* fchaffenen 393erfe, Würbe man ftch um biefe« Quintett gar nicht lümmern, aber freilich, ©erburftenbe nehmen auch einem SRunb PoU ©umpfwaffer fürlieb! X)ocp ba« «rgfte (ommt julept: in bem gemederten ©chneiberchore entblöbet ftch biefer wüfte Sontrapunftierer nicht eine SRetobie au« Koffini« „Xancreb", ba« befannte di tanti p&lpiti, h«tau«jureihen unb ben großen SRelobifer ju berfpotten! S33ie fagt boch #amlet? ,,«poö bei einem ©atpr!" 5Die einzige ©aPatine im „©arbier": „[frag’ ich mc * n beflomm’ne« #er$" 816 SBebfter. hat mehr mufifalifdjen SBert als bie gatije bidleibige SReifter Partitur im ©anjen. SDlit Ginem SBort: Stiles waS mir Don bicfer fc^retfltcfiftcn aller fc^recfticfjcn Opern hörten, blieb unS — felbft mit bem Dejrtbuch in ber $anb — GhaoS ober Süneburger |>aibe! — Die ©eneraliittenbanj ber königlichen Sdjaufpiele follte berfügen: „SRiemanbem ift geftattet, bie SDteifter* finget 3 WeintaI ju hören, benn — bie DobeSftrafe ift abgefcfjafft!" — ©egeben im DieSfeitS unb ^SenfcitS. Die raörttidje Übereinftimmung mit ben Originalleiftungen beftätigt: Der hohe Stat ber Dreijehn. 3fibor Gaftan, Heinrich Dorn, SBilfjelm ©rothe, Otto ©umprecht, Gbuarb ^janSlicf, gerbinanb filier, G. kofjntalp, Stöbert Sienau, SBilhelnt Säble, Subwig $ietfcf), 2fr. Diefc, §ieronpmuS Druljn, fRidjarb SBüerft unb bie Offiziere du jour. J)i^ inlirimfronafy Xmwfetlpra m i. ®i t Sdmeciftanec. t?on ZTTif IDebfter. jKs ift eine eigentümliche Grfdjehtung bei ben ftntetifanem, welche hoch alö baS nüchternfte Soll ber Grbe fonft gelten, bafj wie burch ihre kunft, fo auch öurch ihr Seben ein $ang jur SRpftif, eine phantaftifdje GinbilbunSfraft fich jieht. Songfellows „ftiawatha", ißoeö „DaleS", fowie öiele ber neueren belle* triftifdjen SBerfe 3ung=9lmerifaS finb bon einer feinen HJtpftif burchbrungen, wie fte (aum in ber Sitteratur eines anberen SolfeS oorhanben fein bürfte. 'Ämerila ift ja auch ö* e £eimat beS mobemen Spiritismus, in welcher Sonn bie GinbilbungSfraft bei ben $anbwerfern unb ben SRittelftänben oorwiegeitb 3 um SluSbrud (ommt. Diefer £ug fehlt nicht in ben Silbern, Welche bie amerifanifchen SDtaler jur StuSftetlung nach äßündjen gefdhicft haben. Manche ihrer Silber finb fcheinbar gefliffentlid) fo behanbelt, bafj fte unS nicht ÄlleS fagen, fonbern ein GtwaS unferer GinbilbungSfraft überlaffen. Die internationale Äungfcgau in SWttdjen. 8lf Ob gcg biefeg mit einer grengen Äunft oereinbart, motten mir gier nicgt unterfucgen; unbeftreitbar ift eg, bafj biefe Silber einen großen Steij auf ben Sefcgauer augüben, menn fie aucg manchmal auSarten, mie jum Seifpiel bas Porträt einer jungen Same oon Seil, meiere, in fcgattenlofeg ©raublau gefüllt, peinlich förperlog mirft, unb eger einer fpiritiftifcgen (Er* fcgeinung alg einem lebenben SBefen gleicht. Sa8 umfangreiche Silb oon ißearb, eine Schäferin mit $erbe bar« ftettenb, fcheint ein glücflicgeg Sefultat beg ©inffuffeg ber ftanjöfifcgen Schule auf biefen $ang ber Slmerifaner ju fein. Ser fjimmel, bag ©rag, bie Siere, alle mirfen traumhaft, unb hoch ift bag atteg mit feiner Sechnil burcg* geführt unb Oon einem fo mähren Suftton übergoffen, bag man glaubt, mirflich ing (freie ju blicfen. Sie Schäferin hat ettoag Überjeugenbeg, ge ahnt cg nicht, bag mir ge betrachten. — Sen gtoei grauengeftalten auf bem etmag füg gemalten Silb oon 9tibgmap ftniggt fehlt biefe (Eigen* fchaft; ge gnb ju offenbar ,,pos4“. Sie jtoei giguren gnb ejaft gejeiegnet, (gute geidjnung ift überhaupt ein geroorragenbeg ERetfmal ber amerifa* nifegen Sünftler), auch ig bag $leinair bem füngier gut gelungen. gn $itcgcocfg „Slnnunjiation" fegen mir eine nebelhafte SRaria, roelcge alg Änieftücf hinter einem Regiment Sitten auffauegt. Ser licgte hinter* grunb unb bunfelgrüne SRittelgrunb, morauf geg bie etmag fteifgejeiegnete gigur gell abgebt, erinnert an Sotticelli, nur feglt bem Silbe gänjlicg bag 9taioe beg alten SReigerg; eg mirft affeftiert. Son ben jmei gottänbifegen Silbern ©ari SRelcgerg, märe bagjenige, melcgeg alte SRänner in einer Äneipe fifcenb bargettt, bem mit einer I. 3Re* baitte auggejeiegneten, melcgeg ung grauen in ber Äitcge jeigt, ootjujiegen. Sag erftgenannte Silb gat meit megr Sttmofpgäre unb ftnb bie Figuren beffer egarafterigert unb burcggefügrt. Sie beiben Silber gaben einen eigentümlich grünttcg*b(auen fjintergrunb, melcget einer gemiffen pitanten SBirfung niegt ermangelt. Sie SRaltoeife ig breit unb fräftig, menn aueg etmag rog. fReingart, melcger bureg feine üortreffttegen ^Ougrationen in „Harpers Monthly“ unb „The Century“ rügmlicgft befannt ig, gellt ein Silb beg normanifegen ffifcgerlebeng aug, moran man ben feinen 3'icgner erfennt; boeg ig bie ffarbe, jumal bie ber Sug, bebenHicg fegmer auggefatten. Stein* garb tgäte beffer baran, beim „Scgroarj unb SBeifj" ju bleiben — in biefem efaeg ift er SReiger. Son ganj aufjerorbenttteger Seucgtfrag gnb jroei Orientbilber oon SBeefg. SRan gegt bag (flimmern ber übergigten Sug. 9lugerbem gnb Oon SRetcalf unb Sribgeman mehrere mirfunggootte orientalifcge Sjenen 22 Vol. 4/2 818 öebßer. Die internationale ftunßfcßau in Stflndjen. üorßanben, botter ßuft unb ßicßt, wobon nur eins (SilbniS eine« ObaliSfe, oon Sribgeman) etwas banal unb oßne STtmofphäre erfcßeint SRerfwür« bigerweife haben bie $erren ^Preisrichter gerabe biefeS Silb mit einer 3Re« baifle auSgejeicßnet. $. 3RoSter, melier jur 3*it in ißariS eine fogenannte „ttcabenuj" (äRalfcßuIe) unter feiner ßeitung bat, fdßicft jwei Silber, tnobon baS eine, gnbianerfjene, too eine Weiße (Befangene gemartert toirb, ßöcßft fonoentionett ttrirft; aueß erinnert eS lebhaft an bie ©nbanbbecfel ber für bie beutfeße gugenb bearbeiteten (£oopet«iRomane. SiefeS Silb ßeßt burcßauS nicht auf ber fünftlerifcßen höße ber 9Reßr« jaßt ber Silber in ber amerifanifeßen Abteilung. Saß eS auf einer rieftgen ßeittwanb mit lebensgroßen giguren bargeftellt ift, läßt baS Silettantenßafte ber Äuffaffung unb SRalweife tun fo ftärfer ßeroortreten. Äucß baS jweüe Silb SRoSlerS, „tanjenbe Säuern“ barfteüenb, bietet Wenig (ButeS. 3wei große ßeinwänbe oon $oWe, ftüße in einer ßollänbifcßen ßanb« feßaß, haben biel (ButeS, bod) iß man unroitlfürlicß beranlaßt ju fragen: SBarum ^oQanb unb toieber hoKanb? ©ne große $tnjaßl ber Silber ber amerifanifeßen ERaler ftnb in fßariS gemalt unb fteHen ©jenen ober ©tim« mungen auS ^oQanb bar! SBenn man baS bebeutenbe fünftlerifcße können ber amerifanifeßen ßünftler betrachtet, fo foCCte man meinen, baß folcße ßeute nicht ben SRobefranfßeiten unterworfen Wären, unb boeb feßeint biefeS ber galt ju fein. ©8 ift, als wäre hoKanb unb ßoHänbifcßeS ßoftüm ber äugen« blieftieße fünftlerifcbe gargon ber Stmerifaner geworben. Wähler unb hartwieß, beibe Ämerifaner, welche jur 3«t in SRüncßen malen, bringen tüchtige unb roertüolle Silber. SaS Silb Wählers, „Ser ©treif", ift eine geiftboS bureßbaeßte Arbeit oon fulturßißorifcßem gntereffe. Sie giguren ber ftreifenben Arbeiter fmb fo fein beobachtet, baß man einige härten in ber ÜDtatmeife berjeißen fann. ©eßr cßarafterißifcß wirft bie (Beftalt beS alten gabrifherm, ein eeßt mobemer IßpuS. „großnbienft" Oon hartwieß (ein ffrtabe als SB Örter feines jüngften ungeberbigen SrübercßenS) würbe offenbar nicht im Ätelier, fonbern an Ort unb ©teile gemalt, wie eS biefer Äünftler aueß fonft ju tßun pßegt. Sie SeleudßtungSeffefte in biefem norbitalienifcßen gnterieur ftnb feßr waßr wiebergegeben, boeß wirft ber $intergrunb etmaS nachteilig auf bie giguren, Welcße teeßnifeß unb pfpcßologifcß ganj meifterßaft finb unb meßr jur (Bel« tung fommen füllten. SaS Silb JRofentßalS „Sie. (Benefung" wäre paffenb für eine iUu« ftrierte hauSfrauenjeitung. SRofentßal jeigt bamit feinen fihtßlerifcßen gort« feßritt. Siel beffer iß fein ©elbßporträt, eine ältere Ärbeit. ffonrab. 8om ffierftifch. 819 Sehr ffott gemalt ift ein „ißorträt" Don «Inna ftlutnpfe. DaS Söitb, toie bie SKe^rja^l ber SBerfe ber amerttantfdjen Abteilung, mar im testen ©arifet (Salon auSgeftellt, fam beShalb erft im 3uli jur SluSftellung hi ©tünchen. 3m ©anjen ift bie amerifanifche SJtalerei mohl noch nirgenbS fo zahlreich unb bebeutenb bertreten gemefen, als bieSmal m ©tünchen, ©iebt fte trofcbem fein einheitliches ©ilb beS amerifanifchen ÄunftfchaffenS, fo liegt bieS baran, bafj eS überhaupt noch feinen einheitlichen fünftlerifcheu SlmerifaniSmuS, noch feinen nationalem erifanifchen XppuS oon bejmingenber Äraft giebt Daraus mag ftch auch bie anbere auffällige Xhatfache erfläten, ba§ bie amerifanifchen SWaler nodj fo menig im eigentlichen Sinne Ämeri« fanifdjeS malen. SBährenb ihrer beften 3<*h re ' n europäifchen ftunftftäbten ftubierenb unb fchaffenb, nehmen bie SKinftler ihre Sujets, mo fie fie finben. Wber maS fie auS biefen Sujets ju machen berftehen, ift geiftig unb tecfjnifd) meift fo bebeutenb, ba| man ben Wmerifanern noch eine grobe Wolle im ftunftleben prophezeien fann. Tfrm Utrfefbdjf* Fragmente eines Briefmechfels oon ZIT. <ß. Conrab. (SKtanhn.) jHin Sefer fdjreibt: „3aS ©njige, maS ich onberS getoünfeht h ätte , betrifft bie Sänge ber beiben B^etgerfthen ©riefe auS Weapel unb Pompeji. 3e ©rief au« Steapel, über alle #ngfttichfeit be« Sefer« mit allen Etegiftern hinweggeorgelt Wirb. Unb auch ba nod)! 2tber bann fanb ich bie«: ber ©erluft an Sefe* oergnügen beim erften ©ang burch ba« Sud) Wirb aufgewogen burd) ba« Spätere ©erweilen auf biefen Btuhepunften, fofem ber Elutor e§ über un« bermoc^t hat, baß wir noch einmal ju feinem Suche jurücff ehren, bieSmal nicht um be« SRoman« willen, fonbern um ber guten ©infälle, fruchtbaren ©ebanfen unb bergleidjen willen, bie wir auf jenen fjaltefteßen — üieUeicßt ift ein hübfdje« Stü&hen SRunbblicf, gernficht, ober ein angenehme« Süßten mit äBipfetraufdjen ober fonft etwa« ÜthnungSOoüe«, ßaufdjige« unb SBürjige« babei! — mit bein un« traut unb tiebgemorbenen Stutor genießen fönnen. greilich, h at nn« ber Slutor nicht bi« $ur SBiebereinfehr bejaubert, bann bleibt jener ©erluft unausgeglichen unb bie tünftlerifche Sdjutb ohne Sühne. ®a« heißt, ftreng genommen unb mit ber äfthetifchen Schablone be« ßiledjten SRealigmu« ber großen heißer oerglichen, bleibt biefe tünftlerifche Sdjulb fo ober fo hoch am ©nbe untilgbar. @« gilt bem tonfequenten Stealiften al« hödjße« ©efefc, bie äBirtlidjteit, b. h- ben 2Birflichfeit«*®inbrucf, bie tünftlerifche ßeben«täußhung im Suche fo Weit al« möglich ju treiben unb nur ben burch feine Xedjnit ju befiegenben testen IReß oon Unwirtlich* feit jujutaffen. liefet SReft oon UnWirttic^teit erfährt burch tangere ©in* fcßiebfel, welche ben ©ang ber $anbtung aufhalten, fei e« in gorm Oon ©riefen ober ©ebichten ober lagebuchblättern u. f. W. u. f. W., jebenfadd teine §erabminberung unb ber dichter fann fleh Schließlich nur bamit hinau«' juteben oerfueßen, baß eben feine tünftlerifche ©igenart nicht ooKßänbig nach ber Schablone be« Strengen StealiSmu« jugefdjnitten fei, baß feine fdjöpferifdhe ©erfönlichfeit weiter reiche, al« ba« aufgefteUte ©rinjip ber Stil* fanatiter u. f. w. 3ch bachte mir nun in meinem gaüe oiel befdjeibenet golgenbe«: SBenn ber Sefer meine« 3far=9tomane« bie 2ttenfd)en unb ihre ©efchichten hinter ftch hat unb ba« Stoffliche Sntereffe erfcßöpß iß, fo wirb er ßih über ba« gaitje ERenßhenoolf, ba« ich ih m üorgeführt, feine eigene ©efchichte machen, unb jwar eine harte, böfe ©efchichte, unb biefer jweite Btoman, ber ftch in ber ©hantaße be« Sefer« über bem Sftomane im Suche be« SchriftßeHer« aufbaut, iß ba« eigentliche ethißh'tünßferifche ©rgebni« beffen, wa« ber ttutor mit feinem SBerfe erßreben unb bejwecfen tonnte. 3ß biefer 3®ecf ganj unb 2$ont SBerftifdj. 821 gar erfüllt, fo Hegt bet ©udjroman bock nur ba wie nuSgebrofckeneS Strok; baS fern ift heraus unb n (3 neue Saat im Kopfe be 8 SeferS aufgegangen. Sekr fdrön, feljr erfpriefjlick! Sittein bet Stutor ift bod) aud) nur ein SDienfdj fojufngen, nnb er !ann fid) über baS (Stenb feiner auSgelcfeiten ©udjkütie nid)t tröften... Unb ba Witt er mit einem fünftlerifdjeu Kniff bem Jammer juootfommen: SBie Wenn id) — fagt er ftrf> — jwifc^en bic Jurdjeit ein fräftiges, wetterftänbigeS Kraut pflanjte, bas nid)t mit ber übrigen 3 vud)t reif unb bann abgefdpiitten unb audgetjütft wirb, bas ben Sefer todte, 511 einer anbcrn Sntjresjeit Wieber auf ben Slder jurüd}ufet)rcn unb finnenb jwifdjen ben ffurc^en meine ftitt unb luftig pcrenniercnben Kräuter ju fudjen?! „So ä^nlid), lieber fiefer unb greunb, finb bie jWei langen ©riefe aus Neapel unb Pompeji in meinen 3fat=SRoman gefummelt. Unb bann nori) (JtwaS — nid)t jut ©ntfc^ulbigung, fonbern juv ©rftärung meiner fünft- letifdjen ©igenkeiten. „2BaS bie 3far vaufdjt" ift fojufagen ein (S£pofitionS: Vornan ober eine 9toman=®jpofition, b. f). ber SBurjelboben, aus bem eine ganje Serie 'Diüuc^ener JRomane tafd) nadjeinauber ()erüoifd)ie§en wirb. ®ine Steife oon fßerfonen, bie in biefem jweibänbigen erften Slfte nur gaitj furj ju SSort fommeit unb nadj ftiid^tiger ©orftettung Wieber oon ber ©ilb- ftäc^e oerfdjwinben — $.©. biefer pvädjtige ©faffcn jettet, biefer wettfdjeue, futturfeinb(id)e SffeitOad), biefer StnbiofuS Sdjlickting mit feiner Monifa aus bem SBäfdjerinnenoiertel, biefer naturaliftifdje ©itbfjauer 2 ld)ttjubei 11 . a. — fie alte ()aben ein fo tiidjtigeS Stiid Öeben im Seibe, bafj fie erft oott- fommeit jur SRuke fommen fönnen, Wenn fie fid) in intern Kraftbereid) auf irgendeinem SdjaffenSgebiete fämpfenb auSgewirft (faben. Unb bieS werbe id) bem geneigten Seiet in ben SRomaneu oorfiitjren, bic id) jefct an meinem SBerftifdje oorbereite; juerft fommen „Sie ftugeit ^uoöT^nuen", bann folgt „©faffenjellet u. Komp.", (jierauf „Ser ©infiebter im Steinbruck" u. f. w. u. f. w. 3n biefem weiteren gufammenkange erft wirb SttteS unb 3ebeS an bie ridj* tige Stelle rüden unb bem Sefer, ©eobadjter unb prüfet einen kotwonifdfen, fünftterifck burckgearbeiteten ?luSfd)nitt auS jenem grojjen Stüd Safein bar¬ bieten, baS ber Sckriftftetter in 3Bal)vkeit unb Sicktung Wäkrenb feiner fraft- ootlften unb fünften 3 eit felbft burcklebt (jat, mitgeniefjenb unb mitteibenb, beobacktenb unb forfekenb, mit ben Zubern im Strome treibenb unb bock auf feiner unjugängtidjften 3nfel über ben Singen unb ÜDleitfdjen fd)Webeitb... „SBenit eS wakr ift, bafj, wie ber SRenfck mit feinen größeren 3wedeit, fo auck ber Künfttev unb Sckriftftetter mit feinen größeren ©orWürfen Wäd)ft, fo Will ick kaffen, bajj eS auck wir gelingen möge, mit jebem neuen SBerfe meiner SJiündjenet Stoman-Serie ben oben beftagten SReft oon Unwirftickfeit unb Stilwibrigfeit auf baS fteinfte, unbefiegbare StRajj (jetabjubrüden. $n- 822 «l&erti. jwifdjen möge e# bie Äritif mir $uguthalten, Wenn idj mich bagegen Wehre, bah man ei fd)tanfn>eg al# fünfllerifche# Unvermögen beute, Wenn td) nicht alle #tnbetniffe, welche ber realiftifchen Äunftweife im beutfcfjen Schrifttum noch im ffiege liegen, mit einem eitrigen Kienen ©prange nehme." — (Sin anberer Sefer fdjreibt: „können Sie mir etwa« barübet mitteilen, inwieweit @ie bei bem 3far= Äomane beftimmte 3RobeCe im Äuge gehabt haben? (Bi löge mir natürlich nicht an ben Flamen berfelßen, fonbera an ber Xf»atfac^e. Die Srage fcheint mir gerabe bei ben mobernen SRealiften fehr wichtig. . Der Äutor verfpridht jWar, gelegentlich mit allem greimute barauf $u antworten. (Sr weih aber noch nicht, ob bie# ©erfprechen ein# von jenen ift, bie oon Stomanfchreibern gehalten ju werben pflegen.- J)t$ mtfc % um \. (Sine fojiologifcfye Stubie. Don £ o n r a 6 211 berti. (Serfin.) „Die Wenigen lagen immer: Die Seiten »erben Wimmer — Die Säten bleiben immer: Die Wenigen »erben fglimmer.* « dj weih nicht, war’# in ben SBälbern be# ©peffart#, ober in ben Dünen ber ÜRorbfee, ober im fötieholj be# ©dhlefifihen Gebirge#, ober fonftwo im beutfchen ©aterlanbe, bah ich biefen 3teim über ber Dijür eine# fc^lid^ten ©auernhaufe# angefdjrieben fanb. Da# weih irie in mir auf: „Die 3«ü ift materiell unb ma* terialiftipp geworben . . bie 3eit ift ber popen, reinen Äunft nid^t mepr gunftig ... ber 3rit ßept ber ©elberroerb, bie ©efriebigung ber ©enuß* fucpt in erfler öinie? . . . Dporpeit! fiiige! SBaS ift bie 3rit? Die 3«t ift nicptS witflicpeS. Die 3«it ift eine gorm ber menfcplicpen Anfcpauung, bie 3«it ift tot, ftumm, !att ... Wie foH fie baS Seben geftalten, beein* Puffen, bie ©efettfcpaß, bie Äunft! Die 3«t, baS finb bie SRenfcpen; bie 3eit, baS ift bie ©efettfcpaß felbft; bie 3«t, baß ift bie perrfcpenbe Älaffe, unb jebe 3«ü pat bie Äunft, welcpe jte berbient, welcpe ipre SJlenfcpen ftd^ felbft fcpaßen auS ipren Anfcpauungen perauS, iprer Sittlicpteit, iprer Aßpetit, intern ScpönpeitSbebürfniS, iprer ©teicpgültigteit. Sticht bie 3eit pat bie Äunft berunjiert, in ©erfüll gebraut, fie Oon ben ©letfcperpöpen ber Xragif, auS ben HReereStiefen ber fieibenfcpaß in bie engen ftaubigen, langweiligen ©affen ber Äleinftabt, unter bie nieblicpen Xerracotten unb bronzenen StippeS ber SalonS getrieben, in bie raucp erfüllten, überlisten Säle ber Ding eltangel, bie fallen, narften ©efängniffe ber XageSjeitungen gefperrt, niept bie 3*it bat ber SRufe ben ©elbbeutel in bie eine $anb gebrfieft unb baS Sitten* tontrolbucp in bie anbere . . . Die arme geftaltlofe, fraftlofe, gleichgültige 3eit, wie hätte fie ba8 anfangen foHen! Stein, bie foIcpeS ScpänbungSwerT getpan, bie fie gefälfcpt unb oerftümmelt, fei e8 jwedbewußt, fei e8 abßcptS* lo8, ba8 feib ipr, bie ©efetlfcpaß, bie perrfcpenbe Älaffe, beren ©ruttbfäßen, Art, SMetpobe fiep anbere unterorbnen müffen: e8 ift ba8 SBer! ber ©our* geoifie. Sie pat bie Äunft jur $ure gemaept, jur Dienerin ipre8 2upt8= bebürfnißeS, ipten Äißel ju befriebigen, ipre benlträge Scpauluft, ipr ift fie gerabe gut, bie Stiegen ber Sangeweile ab juroeb ein, aber bei 2eibe niept mepr. 3cp table fte niept, fie Tann niept anber8, e8 liegt in iprem SBefen, baß fie (ein £>erj beßßen Tann für bie eepte, wapre, große Äunft; ipr Sßftem, ipre SBeltanfcpauung weiß nicpt8 anbere8 mit berfelben anjufangen, in iprem ©ebäube ber ©efeHfcpaft Tann Tein ©laß fein für eine reine, freie, ba8 $erj fturmgleicp aufwüplenbe Äunft, bie ipre SBurjeln pat in ber menfcplicpen 2 eibenfepaß, ße Tann in berfelben niept bie freie Ausübung eines natürlichen menfcplicpen XriebeS fepen gleicp SßolitiT, ßteligion, SBißenfcpaft; fte Tann ipr niepts fein, als ein SBerTjeug ju bequemer Ausfüllung leerer Stunben, ße muß aQeS aufbieten, biefelbe bis auf biefe Xiefe biefer DienftbarTeit pinab* jubrürfen. ©ourgeoiße unb Äunft: baS iß wie Sanb unb SBaffer, wie 3«uer 824 Sllbertt. unb $o($. 3»ifchen ©ourgeoifte unb Kunft giebt eS feine ©ermitttung, fei¬ nen ©ertrag: fjier Reifet eS fiegen ober fterben, niebertoerfen ober unter» geljen, (Ergebung in bie Kned)tfd)aft ober Kampf auf fieben unb Xob. SlUe Staffen ber ©efettfchaft, roetc^e im abtoedjfelnben ©ange ber ©e= fdjidjte ben Stab ber ^errfdjaft geführt, befannten fid} ber Kunft gegenüber ju bem ©runbfap: Noblesse oblige — bie Sirene, baS Königtum, ber Stbet. Stile gaben iljr, »a8 fie ju ihrem ©eftehen, ju gefunbet ©ntwicflung bebarf Wie bie ©ftanje baS 2id)t: @t)re unb Steilheit. (Sie geftanben it>r ju, bafj fte bem ßeben erft allein ben hödjften ©tanz berleilje, bafj fie bie Spifce beS ©ebäubeS ber menfdjlichen Kultur hübe, if)r ©enufj beS ßebenS ^öi^fter Sleij fei, unb bafj, »enn fie it)te t)o^e Stufgabe erfüllen fotte, ihrem ©Raffen bie boltfte Unabljängigfeit unb Freiheit gewahrt bleiben unb fetbft ber lei» fefte ©erbaut einer ©eeinftuffung fern gehalten »erben müffe, bafj fie fid) ganj frei auS fid) fetbft ^erau8 entmideln bürfe. ©er friegerifdje ©urgherr beS SDtittelalterS, ber erobembe, blutgierige König glaubte fein ffeft »ürbig gefeiert, »enn bie Stnmefenljeit eines ebten Sängers eS nicht ehrte. '©er ariftofratifcf)e ©rieche, ber feubate fÄitter betrachtete bie Stn»efenheit eines berühmten KünftlerS in feiner Stabt, auf feiner ©urg atS eine 2Beif)e ber* fetten. SBenn ©omeiüe baS Zfyattx betrat, erhoben fid) ber $of unb ber gefamte Slbet Oor ihm. König ©emetrioS ftanb bon ber ©efdjiefjung bon UthoboS ab, bamit ein berühmtes ©emätbe beS ©rotogeneS barinnen nicht befcf(äbigt »erbe. ©er Seltene »ufjte, bafj ein »ahrhoft gefunbeS ßuftfpiel ohne ungezwungene Derbheit burchauS unmöglich fei, aber er legte feinen Sichtern nicht ben QtoanQ auf, auS Dtürfficht auf zimperliche ©adfifche feine Kunft z u fdjänben, fonbem berbot feinen grauen lieber bie Komöbie. 3n bem eigenen ißatafte erlaubte baS Oberhaupt ber fathotifchen Kirche bem göttlichen Staphaet bie grofjartigfte ©erherrtichung ber tjeibnifchen, fefoe» rifchen ©h^°f°bh’ e Z u malen, beren Anhänger fie berabfeheute. Sangranbe bon ©erona füllte fich geehrt, als ©ante in einem ^öttifc^en ©ämon fein leibliches ffibenbitb zeichnete, unb ftettte feinen Strafantrag, ©ie fjürften unb Kirchenhäupter, bie fßietro StretinoS bitterfte ©feile getroffen, be»unberteu ftöhnenb in ihm auS freien Stücfen baS grojje bichterifdje ©alent. griebrid) ber ©rofje beugte fich bor ©ottaire, Katharina bor ©iberot, Kart V. ehrte ©üter, Karl SluguftS höchfter Stotz »ar ©oetheS greunbfdjaft, Subwig I. berfehrte mit feinen Künfttern nur »ie mit feineSgteidjen, Staphaet, SRidjet- angeto »urben gehalten gleich dürften, SRembranbt »arb mit biptomatifchen Senbungen betraut, ©ie ©erufung eines KünftterS an einen $of, in eine Stabt, bie ©eftetlung eines ©itbeS »aren StaatSafte, »urben mit bemfetben ©rnfte, berfetben SEBid^tigfeit betjanbelt, »ie ffintfcfjeibungen über Krieg unb $ie Soutgeoifte unb bie fiunft. 825 grieben. SSoltte bcr Zünftler fortziehen, fo beburfte eS oft langer ©erhanb* langen, man fürstete in ßm baS ©efte beS $ofe8, ber «Stabt ju oerlieren. 3« gewaltiger, erfßütternber baS Äunftwerf an bie (Seele griff, befto gröffer wußS ber 9hß m beS SReifterS. ©S mar SJtißelangeloS elfter ßorbeet, als bie SBelt ßn ben „fßreeflißen" nannte, Sein ©apfi, fein Stifter ober Sitoig Wagte bem Sünftler ^iiteinjufpretfien in feine Schöpfung, ßm ben ©eift oorjufßreiben, ben er feinen ©eftalten eiuzuljaußen f|ätte. Stiemanb bezweifelte, baff bie Sunft ©elbftjwecf fei, baff im Zünftler ber SDtenfßheit ^ödEjfte ©lüte ftd) entfalte, baS SBefen eines h ö h eten ©eniuS auS ßm fpräße unb baff iljm gegenüber fetbft ber #öd)ftgeftellte fein attbeteS fließt ^abe, als ju bewunbem unb zu lieben. 3h m bie Sorge um beS ßebenS elenbe Slotburft abzunehmen, beS SRenfdjen abligfte fßflißt zu erfüllen, ftritt man unter einanber, unb weil ber Zünftler muffte, baff er um irbifße Slot nißt Würbe z« forgen fjaben, fonnte er gerabe bei feinem Sßaffen jebe fRücffißt auf ©ewinn aufjer 2lßt laffen. Stapfjael erhielt felbft naß mobernen ©e- griffen glänzenbe Honorare, unb bie CantoönS, welche Jüngers ftarben, Waren an ben gfttgem zu z^len. ®em 'Dichter, ber feines ©olfeS ßiebe errungen, fe|te bie $anb beS SaiferS felbft auf ber geheiligteren Stätte ber bamaligen ©rbe, auf bem Capitol, ben Stanz auf. SRißt Z u leichtem, flüch¬ tigem ©enuffe bienten feine SBerfe, in ernfter fünftlerifßer Stoßarbeit War man bemüht fte in ftd) aufzunehmen. 3m ßärme beS gelblagerS flüchtete fiß SHejanber zu feinem £omer, unb griebriß ber ©rofje feilte feine ©etfe mit berfelben Sorgfalt wie feine Sßlaßtpläne. Surz, bie Sunft war lein Spiel, feine müffige Unterhaltung — fte War ber tieffte ffirnft, bet fßönfte Sßmud, baS reinfte ©lücf, ber f)ößfte fRuhtn jener ©efeUfßaft, fie War ein unentbehrlißer Xeil beS ßebenS, bie ©tüte beSfelben, unb ßr Clement war bie unbefßränftefte greßeit. Unb eben weil bie Sunft ^eiliger ©rnft, beS wirflißen ßebenS hößfte grünenbe Spße war, fonnte fie ihre SBurzeln nur im lebenbigen, treibenben ßeben felbft hüben, muffte fie aus biefem, auS beffen lebenbiger Unfßauung unb ©eftaltung heraus erWaßfen, muffte fie bie abgerunbete, plaftifße 5)ar- ftellung ber ©mpfinbungen, ©efühle, ©erfjältniffe ber SRenfßen ihrer geit, muffte fte butß unb burß realiftifß fein. 3h r fonnte bie ©efßißte, bie ßegenbe nur gelten im ©eift unb ©ewanbe ber ©egenwari Sie muffte allen hiftorifßen SDhtmmenfßanz Oerabfßeuen, baS fünftliße gurücffßrauben ber Änfßauung, ber Sitten um gahßunberte, unb entweber nur auS ber unmittelbaren ©egenwart fßöpfen ober bie ©ergangenlfeit im Spiegel ber lepteren betraßten unb barfteüen, wie eS bie hißtet beS $elianb unb ber Stibelungen gethan, Calberon, Sljalefpeare, Corneille, wie fRaphael unb 826 Wtberti. Dürer gemalt unb SÄidjelangelo gemeißelt. 3n heiligem (£mft fdjuf bie Äunft eben aus» bem Sehen für ba« Sehen. Da« StlleS warb anbei« mit bem Slugenblide, al« bie ©ourgeofte an ba« ©teuer tarn jufolge bem natürlichen ©efefee, roelcfee« bie üetfefeiebenen ©efeßfdfeaftSllaffen in bei SEBett^errfdjaft einanber ablöfen Reifet. Die ©our» geoifte ift bei Kaufmann, unb bei Kaufmann ift bei ffirmerb. Sticht ber @itt»erh au« ©ufembegier, ©fergeij, £errfcl)fud)t, wie bie erohembe ©olitif ber Rircfee, ber Könige, be« StbetS, nein, ber ©rrnerb au« #abfudjt, au« bem biofeen ©erlangen nach ©eftfc, ©eidfetum, ©igentum«ermeiterung. $jenen an» beten ftlaffen mar ber ©efifo SDtittcI jur ©lacht, ber ©ourgeoifte ift bie SJlacfet ©littel jum ©eftfc. Qene ftrehten nach birtueQer ftraft, biefe nach potentieller. Die hlofee Slnfammlung toten Kapital«, beffen ßinfen fte nicht einmal ju oerjeferen ober in neue SBerte ju Permanbeln oermag, ift ihr $aupt$mecf, fie miß nicht« al« ©elb auf ©elb häufen, ©ie haut Käufer, nicht meil fte bie fehöpferifefee Dfeätigleit freut, ber tünfßerifche ©tolj erhebt, bie {freute am ©Raffen erfüßt, fonbem al« Slnlagematerial für ihr Kapital, §um Smede ber ©ermehruitg ihrer dindeittnafemen, fie haut fdjöne Käufer, nur memt fte felhe teurer gu Oerarieten hofft. Da« ©elb — bet SBertmeffer unb ba« Daufchmittel, ba« SBerfjeug ber (Erleichterung für ben ©erlehr, mirb ihr jum feödfeften aßet SBerte, ba« ©elatibe mirb ihr jum ©hfoluten. Damm fchafft fie neue pofitioe SBerte nur jurn 3med ber ©ermehmng be« relatioen. Durch feinen ©eruf gemöhnt, bie Dinge, mit benen er umgeht, nur nach ihrem ©larltpreife, nach ih tem ©elbmerte abjufd)ä|en, mufe ber Kaufmann ftefe julefct baran gemöhnen, biefen ©elbmert al« ben einzigen mähren SBert ber Dinge }u glauben. 3ebe anbere SBeife biefelhen ju hefigen, jeber an» bete SBert erfdEpeint ihm Dhorheit. SBa« ben höchften SRarftprei« erhielt, mufe folglich ba« ©efte unb ©chönfte feilt, ma« nach bemfelhen nicht ju beftimmen ift, erfcheint mertlo«, tfeöricht, fchlecht, unfdhön. Die Sintern bejafelen Deine ©Über um fo feöfeer, ein je befferer ©laler Du hift — bem Kaufmann hift Du ein um fo befferer ©laler, je höher Dir Deine ©über bejafelt merben, je mehr bie ©lobe Dich begünfrtgt. Die Sintern merben Dich achten, meint Du gute ©über malft, ohne ©üdfiefet auf ben ©erlauf, ber Kaufmann achtet Dich unb Deine ©über nur, menn Du fie ju hohen ©reifen üerlaufft, feien fie fo fchlecht fte moßen. Der Dtjratm meife, bafe bie 2Rat unb oetmag aßed: Woju alfo bie änfhrengung bed Soßend übet bie ©renje bed (Erwerbend ffmaud ? ©enügt nicht bad bemuhtfein bed bermögend? Sad SSermögeit, bie poten* tieße aJtacht aber ift bad angefammelte Kapital, bad ja imftanbe ift aße wahren Sette ju laufen unb ju fchaffen. Set bad meifte ©elb beftpt, hat bad gröhte Vermögen. (Er ift immer bet tieffinnigfte ißhüofoph, bet unbe* muhte Sprachgebrauch. Unb ba$u bad ©efüht bet boßfotnmenften Sicherheit auf bem Shtoite! Senn nicht Wie Königtum, geubalidmud, Äitche ift ihre $errfchaft gegrünbet auf negatibed bedangen bet üWenfdjen, auf bie Schwäche, Feigheit, furcht, mit »eit gröberer Schlauheit fufft bie bourgeoifie auf bet pofttibften aßet Sißendtichtungen, bet $abgier, bet Selbftfucht, bem (Eigennup. Sad Sittliche, b. h- bad käufliche, ift alfo bad einzig Sahre; bad Slngenehme unb Stfipliche, bad einzig ©ute unb Schöne: bad ift bet erfte ©runbfap bet bourgeoifen Seltanfchauung. ©rohe Serie, bad beWufjtfein bed groben Sißend, bad fflingen um Stachtuhnc, Unfterblichfeit? Shotheiten! Set ©enuh bed Wirtlichen Sehend, bie petfönliche Unterhaltung ift bad einzig berechtigte, bie 3etftreuung bet SangeWeile, bet $auptfeinbin bed ßJtateria* liften, bed ißh^ifterd. Set tohefte (Epicutäidmud ift bie einzige gültige ißhUo' fophie, bad Sehen geniefjen ift bed Sehend häuftet 3»ecf. Sich plagen um bet 9Kenfd)heit, um bet Unfterblichfeit wißen? Stiemanb gieht bafüt einen ©to= fdjen. Sie ERenfchheit? Sehe 3eber, wo et hleibe, unb wet fleht, bah et nicht faße! Laissez faire! — Unfterblichfeit? SJtit bem Sobe ift fa hoch aßed aud. ©emiitltche, behagliche gettlebe, in fdfönen Seihetatmen liegen, gut effen unb trinfen, fchöne ßleibet tragen, elegant wohnen, fich amüfteren 828 Sttberti. mtb bie vertreiben: wer mefet tfeut ift ein Dfeot. Rur feine Aufregung, feine Seibenfcfeaften, lein metapfeqfifdjeö ©rübeln, feine fantaftifefeen Scfemär= inereien. So Wenig benfeit unb fo tief geniefeen ald möglicfe. Rüdjterae, vorfidjtige Sebeudflugfeeit, feinertei Dfeateit ber Übereifung, fein Sicfefeinreifeen* faifen burefe Seibenfdjaften irgenb weldjer Art. Seibenfdjaft fefeafft Seiben — fd)on toieber ber wifeige Spracfegebraudj! Rufern, ©fergeig, §afe, ©iferfudjt, Äampfbegier, bie fo viele ^afertaufenbe bie SBelt gefenft? ißfui, rofee, ber* ädjtliefee Driebe, weldje ein jivilifterter SRenfd) unterbrüefen mufe, finblidje Dfeorfeeiten, bie ein ffarbenlenber SRenfd) bed neunjefenten I^aferfeunbertö ab* fegen mufe. Rur leine Kriege, feine Revolutionen, feine rofeen Sfraftäufee* rungen! Rufee unb Orbnung! Ungeftörten Sdjlaf k seul et k deux, un* gefeinberte Verbauung, unbefäftigte ©örfenftunben, bad ift bie $auptfadje! Der fiebe ©ott? Ra, ben brauefeen toir boefe fefeon fängft niefet mefer. Dfeot* feeit, fiefe Audgaben für ifen 3 U macfeen. ®aitn man ifen fefeen, ifen feören? 2Bir fefeen unb feören nidjtd ald bie materielle SBelt ringd um und, unb barunt ift bad Sinnficfee allein bad Reafe, alled Sfnbere ift Spefulation. ©d giebt feinen ©eift, feine Seefe, biefe ftnb ben ©fiebern bed Äörperd verfeaftet. SBenn bet fiebe ©ott etwa« von und will, fo mefbe er ftefe ge* fälfigft bei und perfönlicfe unb forbere feine Steuern ein. Unb bie taufenb unerffärten Dinge jtvifefeen §immet unb ©rbe, bie SRiHionen Sdjöpfungd* gefeeimniffe? ©afe, Wad bie Raturmiffenfefeaft niefet auf finnfiefee Vorgänge gurüdfüferen fann, finb Altweibermärcfeen, bie und niefet ftören bürfen in unferer SRittagdrufee. Unb bie $unft? 0 , bad ift eine fefer nüfefiefee Saefee. Sie fei und loifffommen! SEBir wollen ifer affe ©fere unb Siebe ertveifen. ©inige ffeine Scferoädjen freilid) mufe fie fid) abgetvöfenen, bie ifer noefe fo aud bem rofeen SRittelafter anfeaften. Die SBifbfeeit unb bie ftürmifefee Seibenfcfeaft, bad SBiifelen in ben Abgrünben bed menfcfelicfeen bergend, ber ©efetlfcfeaft, ber Sdjöpfung, fo Wie ed bie Herren Aefcfefelod, Dante, Sfealefpeare, ber Ribe* fungenbiefeter liebten, bad Wollen Wir niefet, bad ift und peinlidj. 2 Bir finb feine, feöfliefee, givilifierte SRenfcfeen, unb lieben nur ben Don, oer unter folcfeen üblid) ift. Alfo feine Aufregungen, feine fräftigen unb gewaltigen Audbrücfe. So wenig Seibenfcfeaft, fo viel SiebendWürbigfeit als mögliefe. Ridjtd Von bem ©rnft, bem Jammer, bem Dreiben unb ben ffionfliften, ben Kämpfen, bie ringd um und toben unb wettern, fo Wie ed früfeer in ber $unft SRobe war. SBad und im Seben quält, foff und wenigftenS in ber ®unft erfpart bleiben. Drauriged bietet bad Seben genug, bie Eunft foH und erfeeitern, fifeeln, bad ©emüt in freubige Rufee tauefeen, bie RerVen in einen angenefemen Reij Verfemen, und fanft einlullen, ein befeagliefeed Scfeau- Die 33ourgeoifie unb bie ft'unft. 829 fpiel g ernähren, ßödjftens einmal baS ©efüßl eine? molligen ©rufein* — aber beileibe barf man bann lticfjt an ben C£mft beSfelben glauben. Stim= mung ju machen ift bie Aufgabe ber dunft. 9Rit Scßteden benten mir an jene tßöridjten ©rieten, benen bei MefcßhloS’ „©umeniben" bie $aut feßau« berte, baß feßmangere SBeiber geßlgeburten machten. SBelcße ^Barbaren! ©rjreuen fod bie Äunft — fie gehört jum 2uju8 be* SebenS. SEBenn fie baßer i()re Stoffe aus bem mobemen Seben Ijolt, fo barf fie eS nur non ber Weiteren unb fricbUcßen Seite fcßilbem, fie muß e* ibealifieren, ja nicht fo rauh “nb hört fcßilbem, mie e* ift. ©or Widern muß fie bie befeligenbe SRadjt ber Siebe barfteden, mit ihr ade Stoffe bureßtränfen, als bem ßärf« ften finnlidjen ©enuffe, baß eS ade unfere SRerOen fo recht fetig aufregt, in taufenb ©chminguitgen erbeben macht, mie eS SOieifter $eßfe Oerfteßt. So red)t baS Siebliche, Verliehe, Sinnige, oerbunben mit Hein menig Süftern* heit, baS ift unfer gad. Slucß baS $iftorifcße ift nicht ju oerachten — natürlich bürft ihr Oon uns nicht oerlangen, baß mir unfer biSdjen ©eift noch befonberS anftrengen, unS in bie Denfmeife ber Ulten ju üerfefcen . . . nein, baS ©anje barf eben nur fo ein ßubfeßer ^iftorifc^er $oftümbad fein, mie mir in unferem $aufe jeben SEBinter einen geben, mo unter Schaube unb Weifrod gtäulein ©da 2Rüder unb $err SEBalter Scßulje einanber mieber erlennen, fo bie ftoßüine recht ftroßenb oon ©olb unb bie Unterhaltung recht langtoeilig — mir ßabenS ja baju. DaS oerfteßt SReißer ©berS üortrefflicß. ■Hm beften freilich, 10(1111 iß r bie SRenfcßen mftglicßß ibeal fdjilbert, ade triefenb oon ©belmut unb ©roßßmt, mie eS ber unsterbliche Scßider getßan, baß 3eber bemunbernb ßd) felbft im Spiegel ju feßen meint unb auSrufen barf: „©e* rechter ©ott, hob’ ich boeß && ^eut felbß nicht gemußt, mie ebel mir SRenfdjen finb, unb natürlich im Sefonbem ich!" ®or aden Dingen immer einen feinen, gebilbeien Don — fort mit ber roßen SBilbßeit unb Unanßftnbigfeit eines Sear, Othello, Äarl HRoot! DaS fmb nur Scßmäcßen, bie man ber Stoßßeit jener ungebilbeten 3eit mitleibig ju ©ute halten muß, ber barbarifeßen IRenaißance, ober ber audfeßtagenben Egugenb beS großen DicßtergeniuS. Sobann glatte, leicßte SSerftänblicßleit für Seben. Da$ ERacßbenfenmüffen fdjmäcßt ben ©enußl ©eg mit Dante unb SBolfram! Unterhalten, erfreuen, über müffige Stunben hinmegßelfen, ben ÜRittagSfcßlaf beförbern, unfere SEBoßnß&tte feßmüden, unfere 3inunermänbe auSfüden, unfere SR erben angenehm ftimmen fod bie @unß, bie ja nidßt bittrer, blutiger ©rnft iß, mie biefe Xßoren Sßron, ©eroanteS, ©ottfrieb, StrißopßaneS glaubten, fonbent nur ibealer, ßeitrer Schein! SRan ßeßt, e8 iß golgeridjtigfeit in ber Sache. Die Sßßilofopßie ©ücß* netS, bie Hßßetit ScßiderS unb ©buarb Oon #artmaim8 bringt nicht ber hede 3 u fad in ein« unb baSfelbe 3eitalter jufammen. ©8 iß bie Sour« 830 «Iberti. geoifte unb ihre SBeltanfchauung, bie ihre $errfd)aft auch auf biefe (Gebiete auSftrectt, eS ift baS bequeme, fettbeleibte, materialiftifche, an bec Oberfläche baftenbe ^S^itiftcrtunt, ba$ aller, bie tiefften Probleme auftoühlenben, bie roljen ßeibenf(haften erforfdjenben $unft unb ^^ilofop^ie behutfam au$ bem SSege geht unb fich in ben SRantel ber fabenfebeinigen Hufflärung, bei phrafenftrofcenben gbealiSmuS hüllt, unb nichts ber ßunft jugefteht, als eine matte, fcbale Stimmung, bie mit ber SWinute bet ©ntfemung t>on bem ftunft* merf oerfliegt. Da§ ift bie Sehre oom „frönen Schein!" SBo immer auf ber ©be bie Sourgeofie jur #ertfd}aft gelangt, hat fie bie ßunft unterbrürft, am Aufblühen oerhinbert, in fyoffltm StonoentionaliS* muS erftieft, jum öerfjeug fpielenber Unterhaltung ^erabgerourbigt, bem Sehen unb ber Äunft entfrembet. 2BaS mar ffartljago, ber reichfte Staat bei Altertums, für bie ®efcf)ichte ber fiünft? 2118 ©iglanb aufhörte ein 2lbel8ftaat §u fein unb immer mehr jum Sfrämerlanbe mürbe, nach ber ©ifa* bethepodje, enbete bie Seit feiner grofjen dichter. SBaö hat eine ber reich' ften Stäbte ber SEBelt, burd) Sahrhunberte eine blühenbe ÄaufmannSftabt, Hamburg, an grofjen Sunftbenfmälem aufjumeifen? So gut mie nichts. Vergleichet bie $unft in ber #auptftabt ber (Jhnftenheit, in SRont, ober im ritterlichen gtorenz mit ber in ben fiaufmannSftäbten ©enua unb Senebig. 3n 9iom, am 2lmo eine hohe, emfte, bie gemaltigften Stoffe auffuefjenbe, auf äußere, niebere 9teije üerjichtenbe ftunft 2lmolfoS 2htgelicoS, StaphaelS, äRichelangeloS, fiteil unb gemaltig, erhaben unb büfter, nur bem zugänglich, ber fich lange unb ganz in biefelbe berfenft 3 n ©enua nichts als ein paar h&bfche SBohnpaläfte, in Senebig bie ernfte, mächtige ©othif jur 3uder* bäcferfpielerei ber (Sä b’oro herabgejogen, bie üppigen greSleu=ÄQegorieen unb ©aftmähler SeronefeS, bie #eiligenbilber Jijiani, bie mehr ber Ser* herrtichung ber barauf abgebilbeten Stifter als ber Zeitigen bienen, unb bie ftratlichen naeften SBeiber: eine ®unft bet tiefen garben unb ber feilten ©ebanlen. Unb mie bie alte, fo hält ei bie moberne Sourgeoifte. 2BaS gilt bem Ämerifaner bie Äunft? 3h m gilt nur ber Zünftler etmai, ber ft unb man ficht e# ihm an. SBa# wijfen wir Oott ber SUnftgefchicftte? 2)it 93outgeotfit unb bie fiunft. 833 SBir ^aben’l baju, Sitte« oit einem ©lape ju fammeln, ma« bie 3 a h r 0 uits beete in mühfamet Arbeit langfam aufgebaut. 3)ie ©laftif? Stein, ba« ift gar nidjt« für uu«. Sold) ein meijjer, farblofer, behauener Steinblod foftet ein Sünbeitgelb unb man fiel)!’« ihm abfolut liiert an. Unb ba foll man fid) auch rnieber fo an ftrengen 3tit gemöhnen — baju mufj man ma« lernen — ah, ba« ift ju langmeilig! ®a« öerfteljt man nicht fo auf ben erften Süd, ba« mufj man oft feljen — bal), ba« ift nid)t«. Unb rnohin mit fold) einem feineren Steinflofc? Zimmer !ann man ihn gar nid)t unterbringen, er pafjt nirgenb^in — uitb im harten ift er böchften« al« Sd)mud für ben Springbrunnen ju Per- roenben. Stein, fo ein filberner SBedjer, fcf)ön cifetiert, ein golbene« ßäftdjeu, ein gefertigter Sdfranf, eine gemalte Sxufje, eine echte SJtajolifaoafe . . . ba« ift bori) nod) etma«, ba« jiert unb tyebt ba« 3i mmet . ba« fanit man fo fdjön unterbringen, bem fief)t man an, ma« e« foftet, ba« laffen mir gelten, ba« mad)t ben (Sinbrud ber üome^men ©ehaglidjfeit! Stod) beffer frei lief), e« fielet au« naenfmaler eignet. Seftenfatt« ein fleine« Sronjeftatuett* e^en auf ben Saminfim«, fo recfjt jierlich unb nieblich! ®a ift fold) ein ©emalbe bodj ein ganj anbere« ®ing! $a« fanu man an bie SBanb hänflen, ba« glänjt unb funfeit, fieht ganj anber« au«, al« fold) eine einfame Statue, bie fich oor fich felbft grault, unb nimmt nicht Diel ©Iah Weg! Statürlid) nicht foldje 9tiefenfcf)infen, mie fie bie guten Sitten ihre SBänbe hatten oerunjieren laffen, fonbern in jierlidjerm, fatou= gemäfjerm gormat, bamit auch, bie fchöne, gepreßte Sebertapete ju ihrem Stecht tomme. Unb Perfchont un« um ©otte« mitten mit aufregenben Stoffen, etma gar mit SJtorben, Kämpfen unb begleichen. So ein paar ©urgfräu* lein« ober Stitter in recht prächtigen, farbenglänjenben Äoftümen, recht jart unb buftig! Sticht« §äfjtiche«, nicht« Pon bem Sdjrnup ber Slrbeit! Unb natürlid) auch nicht« Steligiöfe«, feine SOtabonnen unb $reujträger! SJtit bem Herrgott motten mir auf bem ©rüfjfujj bleiben, aber, nicht meiter. (Sin paar heitere, lieben«mürbige Sjenen au« bem Seben, mifjt ihr . . . nicht etma pon ber unanftänbigen Stohheit ber alten Stiebertänber . . . nein, fo recht harmlo«, einem oergnügten trinfenben SRönd) ober fonft fo etma« Un6ebeuten= be«, flott unb fauber gemalt, bie ©auem recht reingemafchen k la Änau«, unb luftig unb Pergnügt, mie fte fdjon finb, fpielenbe ftinber, ein Sagbftüd- lein . . . fo etma«, mifjt ihr, ma« man anfieljt unb fagt: „Sehr nett, mirf= lieh fehr nett — h m • • • wa« id) fagen mottte, alfo ffrebitaftien finb ge* 23 Vol. 4/2 834 ftlberti. ftiegen?" — ©eileibe nidjtd SRadted, benn wir hoben hevonwadjfenbe bödjter. 9lm liebften ftnb und natürlich unfere eigenen Sifagen, bann befinben wie und wenigftend immer in guter ©cfetlfcfjaft. Unb bie $auptfadje ift, bafe ber 9tame eined reefet berühmten ERalerd barauf fteljt, red)t fett unb beutlidj ,^u feljen, bamit 3 eber beurteilen lann, toad bad fo ungefähr loften mag: ob bann bad ©ilb gut ober fdjlecht ift, ift ja ganj gleichgültig. bie Sitteratur ... ja, bad ift eine fifclidje ©adje. Sefen . . . ©üdjer? SEBir SDlänner fabelt überhaupt baju leine . benn toad wir Pon ben ©örfenftunben unb ber binerjeit erübrigen ... ja, mein @ott, ber ©piel* tifdj Perlangt boch auch feine Stedjte. Über aHed SBidjtige unterrichtet und bie 3 citunfl genügenb ... unb ©efdjidjten, erfunbene, gelogene ©efdjid)- ten? gutter für ® inbet! SBenn ich im fölub taufenb 3Rarl im ©fjoroo oer ' bient habe, fo weife ich, bafe id) wad 9?eelIeS gewonnen, unb höbe noch bie Dtadjt laum fdjtoinben gemerft . . . Wad höbe ich benn ©ofttioed gewonnen, wenn ich mir ben fippf mit einem ffipod gemartert h°be? Unfere grauen, ja, bad ift etwad anbered ... bie hoben ben ganjen langen bag nidjtd ju tfeun ald auf ber ®^aifelongue 5 U liegen, bie bebürfen ber Seltüre, fonft Pergehen fie Por Sangemeile. ©on ihnen laffet euch fagen, wie iferd machen müfet, ifer ©djriftfteDer, Wenti wir eure ©üdjer — leihen foHen: benn bafe wir etwad für Pier 9Harl laufen, in beffen ©efifc wir und ebenfogut für jefen Pfennige fejjen lönnen . . . bad ju perlangen Wäre eine UnPerfdjämtheit. ©elefeit ift gelefeit, unb mehr ald lefen lann man bad ©udj nicht ERait lann ed boch nidjt effen ober trinlen! 91 uf ein paar gettflede, ein ®djmu|= häufdjen lommt ed bodj nicht an, bie Oefcfjidjte wirb nicht amüfanter, wenn bad Rapier fauber ift. 9tur wenn bad ©udj einen SBert hot ald ßimmer* belorationdftüd, in ©radjtbanb mit ©olbfdjnitt unb gßuftrationen, lönnen wir und herabtaffen ed ju laufen, boch eben nur ald belorationdftüd, nidjt ald ©udj, benn ob ber beyt Unfinn enthält ober tieffte ©oefie, ift und gleidj- gültig. — «Ifo hören Sie, meine Herren! 3 h« Aufgabe ift bemnadj Por 9lttem und ju unterhalten. ÜRidjtd, worüber wir und ben ftopf jerbtedjen müffen, Älied redjt perftänblich, glatt, alltäglich! ©pannenb, aber nidjt auf= regenb, benn bad Sefetere ift fdjäblidj. ©n leifer ©djauber barf bie ÜRetPen burchriefeln, wohlig angenehm, aber biö ju bfjränen bürfen wir nicht lom* men, bie oerberben ben beint, machen fchlaflofe SWädjte unb nachher ärgert man fidj über feine eigene bummljeit! ttlfo leine 3 been, leine 2 eibenfd)af= ten, nidjtd Xragifched! fflir lieben leine bragöbien. ©on 3 eit ju 3 eit einen fchlechten SBife. ©ne glatte $umoredle, ein bummed Suftfpiel, bad ift und bad Siebfte. Sachen wollen wir — wad lann man ©efünbered thun? Unb por Hüem fo redjt pilant, redjt lüftern. SRidjtd audfprecfjen natürlich, alleö $ie ©ourgeoifie unb bie Äunft. 835 nur anbeuten, mijjt ihr, bah man pdj fo red^t angenehm an bet ©orftel= (ung erregen, fo recht bie Äugen jufammenfneifen unb biel babei „benfen" fann, bafj ein pridetnbeg ©rennen burdj bie SRerbenjtränge beg Unterförperg geht. Äm ©eften, ihr tagt bie (Sefdjicfjte in $ongfong fpielen ober in gta* Iien, bag fennen mit nicht ober nur oberflächlid), ba tönnt iljt ung erjäb= len, mag if>r roollt, redjt intereffant. Äug Seutfdjlanb machen mir ung nidjtg, bag fennen mir. 9Rit fojiaten gragen, Seiben bet SRenfdjheit unb folgern bummen 5eug öerfdjont ung gütigft. Sag intereffiert ung nid)t. Sir motten t>or Ättem ben $of gemacht hoben. 3hv bürft oon nidjtg Än- berem fpredjen atg Pon Siebe, bag ift bag einjige, toobei mir jenen ange¬ nehmen, ermartunggbotten ©djauber empfinben. ©ei ber fojiaten grage fteigt eg ung bitter im SRunbe auf — bah, &og ift nichtg! Ung grauen müßt ihr natürlidj atg Gngel jeicfjnen, ohne Äugnahme, nur bann b a *>en mir eudj gern. Sir merben boch nidjt fetbft ©eteibigungen unfereg ®e= fdjledjtg tefen! Unb bie $auptfadje bürft ihr nicht bergeffen, bie Toiletten ^u betreiben! Sage mir mag Su anjiehft unb ich miß Sir fagen mag Xu bift. Stichtg intereffiert ung fo mie bie Xoitettenfchilberungen, mir miffen bann jebegmat: unfer ©efdjmad bleibt boch ber feinfte. Sie SJlänuer müffen bor Ättem fdjön fein, fonft fönnen mir ung nicht in biefetben bevlieben. Äm angenehmften ftnb ung natürlich Sieutenantg, bie hoben bie ftärfften ©chenfet . . . parbon, ©djönheitggefühle. Sie SJiänner bürft ihr ein bigehen fchmach fchitbern, mifjt ihr, mir fmb ftolj barauf fie am ©anbe ju führen. ÄUeg muh in eleganten ©atong fpielen, mo man fich fo recht behaglich fühlt, ober im fefdjen ©eebab, in Oftenbe. fitorj, ihr müht bie Seit fo fchitbern, mie mir fie hoben motten, angenehm, tiebengmürbig, bolt finnlidj » heimlicher Sattungen, fonft ... in bie ©de mit euch- ©on @h^brudj unb fonftiger ©djtechtigfeit bringt fo biet bor atg ihr mottt, bag ift pifant . . . nur muh bie ©efchidjte bann in granfreidj fpielen, beim eine feufdje beutfehe grau fennt fo etmag natürlich nidjt, mir ftnb immer ebel. ©tjebrud) . . . pfui, mie fdjön! Unb bah *h r «udj nicht einfalten Iaht, bag Sing beim Siamen ju nennen! ©olche ©adjen gleichen bem Sohtthun: man übt eg, aber man nennt eg nicht, jgmmer hübfdj anbeuten, bah man einanber auf ben gufj tritt imb jufidjert, unb menn ber Änbere mit bem ginger brotjt, augrufen fann: „Sie . . . mag? . . . ©ie meinen? . . . Äber! . . . Oh! . . . Un* anftänbiger SRenfdj!" Unb bor atten Singen unfere Xödjtev bürfen bag nicht in bie §anb befommen, in ben ©üdjern für fie barf nur bie Siebe fein bon Sreue unb ©ntfagung. ©ie bürfen bon fotdhen ©chledjtigfeiten nichtö ahnen, fonft möchten fie am ©nbe erraten, bah ih re ©öter unb SRütter auch . . . bebenft, metcheg Unglüd! — ©chreibt ihr Xheaterftücfe, bann um 836 Jtüberti. ,'pimmclv mitten feine ©ratterfpiele, bag ift üeitoreite SJtiifjc, bie befudjen mir bodj nic^t. Suftfpiele mit redjt nieten luftigen ©djmerenötern, bie unabläffig ftalauer reißen: foldje SDtäitncr lieben mir grauen am nteiften. Unb nidjt ju lang... nidjt über brei ©tuitbeit, nidjt maßt? 2Bir galten eg nidjt aug, langer ftitt ju fi^eu . . . mau fdjmißt, man befommt junger, man lnilf mieber ein berniinftigeg SSort plauberu! SBie ifjr fo ein maubfuitg^ unb geftaltunggreidjeg fDtcujdjcnfrijidfal in bie brei ©tunben einfangt, bag ift eben eure ©adje! $ört ifjr’g beben, jittern, bie Siiftc buvdjftuten in üppigen ©onttmgen, bie über eudj jufammenfdjlagen? . . ©efjt nidjt ein Bittern unb Buden burd) eure Sfniee, taufen euch nidjt fetige ©djauber bag Südeitmarf ent= taug? fjjordj! SOhtpf! ®ag ift’ö! gu feligem ©raume fdjtummern bie ©euf jentreu beg ©eljintg unb nur bie Serben arbeiten, atg fottten fie reißen, fjiciß uitb fall iibevfdjnuert eg ung, bie ©inne fiebern, ber SBerftanb fdjtäft, uitb im Sabe fctbftnergeffener SEBottuft ftreden »nir ung, trunfen, mit ge^ fdjloffeiten Slugeit, fjalbgeöffneten Rippen unb jurüdgelefjntem Stopfe! ©an- fenb Silber burdjfdjießcn bie Eßtjantafie, atteS, alteg fanu man fidj bor= ftellen beim uuabtäffigeu §eranflutcu unb gottebben biefer ettbtofen ©om lnettcn, Aufregung, Serufjigung, griebe, ©lut in rafenbetn SBedjfel übergießen ung, fdjiittetn ung . . . uub feine 9lnftreitgung, fein ©ettfen; alte SBonnen beg ^afdjifdj unb ofjne Äopßneß beim (Srmadjen, feine SÄüfje, feine ©djmev= jen, nidjt bie 9fadjmirfungen ber ©rreguitgen beg mirftidjeu Sebeng, ofjne bie ©efafjreit, bie mögtidjeu gotgen foldjer ©enüffe, beten finutidje Silber biefe ftlänge in ung erjeugeit . . . $eil ®ir, göttlicher ©tjopiit, unfterblidjer SBagner! Über allen SKufcn ©uterpe! SBag ift bagegen felbft bie Süfjne mit allen iljren Scijen! Sur bei bem feligen Bittern beg Sl'langeg unfereg geliebten ©enorg überläuft eg ung manrijmal fo äfjnlidj. 9lber bag ©djaufpict! $ü6fdje Siebfjaber für bie ©amen, fdjöite SBeiber für bie SSäitner, tief au^gefdjnitten unb ßodj ge= fdjürjt! ©djöite ©eforatiouen, prädjtige Stoftüme, foftbare SSöbel, alleg fo prunfnoU, fo edjt, fo teuer alg möglidj. Sur menn eg niel ©etb foftet imponiert cg ung, nur menn bie ©djaufpielerinnen redjt teure Kleiber tragen, fönneu fte ung gefallen. 9llleg redjt fdjön malerifdj gruppiert, mie im Panorama, baju ein bigdjen ©tintmunggmadjerei für bie Serben, ©lodern läuten, ©fjütenfnarren, leife SSufif. . . unb bie ÜJteininger finb fertig. ®ie ©türfe? ©ie ©cfjaufpieter? 3b» ta&t fie bodj fpielen, mie fte motten, mer adjtet benn barauf! 91m beften mär’g, fte rebeten überhaupt nidjt, fottbent jeigten nur ifjre fdjönen Stoftüme, ifjre ftrammen Sßaben unb botten 9trme, unb bie ©etorationen toanbelteu eiufadj ftumm an ung borüber. ©fjarafte= riftif? geilte Suancierung ber Sotten? ©inbringen in ben ©eift beg ®idj= 5ie Soutgeoifte unb bie Äunft. 837 terg? Säuerlich — fort mit biefem iibcrflüfftgen $opf! ©3 lebe bie Slug» ftattung unb bag Slugftattunggftüd! 3a, fo ift'ö. Sa3 f)at bic Söourgcotfte aug ben Sänften gemacht. Unb fie oerunjiert nicTjt nur bie Sanft, fie fteeft audj bie Sünftler an. 2 Bie fotlte eg anberg fein? Ser SDtenfdj will leben, unb ber Sünftler anerfannt fein unb erfolgreich mitten. SSie üoQ ber Qbeate auch &erj fei, ber 9Ragen hört barum nicht auf ju tnurren. Unb ber biebere Sommerjienrat jueft höhnifdi bie Slchfeln oor Seiner götttid)en SDtabonna, Seinem unfterbtid)en ©pog, unb tauft bie „©leidliche Safcenfamilte" unb bag fabe ©atongefdjwät) in ©olbfchnitt, bag er oerfteht. Unb »ergibt Su eg troßbem Ijungcrnb unb frierenb Seinen hohe» 3 >bealen 511 folgen, ben gewaltigen Sorbitbern ber alten, großen 3eit, bie Su für bie allein Wahren hältft, bann wirb man Sich nicht etwa belämpfeit, mit emften fadjlichen ©riiitben, man wirb Sid) nicht einfperren ober Oerbrennen . . . nein, fiel} einmal, bag Wäre ja thöridjt, bag fönnte ja bie Uleugier, bie Slufmerffamleit auf Sid) lenfeu . . . wir wiffen ein oiet perfibereg SJtittel, bag ung jeglicfje SRühe, jebe Stnftreugung erfpart ... Wir Juden bie Siebteln übet ben fredjen ©igenftnnling, ber fid) erbreiftet anberer SWeinuitg ju fein, alg wir, bie SReidjen, bie Unfehlbaren, wir nennen ihn einen armen Starren, einen unfähigen ©d)Wäßer, unb wir geben ung bag SSort feinen SRameit nie öffentlid) ju nennen, er ift für ung tot, nidjtg, baß bie SBelt nicht einmal feinen Stamen, feine ©jiftenj erfahre, big er Süße gethan, unb fo Hein, fo erbärmlich geworben ift, wie wir felbft. Sann öffnen wir bem SReuigen unfere Slrme unb et foll bei ung ein» unb auggehen wie ffiiner oon unfereggleichen unb fid) mäften unb bid werben unb berühmt, benn Seber Wirb bag Sob beg großen Sünftterg augfdreien nadj allen SRid)tungen. Senn wer nad) unferem SBiHen tßut, unb uitfer Sajajjo, unfer Unterhalter ift, unb ung ber SBelt fdjön unb ebel unb ibeal malt, bem foll eg Wohlergehen in ber ©efellfdjaft. Sritt aber ein Sünftler neu in unferen Steig ein, fo foll Oor Slllem nur eine S^age an ihn ge» richtet werben: SBie oiel oerbienft Su jährlich? ... 3ft eg oiet — Sir, Su großer Sünftler! Sringen Sir Seine Sbeale nicht ju leben — fo bift Su ein Stümper. Stur wenn Seine ©innahme ber unfern gleid)fommt, lönnen Wir Sich achten alg unfereggleichen, unb fie lann ihr nur gleidjfommen, wenn wir Seine Sunft unterftüfcen, ba wir bie ©innigen finb, welche Silber ober Süd)er ju laufen imftanbe finb, unb wir laufen fie nur, wenn fie ge» fchaffen finb in unferem Keinen, oerbotbenen Srämergeifte. Sag ift ber fürchterliche ©irlel, in bem ber moberne Sünftler fteßt, unb hungernb unb ehrgeizig, wag fann er juleßt thun, alg feine heiligen tiefen 3 beale in bie ©de fdjmeißen, feine gewaltigen Seibenfdjaften unb 3been auf ben Soben 838 «Ibcrti. (teilen uub „3EBanbernbe Dorfmufifanten" malen ober berlogene Siebeg« gefehlten furnieren! Die Schaufpielerin fieljt, bafj niemanb auf ihre Äunft achtet, auf bie Töne ihrer ©ruft, auf bie SBa^r^eit ihreg Stugbrucfg ber Seibenfdjaft . . . ba| man nur ihre Toiletten beflatfdjt, bie taubeneigroffen ©eilen in ihren D^ren, bafj man nur ben Simen ihreg ©efichteg fiulbigt, ber SRunbung ihreg ©ufeng, ber güHe ihrer Sinne, bafj man bie Sdjfeln judt über bie (bemalt ihreg Temperamente, fobalb fte magt im fdjlichten Satinfleib auf ber ©üljne ju crfcf>eincn offne ©erlen unb Diamanten unb fie aug ber Stellung entläßt, bafj bie Herren fid) brängen ifjt bie golb« (tro^enben ©ötfen ju güfjen ju legen, bie allein Ufr jene glänjenben Toi« letten unb Sutoeleu berfRaffen tonnen . . . mag bleibt ihr übrig? fie tbirb ,’ 3 ur Dime, bie für Sieben feil ift, ber gut jaljlt, fte benufct bag SRelief ihreg ©erufg, um ben ©reig ihreg ©eftyeg über ben in ber Halbwelt lanbeg« üblichen ju erhöben, unb lägt Äunft Äunft fein. Unb thatfäd)lid) befielt bie jpätfte ber heutigen 3d)aufpielerinnen aug Dirnen, benen iljr ©eruf nur ber Dedmantel ift. SBarum nid)t? ©g genügt, bafj bie Äünftlerin in Sammet unb Seibe auf bie ©üljne tritt unb ihren ©art herunterhafpelt trne ein ©apagei. Dag ©ublitum ift bamit jufriebeu, bie Anbeter, Welche bie Stimmung machen oermittelft berteitter S'latfdjer unb riefiger Äränje, ber Direttor, ber Danf ben freigebigen Anbetern an ber ©age fpart, unb bie Äritif. 3a, bie föritif bet ©ourgeoifte«= ©reffe! Dag ift ein ©untt! ®on ber notorifdjen unb jeberjeit bor ©eridjt ju betoeifenben ßäuflidffeit — im ©al« merftonichen Sinne — eineg grofjen Teileg ber ©erliner Äritifer mill ich noch 8 nr nicht fprechen. Diefeg Thema toerben mir in einem ber nädjften #efte auf ©ruttb unanfechtbarer Thatfadfen unb Dotumente näher beroeifen. ©ine Ktitif! $abeit mir benn noch eine Äritif? 353er fchreibt noch ernfte, auf bie Sache felbft eingehenbe Slrtifel, in benen Sob unb Tabel gerecht abgemogen unb in jeber ©injelerfcheinung bag höhere äfthetifche ©efefc ge« fucht mirb? Stiemanb fchreibt bergleichen mehr, beim niemanb aug ber ©ourgeoifie miU bergleichen Sfopfanftrengenbeg lefen. Der Äritifer foQ unter* halten, nadibem ber Sdjriftftelter, ber SJlime feine Schulbigfeit gethan: bie ftritif ift nichtg alg ber 9?ad)gufe nach &er ©rüh e &er TheaterOorfteHung. ©ine furje 3nhattgangabe, eine Steferatmelbung über ben ©rfolg, uub eilt paar faule, billige ©ühnenmifce über Stüd unb DarfteHer — unb ber Sin* bau ift fertig. Unb ber, über beffen Söifce man am meiften lad)t, gilt alg ber neue Seffing. 3 a, nicht nur $unft unb öffentliche SWeinung hat bie ©ourgeoifie for« rumpiert unb angefault — felbft bag geheiligte ©rj beg ©efefceg, foroeit eg bie äußeren ©erhältniffe ber Sanft berührt, hat ihr ©ift burchfreffen. Denn $)ie ©ourgeoifie unb bie ftunft. 839 igr ©eift, igre Slnfcgauung iff#, roeun ba# ©efep jebeö ©igeittum fdjüjjt, nur ba# be# ©eifte# nidjt, Juenn e# bie fünftlerijdje 3bee für oogelfrei ev- flärt, ge 3ebermann jur 3lu#fcglacf)tung unb Umgestaltung überlägt unb nad) brei Xezeitnien fogar ba# SBerf be# ©tgtoeige# be# Zünftlers felbg ber M#= beutung jebe# ©petulanten frei giebt. Xenn ba nur bad ©robmaterieUe für fte einen 9Bert gat, fo ift igr bie fünftlerifdje 3b«, bie fie nidgt üerftegt, ein Stiegt#, ein roerttofe#, für 3ebennann freie# Xing, fo frei wie bie 2uft. ©o roeig bie ©ourgeoige überall igten SBiüeit, igre Slnfcgauung burtg= jufegen. Xenn Staat, tlbel, ßircge — rna# finb fie geute? ©erarmt, üou ber oberften Stufe ber ©efeüfcgaft oertrieben, Fangbälle in ben £>äitben ber allgetoaltigeu ©ourgeoifie, bie (lug genug toar, igre SRacgt auf bie feftefte aller ©afen $u bauen, auf bie menfdjlidje Habgier unb ©e(bft= fucgt.- Slünftler! ©enoffett! 3g* Me — ober fage i(g 3g* SBenigen? — benen nocg ein fjrunfe oon jenem geiligen geuer ber grogen Seibenfcgaft ber Slntile unb ber Stenaiffance im Sufen brennt, jener aUgetoalrigen Seiben- fdjag, meltge allein ganje SRenftgen unb gattje Zünftler macgt — iE>r, bie igr nod) eine magre unb groge Siebe gegt für bie magre unb groge Snnft: ioeldj ©nbe foll ba# negmen? 3g* gabt gefegen, ber geutige Stiebergang ber Äünfte ift (ein bloger arger ßufall, er ift eine fojiale Stotmenbigleit, e# liegt im SEBefen ber ©ourgeoifie, bag fie Me# forrumpiert, materialifiert unb Oergiftet, ma# in igr Sereicg gerät, unb fo aucg bie Slunft, bag ge biefelbe g)ftematif(g untergraben, gerabjiegen, oeiniegten mug. Sein SBefen (ann gegen ba# Staturgefep, begen organifeger ?lu#bru(f e§ ift, unb fo roenig ber Sifcg je fingen, ber Söme je giegen mirb, fo menig roirb bie ©ourgeoige je magre unb ed)te M'unftbegeifternng füglett, je für bie magre unb eegte ftunft eintreten (önnen; fie (amt fie nur immer tiefer unb tiefer oerberben unb oötlig in Äleinlicgleit, Mgerlicgfeit, glacggeit, Salonfpielerei, ©erlogen* geit unb SDlateriali#mu# auflöfen. Unb ba# foHte ba# ©nbe fein? 5Rid)t ein groge#, fdjnetle#, gemaltige# ©nbe, mie 9tom# unb ©riecgenlanb# fi'unft trogig fterbenb unter ben 3äu ; ften ber ©arbaren, fonbern ein langfame# ©ieegen unb ©erfaulen, ©lieb um ©lieb bei lebenbigem Seibe? Stein, lieber mit ©gren untergegen al# foldj ein fegimpfliege# ©(laoenleben! #orcg, meleg Xofen unb Xonnem unb Stollen! . . . Xer ©tbboben fegmanft, bie ©aläfte ftürjen, geuermolfen fegnauben einger unb ber SBürge* enge! gegt über bie ©rbe. ©in riegger Xämon mit raueg* unb ftaub* geggmärjtem, faltigem Slntlifj, mit fürtgterlicgen SOtuSfeln, mit eifernen gäu* gen unb gnfter gerunzelter ©tim ftapft bagin, unb unter feinen eifenbeggla* 840 ftlbrrti. Jie Sourgeotfie unb bie fiunft. gencn Stiefeln, unter ber Söudjt feiner fnodjigeit Ringer jerfplitteru Säulen, fradien äRnuern wie biirre? fReis. Jpni, unb er bläft Ijöljnifcf) pfeifeub tot fid) l)in unb ju Soben ftiiv^en SRarmorbilber mit jerbrodjenen ©liebem, roie 3Bad)S fdjmeljcn bie bronjencit gelben üor bem brenitenbeit J)ampfe feiner 'Jlüftern, SDlilliarben fengeuber, bunter ÜeinwanbfeDcn flattern ^od) in ben lüften, untermifefjt mit ben Slüttcrn jevriffenev fßergamente, unb unter fei* item Aitgc fitirfdjcn in grellem SRifjton taufenb gefprungeite Saiten, unb ftöljnenb unb ädi;,enb wäl 3 t fid) bie iWufe am Sobeit, ein blutiger Spring; quell fprifct auf au? ilnem §crjen. ffiv aber fdjreitet weiter, gefiifjlloä, falt, fein SRusfel judt in feinem Slittlitt, uttb gleidjgültig jerfdjiittet fein h ren bie ftlienten nicht mehr im eignen f>eim, fie fteigt bietmefjr felbft auf« Strafcenpflafter hinab unb begiebt fidj auf bie Suche. Überall, in ber ©e* fettfe^aft, ben ÄtelierS, ben Buchhanblungen, ben goperS ber Sweater, in ben 3entren jebet litterarifchen ober fünjtlerifdjen Bereinigungen treffen Sie ben Äfabemifer, wie er als fcfjlauer ©erber ben jungen Talenten, bie in bie |>öt>e fchie&ett, ermunternb jutädjelt: „Sie .Äfabemie* behält Sie im Äuge, junger SJtann". 3ft baS StenommSe fchoit dorhanben, h at ber Äutor bie ©eit bereits mit brei ober dier Starteten befdjenft, bann lautet bie ®in= labuug fdjon etwas birefter: ,ben!en Sie an unS, mein Sieber, eS ift gerabe je&t ber rechte 3ritpunft gefommen* ober nodj plumper, mit einem forbialen Schlag auf bie Schulter: ,©ie, waS? Sie wollen nicht einer ber Unferen werben?* SaS gleiche Berfahren beobachtet man auch, bem Btann auS ber guten ©efellfdjaft gegenüber, bem Ärioftüberfefcer unb Berfertiger don Samilienluftfpielen, nur ift h»w ber Sou einfdjmeidjelnbev unb baS ©anje in eine etwas 3artere 3°rm gefleibet: , Schön! fchön! Sagen Sie nur, wiffen Sie' benn auch baff? . . .* Unb wenn fid) bann ber ©efdjmeichelte befcheibentlich auf feine Unwürbigfeit beruft, auf bie geringe Befanntfchaft feiner B er f on unb feines litterarifchen SteifegepätfS, bann tifdjt ihm ber ©erber bie trabitioneüe fß^rafe auf: bie Äfabemie ift ein Salon . . . Su lieber ©ott, woju hot nicht aUeS biefe SiebenSart herhalten müffen! ,Sie Äfabemie ift ein Salon ... fie nimmt nid)t nur baS ©ert fonbern auch ben SWenfchen auf.* 3” Erwartung ber Singe, bie ba lommen foUen, empfängt man injwifdjen ben ©erber überall unb hätfdjelt ihn bei allen SinerS unb allen ffeften . . . ffir ift ber dergötterte ^arafit don all' ben Hoffnungen geworben, bie er entftehen lief? unb bie ju nähren er eifrig beftrebt ift . . ." ©ewifj, ebenfowenig, wie bie heutlebenbe Generation unfret Schrift* fteffer, dermag auch i*h &i* Stotwenbigfeit, ben Stufcen unb bie SafeinSbe* rechtigung, bie eine 3 n fritution wie bie franjöfifche Älabemie in unfern 3rit haben fönnte, einjufehen. Sie SWänner, bie fte in ihren Sd)ojj aufjimehmen pflegt, finb beS öfteren nur unbebeutenbe Stullen, don beren ffijijtenj man ttlphonfe Saubet* neuer Roman. 843 aufcerhalb ber Sßabemie unb ber afabemiföen Greife (eine Slhnung h®t unb bei ber fßrei*frönung ber SEBerfe wirb manchmal nach einem SBahlmobu* borgegangen, beffen Siegeln jebem, ber nicht ber Äfabemie angehört, oöSig rätfefljaft bleiben; um bie 2Baf}rljeit meiner SBorte ju erhörten, will id) hier nur auf bie $l>atfad)e ^inmeifen, ba| bergangene* 3aljr ber fßrei* SRonthpon, ber beftimtnung*gemä| nur SEBerfen erteilt werben foH, bie $ut Hebung ber SRoral beitragen, ber Überfepung eine* ©ucfye* über ben ,,©ro|en Srieg" erteilt Worben ift! 31ber ooit ^ier bi* ju ber Sehaup« tung $aubet*, ba| alle SDtitglieber be* Snftitut* ffirjignoranten finb, ba| alle ihre ^anbtungen, alle if>re SDtafjnafjmen ben (Stempel ber Dummheit ober ber Unwiffenheit an ber Stinte tragen, ift meine* ©ragten* hoch noch ein weiter ffieg. „L’Immortel“ bofumentiert ft brauche ebenfowenig auabrücflich barauf pin* jumeifen, ba& eine gto|e 3apt bet SBerfe Sllpponfe Raubet« bem 2tutor meine lebhafte ©pmpatpie eingetragen pat. 3d) fcpliefje mit bem 3lu#bruc! be$ SöebauernS, baff tcp einen jo peinlichen (Einbrud non bet Settüte be3 „L’Immortel“ mit pinmeggenommen habe unb bafj ich biefen ©inbrucf nicht für mich behalten fann. ttvttit. Soutane unb Sonetten. „SBa« bie 3far raufcpt". SRün» ebener SRontan non 9R. ©. gonrab. £8 ift eine alte ©aepe, bafj ba« neuefte SBerf eine« Sdjriftfteller« immer fein befte« ift, roenn man ben SSerleger pött, ober bie 3ftebaftion, welche fo glücflicp war, biefe Sßetle für ihre geitfdjrift ju gewinnen. Zen gleichen ©emeinplap über gonrab« neuefte« 33uch ju Ieiften, binbert mich jum ©lücf meine angeborene ©ewiffenljaftig» feit, fofern ich bie früheren SBerfe be«* felben nicht auSnabmSIo« alle tenne; fonft freilich wfifste ich fein §inbemi«. ,,SBa« bie 3far raufcht" gehört ju ben Büchern, bie man nicht nur mit Bewunberung für ba« SBerf, fonbern mit Siebe für ben Berfaffer au« ber $anb legt; e« ift ein febr Iieben«würbige« Such. Unb ich möchte, ba| aüe greinbe be« Berfaffer« biefen IRoman läfen; fie müßten bann fagen: fein ©egner bin id| jwar, ich fämpfe für anbere«, aber fein fjeinb fann ich nicht fein, benn er ift ein guter SRenfcp. 3a, fo fonnige Jiguren wie ber Bilb* hauer 3»erger unb feine Slora (nur ift namentlich fein erfter ©rief $u behaglich breit für ben Vornan), fo reijenbe £ jenen wie bie mit ben üRagferifchen Jfinbern, fo fdjöne Pietät jwifchen Zrillinget unb feiner alten Brigitta, — folche Zinge laffen fleh Weber mit bem Berftanb au«» fpintifieren, noch einfach au« ber SBirf» liebfeit bttnnöbeobadjten, fonbern ein warme« ©emüt bat ba mitgebichtet. SBa« liegt fdjon allein barin für ein gewaltiger Unterfdjieb bon 3°lA* monifche mirb mach unb miß auch *>on ber Äunft fein Vergnügen, oft ein grim¬ mige« Vergnügen, baS in einer gemiffen Seltberadjtung (übrigen« unbefchabet be« innigften Seitgenießen«) gipfelt, in einem pfeifen auf ©Amtliche«, im fdjledjthin- igen (Erhabenfein. San fönnte e« auch fflnftlerifdje Seltüberminbung nennen. Sohlgemerft, ich «be nur Don Aftlje- tifchen Stimmungen, toie fie eben ein ftütnpfer in biefet mobernen Seit oft nötig hat, um fleh feelifch über Saffet gu halten. Solch ftarfe unb große (Empfiu* bungen mitb auch in Sonrab« Koman genießen, mer e« oermag. Bon ben übrigen aber, ben feinblichen Schreiern, nriffen mir alfo, baß ihr Gefcfjrei über ein ftarfgeiftige« Serf nicht« anbere« ift al« eine — thöridjtemeife fehr laute — 3nfolbenger!IArung ihre« Afthetifchen 3u liehen. Doch willig fftgft ®u Dich battin, 8n glauben, nat {Mt uotgefeptifben." nnb bie »opl tiefpen ©orte, bie bi» nun ein Bidjter über »Boefte* anögefpnxpen, Karl Bleibtreu» Biergeile: 24 Vol. 4/2 850 Kritif. „De* Stefanen Met fctft Du, o fteefle! Die ©dt ift mit ßu nein, mit biefet Welt au leben. Doch <11 fic grob genug, mir ein Kfot |u geben, fBo norm Unendlichen ich beugen barf bal Shrie." Unb nun gur SprucptoeiSpeit be« Salon«, gu $aul $epfe« „SprucpbAtp* lein". Ba« ungemein gierlicp auSgeftattete BAor unb fcetfc, bet Siebter be« Salon«, flogt in bet Seife großer Herren über „$a« Ärgfte*. „•egen $er*Iofe fannft Du Dich fd)Q|eu, «Heb Amen nur Dein $erj nicht breit, flkifüofe mftgen Dir auch mohl Bügen, Da mancher manche* tonn unb meift. (Bann aber Zattlofe Dich umringen. Da* urtrb Dich §ur ©erjmetflung bringen." 3m ©roßen unb Sangen gilt Don Banl $eftfe« SprAdjen, wa« ein mo» berner^oet Aber$epfe« Sieber feprieb: „Uten fWjt Mt tn Ztnodn btt ttttn $ter Seite, bie uuoerfehrt, Unb bemunbert bie (BAttergeflalten, Denen... bie 6eele fehlt!" Bon Baut $epfe, bem geißigen (Erben Sötpe«, wie ipu Sobpubler nennen, gu (Ebuarb Don Bauernfelb ift nur feftetn* bar ein fernerer Übergang, benn audj Bauernfelb beßftt Seift unb, wenn er fie anwenben will, bie Berebtfamfeit be« Salon«; aber Bauernfelb iß, auep im Seben wie in ber Bi(ptung, weitaus triftiger, gewanbter, inniger unb etgtei« fenber al« Baut #epfe. Bauernfelb« „Boetifcpe« läge» buep' iß überaus WertDoH al« Beitrag gut S'itgefcpicpte. SS umfaßt ba« 8te* fultat ber fAnf unb feepgig jAprigen Be* tra Stern, wo ein fchritteS Säuten ber ©tode, ein geller ©ftff, eine Wolle bie faum ©efunbenen auf ber Stelle mieber aus- eiuanberreißt. 3g bin überzeugt, btefeS unbewußte, natürlig-humorißifge (Ele¬ ment in ber Spmbolit beS mobemen SebenS wirb noch einem tief unb groß empßnbenben humoriftifchen Sichter bie banfbarften unb erfotgreichften Stnregun» gen unb Wotioe gewähren. 3g möchte Äritif. 853 »finden, baß Quftinub, ber übet einen teilen Schap Don ©emflt oerfügt, biefer Wumorift würbe, nnb baß er gu ber unterpaltenben Saune, über bie er f$on jegt oerfügt, noch bie ergreifenbe nnb burcp Weiterleit rüprenbe unb bab Renten anregenbe füge. ffi. 9t—i. Citttv«rfriftorif ©tofdjüren über bie neue Stiftung fliegen wie ©ilge aub bem ©oben. Sin aBeraeuefteb Siebt bat fi«b unb aufgetban in bem Sdjriftchen ,5>ie fogenannten 3ungbeutfd)en in ber geitgenöffi« fepen Sitteratur* Don $anb Me» rian. (Seipgig, Steinl). SBerther.) S)et ©erfaffer machte ftcb bibper burdj feine Satiren auf Sberb-befamtt, über welche ieg eine etwab gar gu freunbfcpaftliche ©erbimmelung aub ber fjeber unfereb geiftooüen Sbgar Steiger in Weft 4 ab* brache, welche aber in SBaprpeit ein nicht uubebeutenbeb Oformtalent befunben, auch Don fchneibigem Sfprit orbentlich fünf ein. ©orliegenbe ©rochüre entfpridjt gerabe in lepterer Wiufidjt wenig ben Srwar* tungen. Sie ift ja gang bübfeh gefchrie* ben, aber bringt nirgenbb ©eueb unb bab alte baran Derbanft wefentlicb meinen Schriften feine Sntftehung, wie benn eigentlich aBe feitber erfchienenen ©to* fchflren biefer 8rt (fogar bie bireh feinb* liehe Don ©aftor örtel) nichts alb geiftige ©Iagiate ftnb. Unb tapfer anf bie alten lobgufdjlagen, bagu gehört hoch heut, nachbem bie „©eDotution ber Sitteratur* fiegreich aBeb Dor fich nieberwarf, wahr* lieh hin befonberer Mut! ©(eichwohl fei bab rebliche Streben woblwoBenb an« erfannt, womit unfer junget anf Anger jebem fiorhppüen ber neuen Dichtung gerecht gu werben fucht. Sr fonfurriert atfo pier mit einer anbern ffirgticb er« fchienenen ©rofehüre »Die jflngfte beutfehe Sttteraturftrömung Don Sugen SBoIff*.*) *) Diefe immerhin oerbtenftoolle unb bebeutfame Schrift, Me mich übrigen« trofc afieben noch Mel $a ergeben ftcb nun burch ben ©ergleidj böcbft auffäBige®egenfäpe—SBiberfprüd)e im Urteil gweier geiftreidjer Seute gleicher ©ieptung, bie für ben SBiffenben oft brol* Iig wirfen. »5>ab läßt tief bliden.* — Senn SBoIff ben ampntor unb SBaBotp überhaupt feiner Srwäbnung wflrbigt, fo erwähnt Merian wenigftenb Septeren alb .realiftifdjen aitertümler*. SBenn SBoIff feine ©ufenfreunbe, bie biebern ©rbrüber Wart, ungebührlich in ben ©orbergrunb brängt, fo fdjweigt Merian fie DöBig tot. SBenn SBoIff bie ©ebidjte unb ©obeBen feineb fjfreunbeb Äird)bacb ablebnt, um bei bem furiofen .SBaibtinger* an (.©ab- folnifow* unb ©ulmerb .Sugen aram* bebenflich erinnernb) gu Derweilen, fo rühmt hingegen Merian nur fi.’b etwab barode ©ebid}te r benen er eine ©öflinfehe Stimmung gufpricht. SBenn SBoIff niept genug über Sonrabib .©emeinpeit, ©e* fchmadlofigfeit, Xalenttofigfeit* gu fchim« pfen weiß, fo erfennt Merian in einigen ©omanfgenen bebfelben eine „gerabegu bämonifdje ©eftaltungbfraft*. SBenn hin* gegen SBoIff an bem .ftrebfamen Salent* aibertib .neben Dielem Mittelmäßigen ernfte unb lüpne anfäpe* entbedt, unb Don biefem SdjriftfteBer .DieBeicht etwab erwarten barf, wenn er gelernt haben wirb, auf bem gepnten leil beb ©aumeb bie gehnfache angapl Don ©ebanfen funb» gugeben*, — weiß Merian an aiberti höchftenb .eine gute Mache* gu loben. SBenn SBoIff mit DoBem ©echt Siliencronb Sigenart in ber augenblidbbilbnerei unb Sfigge fucht, anerfennt Merian nur Si* liencronb prächtige ©atur* unb filein« malerei, nennt aber beffen Menfchen .blaffe Schemen*. SBenn SBoIff maßlob bab .©uch ber Seit* feineb ©enoffen refoeftooller bebanOelt all £ert SRerian, Wirt in bec bemn&bft bei CB. ftriebridj erfcbeineitben ©tofebüre »Der Kampf um« Dafein ber Sitteratur* eingebenb beleuchtet, — in »ekber ©rofebßre ich Me gan«e ©runnenoergütung unb ftalfcfjmiinaerci unferel litterarifchen €treber«Dtarfre« entbüfle unb ben gor* büchen Knoten mit einem ScfttoertMeb burebbaue. 8Ö4 »cxiuix« $olg preift, [teilt SRerian biefen noch Mittet ben Spriter $en(eO. Senn Solff mich lächerlich macht, Weil ich fceiberg, ben „8eicßnet im kleinen* unb Gonrab, ben „©erfaffer (urger ©fijgen“ aflgu feurig empfohlen fo äußert fid) SRerian Aber $eibergS ©orgüge mit ricß* tigern ©erftftnbniS, nennt ißn neben Äreßer „ZaS Heinere latent, aber ben größeren Steiftet“. Senn Solff „innere Gntwidlung unb organifdje Gefcßloffen» heit* bei äreßer, bem „flüchtigen unb ungelenfen autobibatten*, cermißt, Ieug* net SRerian nicht, baß SreßerS Arbeiten troß aQer „Ginfeitigleit* „groß angelegt* feien. SBenn SBoIff bei Gonrab nur „fecfe, oft berbe ©tubien, (eine burcßgefüßrten Äunflwerte, fonbent (leine, nur gu ftarf unb einförmig tenbengiöS erotifcß ge« f&rbte Genremalerei* finbet unb urteilt, bei größeren poetifcßen arbeiten Perfage GonrabS ffraft, — fo ergießt ficfj hier SRerian, wie (einem anberen gegenüber, in bithhrambifcßen SobeSerßebungen unb fingt not allem bem „Äünftler* Sonrab ein $aüelujab- Cr behanbele auch «mei« ftenO* SiebeSprobteme, „aber nicht in ber einfeitigen SBeife eines ©leibtreu*. Ziefer ©aß ftroßt oon jener unfreimil« ligen Somit, bie ich f° oft fchon enthüllen mußte, jener RaiPetftt, mit welcher breifte UnfenntniS ihre eigenen ©19ßen nicht be« merft. Sonrab hot nämlich nicht „meiftenS*, fonbern nur Siebesprobleme behanbelt in feinen gwei bahnbrechenben RooeKen« bünben. 3dj aber höbe nicht nur nicht „meiftenS“ Siebesprobleme behanbelt, fon* bern auch bei ben fieben ©Ochern, bie unter bieS Schema fallen, biefelbe ©iel« feitig(eit bewährt, Wie fie mir fonft ja gugeftanben wirb, aber ba haben wir'S! Dbfcßon er gewiffenßaft faft alle meine Serie (eS finb jeßt 30 ©änbe, ohne bie überg&ßligen brei Zramen gu rechnen) anführt, fchreibt SRerian: „©on feinen Grgftßlungen erw&hne ich „firaftfureu*, „Schlechte GefeUfcßaft', „Größenwahn*, entfcßieben (raftooOe unb originelle ar* beiten . . .* (ach, ®< e fhtb gu gütig!) aifo mein auertanntermaßen fcßmAcß« fteS ©uch („ftraftturen“) neben ben grnei bicßterifcß unb gebanflich bebeutenbften Serien, — warum? Run, weil eben Mefe brei gufftllig bei S. griebridj er« fcßienen finbü Genau baSfelbe be« merlt ein ftunbiger bei Sugen SolffS ausführlicher ZarfteOung: beibe Äritiler haben eS nicht ber SRüße wert gefunben, auch nut eins meiner ©ücher fleh gu perfchaffen, baS ihnen gufftllig bie SKrma tfriebrieß nicht barreichen (onntell — Senn ßctrn SRerian aber auch nuc biefe brei ©ücher befannt waren, fo burfte er gleichwohl nicht oon bem „beinah aus« fcßließlicß breitgetretenen Zßema* (ber Kellnerin unb ZingeltangelOfe) reben, benn wo finbet fich in „Kraftturen* etwas baoon?* Sinb normegifdje ©ftne« rinnen unb englifcße SabieS etwa Zingel« tangelOfen? Stießt mal in „Scßlecßte Ge« feUfcßaft* (ann oon „auSfcßließlicß* bie Rebe fein. Run gar ben umfajfenben Gebanlenroman „Größenwahn* hier her« angugießen, weil eine tfigur b U ©ertßa Stother barin herumfpnft, geugt oon einer Oberflftcßlichfeit, bie jeben gerecht Zen« (enben mit Unwillen erfüllen muß. Unb Kaiferin Gonftange („Zer Ribetungen Slot*) unb ^ngeborg ©oQanb („ans RorwegenS $ocßtanben*) — jaja, nette Kellnerinnen! Unb in ben Zramen — Zßerefa Guiccioli, abah ©pron, SRaria Urbino, Cbitß Schwanenhals, Qfofefine ©eauhamaiS, Sfttitia ©onaparte — jaja, nette ScßentmamfetlS! aber foSte SRerian meine Zramen wirtlicß getefen haben? kaum. Zenn wenn er weife bemerft, mein 3<ß trftte gu feßr in biefen Zramen heroor, fo muß folcßer Unftnn boeß ftußig maeßen. „Seine Zramen geigen gum Zeit eine feßr gefeßraubte, gum Zeil^tber aneß wieber eine gerabegu ßinreißenbe Sprache.* Unb Sie „geigen* ßier einen ©rimaner« ftil, Pereßrter ©pracß«$eiger! „Zie ©to* ftrittf. 865 biente ftnb orightefl erfaßt'. Sott bem eigentlichen SRerfmal meiner Sramen, bet oielfeitigen Sharafterißif unb bet ßünntfdjen Äompoßtion, fein ffiortl .Sprache* ift im Xtama baS Sßerun* mefentltdjße, eS fei benn, nm baS fonßige Xeßjil )u oetbecfen, nie bie „ßhöne ©brache' ffiilbenbruchS, beten niberlichen hohlen Sombaß unb lächerliche Xrioia» litftt nun Seo Setg in feiner Silben* brach« Srofchüre enblich mal gebfihrenb feßnagelt.*) — „Sine eigene ©pejialität hat Steibtreu in feinen litterarifchen ©chtachtenbitbem gefchaffen. Seiber bin ich nicht fffachnann genug, um biefe auf ihren inneren ftrategifchen ffiert hin be» urteilen ftu fönnen." Xiefer ©ab enthüllt nieber biefelbe Sefdjichte: Xaß n&mlich Herr SRetian in feinem Seben nichts oon meinen fonftigen „Sdjlachtenbitbera" ge« fehen hat, fonbern nur bie neüeßen „(Ent- fcheibungSfchlachten", bei benen allein oon „ßrategifchem ffiert 4 ' bie Webe fein fann — natürlich toieber beSljalb, »eil biefe jufäHig bei ffi. fjriebrich erfchienenl Such hi««« fleht ihm (Eugen ffiolff toür« big jur ©eite, beffen fernere Unter* laffungSfünbe, meine Shrif nach beu fonftigen oerftreuten groben ftatt nach btei Shrif'Sftnben ftu beurteilen, ffierian Der« amtlich ebenfalls teilt. Xaß er meiner „Sefähignng jum Sitterarhißorifer" „ein fchbneS 3eugni8" fbetibet, ift udefer nnb oerbflichtet mich ftu ftiüem Xanf. 3m (Banken aber fann i dj oon biefer Srofchüre mahrlich auSrufen: Sott fd)üfce mich oor meinen Jreunben! 3olcon« ttabet Übrigen« gipfelt all mein tBsQen unb Mimen in bem (oebenerWenenen fw*nui„BeItgtti4t". nühri oon bem Wbhub meiner ©Triften, wiebetfduen fie baS mühfam Setbaute in großartigen Xiraben unb fdjwingen fich natürlich auf meinen ©chultem ju fal« bungSooßet ©uberflugheit embor. Sie jüngßbeutfdjen Sgrifer • WeOolutionftre fuchten bereits in ihrer 9Ritte ben SRef« fiaS unb lohnten baS gerechte ffioljtmollen gefürchteter Überlegenheit mit jenem fldg* liehen Weib, ben bie befchrdnfte Unreife unb bie formbegabte 3mpotenft ftetS ber wahren Srobuftioität entgegenbringen. SRit ihrem ÜReffiaStum iß eS nun nichts, baS mußten ße ßch f'lber fagen, unb „enifagten" bähet jum grüßten Seil, wenn auch nicht „jeber bichterifchen $ro« buftion", fo boch bem Änfptuch auf bahn« bredjenbe Sebeutuug. 3h te heutigen Wach* folget ftnb fchlauer. Sie machen nicht in Shrif, fonbern wanbeln in ber Xoga beS fritifdhen Äunßpropheten einher. So be« lehren uns SRerian unb ffiolff, baß ber wahre ÜRefftaS erß noch fommen werbe. SRit fchon recht! Beige er ßch nur, biefer Segnabete, unb ich, ber ich jebeS unbe» fannte ober oerfannte Serbienß mit leibenfchaßlicher Hingebung unb allem Unbanf jum Xrofee förberte (waS felbß ffiolff in feiner Srofchüre jugeßeht), ich werbe ber Srße fein, ber ihm baS ftnie beugt! ffier fo neibloS anbere Sebeu« tung neben ßch anerfennt nnb aus bem Snnfel heroorftieht, wer fo „nur bie ©ache unb nte bie $erfon im Äuge hült", wie ein Sewiffer einmal im Soßegenfretfe mir öffentlich aus befter (Erfahrung ju« geßanb, — Ser wirb, pfgchologifcher Sogit gemäß, auch mit Segeißerung ben (größten begrüßen, ber über ihm ßeht. „3h* Söttet, feib gebanft, ich liebe ihn!" ruß ber ÜRarlowe ffiilbenbruchS, obfdjon ffiilbenbruch felbß ber Seßte wdre, bem Seifpiel feines äRarlome ju folgen. 3a, )eige er ßch nur, biefer SReffiaS — aber er jeigt ßch nicht. Sr „hält ßch noch im Serborgenen", wie äRetian fagt — ober foßte er oießeicht biefen Serborgenen ge* 856 Jlritit. nauer fennen? Iragen bodj bie meiften j 3üngßbeutfoch fladert in „Seftermannb Sonatbfjeften", melche Sbotf (Glafer leitet, eine &h n I* ( ^ e Statur mie Srengel, mohl ab unb gu einmal ein ruljigeb, oernünf« tigeb unb gur Sattheit ftrebenbeb Sort über unfere Sache auf, erfdjeint mohl ab unb gu einmal ber Same eineb unferet (Genoffen mit einer Darlegung feiner Sache. (Gin meifjer Stabe unter ihren in hhfterifdjer SItjüngferlichfeit aufgehenben Schmeftern erfcheint bie feit Baljrebfrifi beftehenbe, oon ®. Jtaminif peraubge« gebene, iBuftrierte 3«*tfchrift „3ur guten Stunbe", bereu litterarifcher Seil oon Saul Sobert geleitet mirb. Cb geht ein frifcher, fchneibiger Son burch bab (Gange, eb meht Cinen manchmal an mie eine erquidenbe Sbenbbrife am Subgang eineb fchmülen, ftidigen Sugufttageb. San Tommt ber Sahrheit unb Qkrechtigfeit hier menigftenb bib an bie äufjerfte Stenge entgegen, melche ein für bie 9a« milie beftimmteb Slatt anb materiellen Stüdfichten bem beutfehen bornierten Sh*’ lifter gegenüber nun einmal innehalten muh, ber befanntlich gehnmal mütenbere unb fdjlimmere Sprannei übt alb 3n» quifition unb Sefpotibmub. Siliencronb fchneibige 9eber, Solgogenb ffrifepe, Äatl $entelb Schmung fichern bem Slatte, mab beffen Sitbemerbern fehlt, (Gefunbheit unb Ära ft, bie originelle Sophie $ung« hanb, $eiberg, ber Schreiber biefer Beilen unb noch manche unfern Sitftreiter ftnb mit Beiträgen reich oertreten. 3n einem Slatte, melcheb fonft oon gähnenber Sangeroeile in Strömen trieft, in „Unfete 3«t" lefen mit feit einiger 3eit aub ber 9eber eineb unb unbefannten $errn Äarl Spitteier gerabegu meifter« hafte Suffäpe über Srama unb Sheater in graultet dj. 3 unt erften Sal, fooiel mir unb entfinnen — unb mir oerfolgen biefen (Gegenftanb mit grober Sufmerf« famfeit — mirb hier über biefen Stoff in einer Seife gefprodjen, bah man fleh geftehen muh: ber Sann oerftept feine Srbeit, gum erften Sal lefen mir Suf« fäpe, melche mit mirftidjer Äenntnib biefeb Stoffe« abgefafjt finb. Senn Stieb, mab in ben beutfehen Beitungen, felbft in ben gröhten, über biefen (Gegenftanb gefchrie« ben mirb, ift bummeb unb alberneb ifferie»9ieifenber* mirb eine bereit* alternbe Sabenbefifcerin bon einer folgen Siebe p einem 9teifenben ergriffen, unb liegt hier bie ftunft be* Er gäljter* barin, bie alte 3»ngfer au* bem Säuerlichen, in ba* fie bie Situation leicht bringen fönnte, herauSguheben unb p einer burih» au* fbmbathifchen, unferer Seilnahme Dürbigen ©eftalt gu machen. 3" «Sun» telrote Stofen* ift e* ba* Hufleimen einer fotzen Siebe in einem armen ©turnen« mäbdjen, bie eben taum pr 3ungfrau erblüht, gu einem bornehmen Stubenteu. 4»ier Die bort ein tief berborgene* ©e» fühl, ba* bem ©etroffenen felbft faum früher a(* im Kontent be* ©erlufte* pm ©emußtfein fommt $ier Die bort ein ergebungSbotteS, DehmfltigeS ©er» gidjten. Huch biefe tleinen Sfiggen taffen ben frühen Sob be* Sichter* tief be» bauem. Sie überfefcung ift bon Emil 3onaS geliefert Ser britte ©anb enthält gmei Sitten» unb Eh« blicf eine* „9tn< gefcfjobeu »erben; ich »in mich bamit begnügen, auf jene entyüdenbe Partie beb ©ucbeb tjinju» »eifen, in ber ©illöle bie Sinbtüde fd)il* bert, bie ihm feine Sienftjeit alb Starine» offtjier oerfcbaffte. S. b. $. La Sainte Biblc en images par J. Schnorr, Paris, Librairie W. Hin- ricbsen, 22 nie Jacob. S® 20 Sieferungen h 2 frtancb erflehten liier in tabellofen $oljfd)nittrn mit erlldrenbem Sejt bie belannten ©ibet»©ilber unfereb Sieifterb Schnorr Don ßarolbfelb. Sb intereffiert unb weniger bie Sluffaffung unb Sichtung beb ffünftlerb, alb Bielmebr bab buch* bönblerifche (fjperiment. #inrit auftteten wollte unb anbete mittelmäßige Sd}au« fpielerinnen bloß getingen (Erfolg et« rangen. Ser bet Ättgemeinlieit fhmpatpifcbfte SoIWfchriftßetter ift immer nodj Cb» monbo Se Stmici«. Sein „Cuore“, ein ©ucp für bie Jbiabenwelt, ift in groei 3op*en gut adjtgigften Stuflage gefom« men, ein feltener unb in Italien eingig baftepenber Satt. Siefe« 8udj iß in ein» fachet, berglicper, ja faß gu bewegter Spraye gefdj rieben. Sie Ctgäplungen unb ©efcpreibungen einiger unglfidlicßer Knaben rühren gu SprSnen. ttber warum eigentlich bie fotglofen 3»pre bet ftin* ber betbflßem? Serben bie« benn nidjt bie unausweichlichen Schmergen be« Se» ben« im 3fingling8» unb SKanneSalter tpun? 3m ©angen ift biefe« ein origi» nette« ©udj, welche« gut ©aterlanbSliebe, gur eprlicpen Strbeit unb gu liebreichen ©eßnnungen aneifert. Se Slmici« fpricpt nie barin oon©ott unb Religion, wo« roopl non ben Jfle» rifalen ßarl gefabelt würbe unb bie bähet bie betehrenben UnterpaltungSfchriften mit religiOfer Senbeng Cefare Cantü’s biefem oorgiepett. „Alle Porte d’Italia“ ift burch bramatifcpe Bewegung, Iebhaße ©efcprei» bung unb patriotifcpe« &euer Se Stmi» ci«' beße« Ser!. C« fottte ba« ©ucp ber 3taliener fein, hot aber nicht ben ber» bienten fünf erlangt. $wei ©flehet, Stemoiren ber 3c|tgeit, haben (Erfolg; biefe fhtb: „Memorie d’an vecchio avrocato“ oon So« menico ©iuriati (Cenetianer), Cf» beputierter be« itatienifdjen Parlamente«, unb „Arte ed Amori“ bon 9taffaeilo ©arbiera. Siefe« leßtpubtigierte ffiert ©arbiera’« ift ein flarer Spiegel ber litterarifchen unb Iflnßlerifdjen Iombar» bifchen ©efettfepaß ber jflngften 3«t. Sir ßnben barin Sichter, ffflnftler, ©atrio« ten, 3ournaliften unb mailfinbifche Cbel» bamen borgflglich wiebergegeben. Ser ©erfaffer Iannte petfönlidj bie Originale unb ergflplt biete pifante «netboten mit feiner eleganten ©ragie, welche allgemein an bem jungen Krittler anerfannt unb bemunbert wirb. Ser begaubernbe Stpl, bie jugenblidje ©oefte unb ftrifepe, welche biefe« wie alle Serie ©arbiera'« lenn* geidjnen, machen, baß fein Stuf al« biel» berfprechenbet, wirflich genialer Schrift* ßetter immer mehr, auch iw StuSlanbe betbreitet wirb. Sie gerichtlichen Stubien machen in 3talien bebeutenbe fjrortfchritte. 3*P be» fchrfinle mich barauf, bloß einige neue ©eröffentüchungen auf biefem ©ebiet an« gufflhren, mit bem ©orbehalt barflber ein anbere« Stal nilper gu fprechen. Sem ©ubligißen C. Sibaroni ban» len mir eine „ftritifepe ©efepiepte ber italienifcßen Sluferftepung*. Sie eifrige Schriftftetterin fflt a r i o hot gwei ©flnbe Aber Stgoftino ©ertani, bem thfltigen SHtlftmpfer ©aribalbi« in ber wunberbaren (Eroberung Sizilien« im 3ahre 1860, ber fcffentlicpfeit fibergeben. Crcole 8ticotti’8pintettaffene„@e* fepiepte ber frangöfifchen ©eoolu» tion 1789* ift nun an« Sage8lier lejt wirb ca. 20 bis 30 ©ogen unb ber ©rei« 150 3Rar! betragen. $ie feinerjeit feßr befannte fcßmebifcße ©djriftfteflerin Smilie 3lß9 at ^ C®*“ Idn würbe in biefem 3®ßrt 81 3atjre alt unb erhielt bei biefer ©elegenßeit Oiele ber Stnerfennung. 3« biefem 3®ßw feiert fie audj ißt 50jäh¬ rige« 3ubiläum al« ©cßtiftftelleritt. 3nt 3aßre 1838 erfcßien nämlich ißr Crft* lingSmerf „SBalbemat Klein* unter bem pfeubontjmen tarnen „grau g.* — 3ß* „fRacßemte meine« 50 jößrigen ©djrift» ftellerwege«* ift jeßt ooüenbet, unb ba« leßte Heft enthält eine oon ©irger ©cbolbftröm, ber in bem Sarldnfcßen Haufe immer ein feßr geflößter Sreunb war, Oerfaßte ßeben«fcßilberung 2frau Sarldn«. eine fritifcße Hnalßfe ihrer ©Triften ift e« nicht, fonbern eine fet)r juoerläffige ©djilbetung. Seftor ernft Sarifon in ©otßen* bürg bat oon bem fietterftebfcßen Serein «uftrag erbalten, «rcßioforfcßungen jur ©efcbicbte Sari XII. oorjuneßmen. 35iefe« ftebt bamit in Serbinbung, baß er ba« große SBerf feine« ©ater« „f£ie ©efcbicbte Schweben« wäbrenb bet Könige be« ©ßal* jifcßen $aufe8* abfcbließen foH unb baß er oon bem Herausgeber be« großen beutfcben ®efamtwerfe« Heeren & Ubett „©efcbicbte ber eurobäifdjen Staaten*, ©ebeimrat ©iefebrecbt, 9tnftrag erbalten bat, bie oon feinem ©ater angefangene ©djilberung Sari xn. ju oollenben. „$)a« norbifcbe SRufeum in Stodbolm* ift ber Xitel eine« bracht« oott auSgeftatteten Hef*^» entbaltenb Stimmen au« ber ffrembe, Sluffäße über ba« SKufeum Oon ben SJeutfdjen 3- Krauß unb ©. SReftorf, bem Belgier 3« Sieb* recht, bem 2)änen SR. ffltejborg, bem Hol* länber 0. oan Ufforb, fowie bem 3>" n * länber 3* Xopeliu«. ©eigefügt ift „Süßtet bureb bie Sammlung be« HRufeumS*. ®ie Hufföße teilen eine Stenge mertootler Äuffcßlfiffe mit, bie ein 3eber mit ©er* gnügen lefen mürbe. Sine moberne Slftßetil ift bie au« bem ©ßlbenbalfcben ©erläge ifingft er* febienene „Äftßeti! in Umriß* oon CI. UBilfen«. $ie Strbeit giebt eine flat bargefteüte Überließt über Kunft unb ©oefie. j ©eine Arbeit rußt nießt allein auf Sot* KritiT. 869 ff ungen beutftf»er ©elebrten, fonbern ent- i hält auf bie neuen Zbeorieen, welche in | unferen Zagen aufgetreten finb unb bet I Äxitif neue Stiftungen angewiefen haben. j Somit bebanbett ber Sßerfaffer Spencer j unb Zaine feljr eingebenb unb legt bie | Übereinftimmungen unb 0bmeif ungen J ZaineS mit 3ula8 Zbeorien bar. 0m 14.3uli erffien bie erfte Stummer eine? neuen rabifalen fogialiftiffen Or¬ gans in Kopenhagen, unter bem Zitei j „SBaS wir wollen?“ ®S wirb öongrau | 3obanne Steuer rebigiert unb bie Stebaf« tionSauSwabl befteljt auS grau Watbilbe Sajer, gräulein STZaffi ©nfn, grau Sine Sublau unb gräulein Stnna Sielfen. Zie 3eitffrift wirb gmeimal monatlif er* ff einen unb lümpft für bie @feif beref * tigung ber grau mit bem SJtanne, 8et- meibung beS Krieges burf Sf iebSgerif t unb gleife fRefte unb 0nfprfife für 0He auf bie ©üter beS ©emeinmefenS. — Zie ffmebiffe 3e*tffrift „SorwärtS' ift gleif geitig eine 3eitff rift für bie freie ZiSTuffion geworben. Seibe 3eitff riften beigen eine neue frangöfiffe 3eitffrift „la Revue scientifique des femmes“, »elfe ein äbnlifeS Programm bat, will* Tommen. Zle neue SooeHenfamntlung beS finni- ffen SfriftftetterS Karl 9. Zaoaft* ftjerna enthält üerffiebene Heinere Cr* gäblungen unb eine grOgere ,3« Ser* bftiftungen", roelf e bemSuf ben Samen gegeben bat. Ziefe ©rgäblung geifnet baS ©ilb eines jungen SJtanneS, ber, um in ben eleganten Greifen leben gu TOnnen, worin er einmal eingefübrt ift, ftf burf immer neue Sfulbberpflif* tungen aufreft halten mug, bis er gu- lebt .eine lebenbige Obligation' wirb — unb ftf b'tauSreigen mug, um naf ber neuen 98elt gu flüften. Zie Zppen, weife wabrff einlif für ginnlanb faral* terifHff finb, wo es, wie eS ff eint, leif ter gebt oon bem ©elbe anberer Seute gu leben, finb Har unb fein bargefteOt. Zag ber Sfauplag ber SooeDen ginn* Ianb ift, merft man aus ber STiggc „Stig* berftanben", ein ©ilb aus bem Sf ulb* arreft in St. Wifel, wo ein ruffiffet Solbat in Übereilung einen finniffen Sauer erff iegt, weil er bom genfter beS ©efängniffeS fn um eineJfleinigfeitZabaf bettelt. Za ift febr biel ©baralter in biefen ff nett f)ingett)orfenen Zppen, Welfe beweifen, bag Zabaftftjerne hier ein ©ebiet für feine Sf ilberungen finniffer Zppen unb Serbültniffe gefunben bat. »SBablfabrt unb ©anberjabre', ©ebiftebon©erner bon $eibenftam. 01b. ©onnierS ©erlag in Stodbolm. Zer Zebut §eibenftam8 ift ohne Stueifel ber gtüdtiffte, weif er in ben lebten 3ab* ren borgefommen ift in ber ff webiffen Sitteratur. Wan Tann aüerbingS febr biel gegen bie Sammlung einwenben, aber $eibenftam bat bie ungemöbnlif e ©igenffaft, boUlommen reif gu fein in ber 0rt gu feben unb gu fühlen, folglif auf in ber 0rt gu ff reiben, ©t ift ein auSgebilbeter unb feingebilbeter Künftler, ber feine ©inbrflde auS bem Seben felbft nimmt unb eS berftebt, einen feelenboüen 0uSbrud gu geben; er ift ausgeprägt in ©erbienften wie in gebient — baS ift mit einem ©orte nif t ein neuer ©üf er* ff reibet, ber mit ihm aufgetreten ift, fon« betn eine neue ©erfönlif Teit unb gugleif ein neuer unb wahrer Zif ter. Zer 8er* faffer war früher Waler unb baS merTt man auf an feinen ©ebif ten, feine Huf* faffung ift fortwübrenb bie eines mobernen Äolorifien unb feine ©ebifte erinnern an bie ©infelffibtung fflblänbiff er 0qua* reüiften. Zie ©ebifte ftnb auf febr mufiTatiff, man Tann fte mit bem 8ioI* fpiel eines gtgtunerS bergleifen. Sie finb leibboü unb freubbofl unb gugleif emft, eS ftnb geblgriffe unb Ziffonangen ba, aber ©bataTter haben fte. 0m 22. 3uli ftarb plOglif (burf Setbftmorb) in Kopenhagen bie beTannte 870 Jtritit. fdjmebifche'Schriftftellerin Stau ©ictoria ©enebictffon, meldje unter beut ßfeu* bonhmenKamen (Ernft Ahlgren fdjrieb. Öleboren int 3ah« 1860 Derljeiratet fte ftd) fe^r früh mit bent ^oftmeifter ©enebiftffon, einem filteren SSitmer mit mehreren ftinbetn. 3h« SRutter mar eine feljr altmobifdje, ftreng religidfe Same, bet ©ater hingegen $og oor, baß fte in Rreiheit auftoachfen follte, fte ge* noß beShalb auf bem Sanbe ein ener* gifcße# Seben in ber freien Statur. SIS junge Rrau lebte fie in ber Ilrinen Stabt Sfaane, too ihr ©tann angefteüt mar, ein fehr einfame# Seben. Schon früh fing fie an SdjriftfteQerin ju rnerben; fie fchrieb für Detfchiebene Bettungen nnb 3eitfcf>rifte«, ja fchrieb fogar einen fehr Aberkannten, melobramatifchen Stoman .Sirenen'. 3« ihrer (Einfamfeit befaßte fie fich Diel mit ber neuen Sitteratur in Dönentarf, Stör« »egen unb Schweben, unb biefelbe hatte großen (Einflug auf fie. 3m Sah« 1881 mürbe fte aber feljr ftanf, mar jrnei 3ahre bettlägerig. Unb Don biefer £ranfheit mürbe fie nie recht geheilt, fte ging nüm« lieh feitbem auf Ärücfen. Die Äranfheit brachte ihr auch Weitere Schatten in ihrem Seben, fie mürbe melancholifdj. Stach* bem fie einigermaßen ton ihrer ftranf« heit geheilt mar, fehnte fte ftch in bie SBelt ju jiehen. SJtit ihrem Spanne traf fie beShalb bie Übereinfunft ju* fünftig für ftch felbft jit forgen, unb fie reifte ab. 3» ftopenijagen unb ©ari# machte fie ©efanntfehaft mit Derfchie* benen bebeutenben ©tfinnern. 8on ber fchmebifchen Afabemie befam fie übrigens frftter 600 fronen als Anetfennung für ihre fchriftfteQerifche ÜBirffamfeit. (Dbmohl fie fortmdhrenb Rortfchritte in ihren Ar* beiten machte unb mehr unb mehr Sin* erfennung genoß, fühlte fie ftch bo nie bie eigene (frfdjütt’rung barl 3cfj Yann im ?iebe feinen Ga Ido ebren, Öür einen Galoo fcab r icb nidjt* ott Ö^brenl §offett wir, bag Scpegarapd $icpterlraft niepi ermatte, ba Mappael ffialüo ihm fe^lt, ber ihn fo oft gu feinen wunber* baren Dramen begeiftert unb ben jeber Spanier jefct mit Spränen nennt ben Äolog ber fpanifepen 8flpne. 3oh- gaftenratp. ^ortugiefifppotpefen, Spnipefen unb Analpfen enthielten. Sd fepeint mir gu oiel oereinigt in einem befepeibenen Sanbe. Sd bleibt bem unparteiifepen Sefer überlaffen, pinfiepttiep biefer anbern Ipefe bie Sntfcpeibung gu treffen.' — S)ann füprt ftep bad Sucp burep „Um balanc4“ ein — eine Srgäplung, aud welcper maneper ScpriftfteHer einen brei¬ ten Montan geformt hätte. Sie iff aud bem portugiefifepen Seben peraudgeftoepeu. Äritil. 873 unb beljanbelt eine ©efeUfcfjaft am „Sexta-feira dos Passos.“ (Ser jWeite Freitag in ben' haften, bet in Siffabon burdj eine großartige Vrojeffion gemeint wirb, bie oor Saljrjeljnten non flaffifc^er Vebeutung War.) . . . Marcava — se a sexta-feira dos Passos como era e dizia — se vulgarmente: „isto succedeu ha tantas Sextas feiras de Passos“ (jener greitag galt als 3ettred^ttung — wollte man ein (SreigniS beftimmen, fo fagte man woljl, ei fanb ftatt oor fo unb fo oielen Freitagen ber Vaffion). Seljr fdftlic^ ift bie ©aftgeberin gejeid)net: „Sie SBitwe S. Anaftafia war in ber 3eit, oon ber tdj fprec^e, oietteid)t fünfzig 3faljre alt 2JHt $ilfe eineä §äubdjen3, baS bamalS bie falfc^en 3öpfe Oon SBalb* wolle erfeßte, unb mit einigen djemifdjen ffunftmitteln Wußte fie fidj berart lj«iU‘ rieten, baß fte oon SRichteingeweiljten für eine gute Vierjigerin gehalten wer» ben fonnte — jumal abenbS. ©ie war ftifdj, munter, mit jenem portugiefifdjen ©alj, baS bie „fiafjlauer* erraten ließ, bie ei# Oiel fpäter SDtobe würben, ©ie errötete nidjt bei gewiffen SCBortfpielen, unb eS gehörte ju iljten fcßönften Seben8« freuben, wenn fidj auS iljren „balancds“ Verlobungen entwicfelten. „Siefe Same, bie (Eltern unb ©atten beerbt Ijotte, oerftanb ei, allen Vewerbern Stoß )u bieten, ©ie fagte, fte f$&ße tljte grei^eit unb würbe fte um leinen VreiS jemanbem opfern, ber möglicher« weife bie Afdje ifjreS geliebten Vento Antonio oerunglimpfen lönnte. Vei biefer ©etegen^eit ftanb i£>r immer eine Sfjräne jur Verfügung, eine waljre ober eine falfdie. .... SaS©littageffenglänjte weniger burdj auSgefudjte, belilate ©eridjte unb reijenbe Arrangements als burdj reidj* lidje unb nahrhafte Äoft. VortugiefifdjeS ®ffen: 9teiS mit 3flie8mufd)eln, ein prädj» tiger, großer 2rifd| mit @ffig unb ßl gelobt, bie appetitlidje Samprete, ßrabben« paftete, gebadene <5eebutte mit Settitß* falat unb bie ViejentrpftaUfdjale ooü SKeljlfpeife, — Duittengelee, Viroäpfeht, Slflffe, getrodnete Stauben (bie Vefte ber Vorräte oom Dbftmarft in Sampo ©ranbe), Sanb- unb Vortwein, Kaffee unb ber llaffifdje Simtliför ... ©S war lein feines Siner mit einem ,Henu‘, aber eS war ein gutes, unb oor allem ein Weiteres, froljeS 9Jla^l trnp ber V a f* fionSjeit* . .. SKit feinem ©pott geißelt er bie in« bioibuetten ©djwädjen; jebe einzelne Ar« beit umfließt eine fiepte ober einen Verweis, ben aufmerlfame Sefer ljerauS* füljlen. Sobo be VulljöeS hat nie ge» fdjrieben um ju fdjreiben, er fjat ftetS einen wichtigen lulturellen 3t»*d im Auge. Am bebeutenbften ift er als politijdjer ©djriftfteller. Les Colonies portu- gaises (in reinftem franjöftfdj gefdjrie» ben) Ijat großes Auffeljen erregt. @8 ift eine gefdjidjtlidje unb ftatiftifdje Arbeit bon Ijoljem SEBert, auf bie SSidjtigteit ber flberfeeifthenßolonieen ßinweifenb unb ben SHutterftaat anfpornenb, auf bie geiftige AuSbilbung ber Vewoljner jener ©egenben einjuwirlen. ©ie brachte bem Verfaffer bie golbene Slebaille ein unb bie SDtitglieb« fdjaft Oieler litterarifc^er ©efeKfdjaften. Auch A fazenda Publica de Por¬ tugal oon 9JI. @. Sobo be VulßdeS, bie ftdj mit ber fjinanjlage beS ÄönigreidjeS eingeljenb befdjäftigt, — bie er burdj feine jahrelange Shätigleit imSKinifterium ber Äolonieen genau lennt — warb oon ber einljeimifdjen unb auswärtigen Vreffe mit bemerlenSwertem (Erfolge aufgenom« men. SaS Bulletin statistique, baS Journal des r«(niferroifcf)= baren Vorjug einet gewifien Vornehmheit juerfannte. @3 War ein Steftdjen be§ ©tauben§, bafj unter ben europäifchen Sta* tionen bie franjöfifcf)e bie eigentlich» ariftofratifdje Station oorfteHe, bafe bie Vorherrfchaft granfreid)§ in ^ßotitif, S'unft, SJtobe u. f. w. ein Sollwert gegen bie Verpöbetung unfere§ ©rbteilS bitbe. 3n einem anberen Silbe gesprochen: bie mitbere Sonne granfreid)§ wehre ber Sergtetfcherung @uropa§ in allem maö ©eift unb SebenSart unb Sitte betrifft. 3njwifchen hat fid» biele§ Peränbert in ber 2Bettgefcf)icf)te unb in ber SSertung ber Stationen, ©ie granjofen hoben, mag ihnen ihre britte Stepu- btif auch fonft an Sefriebigungen eingebracht hoben mag, jebenfaHS feinen 3uWach§ an Vornehmheit unb großzügiger SebenSfiihrung ju terjeicfinen; bie Organe ihrer öffentlichen SJteinung finb mit ihren potitifdjen Sitten ju= 876 (Eonrab. feßenbS berwilbert. 3h ce (Einbuße an attererbten Kulturgütern ift ebibent; fte fprecßen aud) wenig mehr bon ftcf) als bec großen Station unb bon ihrem SRarfdj an ber ©pifce ber 3toiltfation. Stur ißr (Staube an eine 3ufunß bofl tounberbarer SBenbungen unb Stußchwihtge ift unerfdjüttert geblieben. Unb Wir, bie muftertjaften Xeutfdfjen? — 2Ba8 unfere ©orfahren fo lange erfeßnt unb in ben Xräumen unferer Xidjter erßhaut, Wa8 wir in politifdfjer 3^rvi{fenßeit unb ©djmadj atS er* löfenbeS 3beat empfunben: baS ßaiferreich unb mit ihm (Einheit unb SRadEß, Stuljm unb (Stanj nach außen, eS ift erreicht — unb tbir rfiften Xag unb Stacht, baS (Erreichte ju wahren unb gegen ben feinbtictjen Stadjbar ju berteibigen. Unb bod) tönnen bie ©eften unter unS ber quätenben ©mpßnbmtg nicht lebig werben, baß ber gtänjenben ©ctjate noch baS SBertboßfte fehle, ber redete Sntjatt, ber gefunbe, fefte Kern, unb fc^on erftefjen ©ittenprebiger unter unferen 3üngften, bie mit bergrämter unb jorniger SDtiene fünben: Stucß baS beutfctje ©off ift bem gleichen ©djidfat berfaflen wie fein Stach bar, gegen ben eS ßdj rilftet; benn eS ift bom redeten SBege gewichen unb in 3rrniS unb ©erWitberung geraten! (ES iß in ber Xhat fein erhebenbeS ©itb, baS unS baS politifctje Xeutfdj* lanb gewährt. SBenn unfere öffentlichen Organe in ber ©reffe, in ben ©arla* menten unb im ©arteileben erweifen müßten, baß ße muftergebenb für ®u* ropa geworben, baß fie imftanbe feien, ber ©erroljung ber ©itten, ber SStaterialißerung unb ©erpßilifterung ju fteuem, baß bie beutfdfe SteiißS* bürgerfdjaß als ariftofratifcßfte Kulturmadjt jejß an ber ©pifce ber 3ibiti* fation granfreitßS ©teile einnehme, baß unfer Steidj baS äußerliche ©anb aßet großen, ftotjen, freien heißer unb bie erßattenbe Kraß für aßeS bitbe, WaS baS Sehen erft tebenSWert, fdjön unb bomehm macht: — wahrhaftig, unfere Öffenttidjfeit fäße ß*d bicfcr Seilen; geloiffe ©fjrafen, bie eigene lieh fc^on Iängft ju ben toten ©Zeinungen einer übemmnbenen ©orjeit ber* fammelt fein foüten, liegen noch immer einer roaf)rf)afteren, empirifchen gorfcfjung als ©teine beS Anftofjeö im SBege. Xer Sem ber Ausführungen ©ornhalS ift enthalten in biefen SBorten: „SBir berlangen auf ber ©üljne ni nen «ne tieferbeutenbe Seite, einen fpmbolifcßen ©eßalt — unb finb bocß ganje echte SJtenfcßen, ebenfo wie bie §anblung in beftimmter ©eftalt borwärtS fcßreitet, aber Oon geiftigem Obern befeelt Stucß bie ©e* banfenhanblung entwicfelt ficß organifcß; bie ©ebanfen, bie in einem Äfte breit unb fdjeinbar planlos auSgeftreut finb, werben im fotgenben in be* ftimmten ©eficßtSpunften bereinigt, unb am Scßluß werben bie Vefultate in ©runbgebanfen jufammengefaßt, bie alles frühere in ftd) einfcßtießen. Die äußere unb bie innere ©ntwicflung ftnb in tounberbarer ©eife geeint Slber was finb bie ©runbgebanfen biefer beiben ©eiten? Die ßofungS* Worte ber alten ©eit finb Sitte unb Orbnung, benn ißre beftimmenbe ©gen* tümlicßfeit ift fRücffichtnahtne auf bie Verhältniffe, auf bie gewöhnlichen Sin« fdjauungen beS SebenS, nicht ber ©unfcß freier ©itwicHung in ber ©aßrßeit Darum ^errfcßt bie Süge in ißr, inbem man unbequeme unb befcßämenbe Xßatfacßen berhüHt, barum bie geigßeit, inbem man fuß nicht gu feiner SWetnung ju befennen unb mcßt bie ©aßrßeit ju fagen wagt ÄtleS beur* teilt fie nach Xßeorieen jeben gaH nacß bem allgemeinen HÄaßftab, fo j. V. bie Sittlicßfeit eines eßeticßen VerßältniffeS nicßt nacß ber $ergenSliebe, fonbetn nacß ber tircßtidjen Xrauung. Slber für all ißre engherzigen Änfcßauungen $ettrif gbfen« @etfte 8 enttmobne wirb bie ©erbeiratung be« SBerle sen. mit einem febr jwei-' heutigen Srauenjinimer, por ber fie fiel) gegenfeitig ber ferneren ©ebaglicf)' feit falber aH ihre ©iinbeit befennen, neben ©reger«’ ehrliche« ©treben gefteüt! Eine Wahre @b c unter ben ©fbal« ju grünben ift ©reger«’ ßiel, e« ift alfo ba« 3iel ber „9lora", aber nicht ba« 9iefultat, fonbern wie bie Per* fdjiebenen SÄenfchen jene« Qitl unb jene« ©treben auffaffen — ba« ift hier bie fjauptfadje. $ie unentwicfelten äRenfdjen l)abeu feinen Sinn für bie ibeale Sorberung, jumal wenn fie in fteter 9tot um« ©afein fämpfenb, ficb nicht jum ©eiftigen erbeben fönnen. ©o ift e« mit ber ungebitbeten, Per* ftänbni«lofen, aber tüchtigen ©ina, bie wahrhaftig burch ftete Arbeit für ihren SEWann ihren gefü^nt bat; fo ift e« auch mit ©fbal. Gr ift ein b^ltlofer SDtenfd) ohne StrbeitSluft, Perfümmert burch bie ©erbättniffe, ohne ©elbftänbigfeit, ein SRachfcbwäfcer, uitflar — bi« in« ©efübl, wa« hier juerft bei ^bfen in aller ©djärfe bcrPorgeboben wirb. Gr empfinbet ein ©efübl nie au«, fonbern Perfekt e« mit ber ©ejiebung auf fein Sdj, »er* mifd)t e« mit ©elbftbewunberung unb ©elbftbemitleibung. ©brafenbaft jer* flattert ift fein ganje« SBefen. Gr treibt nicht« mehr emfthaft als eine grofje Spielerei: bie Slnlage unb Unterhaltung eine« SagbrePier« im ©obeit= raum mit Kaninchen, kühnem, Xauben unb Por allem einer SBitbente. hierin begegnet er ficb mit feinem ©ater, beffen Slrt ebenfo in ütrunffuebt unb Spielerei bi« jurn Äinbifdjen Perjerrt ift burch feinen einftigen Soll- Sn biefer SBelt fann bie ibeale Sorberung feinen ©oben finben; man laffe ihr bie geringe ©e^aglic^feit, auch wenn fie auf Büge gegriinbet ift. 35ie ©errottung im äufjerlid) glänjenben Beben ift burdb SBerle sen. unb Srau ©örbp mit ihrer ©efeUfcbaft Pertreten, unb biefe ganje @umpf= Welt ift burd) ben lüberlichen 5)oftor ©eOing jum ©tjftem erhoben. Sb m ftnb bie S^eate bodjgefteigerte Bügen ihm ift bie ©erfönlid)feit eine Slbnor* mität, bie Seben«lüge, b. b- bie ©rünbung ber ©erbältniffe auf Büge unb Unftarbeit ba« ftimulierenbe ©rinjip, bie ©runblage jeben Beben«. SBir feben, ba« ift aud) eine moberne SBeltanf^auung, aber nicht eine au« bem $enrit 3Men8 ©eifteäenttoidlung unb Sunff. 887 ftillen 3 u fanft8gahren, fonbem eine au8 ber Verfommenheit ber 3cit ge* fdjöpfte. ®abei aber ift Stelling in feinem Greife ein abgefdjloffener, ftarfer unb fluget SDtenfd- Sie Verfümmerung ber ^nbibibualität h at 3bfen !aum je fo umfaffenb bargefteHt. Unb biefen gebrodenen SJtenfden gegenüber fteljt bag fi'inb $ebmig, eine rührenb fdöne ©eftalt. 3h* e teibenfdjaftlidje Siebe ju bem oergötterten Vater abelt dre Seele» für ben ©ebanfen ber neuen Seit: bie Aufopferung; unb fo oerbreitet fie über bie bumpfe, fdjrecfliclje ©c^Iiifjfjene etmag oon ber ßpferftimmung be8 großen Vetjeiheng melde bet franfe ©regerg forberte. Sieber ift eine neue ©eite beb mobemeu 2eben8 au8 gbfenb ©runb* gebanfen heraug betradtet, unb mieber hat dm bie ©rmeiterung be8 ©e* fidtSfreifeS neue ©eftalten gefdaffen. SDtag Serie sen. an Vernicf erinnern, bie anbern Figuren finb eigen unb neu, unb oor allem fteljen SJtolüif, ber Oerfommene Ideologe, ©ina, Gfbal, ber franfe gbeatift ©regerg, ber ÜDtaterialift Stelling unb ihnen gegenüber bie rüljrenbe §ebmig al8 neue lebengfräftige SRenfden Oor ung. 3um erften SDtale ift in aller ©därfe mit einem eigeng geprägten Sorte: Sebenglüge ba8 ftimulierenbe ißriitjip beg nieberen Sebeng aubgefptoden. Vor allem aber ift ^ier bie groge Vertiefung ing ©effiljt gefdd en , ing tieffte ©ebiet menfdliden ©eing. Stidt einfad Aufopferung mitteig beg Silleng, fonbem bie „Dpferftimmung beg großen Verjeiheng" fott bie Seit ©fbalg erlöfen. lief metandolifd ift bie ©runbftimmung biefeg ©tücfg, unb ein trau* riger $aud burdmegt aud bag le|te ®rama ber ißeriobe: „Stogmerg* golm". $roH, ein edter Vertreter ber alten Seit in ©tauben unb ©taat, forbert Stogmer, einen ehemaligen Pfarrer auf, fid an ben Kämpfen ber ©egenmart burd Stebaftion einet fonferöatioen Leitung ju beteiligen. Stad einigem 3öfletn entbeeft biefer ihm, bag er nidt mehr auf bem alten ©tanb* punft Oerharre, bag er, ohne einer ißartei anjugehören, feinem Sebengberufe genügen molle: geiftige Abelgmenfden burd ein mirflideg Volfgurteil in ßäuterung beg Silleng unb Vefreiung beg ©eifteg ju fcf)affen, ©ntfefct fünbet ihm ShroH bie greunbfdaft auf unb broht, ihn mit ©emalt jurücf* jubringen. Shird mehrere Umftänbc oeranlagt, fommt er nod einmal mieber; er teilt Stogmer mit, bag beffen grau Veate, beten ©elbftmorb fdon im erften Afte angebeutet mar, fid Oor ßeiten getötet habe, meil fie Stog* merg Abfall oom Äinberglauben gemugt unb oermutet habe, bag er ein intimeg Vergältnig ju feiner §aughälterin Stebeffa Seft unterhalte. Ver* gegrenbe gtoeifel brohen Stogmerg Siltengfraft ju oemidten, unb ba Stebeffa 888 &üfjnemattn. ihn burdj Selbftquälereien roegen einet eingebitbeten Schulb fotoie burdj bie gemeinen Angriffe Grolls leiben fieljt, fo gefielt fie, bafj fte ©eate in ben Xob gelocft habe, »eil fie StoSmerS Kräfte in bet unglücflichen ©(je öerfommeu falj, fetbft aber im ©ereiti mit iljm für bie 3utunftSgebanten }u arbeiten gebaute, aber als SRoSmer ben ©lauben an SiebeHa toertiert, in bem feine Starte gelegen i)at, ift feine Äraft gebrochen, er entfagt feinem Sehenswert, er glaubt nic^t mehr an feine 3äf)igleit ( SJtenfchen ju abein. 'Da erflärt ihm StebeBa, wie fie öon wilbem ©erlangen nach ihm getrieben im ©irbelfturm ber Seibenfdjaft getjanbelt höbe, bann aber, al§ fte ifjn näher lennen lernte, burdj bie geinheit feiner Statur, feines ©emüteS auS »itber Seibenfdjaft ju füllet, entfagenber Siebe erjogen fei. ©r aber (ann iljr nic^t glauben, eine ©tobe ift nötig, fie mufj, um iljm mit bem (Stauben an fie, bie er geabett Ijat, ben (Stauben an bie ©tögtidj« {eit feines SebenSWerfeS »über ju geben, in froher aufopferung gleich ©eate in ben Xob gehen. Sie ift bereit, ba erfennt er, bafj in iljt fein Sehenswert, fein Selbft boüenbet ift, unb Vereint mit itjr ftirbt er im SRüljte teidj, »o feine grau iljr elenbeS Sieben enbete. ®afj bie SÜebrigfeit beS ©eifteB oielfadj aus armut unb ffilenb ftammt, »ie ber „ÖoltSfeinb" lehrte, »ar in ber „©ilbeitte" bargefteHt Die Sehre beS ©otfSfeinbeS über bie entgegengefepten SRenfdjen prägt ftc^ in StoSmer auS. greifinnigfeit, ©ornehmljeit, Sittlidjfeit ftnb feine (Elemente, ©ie jener will er allein, über ben ©arteien ftetjenb, — benn im ©arteitreiben geljt baS ©bie beS SKenfdjen jugrunbe — ein gropeS, öffentliches SebenS* wer! öottenben. ®tefeS aber ift weit tiefer als baS beS ©olfBfeinbeS, unb herrlich ift eS, wie mit ber ©ntroictlung StoSmerS ber grope ©ebanfe immer tiefer auS bem ©efühl erneuert wirb, ©ieber geht bie gnbitoibuatentwict« lung mit ber gbeenentwicflung §anb in £anb. ®oS ©efühl ber frohen Schulblofigleit foU bie SDtenfdjen ber neuen ©eit tragen, tiefer StoSmer mit feinem heiteren ©rnfte, mit feiner fitttic^cn geinheit ift eine Wunber* bare Schöpfung. ©r ift — vielleicht ift eS ber einzige auSbrucf, ber fein ©efen bezeichnet — er ift eine fchöne Seele, aber feine weiche Statur, heröorgegangen auS einer torreiten ©hrenmännerfamilie, hüngt mit beren überlieferten ©igenfehaften $u eng jufammen. übertrieben fein ift fein fittlicheS ©efühl, ju leicht fühlt er fich fchulbig, unb, oon Zweifel oerjeljrt, taugt feine Seele nicht ju thätigem Sehenswerte. SJtit bem ©ertuft beS ©efühlS ber eigenen Schulblofigleit fühlt er bie Unmöglichteit, biefe ber ©eit als ©rlöfung ju prebigen. ®ie alte 3«it, bie ©ererbung — h* er Hingt ber ©tunbgebanle bet ©efpenfter an — wirft fein neues Streben nieber unb zeigt ihm feine Dh nma $t- Sübetta aber lehrt ihm ben neuen $rnrif 3fcfen$ (Seifiedenttotdlung unb Äunft. 889 ©ebanten, bei bad SRefuItat ifjreg Sehend ift: bie entfagenbe Siebe, bei grofje ©dimerj, in bem bie Säuterung bei SJtenfcfien ju fieiem Sehend' weif fid) ooUjiehen foll. ©o mufj er fethft entroidelt »erben, ehe er ein Sezier bed Söolfed fein tann. Sad ift bie graufam oerurteilenbe SRahnung bed ©djaufpield. Siefe SteheRa, bie in wilbbewegter Vergangenheit einen leden SBiHen unb einen ftarten ©eift erworben, bie bann ebenfaHd ihre Ohnmacht im Erwachen Wafjtfdjeiulid) ererbter ©innlidjteit gefühlt, bann im SSivbetwinb ber Seibenfdhaft burd) Verbrechen gegangen unb in Entfagung ihr Sehen gefühnt, ift ebenfalls eine wunberbar tiefe, eine herrliche bid)terifdje ©eftalt Vodmerd ©eelenfeinheit hat fie geabelt, er lebt in ihr. Wie Veer ©pnt in ©oloeig, nur, baf} h* cr ber 2ßann wirflid) ber ©djaffenbe ift, fie hat bie Eutwidlung burdjgemacht, wie Rgned im „Vranb", fie ift jur Entfagung gclommen, aber bad ©tüd ift barin getötet. tiefer tiefen, Werbenbeit S33elt gegenüber, fieht bie alte in ftroQ. Er ift ein tonfequenter 90?amt bed eilten Oon feinen elften Rnfdfauungen, bafj man bie ©elbftänbigteit im Senten bed Volfed unb ber Sugettb ald ftaatd* gefährlich unterbrüden, aber bie anerlannten Sßaljrheiten halten müffe, bid ju feiner gemeinen Unbutbfamfeit in Überjeugungen unb auf fittlichem ®e= biet. Eng in ©ebanten unb ©efiihl, aber feft in feiner ©teHuttg. Um biefe Wenigen hanbelnben Verfonen gruppieren fidj bie malenbeit: bie grau £elfetb, 9todmerd ^mudhälterin, ein jurüdgebliebener 8teft einer längft abgeftorbenen ©ebanfenwelt, SRebafteur 9Wortendgarb, eine feinere gortbitbuug ber Vebafteure im „Voltdfeinb", ein gortfchrittdmann, ber aber burchweg mit ben Verhältniffen paftiert, unb oor allem ber lanbftreidjenbe 3bealphantaft Ulrif Vrenbel, eine fpmbolifd)e gigut wie SRanf, beren 5luf= treten bad Verhalten SRodmerd, ber feine ©ebanten ju lange für fich behielt, öerjerrenb parobiert SBieber ift eine Oor ber §anblung liegenbe uttglüdlidje Ehe ber ©ruub allen Etenbd, unb Wie in ben „©tüpen ber ©efellfdjaft", fo tann auch h* ev ein Veginnen, bad im Verbrechen feinen Urfprung h°t, fo ebel ed felbft gemeint ift, nicht gelingen. Rn ber Enthüllung biefer oergangenen Ereigniffe entwideln fich bie ©eftalten, ftroll bringt äußerlich immer mehr Ruftlärung über fie unb fpridjt babei feine Rnfdjauungen aud, SRebetta enthüllt bie tieferen SRotioe unb wieberum barin jugleich ihr Serben, ihre Rrt, unb burch bie Sar* legung ihrer Sntwidtung belebt unb oertieft fie IRodmerd ©ebanten. Ser gefamte geiftige ©ehalt ift wieber burch ben ©efidjtdpuntt ber Entwidlung eined neuen Sehend aud einem alten burdjbrungen. Siefe 890 ffüfynemantt. ©inigunq be« SRannigfochen in einer Stiftung, ba« ?(nbeuten ber aber* gläubifdjeu 93orfteltungen im ^intergrunbc, worin firf) »or allem bie »ererbte Seit au«fpricf)t, giebt bent ©anjcn toieber meifterhaft eine einheitliche garbe. Sie ift alles Slleinfte auSgeavbeitet! SRirgcnb« ift bie ©efdjloffenheit bc« S&ienfchen Dialog«, in bent fein Sort unroidftig ift, fo funftoott au«= gebilbet. tpcrrlid) ift in feiner liidenlofen ©»heit ber Sau be« ©anjen! Sir hoben gefehcn, wie bie großen Slnfchauuitgen 3&fen8f bereu ©nt* wicflung wir burri) alle Dramen »erfolgt hoben, hi« in ©efiihl unb ©emiit miinben. ^Iber baS ©rößte an biefent Drama ift ba« Seftimnien be« ganjen ©aug« ber .fjanblung buraupt unb weil)t fie ju feinem ehelichen Seibc im Dobe. Orr finbet in ißr, fie in ihm, ba il)r Sehnen rein erfüllt wirb, Serföljnung — unb bie ©inigung ber menfri)* liehen ©cfdjlerfjtcr, ba« 3nein«Werben tritt herrlich !)«&«• Sn bet Dljat — eine moberne Siebe«tragöbic, nicht ©ittwicflnng ber fchönett Seibenfdjaft, fonbern ein langfame« Sufnutineufügen »on ÜJianit unb Seit) in ©eift unb ©efühl nach fehwerftem Stampfe jur ^Befreiung be« inneren eigenen Scben«, unb in ihm wicber bie ©ernähr befreiter Snfunft! Die iämtlidjen gäben ber Sbfenfctieu Dramen laufen in biefem 311* fammen, aber atleS ift tiefer unb größer gefaßt. tpiermit befdjließe iri) bie 33efpred)ung ber einzelnen Serfe, nicht in ber Überzeugung fie irgenbwie allfeitig betrachtet, aber in ber Hoffnung, bnrd) treue Eingabe Wenigften« einige ber £auptgeficht«pnnfte gefuuben ju haben. Die „©cbidjte" bieten für bie ©rfenntni« ber füuftlerifdjen ißerfön- lidifeit SOfeitS fanm neue 3“gc, fie finb eigen unb reich on mannigfaltigen ©ebanfen, garben unb Stimmungen. Senn wir ttorf) einmal auf ba« Serben ber großen ißerföulidjfcit einen ©lief werfen, fo erfreut un§ junädjft bie wunberooHe Soufeguenj ber ©ntwidlung. 91ufgewachfen in ben überlieferten gormeit bc« Drama«, in ihnen junächft fcljaffenb, entwicfclte ber Didjter boch frfjon eigene ©ebanfen, ihrer 9lu«bilbung allein fchenfte er bie Straft feine« ©eiftc« unb erweiterte bie errungene Seltan* fdjauung immer mehr ju einer 2ebeu«anfie britte ißeriobeaber arbeitet in bem Stile ber ber Sßeujeit eigenen ©ramatif. 3eber HRenfch trägt in feinem Haupte eine lange ©ntwidtung ber 3eiten, unb je mehr 3^iten fein (Seift umfpannt, je flarer er öor allem bie jufunftdfräftigen ©ebanlen ber eigenen 3cit audgeprägt hat, um fo größer ift feine 93ebeutung. 3&f en ift eine rechte ©eftalt ber Übergangdperiobe. Sludgeprägt ift in ihm ber Äantpf einer alten nnb einer neuen Seit. Unb bie unheimliche SRadjt ber alten über bie ftrebenbe neue — bad ift eind feiner Hauptprobleme: bad Problem ber Vererbung. So oerfolgt er bad Serben bed 3»bioibuumd bid in bcn Samen unb erfennt ed öon ©eburt an ald unfrei, ald bcftimmt. Seine Sluffaffuug bed nidjt beftimmten 3 n bi- üibuumd läßt fidj fo formulieren: ber üfteitfdj füllte in fraftOotlem ffigoid* mud, nur oou feinem ©eifte, nicht oon ben SSer^iiltuiffen geleitet, fidj jur ißerföitlidjfeit erjieljen unb, unbefümmert um alle 93oruievt^eit, üoH felbft» benutzten 2Wuted, feiner fßerfönlidjfeit gemäß im Seben mirlen. Statt beffen aber fudjt er nur aUju oft bie Sidjcrung feines Selbft, nidjt bie innere in Safjrtjcit unb Sret^eit, fonbern bie äußere in Sieidjtum unb ©laitj ju eigenem ©enuß. $)ad felbftfüdjtige Sidjem bed 3djd audj burdj fiügc, fdjließlich burdj 33etbredjcn, bie Seigljeit gegenüber ben SRenfdjen im SSertufdjen unangenehmer STjatfadjen, überhaupt bie ftete Stüdfidjtuahme auf bie SBerljältniffe ohne fRüdfidjt, ob bie Seele barunter leibet, bie burdjgeljenbe Unltarheit in Sin» fchauungen, fdjließlidj auch * ,n ©efüljl, welche bad menfdjlidje Seben berun* reinigt — all bad üerfolgt er, unb in allem erfennt er ald testen ©runb bad ©ine: bie SBerfümmerung bed inneren Sebendberufed, bie 3nbioibualität frei aud§ubilben. 3mmer abftrafter unb fdjärfer betont unb Oerfolgt er biefe SBerfümmerung ber 3bee, auf ber burdjgeljenbd bad moberne Seben gebaut, Oon ber ed menigftend ftetd jerfeßt ift. Unb meifterhaft jeidjnet er Oon bem erften * 1)00100 ber britten fßeriobe an bie fßhtafenljaftigleit bed Sehend, bie aUed fo fdjön berbedt, wie er fdjon im „©ranb" abftraft erwogen hatte. $)er Sebendbrang bed HRenfdjen jur ©rfüUung feined inneren ©erufed fcßlägt unbefriebigt in UnRarheit unb UnfUtlichfeit um; ber SRenfdj erfüllt ihn in ber Hu^abe an große ©ebanfen. 3 n Sahrheit unb Freiheit foU et 892 ftfifinentann. feine $erfönlid)feit au«bilben, benn ftc ftnb bie Statur feine« ©eifte« unb bie ©tü^en bec ©efeüfchaft. ©o leitet Qbfen« pfpchologifcße Anfchauung ihn ju ben ba« Seben beftimmenben ©ebanfen. gn einem freien Beben werben Arbeit«* unb Seben«freubigfeit bie Elemente ber SJtenfchennatur werben, unb ©ornehmheit, ©ittlidjfeit, greifinnigfeit werben ftch in bem ©elbftänbigen untrennbar bereinigen. Auf biefem SBege entfte^en bie gattjeu, bie gefunbeit Staturen, bie Car ftnb im ©eift unb im ©efüht, unb ihren eigenen SBeg mit herrlichem fitaft* unb ©elbftbewußtfein gehen, bie an ©toff unb ©erhält niffen flebenbe ©elbftfucht jeugt bie halben, bie glidnaturen. Aber wie wenige werben ju biefer ©ntwicflung geführt! Abgefehen bon ber Sererbung Werben bie meiften auch burch bie ©rjiehung bon bem rechten SBege ferngehalten. ©8 muß erft ba« Seben burch unb ©cßmerj bie SJtenfchen jur ©rfenntni« über fidj unb ihre Sage unb bamit über bie in ber ©efeüfchaft Wirfenben ©d)äben erWecfen. 8ber burch biefen ©dimerj geht e« jur Befreiung ber echten Statur! ®en SBeg ju ihr hat gbfen in ben fpäteren $)ramen noch eingehenbet unterfucht. ®a« ©efühl ber frohen ©chulblofigfeit Wäre befreienb, aber wenige fönuen e« hegen, unb fo muß bie Aufopferung, bie entfagenbe Siebe, bie Säuterung be« §er= 3 eit« burch fltoßen, Zeitigen Opferftnn eintreten. Unb biefe Aufopferunggfäljigfeit ift fchon Pon ber Statur entwicfelt im SBeibe, aber nur auf ihre Heine SBelt bejogen. ©o ift fte im kleinen bie ©oHenbung ber SJtenfchennatur unb bamit bie Serföhnung, ber griebe für ben SWann — benn ba« ©ollenbete giebt ftet« grieben. Unb wenn ber SJtenfch — fo führen wir bie eine Anbeutung ©ranb«; $>a« Seben, gretmb, ift eine Äunft! au« — bem inneren Seben«betuf genügt, bann wirb fein Seben jum Äunftwerf. £>armonifch Waffen feine Kräfte ju bem pfpchologifchen 3*el ber ffiotlenbung feiner Statur, unb mit ber ®urd}= bringung be« eigenen Seben« burch fltofee 3 u Hinft«gebanfen wirft er läuternb im Sinne ber 3utunft für ba« große Seben ber SBelt. 2>aS Seben aber, burchbrungen unb geabelt Pom ©ebanfen, wirb jurn Sunftwerf. ®a« ftnb in Äürje bie $auptgebanfen ber gbfenfdjen SBeltanfchauung, bie matt au« bem Porigen unb au« gbfen felbft ergänzen mag. ©« würbe natürlich ju weit führen, alle ©ebanfen hier aufjuteiljen, jumal bie, welche au« ber Haren, inbioibuellen Auffaffung jebe« SebenScreigniffe« fließen. ®cr Genfer Hört feine ©ebanfen unb fud)t ba« Seben immer wahrer ju perftehen. ®er dichter aber WiU nicht ©rfenntni«, fonbern ein ©üb ber SBelt, ba« um fo herrlicher ift, je Rarer unb helfet ber beleuchtenbe Sicht- ftraf)l barauf nieberf^eint. ®a« ©ilb, welche« gbfen au« jeichnet, tft tief $entif Sbfen« <&tifte«entn>t(flunß unb Jfunff. 893 unb mäht, benn eS umfaßt ba« menfchtidje fiebeu oon ben pfpdjotogifchen ©runbbebingungen bec 3nbiöibuatität bis in bie SBerfjättniffe unter bem* felben ©eficht«punft. Unb fo bringt er bei altem in bie Diefe unb »erfolgt eS bi« in« SBerben. 9lu« ber bargeftellten geizigen {ßerfönlidjfeit be« Sinter« erftärt fid^ burdjmeg feine föunft. Der umfaffenbe ©eficfjtSfrei« ift ifjre £>aupteigen- tümlid)feit. ©dfon in ber „Dorbifchen £eerfaf)rt" fehen mir ba« Sieben be« hetoifd)en Blatter« Dom nieberen {Bauern bi« ju ben gelben in berfelben Stiftung bemegt. Sn ben mobemen Dramen finben mir junächft eine Sötte oon ®er^ättniffen in ben firei« ber {Betrachtung gezogen, aber immer ein« fad)cr mirb bie $anblung unb erreicht in ben Dramen oon ben ,,©e* fpenftern" an bie t)öd)fte SBottenbung: im äußertid) tteinen Greife ein große« fieben ju fpiegeln burd) ©ebanfen in ber oben ausgeführten Sßeife, metche bie SRethobe ber bramatifchen ©ebichte mit ber ber mobemen Dramen Oer« binbet. G« ift fogar bi« in« Ginjetne ju »erfolgen, mie ba« SBachfen ber ©ebanlen ben Dramenbau bebingt, benn oftmals fehen mir ba« in einem Drama abftralt Grmogene in bem fotgenben fonfret bargeftettt. Den beiben Problemen, metche bem Dichter befonber« ba« $erj be« megen: ber Ghe — benn in ihr fott beS HRenfchen SBefen üottenbet unb barum ber ©ruub ber Degeneration gelegt roerben — unb ber Vererbung. — benn fie beftimmt ba« Snbioibuunt in befonberem 90?aße — h at n i e ein eigene« Drama gemibrnet, aber ba« jtoeite lieg fid) in feiner meitumfaffenben Gigenart behanbetn, unb nur ba« bem erften geltenbe Drama nimmt eine befonbere Stellung in SbfenS Dechnil ein. G« ift nach ®vt ber honbelnben Dramen im alten ©tite gebaut, aber bennoch jeigt fid) auch in *h m baS eigene ihmftfehaffen be« Dichter« ganz einzigartig, inbem er, mie fchon oben bemerlt ift, jebe Eßerfon ohne Dücfficht auf bie anbem ihren eigenen fBeg gehen läßt. Sn ben übrigen Dramen aber mirft bie geiftige Gigentümlidjfeit be« fonber« beftimmenb auf bie Dechnif ein. Um mit alter Klarheit bie DorauS* fefeungen attfeitig auSführen ju tönnen, ent)ält ber Dichter bie Diefe be« fion« ftitte« ftet« erft im jroeiten Wt. Smmer mehr mirb ber große ©ehatt, ber ju feiner Snforporation bie Serljältniffe be« Drama« fid) bitbet, ba« eigentlich übermiegenbe. Unb fo oerfchtoinbet enbtich ber mbioibueUe $elb. 3 n ben „©efpenftem", ber „SBilb* ente", „DoSmerSholm" tönnen mir feinen $elben anerfennen; hi« ift att*$ nebeneinanber gleichberechtigt, unb bamit ift bie höchfte Ginheit be« Drama« erreicht: bie Ginheit ganz i m ©«bauten. Gin fotche« Drama ift natürlich fchmeter einheitlich abzurunben, at« 894 Äfiljnetnanit. ein pfbchologifdjeS, toeteEjeö fich um bie Geibenfchaft eines gelben breljt. Sarum benufd ber 'Sinter oft einen duneren Geitfaben, um bie geiftige ^anblung baran aufjureiljen — mie in ben „©tilgen ber ©efeHfdjaft" bie (Eifenbahn, in ben „©efpeitftera" baS 9lfgl, u. f. tu. Äutfj barum ift „9toS* merSholnt" fo grofj, roeil eS fernes fotzen GeitfabenS bebarf, fonbem ftcfj ganj geiftig entmitfelt. 3n ber „SBilbente" ift baS gagbtePier auf bem ©oben Por, allem beren Stolj, bie toilbe (Ente, ber teitenbe gaben, Pon bem bie (EntmicWung immer toieber auSgeljt. Unb hierin erfennen mir eine neue (Eigentümlichfeit. Sie mitbe, taf)m gesoffene, Dom SDteereSgrunbe burcf) $unbe herauf geholte, aber bod) bem Gicht unb Geben abgeftorbene (Ente ift ein Spmbol für baS Geben (ElbalS. Sief er f^mbotifcfje 3ug, melier bie ganje ^anbluitg be§ SramaS in einem ©unft fptegelt, prägt ganje E^aröftere, bie in fich bie Slbrunbung beS StücfeS barfteHen. 3« biefer gamilie gehören: £ilmar, 9tanf, jum Seit DSrnalb, Ulrif ©renbel. gn ben lebten Sramen aber ^aben alle SJbfenfchen ©eftalten einen fpmbolifdjen ©ehalt. GlUe finb nicht nur, fonbem bebeuten aud). Sie meifen auf einen tiefer liegenben geiftigen ©runb, auS bem fie entfpriefjen, unb bie§ jugmnbe Hegenbe Gefcte, roeldjeS bie 2Renfdjen unfrei bormärtS treibt, mag mau roof)l bem griedjifdim Sdjicffal bergleidjeit, aber eS ift feine furchtbare ^S^antaftefdjöpftmg, fonbem eine reale (ErfenntniS. (ES ift bie überirbifdje SRadjt inS grbifdje übergeführt, in ben äJienfdjen pevfegt. So ijt bie Polle (Einigung beS mobenten Gebens hier auf ber Erbe erreicht — auch geifüg i m »eiteften Sinne, unb bod) ift baS äRpftifdje ber £va= göbie gemährt geblieben. Um $auptf eiten beS ÄonflifteS möglidjft plaftifch unb furj Oorbeutenb barjuftetteu unb fo auch für Überfid)tlid)feit ber ©ebanfen ju forgen, ent= tpicfelt Sbfen bemunberungSmürbig bie ftunft, in Weinen, meifterhoften ©il* bem ben ©ehalt anjubeuten. Siefe fi'unft mächft mit ber ©eiftigfeit in ber Einlage ber ^anblung. Sie beginnt eigentlid) erft in ben „©efpenftem", unb fie erreicht ihren ©ipfel in „SRoSmerShotm". SBaS pergleicht fidj bem ©ilbe gegen (Snbe beS britten SHteS? (Seite 84 ber Überfefcung.) fRebeffa (geht Porfidjtig anS genfter unb bticft jmifdjen ben ©lumen hinburch, fpricf)t halblaut mit fich felbft). Stuch h eute nicht über ben Steg — Er fommt niemals über ben ÜDZühtbad). Niemals (geht Pom genfter fort). 3® i i® • SBie furj, mie tief ift baS! StoSmer fann fich nicht non bet (Erinnerung an bie ©erftorbene, Pon ber ©ergangenheit loSteifjen. So ift er gelähmt ßenril 3bfenä ©eifteSenttnidlung unb Äunft. 895 für eiu großes 2eben$mer! im Ginne ber gufunft, unb bamit bleibt 8ie- betfaS Siebe ßoffnungSloS. Sllfo baS Sd)irffal jmeier 2W enfeßett ift ausgeprägt in biefem Söilbe. '.UuS all biefen ßügen erfennen mir, mie ber rein geiftige 3nßalt anfeßau* litt) bargeftellt mitb unb üor allem im Spmbolifcßen feine ©erlöpetung finbet. ©er große ©eßalt aber beftimmt aueß bie ©runbfragen ber ©ecßuif. fRicßt meßr ber 2Biße ift ßier baS ©emegenbe, mie eS greptag fo fategorifd) für baS ©rania Perlangt, fonbeni maS mir als baS Gßarafteriftifum ber Sbfenfcßen SBeltanfcßauung erfannt ßaben, baS ift aueß baS ©emegenbe feiner ©rameit: ber Stampf einer alten unb eiuer neuen SEelt. ©ie alte SEBelt aber ift bie SEBelt ber Überlieferung mit ißrer (rüge, bie neue SSelt ringt naeß Stlarßeit; fie bringt auf bie natürlidje, geiftige Sluffaffuitg aller ©erßältniffe, auf bie ©ntmicflung beS geiftig ^Natürlichen im SDfenfdje«, meldjeS bie alte SEBelt perfümmert. Unb fo ift bieS burd) alle ©ramen bei große ©organg: bie ©ntmidlung ber ÜRatur auS ber Unnatur. ©iefeS prägt fid) im gaujeu ©aitg ber ^anblung, por allem Har aber in beit ©ramenfdjlüffeu auS. ©ie „9iorbifd)e Heerfahrt", meldje feßon beit ©ruitbgebanfcn hatte, enbet ben ßonflift nod) burd) ©emid)tung ber fßer* fonen; in ben „Üronprätenbenten" fül)rt ber Sriiluß fc^on jum ©eginne eines neuen 2ebenS, aber uidjt in bemfelbeu EDtenfcßen, in bent baS alte pernießtet mirb. Unb bieS ift ber fernere, große Sdjritt ber ©ntmicflung. 3n bemfelben Sftenfdjen liegt baS „Stirb unb SEBerbe!" 3» ben lebten ©ramen aber lebt nur ber getlärte ©eifteSgeßalt, melcßer jum Siege geführt ift, fort, unb baS irbifdje, menfcßlidje ©efäß mirb burd) bie 2Nad)t ber alten SEBelt jerfeßmettert. ©atin ift baS §öcßfte unb ÄunftPoltfte erreidjt. ©iefer große ©egenfaj) einer alten unb einer neuen SEBelt bureßbringt aud) bie einzelnen ©eile, bie einzelnen Figuren. 3 nill,ev rcid)er geftalten fid) bie ©orgefeßießten ber ©tarnen, mobei bie diarafteriftifcße Strt beS ©icßterS, bie ©inge bis in ißr SEBerben ju betraeßten, $ur ©ertiefung ber ßunft füßrt. SBie gemaltig reieß finb bie ©orbebingungen ber „©efpenfter", mie tief ift baS SEBerben ber SKenfcßeu in „fRoSmerSßolm“ bis ju iperfunft unb ©eburt Perfolgt. @S Perbient rooßl bemerlt ju roerben, baß baSjenige ©rama, melcßeS juerft ben ©runbgebanfen 3bfenfdjer föunft in flarfter SEBeife barfteüt: „bie ßronprätenbenten" aueß juerft im ©ifcßof 9?ifolaS baS ©emebe einer menfeßtießen Seele in allen 3äben bis jum Slnfang auflöft. Unb mie lebenSPoK Perförpert ber ©ießter bie ©eftalten ber beiben SEBelten! ©er SReicßtum unb bie 2ebenbigfeit ber Gßaraftere ift erftaunlid). Slucß fie finb burdjmeg Pon ber ©eifteSgefcßiißte beS ©icßterS beftimmt ©S loßnte moßl ben ©erfudß, einmal $u Perfolgen, mie mit bem SBBacßStum ber 27 Vol. 4/2 896 ftflljtteiiumn. ©ebanfen bem ©id)ter neue ttljaraftere entfielen, Woju id) eben einige Än= beutungen gegeben habe. Stid)t farblos eben geht ihm bie GrfenntniS neuer SSertjältniffe auS feinem ©ruubgebaitfen auf, fonbeni fie berförpert fid) fogleid) in lebenswahren ©eftalten, ©eine 2Beltaufd)auung ift nicht ruhig refleftiert, fie ift Stefultat eines fampfeS, eines eigenen SBerbeuS, unb barum leben alle biefe 9Wenfcf)en, weil ber dichter bis einem gewiffen ©rabe ihre Sage anS Grfahrung fennt. 3bfenS Äunft ift ihm baS ©ewufjtfeiu feiner GrfenntniS, biefe Gr- fcnniniS bringt wahrhaft iitS Seben, unb barum finben wir unter beu SRew fdfen uufereS ©id)terS gar feine ^bealgeftatten. ©ie 3bealitiit feiner ®ra= matif liegt in bem großen 3uge berfelben, in bem «Siege ber neuen freien Slnfd)auungeu. 55a aber Sbfen baS SoSringen einer neuen Seit auS einer alten bar= ftetlen will, fo muff er natiivlidh bie SDtadit ber alten jeigen, weldje jubem nad) feiner Überjeuguitg äufjerlid) noch bie ftfirfere ift. ©antit ergiebt fid) bon felbft, baß eS immer büftevc ®erl)ältniffe finb uub fein müffen, in bie er uuS führt. ©iefer Umftanb, tief im SSefeit feiner 2tnfd)auungen unb feiner Äunft begrüubet, T^at bei wenig tiefblidenben ©eurteilern 3bfen ben ©eiitamen beS ißeffimiften jugejogen. StidftS ift unrid)tiger als biefe ©e nennung, Wie man felbft auS bem hörigen entnehmen wirb. ©arauf aber beruht bie ©ragif in biefeti ©rauieit, welche eine innere lieh oerföhnenbe ©ragif ift troft ihrer paefenben Surdjtbarfeit. ®a8 $ur Statur oorwärtS ftrebenbe Snbibibuum wirb burd) bie mannigfaltigen gäben, bie eS au bie alte SBcIt fetten, gehemmt unb in bie Semidftung gezogen, ober aber eS wirb burd) Grroarfjcn ju beu 3ufunftSgebanfen jur GrfenntniS feiner alten, hofften Sage gebracht uub muff fid) fdfmer^tid) bon ihr loS* reißen. (Stora.) «So erfenneit wir burdjweg, wie burch bie SBeltanfdfauung SbfenS feine unft beftimmt ift unb mit ihr wädjft. Grft überwiegt nod) ber ©erftanb. GS ift fein 3ufaD, baß am Anfang ber britten ©eriobe ein Suftfpiel fteht, beim in ber Äontöbie läßt fid) burd) geiftbollc Berechnung, ohne 3utl)un beS tiefen ©emütS mittels ber fchaffenben firaft ©uteS erreichen. Slud) bie „©Hißen ber ©efellfdiaft" machen noch beit Ginbrud einer Stubie. ©mm aber werben feine ©ebanfen immer tiefer auS bem ©efüljt belebt, unb mit beu ©ebanfen wirb bie Sftmft gemütboH. Stoch einen ©lief rücfwärts! ^©ramatifch Waren ber alten ©echnif bie= jenigen ftarfen Seelenbewegungen, weldje fich jum SSiHeit unb jurn ©f)un berhärten, unb bie, welche burd) ein ©h un aufgeregt werben, alfo baS ©er* ben einer SIftion unb ihre folgen für baS ©emüt. So hatte fie naturgemäß $enril 3bffit$ dteifteSenttoicHung unb Äunft. 897 einen $efi>en tm ©ittelpunft, fie gruppierte ju ißm freunblicß, feinblicß, oielleicßt auch Permittelnb bie übrigen fßerfonen, unb ba bie ©eelenbewegung al« ba« ©efentlicße möglicßft früh eingeführt werben mußte, fo braute fie ftet« fcßon am ©nbe be« erften Alte« bie §anblung bis jur Formulierung be« Problems. Unb hier — e« mag paraboy Hingen — aber icß möchte fagen: hier ift bie Farbe baS Sichtige, nämlich ba« Durchbringen bet fämtlicßen ^er= fonen Don einem großen ©runbgebanfeu. Damit fommen alle bie oben entwicfelten ©igentümlicßfeiten. ©8 ift eine gewiffe $räbeftination in Qbfen« Gmtwicflung. ©cßon in beu erften Dramen giebt er un« farbige, bunte Silber ber ©eit üon großem Weibtum. Aber erft in feiner SoHenbung erfennt man ben rechten Sinn biefe« Fotbegeben«. ©cßon in ber erften Gpocße liebt er ba« Dämonifcße, aber erft in ber testen wirb ber unßeimlicße 3ug reeßt in feiner ©ießtigfeit begrünbet al« ba« Stußen eine« burdj Sererbtntg überfommenen, unabwenb» baren ©djicffal« im ©enfeßen. Unb au« biefem ©eßcßtSptmft fpielt Qbfen befonber« gern auf abergläubifeße SorfteHungen an. Unb enblicß — fcßon in ber erften Ißeriobe ßot er Diele rußenbe ©jenen ber Abwechslung halber, in ber lebten entbeefen wir biefe al« einen $auptteil feiner Dramatü: in ihrem ruhigen ©efpräcß entwicfeln fich bie Anfdjauungen ber beiben ©eiten, ©ie bie großen Äonßifte ber fp&teren fßerioben in ber erften oorgebilbet finb, höbe ich ßßot* borßer bewerft 3m Anfang be« achtjehnten Saßrßunbert« fiuben wir jum erften ©ale, abgefehen Don einigen leicht erHärlicßen Anfähen ben Serfucß, in einer Dichtung bie naturgemäße (Ergießung be« ©enfeßen ju fchilbem, nachbem biefelbe Dorßer theoretifch ben ©egenftanb einer Unterfuchung Bode« gebilbet hatte. 6« ift ba« fein 3ufoH. Damal« begann bie Semüßung, ben ©enfeßen an« bem fircßlicß^religiöfen Samt ju befreien, ihn au« fich fdbß ju Der= flehen, unb e« mußte ber ©ebanfe auftauchen, feine ©ntwieflung au« fteß felbft ju unterfueßen. Die Dicßtung, bie icß meine, iß ber Stobinfon Don Defon welcßer feinen gelben au« bem alten Beben ßerauSreißt unb in ißm ein neue«, Don feiner eigenen Äraß auSgeßenbe« fiel) entwicfeln läßt. Die« ift ba« erfte ffierl ber ©rjießungSbicßtung. ©cßritt für Stritt maeßte fieß ber ©enfeß Don ber religiöfen Überlieferung frei, immer näßer fam er ber ©rfetmtni« feiner eigenen Statur. <£« iß ber biefe ©ntwicflung abfcßließenbe ©ebanfe, baß ber ©enfdß ganj au« ßcß felbß ßerau« im Dienße ber ©enfeß* ßeitSgebanfen feine Statur auSbilben, erjießen, fo in ßcß ba« neue 3ufunß«< leben enoeefen unb mit ber Durchbringung buriß große ©ebanfen fein Beben jum Shtnßfterf läutern fott. 898 ffflfjnemann. gn uitferer flaffifdjen ^Setiobe ift für biefe ©ebanlen nm meiften getljan. Sie begann aud) nad) ber beften gorm für fte ju futf)en, welche belanntlicfj in einer 9Tn(ef)nung an bie antife erhofft warb. 2)iefer ©eftrebung tieffter ©runbgebanfe fdjeint mir ju fein — bie moberne, Dom SRenfcfjen mtdgeljenbe SBeltanfchauung mit umfpannenber Konfequeitj fo ^atmonifd) audjubilben, wie bie griedjifdje in ihrer ©efdjränhmg mar, unb biefe neue SBeltaitfdjauung bann in gried)ifd)=parmonifc^et gönn ftd) geftalten ju laffen. gu ber Gntmirftung biefer beibeit ©ebaitfenfreife tjat aucf) gbfen feine Stelle. Tie ©rjiefyung ift ein mefentlidjed SRoment in feinen Dramen, bie ©rjieljung, meldje bitrcf) bad 2eben in Sodreifcung bed SRenfdjen öon ber Überlieferung gegeben mirb. 2)ad ©rinjip ber gnbibibualität, meldjed ber ©runbgebanfe ber mobernen fflelt ift, ^abe» mir ald feinen ©runbgebanfen erfaßt: ein neued fieben aud bent alten ju entmicfeln, ift fein Houptbeftreben. aber ed fommt auf bie $urdjbitbung bed ©rinjipd an, unb biefe Arbeit ift Don gbfen erft begonnen. ©r ift ficfjer im ©ebiet bed täglichen menfd)lid)en ficbend. gn ben gemöfjnlidjen Schidfalen ungemöpnlit^eu ©eiftedgeljalt ju entmicfetn, roeifj er mit genialer ©röfje. audj beutet fein pfqdjologifched ©enie jumeilen auf bie größten gragen. SBenn Sigurb fagt: „©in unfelig ©efpinnft hoben bie 9farnen um und gefpottnen," unb ^jörbid mit biefen ÜRomen ringen miß; menn König |>afon in tieffter Slot audruft: „Sinb jtoei Könige in 9farmeg, fo ift bod^ nur einer im §immet, unb ber mirb’d fdjon entmirren," mad ift ba bie ©ottljeit? nid)tö anbered ald bad Semufjtfein if)red Sebendberufed, bad ©efüht bafj fie biefen gegen ade §inbemiffe ber* fedjten müffen. tiefer ©runbgebanle, baff ber SJtenfdj aud feinem ^erjen bie ©ottljeit fdjafft, liegt bem „©ranb" jugrunbe, unb im Schluffe bon „©odmerdljolm" tritt bie rein menfdjlidje ^Rechtfertigung unb ©erfölj* nung f>«töor. aber bennoch — in biefer ©rmeiterung bed gnbibibualitätdgebanfend auf bie gröfjten Sebendgebiete mirb bie fommenbe $idjtung eine ihrer Hauptaufgaben fehen müffen, unb in biefer ©ertiefung bed mobernen ©ehaltd mirb bie neue SBeltanfdjauung erft mahrhaft begrünbet rnerben. 5)ie SBeltanfchauung gbfend hot ihm bie gorm gefchaffen, unb inbem er ftreng in feinem Kreife blieb, hot*er biefelbe fo fonfequent audgebilbet, baß fte in feinen fünftlerifdj größten SBerlen, ben „©efpenftem", ber „SSilb* ente", „Stodmerdholm" mahrhaft bie griechifche Iragöbie mobem belebt Hier liegen bor ©eginn ber Honblung bie ©reigniffe, beren ©nthüQung unb ©eleuchtung aud immer bebeutenberen ©efidjtdpunften bad ®rama erfüllt 55ad alte bringt in feiner äRacht Stritt für Schritt tiefer ein unb jerftört bie ©tenfdjen — aßed mie im „König öbipud", ben Schiller fo fehr be* .'penrif Sbfend ©eiftesSenttoidlung unb Äunft. 899 wunberte unb nid)t erreichen fouitte. Sturere Stupe — innere 93emegiutg — bad tft bad (Eparafteriftifum bcr griecptfcpen wie bicfer ®rainen, unb biefer 9iau war ber einjige, ber ben (Srunbgebanfett gbfend gonj oudprägte. ®o bedt fid) aucp im ganzen Sau 3npalt unb ^orm. 2Bad aber Witt bad ®tama überhaupt barftellen? (Sd will und ein burd) einen großen (Sefußtdpunft einpeitlidj geglieberted Sßeltbitb geben, welcped fidf bor und lonfequent ju einem innerlich notweubigen 3icte ent* widelt. Spafcfpeare war ber ®rantatifer ber Subioibuen, unb botu 3nbi= bibuunt aud einigte er meiftend bie $anblung. $bfen ift ber ®raiitatifer bed ißrinjipd ber Qubioibuatität, unb bon biefem aud fdjafft er (Siitpeit unb (Sntwidlung, woju er großer 93erpältniffe bebarf. ®ad ift wie an $iefc fo an Äunft ein entfdjiebencr 5ortfd)rilt, beun biefc (Einheit ift geiftiger. 9ia* türlid) foH hiermit bie bidfterifdfe ©ebeutung ber beibeit SJtäniter nicpt ber* glichen werben. Slud einem ©efidftdpunft möglidjft attfeitig ben SBeltfreid ju umfaffeu ift Oberhaupt ein 93ebiirfnid, ein Streben ber meitfdjlidjen Statur. Slud biefem Streben erflärett fid) j. 93. bie Äontraftfiguren bed früheren ®raiitad, unb ed erfcpeint mir ein in bcr menfd)tid)eu Statur begriinbeted unb nidjt. Wie Sreptag fagt, gepeimnidbolled (Sefep bed Sd)affend ju fein, Weldjed fie perborbringt. ®iefed Streben ift burd) ben umfaffenben (Seift bed ®id)terd picr ju fcpöner 93ottenbung gebracpt. 3cp pabe oben betont, Wad bad ©rößte an Sbfeit ift, unb pabe gefagt: feine SBettanfcpauung pat feine Xecpnif gefcpaffen, aber bad ift eiu ftplecpter Sludbrud: SBeltanfcpauung unb ®ed)iiif bietmepr finb eind. Seine Slrt, bie ®inge anjufcpauen, bilbet feine ®ramen. Unb fo ift er eine ber großen (Sr* ftpeinungen, bie beWeifen, baß ed gar feine feftftepenbe lecpnif giebt, inbem jeber bon innen organifterenbe Sicptergeift ben Stoff nacp eigenem (Sefepe formt 3bfen ift eine große (Sinpeit, unb eben barin ift er ein piftorifcped ißrobuft ber borper ffixierten (Seiftedentwidlung, eine SBerförperung bed ©runbgebanlend unfered mobernen Sehend. 2Bopl gemerft — in feinem Steife, ber fid) nodj erweitern läßt Steben biefen großen 3ügett laufen natiirlicß fleine Scpwäcpen, wie j. 93. juweiten etwad unwaprfcpeinlid)e 93or* audfepungen. 3(p btaucpe ju iprer (Sntfdjulbigung nid)t an Spafefpeare ju erinnern, benn icp paffe in äftpetifdjeu ©ittgen bad ewige ^jerattjiepen bon Sinologien im 93erfapren großer ©idjter, woburcp bie Sacpe meift nur unflar wirb. SBer felbft gute Slugen pat, braucpt nicpt burd) bie SBriHen anberer ju fcpauen, um eine Sacpe ju erlernten, derartige ftleinigfeiteit berfd)Winben neben ben großen 93orjügen. 900 Äüljnemann. ftenrit 3bfenS WeifttSentroicflunf) unb Äunft. Die große (Eigenljeit 3bf* M ö aber, baß er in ©eift unb SFunft über bie alte 3cü ljinauSgefd)ritten ift, Ijat feine fatfdje Beurteilung ßerbeigefitßrt. SEBir ftitb nodj ju feßr in bem 3tnjdjauungStreiS ber ibealifierenben Dra- matif befangen unb empfinbeu bie SebenSbramatif 3bfenS als frembartig. Die Äritifer aber fteljeu üielfad) nod) unter bem (Einfluß ber ©ererbung, fie WoUteu 3bfen nadj ber alten Dedjnil meffen, bie er gefprengt Ijotte. Da in ben „©efpenftern" bie ftranfyeitSgefdjidjte OswalbS baS einjige ift, was etwas ltacfr einer $anblung im alten Sinne auSfießt, fo ergriffen fte bie eine unwefentlidje Seite unb berftanbeu fie fo natürlich fa(fd). 8lber ift es beuu nidjt bie erfte ©ebingung, ber ein bramaturgifdjer ftritifer ju genügen Ijat, baß er fid) ted)ntfdj hübet uub bann ben großen mobertten (Erjd)et= nungen fo unbefangen prüfenb entgegentritt, als ob er nichts oon ber alten Dedjni! wüßte? 2Jtöd)ten bie ©eifteSfeime, roetefje in 3bfen fo fdjön jut ©tüte gefommen finb, unb meldje in ber ganzen SBclt junt Heben oertangen, audj in ber beutfdfen Dichtung iljt ooüeS SSadjStuin ftnbeit! Die geiftige (Entwidlung ber ©?enfd)l)eit läßt fid) ja teineSwegS unter bem ©itbe ber auf» unb uieber» fteigenben #immelSfräfte oerfteljen, bie fid) bie golbenett (Eimer reichen; fie ift, um baS alte ©ilb aufaugreifen, toie ber Durdjbrudj ber Sonne bnrd) bie SBolfcn, roelauung nidjt nur freier unb größer, fon* beru audj ©lüd bringenber ift al« bie altersgraue, bie in unferen Sagen ju ©rabe getragen mirb. Watß ttnh §nntß. Poti Hubolf ^alb. (3Btrfin.) » 3 ift eine uralte (Erfahrung, jebed Statt in ber ©efdjidjte ber 933iffen= fcßaften leßtt fie, jebet Sag in ber ©egenmart bringt baffir eine neue Seftätigung, bafj bie größten unb anbauembften ^inbemiffe, meld)e fid) bent fjortfdritte ber SJtaturerlenntni« entgegenftetten, bon ben ©etetjrten fetber auögeßen unb bor altem ber fubjeftiben „inbibibuefleit Überzeugung“ ent* ftammen. Siefe mirb mit ber Snanfprudjnaßme einer gemiffen Unfeßtbarleit befto breitere €> fpärtid) bortjanben, bie orbnenbe ©pftematit nod) fdjmanlenb, bie ÄuSfdjeibung be« mefentlidjen Äerne« bon nebenfädjtidjem SaQafte nod> nidjt bolljogen ift. 3u biefen Siffenfdjaften gehören ßeute nodj unbeftritten ©eologie unb EReteoroIogie. Säßrenb ba« Älter ber beobadjtenben unb redjnenben Äftronomie nad) Qafjrtaufenben jäljlt, liegen bie erften ©runbfteine jener i$orfdjungSgebiete taum über ein ^aßrßunbert jurfid. Sie EReteorotogie inSbefonbere ift nod) bei (einer jener großen fragen angetangt, bie ju ffir* örterungen funbamentater Etrt führen, mie fte fteorie ber (Erbbeben ergaben Allein noch i n bemfelben 3ah« erfd)ien ein ©uch, welches ben erften ©runb jur objeftioen Dppofition legte, bie bann jwei 3«h re fpüter, nachbem ber ©erfaffer bereits feine wiffenfchaftliche Steife nach ©übamerifa angetreten hatte, auch fubjeftider SBeife ju Zage trat. 3*n*3 ©uch betitelte ßcß^ Ärftifdje Sage unb ©Stege. 903 „$ie (Entftehung bcr Alpen" bon ißtof. (E. ©uefj unb fein ©djwerpunlt log in bem Änfcpluffe an bie Auffoffungen, bie bet amerifanifcpe ©eologe Sana bon bet (Entftehung bet ©ebirge butcp ©eitenfdjub batgelegt hotte, unb in bet Anführung bet bafttt fptedjenben Xijatfadjen, befonberb im ©ebiete bet Alpen, old beb geologiftf» beftbefannten ©ebirgbfhftemeb. (Eb würbe bort mit großem fachlichen unb litterarifchen Aufwanbe ge* geigt, bafj bie früher allgemein berbteitete, bon ben elften Autoritäten getragene SJteinung, eb feien bie jüngeren ©ebirgbformationen gu beiben ©eiten bet trpftallinifchen Bentratgone bet Alpen in fpmmetrifdjer Schichten« folge im ©inne eineb fentrechten, bon unten nach oben ftattgehabten ©chubeb gelagert, — irrig fei. 3)ie Süden biefet ©tjmmetrie fptädjen für einen ©eiten« fcfjub, unb biefet Würbe bann auch olb Urfache bet grßfjten (Srbbebenfata* jtrophen in Anfptuch genommen. $)iefe Schrift Wat bon burchfchlagenbftem (Erfolge begleitet. Sie Wat rebolutionät. Am 15. 3uni 1877 hotte bann bet Verfaffer (Europa betlaffen, um in ©übamerita ©tubien übet bie seitliche Verteilung bet (Etbbeben unb ben tppifchen Verlauf bet ftataftrophen anjufteUen. ®a etfchien im Soljre 1878 in ben „HÄitteilungen beb naturmiffenfchafttichen Veteineb für ©teiermarl" eine Abljanbtung gegen meine Theorie bon ißtof. Dr. #ötneb, ©ueh’ ftreitluftigftem ©chület, bon Welcher ich erft brei Sahte fpäter, nach weinet Vütffehr, ßenntnib erhielt unb gwar gu einet Beit, in Weichet ich, Oon ben phhftfchen unb geiftigen Anfttengungen bet Steife erfdjöpft unb wieberpolt auf bab ßranlenlager geworfen, bon periobifchen Augenentgünbungen heim« gefugt, im Buftanbe gänzlicher Abfpannung alle Angriffe apatljifch übet mich ergehen tief). 3ener hinter meinem Stüden etfchienene Artifel gipfelte barin, bafj et bie Xhatfachen, Welche ich 3 U gunften meinet Theorie aub ben (Erbbeben bon Velluno anführte: bie ißeriobigität bet flätfften ©efunbarftöfje, einfach babutch befeitigte, bafj er fie ad hoc für erfunben ertlärte, Weil bet ©eologe A. Vittner in feinem Vergeicfjniffe betfelben ftätfere ©töfje aufgeführt hotte, bie fich in meinem Vergeichniffe nicht botfanben. ,,©em Vittnerfchen Ver« geichniffe bet ©töfje bon Velluno ftellt galb ein anbeteb, abweichenbeb gegenüber, bab meinet inbibibueüen Übetgeugung nach für bie behauptete Veriobigität willffirlich präpariert ift." @o gu lefen p.42 bet genannten Schrift. (Eine Antwort barauf Wat übrigenb bolttommen überflüfftg; fie hätte ja nur längft ©ebrudteb wiebetholen müffen. ®enn erftenb hotte ich bereitb in meinen „©ebanfen unb ©tubien" p. 266 bie Wörtliche Duelle meineb Vetgeichniffeb: bie fotgfältige, tägliche Stegiftratur bet (Erbftöfje in bem 904 Salb. Journale „La Provincia di Bellano“ 9h. 55 unb 57 auSbrücflich ge» nannt. ©S f>ätte alfo ton ©eite be$ #errn ißrof. Dr. $ömeä nur eine« ©inbtideS in bie 9h. 57 beburff, um feine „inbibibuette Überzeugung“ in eine objeftibe gegenteilige ju bermanbeln. Unb zweitens lieferte baS befte 3eugniS für mid) ja bie Duelle beS ißrof. Dr. $örneS felber: Ä. ©itt* net8 Slbhunbtung „Beiträge z ut Kenntnis beS ©rbbebenS bon Belluno" (©ifcungäber. b. t. ®tab. b. SBiffenfch- ÄpriQjeft 1874) p. 93, Wo eS bon ben ©töfjen am 1. Äuguft, auf welche frc^ jene Stnfdjulbigung ftü|t r wörtlich heifjt: „9luch bie ©töfje bom borgen beS 1. Sluguft, bie zu Satra unb ©lji&8 als fehr ftarf angegeben werben, fönnen in Belluno nur fehr unbe* beutenb gewefen fein, ba ich trofc meiner Stnmefenljeit bafelbft nicht baS geringfte babon wahrgenommen bube." SieS ftimmt genau mit ber Eingabe meiner Duelle (9h. 57), welche nur bon zwei leichten ©töfjen an biefem Sage in Belluno fpridjt. SBober nahm alfo fßrof. Dr. §ömeS bie Berechtigung, mir bie SRafel abftchtlicher Shutfachenfälfdjung anzub&ngen? Hber: Calumniare audacter! semper aliquid haeret. SBie bereitwillig man felbft in $achfreifen auf biefen Seim ging, babon fdnnte ich noch ein ^iftördjen beS ©eiteren erzählen. Sod) — ©otteS SKüblen mahlen langfam! ©o fanb ich na( h meiner fRüdfehr auS Hmerifa, Wofelbft ich wegen wiberfprechenbet Sh at f ac h cn meine Theorie aufgegeben buben fottte, wie eine weitere Süge meiner guten greunbe befagte, bereits eine bebeutenbe ©egner* fchaft bor, bie ben Shutfudjen zu gunfteu meiner Sheorie, Welche ich uuo ber füblid)en $albfugct mitgebradjt butte, nun umfo Weniger Beachtung zu fcbenlen brauchte, als ja auch biefe nach ber „inbibibueUen Überzeugung“ beS X ober g) gefälfcht fein fonnten. 2Ran butte alfo gut borgebaut. Siefe ©egnerfchaft fanb ihren ftärfften SuSbrud, als nach ber ffitb» bebenfataftroph« bim Mgram (am 9. 9iob. 1880) ich neuerbingS baS Ber* halten ber barauf folgenben fefunbäten ©töfje als fßrobe meiner Sheorie angerufen unb ben 16. Dezember jenes ^ahreS als benjenigen Sag bejeich= nete, an welchem bie Stuljepaufe burch einen ziemlich ftarlen ©tofj unter» brochen werben bürfte. 9toch bor biefem Saturn Würben im SBiffenfchaftlichen fitub zu SEBien Zwei Borträge über ffirbbeben gehalten: ber erfte bon #ofrat $rof. bon §ochftetter mit Beziehung auf bie Slgramer Rataftrophe, Worin biefer Sali als eine töufjerung ber fortbauernben ©ebirgSftauung aufgefafjt unb mit ber ©ebirgSbilbung, wie fie ißrof. ©uefj in feiner ©chrift „Sie ©ntfteljung ber Ülpen“ gefchilbert hutte, in ßufummenhang gebracht Würbe. Saran-reihte fich in gleichem ©inne zwei Sage fpäter im nämlichen Sotale ein Bortrag ftritiföe tage trab (Sange. 905 bon iJStof. Sueß Aber bie Srbbeben in ber öfterreichifchen SRonarcbie. Sr befjanbelte borjugSweife ben Bufammenljang ber Srbbeben mit bem Saufe ber geologifdjen ©rudjlinien unb betonte ben pltytichen Umfdjwung, ber in ben Snfcßauungen ber Seotogen Aber ben Vorgang ber SebirgSbilbuug in ben lefeten 3aljten eingetreten fei. Sr fagte »örtlich: „3n ber tßat ift eine fo große — 8tebotution fann ich eS nennen, in einem bebeutenben 3 »eige unferer SBiffenfdjaft laum jemals fo fdjnett, fo grAnblid), mit fo wenig ffixbetfpntd) erfolgt, als in biefem Satte, fßiemanb benft heute ernftlicß baran, bie Sebirge, wie man früher meinte, als ©taffen atu jufeljen, welche aus ber tiefe ^erauSge^oben morben finb; man fieht im Segenteile, baß unfer ©lanet fein ©oluinen ein Hein menig ber* minbert unb baß biefe ©erminberung hinreidjt, um an einzelnen Stetten an bem oberen teile beS Planeten Haltungen ju beranlaffen. treten burd) bie babei ftattfinbenben SpatmAbungen plößlidje ©röche ein, fo finb Srb* beben längs ber ©rudjttnie bamit berbunben." So fußte alfo ber Staube an bie teftonijdje Urfacfje ber „ljäufigften, furcßtbarften unb berheerenbften Srbbeben", toie jid) ©röf. bon $odjftetter auSbrAdte, auf ber genannten neuen ftnfdjauung bon ©rof. Sueß über bie Sntfteljung ber Sebirge. 9hm aber bertoanbelt ftd) bie ©jene. 9tid)t botte bierjehn HRonbe fpdter — am 10. Januar 1882 — ber* fAnbete ber tireftor ber öfterr. f. f. Seotogifdjen 9ieidj8anftatt, $ofrat SKitter bon #auer in feinem 3af>re3berid)te eine neue ©otfcßaft, bie um fo überrafdjenbet wirfte, als ber Sinbrud ber Schrift über bie Sntfteljung ber Slpen unter ben Sat^gele^rten injwifchen immer größere Greife geflogen batte. So bemerft noch im ftrühi a h te 1881 ©tof. Dr. $örne£ in feiner polemifcben Schrift „t)ie Srbbebentbeorie Shtbolf galbS" p. 125 — inbem et bie SBorte ©rof. Sueß’ toieberbolt — „9tiemanb (hier bot Sueß offen* bar auf galb bergeffen) benft hwte baran, bie Sebirge, mie man früher meinte, als ©taffen anjufeßen, welche auS ber tiefe betauSgeboben worben finb u. f. ftofrat bon $auer£ ©ericht Aber bie Arbeiten ber Anftalt aber lautet wörtlich*): „$erm Dr. 91. ©ittner war bie ©ottettbung beS ©latteS Lago di Garda, fowie bie Aufnahme ber . . . fAbtidjften Ausläufer beS SebirgeS bon Sincenja unb ©erona jugewiefen. ©on weittragenber ©ebeutung finb bie allgemeinen Dtefultate, ju welchen berfelbe burd) feine genauen tetail* *) Serhanblungen ber !. f. geologifdjen 9teid)$anftatt 91t. 1, 1882 p. 3. 906 &aft. unterfudjungen in biefem unb bem bortgen 3af> re gelangte, ©egüglidj einiget bet antegenbften theoretifdjen fragen bet alpinen (Geologie tommt et gurfid auf ältere Änf djauungen, bie man, »ie ftd) nun geigt, etwa* gu früh als befinitib übertnunben betrachtet hotte, ©ie geniale ^ppotljefe, bie Slufftauung be* 211pengebirgeS fei butch einen einfeitig bon ©üben nach Siorben erfolgten ©chub guftanbe gefommen, finbet butch bie ftlarfteHung bet Xeftonif bet ©übalpen feine ©eftätigung; biefelben geigen einen ©au gang analog jenem bet nötblid)en Stebengone bet Sltpen unb bie ©etrachtung biefer ©ethälhtiffe führt gang bon felbft auf bie , alte ©pmmetrie* gu* rücf, bet fortan toohl wieber jebe Jheorie übet bie ffintfteljung bet Älpen »itb Kennung tragen müffen." ©omeit $ofrat bon $auer, bet befanntlich in bet Steihe bet herbot* ragenbften Geologen bet ©egen»art fteht 3 cf) hatte alfo feinen ©runb, mein ffefthalten an biefen filteren 8n* fchauungen gu bereuen. SBa* mich abhielt, an ben ©eitenfdjub gu glauben, ba* toat bie ©etrachtung beb Ouerprofile* bet Ätpen unb bet SBibetfptucö, »eichet in bem SDtthberljältniffe bet $c>h e gut Sänge, in bem SÄifjberhält* ttiffe be* ©efdjobenen gum ©chiebenben ftd) au* medjanifchen ©rünben ergab. Stad) biefen leiteten finb im ©rofile ungmeifelhaft eine genttale £>ebung al* primäre, unb Haltungen burd) ©eitenbrucf (bei ©leitung bon oben nach unten herüorgebradjt) al* fefunbäte ffirfcheinung gu etfemten. SSa* aber bie gureichenbe $ebefraft betrifft, bie babei tljätig ift unb »eiche bie Anhänger be* ©eitenfdjube* nitgenb* gu finben behaupten, fo hat ber Serfaffer fchon im 3ahre 1875*) auf bie 3unaf>me be* ©olumen* hinge»iefen, bet eine au* bet Xiefe in ^öfjerc Stegionen bet ©rbrinbe ge* langenbe Sabamaffe infolge bet bebeutenben ©rudberminberung unterliegt, ©ie Saba birgt, fo lange fie ftch in ge»iffet Xiefe bei f)6fytx iempetatur unter bem ©tude bet überlagernben ©Richten befinbet, ein enorme* SRafc potentieller Spannung* «(Energie, »eiche butch bie mit bet ©rudentlaftung unb (Srfaltung beim Stufftiege betbunbene ©aSentmidelung auSgelöft »itb. Sßuittet fanb, bafj ba* ©a* in ben ©ch»immblafen bon Sifdjen, bie au* einet liefe bon et»a 3300 f$ufj, »o ber ©rud ungefähr 100 Ätmofphären beträgt, he*auSgehott »utben, fo bebeutenb im ©olume gunimmt, bah ade SRuSfelanftrengungen unfähig waren e* gu befdjränfen. 6* trieb bie ©lafe, ben ©tagen unb anbete benachbarte ©eile in ber ©eftalt einer ballonartigen ©taffe gum ©chlunbe hluau*. ©tan fann fonach ermeffen, nicht nut, »eiche ©jpanfiofraft bie Saba in bet liefe bon 7 ©teilen befifct, fonbetn auch, *) ©ebanfen unb Stubien übet ben Sulfant*mu8 p. 811. ftritifcge läge nnb ©finge. 907 weldje Aftionen in tgr emtreten nriiffcn, fobalb ge bib auf etwa 2 Steilen unter ber Dbergäcge emporgebrungen ig. 3n jener ©ypanfiütraft unb in biefen Attionen liegt, nacg unferer Xgeorie, bab SBefen beb ©ultanibmub. ©b fliegt aber baraub nodj eine anbere, fegr ju beacgtenb Saigerung. ffiertn ber Auftrieb beb Stagmab, welcgeb ben ptutonifdjen ©efteinen unb ber Saba bab Dafein gab, in ber Xiefe nod) fortbauert, wie bieb laum in Abtebe gegellt »erben lann, fo läuft bie Xgätigleit beb ffirbinnem barauf ginaub, Stagen, bie in ber Xiefe unter gogem Drude lagerten, in bie $öt}e $u beförbern, too fte, oon biefem Drude entlaftet, gcg aubbegnen unb bager bie überlagernben feften ©cgicgten geben miiffen. SBirtt biefer Drud nach oben auf groge Stäben, fo bewirft er bie fetuläre $ebung ber Seftlänber; wo er aber auf ©palten trifft, ober folcge fetber erzeugt, ba tritt eine gefteigerte SBithmg bebfelben: bie lineare Hebung ber ©cgtcgten, bie ©ilbung oon ©ebirgbletten in fetulären 3«träumen ein. SBebgalb icg aber ebenfowenig, wie ber Segre oon ber ©ntftegung ber Alpen burd) ©eitenfdjub, aucg ber Anficgt beipgicgten lann, bag bie „furcht« bargen unb Oergeerettbgen ©rbbeben" aub ber ©efteinboerfdjiebung ent« geben, lag junäcgft in bem Xppub igreb Auftretenb unb igreb ©erlaufeb begrünbet. ©ei allen ftataftropgen ftegt ber ftärffte ©tog am Anfänge ber Steige unb eb folgen auf ign ftetb eine Steige fdjwädjerer. SBenn bie ©p fdjütterung nur eine Solge ber ©ntftegung einer ©palte burdj ©eitenbrud wäre, fo ig nicgt einjufegen, webgalb ber gärige Stud ftetb am ©egimt ber Bewegung eintritt, ober webgalb im Saufe ber fortbauemben Aftion nicgt Weitere, ebenfo garte ©rücge auftreten, webgalb ftcft alfo bie föatagropge auf bemfetben ©(gütterungbgebiete unb innergalb berfelben tontinuierlicgen ©rfdjütterungbreige nicgt wiebergolen. ®b ig ferner nicgt einjufegen, Webgalb an einem unb bemfelben ft’ataftropgengerbe bie grogen ©rbbeben jeitlicg fo Weit Oon einanberliegen. Unb enblicg ift aucg nid)t ju begreifen, Webgalb nocg nicgt ein einziger Soll unter fo oielen oerjeicgneten Äata« gropgen alb entfdgiebene Solge einer folgen plöglicgen ©paltbilbung nacg« gewiefen Werben tarnt. ©ejügticg ber Aftion ber Saoa aber liefert jeber oulfanifcge Aubbrudj ben ©eweib, bag ge bie Urfacge ftarter ©rbbeben ig. $ier gegt einer auf bloger Debuttion berugenben, reinen $gpotgefe eine auf oielfältiger Seobacgtung berugenbe Annagme gegenüber. Unb barin unterfcgeibet gcg bie fogenannte wigenfcgafttidje Anficgt ber ©egner beb ©erfagerb oon feiner eigenen, bie man gerne alb imwigenfcgaftlicg gin« gellen möcgte, Weil ge gcg ben Srrlegren ber Autoritäten nicgt an« 908 golb. fd)(ie§t, fonbern burd) gewiffenljafte ©ead) tung bet fort unb fort fid} Käufen ben X^atfac^ett unb burd) ftrcnge, ed)t toiffenfc^aftlic^e Sogif beftimmt unb geftüfct Wirb. X)ie einjtge, habet ftattfinbenbe fjhpothetifche Stnnafjme ift, bah eS aud) in ber Xiefe bet (Erbenrinbe ebenfo wie an tljret Oberfläche (Eruptionen gebe unb biefe Annahme fefct nur borauS, bah (Erf(Meinungen, wie fie auf ber Oberfläche thatfächlid) beobachtet werben unb beren SBirtung wir pofitib fennen, jugleid) mit benfelben SBirfungeit auch in ber Briefe auftreten. X)ie Xheorie bagegen, welche annimmt, bah ^ataftrophen»(Erbbeben butch «Spaltungen entftünben, berfept (Erfcheinungen in bie Xiefe, bie uirgenbS an ber Oberfläche beobachtet Worben fhtb. ?ltte8, waS unb bie Xhatfacl)en auf ber (Erboberflädje lehren, Weift barauf hin, bah fi bie« bei allen gut beobachteten fiataftropfjenbeben nachweifen läfjt. >/vw $4$ttq °J(rnu. Hooellette pon Hel Sagnit. (9fn«Mg.) L „ B» ie wirb eine Schönheit — unfre fileine.“ W* „34 hoff« nicht, mein greunb." Zer junge SRatnt blicfte feine grau erftaunt an; ftc fah ganj ernfthaft au«. „Zu hoffft ba« nicht? Hber ba« ift fonberbar — unb Zeine ©rfinbe? SJteine Sefte, ba« ift wohl eine Saune ohne ©runb „©« ift leine Saune unb nicht ohne ©runb — nein, e§ ift wirflid) feine 3bee, bie mir nur fo burdj ben Sinn fährt.“ ©r fdjfittelte ben fiopf. „3m ©rnjt, Sieber, ich hoff«» ©6b6 Wirb nicht fcfjSn Werben.“ „Zann bift Zu bie erfte ÜJtutter feit ©ba, bie fo wuttberbare SBünfdje hat - 3m übrigen ift e8 nicht nur ein Unfinn, ei ift hart, un= gerecht, graufam. 34 bitte Zieh! ©hte grau ohne Schönheit ift wie eine ©Iurne ohne Zuft; eine h&|liir fpradjen bott ©4b6!" „ 3 a, fiel) fie an, bort fpielt fie auf bem fRafen, bi« atme kleine, mit ben btonben Coden unb ben fdjönen braunen Äugen — eS ift ja traurig, aber fie wirb teijenb! 3 e fct fdjau fjht — fie fejjt ficf» ben ©tumenfranj auf, roie fje^ig fie ift!" „3a, ba 8 ift fdjjon bie ©itelfeit, bie ftdj fdjmüden null; fieljft Xu, inein greunb, fo fängt e 8 an, unb tuie Ijört e 8 auf? Sie wirb eine gefaflfüdjtige, eitle Äofette! 3^1 wiU nidjt, bafj unfer ©äbä eine folclje 3 ufunft tjat." „SBie 3 ^r grauen bodj feib! £abt 3^ r feine ©orgen, bann madjt 3fl r @ud) Welche." „Unb finb fie ba, ift’« ju fpät — mau muff borbeugen, fpörft Xu? 3 d| bleibe babei, bie ©djönljeit ift fein ©lüdf!" „Unb Xu, ©eliebte? ©ift Xu benn nidjt fdjön?" „3dj, Stooul? 9tun ja, Xu finbeft e 8 , aber" — „Äber — bie ganje SBelt fagt e 8 . Xu fjaft eine SRenge ©ereljrer, nota bene, auf bie id) eiferfüdjtig fein fönnte — unb Xu bift furchtbar unglndlidEj — nidjt Wafjr?!" Xie junge Stau fal) iljren SRanti mit einem Satten in ifjreit braunen Äugen an. „Stooul, mein greunb, tjör’ midj an; Wenn id) ftljön bin unb nidjt ge= faBfüdjtig, alfo nidjt unglütflidj bnburdj Würbe, weffen ©erbienft ift e 8 ? Slntwort: Xa 8 Xeine — Xu liebft midj! ©ieljft Xu, babor öerfdjwinbet ÄBe 8 Änbere in SRidjtigfeit — fo — fo — @8 ift genug" — — Xenn Stoout füfjte fie gar 31 t Ijeftig. „Xu fjaft midj geftört — Wa 8 WoUte id) fagen? 3b» Wer fann ober wiffen, ob ©ebä e 8 im Cebett aud) fo trifft? Skr fann wifjen, ob aud) fie einen greunb finbet, ber iljr feinen SRebeuWunfdj läfjt? — fRaoul! SBa 8 fdjncibeft Xu für eine ©timaffe?" „ßieber ©djat), SlBe 8 wa 8 Xu fagft, ift mir freilidj fetjr fdjmeidjelfjaft, Xu änberft aber meine Änfidjt barum bod) nidjt. enu ©4b4 tnenig an feat. Etber id) bin uotfe nid)t fettig — ©djafe! (Sine fdjöne Stau wirb nie tinfifcfe unb unficfeer fein, fie weife fie gefällt, barum ift fie liebenSwiirbig, batum wirb eS ifer leidjt gemalt gut ju fein unb glüdtidfe.- (Staube mit, eine fotcfee fommt am beften burcfe bie SBelt." ,,©aS glaube id) wofei — abet in ben #immel?" „(Sanj gewife, tnenn fte auS ©einen #änben fommt." Etacfebem et fie järtlicfe auf ben ÜOtunb gefügt, „©omit ift mein lefeteS SBort: ©4b4 laufe fd)5n tnetben, fonft bin id) ein unglücWicfeer Sätet!" „Unfte Meinungen get)en atfo auSeinanber unb nicfet jurn erftemnat, amico mio. SBenn icfe aucfe nid)t Wünfdje, bafe uttfet Weinet ©djafe feäfelicfe wirb — befeüte (Sott — fo bodj nicfet, was bie SEBett eine ©cfeönfeeit nennt, eS liegt $u nie! (Sefafer barin, uitb bann bin id) eine ungtücflicfee SRutter!" „Ellfo — eS ift abgemadjt, eS giebt ein Unglüd in ber Samilie, benn toie bie beiberfeitigen SBünfdje oereinigen? Pas moyen! Steine Srau, mir afent, ©u toirft bie ©etroffene fein unb id) bin fdjlecfet genug, ©idj nicfet ju bebauem. ©ie fann iferem ©djidfal nid)t entgehn — bie arme Steine! SEBie fottte fie aucfe? 3fere ERutter ift fc^ön, ifer ©ater — nun warum lacfeft ©u? finbeft ©u etwa, bafe er eS triefet ift? SBie fönnte e$ atfo anberS fommen — icfe fefee fie bot mir — afe, wie fcfeön wirb fie werben!" ©ie junge Stau feufjte unb fdfewieg. ©4b6 fpielte auf bem JRafen mit ©turnen unb ©djmettertingeu, afenungS* toS bet (Sefaferen iferer jufiinftigen ©djönfeeit. II. ©ie War fed)jefen 3 a fe te alt. ©ie featte bie EBünfcfee iferer (Eltern $u bereinigen gewufet. Sein ERenfcfe fonnte jagen: welcfee ©cfeönfeeit! Etber Seber fagte: weldfe’ ein 3auber! ©ie featte (Srajie unb (Seift. ©eibeS bereint, gab it)t einen SReij, ben 3ebet empfanb, bet fidj ifer nafete. ©6b6 featte geweint. (ES war baS erfte SWal in intern Seben; fie fonnte fid) nicfet entfinnen jemals geweint ju feaben. EftS WeineS Sinb waferfdjeinlicfe, abet baS fdjeint mit feefejefen Sagten fo lange, lange feer! Saft länger als mit fedjjig! 914 Saflnit 3n iljren bunflen SBimpera glänzten frönen unb fielen langfam Ijetab auf il)r rojige« @eftd>t, oljne beffen ßieblidjfeit im geringften gu entftetten. Da« ift eine ©igentümlidjfeit, bie für gemöljnlidj nur in Romanen oot- fommt. SÖ4b6 machte eine SluSnaljme in bec SBirflidjfeit. SBarum meinte fie? SRan t)atte iljr einen (Satten oorgefdjlagen — unb fie Wollte (einen. Der ©etreffenbe mar in jebet SBeife eine roünfdjenämerte ©artie. ®r ge? f)örte mie fie ben erften Greifen an, er falj gut au« unb, ma« julefct in ©etrad)t gezogen wirb — er mar ein üottfommen adjtungSroerter dl)atafter. SBa« flimmerte ba« ©464! Sie fannte iljn faum. Der junge ERarqui« mar meitläuftg mit ifjnen bermanbt unb mit intern ©ater befreunbet, ba« mar Sitte«, ma« fte oon iljm wufete. ©inmal nur tjatte er fie gefeljn; fie gefiel iljm. Da« übrige Ijatte er mit iljren ©Item abgemacht. Stber bie kleine Ijatte iljren eignen ®opf. ©turnen, itjre ©ßget, ifjre $unbe genügten iljr üottfommen; einen SJlarat Ijatte fie nidjt nötig. SBenn fie einen SBunfdj Ijatte, fo brauchte fie iljn nur au«gufpted)en unb mit Sfreuben mürbe er oon iljren ©Itent erfüllt. SBa« brauchte fie meljr? Eiein, nein, fie wollte nidjt. Die ©Item ftimmten gum erftenmal nidjt mit iljrem üerwöljnten £ieb- ling überein unb — ©4b4 meinte. (Serabe in biefem Slugenbticf trat ber ©efprodjene in« Bimmer. ©eim erften ©lief auf ©4b48 oermeinte« (Sefidjt — bie Oertegene SRiene ber ©Item — begriff er bie Situation. ©in Sädjeln, oietteidjt etwa« ironifdjet Elatur, umfpiette feinen SRunb. Da« ärgerte ©4b4 unb fdjnett troefnete fte itjre Xljtänen. lieber fjreunb, fommen Sie in mein Bimm«," faQtc Eloul auffteljenb. „3dj Ijabe eine Stage an biefe junge Dame, wenn Sie mir ertauben. — Elidjt mafjr, idj bin bie unglüdtidje Urfadje biefer Unterrebung?" 8464 trat entfdjtoffenen hätte eine tiefe SBahrljeit," fügte fie leife hinju. „SReine ©eliebte, feien ©ie mir nur nicht böfe, — ©ie finb nun ein= mal mein angebeteter ffingel, warum foll ich ©ie uijeitStag ju beftimmen. SBir ftnb fd)on Oier SRonate oerlobt" „EBir Werben eS fünf SRonate fein, ober fechS, ober jeh»." „Sie fcherjen graufam; ©ie haben oerfprochen." „Slun, bann habe ich geirrt, eS liegt an meinen (Sltern ju beftimmen unb bie haben ElichtS beftimmt — — voili!" $ie fegöne grau. 917 „Uber geliebter (Engel, $>u weigt, bog —" „kennen Sie micg nicgt ,$u‘" „Sie braunen nur ein SBort ju fagen unb 3gre (Eltern erfüllen, WaS Sie roünfcgen." „Äber eS fällt mir nic^t ein $u wünfegen-Ulfo laffen Sie micg in 9iuge, Urtgur, ober icg werbe emftlicg böfe." ®et fo beganbette junge (Bräutigam ergob gcg mit einem Seufjer. „abieu, Zeuerge. ffiir »erben bocg unfern Sftitt machen, um bie Shtinen anjufegn?" »3a, ja." (Er »erlieg jögerab ben Salon. (B4bä »arf baS (Bucg, welcgeS fte in ber $anb Ijielt, ungebulbig auf bie (Erbe. „SBirb er ewig nur ,teurer (Engel* fagen? SBie fabe er ift! fBie wirb baS Seben an feiner Seite micg langweilen! Unb icg gab’S mir nuSgefucgt!" IV. ©äbä gatte ficf) öon ben übrigen ber Äaöalfabe getrennt unb ritt in boßem Galopp einem ©raben ju, ber megr ein abgrunb genannt Werben tonnte. 3gt (Bräutigam folgte igr. „SEBifien Sie, bag Wir einem abgrunb entgegenreiten?" »3a." „Sie Wollen hinüber?" „(Bießeicgt hinunter." „SEBie Sie wünfegen, aber, mein (Engel —" „$aben Sie angft?" „Stein, icg folge 3gnen bis in ben Zob *BSb4 lachte ironifcg. (Er folgt mir, aber er lägt mieg gerben — bacgte ge; quel charme que cet homme! Um nur nicgt „nein" ju fagen, tötet er mieg. Äomme icg aber lebenb an, bann miß ieg igm jeigen, »aS icg öon folcger Siebe gälte. So pgantagerte ge; nun biegt üor bem abgrunb angetommen, fpomte ge igr (ßferb jum Sprung, als eine Stimme befegtenb bonnerte: „#alt! £alt!" ©äbä warf einen überrafegten ©lief auf ben gremben, ber auf einmal, als fei er auS ber (Erbe gewaegfen, öor igr ganb. Zamt, ogne weiter auf ign ju aegten, »oflte ge bennoeg öorwärtS. 918 @agnit. „Wicfet einen Stritt weiter, fage id^l“ „Unb weSfealb nidjt, mein §err?" „©eil iefe e§ 3fenen berbiete!" Unb er fiel ©464# ißferb in bie 3'*9 e ^ mit neröiger Sauft. „©er ftnb Sie unb wa« feaben Sie mir $u beferen?" „3a, Wa# feaben Sie ju beferen?" roieberholte wie ein Automat Slrtfeur. S)er grembe würbigte ifen feine« ©liefe« unb fuhr, ju ©464 gewanbt, mit fefter Stimme fort: „3at, ein anbere« ffiefen (Sötte# ju berfeinbent fiefe ju töten!" ©o nur featte fie biefe Stimme fefeon gehört? 3efct erft fafe fie ifem fefearf in« (Seficfet, jeben 3^9 erforfefeenb, unb wecfefelte bie garbe. Cm Säbeln, ba« fie fannte, umflog feinen STOuttb. 6« war ber SWattn, ben fie mit feefejefen Sauren fo eigenfinnig abgewiefen featte — — — Cr feiett immer ba« ißferb am 3ügel unb führte e«, ofene weiter ein ©ort ju fagen, auf einem anbem ©eg bem ©albe $u. ©464 liefe Sitte« gefefeefeen. gm ©albe angefommen, feörte man bie Stimmen ber e Sädjeln jeigte fid) wicber auf bem ©efidjt be8 2Rarqui§. „So, launifd) wie immer," fuhr ber 33ater fort, „aber wir fmb ganj mit biefem ©ntfdjlufj einöerftanben, benn feine SBiCenlofigleit" — „Sr wufjte ja nur brei SGBorte: ,Sa, mein (Sngel*, (Sie öerftehen, bafj baö unerträglich ift, 9J?arqui8." „'Ser arme junge SKanit, er fd)ien 3h neu f° ergeben! 3d) glaubte, ba8 genügte jeber grau . . ." „®ann irren ©ie. ©lauben ©ie, bafj man einen SRamt achten faiut, ber nur ein Gdjo ift? S)er ni^t eine einzige eigene 9lnfid)t, über waS eö auch fei, in feinem $opfe hat?" 334648 Sippen bebten. „Sch ^abe biefen SJZorboerfud) nur gemacht, um ju wiffen, ob et enblich einmal ,nein‘ fagen Würbe. 3d) erfehnte ba8 SBort ,itein‘ wie ber S3erbitrftenbe einen tropfen SBaffer." — „31lfo Sh r SJtann müfjte »erfteheit, 3h lien §u wiberfpredjen?" Unb ber SRarquiö fixierte 336b6 mit einem Sölitfe, ber ihm eigen unb ber fetjr burdjbringenb war. 33666 antwortete, ohne ihn anjufelfn. „33i8 auf einen gewiffen ißunft natürlich nur" — unb fie ladjte. 2(6 er 33466 War rot geworben. 3)er ÜJtarquiö »erabfdjiebete fich- (Bon nun an fam er öfter. (SineS Üage8 fanb er 33666 allein im ©arten. ,,3d) bin ein -Kann, ber feine eigenen 3(nfid)ten t;at unb einen feften SBillen, fie burd)jufe|en, glauben ©ie ba8?" ,,3d) habe bie 33eweife gehabt" — fagte fie ladjenb. „2(ber — 33666, ich fann aud) lieben." 920 Sloffig. Seibenfdjag jitterte in feinet Stimme. ©664 fentte ben ßopf, bann fagte fte leife: „Sie? Sie fönnen wirf* lief) lieben?" „SBoßen Sie ed, ©666?" unb et fagte ihre $aub. „3etj oerbirbt, benn ge lebt nur ihrem ©tarnte," antwortete bie gtödliche ©bittet. „Der ©tarquid bat eine fabelhafte (Eroberung gemacht," bemerften bie greunbe. „Die fdjöne grau — ed ift unglaublich!" Jlattiil Bilbourn’s Tmtttljq. Don 21lfreb Hoffig. (-Sfmßfrg.) ffi., ben 4. September 18 . . « dj wat oon einet 3bee begeigert, bie ©Hßionen oon ©tenfdjen ju gelben unb Stärtqtern macht. Sludj ich 10(11 «bei unb aufopfemb, ich führte ein tljätigeö Beben, welch ed bad SBopI bnberet §um 3iele hülfe, bbet ©e* geigerung ift ein Staufdj; unb naebbem bet ©aufdj Obrübet wat, hörte ich in meinem 3nnem eine mahnenbe Stimme, beten Saute ich nidjt Har Der* ftanb. (Sin nagenbed ©efüljl oerfolgte mich; unb in meinet Unruhe fchlug ich bie ©ücher bet SBeifen auf. — Slud ihren Seiten hattte mit biefelbe Stimme entgegen, bie ich nun begriff; bie SBeifen aßet ©öfter, aßet feiten lehren ald (Erged unb ^öcfjfted: ffitfenne bich felbft — 3^ nnfl nicht mehr ebel fein; ich ®iH wahr fein. Daniel SRelbourn'S ©erfudje. 921 5. ©eptember. SEReine Seele War fcfeeinbar fo feft unb ftar! jufammengefügt; nun ftürjt ein Pfeiler nach bem anberen, ich weife nicht, welchem Scfeicffale id) entgegengehe. 3^ feabe baS ©efüfel, als ob ficfe mir eine Aber geöffnet hätte, burcfe bie mein SebenSblut tjinauSftrömt. DaS ©efte, roaS itfe tfeun fann, ift: micfe felbft ju beobachten. Der ethifcfee SRörtel, Welcher bie Scfeleufen meiner IRatur fjermetifch jugefperrt ^iett, fällt jerbrödelt in ben Abgrunb, in ben ifem meine Driebe gleich reifeenben Strömen nachfotgen. deinen fünftlidjen fiitt mehr! Alles, waS in mir ift, möge frei unb ungefeinbert feerPorbrechen. 3$ will fehen, wer mächtiger ift, bie jertegenbe Äraft meines ©eifteS, bie alle ©eföfele in SRicfetS auflöft, ober biefe ©efüfele in ihrer elementaren firaft. 8. September. Die Stabt, in ber ich ge wirft, oerlaffe ich * n fiurjem. SBie ftaunen biefe Sinnen unb ©ebrficften, für bie ich gefämpft, beren Siebe mich fatS umgeben; Daniel SRelbourn, unfer Daniel SRelbourn oerläfet unS! ©laubt ifer benn, id) fei euer roillenlofeS (Eigentum geworben? Die SRatur fennt nur ©elbftfucht; IRäcfeftenliebe ift eine ^eudfjtctrtfc^e SRaSfe, bie ich h cra ^ ; reifeen will. 3aar ift grau unb bein Körper matt — waS fann bir bie SEBclt nun bieten? Deine Spröfelinge ftofeen biefe in ben bunfeln SBinfel, wo ber ©rofebaterftufel ftefet, bort fieefeft bu fein, fßoju feaft bu gearbeitet, woju gejeugt? SBoju arbeiten biefe ungejäfelten HRenfcfeenfcfeaten, woju erwerben fte ©ut unb erringen ßenntniffe? Die 922 »offa. ©ßilofophen fabelt eine Antwort bereit: um baS SoS ber 3Jtenfd)hett ju oerbeffern. Uub W 03 u bic 2Jtenfd)heit? 2Ber an biefe uralten Klippen, beten Äanten bie 3 *it nid)t abgeftunipft, nie anftößt mit feinem SebenSfcßiff, ber ift bod) um nichts beffer als jenes btöbe, graue Sier, baS fein Sebeitlang bie fcßweren ©öde juv SDtiitjte trägt, unb frolj ift, wenn eS fein bissen Jpeu, mit Slot uub ©djmujj gewürgt, ootgeWorfen befömmt. Sonbon, ben 15. (September. $a bin id) nun in bem viefigen SJtarfte angefomnten, ben fte Sonbon nennen. gd) füßte ntid) oerfudjt, nadj fiinbev= unb SGBeiberart auSjurufen: ,,©ott fei S5anf!" gd) fann nun fein, waS irij will; niemanb hat ^ier ein Stcdjt ju Bettangen, baß mein gnnereS ober mein SußereS getniffen be- ftimmten Slnforbernngeu entfprec^e. gd) !ann Xagtöljner, ©ürgerSmann, Äriftofrat fein; id) fann tugenbßaft fein ober nidjtswürbig — nad) bem Urteile ber SDtenfdjen — mit einem ©Sorte, id) fann meiner Statur freien Sauf taffen. ©iele pflegen eiugefdjiidjtert ju werben angeficljts einer großen, uw befanitten 3Jtenfd)enmenge. SJteine S'raft unb mein Selbftgefühl warfen in einer fotd)en Sage. SBenu itjv in mein gnnereS hineinfdjauen fönntet, ifjr eiteuben unb fetbftgefättigen SMeufdjen, bie itjr ben jungen Slnfömtnling fauni mit einem ©lide ftreifet — bie (Sineit Bon cudj würben auS Ghrfurdjt, bie Stuberen auS fnedjtifdjer gurdjt jur (Seite treten. Unb wenn id) eS felbft erfaffeit Will, biefeS ©rhabeite unb 'DJachtbotte, baS fo oft in meiner ©eele feine gewaltigen Schwingen regt — eS ift baS fid) ftetS me()r unb mef)t ftärenbe ©efüßt einer ungemühntidjen ©eftimmung — Weid) unfinniger SluSbrud — einer feften unb l)od) ^inauSftrebenben Ütjatfraft. — gd) habe eine tiefe ©egietbe, ju lernen unb 311 wirfen; id) tjabe grofje, Bielumfaffenbe Eträume; unb wenn id) oon meiner Xljatenluft über bie ©rüde beS 3elbft= bemußtfeinS ()inüberget)e inS ©eich meiner träume — bann toetben biefe träume 3 U ©tönen, beren ©erwirftiefjung id) anftrebe. 20 . September. gn wetd) Wahnfinniger ©elbfttäufd)ung mußte id) gelebt fabelt in jener ©eriobe, wo id) rnidj für tugenbhaft unb ebet ^ielt, wenn id) nod) je|t oft nur mit ©(bwierigfeit bie einfadjften natürlichen ©erhältniffe mir gefteljen Witt, gd) höbe midj wenig mit grauen abgegeben unb war übe^eugt, baß ich Wn gntereffe für fie empfinbe. gm ©ewußtfeiu meiner hodjethifdjtit Xtjätigfeit hielt id) mich für erhaben über jenes Bulgare gntereffe, baS alle gefunben jungen SRänner animiert. SllS wenn baS, waS ich an ®eift unb ©Sitten mehr tjabe, auf Soften meines tierifeßen Organismus mir gegeben worben wäre! — geh gehe manchmal bureß ftarffrequentierte ©affen, ich mache ©efanntfdjaften, unb prüfe ben ©inbrud, ben grauen auf mich machen. Hantel SKeIboutn'8 ®erfud)e. 923 (IS« liegt in ißm eine (Elementargewalt, bie meine Sebenäfraft fteigert. gn ®., wo id) früher Weilte, Ijatte ich ibeale SBer^ättniffe; fie Hangen gut in bem altruiftifättniffe georbnet unb lebe regelmäßig, (E« Wirb gut fein, ^iet nodj einmal mein SebenSfpftem burd)jubliden. ©or SlUem traute id) barnad), bie ©leidjberedjtigung be« Äörper« unb be« ©eifte« ju Wahren. SBemt idj bie altrömifd)en fieben Stunben, bie für ben Sdjlaf beftimmt finb, abrechne, fo bleiben mir fiebjehn Stunben für meine tägliche ©efcf)äftigung. grüh unb abenb« bringe ich je eine Stunbe mit grünblichen falten SBafdjungen unb fpftematifcßer ©pmnaftif ju; wenn id) ba« grüljftüd, ba« SJtittag« unb ba« Slbenbmaht ßinjujä^le, fo gehören oier Stunben au«* fdjließlich ber pflege be« Äörper«. 51cf)t, für geiftige Arbeit am meifteit geeignete Stunben gehören bem Stubium, jwei anbere fünftlerifcßen ©efdjäf* tigratgen, bie brei freien Slbenbftunben enblicf) bringe id> in ©efeUfdjaft oon intelligenten Seuten, fo oft id) e« lamt — in grauengefettfdjaft ju, ober xd) gebrauche fie ju weiten einfamen Spajiergäugen, Wo id) meinen ©länen nachhänge. ©ei ber 2Bal)I meiner Soft ^abe idj forgfältig (Efjemie unb s #f)t)fioIogie ju State gejogen; meine Speifen finb nahrhaft, möglicßft ungemifdjt unb reichlich jugeteilt. Da« Spftem meiner geiftigen ©ilbung ift einfach: nodj« bem ich einmal bie fdjulmäßige (Einteilung be« menffließen SBiffen« in SBiffenfcßaften oon mir gemiefen, burdjforfdje id) ba« ganje ©ebiet ber (Erfahrung unb ber Spefulation nad) einem natürlichen, in fid) begrün« beten Spftem. Da id) gegenwärtig ßauptfächlich ba« Stubium ber orga* nifc^en Statur öor mir habe, fo fehe ich mi befällt manchmal eine 2trt non ©rauen, Wenn ich °uf bem ©runb ber ftärfften, fiegeSgeWiffeften Stenfchen biefetbe 9tatlofig!eit, bie- felbe Scere finbe, welche bie fdjwädjeren Staturen jur Serjweiflung bringt. MtleS, waS ©eift unb ©tjarafter hat unb ftrebt, lerne ich fn er tarnen, prüfe eS, unb werfe eS ju bem Mlten. ßeigt mir neue Sftenfdjen, bie mid) etwas lehren Würben! Mm 3ntereffanteften finb noch bie ©ftreme, benn fte weifen am beutlichften bie Sorjüge unb Stängel eines XppuS auf. Mm öfteften uerfehre ich h^r mit §Wei SKännern, bie ju einanber im SerhältniS Pon fdjwarj unb weil ftehen. ffiant, ber jüngere bon ©eiben, ein ungemein intelligenter unb bielbelefener ©chotte, bet als ©tipenbiat im chemifdjen Saboratorium neben mir arbeitet, trägt in feinen jufammengefniffenen Mugen= winfeln ben ganjen ©pott unb 3weifel feinet berühmten SanbSteute. SBenn er feine ©latingeräte fpiegelrein fäubert ober feine bietgerühmten Mnalpfen bornimmt, fo fpielt um feine Sippen ftetS baSfetbe moquante Säbeln, ba§ einen betenben Mtheiften fennjeidjnet. MtS er fich einmal allein mit mir fa| im ©aale — er blieS gerabe angeftrengt auf bie $ohle — warf er plöfclich fein Sötroht auf ben Xifch, fchaute mich burch feine ©rille forfchenb an unb fprach: ©agen @ie mir, Stelboum, woju btafe ich h* er eigentlich fo rnütenb auf biefe $of)le loS; wenn id) leben wid, ich faßte hoch lieber $otj h°den, anpatt hier meine armen fünf Sinne — baS ©injige, WaS ich auf ber SBelt habe — ju ruinieren; ja wohl, $ol$ h°den ift unbergleiiafe Singe auger acht unb arbeitet auf bem grogen F^lbe, baS euer 9(uge umfagt Sollet ihr burcgauS f)intec bie ©renje beS §ori$onte8 flauen? Unb nun weig ich nicht: 3ff biefer eifenfefte ©ofitiöiSmuS bie höchfte ©hilofophie ober ©efd)rän!theit? Daniel SRclbourn’ä SBerfucf»e. 927 7. Dftober. Sltted, roorauf id) fcgaue, jege id) in einem natürlidjeit Siegte — ober, mie e* mir manchmal ftgeinen mitt, in einem abfoluten. Sitte bie $eucgeleien unb ftomöbien ber SJtenfcggeit langroeilen midj unb machen mid) ungebutbig: biefe grauen, loeldje und glauben machen motten, fie feien nidjt baju ba, um igren Körper genießen ju (affen; biefe ÜJtänner, melcge ed nicgt gefielen motten, ba^ fie fe(bftfiid)tige, falfcge unb beutegierige Ziere feien; atter äußere Schein, oerbunben mit innerer Seere — ed fcgeint mir oft, bag id) ©ritten trage, bie mid) bad #ugere ju burcgbringeit unb ind innere ju flauen jmingen. 10. Oftober. tiefer ebte SJtann, ber geute mit fo großem ©omp ju ©rabe getragen mürbe, ein Uniberfitätdprofeffor unb deputierter, — man fagt Don igm nur, bag er bie 3ugenb lehrte unb bad ©olf oerteibigte. Stiemanbem fällt ed ein, ju fagen, bag igm bie ©rofeffur unb deputiertenfcgaft lieber maren, ald bie 3ugenb unb bad ©olf. 3a, in unferer ©efettfcgaft gegt nur ©bled unb ©rgabened bor ftcg. SBeun bie ©Item bie Äinber lieben ober eine ©ge* gälfte bie anbere — mir erbliden ba lauter ©belmut, lauter menfdjlicge ©tgif. Siebe fo gut mie $ag, fliegt aud ber ©elbftfncgt, unb Aufopferung ift ein ©ergnügen, bad man ficg bereitet. SBann merben mir und bon bem dünfel befreien, bag mir feine Ziere finb? 12. Oftober. die Stadjricgteu über bie Statur unb bad Seben groger SJlännet inter« effieren micg Piel megr ald bie allgemeine SBettgefdjicgte. SBad gegen midj biefe topflofen, Pon SJtorbtuft getriebenen SJtaffen an? 3d) mitt bie Zrieb= febem jerlegen, bie bie gefdjicgtlicge ©emegung erzeugen, icg mitt ben ©(an igrer Äonftruftion unb igre ©tärfe prüfen. Unb nacgbcm icg biefe erfannt, lege id) an meine eigene Statur benfeiben SWagftab an unb finne über meine Äraft unb ©eftimmung. SBenn icg Äfled jufammenfafie, mad id) pottbringen mödjte, — ed mug ald Stefultat bie görbetung bed menfcglitgen gortfdjritted unb bed menfcglitgen SBogled ergeben. Siteine ©inbitbungdfraft erzeugt ©täne unb ©ebanfen, bie meine fügte ©emunft fontrottiert unb meine ©nergie Permitflicgt ÜBenn idg micg felbft prüfe inbejug auf meine 8eiftungd= fägigfeit, fo fomme icg mir mie eine oottfommene SRafcgine Por, bie Un* gemögnlidged probujieren tann — nur bag bie ©cgmiere in igr Pertrodnet ift. die unbeugfame Äraft groger SRänner erftgeint mir ald ettnad fo Sta* türlidjed unb ©elbftPerftänbticged, bag icg ed nie baju gäbe bringen förnien, femanben ju bemunbcrn. SJtein eigened SBefen bietet mit notg foPiel fpan* nenbe unb ficg entmidelnbe ©eiten, bag icg mit ber ©rüfung unb ©etracg* tung berfetben nodj Pottauf befcgäftigt bin. 29 Vol. 4/2 928 SRofftfl. 15. Oftober. 3cf) füfjle oft toarme 3uneigung uitb 8tnhänglid)feit für einen Wenfdfen; tneitn e« ein SBeib ift, fo fönnte man e« faft Siebe nennen; id) fühle oft ©egeifterung für bie ©föne, bie id) au«führen will. Unb bennod) ifotiert mid) mein falter ©erftanb fo öottffönbig oon allen ©erfonen unb 3been, bah ich oft mein SBefen al« in fih rc8 3Ran* gel« nicht fdjämen, benn ich ftet« wahr fein. — (Sine grofje 3bee regt mich an, Wie ein fdfwierige« mathematifche« -©roblem; fte Wecft in mir ©eifte«fchärfe unb Suft ju ihrer Söfung. SBenn ich an meine fünftigen Xhaten benfe, fo fomme ich mir Wie ein Stiefenfinb Dor, welche« mit einem Stentel äRelbourn’« Setfucge. 929 SUiputenoolfe fpielt; e« reibt fte in« Sieden, unb lagt pr ad) tboUe, taufenb* farbige Seifenblafen auffteigen. die« ftnb bie grogen Xgaten, bie grogen Serie, ftinberfpiel, unb bennod) ba« Sieben aufreibenb. 93on bem Sfolier* fcgemel meine« Berftanbe« au«, erbtide icf) Sie« in iignlidjem Siebte. SRad) reiflicher ©rwägung tann ich berartige BorfteHungen nur fär ©ebanfeit? berirrungen nehmen. 3n ben weitau« jaglreidjeren Slbfdjnitten meine« Sieben« fühle ich einen intenftben SiberwiHen gegen ba« moralifch Berwerf* liehe unb ba« fRüdläufige; eine lebenbige unb tg&tige Sgmpatgie für ba« etgifch Starte unb ba« ^fortfchrittliche. $at nicht ©griftu« Uugenblide hoben muffen, mo ihm Sohtfahrt unb Unglüd, ©taube unb Unglaube ber HRen« fegen gleichgültig toaren? Spricht nicht ba« Xeftament bon Uugenbtiden, wo ©griftu« — id) fehe bon ber Berfimtlicgung be« böfen fßrinjipe« al« leufel ab — bie Berfucgung empfanb, ein orientalifch geniegenber, poli* tifeger UUeingerrfcger ju werben? #at SRewton nicht bon 3eit ju 3eit ber ganje $immel«raum mitfamt bem ©rabitation«mechani«mu« unintereffant unb gleichgültig bortommen miiffen? ffi« giebt feine bom ftörper abfit trierte, chemifch reine feelifche Sefengeiten, bie in beftänbigem, gleichförmigem $egeifterung«li(gte brennen; ich bin etgifch nicht fcglecgter, al« fene grogen HRänner e« Waren, unb mein fonfequente« Streben nach SBagrgeit mug mich jur ßlargeit unb Harmonie führen. — 20. Oftober. Sarag 3benifg, bie Zocgter eine« deputierten au« HR., jwingt mieg oermöge igre« merfwürbigen Sefen«, oft igre ©efeüfcgaft ju fuegen. die ftiHe, majeftätifege ©rajie, bie igr innere« unb äugere« fennjeiegnet, ftiegt boeg fo bebeutenb bon bem flatterhaften Sefen junger grauenjimmet ab. 3gre tiefen, unenblicg fügen Uugen, beren garbe ich nicht enträtfeln tann, bezeugen bureg igten Uu«brud, bag Sarag bie Sagrgeit liebt unb im Ser* g&ttni« §u fieg felbft unb ju anbem naeg ungetrübter Sagrgeit ftrebt — daju fömmt bie weiblicge Unmut, mit welcger bie Scgwacggeit faft unjet* trennlicg berbunben ift; unb bie« ift ba« HRoment, welcge« meine Sgmpatgie für fte fcgwäcgt: fegwaege B tr f° nen tönnen unmöglich wagrgaft ©roge« begreifen. Uber wenn icg aueg fege, bag ein göcgfte« geiftige« ©inbernegmen jwifegen un« unmöglich ift, fo empfinbe icg bennoeg bie Begierbe, in ber Bereinigung unfere« betberfeitigen Sefen« bie göcgftmögticge Summe eblen, garmonifegen Sergnügen« ju finben. ©in unjägmbar ftarler Zrieb füget mieg biefer Bereinigung entgegen; unb icg fege mieg oft beranlagt, über mein Sergfittni« ju ben grauen ju {innen. diefe« einen HRomente« bin icg mit bot UUem bewugt, bag icg bie ©efeUfcgaft fgmpatgifcger grauen ftet« lieber auffuege, al« bie ber HRfinner. 930 SKoffifl. GinerfeitS wirft bo eine natürliche Siirje, anbererfeite gitb grauen, welche einen mehr pafftben Anteil am Sehen nehmen, öiel mehr baju geeignet, an bem Sefen eine* SJianneS tiefen unb innigen Anteil ju nehmen, als ein anberer SRann, beffen Seele üon feinen eigenen Vlänen unb abfidjten ein* genommen ift. Kenn ich i«bod) bon biefem einen fünfte abfehe, fo ift fonft mein Verhältnis ju achtbaren grauen burchauS nicht gefdjledglidj gelenn* jeidjnet; ich f a fl e biefem Sinne, bag eS mir nie einfällt, artig ju lächeln ober anbere ^öflichfeitSbejeigungen grauen gegenüber borjnbringen. hingegen ift eS mir ftetS gelungen, Vertrauen unb greunbfchaft feiten# ber grauen ju erwerben, unb bieS in einem ©rabe, welcher alle Schranfen ber ©efchledjtlichfeitS* unb ber gamilienbiSfretion auflöfte. ©aS SRittel jum 3wetfe ift für mich h> er wie überall mein fhftematifdjeS Vorgehen, gaft jebeS längere ©efpräd) führt ju einem im Voraus beftimmten 3i*Ie; matifch unb in ungemein rafcher golge lege ich bie Vorurteile blog, bie gegen ein engeres Ginbernehmen ju fpredjen pflegen, Oejeidjite bie ©e= rührungSpunfte, auf ©runb beren biefeS Ginbemehmeti fid) aufbauen lägt, unb geniege bann burch längere 3«it iw aufmerffamen Stubium unb gegen* feitigen pfpchologifdien Vefleyen bie fo gebitbete Vefanntfdjag. So mar eS mährenb meiner ibealen Ißeriobe in G., fo ift eS aud) jept. aber Wenn ich mich nun um ben ®nmb biefeS Vorgehens frage? 3d) fann mit barauf eine Rate Antwort geben, ©ie obergädjlidje, gefeSfchaftSm&gige Vefannt* fdjaft bietet mir nichts SntereganteS, nichts 3ufriebenfteHenbeS. Sch bertiefe ge, nnb empgnbe bann erft baS wahre Vergnügen eines VerfehreS. Äber biefe meine ftrt, mit fpmpathifchen grauen greunbfdjaften ju fchliegen, hat fchon fdjmerjliche golgen mit ftd) gebradjt. Sch bin baS bomi* nierenbe, gdj erteilenbe, bewugte unb beobaegtenbe Giern ent; baS Seib geht unbewugt in mir auf unb Hämmert geh an mich wit allen gafem ihres SefenS. GS fennt nur mich unb weinen Sillen, unb am Gnbe richtet geh all fein Sünghen auf mich, @i* lieben mich; h a & e ge nur lieb. Sg eS meine Scgulb, bag ich ge nicht lieben fann? Sa8 treibt mich benn baju, mit ihnen ju berfehren, als bie Sehnfucht, ein Seib ju gnben, baS mein Sefen ergänzen unb &u jenem natürlichen, unenbliche Harmonie in geh fchliegenben GinS mit mir berghmeljen Würbe? — Sd) wiH nichts be* fegönigen: in G. habe ich au f biefe Seife brei KebenSwürbige, ljöd)ft fpm* pathifdje Sefen gleichfam geifitig berführt — GS war bennodj nichts Un* ethifcgeS in meinem Vorgehen: leine biefer grauen empgnbet für mich bi* nun etwaS ÄnbereS als Achtung unb greunbfehaft. aber ich fdbft werbe mir unfpmpathifch. Stantel OTelbourn'S SBerfucfje. 931 22. Oftober. 3anb: baS märe bie Sluflöfung aller Orbnung, bie Sofung ju einem allgemeinen roßen Verfallen über einanber. ®a tann ich ntir nur mit meiner Theorie ber natürlichen, emigen «riftofratie halfen, bie bie größeren Bebürfniffe ber hertorragenberen 3nbi* oibuen für gegrünbet- unb ihre (Erfüllung für geredjt erflärt. Äber auch fte löft mir noch nicht alle Siberfprüche jmifdjen bem Natürlichen unb bem (Ethifdjen. 23. Oftober. 3 e öfter ich ©®*oh fehe, befto »ahrfcpeinlidjer fömmt mir bie Sbee oor, baß eS bennoch in ftch gefdjlojfene, felbftgenugfame SiebeSOerljältniffe geben fönne, bie auS bem Stanbpunfte ber SNoral als gerechtfertigt er» fd)eiiten. 3»ifchen jroei ißerfonen oerfd)iebenen ©efchlechteS führt Oon greunb* fcßaft jur Siebe nur ein Schritt. Sir finb fo h e r$tidj unb mohlmodenb 932 für einanber, wir fielen einanber um fo Siele« ttäger alb anberen Serfonen; faft in Ätlem ftnb wir einberftanben, Warum fott jwifcgen unb nicgt bab entfielen, wab man Siebe nennt? SBie fcgön wäre biefe Siebe, aucg werai fie nur Senate lang bauern follte! Sab 3ufammengie§en jWeier Seelen, jmeier £etjen; leiegte lörperlicge Serügrungen, bab fortwägrenbe Greifen magnetifcger Ströme, bie unb burcg bie Suft ginburcg fo füg öerbinben, — biefe Siebe, bie jjeben Süd fo befeligenb macgt — fie erinnert mieg an ein fcgöneb pggfifattfegeb (Experiment, bab in gcg gefeglogen fein mufj. So oft icg in Saragb ruhige unb bennoeg beftnnungraubenbe Äugen fege, entpfinbe icg ein tiefeb ©egegren bamaeg, bag wir einanber lieben möcgten. Äber icg benle (aum an ge, wenn wir nicgt jufammen gnb. 26. Oltober. (Sb ift mertwürbig, wie fegr mir alle öffentliche 3nftitutionen juwiber ftnb. SReine ©Iäne fcgliegen botg bie Organigerung gewtffer SRenfcgen* gruppen ein, ja icg gäbe fegon alb fthtb über öoflborganifationen gebaegt Seitnocg gnb mir Unibergtäten, Sarlamentbgebäube, fogar (Sifenbagnen unb Softämter bergagt. Sief er Änbrang einer lärmenben, grögtenteilb unber» nünftigen SRenfcgengerbe erfüllt mieg mit SSBiberwiÜen, ben ber gefunbe, mit (Sifennerben aubgeftattete ©tofegor SBorbgitl für ein ©ornegmtgun erßärt SRögÜcg — aber icg fügte eb §u tief, alb bag eb ageftiert fein follte. SRir ig nur (Sinfamleit ober eine Heine, aubecwäglte ©efellfcgaft lieb. SBie icg nun aueg bie (Sge igreb SRonopolb ber Qtücflicgmacgung beraubt fag, füglte icg mieg einfam unb wilb, unb erinnerte mieg an eine Stelle aub Äriftoteleb: Ser SRenfcg, ber auger ber bürgerlicgen ©efeüfcgag lebt, ig entweber megr ober weniger alb ein SRenfcg. 3gn tregen $omerb befegimpfenbe Sorte: dfpQrjtios, ä&efuoziog, avtaxiog. 27. Ottober. Ser alte Scgwäger gat biebmal Stecgt: $nbem icg mieg bon bem ge* mögnücgen menfcglicgen Senlen unb Sgun entferne, nägere icg bureg meine berjweßelte Äufricgtigfeit bem @otte, ber in abfoüiter SBagrgeit lebt, bureg meine entfegelte ERatürticgleit bem Siere, bab nur ben lörperlicg unmittel* baren Srieb lennt. 10. ÜRobember. 3 cg gäbe meine Selbgbetracgtungen auf eine ßeitlang äufgeben mügen. 3 n meiner wigenfcgaftücgen ©efegäftigung war eine Ärt bon ©aroypbmub eingetreten, bie bie enblicge Söfung einer lange bearbeiteten ftrage alb SRefultat ergeben. — Sie ©etegrten toben mein Satent unb meine ©elefen* geit, unb icg beginne immer berügmter ju werben bureg etwab, auf bab icg fleptifcg gerabfegaue. Stber biefe Sfepgb gt unfruegtbar unb bietet mir $aniel Stelbourn'« Serfudje. 933 itid^t höhere mtellettuetle ©enüffe an ber Stelle berjenigen, beten fte mich berauben will. Da« Stubium ber Statur — unb außerhalb begfelben giebt e3 lein Slnbere« — f eff eit bodj im ^öc^ften ©rabe. SEBemt td) eine unfenntlic^e SJtaffe in ihre ungemifd)ten (Elemente zerlege, Wenn id) ber Statur auf Stritt unb Dritt ihre oermeintlichen ©eheintniffe abringe, wenn ich bie Staturfräfte ihrer ©röße unb SBirlunggart nach auf« ©enauefte er« lenne, — biefe ©efd)äftigung lann ein Seben füllen, fte lann ein glüdlidjeg Seben füllen. Unb wem höhere Kräfte »erliefen finb, Wer neue ©efefce ber Statur entbedt — muff itfm nicht bie unenbliche SBotluft beg ©ittbedeng reichlich alle unerläßlichen Dualen be« benlenben ©eifte« entgelten? ©in Sopernitu«, ein Stewton, ein ©udle ober ein Darwin, muffen fie nicht felige Slugenblide in ihrem Seben gehabt haben, Wo fie jum erften SRal bag Slntlifc ber neuentbedten SBahrheiten erbtidten? 3ft bieg nicht jene felige Slnfchau* ung beg ©ältlichen, Don bem bie alten ißhilafabhett fpredjen? 10. StoDember. (Stachtg.) Darum will ich unaufhörlich formen unb SBahrheiten aug bem Schoße beg Unbelaimten emporförbent. 3dj bin glüdlich in meinem Stubium unb will eg fein; ebenfo glüdlich war ich, 19(1111 M) für bag fojiale unb materielle SBohl meiner SRitmenfchen lämpfte. Mber biefe £iifriebenheit cntfpringt nur aug einer gutwilligen ©eiftegbefchränlung. 3erumtappen nadj einer ©ebanlenquellc, bie iljn füllen fönnte, greife idj itacf) ber Äunft. Sie SRuiif erfcpien mir niemals felbftgenugfam; ba 8 §in* reifjeitbe unb Slufwüljienbe iprer Statur ift geeignet, wie ßett)e 3 U wirten, bie Seele 001 t bebriideitben Söorfteöungen 3 U befreien unb fie auf reinere unb tiefere ©efdjäftigungen ober (Senüffe öor 3 ubereiten. Sie ift wie ba$ 33ab beS ObpffeuS, jung unb ftarl fömmt man fjerauS; aber bann erft füljlt man SdjaffenSluft ober ba$ ©ebürfniS beS ©enuffeS. 3 « ber SRalerei bewunbere icf) nur ba3 garbenlonjert; bemt ben GIjarafter biefer fiunft bilbet bie ißrojeftion, unb icf) fann biefe SBefdpränfung nicpt leiben, fei fie erjwungen, wie bei unfereui ©rfennen, ober gutwillig, Wie in biefer ®unft. — Sichtung fpridjt nur 311 m ©eift unb 3 um ©emüt, jebodj nidjt ju ben ©innen. Stber wenn id) ben menfdjlidjcn ftörper, baS funftOollfte ©ebilbe ber Statur, ooU unb ganj unb oerebelt oor mir felje, bann fufjle idj micfj im f)ödjften ©rabe pljilofopljifd) unb fiinftlerifcf) angeregt. Sie unenblidje 3 wedmä§ig!eit, bie unenblid)e Symmetrie unb bie unenblidje ©djönljeit biefeS SÄeifterwerfe« ber Statur, werft in mir bie lebenbige Slljnung ber urewigen Qbeen, bie in ber SWnterie wirfen, unb biefe Slljnung fdjon reid)t Ijin, um an feinen Ignfeftenftols unb an feine 3 nfeften 3 ufriebenljeit ju oergeffen, unb fid) faft felig als ba§ Uniberfum 31t füllen. 28. Stooember. Unb fo fü^rt mid) SJtidjet Slngelo baljin, wof)in nticf) ein ißlato, ein ©pinosa unb ein ftant nid)t brauten; benn feine IßfjUofopljie nimmt mein gan 3 e« Sßefen gefangen unb mein fritifdjer ©eift füljlt ftc^ burcf) fid) felbft überWunben. gef» füljle midj mit ber Statur unb mit mir felbft Oerfö^nt; aber id) bin nid)t meljr in bie Setradjtung oon SRidjet 2tngelo& SBerlen oerfenft, unb id) beginne 3 U fürchten, baff bie« nur jene ^Betäubung war, 936 »offig. nach bet ich ftrebte. 3(f) miß meine Stimmung benüpen, um angenehme ©efeßfchaft ju fudjen unb felbft angenehmer ©efeßfchafter ju fein. 12. Dejember. Stein ftaufdj bauert ungemöhntich lange. Siit bem Sauber ber ftunft Derbanb ftd^ ber S«uber beb Seibeb, ber mich tiefinnertichft burd)bringt Sarah bezeigt mir fo Diel Suneigung unb ©ertrauen; mir befinben unb in ©efeflfdjaft mie aße Slnbern, unb hoch ftnb mir Dereint unb gehören nur einanber. 3h r munberbarer ©tief mirft fort, bib in meine tieffte ©infamfeit hinein, unb enttoeft mir manche träumerifche Stilen: 3 n feine einzelnen Seile jerlegen, um feine ganje Schönheit unb ©ebeutung erfaffen ju fönnen. Sie benfenbe ©tirne mit ihren ftarfgewölbten Äugenfnochen, Don einer reichen güKe auf griechifche SBeife Derfchlungenen $aare« über« fchattet, bie imponierenbe Harmonie ber 3üge, Derbunben mit bem ruhigen, fieberen Äu«brucfe ber Rügen, machen grau ©arthen ju einem weiblichen 3upiter. Unb fte h a * auch jene olpmpifche Etuhe, bie alle ©orfdUe be« Sieben3, alle 3^ een unb ©efühle burch ba« ©ewidjt eine« h^h eren ©tanb« punfte« in« unDerrücfte ©teichgewicbt bringt ©eweife ihr, bafj eine« ber Singe, an bie fte felfenfeft geglaubt, irrtümlich fei; bringe ihr einen neuen, höchft gewichtigen ©tauben bei — fte Wirb nie au« ihrer tiefen Etuhe heraustreten. @ie hat bie ftrt eine« geiftDoUen, für alle« wiffenfchaftliche unb ißhilofophifdje eingenommenen ©rofeffor«; fte hat beinahe feine ©ilbung, übertrifft ihn jeboeb an lebenbigem 3ntereffe für ba« fojiale Beben unb für ben gortfehritt ber fojialen Drganifation. SBenn fte ihre logifchen, ftet« flat erfaßten unb begrünbeten Rnftchten barlegt, ben emften ©lief auf ben ©oben geheftet, bie $ättbe im ©djofje gefaltet, bann ruht auf ihrer mächtigen ©rfchehtung ein faft männlicher 3 auber. @ie ift nie leibenb, wie EBor«htH, ihr ©ruber; fte ift faft fo grofj unb ftarf wie er. ©in pracht« Doller ERenfchenf^lag! ®ie haben beibe etwa« königliche« an ftth- 5. 3önner. 3r bennodfj nidjt fagen, mein (Seift miß fein tieffteS (SeljetmniS nidjt offenbaren. $bet fie mufj eS einmal felbft erraten. Um (Eines pat fie ntidj gebeten, bafs id) audj erfüllen miß: ich möge Ufr bie (Sefdjichte meiner geiftigen unb förperlidjen (Entmicflung mitteiten. Damit rooße fie meine (Segenmart Dergleichen unb bann Schlüffe jiepen. 3t itad) gebührte ben ©nglänbern ein ganz anberer Plaß in ber Sßeltgefdjichte, als berjenige, ben fte eins nahmen. Sie römifdje SBeltherrfdjaft war für mid) nod) ein ju geringes Peifpiet. 3d) Derfiel auf einen feljr oemünftigen ©ebanlen: tt>enn man in ben ungebilbeten PotlSmaffen baS nationale Pewußtfein werfen fönnte, fo Wären Diele, Diele Millionen ©ngtänber mehr auf ber SBett. Hin biefeit ©ebanfen zu Derwirfli^en, fonftituierte fich unfere ehemalige djriftlithe Siga als geheimer Perein für nationale Agitationen. ©inerfeitS Wollten wir im Polle nun mittelbar ben Patriotismus entflammen, anbererfeitS burdj uitferen ©nfluß beim Polle auf baS SRefultat ber 2ßal)lcn mit einwirfen, unb fo bie äußere Potitil uitferen Peftrebuugen gemäß geleitet wiffen, bis wir felbft inS Parlament lämen. ©ie feßeu, man wirb bei unS feßr früh Pürger. Sa uitfere nationale Shätigleit bie entfprerfjenben griießte nidjt ßerDorbracßte, fo begann fic nUmäßlid) ju finten. 2öir hörten auf, bie ©affenlehrer unb 2öaff er träger ju nationalifieren; id) bilbete mir einen richtigeren Pegriff Don internationaler ©eredjtiglcit, unb nun befchäftigte mich nte^r bie politifdje Perfaffuitg. Utatürlich fanb ich unfere Snftitutionen himmelweit entfernt Don einer ibealen, gleidjheitlichen Perfaffung. 3d) Wat ber feften Überzeugung, baß ich öaS AHeS ganz anberS machen Würbe — unb fo Würbe ich jum Jüngling, welchen aQeS, WaS mit feinen ibeallen Andauungen fontraftierte, in hohem ©rabe empörte. Alle ParlamentSmitglieber, alle Ariftofraten unb alle Pütger hielt ich fut nidjtSWürbigeS ©efinbel, welches früher ober fpätcr ber Pemichtung anhetmfallen würbe. Sen ÄönigSftuhl, biefen 8errt ber Spramtei, wollte ich niitfamt bem ©cepter unb ber ganzen lönigtidjen Schoß* fammer einft mit eigener #anb Derbrennen. Aber auch meine 9tobeSpierre= periobe Währte nicht allzu lange. 3d) holte bamalS bie UniDerfität z u befugen begonnen, unb einen fttub Don politifchen SRabilalen gegrünbet, welcher noch fortblüht, Währenb ich allen politifcßen fitam längft zum Übrigen geworfen. AuS bem Semofraten Derwanbelte ich mich iu einen ©ozialbemofraten. 3öbe bec ibeatften menfcbticben ©eftrebungen hinauf« gugieben, bie ift für 3ebett anfptetbenb, bec Statut unb gbeal Oetbinben möchte. Slber wo ift jeneb ©efeblecbt, bab feinem Siebebbtange fotgeub, barmontfcbe ©erbältniffe (nüpfte, unb bab (Element bet Siebe burdj (eine fteutbariigen ©emunftingrebiengen oerfälfdjte? 3or, baß ich ein folcßeb erreicht tjabe. 3or Äffern, auf bem $intergrunbe unferer 3citen unb an ber $anb ber Äuffdjlüffe, bie Sie mir felbft über fid) gegeben, 3h? SBefen Hat }U erfaßen unb feinen hiftaräfdjm Sinn ju nerftehen. Ser finb Sie im Berljältnib §u 3h ren Saftigen Borfahren unb jut Bufunft unfereb ©e» fdjlechteb? Sehen Sie, ba lam ich au f folflenbe ©ebanfen. Die Statur« mißenfchaften hatten mich gelehrt, baß bie Dntogenie ein ber Bhüafienie paralleler Brojeß fei Die ©ntmicflung beb 3nbioibuum& mieberholt alb Bhafen affe Borftufen, melcße bie früheren ©efchlechter burchgcmacht 3«nb anlegen werben. — Über unfere ©egenmart ober habe ich fluch meine — ich muH c# noch mal# wieberholcu — inftinftmäftigen Slnfühten, bie möglichcrweife galt} irr tümlich iiitb. — 3d) will ba ben Jpiftorifcrn ber ^ßt)itofopl)ic etwa# in# Jpanbmerf pfuidjen. 3$ bin ein Sßeib, unb will meine (Smpfinbungen offen au#fprcchen, aud) wenn fie 3h ncn öom wiffenfchaftlichen Stanbpuitftc haarftriiubcnb erfchcincit • möchten. Saut war für mich niemal# fpmpatfjifcf). 3ch bewunbere feinen ©eift, aber id) uerlange burchau# etlüa# s $ofitiue# Pon einem Senfer, unb Saut führt mich rtn ciucn Slbgruitb, au# bem er mir feinen redjten 9lu#meg jeigt. Siir midi ift et beängftigenb, obwohl id) Wol)l perfte()C, wie uneutbehrlidi er ift für bie Oiebanfenarbeiter ber 3ufunft, Don beneu idi abfolut ^ofitiPe# erwarte. 3$ fflge au#brticflid), baft ich cr it non ber Bufunft beit Aufbau be# ©ebättbe# bc# mcnfchlidjen Olebanfeit#, weldje# jener Sainfon zertrümmert, hoffen faitn. Sic ^hilofophen, bie nach Sant gefchtieben, fie bieten nicht# fo tfRiidftige# in pofitiocr SRidjtung, wie Sa nt e# in negatioer ^Richtung gelciftet. 3d) feilte iljn für ben 93ater be# 9?i!)iti# mu#, aber e# finb bod) nur proDiforifdjc unb irrtümliche Solgerungcn, bic bie SRcittner ber ©egenwart an# feiner Üeljrc ziehen; beim er be;,eid)net nidjt ba# ©nbc ber geiftigett Arbeit ber SRcnfdjheit, fonbent ben Anfang einer ihrer liditPoUftcn unb inljaltreidiften s f?()afeii. Sehen Sie, beuor mau fid) entflicht, fo zu forfdjeu, wie bic 9Renfd)eit unfere# 3iih r h un bctt# for- fcfjen, muh man erft grünblich überzeugt Worben fein, baß eine aitbere @r= fcnntui#quelle für bic SJtcnfdjcn nicht offen ftef)e, man muf} über bie Statur be# meitfd)lid)ett SBiifen# genau belehrt feilt. Stillt e§ 3h ne " ein, ju bc flogen, bah bie niri)t# al# eine Stilfchung ber 9Ratl)emntif fei? Sie ©efefcc finb bennoch biefclbeu, unb ich h^e eine Ahnung, bie mid) nie Der* leiht: wenn aud) bie Pon SRenfdjen entbccften ©efeße ba# abfolute SEBefen ber Singe uu# nicht offenbaren, in ihrem SRefultate beefen ftd) biefc ®t= rungenfdjaftcn unfere# fubjeftioen ©rfeunen# bennod) mit ber objeftipen £)rb= nung ber Singe. Sie mögen au bie ©raoitation unb au bie Sltomiftif nicht glauben; aber an bie allgemeine Sttufalität unb au bie Unoergcinglidjfeit ber SRaterie unb ber ßraft muffen Sie glauben. Unb feljen Sie, barum tann ich md)t Perzweifeln; vielleicht falle id) fchon Weniger au# einem @p= trem in ba# anbere, wie Sie e# zu tl)un fcheinen. Senn bah 3h* jefciger 3uftanb nicht# al# eine natürliche unb notwen* Saniel SRelboum’ä @erfud)c. 947 bige ©eifte?o?ciüation ift, baoon bin id) fcft überjeugt. Sie waren fo tief gläubig; 3h r ©efühl hatte bie Springfeber StyreS ©erftanbes io lange nie= bergehalten; Sie wollten fo lange nur oon ber 9Kaffe, nicfjtö oom gnbioi; buum wiffen. 9tun erfajjte Sie eine grenjenlofe Sfepfi?, ber ©erftanb würbe allmächtig unb oerbrängte ba? ©efühl au? 3h ret Seele; bie SJtaffe würbe 3h nen wibertich, unb ba? Snbioibuum ba? 3iel unb bie ülufflärung oon 9dtem. Sie waren beraufcht unb (jaben beit fürchterlid)fteit Safcenjammev: Sie finb nicht gefunb. Sollen Sie e? leugnen, bajj ba? Unioerfum oon ©efefcen bef)errfd)t wirb? Safe bie 9Wenfd)l)eit ein Xeil be? Unioerfum?, ihre ©efd)id)te eine SUuftration ber DJatuvgefefce ift? $)a? Snbioibuitm, weldje? Sie fo oft Ijöljer al? bie ©ruppe anfdjlugen, e? ift nid)t? nieljr al« eine Ijeroorragenbe Spifce, aus ber ber gefammelte gefdiidjtlidie Stoff wie ein eleftrifdjer gunfe peröorfpringt unb bie Umgebung in glommen fept. ®ie Xiefe S^reä ©eifte? unb bie 9Ö?ad)t 3^re§ Sillen? swingt mich, aud) Sie für einen fold)en Sammler be? ele!trifd)en Stoffe?, Oon bei» wir fpra djen, $u galten. Seid)er s ?lrt biefe ©ntlabnng fein Wirb — wenn wir ba« ©ilb fortfeßen wollen — aud) ba? fönnte man ahnen. $d) Wieberl)ole c?, Sie finb fron!; unb 3h re Äranfljeit mödite id) al« .\3t)perttopl)ie be? ©erftanbe? bejeidjiten. Sie ^aben feine Steligioit, unb Sie lieben fein Seib. 9lber Sie werben fid) entwirfeln. Sie Werben ftd) unb 9lnbere au? beni füllen, niid)ternen fWiroaita auf bie £>öf)en be? ©tauben« unb ber 3u0erfid)t emporfii^ren. Sie werben ben ©ebanfen finben, ber 3h l 'c 9lnfid)ten mit bem notweitbigen Sofe ber SWenfcfjljeit unb ber Orbnung be*? Unioerfum? oerbinbet; Sie werben wieber gläubig Werben, unb ber ©laubc, ,iU bem wie gelangen Werben, Wirb fällig fein, £>unbcrte oon fommenben ©efd)ted)tern in pofitiüer Ifjätigfeit $n erhalten. Sarum foll id) gfjnen raten — id) bin überzeugt, bajj Sie felbft auf bem Sege finb, einen neuen ©tauben aufjubauen; biefer ©taube mitjj Sie mit ber 9Jl)ilofopl)ie Oerföljnen. Unb ba? Seib, ba? Sie einft finben, muft Sie mit ber SÄcnfdjpeit Oerföhnen. Sie Waren jung unb unerfahren, al? Sie auf ber großen ©örfe be? ©ebanfen? ju fpielen begannen; ber unoermeiblidje ©anferott ift eiugetreten, unb Sie waren imftanbe, oiele SDteitfdjen jit fdjäbigen. Sammeln Sie bie ©rudjftüde 3h rcr $«be, unb beginnen Sie ein folibere? ©efebäft; gpre bi? perigen ©läubiger Werben fid) mit 3h nen bergleidhen, benn Sie waren bod) ftet? ein ehrlicher SWann. — Sa? Sie bi? nun ju gewirft, e? waren nur ©erfuche; ich mochte halb Oon Daniel SKelbouni? 3Tf)aten hören. Saite ©arthcit. 948 iRofftg. ®aniel SRelbount'8 Berfudje. 13. gebruar. Unb bicS foß weiblicher Satt fein, nit^t männlicher ©erftanb? gane hot alle Sotten meiner Seele mit einem SÄale getroffen, über fie ift ju männlich, als ba| ich fl* lieben fdnnte. geh fehe fie immer öfter, unb mein langgehegter ©ntfchlufj reift immer mehr heran. 20. gebruar. gane beftärft mich in meinem ©ntfdjluffe, Sonbon ju neriaffen unb aufs geftlonb ju gehen. gcl) miß ber geiftigen ©ewegung unferer 3**t genauer in« üngefidjt fchauen; bie „©rucfjftücfe meiner £>abe", wie gane ©arthen eS nannte, »erben ju einem neuen organifchen ©anjen ftch terbinben. ftlar ift eS nicht in mir, aber meine gelähmte $hatfroft bäumt ftch mit alter ©lacht in mir empor. geh »iß ben neuen ©tauben ergriinben, ben unfer galjr« hunbert erjeugt; unb foßte eS eine ^Religion ber Sticljtigleit fein — bie SfepfiS jehrt an unferem beften ©tarfe, unb um ftch 8 U enttoicfeln, braucht ber ©ebanfe ein erWärmenbeS geuer. 27. gebruar. S8o bift bu, bu herrliches SSeib, baS mein ftmtenber ©eift erfchuf, unb nach bem nun mein ganjeS SBefen fich fehiß? Neffen ©eftalt baS einig ©ine, menfdjlicf) Schöne offenbart, beffett ©eift gleich empfänglich mie tljätig ift ©leidjweit entfernt Pon ohnmächtiger Schwäche tnie Don männlicher £järte; auf ben ©tarnt geftüpt unb bennoch ihm Stärfe Perleihenb. 2. ©tärj. Sch berftanb eS bis nun ju enttoeber nur ©eift ober nur Körper ju fein. SBohl ahne ich, bafj eS eine natürliche Harmonie giebt, »eiche baS ©Ieiehgewid)t ber förperlichen unb geiftigen Xhätigfeit einfd)lief}t ©benfo mufj eS einen ÜHorb geben, in »eifern Selbftfucht unb Siädjftenliebe, tierifefje ©egierbe unb ibealeS Streben harmonifch jufammenfliefjen. 5. ©tärj. Sebet »ohl, Sh r Sreunbe, beren SBoljlWoßen mein WilbeS $erj ge« rührt. @3 ift hoch meine ©eftimmung, für bie Stenfdjheit ju Wirten. Die Statur, bie mich gebitbet, fte jwingt mich auch 8“ ber ürbeit, bie fie mir jugeteilt. Ser Sraum, aus welchem ich h eutc morgen auffuhr, h fl t mich tief aufgeregt geh ftanb auf einem $ügel, ben eine palmettbewachfene ©bene ringS umgab, ©ine fchttarje ©tenfehenmaffe Wogte auf biefer ©bene, ich h^rte ihre SBeherufe, unb fah, wie fte bie buntten $änbe flehenb ju mir empor« ftreeften. geh hatte ein WeifjeS Äleib an unb eine golbene Ärone auf mei« nem Raupte. gne! ©ieffeidjt hat mir nur ber $ropf>etenflitter gefallen. \mtt[ Jltdjjltnrflmnn Sei ber befcorftehenben ffentenarfeier ber franjöfifdjen fRebolution ftnb bie nadjftebenben @ebid|te beS berühmten Italieners non befonbetent 3tatereffe. Qa ira! Sin Snneiienltanj, frei ttadj 6nt Jtafitnifdjn i>c# Öar&ncci. L dftnrgnnbs (Sebirg ben frifdjen (Slanj geniegt, 5*t IlTame Hebe reift im Sonnenftraljl. ginlabenb harrt be$ Pflugs bas fatte (D{al Her pifarbie, wo nen bie (Ernte fpriegt. Hoch auf bie (Eraube fällt ber Sidjel Stahl (gleich rote bas Heil, bas Qlenfchenblnt uergiegt. Has Übenbrot, unheimlich, bdmmerfahl, Hie unbebauten gelber noch umfliegt. Her (Dchfentreiber feinen Stachel fchroingt. So bag ber Pflng roie fpielenb oorroärts bringt. Porroärts, o ^ranfreid}, bir gehört bie (Erbel (Es ächjt ber Pflng in ahnnngsuottem £eib, (Sefpenfter geigen auf im Hebeltleib, Unb Krieg roeisfagen ge mit Hngggebärbe. n. Her tobestranfen (Erbe tapfre Sproffcn (Erflimmen flolj ber 3öeale Rinnen. Sie ftnb es, bie mit hünenhaftem Sinnen Her Freiheit (Eoangelium erfchloffen. Sie alle braufen her auf ^elbherrnroffcn: Hefai;, nur um bie Pflicht als Hraut ju mimten, freigebig lägt er Unbre Hnhm geroinnen — Kleber, aufbräüenb nnter Schlathtgefdjoffen, 950 Unfer Dicbteralbum. mit bufdfigen Wimpern, wie ein junger £eu — Unb IHurat, ber fid? fdjlägt um eine Krone — Unb £jodje, im Sturmgeroölf ein Blitj ber 3 u 9 * n & — Unb marceau, ber geh ijingiebt järtlidj tren. Wie einer Kolben ^rau jum iiebesloljne, Dem frühen fjelbentob ber reinen (Eugenb. in. Der König bangenb cor ben prieffern fniet, Die Königin mit thränen Dollem Rittern Derteilt itjr iädjeln ben Bretagner Sittern, Dod} fdjroere ^irtflernis bas Schloff umjieljt. Da, ob ge and? fein irbifch Uuge gebt. Steigt aufwärts oon ben (Euileriengittern Sie, beren Haben bie (Tyrannen wittern. Der Parje Spinbel reicht bis jnm §enitb- 3a, alle Sbenbe beim monbenfdjein Webt nene ^äben ge ins ©am hinein Unb fpinnt unb fpinnt am bebten Schtcffalsfdjlufj. Brauufcbweig riitft an unb feine Scharen brängen. Der Stricfe Diel bebarf es, bidj 3U bringen, ©raufe Sebeüin, ^ranfreidjs ©enius! IV. Die Unglütfsboten gürmen blcidj heran. Dorbringt ber <$einb unb £ongwy ig gefallen. Die Flüchtlinge in bes Konrentes fallen Ubbitten fdjamDoII ber Deradjtung Bann. „Wie fonnten wir uns wehren, faget an. Wenn ganje £jeere an bie mauern prallen? Der Fnb r < r f an f- Derlaffen rings oon Ulfen, Was fonnten wir noch?" „Sterben mann für UTannl" irb ber ©arten, IDo Slumen in bem morgenfdjein mit mir ber ^reunbin »arten. Sie finb mit feudjtem Slid ermaßt; Kns ihres Scbdfjes Dnnfel Jjebt fidf ber trunfne Käfer fadjt mit grünem ©olbgefunfei. Knf Säumen unb im ©artenjaun Seginnt ein bnntes (Treiben, Die Sperlinge verwegen fdjan'n £anghälfig in bie Sdjeiben. Da öffnet fidj bas ^enfter »eit, Die fjolbe ift erfdjienen, Den Heij ber eblen IDeiblidjfeit 3 « Süd, ©eftalt unb mienen. Sie bat es UHen angetban. Der JDein will fie umranfen, DertrauensooQ bie Pögel nab’n, Um ihre ©unft 3a janfen. Cs lodt unb leua(b mit Sd;nee, Sdjroere Sorgen fällen menfdjen gans in UJel;. in. Per Canitroalb ftöf^nt Pom Sturmgebraus, Snm Cfyale bröt;nt (Es polier ©raus. — Pie IPolfen 3 iel;n 3n toller 3 a 9&» Pie Sd;atten ftieljn. Per morgen tagt! — Pas treue IPeib liegt auf ben Knieen Por iljres Kranfen Sagerftatt, Sie mad;en taufenb fernere mät;en mit jebem (Tag mef;r bleid; unb matt — „Hod; einmal roid idj’s Ijeute roagen, Pas legte unb bas fdjroerfle mal, €s b'Ift fein g3gern, tfilft fein Sagen, 34 mug beftegeln Hot unb ©nal." 954 Unfet S)idjteralbum. „3dj get?’ hinauf 3umE?errn, bem reid?en, Dem fd?on gehört bas E?ab unb (Sut, 3 m Dunfel miß id? 511 it?m fd?leid?en, UTit legter Kraft, mit legtem ITIutl Unb follt* er mir mein €injges rauben inein reines Ejerj — fo muß es fein — De^roeifeln bleibt mein einjig (Stauben Uns Reifen fann nur id? allein I" — Km Kbenb nimmt fie »oller Sagen Dom Salfen u>eg bas <£tjriftusbilb, Unb fpridjt 3um (Satten auf fein fragen, 3 nbem fie’s in ein (Eüd?Iein f^üUt. „IDill nod? einmal bas (Slücf rerfudjen Unb flagen unferm Ejerrn bie Hot, €r mirb nid?t barfd? mir Krmen flud?en, €r mirb fürs 8ilb uns leitjn bas Srotl" Sie geljt — cs fd?aut mit EOoglbetjagen Der Eferr bas IDeib, roenn’s aud? fd?on bleid?, | €r nimmt ben Cfyriftus oljne fragen, Derfpridft if?r aud? ben preis fogleid?, Hur eine Sitte nod?. I Sie fd?eibet j 3 n fpäter Stunbe non bem Eferrn. 1 Sie fut)(t bie Heu’, bie fie begleitet IDie itjrcs Unheils Doppeltem. Das IDaffer raufdjt 3n» Ct?albereid?, (£in IDeib it?m (aufd?t Dor Heue bleicfj! — IV. Dom Ejimmel Ieud?tet Der Sterne Sd?ein Unb fügt »oll Sauber, Den bunflett Ejain. — (Ein fel’ger ^rieben Die (Erb* ergebt, Sur <£f?rifinad?t nieber (Ein (Engel fd?u>ebt. Des Kienlid?ts Schein fällt auf ben Kranfen Unb färbt fein Kntlig geijterljaft, (Ein legtes £äd?eln fietjt man fdjroanfen Um feinen ITTunb — bann n>eid?t bie Kraft Des £ebens aus ber fied?en Ejülle — Dem IDeibe gilt ber legte Slitf: (Ein £eben?ot?l nod? — bann mirb’s {tilte, «Ein £eben fel?rt 3U (Sott suriicf ... Der^riebensengel fd?u>ebt burd?s Simmer Unb füljrt bie treue Seele fort. Sie fanb bas (Slüdf auf €rben nimmer. Sie finbet’s in bes Ejimmels Port. — 1 Durd?s tiefe Sd?u>eigen l?allt nur (eife Der penbelfd?a>ung ber alten Ut?r, IDie alles, folgt in il?rer IDeife Sie em’gen IDeltgefegen nur. Km £ager fniet bas IDeib — bie Decfe ^ullt tliränentrocfnenb ifjr (Sefidjt — Die Kinber fd?lummern in ber €rfe — 3 l?r Dater tot — fie roiffen’s nid?t. — | Sistoeilen irrt ein fd?lud?3enb Klagen Durchs 3 be, burftige (Semad? Unb flingt, com IDiberljatt getragen, 3nt leeren Ejaus gefpenftifd? nad?. Des IDeibes Seele fät?lt ein Sagen Doll Sd?mer3 — es iji ber ,flud? ber Sd?ulb, IDirb ewig il?r ein (Sott oerfagen Des Efimmels gnabenoollc Ejulb? — „Sein legter Slitf — id? mug »ergeben — (Er ruljt auf mir fo jtarr, fo falt. — £r fennt bie Sd?ulb — roirb er aud? fel?en Die Heu’— 0 folgt id? il?m bod? balbl" Sadft Die t?ei(ge teilt ^rieben aus 3n ernfler prad?t Knf jebes Qaus. Unfer Didjteralbum. 955 V. ^inftre IPolfenfdjmingen Rängen brot^enb nieber, XDeitljm majeßätifd? Breitenb it^r (Sefteber. Unb bes XDinters (Trauer $uflt bie ©eite $tur, Don bem (Eifesfdjaucr ^roftelt bie ZTatur. £s ©anbeit eine OTutter einfam Durdfs Dorf, 3©ei Kinber an ber f}anb, Sie fanb nodj feinen Sdjme^ensbalfam, Der feilte iljrer IDunben Branb. — Sie ©ifl 3ur Stabt unb fci’s im XDetter, $ort, ©o bas Unglucf fdyrecflid^ fjaufl, JDo nidjt ein £ reunb, ©o nidjt ein Hetter, IDo fte befdjütjt nidft eine ^auft. „Kommt, liebe Kinber, laßt uns eilen, Dag uns ber Sturm nidjt uberfällt, Den lob bringt uns ein fur3 Dermeilen, Wit fdjon ins (Eljal ber Hebel fällt I Bergt endj nur redjt an meiner Seite, Dag eud? nidjt bangt unb endj nidjt friert, Der liebe (Sott ift uns (Seleite, IDer ©eig, ©otfin er uns nodj fütjrt!" Döbeln. 1 « f umpfer Qörfaal, fatale IPänbe, Ulte, ganj jerfdjni^te Bant, Unb id? fitje, nnb idj fdjreibe, Sin not IPeisheit falber franf. „Oleine Herren, Dies nnb 3 enes 3ft nodj eine große crux, Croß bes Sdjarfftnns ber (gelehrten £ef(it nod} fefjr viel, fehr viel lux." Draußen größt im £aub ber £inbe Umfelfang ben König UTai, Unb mit helfen Ulufitflängen Sieht bas Bataillon vorbei. Berlin. „Durch biefen Ejoljlroeg — unb uns roinfen Die Cörme bann im Ubenblicht, Sehn mir erft ihre Kuppen blinfen, So («habet Sdjneegebraus uns nicht. — ieber. Unb eine Had?tigaU Nagt fo füg 3 m Strand? ooll meiger Hofen. JDir figen auf ber (Sartenbanf Unb fügen uns unb fofen. ITT find? eil. Unb taufenb Sterne fdjauen uns ju, lüie unfre tippen fid; gnben, Unb manches traute £iebesmort Derflingt in ben Ubenbtoinben. 3 a mannen Ubenb haben mir einjt Dort unter ber finbe gefeffen. Der ^lieber metfte. Die nad?tigalt ftarb. IDir haben uns lange oergeffen. Efeinj (Eooote. ■Ifitm Dich möd?t id?, es gib ein IDieberfeijen Da oben, mo bie em’gen Sterne fielen, Um Did?, mein £ieb; bod? migocrgeh’ mich nicht: 3$ blicfe gern ber maf?rheit ins <3egd?t. Unb täufd? inid; nid?t — fei bitter aud? ihr IDort — mit einer füge über fie hinfort. Unb hoch um Did? möcht’ id? ein IDieberfehen, Um Did? mJd?t’ id? ber .forfdjung Sag üerbretjen, 3 älts neue Ceßament. Der Dater fdjlndjjet leife Unb fäfjt ber Satire Saum — Die Sötjne rings im Kreife Debatten bas (SAtinen faum. Der prebiger fpridft: ^Sefotjlen Sei jetjt ber emgen Hut}’!" . . . Die Codfter Iadft oerflot}len, Sie benft ans Uenbe3>oons. IDien. 21Ifreb Ceniers. |it 6er teufte. u gel)eimnisoo(ler Ulann, ^infler unb cerfdjloffen. Sag’ mir, ob nid;t bann unb mann, Wenn Dein f}er3 auf Hülfe fann. Deine (Lt)rSnen floffen ? 3ft mir’s bodj burdfs öbe fjaus Qör' Dein ffer3 idj Hopfen; Unftät irrt Dein Slicf t}inaus, Deine Ejaare mirr unb frans, Stirn unb Sdfl&fe tropfen. 958 Unfft 2>id)ter«lbum. Durchs (Sebirgt tpüb unb faljl, tt>o fein fröijltdj tüanöern, Durdj bies abgefdjiebne Üjal, Sag’ mir, treibt Pidj Kains ITTal ©ber eines Knbern? Sern. ; Sein, idj t}ab ju nie! gefragt. - Crtnf ben Heft unb jiebe! . Q?as an Deinem £)erjen nagt, > Bleib* es einig ungefagt, ! Slber fließe! fließeI (Eriift geller. 3 rrbfulfd)f von 2 f r I fj u r -S r i II. I. Ciflifer Keif. 4 *') illfi Du £ujt unb ^renbe fehlt, mußt Du tyn nad? Ciflis gehn, mußt burdj feine (ßärten 3 ietjn, JDeitn ber £enj ftc fehmüeft mit (Srüit. Unter Bäumen, weit unb nah, Sitjen junge Burfdjen ba, Unb habei, nad? altem Brauet?, £iegt ber meingefüllte 5 d?laud?. (Einer trinft bem anbern 3 U, £agt ben (Toten felbft nicht Bub; (Erinft auf aller Seelen EDohl, mit ein. j „Ifdjemo <5uloI''t) EDatto fummt, I „€rti Kali!" ff) <ßigo brummt, $ 3 eber fingt fein £ieblings(ieb, ! IDic es it?m fein f)er 3 befdjieb. 3 a, milljt bu (Eamafdja -J-J-f ) fehlt, mußt Du hin nach (Ciflis gehn, Hluftt burd? feine (Särten 3 iehtt, 2 Denn ber £en 3 fte fehmüeft mit < 5 rüu. Haphael pa'tfanian. °) Cnß«<£tUigf (perßföf* lPort). ♦°) Splefcbrattn. *•*) mnfifant. f) . ff) (Bcargifcbes Cltb: €in mäbdpn n. f. w. ttt) fdjoufpitl, UagmzDcibe (pcrftfdjes EDort). Unfer $id>teralbuut. 959 IF. ntfdjrounben offne Spur 31 * meines tebeus (Sliicf, Unb eine IDnnbe nur Blieb mir im £)er3 juriicf. Oie frotje ZIadftigaU 3m grünen ©arten fingt, Oodf iffres £iebes Sdfall IHir nidft 3U Eje^en bringt. IPie mar idf Oir fo gut, XDie gern mit Oir allein! diu JDeib ooll Kraft unb IHnt <8laubt’ bamals idf 311 fein. Ocn gatten dag ft$’ idf 3 « meiner Kammer nun, Unb benfe nur an Oidf, Denn’s £?er3 miU nimmer rubn. Kommt bann bie bange Hacbt, Sudf’ idf mein £ager auf, Oodf adf, ber Kummer madft, Oie Sefjnfudft hört nidft auf! © Deiner £orfcit Jflut, 0 Deiner Kugeit ecfeu" — Ejab’ Kdft, fie finben an Oir Belagen. §ünbet auf uuferm oolfreidfeu paruag Ker3en nidft an mit milbem Sdfeitt, Sonbern, tteroig in £iebe unb Ejag, Kllen fräftigeu Seelen teuer, ^lammenbe $euerl Seib nidft u>ie ITTattlfijfon fräitflidf fein, £ieber wie (Srabbe ungeheuer! ♦ * * 31 Vol. 4/2 960 Unfer 2rt$teralbunt. ITeig', o neige trauern!) bidf, Cypreffe! Cot bie großen 2Hten von ber preffe! Klein bie feiten! 2lnf Cribnnengräbem Slütjt ben ItTammonsjägem, (Eintagsfhrebern, SInt)t ber ^eiltjeit adjl ein parabies. IDetje, arm im Denfen, eng im ^fiijlen, Cagelötjnem anf bes (Seiftes Stühlen fitterarifdjc Commis 1 ♦ * * 3m iDortfampf fanb id? mieber unb uneber Km fünften bie Sdjtpädjlidjen; Kein §ie! 3U t^odj für eure Cieber, 3t?r bann einfad) bamit begnügt, ex cathedra mit bem felbft* bewufjten Sone roiffenfdjaftlicfjet Unfehlbarfeit bie Antwort futjer $anb ju geben: ein ©influff bet Stauen auf bie SBiffenfdjaft befiele überhaupt nid^t Allein jum ©lfid Wat bet ^etöorragenbe ©eiehrte, beffen Cnjarafter bemjenigen beb ed)ten Stiften fo butchaub fremb unb, id) möchte fagen, feinbltd) gegen* überftelft, 3 um ©lüde war er nid)t bet SRamt, welker überlieferte 8 tnf bie ©ntrüftung unb ben Unwillen beb fattfam befannten unb berüchtigten „Jfant" in reid)lichfiem SRafje jujog. ©utte hat bem ©influfj bet Stauen auf bie (Sntwidetung bet SBiffen* f(haften eine befonbere, jWar nicht umfang* aber fetjt inhaltsreiche ©tubie gewibmet, bie feine 9 tnfid)ten getreu wiebetgiebt. Stach ©ulte ift bab Renten ber beiben ©efdflechter ein Petfchiebeneb, ein bebuftiPeb unb ein inbuftioeb. X)ie Snbuttion ift bie h^arragenbe ©abe beb SRanneb, bie $)ebuftion bie beb SBeibeb. SBOhrenb ber 2Rann aub bet ©eobachtung bet einzelnen <£rfd)einungen einen ©chtuff auf bab SfUgemeine jieht, befd)äftigt ftd) bab SJetb nicht mit bet ©eobachtung ber lonfreten S&^e, fonbem eb leitet aub einet befthnmten ©runbanfchauung Sotgerungen unb Stnfichten für ben einzelnen SaQ ab. SRit biefet ©erf(hieben» heit bet geiftigen ©eanlagung. hängt eb jufammen, wenn bab SBeib in feht Pielen Sollen ohne weitereb ©efhmen bab Süchtige trifft, w&htenb bem SRanne bieb nur auf bem SBege eineb fdjwterigen, längere 3«t in Hnfpruch 962 gutb. nef>menben EenfungSprozeffe« gelingt. (Sntfprecfjenb biefer Berfchiebenheit ber gciftigen Beanlagung bebient ficfj bec HRann bei feiner nnffenfd)afttidjen Arbeit unb gorfdjung ber inbuftiden 3Kett)obe, unb biefelbe fjätte eine ein* feitigc unb unumfchränfte ^errfrfjaft in ber SBiffenfdjaft errungen, menn nicfjt burrf) beit Siitflufj ber grauen, audj bie bebuftiüe ju ihrem Sterte gefommen märe, Einfeitige ^nbuftion hätte aber bie SBiffenfdjaft nid^t baoor behütet, ben fchmerften ^rrtümern ju öerfatlen unb burcf) fteinlid^e Unterfudjungen iijre großen unb erhabenen ou« ben Augen ju derlieren. ®ie« hat ber meibtidje Einftufj bereitet, er hat bie bebuttibe SRetljobe beförbert unb fid) ^ierburd) ein fehr bebeutenbe« Berbienft um bie Entmidelung ber SBiffen* fdjaft ermorben, benn nur bie Berbinbung bet inbuftiben unb bebuftiben SDtethobe bermag ben gortfdjritt ber SBiffenfchaft ju fiesem, nur bie aüfeitige 'Durt^btingung ber eineu burd) bie anbere ift imftanbe, ber Entmidelung be« SDtenfdjengeifteS ftet« neue Bahnen ju eröffnen unb ber menfdjtidjen Arbeit bie t)öc^ften Ergebniffe at« loljnenbe grüßte ihrer ^ätigteü in Hudfic^t fteUen ju tonnen unb menn ^oc^bebeutenbe Genfer ber früheren 3eit in ber auSfdjtiefjtichen Antnenbung ber einen ober anbetn bie unab* meiSliche BorauSfefcung für eine erfolgreiche Bearbeitung eine« beftimmten SBiffenSgebiete« erblicften, fo ift bie« nad} Butte eine dertjängniSdotte (Sin* feitigfeit getoefen, metche ftie »itffamften görbetet bet fttengen ffiiffenfchaft unb biefe« ttnerlenntni« feiten« eine« ERanne« wie Butte, bet trofc petfehiebenet gehler unb SRängel, »eiche feinen ffierlen anhaften, bou| internaitonnfy j|im$fed|pu nt ffliintljsn* ii. ßomanen unb Germanen. Dort 2TT. it internationale Jtunftfchau in SRftn^en. 967 Italien hingegen, baS bon allen tomanifchen ßänbern fid) ber ge* orbnetften politifcfjen gühtung erfreut unb alle Bbeale feines nationalen ffiinheitStraumeS nod) früher unb nachbrücflicher bemnrflidjt hat als ©eutfdj* lanb, beffen mächtiger ©unbeSgenoffenfdjaft eS fid) heute erfreut, Italien fennt in Malerei unb ©laftif feinen Oberen ©hrgeig, als für AHerWeltS* ©efdjmacf gu arbeiten unb bem raffinierten 2ujuSs©ebürfniffe ber großen internationalen ©elbfäcfe brillante ©efriebigung gu bieten, ohne jebe ^öfjere geiftige Rebenabfidjt. ©ine Beitlang Waren in ben italienifchen Ateliers bie ©arifer tonangebenb, beten ©hif fte halb noch übertrumpften, bann famen mit fjortunp, bem bergötterten ©panier, fpanifche ftinferlip^en unb kniffe in SÄobe — aber bafj bie Italien er auS eigenem $rang unb ftraftüber« fc^toang in ber ftunft plöjjlich bie fteilften SBege gu ben ^öc^ften Bielen ein* gefdjlagen unb ihrem nationalen ©eniuS gulieb allen fremben ©lunber unb alle unfünftlerifd)e ©pefulation auS ihren SBerfftätten berbannt hätten, babon ift nirgenbS ettoaS gu fpüren. SBährenb meines jahrelangen Aufenthaltes in Italien hoben mir emfic^tige SRänner oft genug befannt: bie Politiken unb mirtfdjaftlichen fragen nehmen ber Äunft bie beften ©äfte unb fträfte weg; mir ftnb erferjen fo (alt tnie eine gefunbe $unbenafe ju allen betoegenben SDtenfdjheitSfragen unb ©ollgproblemen. 35er abfolute ftunfthanbwerler ber ftopfmalerei, ber im neuen $eutfdjlanb, ba« ein Steidjj ber @erecf|tigfeit unb be« grieben« barftetten fott, bie 9teHame fo toeit treiben barf, bafj feinen altertümelnben ©ilbern auf einer internationalen 9u«ftettung ganje ffiptrafäle jur Verfügung geftettt »erben jum entliehenen Stadjteit unb jur moraltfc^en £erabwürbigung aller übrigen ftünftler ©eutfdjlanb«... „(Einen §u bereitem unter allen. . ." (Ein peffimiftifc^er (Spötter Kirnte ba atterbing« gu«rufen: #ier habt ihr ba« neue 9tei<$ in ber ftunft — e« ift aber auch banadi)! L’art, c’est moi! Ober mertt man an ©abriel SRap etwa eine Siadjwirfung ber Welt« gefchichtlidjen SfjatfadEjen feit Siebzig? Ober an unferem geiftootten Ulbert ft eil er? Ober f)at Ut)be bie (Erfolge be« beutfdjen Sojialiftengefefce« ab« warten müffen, um ftt^ für bie ©^riftu«legenbe ber SDHiljfeligen unb ©e* labenen ju begeiftern? 2>ie SBa^r^eit ift, bafj bie ^eroorragenbften beutfdjen ©itbwerfe biefer britten internationalen ftunftaudfteüung in ber IBaijl ihrer Stoffe ganj an* bere SBege weifen, al« ber aüeinfeligma(^enbe <£hauoini«mu« be« #erm ©echt. Unb ber einzige gerbinanb ftelter au« ftarlSruhe, ber auf einer riejtgen Seinwanb bie „ftegreicfjen ©rünber" be« 3)eutfc^en Steife« gar emphatifdj perhimmelt unb allerlei blenbenbe« ©eiwerf au« ber flafftfdjen unb roman« tifdjen iRequifitenfammer jufammengefchleppt unb $eroi«tnu«, Sentimentalität, ©hitifterbeutfchtümelei, 3i*K«, Himmelreich unb ©ranbenburger Xhot ju einer fabelhaften patriotifdjen SRafchinerie jufarnmengearbeitet hat — nicht einmal bie „ftornblumen" fehlen! — befriebigte jtoar ben Herrn ©echt in fo hoh* 01 SRafje, baf} biefer feine begeiftertften fritifdhen ©urjelbäume in ben 3«ütngen fdfjlug, allein bem ©ublifum wirb Weber warm noch Kit Pot bem ftetterfdjen ©ilbe. Unb bie 3urp, bie fo gern patriotifche (E£tra*%nftrengungen belobt hätte, fonnte au« ihrem golbenen äRebaiKenfchape nur eine SRebaiHe jWeiter ftlaffe für $errn gerbinanb fteller erübrigen, eine Auszeichnung, Welche ber ftünftler glaubte mit (Entrüftung jurütfweifen ju müffen. Unfere« ©ebüttfen« — $ie international? Jtnnftföau in SRflndben. 969 imb mit toiffen un8 batin mit bieten Rennern unb Runftfreunben einig — Ijat ba8 Rellerfd)e Runßmerl überhaupt feine ÄuSjeidfnung oerbient, benn e8 iß, um ein berühmtes SEBort ber berliner afabemifdjen 3urt) ju ge« braunen, „ein fdjiefer ©ebanfe unfünftlerifdt) au8gebrücft". SBoHte man aber bem $ed)tfd)en Runft«(Eßau0ini8mu8 bie Deutung geben: ®ie potitifc^en Segnungen be8 neuen ©eutfdjen 9teidje£ Ijaben ben (Einjetftaaten bie Äugen für bie #errlidjfeiten ber Runft geöffnet unb bie Staatsmänner toenben fidj an bie Rünftter, mit bem 3auber ißte8 1J3infel8 unb 2Reißel8 bie neuen oaterlänbißßen ©roboten bem 93olfe tedß ein* bringlicfj einjuprägen, fo ftnben mir in großen Runftjentren, j. 93. in 2Rfin* djen fetbft, fein praftifdfeS ©eifpiel bafür. ®ie Runftftabt an ber 3far, bie jmeitgrößte $auptftabt be8 IReidjeS, überläßt nicf)t nur einen großen Xeit ber munberfamen ©Köpfungen i^reS RunftfönigS flubmig L ruljig bem 93er* falle, fie ift audff bid ju biefer Stunbe nodf> nid|t fäljig gemefen, ben gelben« haften (Erinnerungen an ben beutfdj*franjößfdjen Rrieg, an Raifer unb 9teicf), ein gro^eö öffentlidje8 2)enfmat ju fepen! EElfatfadfe ift, baß ber Äuffcßmung ber mobetnen Runft eine 933irfung internationaler SRatur ift, baß in bem großen Urfad)en*Romptej bie polt* tifdfen (Ereigniße öieüeidß bie fteinfte Stelle entnehmen unb baß, mie ber SBettmarft ber SBaren, fo aud) ber SBettmarft ber Sbeett jmar üon national« politifdffen SDBedEjfelfällen beeinflußt, aber nidft auf anbere al8 bie Ijißorifd)* natürlichen ©efejje unb ©runblagen geßeHt merben fann. S)er (SntmicflungSgang menf Stomanm unb ©ermaneit ba8 ©leidjgetoidft Ratten; bie fteeßnif f)at eine erßaunlidje $urd)fdjnitt8t)ölje erreicht, bie fdfeinbare SKan* nigfaltigfeit ber .Stoffe ^inbert nitßt, baß e8 bod) nur menige ©ebiete finb, auf melden ßd) fämtliäje Runftodlfer begegnen unb ilpr 93efte8 $u leiften Oermögen. Äud) ba8 RunftoerftänbniS ber gebitbeten (Europäer ^at foüiel internationalen Sdßoung, baß e8 Oor feiner fünfttcrifcfjcn (Erfdieinung, unb märe ße nodj fo eigenartig unb fraßooll, mie oor einem ejrotifdfjen Wätfel befrembenb jurfldfmeid)t 99omiertljeit gilt nidß meßr at8 arißofratifdjer öorjug. (ßortfepung folgt) 970 «Iberti. JhrKttfij ^jpabrirafy Poti Cottraö 2tlbertt. IV. JSette S&üljiien. ^wei neue Bül;nen finb int Saufe beS September in Berlin eröffnet worben. SBir -V haben eS für billig gehalten, biefelben erft in biefem $efte einer Befpredjung ju untergeben, um ihnen Seit ju Taffen, ein wenig ihre Siele unb ihre (Eigenart ju entwideln. Xie erften Borftetlungen einer neu jufammengebradjten Xruppe unter einem neuen Seiter auf einer neuen Bühne tönnen unmöglich ein maßgebenbeö Urteil über bas Xheater felbfl geftatten — man muß jum minbeften bie erften SBochen öorüber gehen laffen, bis ba§ ©erfonal fich gefammelt, an einanber gewöhnt hat, bis fich Änfüfte 8« einem eigenartigen Stil h«au8gebilbet haben, bis fich auS bet SBaljl ber Stüde, ber ®rt ber (Einübung ein beftimmter leitenber (Bebanle ertennen lägt. §cute, um bie Witte beS Oftober, fängt man an nach biefen Dichtungen flat 8« fehen. OSfar ©lumenthal, befannt als Xheaterfritifer unb Berfaffer mehrerer Suft* fpiele ohne weiteren litterarifchen ©ert, nur ben »Brobepfeil* ausgenommen, mar eS fchon längft ein Xorn im Sluge, baß bie Befi|er beS „Xeutfdjen IheaterS* mit feinen ©tflden mehr oerbienten, als er, ber Berfaffer, felbfl. (Er befcßloß baher, fein eigner Sheaterbireftor 8 U »erben. Wit einigen ©chaufpielern, beten pehmiäreS Ber* mögen ihr ffinftlerifdjeö bei weitem übertraf, that er fi penn ©lumenthal, ber al! firitifer oft genug ba! ©egenteil geübt. Zer Ptatpan maufcpelte norüber — $err ©offart befaß nämlicp in ber Zpat 972 Blberti. fo Diel ©efcpmad ihn p mangeln — opne eine eigentliche ©ntfcpeibung. 3 ept foüten bie Sebenben „ihre Bifhenfarten abgeben*, Die O. BL p fagen pflegt: alb erfter natürlich $err Blumenthal felbft. 5 )et Sebenbe hat Siecht, namentlich trenn er bet Zljeaterbireftor unb SdjrtftfteHer in einer Brrfon ift. Bber bieSmal befam er Unrecht. „Bnton Bntonp* laut, mürbe gefehen, unb Btumenthal mar ber Be* fcegte. Bur. ber gmeite 91 t ermedte eine mirfliche unb natürliche Weiterleit, bie übrigen fielen flAglidj burch. ©in Zeil beS BublifumS mar freilich berftimmt burch bie Bnmaßung beS $errn Blumenthal, als erfter unter ben lebenbigen Zieh* tent bor bie fiffentlichfeit treten gu moOen. Um fo begeiferter geigte ftch ein an* berer Zeil: ich toenigftenS hörte nach" ben Bftfdjlüffen in meiner Umgebung, alb ber Berfaffer burdjauS hervor follte, mit Seibenfchaft „CSfar! CSfar!* rufen. ©in gu UebenSmürbigeS Bnblifum, baS feine Sieblinge bei ihren Bornamen ruft! $mar, fagen mir nicht Slafael unb Widjelangelo? Warum alfo nicht auch CSfar? Beben bem divino unb bem terribile als Zritter il s&nguinoso! ©ineS brachte baS Stüd gu Fall. @8 farrifiert belanntlich bie Bufgeblafenljeit ber Sdjaufpieter, bie ftch für ben Wittel* punlt ber Welt h^ten unb mit angelernten Bh r °f tn aus ben Werten ber Zichter bie Wergen junger, unerfahrener WAbchen bethören, melche naib genug fmb, biefe melancholifdjen ©rimaffen für echten Sdjmerg, biefe geborgten poetifchen Bh*afen für eigne Seibenfchaft gu nehmen. 3 n biefem Fall ift eS eine junge fiomteffe, melche fterblidj in ben berühmten Wimen betliebt ift. ©ang gut! Bber bann mußte auch Bntonp bor unfern Bugen unb bor benen beS jungen WAbdjenS in eine 3 ntrigue, einen Sprenhanbel bermidelt merben unb ftch babei als charalterfofer Sump ober als Warlefin entpuppen unb baS junge WAbchen über ihren 3 rrtum auftldren. Statt beffen hören mir nur, baß er bor fahren ein junges WAbchen habe fipen laffen, als biefeS ihr Bermögen berloren. ZaS Bublifum beS SefftngtheaterS aber, biefe jungen unb alten BSrfenjobber, biefe berfnödjerten Bourgeois, beren Seele in ihrem ©eibfeprante ift, fagt ftch jept: „Weiter nichts? ©ang recht hat er gethant Wer mirb benn ein WAbel ohne Witgift heiraten?* Unb bie beabfichtigte Wirfung ift gerftört. Zie Buffüljrung beS „gteunb &rt|‘ bon Srdmann«©hatrian ergielte einigen Beifall, aber biefeS breite, rüljrfelige 3 bpH ift nicht geeignet, bas Bublifunt in baS Zljeoter gu loden. Um fo mehr ermartete ber Zireftor bon ber gmeiten Beuheit: „ 3 mifcpen groei Wergen* bon Slicharb Boß. Zie plumpften Bellamen erfüllten borher bie BIAtter, ber Zichter unb ber Begiffeur, gmei eble „ 3 bealiflen", follten ftch auf ber Brobe bon Büljrung übermAltigt in bie Brme gefunlen fein, unb bergleidjen mehr. Unb ber Bbenb lam — unb auch biefeS Stüd fiel burch- plumperes Wacpmerf hatte man feiten gefehen. Zie Bhantafte reien ber Warlitt fdjmedten ja bagegen mie Sanbbrot, benn ber Waucp einer, menn auch tpöriepten, fo bodj ehrlichen unb naiben Wettanfchauung burchgog biefelben; in biefem Stüd aber ift aüeS £omöbie unb Süge, unb ber. fortmAhrenbe 3 anf eines ©pepaareS, megen eines Fehltritts, ben ber Wann bor — breigehn Fahren begangen , langweilte gulept gerabe fo, mie baS Schmanlen beS ff inbeS, welchem ber ©rgeuger eS ftch anfdjließen foDe, um gulept borgugiehen, behufs Wieberbereinigung berfelben gu fterben. ©S mar ein Zurchfall mit allen Spmptomen biefer ftataftroppe, unb ber Bolfsmip berfchlimmerte fogar baS Seiben unb fprach bon einer „Boß*couche*. ZaS fhtb bis jept bie bramatifepen Seiftungen beS ZpeaterS unfereS neuen Seffing. Bon ben fcpaufpielerifcpen ift nicht biel ©ünftigereS gu fagen. Zer Stertt ©erlitt« Iljeaterbriefe. 973 bei ZheaterS, auf ben $err ©lumenthal, gleich einem Schiffer, nie auf jenen einen gebaut batte, b« unnerrüdbar immer feinen Stanb bewahrt, erwies fiinpe in „©nton Äntonp", einen einfachen, fcbHernt Haafe fit» — und nicht — gefällt, „Starienfommer", „$er 30. Stooem« bet*, „(Eine Sott«« Plquet* u. f. w. $ann ein moberned Sc»aufpiel „3lfe* oon $and Olben, ein mit jefuitifcb«rabbinifcher Spipfinbigfeit unb fomöbiantifcbem 9iaf* finement audgeflügelted bramatifched ©eroebe oon Setlogenbeit, Siberroärtigfeit unb plumper Sentimentalität, eine unrebliche Spefulation auf bie Ifjränenbrflfen b»fte* rifcber Seiber, eine SJtarlittiabe fchlimmfter Sorte. Unb auf biefen Srei oon aud* gelochtem Suppenfleifdj, IfJaprifa, 3Jtijeb»SidIcd unb Saccharin batte Herr Sarna» bie größten Hoffnungen gefept unb im Soraud eine neue ©poche bed mobernen Xramad oon bemfelben an batiert! Herr Sorna» ift eben nur ber ein Xbeatcr fülj* renbe Scbaufpieler, ber »ont i&ramaturgifcben nid)t bad SKinbefte oerftebt, ber nur auf bie äußerliche Sirfung fiebt, bie tiefere, poetifebe, welche ben eigentlichen (Erfolg macht, aber nicht z« beurteilen Oermag unb barum fich Aber ben Sert neuer Stüde regelmäßig täufd)cn wirb, weil i»m bad ßonbentioneüfte unb Serlogenfte ftetd ald bad Dermeintlich Sir ffamfte, bad beißt ald bad ©ute erfdfeinen wirb, weil er eben nicht begreifen fann, baß )u einem richtigen Sühnenerfolge ber tbeatralifche unb ber litterarifche ffiert gehört, ba ber leptere über feine Sphäre b'naudgebt. Unb jept fünbigt er bie Siebereinftubierung alter, längft abgefpielter, wertlofer Schwänfe oon ' Slumentbal unb Subliner an, bie feine Jiape mehr ind Sbeater loden. Unb bad in einer 3 e *t, in welcher bie beutfehe bramatifche Sichtung wieber mächtig aufblüht unb jebem Sühnenleiter, ber nur bad ©ute wi0, Supenbe neuer, gefunber Stüde ju ©ebote flehen, welche einen unzweifelhaften (Erfolg oerfprechen! 9?un, wenn Herr Santa» in biefer Sichtung fo fortfäbrt, wie er angefangen, fo wirb er halb felbft alle feine Serbienfte auf bem ©ebiet ber Segiefübrung oergeffen machen unb fich ber ihm fo bereitwillig o»ne fein 3ntbun jugewanbten S»mpatbieen ber Serliner fchneü felbft berauben, ftflt ihn, beffen Selb bie Seurteilung ber bramatifchen Serfe offenbar gar nicht ift, giebt ed nur einen Seg: bie änfteKung eined tüchtigen $ra» maturgen and ben Seihen ber jüngeren, realiftifdj gefchulten SchriftfteDer unb firi» tifer, welcher bie eingehenbfte Seuntnid ber Sühne mit feinem litterarifeben Ser» ftänbnid nnb ©efdjmad Oer einigt. Stur oon einem folchen unterftüpt, wirb er an feiner Sühne wirflich Sebeutenbed unb $auentbed leiften, nur in engfter 3ü»lung mit ber mobernen realiftifchen Srobuftion wirb er ben (Erfolg bauemb an feine Jahnen heften. 3m anbern Salle wirb ed ipm gehen, wie fo Sielen — er wirb eine 3eit lang einiged Suffeben machen, bann wirb eine um fo ftärfere Seaftion ber (Enttäufchung eintreten, fobalb man ftch überzeugt, baß aud) er nur in ben al» ten, holprigen ©eleifen weiter fährt, unb bie öffentliche ©unft wirb ftch noch mehr oon ihm abmenben, ald er in XBirflicbleit Oerbiente. 976 «Iberti. 34 will biefen ©rief ntdjt f^Iießen, ohne mit furzen Sorten einer tfngelegen« fieit ju gebenfen, welche ju biefem ©lotte unb fpejieH ben ©orgfingern biefe« ©riefe« in engfter ©ejieljung ftetjt. San erinnert ft4 offne 3wbifel no4 meine« Ih*aterbriefe8 im Sailjeft, in wel4em i4 eine wahre unb ungef4minfte ßharaf» teriftif be« „Seutf4en l^eatersS* gab, befonberS be« SReflameljelben 3ofef Kainz (ber glftnjenbe unb ooHftänbigc Sur4faK beSfelben t>or bem unbefangenen Kopenhagener ©ubtifum beftiltigte wenige So4en fpäter bur4auS mein Urteil), — unb baran einige f^arfe ©emerfungen über einen Seil ber ©erliner Kritifer fnüpfte, ber feine Überzeugung für ein 8infengeri4t berfaufe, baS Reifet, ft4 ni4t f4äme, fi4 üon S4aujpielern, namentli4 oon $errn Kainz obfüttern zu (affen, unb bann bie lob« fjubelnbften Äritifen über bie ©affgeber f4reibe. Siefer Slbfaß beS 9(ttifeIS nun rief in ©erlin einen wahren Sturm ^erbor. Suftenbe oon ©riefen barüber regneten auf ben 9tebaftionötif4, über bie Sllpen tarnen fie mir na4gef!ogen, bi« in bie etoige Stabt, wo i4 angefi4tS ber ragenben Sahrzei4«n ber unoergängli4en gef4i4H>4 fn unb fünftlerif4en ©röße ben ftinten« ben Sumpf ber ©erliner Iitterarif4en ©erljältniffe faft bi« auf bie (Erinnerung ber» geffen hatte, unb baS fogenannte „tont Berlin“ fpra4 wo4en(ang bon ni4t« anberem als biefem Hrtifel. Unb no4 h f “t, na4 fünf Sonaten, beben bie Sellen, we!4e jener Sturm erregte, gewaltig n«4- Ser Serein „©erliner ©reffe", we!4er bie namhafteren (Elemente ber ©erliner 3ournaliftif bereinigt, unb beffen Sitglieb i4 bin, nahm in ber Sipung bom 3. Oftober 9(nlaß, fi4 mit biefer Sa4« z u be« f4üftigen. $err |)crrmnnn Sref4er, beffen 3cber feine Stilofogen in gewiffen hömif4en unb böswilligen Slrtifeln ber berfl4tigten „Seutf4en ©ebue" zu ertennen glauben, beten niebrige SenfungSart in einem ber lepten §cfte biefeS ©latteB mit 9fa4brud feftgenagelt würbe (mir felbft ift über biefe angcbli4e 9lutorf4aft ni4t« befannt) — fah fi4 nämli4 beranlafjt, für bie angeb(i4 angegriffene (Ehre berjenigen SeteinS« mitglieber einzutreten, we!4e baS Slmt bon Slwaterfritifcrn befleibeten, unb ben ©erein zum (Einfehreiten gegen mi4 aufzuforbern. S4on borljer war im ©eljeimen gegen mi4 gewühlt unb gehest Worben, unb einer unfeter befannteften S4riftfteDer beri4tete mir, man fei bei ihm gewefen unb habe ihn aufgeforbert, bo4 ja in brr Sißung zu erf4einen unb gegen mi4 Z u ftimmen. Sit Gemütsruhe fah i4 natür» Ii4 im ©emufitfein meiner guten Sa4? ben Singen entgegen, bie benn au4 eine für §errn Iref4er unb ©enoffen re4t unangenehme Scnbung nahmen. 34 erfldrte, baß mi4 ni4tS in ber Seit berhinbern tönne, z u jeber 3«l unb an jebem Crte au«zufpre4en, was i4 na4 beftem Siffen unb ©ewiffen für bie Sahrheit hielte, baß i4 eS für meine Aufgabe anfehe, gegen öffentli4r Sißftdnbc jeber 9trt, gegen bie Korruption auf jebem ©ebiete anzufömpfen, baß fein Sref4er unb fein ©erein ber Seit mi4 je an ber (Erfüllung beffen hinbern werbe, waö i4 für meine (Ehren« pfli4t als Senf4 unb S4riftfteüer halte, baß eS 3'bem, ber ft4 bur4 mi4 belei« bigt fühle, freiftehe, mi4 Z u berflagen, baß i4 jeben Stugenblicf bereit fei, meine ©ehauptungen oor bem orbent!i4en 9ti4ter bur4 3eugenauSfagen unb Siofumente ZU beweifen, baß in meinem Slrtifel nur oon Kritifern bie SRebe fei, aber ni4t Oon ©ereinSmitg liebem, baß nirgenb gefagt fei, jene beftec^fic^en Kritifer feien Sitglieber beS ©ereinS, unb baß i4 mir jebe Kritif meiner Iitterarif4en Shätigfeit feiten« be« ©erein« energif4 oerbitte, im lobenben ebenfo wie im tabrlnben Sinne. Unb thatfä41'$ traten aOe flar benfenben unb ni4t prrfönli4 Ooreingenommenen Sitglieber auf meine Seite. 3u meifterhafter Siebe fepte $anS o. Hopfen auSeinanber, ©erliner X^eatecbriefe. 977 bag bie Shtflage fid) nur auf einen Seil bet ©erlittet ftritifer beliebe, beten 3Äitgliebfem flainjfdjen Haufe regelmägige ©aftfreunb« Ichaft angenommen, befag benn auch bie (Ehrenljaftigteit, mir ffirjlich ju erflären, bag er feinen ©erfehr in biefem Haufe jept bis auf bie ©tögtichfeit oerringert habe. 978 Sllberti. ©erlittet I^eoterbriefe. ©aS nenne ich ge^onbelt nie ein ©entleman, unb ich bin ftolj auf einen folgen Erfolg! Sie aber fielet eS fonft mit ber ©erliner Hjeaterfritif auS? ES fefjlt nicht an ehrenwerten Elementen, welche ftd} jeber ©eeinfluffung entziehen, öon ben na¬ türlich abfolut über jeben ©erbadjt erhabenen älteren Krittlern wie ©h- Soutane ober Karl grenjel abgefehen, auch'unter ben jüngeren, — ich erinnere nur an ben einen abfolut unabhängigen ©djönhoff öon ber „Sreifinnigen 3eitung", — aber auch bie fchümmfte ©eft ber SäulniS, Korruption unb ©eftedjtichfeit hot unter ber ©erliner ©heoterlritif in erfchredenbem SRaße um fleh gegriffen. 3ener gaftliche Serfehr ber Krittler in ben Käufern ber ©chaufpieter unb ©ireftoren ift gewiß ein fehr fehlimmeä 3 e * £ b f n. ®o8 foH man aber gar fagen, wenn ein Zheaterreferent bie ftritif über eine ©orfteüung eine ©tunbe nach berfelben in ber SBohnung einer Künftlerin fchreibt, bei ber er fouptert, inbeS biejelbe ihm wührenb beS Schreibens über bie Stdjfel fieht unb ber ©ruderjunge braußen im §au8flur auf baS SRanuffript wartet? Senn ©heoterfrittfer mit Keinen ©djaufpielerinnen nach bet ©orfteüung in befannten SeftaurantS unter ben Sinben ju Stacht effen, unb bie Dämchen, fo oft m ©egenwart ©ritter öon jenen Kritifern gefprochen wirb, nur bie ©omamen berfelben im Stunbe führen: fagen wir „Stein Otto 1 /'... „Stein SBiüibalb!" ... u. f. w. Kenn fieute ©heoterfrittfer werben unb öffentlich Sühnen beurteilen, ju benen fie noch wenige SBodjen öorher im Verhältnis eines bezahlten Slngefteüten geftanben? Kenn ©ebafteure namhafter ©erliner 3«tungen berart im ©olbe ber ©ireftoren tjiefiger Sorftabtbflhnen ftehen, baß fie einen ©rucßteil ber ©ruttoeinnahme erhalten gegen bie ©erpflichtung, regelmäßig ©ettamenotizen in bie©lätter ju leiten? SennKritiler fich öon ©heoterbireftoren ©orfchüffe auf eingereichte, aber noch nicht öon biefen geprüfte Stüde jahlen taffen, bie fich hinterher als ganz mertlofe, unmögliche, ad hoc aus taufenb gehen zufaramengeftoppelte Stadjwerfe erweifen? SBenn anbere ftef» fchriftlich an ©heoterbireftoren wenben mit bem ©erfprechen mohtwoOenben Urteils für ihre ©fihne unter ber ©ebingung ber regelmäßigen ©emiüigung einer Hnzoljl greibiüette in jeber Soclje? Senn bieS ÄÜeS nicht einen tiefgehenben gäulniSprozeß in ber ©erliner gournalifüt bebeutet, fo weiß ich aüerbingS nicht, Wo bie Ehrenhaftigteit aufhört unb bie Eemeinljeit anfängt. Stan hot mich aufgeforbert, bie ©amen biefer Stufte ja nennen. Sin ich benn ein ©enunjiant? 3«h lämpfe gegen Serhättniffe, gegen ben 8“ftonb aügemeinet öffentlicher göulnis, gegen boS ©pftem ber Kor¬ ruption, welches bie fchranfenlofe $errfdjaft beS Kapitalismus, ber ©ourgeoifie not« wenbig im ©efolge hot, unb zur gänzlichen ©ergiftung unfereS öffentlichen nnb priöaten SebenS führen muß, jur ^errfdjaft öfterreichifcher 3»ftänbe im ©eutfdjen ©eiche, fobalb, wie eS bort bereits ber gaü ift, bie ©lutofratte ©iemanben hoben wirb, ber iljt bie ^errfdjaft emfthoft ftreitig machen fann. ©er Korruption gilt mein Kampf, bie ©erfonen ftnb mir gleichgültig. SBaS finb mir bie ganzen ©erliner Kritiler — öon bet Unfähigfeit beS §errn ©eumann«$ofer bis zu ber Anmaßung bei $errn ©djlenther? Unb baß jener Kampf, ben ich aufgenommen, ein guter ift, weiß ich für gewiß: mein eignes Semußtfein jagt eS mir, bie 3uftimmung aüer Ehren¬ werten, bie fleh um mich fdjoren, unb bie mütenbe Aufregung ber Sötte, bie ber- geblich ihr @ift gegen mich fpript — unb feib ftcher, ich werbe biefen Kampf fieg- reich zu @nbe führen, ober ich werbe nicht leben! ©ie Anzeichen mehren fter SReidjdf anzier, ein tebenber Beuge, ber nic^t wagen wirb, Unwahrheiten ju behaupten, bie man ihm fofort naof". 3ftan mag ©idmatcf bor* Werfen wad man will — übertriebene s Üngftlid)leit, gurchtfamfeit, ©djwad)» meierei wirb niemanb bon bem üftanne glauben, welcher ber ganzen SBelt bie SBorte ind Slntlip fchleuberte, fein ©oll fürchte ©oft aber fonft 9tteman= ben, unb er, ber nie ein SBort zurücfgehalten, bad ihm auf bie Bunge tarn, beffen ©eheimnid feiner biplomatifchen ©rfolge bie ©h^ttchfeit ift. Wirb wohl gewufjt hoben, warum er in jenem gaUe fchwieg. Xoch auch 2ftcmched fpricht gegen bie ffichtljeit. Xurd) bad ganze „Xagebuch" geht bie eine Xenbenj, ÄUed neben bem ©Treiber h^tabzufe^en unb fidj alle ©erbienfte zuzuweifen. SlQe bie grofjen SDiännet, benen Wir unfere Siege berbanften, unfere ©rfolge, bie neugefdjaffene ©nheit, bie ©eWunberang ber 2Belt, bie wir ald bie $elben unferer Beit angeftaunt, bor beren ©erbienften zähnefnirfdjenb unfere erbittertften geinbe ftch beugen, beren Stutjm an ben entfernteften SRarfen ber ©rbe lebt unb grünt, fie alle wären nach bem Xagebudj in SBirflid)leit Schwächlinge, unHare ftöpfe, großer ©ntfchlüffe unfähig, mutlod im entfcheibenben Slugenblicfü ftönig SBilhelm, ber $elb, bet Schöpfer ber fiegteichen Organifatiou bed §eered? fiaifer griebrichö lagebudj. 981 IDtan habe iljm bie neue ©inljeitafrone roiber feinen SBiHen mit fanftev ©emalt auf 8 $aupt brüden müffen!! 5)et eiferne Äanjler? 3 n beit mid)tigften Momenten bie Statlofigleit felbft, bem anbrängenben ißarti« fulari8mu3 gegenüber fdjmach, nachgiebig, $u einer felbftänbigen füljnen $hat nicht ju beroegenl! 0 grofjer ftanjler, mie unpolitifch ^aft bu hoch ge= hanbett, bafj bu gleidjtaufenb mit ben fid) angefidjta bet beutfdjen Xruppen felbft gerfleifchenben gtanjofen nicht bie §eere ber ©unbe3genoffen im geinbealager jum brubetmötbertfchen Kampfe um ben ©inheitaftaat führteft! ©eich ein !önigliche3 ©chaufpiel märe baa gemefen — für alle englifchen Slugen! «Ufo ber Stuhm unferer ata grofj angeftaunten SRänner jerfchmiljt por ben ©trabten biefea Xofumenta, unb nur er allein, Pon beffen potitifcher ©e» beutung bia bahin niemanb ein ©terbenamörtdjen pemommen, er allein märe ber grafte, ber geniale, ber umfaffenbe (Steift, ber Sülea geplant, porher ge« fehen, attea entmorfen, ben ©elagerungaplan, bie ©roflainationen, ©ott meift roa3 fonft noch, einzige, ber im entfdfeibenben SRomente eined ©nt« fchtuffea fähig, fich riefengroft emporgehoben über bie Reinen, halben ©eifter, roelche ihn umgaben!! Stach ben freimütigen Slu 8 legetn unter ben ©emun* berent fönnte biea bem ©öamilligen (eicht ala bie Xenbenj berfelben er« fcheinen. ®a 8 thatfächtiche Steue barin märe aber unjutreffenb, unb baa fubjettioe erfchiene ala ber natürliche unb menfchlich fehr etrflärlidje Slu 8 fluft Perbitterter ©timmung übet Permeinte politifche 3urüdfepung, bie hoch nichta mar, ala bie feinfte politifche Klugheit bea größten lebenben SWenfdjenfennera. 2 Jtan mirb fonach miffen, meld)e ©ebeutung man biefen ©lättern ju« jumeifen hat, felbft im gälte fie echt finb. ©ie haben ala fjiftorifc^e ®ofu« mente etma einen ähnlichen 23ert mie bie au 8 ähnlicher ©timmung heraud« getriebenen ©rinnerungen ber SDtarlgräfin Pon ©apreutp. Stuf bem ©ebtet ber SOtemoirenfchriftftetlerei machfen nun einmal, Pon griebrich bem ©roften abgefepen, bie eigentlichen Lorbeeren ber ^openjollent nicht. @d)t ober nicht — Peröffentlidjt burfte biefea Tagebuch nicht metben. 3 ept noch *ti«±>t! ©opl fehlt leibet gar mancpea, bafj ber ©au bea Xeutfcpen Steidjea ein unerfchütterlicher fei; noch toben im gnnem miberfpänftige, rebettifcpe ©eifter frech 0 egen baa golbftrahlenbe ©anb, melcpea bie einzelnen ©lieber jufantmenpält, ju Segtonen fammeln fich braunen bie neibifchen, nieberträchtigen geinbe, miftgünftig unferem“ neugemonnenen ©lüd unb nur ben geeigneten Slugenblid erfpähenb, fich auf una $u ftürjen unb ea una ju jertrümmern. Siicpta hält jene mie biefe jurüd pon ihren frieben3mär* berifchen Stbficpten ala bie blaffe gurdjt por ber ftoljen S'raft unferer mu 8 fel* fchmeHenben Sinne unb Por bem ©enie ber meitauablidenben SDtänner am ©teuerruber bea ©taatea. ©rauchten fie biefe nicht nupr §n fürchten — im Htterti. fetten Äugenblicf Würben fte wie SBfiljrwöIfe über un« ^erfaßen. Unb in bem* fetten SRoment, ba ein junger, für bie gemftefjenben nod) fcf) einbar unerprobter SÄonarcf) ba« ©jepter ergreift, ba bie fürchterliche ©rfcpütterung über ben ©erluft be« Sftanne«, ber be« ©aterlanbe« ©töfje peraufgefüprt unb fie gahrjehntelang gefdjüpt, nod) in ben Atomen jebe« einzelnen Steine« in biefem ©ebäube nacpjittert — in biefem ferneren, gefaljrfchwangeren Slugen* bKd fept bie angebliche, nadjflhtgenbe Stimme eine« tobten ÜDtanne«, ben man ohne bie Seleljrung oon fuubiger ©eite fraft feiner ©eburt, feiner hohen natür* liehen unb amtlichen Stellung für unterrichtet halten tonnte, ben ftch in« gäuftdjen lachenben geinben be« ©aterlanbe« au«einanber, bafj felbft alle bie wenigen loten unb flebenbett, bor beiten fie noch ein (Gefühl grauenboller (shrfurdjt gehabt, bie fte bon allen Übelthaten gegen un« jurücf gehalten, baff felbft biefe unflare Äöpfe gewefen, unb Weber bie loten noch bie Sebenben ihnen hatten gurcht einjuflöfjen brauchen. Unb fügt Ijinju, bafe biefer ©au, an beffen ©efeftigung wir Sille, bie Wir unfer ©aterlanb lieben, mit eifernem ffiifer Jag unb Stacht arbeiten, noch biet lofer unb wantenber fei, al« jene leiber fepon ahnen, bafj bie Stbneigung etnjelner Jeile gegeneinanber noch eine biet heftigere fei, al« man ftch i m allgemeinen borftette! Sch rufe Seben auf, ber auch nur ba« geringfte ©efühl hat für ba« äSot)( feine« ©aterlanbe«: ntüffen bie« bie inneren unb äufjeren geinbe nicht al« Slufforberung betrachten, nur recht fräftig weiter ju wühlen, unb recht feef heranjuftürmen: bie faum notbürftig jufammengeleimte ©arade werbe fchon nachgeben? Unb ba will man un« einrebett, biefe ©eröffentlichung fönne wohl gar bon Äaifer griebrid) ober feiner erlauchten ©emahlin gebilligt worben fein? Stein unb breintal nein! unb wenn ihr'alle erb entliehen ffiibe fchwören würbet, i()r h“t>et e« mit eigenen Slugen unb Df) ren gefehen unb gehört — ich ru f e euch in« Stntlip: ihr lügt! Jet ÜJtann, ber in punbert blutigen @chlad)ten fein Seben eingefept hat für bie (Einigung unb ba« ©lücf feine« ©aterlanbe«, in beffen ©ehint nid)t ein ftömdien mar, ba« nicht bem SSohle Jeutjd) : lanb« wäre geweiht gewefen, ber al« Äronprinj Jag unb S?ad)t nicht« an* bere« fattn al« fein ©ol! bereinft frei unb gtücflich ju machen — bie grau, bie fiel) fo ein« fühlte mit bem gefamten geiftigen fieben ber Station unb ihren ©tolj barein fette, bie Straft, bie ©emerbe berfelben auf neue, blüheube Stufen ju erheben unb alle« wahrhaft ©ute unb ©rojje, ma« fie au« ihrem $eimatlanbe fannte, ju unferem Stußen auf beutfefjen ©oben ju oerpflanjett: fie fönnen nimmer bie Jpänbe geboten haben ju folcher Scf)änb= lidjfeit! Sn fünfzig fahren, wenn ber ©au unfere« Sieidie« fo ieft unb ficher ftanb, auch ohne 3*o fl n9 nab EWilitari«inu«, baß alle Legionen Jeufel ihm nicht« anhaben founten, unb jeber Stein beefettett fid) nur al« bienen- Äaifer gtiebrithS lagebudj. 983 beS ©lieb be$ ©anjen füllte — bann fonnte eine folc^e Veröffentlichung am fßlajje fein, bann fonnte fie nicht mehr fdjaben, bann mar fie ba§ inter» effante fubjeftioe 3Woment»®timmungSbiIb einer h^c^geftellten ißerfönlichfeit auS fernen Xageu unb Kämpfen. Aber nidjt jefct! Unb griebrich unb Vif* toria, fo hoch gefteüt, fo unterrichtet, fo tief bie SWängel unferet gegenmär* tigen 3ufiänbe burdjfdjauenb, fonnten niemals fo meit in Unoorfidjtigfeit unb UnfenntniS oerfalten, um fich über bie möglichen golgen einer folchen Ser* öffentlidjung in biefem fritifchen Augenbtict nicht flar ju fein. ®aS fonnte einem Julius 9fobenberg begegnen, bem Herausgeber jenes eblen SlatteS, nicht jenen! S)enn biefe ganje Veröffentlichung, melchen eigentlichen 3l®e<* hotte P« im ©runbe? $)odj feinen anbern, als ben ber gemeinften SteKame für biefeS, oon allen vernünftig benfenben SJtenfdjen megen feiner unauSftehlichen Sangmeile gemiebene Statt! ©in paar ®ufcenb Abonnenten mehr ju fan* gen — baS mar beS fßubelS ganzer ßem, all ber Särm nichts als eine gefchäfttidje Spefulation! S)enn ben Seeljebub hot fein Sßferbefufj Perraten — meShatb biefe ganje fenfationeüe Veröffentlichung in bem einige Sage oor SRonatöanfang erfd)einenben Oftoberheft? SEBeil baS neue Quartal be* ginnt, ber jouraatiftifdje Jahrgang, unb mit einem gemid)tigen Stabau bie Auf» merffamfeit beS fßublifumS auf baS fdjlcdjt rentierenbe Statt lenfen moHte! Unb mit eifenter Stirn fefct H etr Vobenberg, ber als H^auSgeber jrnar nicht bie juribifche mohl aber bie'fitttiche Verantmorttidjfeit trägt, um ber SteBame, um ber paar Abonnenten mitten baS SBoht feines VaterlanbeS, ben grieben, bie 3ufunft 2)eutfdjlanbS auf baS Spiel. SEBenn baS nicht bie empörenbfte griPolität ift — roaS roollt ihr bann mit biefem SSorte bejeidpten? 0 ja, mir fennen ihn, biefen eblen Herrn 9fobenberg unb feine „oor* nehme" 3«tfd)rift, mie er fie felbft mit Vorliebe bejeidjnet. ©r ift grofj in folch Keinen Unoorfichtigfeiten, gleich biefer Veröffentlichung, bie mandjmal recht unangenehme golgen hoben fönneu. ©r fchrieb, Pom SBiffenSbrange getrieben, in ffinglaitb lange Artifel über öanb unb Seute in SBaleS, bis Hugo Schucharbt ber SBett bie betrübenbe SKitteilung machte, ba& ber finbige SReifefdpIberer nicht ein SBort fpmrifd) Perftehe unb fid) Pon ben biebern ÜBaHifern in ber granfamften Sßeife höbe anlügen laffen. Aber „pomehm" ift er, baS mufj man jagen; ftetS Pomehm, ftrebte er nach immer höh^t fojialer ©nttoicBung, uitb auS bem Beinen 3uliuS Sepp auS 'Jiobenberg mürbe julefct ein 3 U 1 ' U * oon Stobenberg — ganj auS eigner Straft ein felbftgemachter SJtann unb ©beimann. Unb Sotjalitöt hot er immer befeffen — auf bie ernfte, im oätcrlich mnmenben Xon am öffentlichen Orte erteilte Sitte eines fehiteibigen SaPalterieoffijierS auS ber Si'eihe berer oon Stoben» 984 «tberti. ftaifer &riebrt fo¬ fort telegraphifch *> em Suftijminifler jur Verfügung — telegraphifch un & bem 3uftijminiftcr! (Er hatte ja natürlich leine Ahnung baoon, baft ihm, ber oorfichtigertoeife nidjt einmal als üerantwortlicher Stebafteur beS VlatteS jeichnet, obgleich er eS tljatfächlich leitet, unb noch baju, nachbent ber Ver¬ leger injtoifchen ben Stamen beS (EinfenberS genannt, juribifch aud) nicfjt baS minbefte mehr begegnen Konnte. SBeldjer 9Wut! Selche Softalität! Selche Vornehmheit! 3a, bieSmal hatte bie rechte Sache ben rechten ÜRann gefunben, unb ber rechte SHann ftanb am rechten Ort! Stur ein 3uliuS Stobenberg toar ber geeignete SDlann, biefeS gewaltige $>o!ument in biefem geeignetften aller Augenblide §u oeröffentlichen, in feinem „oornehmen" Vlatte, jenem eblen Organ ber berufenen Särter beS beutfchen ©eifteS, ber ü|kofefforen, beten einer fogar biefeS Sagebuch felbft in bie Sie- baftion beförberte. tJürtoafjr, mit biefer Veröffentlichung fefcte bie „SJeutfdje 9tunbfchau" nur auf politifdjem ©ebiet ifjr Ser! ber Vergiftung beS beut» fdjen VolfSgeifteS fgftematifch fort, baS fie auf äftf)etifch=litterariframa. 985 tionaten Sorten tmidlung befeelt, ^abett wir bom grauenben SRorgen bis jut finlenben 9iad)t $irn unb §etj unb $änbe angeftrengt, bent ©aterlanbe eilte neue, gefunbe, bern tealen Seben entfpringenbe Äunft ju fdjenfen, unb barum bötfen mir fugen, baß unfere gebern fid^ in bie §erjen aller aufrichtigen unb unberblenbeten SKännet int ©aterlanbe tnie im AuStanbe eingefdjtteben haben. (Slenbe ©enfationShafdjerei, bermerflicher Äbonnentenfang, jämmerliche SReHamemacfierei, ftittoleS ©piel mit ben t)öc^ften nationalen ©ütern, ©e= fchimpfung beS AnbenfenS unfetet größten SWänner, unferer SRationalljelben, profefforaler ©finfel, Anmaßung unrechtmäßiger £itel, betlogette ©otnehnt= ßeit, h^Ht« ftd) ber gemeinfte ©igennufc berbirgt, gätfdjungen ber SBahrheit, nieberträchtige8 Unterbrüden jeher felbftänbigeu, rühmlichen fremben Seiftung, Sufammenfcfjließen ju einer genau begrenzten engen ©tique jur Unterbrüdung aUeS ©efunben, zur gegenfeitigen unabläffigen Serhimme* tung ber eignen Seiftungen, zur perfiben Ausbeutung ber UnfenntniS unb $armlofigfeit be8 ©ublifumS — in ben ©palten biefeS ©latteS, in ben Leihen unferer ©enoffen wirb man bie8 AUeS oergeblidj fucßen, beim mit haben e8 ftetS ber „©eutfchen Sfhmbfchau" überlaffen. 2Bir (ennen nichts als bie unabläfftge, emfte Arbeit nach Heftern SEBiffen unb ©emiffen für unfer ©olf unb zur Hebung beSfelben, unb ohne ^hurifäertum bürfen mir unfere $änbe erheben unb rufen: (Sott fei banf, baß mir nicht ftnb mie jene ba, fo „bomehm" — unb fo fdjamloS gemein! ©erlin, Anfang Oftober. ©onrab Alberti. %tnn (Sjtriarg* rntes Jlrama. Don <£rnft Sraufemetter. Vme ©arborg, ber befannte ©erfaffer ber trefflichen (Erzählungen: „En Fritenkjar“, „Bondestudentar“, „Mannfolk“*) tc., E)at fton mehr allgemein menf^tic^en tragen auS unb gipfelt nut in einer allgemeinen, politifdjen (SrlenntniS. ®ar= borg bagegen l|at jWei fpejieöe politifdje {fragen (Äornjotl ober nic^t, unb ©nfüljrung beS allgemeinen Stimmrechts) als SluSgangSpunft gewählt» unb an biefc anfnüpfenb, entrollt er ein politifdjeS ®emälbe, fobafe bie $ar* fteüung beS moralifchen 3uftanbeS in feiner $eimat gegenüber politifchen {fragen, nicht bie fiöfung biefer felbft ber ibeelle 3toed feines SEBerleS ift. Saher ift ber Sichter babor bewahrt geblieben inS Senbenjiöfe ju berfallen. ®S ift ein trauriges ©ilb, baS ber Sichter entrollt, ißaulfen, bem SJhtfterbilb eines Soumaliften, ber leine eigene ©Meinung hat, fonbem „ftetS bie gegenwärtige Situation acceptirt", legt er bie troftlofen Gxleitntniffe, ju benen er felbft Wohl burch feine politifdje ®arrtere — er War eine 3 *tt lang StaatSrebifor unb' potitifdjer 3 e itung8rebalteur — gelommen ift, in ben SJhrnb: „SJienfchen opfern nicht SKadjt für Siecht; eS ftnb bie 3nter* effen, bie in ber ©olitil ben 91uSfdjlag geben, nicht bie 3been" unb „ein ©olitiler mufe fidj beftänbig für alle 9Jlöglicf)feiten bereit holten, beftänbig jebe beränberte Situation mit ftaltblütigfeit acceptieren unb auSnü^en lönnen." Siefe ®rlenntniffe Werben nicht nur berlünbet, fonbern burch We öanb* lung beS SramaS ad oculus bemonftriert. Sie ©auempartei beS Storthing, an beren Spifce ber ülbbolat $off* mann, ©anlbireltor Sfrufe, Slbgeorbneter Slaerunt ic. ftehen, glaubt cnblich bahin gelangt ju fein, bie ÜDiajorität für ihre fpauptprogrammpunfte: „Stil* gemeines Stimmrecht", „$ein S'omjotl" erlangen ju lönnen, ba befdjliefet bie Siegierung burch einen SDiinifterwcchfel biefem Siege jubovjulommen. Staatsrat ©turne*) als SDlinifterpräfibent will ein gemäfeigt liberales Programm acceptieren nnb bie (führet ber ©auernpartei auf baSfelbe töbem. ®r fefct fich alfo mit bem StorthingSmitglieb unb (führet bet iftedjten ber ©auernpartei, Sftaerum, in ©erbinbung unb weife biefen burch Angebot eines SDünifterpoftenS, Wie baburd), bafe feinem Schwicgerfohn eine Anleihe auS öffentlichen Mitteln ju günftigen ©ebingungen bewilligt wirb, p bewegen, einen Äompromifeantrag, eine Erweiterung beS Stimmrechts, bie fogenannte „Subsidiaere Naenims“ cinjubringen fowie für ben ftornjoll einjutreten. Sie {folge hierüon ift, bafe eine 3erfplitterung ber ©auernpartei broht, ba bie „©eteranen" entfdjloffen finb SRaerum 3 U folgen. *) Xer natürlich niemanb anbe« als ber Winifterpräfibent Soerbrup ift. State ©arborgd erfted 5)tama. 987 Unb nun gelingt ed auch, ben Barteidjef bet Sinten bet Bauernpartei, „bet Unberf ähnlichen", $offmattn, ju fangen. SRan überzeugt ihn, bafj et butd) feinen (Eintritt ind SRinifterium unb fein 3ufammengeben mit Staernm bet liberalen Sache nur nüfce, inbem et babutd) bet ßerfplitterung notbeuge, ba alle feine Slnbänger ifjni folgen mürben, unb et oerljinbere, bafi ein fonferpatiped SRinifterium and Stüber fomme. Ob aufjerbem nach bet 3et* fplitterung feine ißartei noch ftatf genug fein mürbe, um ju fügen, fei aud) mehr ald jmeifetbaft. ®iefe ©rünbe, Pießeidjjt auch bie angebotene SRinifietmürbe jieben, unb ^offmann Perläfjt bie Sache, für bie er fein Seben lang gerungen, am Xljore bed ©ieged. Schon gleich nodj bem Anträge Slaerumd Ijatte bie Sinle bet Bauern* Partei ein um fo enetgifchered £anbeln befd^loffen, unb ju biefem 3®ede tooßte Srufe nodj ein Sölatt, „®en greifinnigen" etmetben unb ijatte auf ben Siat ©ißd, bed SRebafteurd bed ^auptorgand bet Bauernpartei, für bie Seitung bedfelben ben tabifalen gbealiften Henning — bet §elb bed $ta* mad, ober richtiger bet Präger bet $anbtung — auderfe^en. Slßed mar bereitd nereinbart, ba traf bet erfte Schlag, £offmattnd Schtoenfung. Slber Blumed unterirbifdfje SRinen arbeiten meiter. 9tudj Srufe mirb ein SRinifterpoften angeboten, auch ihm mirb gezeigt, mie niel mehr er bem Sanbe auf biefer ©teile nüpen fönne. Äld ginanjminifter mürbe ed ihm leidster fein alle feine PoKdbeglüdfenben Xräume ju oermirflicben ald ald oppofitioneßed ©tortbingdmitglieb. 3ubem ^at er bad Beifpiel ^offmannd t>or ftch, furj auch er oetläfet* bie ©einen unb bricht feine Berfpredjungen. ®enn nun foß „$et greifinnige" natürlich nach bem neuen Programm: „Sornjoß", „Slaerumd ©ubfibäre" rebigiert merben, unb menn Henning batauf nicht eingebt, läfjt man ihn eben faßen. $enningd ©taube an bie SBaljrijeit unb Sbealität bet ißotitiler ^at burd) $offmannd Stbfaß einen tiefen ©tofj erhalten. $atte er ju ihm bodb aß' fein Sebtag mie ju feinem 3beale emporgebticft. Unb nun aud) Stufe! SOßed um iljn ^et manft, unb er felbft mieber fteßenlod, bet Slot preidge* geben mie bisher, jept, mo er nicht mehr aßein für jtcb bafteljt, mo an feiner gefieberten ßebendfteßung bad ©tücf feined Sehend bängt, ©r bt mit ©efonnetiheit, fonbent mit bem Schwerte. Unb baS gedieht nicht, weil baS nortoegifdje ©oll gac nic^t eyiftiert <$S giebt einige ©prachftreber, bie e8 öerfudjt hoben ein norWegifcheS ©ationalgefühl fünftlich gtofjjujiehen. StaS nortoegifd)e Sol! geht aber hinterm ^Sftug unb bleibt Schweben unter« than." Soll er alfo für eine berloreue @ad)e beShalb, Weil er bon Spurten unb gewiffenlofen ßeuten umgeben ift, auf fein SebenSglücf berjidjten, ein ©lüd, „baS größer ift alg jemanb begreifen unb faffen lann. StaS t^ut man nur, fo lange man jung unb bumm ift.“ Hber nod) einen lebten Serfud) wiU er wagen, oieUeidjt hilft ihm ®tH, fein alter ftreunb, aug ber 9lot unb oerfchafft il)m eine ©teile an feinem IBlatte ober fagt für ihn gut. HUein audj ©ill Weift ihn juriicf, benn ©itl ift eben fclbft ein Opfer ber ©erhältniffe geworben. Hutama. 989 SBaS ftc^ in bem $rama ferner unangenehm bemertbar macht, ift, bah bie $anblung nicht ftraff genug geführt ift, ein Umftanb, ber bei Wenn ©arborg nicht aUju öberrafchenb mirft, ba er auch * n feinen Romanen ben (Sang ber ^anbtung oft burch meitauSgefiiprte, eingefchobene ©pifoben jer* reifet. S)ie beiben erften fehr umfangreichen Äfte finb jur ©cpilberung ber Situation oermanbt, unb eigentlich fept erft im britten 2lft baS „5)rama Henning" ein, um auch nun noch öuttp ©jenen, bie ber Nebenpanblung ©ill angehören, unterbrochen ju m erben. 3n biefer SBejiepung märe eS münfcpenS* mert, menn ft dt) Werr (Sarborg feinen groben SanbSmann §enrit 3bfen jum Sorbilbe nehmen mottte, mie ja beffen bramatifche Sechnit überhaupt mufter= fliltig ift StnbererfeitS jeigt fich ©arborg auch hier roiebet mie in feinen ©r= jäplungen als ein (Eparatterjeichner erften NangeS. SBelcpe fcharfe, inbioU buette SBefenpeit unb SJlannigfaltigteit bis auf bie unbebeutenbften Neben¬ figuren! Ser ibeale Jüngling Henning, ber in ber Siebften fcpliehlicp allein SBaprpeit unb ©tüct ju finben glaubt, ber charatterfefte, getreue ©itt, ber mürbige, biebere, aber ruhmbegierige ©rohpänbler Ärufe, ber friechenbe, fdjlaue, peimtüdifepe Naerum, ber biptomatifch feine, gemanbte, aalglatte, jefuitenpafte StaatSrat Slume, ber Nebner ißaulfen, ber fich befleißigt baS SWufterbilb eine# Kolititers ju fein unb fich mit ber JBermanblungSfäpigfeit eine« ®lbericp ftetS in bie neue Situation ju feßitfen meih, ber mit einem SBorte nur bem (Erfolge nachläuft, ein prächtiger 3oumatiftentppu3 oon her* Porragenb tomifcher SBirtung, ferner bie beiben fpmpatpifcpen graueneparaftere, bie eine (©illS ©attin) bie ernfte, reife grau OoH tiefem ©efüplS (ihre munberfchönen SBorte über baS SBefen beS SBeibeS), empfänglich für alles ©rohe, Schöne unb ßeine unb hoch immer baS praftifche, tüchtige SBeib, bie mürbige Sebenögefäprtin ©iQS, — bie anbere (WenningS ©etiebte) frifch, fugenblicp, öotl Weiterleit unb Qbealität unb ganj oon Siebe erfüllt — StSeS finb ©eftatten, bie fich nnS tief einprägen unb als mirftiche SRenfcpen in unferer (Erinnerung [haften bleiben. Ob W err ©arborg aber 9tecpt hat, bah bie Politiken ®erpältniffe nur in Normegen fo traurig finb, — hinter fßaulfenS unb WenningS SluSfprüdpen ift bie perfönliche 3ln* fepauung beS $)icpter8 ju fuepen — unb jmar meil baS normegifepe 83olt niept ejiftiert? ®aS beutfepe ®olf ejiftiert unb gilt eS bei unS meniger, bah bie Kolitif nur Äompromifj ift, unb bie gegebene Situation acceptiert unb auSgenüpt merben muh? ®ah perfönlicpe unb reine Eßarteiintereffen ju feiger Fahnenflucht unb Aufgabe aller bisher erftrebten Siele füpren? ®arum bürfte biefeS Drama eben auep geeignet fein, bei unS ein 990 «rttif. größere« 3ntereffe ju fittben, meint ed auch fdjeinbar nur in ffanbinatiifdjen 33etbältniffen murjelt. 3ebenfattd bat btefc (Schöpfung gejeigt, bafj ©arborg auch auf brarna* tifcf)cm ©einet eine $ufung f>at unb rufen mir iljm non #erjen ju „vivant sequentes“. %tm 8. ein fentimentaled ober ein patbetifched 8ilb zu einem anz anberd gemeinten Sejt fefcte u. f. w. 3e grfinbticber ber füngier geh in ben Se|t biueinlieg, je beffer er ihn bergeht, bego treuer im (Beige bed Schriftgetterd wirb er auch feine Silber — nadjbicfiten. Älfo (Be¬ fahren liegen genug auf bem ffiege bed 3ttuftrationdberfährend, befonberd wenn ed fchlubberig unb fabrifmäfjig betrieben wirb — billig unb fdjtecht. / Ser fcartlebenfdje Stofegger im Stacht* gewanb fcheint, nach bem ergen Stöbe* banb z u fchiiegen, nicht auf folche ge« ffibrliche Sfabe geführt worben zu fein; ber Sichter hat betgünbnidbotte unb forg« fame Äünftler gefunben, benen h°upt« fftchlich baran gelegen, bie hübf^en ©{fette ber gebet mit bem Stige zu untergreichen, b. b- Z u geigern, bie oon bem Schilberev og fo mächtig b eta ufbefcbworene halb heitere, halb traurige Stimmung burch bilbtiche Studmalung zu förbern unb, wad bad #etz empfunben, auf bem SBege bed Sehend bem ©ebüchtnid feget unb be« gimmter einzuprägen. fttittt. 991 3uweiten finb aber bie 3dnftratoren gerabewegb gu Mitarbeitern beb Sicf)terb geworben. Sin ©eifpiel fflt viele. Wo« feggerb Srg&hlungbweife ift nidjtb weniger, alb burchweg ftreng realiftifch, b. h« fie nimmt eb mit ber mögtidjft vollen unb lebenbigen ©SirtIicbfeitb«Wachbi(bung ber Figuren nnb ßanbfcbaften nicf|t immer genau; vieleb ift nur benannt, begegnet, angebeutet, aber nicht fflnfHerifd} aubge« arbeitet, nicht bargefteDt. 3n ber $anb« Iung fiberwiegt bab Sfnefbotifdje bab ©fp« dfologifc %t unb Sharafteriftifche. Sa ift nun ein nach« unb weiterbidjtenber Meifter beb Stiftb wie bagu berufen, ber Idffigen $eber nachguhelfen. ©Senn g. 8. Wo« fegger anffingt gu fabulieren: „©ei’m Äreugwirt auf ber $bf)’ faßen fie um ben großen Xifeh herum: ftuptleute von oben unb unten,©ewerbbleute von ©Sllau unb Woran, Vorarbeiter vom Wabenwalb unb Mafenberg, ©rengwfichter von ber un« garifdfen Marfung" — unb nun fofort, ohne auf bab SSefen unb Srfcheinen all' ber genannten Seute d|arafterifierenb ein« gugehen, auf bab anefbotifche abfpringt unb feine ©efchichte ergäbt („aib ©roß« vater freien ging"), fo ift ber Sefer bem Seiehner gewiß banfbar, wenn er in einem ber Watur abgelaufdjten ©ilbe bie @e« fefifdiaft ^ei’m ftreugwirt* fein ffiuber« Iier bie mftßig intereffante Wnelbote beb Crgfiljterb gu ber weit feffelnberen ©ebeutung eineb Sittenbilbeb. Sie eb nun fo bei'm 3Duftrieren gebt: ber appetit fommt bei'm Sffen — unb mancße Seite Xejt wirb mit einem ©ilbe vergiert, bie recht rnobl entraten (bnnte. aber au$ in biefem fjfaOe wirb von ben geichnenben Mitarbeitern am Wofegger« ©ud)e wenigftenb nidjtb verborben. Summa: Ser SchriftfteOer fanu burdf* weg mit bem ©itberwerfe in feinen @e* f nädjft auf 3meifeler unb Spötter ftofjen unb gering wirb bie 3ahl berjenigen fein, bie fich feinem „2id)te" anbertrauen wollen. (Ein philologifcher {Rätfellöfer, ein germa« nifcher Urgeichenbeuter — in biefer SKaSle haben fo Diele tilettanten, SBpftagogen unb anbere Schwinbelföpfe fich bem miß» begierigen Bolle fdjon oorgefteOt! gür Diele teutfdje ift eS ohnehin ber ©tpfel aller Bilbung unb SBeftmeiSheit, auS ber angeborenen $aut gu fahren unb in irgenb ein fßhontafiefoftflm gu fchlüpfen, als über alle Seit« unb SanbeStradjten erhaben! gljuen fomme man nicht mit bem ©unberbau arifch«germanifchen Ori» ginalgeifteSlebeuS! Unb nun erft unfere I tlaffifdjen Satfjebetbeutfchen, bie in ber I Betörte griechifch*lateinif bafteften Befcbulbigungen, bir ße au«gu« beulen oetmag. 3n bet Sntrüßung übet biefe entfefclicbe ©jene, bie Bitbe meinet Xante, bie ße gu umßbmeicbeln oetßan« ben, unb Benjamin« Scßmäche, bet mich nicht üerteibigte mie et gefottt, — »et« laße ich ba« Bintmer unb 'gebe gn mei» net Xante ttlaßau, um ihr Ätte« gu et« gäbten .... Sa« fßefuttat biefe« Äuf* tritt« mar, baß Benjamin Sonßant Bab. be Stael nach So||et folgte unb 6 Bocßen bei ihr blieb, ein Srfolg, ben ße oft ge« nng ju ergieten oetßanben nnb bet um fo munberbaret mat, al«' Sonßant bereit« 41 Bahre jäblte (nicht grabe ba« Älter bet Xborbeiten), unb ben $tan, ßrtau bon $arbenberg gu heiraten, bnrehan« nicht aufgegeben. Xrtefer Borfafc mat, mie man in Befan^on au« einet Bafam« menfunft mH leitetet erfeben tonnte, nur noch feßer gemotben. Xto|bem fleht man ihn 1808 noch in Sollet unb erß im Xegember beSfelben Bahre« machte eine Beirat bem unmütbigen Xo||eI» »etbältni« ein Snbe. %icht«beßomeniger blieb bet gang ßitt gefdjloßene Bunb noch mährenb eine« gangen Bahre« ein Sebeimni«. Siefe« 3ugeftänbni«, eine abermalige Schtoäcbe Sonßant«, batte Bab. be Stael bureb ßatl melobramatifch gefärbte SeIbßmotb«Xtobungen erlangt unb letnniäte 8et|ßichtungen gegen Sothine ließen Benjamin bie ihm bon 1004 fttiti!. biefer aufgegwungenen Regierungen gu i^r nid}t böBig löfen. Bi« gn irrem gang unerwarteten plöpüchen lobe (am 14. 3uli 1817) in merr ober weniger gelodertem aber ftetem Berlehr mit irr fterenb, fdjien ber magnetifcije (Einfluß, bem Gonftant währenb fo langer Seit unterlegen, nur mit irrem §infcheiben ooBfommen aufguljären. Über ben Sob ber berürmten Stau fed Xhema ber Betrachtung unb be« Grftaunen«. ■Slle« ift Dergeffen unb id) gebente ihrer oon ber elften 3eit an, ba ich fie fennen gelernt. Seid) ein Sachteil für bie (Ehre ber Stenfchheit, bafj fie nid^t ebenfo Diel (Bröfse be« ftergen« al« ffieite be« ®enteS gehabt! S)a« (Befühl, ba« alle anbem ihr entgegen getragenen (Empfinbungen beTerrfcbt, ift ba« tiefen Stitteib«, benn fiab unb (But nnb lägt feiner wilben (Blut bie fühtfte (Bleichgültigfeit folgen. 3n ihrem eigenen $otel betrogen, berläfjt bie Sängerin ben (Elenben enblich, hoch Rerhängni« unb Seibenfchaft führen fte ihm wieber gu. ftrttif. 1005 Unb abermals beginnt bet Stnnenraufch nnb abermals folgt ein ©rudj nnb eine auSföljnung. Doch @ad}a ift nicht mehr reich, nicht mehr berühmt; fte lann bie ©Ahne nicht mehr betreten, nicht taugen, fein Selb netbienen, — fte unb ihr Oe» liebter gehen bollern Untergang entgegen, ©eppo, ber ftnbige Wiener aibertoS, ner» mag bie Gläubiger feines $erm nicht gu befriebigen, niemanb giebt ftrebit, adeS ift nerfauft, nerfchleubert unb ner» loten. 8on feinem Spietglüd gänglich neriaffen, macht, nadfbem Sadja burch ©roteftion eine Stelle als Sehr er in beim Petersburger ftonferuatorium erhalten, ein ©iftolenfdjuf» bem ßeben Caraccioö ein Cnbe. So ber Vornan, ber tneber in etpifcher noch pfhchologifiher $inficht etwas neues bietet, boch reich ift an hübfdjen ©e» fchreibungen, „©arifer" Sliggen unb Sgenen, bie eine funbige Jpanb nerraten. Wir fcheint, bag Warie ColombierS Ia* lent, — benn lalent ift imbeftreitbar ba, — hierin gipfelt. 3h te ©efdjrei* bungen non Italien, amerifa, non ©ariS mit feinen „CercIeS“, in benen ©ermögen nerloren unb gewonnen werben, feinen intimen fleinen ©inerö unb ©ouboirS, in benen Opium ferniert Wirb unb flauen ber ©efedfcpaft gang „geheim“ Stubien machen unb ftdj baran unb manchen anberen ©ingen heraufchen, — finb burchauS wohlgetroffene 3e* c hnu n 0* n , ebenfo wie bie ftlhouettenhaften ©erfön* lieh feiten, mit benen fie biefelben gu be» leben oerfteht. SCuch Eataccio ift eine „gelebte“ ©erfönlichfeit, wie aber fteht eS mit Sadja Saufoff, ber, anfangs in ben ©orber», bann in ben $intergrunb ge» rfidten $elbin? möchte man bie anmutige Schreiberin fragen. Sie h°t wirflich nichts SlaoifcheS, fonbern etwas gang internationales im Chavatter, ja, biefer Chatafter ift flberhaupt ein farblofer, nerwifchter. (Eine Stuffin liebt anberS, entweber mit mehr Würbe ober grögerem gatalitätS«©ewugtfein, ober auch mit admölig ob ihrer unwürbigen Seihen» fepaft entbrennenben §ag. 3hte Siebe hat mehr Charafter, mehr 9Reue. Siehe ©oftojewStp, ©ourgenieff unb Änbere. ©ei ©nul Cdenborff ift erfchienen: „Volontö“ oon Georges Ohnet. Such biefeS ©udj ift wie ade feine Werfe ein Weifterftüd an gleig unb Jforrettheit. Wan meint, ber autor hätte bie ©eoife feiner fcelbin „Wollen, immer wollen“, gur ©triebhaft feines 9iomanS gewühlt. Offs nun, weil man biefen feften, leiten» ben Willen, ben einmal entworfenen ©lan nach gang genau feftgeftedten (Stengen auSgufüljren, burchmerft, fleht, wie „ausgearbeitet“ alle Sgenen finb, wie funftood aneinanber gefügt, wie mühfam feine Charaftergeichnungen finb unb wie unerreichbar ebel unb willens» früftig feine §elbin Helene OranoiHe ift, — furg, baS ©nch ift — langweilig. Wan wflnfehte faft, eS hätte mehr Schwülen unb weniger ©orgfige, um eS ein flein wenig inbioibueHer, origi¬ neller gu finben, — boch es ift eben nur forreft, gu forreft, oiel gu torrett. „Wan merft bie abficht unb ift öerftimmt“, fönnte man mit ©öthe fagen. SouiS grault, bet glfldliche Satte ^eleneS, ift in feiner albernen, tollen Seibenfdjaft gu ©iana Olifaunt, ber fehr mobernen, englifdjen unb bagewefenen $origontale, leiber ein Wann wie eS biete giebt unb ben Ohnet auch burch eingigeö, patfjetifch aus» geflogenes „non!“ in ben äugen beS benfenben SeferS fdjwerlidj gu heben her* mag. ©och biefeS „non“ ift noch in anberer Jpinftcht charafteriftifch. SouiS fpricht eS auS, als er feine untabelpafte grau im ©ernad) feines ftreUnbeS finbet. „Sor adern glaubft ©u mich fdmlbig?" ruft bie junge 3rau bem Satten ent» gegen, ber fie betrogen, ihr ©ermögen »erloren unb ade erbenflichen Streiche oerübt, ihm ohne weiteres baS Siecht gu» ftehenb, über fie gu (Bericht gu fipen. 1006 Jtritit. Uttb er antwortet fein „Wein", ein Wein, baS ihn in ben Augen einer franjdftfdjm (3efefffd}aft8*ftonbention nnb Xrabition, ju rehabilitieren bie Äraft haben muh unb — hat. Sieber Dhnet noch bie @e» fefffdjaft benfen barflber nach, bah BouiS mit einem „Oui“ nicht allein ein Schwäch* fing geblieben, fonbem ein flurnp ge* worben wäre. Ohnet fdjeint alfo nicht allein ein Wteifter forrefter Bfhdjologie unb lorrefter gefefffchaftlidjer HRoral gu fein, fonbem auch bet ©efetlfchaft affe nur gewofften Wechte einzuräumen. Biefer „echt Warifer Horizont" ftört benjenigen, ber etwas Sernfidjt liebt. 9. W. ß. Äuö ber neueren franjöfifchen filjrif, bie fich bem fdjteppenben ißomp ber früheren Whetoril allgemach entwinbet, nennen wir 1)itt „Lea Extasea“ bon 3ean Serge, Boefien »off ®Iut unb Watürltdjfeit. SJWge ber Autor biefem (Erftling noch BeifereS folgen laffen! K. B. S4tij Alcan in Baris gehört jn ben Berlegero, bie bie gröhte Wfiljrigteit ent* falten unb beren Bubtifationen bie hödjfte 3iffer erreichen. Unter ben jfingft bei ihm erfchienenen Wooitäten regiftrieren wir: „Le Socialiame contemporain“ (4* Edition) non bem Sozialpolititer (Emile be Sabelepe. Bie neue Auf» läge ift um eine Borrebe, bie bie Satt* fchritte beS Sozialismus einer Unter* fuchung unterzieht, fowie um zwei ftapitel über ben Sozialismus in (Englanb unb ben Antagonismus zwifchm Staat unb Snbiöibuum nermehrt Bon bem gleichen Berfaffer liegt ferner bor: „La penin- aale des Balkans (2* Edition). 3et Wutor, ber wie manch Stnberer auch Aber bie Siberjprüche unb Schwantungen, benen man in unfrer ©efchidjtsforfchung begegnet, ftupig ge* wotben ift, unterwirft bie ©efchidjtS* wiffenfdjaft, fo wie fie bie $iftorifer »er* fte^en, einer fritifchen Unterfuchung unb entwidelt feine Slnfichten über bie not* Wenbige Umgeftaltung, ber fie feiner Sei» nung nach unterworfen werben müßte, um überhaupt unter bie ejaften Siffen* fünften rangieren gu fönnen. (ES ift ein hochintereffanteS Such, baS burch eine recht dar gefdjriebene Sorrebe eingeleitet wirb; ben erften Äbfap berfelben will ich hierherfehen: „$>ie ©efchichtSwiffenfchaft ift ofiCig umgugeftalten, ober »ielmehr fie ifit überhaupt erft gu fchaffen. ®ie tfunbamente ber Siffenfchaft ftnb fogar erft gu legen. ®er Sau erwartet feinen Krchiteften, laum baß man fagen fann, bie Sergangenheit %abe uns bie State* rialien bagu hinterlaffen.“ Sie ich fchon oben fagte, eS ift ein fehr anregenbeS Serl. „Les lois du progrfcs“ ift bie Überfepung eines italienifdjen SerleS, baS 9t. Sreberici gum Serfaffer hat unb ben 3wed »erfolgt, ben SeweiS bafür gu erbringen, baß bie großen htftorifdjen Seiche leinen langen Seftanb haben unb baß ber 9tationalitätSgeift über ben (Er* oberungSgeift refp. baS Secht über bie rohe ©ewalt ben Sieg baoonträgt. „L’Art et la poäsie chez l’en- fant“ par Bernard Perez ergingt in entfprechenber SSSeife bie brei »orerfchie* neuen Serie beSfelben SlutorS: „L’Edu- cation morale des le berceau“, „Les trois premibres annäes de l’enfant“, „L’Enfant de trois b sept ans“. (Der Sanb enthält eine Seihe »on lurgen pfpchologifdjen Stiggen, bie ber Serfajfer fammelte unb erläuterte, nicht ohne fidj jeboch gegen ben (Einwanb gu »erwahren, er wolle barin ein neues äfthetifdjeS Spftem „unb wenn auch ' n uoch fo befcheibenen (Dimenfioneu* auf« bauen. Sir haben alfo hier einen Sanb »on charmanten ftleinigleiten »or unS, bie jeboch 8 0 ng banach angethan ftnb, um auf jebeS ©emüt einguwirfen, baS ben Ärabern etwas Siebe unb ber Äunft unb ber $oefie nur etwas Steigung entgegenbringt. (Die philofophtfdje len* beng, bie in bem Serie auSgefprodjen ift, faßt bet Serfajfer am Schluffe beS SormorteS in bie Sorte gufammen: „Senn mein Such etwas beweift, fo ift eS, wie ich wenigftenS annehme, bie Sot* wenbigleit, bie äfthetifdje (Ergiepung beS ÄinbeS mit ber SluSbilbung ber Ser* nunft gleichen Schritt halten gu laffen; ohne biefeS ©leichgewicht ift Weber auf ©lüd noch auf (Erfolg in biefer Seit gu rechnen.“ „Critique de la raison pra- tique“ de Kant. Sir »erbauten biefe neue Überfepung #erm Sicaret, ®o* gent an ber Unioerfität unb Sibliothelar ber philofophifd>en ©efeHfdjaft an ber Sorbonne. (Die Slrbeit umgiebt fich mit einem fo fchwerwijjenfchaftlichen Apparat, baß man eigentlich auf eine abgefdjlojfene, auSfchlaggebenbe Übertragung gefaßt fein barf; leiber ift bem nicht fo. Obwohl $err Sicaret, wie er wenigftenS »et* fidjert, bie »erfchiebenen Äant* Ausgaben nnb Kant »Kommentare, fowie bie fran« göfifdjen, lateinifchen unb englifchen über» fepungen, bie ber fcinigen »orangegangen, genau ftubierte, hat er boch leine halb* wegS maßgebenbe Arbeit guftanbe ge* bracht, ja an manchen Stellen hat fie mich fogar gang unbefriebigt gelaffen. 3 barin, bie (Er* innerung an bie ruhmreichen Xrabitionen ber Senuefer Seemacht mieber aufju« frifcpen. Der ftarbinal Staffaja berichtet bon feinen „Trentacinque anni di mi- sione nell'Alts Etiopia“. Soeben gelangte ber fünfte Banb beS ffierfeS jur fluügabe, baS bon ber BfiffionSbruderei fomohl in textlicher mie iHuftratiber $iu« ficht reich nnb bornehm au«geftattet ift. Befonberer Beliebtheit erfreuen fich angenblidlich in Italien Kemoiren, bie unfere polttifdje ©iebergeburt jum Segen« ftanb hoben. Unter all biefen Darfteüun» gen berbienen befonbere $erborpebung bie „Lettere e docamenti del ba- rone Bettino Bicaaoli“, beten $er« auSgabe Dtarco Xabarrini unb Aurelio Sotti beforgen. Der jflngft- erfdjienene brüte Banb führt un« mitten in ba« Seben biefe« h er0orr ogenben Staatsmannes, beffen Berfönlichfeit burch biefe Beröffentlichnngen aüeS gewinnen nnb nichts berlieren fann. Ä. Abemollo, ber mit unerntflb« lichem Sifer baS Oneüenmaterial über unfere Xheater unb unfere Äflnftler burch* forfcht, beröffentlidjte „I teatri in Born» nel secolo decimosettimo*. (8tom, Soreto BaSquatucci.) SS fhtb intereffante Berichte über Sreigniffe, Äftnftter, Schau* fpieler nnb Bhtfifer. „Filippo Bussini juniore“ ift bie neuefle Srjühlung beS (iebenSmfir* bigen benejianifchen WobeHiften Snrico ffaftelnuobo. (URailanb, SrrateOi Ire* bei.) Diesmal hot ber Autor baS lauf* münnifche Seben jnr DarfteOung gewühlt nnb er jülflt uns bie Sefdjichte eines großen BanfljaufeS bon feiner Srünbung bis jnm Jtrach- „Napoleone all’isola d’Elba“ ift ber Xitel einer mertboüen nnb an« giehenb getriebenen hiftorifchen Biono« graphie bon Siobanni Sini. (HRai* lanb, XrebeS.) Der Autor hot für feinen 3wed bie Seheimarchibe ber toSfanifchen Bolijei burchforfcht unb bort biele Dofu* mente aufgefiöbert, bie auf baS Seben beS ftaiferS ein neues Sicht werfen. Die liebenSmflrbige Schriftfitellerin, bie fich h^oter bem Bfeubonpm Bruno Sperani betbirgt, beröffentlichte foeben einen neuen ffloman „L’awocato Malpieri“. (TOailanb, XrebeS.) Sie jeigt fich hi" bor allem in ber Darfiel« Inng ber grabet als feinfühlige Äünft* lern. Sin SrftlingSmerl, aber ein Srfiling, ber unS für bie gufunft biel berfpricht, ift bie Srjüljtung „La Marcheaa Atto- riti“ bon Blathilbe Sioli, ber Sattin beS Slorenjer ^SRalerS, bie bon gerbinanb SRartini beim Bubtttum eingefüljtt wirb, (grlorenj, Sanfoni.) Sine ftobeOenfammlung „Miaerie“ gab bie tüchtige Schriftstellerin Smma Derobi heraus. SS ift ein Buch, baS gleichanjiehenb burch bie Srfhtbnng wie burch ben Stil wirft. Bei Suftabo Biandji & Somp. in 8tom erfchien unter bem Xitel „Album della Mostra Vaticana illuatrata“, ein furjer führet burch bie Sammlung ber Sefdfenfe, bie Seo Xm. gelegentlich feines $riefterjubilüumS erhielt. DaS ©erfdjen enthält eine fReilje bon forg« fültig ausgeführten Segnungen. 3n futjem berlüfjtbieBreffe „Vita di Geaü“ bon Stuggero Bongpi. (Born, Berino.) DaS Buch Wirb nnr eine Dar* 1010 ftrtttf. Rettung be« in ben ©oangelien Stiebet* gelegten enthalten unb fott nur baju bienen, ba« bott (gefegte in ein bettete« Siebt jn fegen: futj, mit eine Ärt Sia* teffoton fein. „I nostri nonni“ Don ©iufeppe Saprin (Xrieft, ©abtin) ift ein 3Re* moitenmerl au« bem Stieflet Seben int Anfang biefe« Jabrbunbert«, jenet (Epoche, in bet Xrieft in neue Sahnen einjulenlen begann. Sa« forgfältig gebtudte unb teie ber auSftegenbe fleine Sfteft bon 40 ©funb gut SteOe ift. 3n biefer goffnungSüoHen ©orauS« fefcung foHte icg mich nicgt aOgu fefjr geirrt gaben. Straglenben SlntlifceS lehrte Signor grancgi gu mir mit ber freubigen SRacgricgt gurüd, bag SWabame ©atti einen Sdjug angelegt gat. »Seiden Sie igr fofort bie reftierenben 40 ©funbe," fegte er gingu, »unb fie wirb audj ben anberen anlegen". 3u guterlegt würbe aucg bet gweite Scgug angelegt, nicgt früger jebocg, als bis bie berühmte prima donna im ©e» fige ber in 9tebe ftegenben 40 ©funbe war. hierauf erfcgien SOlabame ©atti, oom Etüde ftragtenb, auf ber ©ügne. ©er englifdje breibinbige fffamilien* SRoman ift belanntlicg feit jeger eine Spegialitüt ber ffrauen * Äutoren, oon benen „old England“ eine grögere Än* gagt befigt, als alle (ontinentalen Staaten gujammen genommen. Setbft gu biefer Seit beS 3<>greS, wo bie ftürfere $SIfte ber engtifcgen ÜRobeQiften unb fRornan« cierS igre 3«it in irgenb einem berftedten SBinFel beS bereinigten 3nfelreicgeS in g&ngticgerSurüdgegogengat berbringt, um neue ßrüfte unb neue 3been für bie nun beborftegenbe „Publishing Season“ gu fammetn, ift bie fcgwücgere $ölfte faft boüft&nbig an Ort unb Stelle unb igrer litterarifcgen ÜRacgwerfe giebt eS auf bem engtifcgen fRobitätenmarfte gar fein Enbe. 3u gangen ©ugenben erfcgeinen fie ©ag für ©ag auf bemfetben, wofetbft 3Rr. SRubie, ber befannte Sebiatgan bet eng* lifcgen SeigbibliotgeFen ficg igrer erbarmt, fie in gangen Auflagen auf bem äRarfte giegt, um fie feinen Sunben als geiftige SRagrung borgufegen. Unter biefen ©ugenb* waten befinbet ficg aucg ein ffierf einer gocggefteUten ©ame, Sa b g © u f f u S $ a r b g mit SRamen, wetcgeS ben affeftierten unb fcgeingeitigen SftoralitätSgefflglen ber eng« lifcgen ©lauftrümpfe als überaus „shock¬ ing“ borfommen wirb. 3« „ADange- rous Experiment“ — ein Xitel, ber allein fcgon auf etwas SenfationeüeS bor« gubereiten beabficgtigt, — wirb unoer« fcgümt ftarl mit gemeinen realiftifcgen Sorben bei ber Scgürgung beS brama« tifdjett ÄnotenS gearbeitet, bie gewagteften SRotibe unb Situationen an ben paaren gerbeigegogen unb beS Sangen unb ©rei« ; ten auSeinanbergefegt, unb bieS aus 1014 Äritil. feinem anbeten ©runbe, als bie alte, hauSbadene aber bereits* lange auSge» fpielte ©efchidjte von bem Siege bet Un* icfiulb unb Xugenb, wenngleich biefe Von ben allergrößten ©efabtctt nnb Set» fudjungen umfteOt fmb, aufs 9teue gu bemeifen. Tic .fjelbin biefet breibänbigen 9(riftofratrn>9aar fich in freiwillige Serbannung begeben unb fp&ter in Srtfinn verfallen. 3n ber berühmten „Statcsmen Serie“ ift foeben ein neuer Sanb „The j Life of Prince Metternich“ erfchie* nen, welcher ben in ben Sitteraturfreifen Sngfanbs bcftenS befannten englifchen Oberft S.S.SWallefon gum Scrfaffer hat. Sonbon. $>. Sollocf. öpanifch« filtcratur. Obgleich fich bie Spanier fo gern in behaglicher Srcite ergehen, in ffibläu* bifdjer Überfdjmänglidjfeit ben Ojfa auf ben Sclion fcjjen unb Silb auf Silb'gu häufen lieben, befißen fte bodj auch bie l Sfunft in tttoveletten turg unb fnapp gu fein. TieS hat oft ber ftetS originelle, Phantafie» unb gemütvolle Serttanf lor unb jeßt auch ber poetifch begabte 9Rit* rebafteur ber SRabribet Epoca, bet Ser» fafier ber Historias de ainor unb ber | DtoVette La seductora, $ofd be SileS j in feiner buntfarbigen Sammlung fleiner ! Novellen unb Sliggen gegeigt, bie er fo» | eben in ättabriö unter bem Titel Un joven sensible hcrauSgegeben. $ie» felbcn fiub bem Scben abgetaufdjt unb haben einen poetifchen Tuft unb einen fpaitifd) blflßenben Stil. TieS läßt (ich jrttttr. 1015 aud) feiner in ber Bevista de Egpaüa Dom 80. September Derdffenttichten Hei* nen 9Jobeüe La corona de abalorio (ber @ta*perlenfrana) nadjrflhmnt, in ber ein ©taSperlenfraua, in finbticher Siebe auf ba* ®rab ber HRutter gelegt, ber trauemben Steife jum Srautfranj wirb. — Steiftet in reijenben SoDeletten, aber aud) in pridetnben Jpofgefdjichten, ift ein anberer ehemaliger SRebafteur ber Epoca, ber jefcige ©hefrebafteur ber Di- nastin in ©areetona unb Dorjftgltdje Senner ber Stabriber ®efettf(f)aft, Sui* «Ifonfo. Cr ift ber ©erfaffer ber un» gemein fpannenben Dos cartas (9Ra* brib, 1887). Seine «rtifel über ftunft jeugen non reifem Urteil unb empfehlen fid} burdj femige fiürje: fie fmb au* unmittelbarem «nfdjauen ber ftunftwerfe hernorgegangen, benn gleich ©alera, Sta« nuel bet ©alacio unb ©erea ©atbd* er« freut ruh Sui* «Ifonfo be* in Spanien heutjutage feltenen Sorjug«, ein weit« gereifter Schriftftetfer au fein. Cbgteid) ein Sohn Valencia’*, hot er in feinem Stil hoch etwa* non ben ffranaofen an fi et g“ einem buftigen, färben» prächtigen Straufj. DaS Schönfte barin ift eine Seerofe: baS Jtapitel, bem Sänger bon Soquibacoa, gofd Ramon ©dpeS, gewibmet, ber an ben Ufern beS SeeS bon Soquibacoa geboren, bie Schönheiten beSfelben befang unb in feinen Sellen unterging. Johannes gaftenratlj. )ur h*denifh fm Ntaße in Slnfpruch nimmt. Tie heüenifche j greife hat baher auch in ihren au«ge* I geichnetften Crganen bie freubigfte Über» l rafdjung unb bie efirenbfte Slnerlemtung | gum Teil in feljr ausführlichen ©eipre* j jungen biefer Ntuftcrleiftung feiten« ber berufenften Sprachforfcher unb Sitteratur* lenner auögebrfidt unb auch nic^t unter* (affen bie wenigen Unebenheiten angu* führen, bie gur gänglidjen ©oüenbung ber herrlichen Slrbeit gu befeitigen finb. Sir nennen hier beifpielömeife bie feht ernfte Kochenfcßrift 'Hfitgu , bie in »ier Hummern lange Nrtilel bringt, welche in nahegu erfchöpfenber Seife über biefe feltene Seiftung fich »erbreiten unb fie ; ben Jpellenen gur Nachahmung anem» i pfehlen. Stuf biefe »ier Nummern (708 j bi« 11 »om 7., 14., 21., 28. 3uli 1888) i fei hiermit auch für biejenigen hingemie» j fen, bie etwa geneigt mären, bef»uf« ! Übung im ^ellenifdjen ober au« fonfrigen ; ©rfinben, mit einer ©ergleichung bet bei* j ben Texte ftot>. »et« rounfdjette), b. i. „bet* ober be» gauberte Vringeffinneti* begeiS* net, fonbern „oerfluSte"; pag. 9 '~Tj xaXhrtpa psolzQta bie „ab¬ gefeimtere Vermittlerin* nur fStnaS anbeutet; pag. 11 tö cpöptfiM (mv für bie Situa« tion wohl fefjr ftarf erfSeint, gumal bie gemeinte „®amie- rung* gutreffenb burS napv

/, TcaQVfpaofxa begeidjnet wirb; pag. 42 ’spyoXdßot für „Stufcer* weit oon einanber abliegen; bag. 59 eine oornefcme ftlotte «“4 mehr als eine „imbonierenbe* erfSeint, meiere Nuance in bem gebrausten 6vvazog nidjt gum SluSbrud gelangt, waS auS bei murmte ifcn (71) als Ixa/xtv ’tvzvnwoiv tlc ... bet Jatl ift, wo ber Vegriff „ärgerte* BöHig Berbedt bleibt, u. a. nt. 9tiSt angenehm berührt ber fefcr häu¬ fige ©ebrauS Bon italienifdjen §remb« Wörtern. Veim Stohren, ber fi$ in ben untersten S$i$ten ber Veoölferung be* tnegt, mag baS als bereSrigt erfSeinen; aber gieSco brauSte niSt ‘o (tmaziag für „bie Veftie* (25) gu fagen, noS 9ln* breaS ixoauae für „foftete* (68). Stö» renb wirft auS bie gang außerorbent* liSe Slnga^I Bon 2)rudf elftem, großen unb Keinen, bie toie Sommerfproffen über baS fSöne fflntlifc biefcr fauberen SSöfcfung oerbreitet finb unb bei einer neuen Auflage wohl in SJegfall fommen werben. 3«itfStift ber„Philhellecnsche Vereeuigiug“ gu 9lmfterbam. Jpeft 1 erfSeint im Januar 1889. ®aS Veifpiel Sr. Roheit beS Srb» bringen ©emfcarb Bon SaSfen * ffltei» ningen ^at fSneHer gu praftifSen 3ot* gen geführt, als felbft ber eifrigfte $fcil* Ijellene fcatte erwarten fönnen. SS fcat 1 ftS in Ämfterbam eine 9tngaht ßeroor* ragenber Gönner gufammengetfcan, bie ; unter obigem fRatnen einen Verein trif¬ tete, beüen 3wed ift, bem Stubium beS @rieSifS en mehr Umfang, liefe unb i SinfceitüSfeit gu geben unb eS fürs Sehen fruStbringenber gu maSen i baburS, baß il)m bie gefproSene 9ia* . tionalfpraSe gugrunbe gelegt wirb, niSt | bloß in $oKanb, fonbern in allen Säu¬ bern, in welSen baS ©rieSHSe Sefcr- ; gegenftanb beS ßöfceren UnterriSteS ift. j SSir entnehmen bem 3unifceft 1888 ber I Beitung „Conjunctis viribus“ einige 91n- ! gaben über bie VorgefSiSte beS Vereins, um fobann feinen felbftgefteüten 9uf- ' gaben etwas näher gu treten. I fRaSbent am 17. 9Rärg b. 3. eine 1 erfte VefpreSung über bie Stiftung eines | fotSen Vereines ftattgefunben, fonnte ; fSon am 14. 91pril bie gu biefem Ve* j huf« ernannte ftommiffion, beftefcenb aus ' ben $erren Dr. 9l6rejS, Dr. ff. ' ÜRuIler, beibe in 3(mfterbatn, unb 91. 3. j fHament in ViaaftriSt, ber unter bem : Vorfifce beS Jperrn Vrof. I)r. Ä. $. @. V. j Ban ben SS gufammengetretencn Ver¬ einigung beriSten, baß ber Veftanb ber ‘ ©efeüfSaft gefiSert fei, galjlreiSe I)o(län« bifSe unb frembe ©elebrte unb Vh«l* hellenen ihren Veitritt gugefagt hätten. Von ben in $ottanb lebenben ©eiehrten würben gunäSft genannt bie Herren Vrof. Valeton, Dr. $. S. ütogge, Ämfterbam; Dr. §oogo(iet, S. Voö* maer, $aag: Dr. VurgerSbiff, $e« : Benter; fjjrof. Dr- ftern, Seiben: Dr. S. i ÜRefcler, 3t°olle; 91rSioar 3. $abet*, j ÜRaaftriSt, unb bie fyrau tpauptmaun ! 3waanSwijf, 9ipmegen, Über bie wir im näSftfoIgenben Sfrtifel beriSten. ! 9tuS bem 9(u*(anbe erflärten ifcren ! Veitritt fofort: Jpetr 91. 3t. fRangabä, j früherer hell- ©efanbter in Verlin, jefct | in 9(then, ber gum Shtenpräfibenten er« i wählt würbe; fein Sofcn Äleon 9tan» ftritif. 1019 gabö, i)tU. ©efanbtfdjaftgrat in Sdfia; Verr angeloSSEBlachoS, Ijefl. ©efanbter in Berlin; Dr. 3 oh- Serbdnoglog, atljen; S. 91. ©ulgarig, atljen; bet Sichter ©eorgiog Srofffnig, Sitten; Stof. Sergotig, argoftoli; Dr. Sh a t> maTöputog, bet Überfeper bon Süd)« net« berühmtem ®udje „Äraft'ttnb Stoff'; Stof. Dr. aug. ©olp, Sarmftabt; €onft. Reper, Srieft u. a. Sie ®e* famtgapl bet Blitgtieber belief fioecfe bie beften ihr befannten Materialien benupt unb befpricht in brei Slbfchnitten 1) ben biftorifdjen Sert ber heutigen hefffnifchen ©brache, wobet fie bie burchauS rooptlautenbe 9tuS« fprache einer forgfüttigen Unterfudjung unb Sergleicpung unterzieht unb auch eine furge grammatifche Überficht giebt; 2) Sie hettenifdje §od}fptache unb beren Verhältnis gu ben VotfSmunb» arten, mit Mufterpfiden auS ben Pier Oerfthiebüdjen Stplarten auS 3«tfchrif* ten unb Sflchem in $oepe unb Vrofa, im gangen nach bem Suche „Sie h«1* tenifche Sprache ber ®egenwart* Pon Dr. 91ug. Sotp, Sarmftabt 1882, welchem auch ritte 9tngahl ber $robe» ftflde entlehnt ift, bie fie mit einer Wade« ren b°flünbifafle, eine Slngaljl auS« gegeichneter metrifcher Übertragungen nach bem Oon Dr. §aat herausgegebenen §efte „Ungarifche Sprit" oon 2tle£. ÄiS« falubp bis gut gegenrcärtigen 3«t, unb grnar oon JtiSfalubp „Der $irt", oon Strang Wentooicp baS aHerliebße Sieb „DoS Seben"; oon bem befannten SRo* manfcbriftfteller Worip 3ofai baS fatb* rifche ©ebidjt „Ungarifche Magnaten", baS unter Beränbemng ber überfchrift auch noch auf anbere Sänber baßen bürfte; oon Baut ©uplai baS rührenbe „9iur noch einmal"; baS reigenbe Früh» lingSIieb „Der ftrüijling" oon Äoloman Sißnap, unb ein echtungarifcheS „BolfS« lieb", unb toeift fo feinen Sanböleuten ben Seg gu einem oollfprubelnben Born rnahrer Boeße. Über mehrere anbere feiner Schriften mirb ein anbereS Wal Bericht erftattet merben. Brof. Carlo Saloabori in Sobi: D’una Lingua internazionale. (Sobi 88.) Der Berfaßer biefeS Flugblattes gebt oon ber Slotmenbigfeit einer allgemeinen höheren Seltforacbe aus, bie gunäcbß als BerßänbigungSmittel unter ©ebil* beten ober ©eiehrten bienen foll. Die biergu ermählte barf aber nicht ein auf Saune ober inbioibueOem ©utbüufen gu* 1022 Äritif. fammengewfirfette? ©otapül fein, fonbem muß bietmeljt eine feine, möglidjft Bott* enbete fiiftotifc^e ©brache fein, bie in ihrem ©eftanbe bie geiftigen (Errungen* fcbaften großer ftulturepocben früherer (Generationen eingef^Ioffen trägt. $nbem er fomit ba? gänzlich unbrauchbare Sola* püf mit triftigen ©rünben ablehnt, fommt er auf bie ihm gunädjft befannt gemor* benen Semühungen ©onft. {Reper? in Irieft, ber ba? $etlenifon 6 Stillionen SRenfdjen al? Stutterfbradje gerebet wirb, unb bie Äenntni? berfetben auch ba? ©tubium ber alten ©brache ganz wefent* ich erleichtert unb Ieben?bolt geftattet. Saloabori geht nunmehr be? Stöberen auf Steher? ©hftem einer „Lingua e Grammatica Una“ ein, beffen ©injet« heiten wir ber Stuße ber fich bafür Snter* effterrnben empfehlen. Sfremblänbifche ©turnen. ©ine Sammlung muftergüttiger metrifcher Überfettungen non mobernen Statoren, ©efammelt unb georbnet bon ©eorg bon Stulpe. Seibjig, SB. fffriebrich, 1888. Ser fbraeßenfunbige Herausgeber will — gewiffermaßen in Stachabmung ber St. SS. b. ©djlegetfchen „Stfltenfträuße ber itatienifchen, fpanifdjen, portugie* fifeßen ©oefie" (Sorrebe IX) in biefer Sammlung ba? Sefte bereinigen, ma? bie neuefte beutfdje fiberfe||ung?funft au? ber att* unb neuhetlenifchen ßittera* tnr, fowie au? ber franjöftfchen, eng* tifeßen, fbanifeßen unb orientatifchen ge* liefert hnt. ©r fdjidt jeber biefer Slbteilungen eine ©efpredjung h^tborragenber tit* terarifcher ©rfcheinungen fowie berrn Überfetter ooran, inbem er bie Seiftungen ber lepteren charafterifiert; für? H e '* lenifcße fpezied bie ber Herren Slug, ©olfj, €. St. ©tiffen, Smanuet ©eibel unb ©eorg bon Stulpe, unb au? berrn ©eröffenttidjungen einige, fehr eigenartig gewählte Stüde beibringt, bie aüerbing? immerhin fein Urteit beftätigen, baß „e? unläugbar ift, baß bie tjeHenifcbe Sitteratur, wa? bie ©olf?Iieber angeht, ju ben reichften unb fdjönften gehört.. Sa? ©olf?lieb ift ber Jungbrunnen ber neuhellenifchen ©oefie; in unerfchöpftichem {Reichtum quiDen feine ©überfluten un? entgegen unb erquiden nun auch bie &Iur ber beutfehen Sichtung. Unb biefe junge, btühenb frifche Sitteratur wirb immer üppiger unb boller fich entfalten..." 3e mehr, fügen wir hinzu, fie allgemein be* fannt unb bem beutfehen Sefer jugäng* lieh gemacht wirb. Sa ift bon 8olt>: ba? (tief fpm* pathifche) SBeib be? Schiffer?, bie fffreunb« jehaft, (wa? ift) bie Siebe, zwei Deine Siebten unb ba? üppige Sieb ber Stije (Steräiba); aber wie biete anbere fchöne Sieber bon ©hrijldpulo?, Srofffni? u. a. hätten ihm noch z« ©ebot geftanben! Son 5?riti(. 1023 {einen eigenen Überfettungen giebt er ! eine Sngaht fleinerer Sieber, non melden j gar manche fdjon anbertneitig überfe&t, j aber von großer Snmut finb. 8on@ei» j bei bringt er nur ein (unvergleichlich fdjbneb) SKäbdjenlieb, aber mit einer vom Original (Slubg. V. 1883, IV., pag. 122) ! feltfam abmeidjenben 3nterpun(tion, wie j fie aud) an anberen Stflden verübt ift. | — 3« ähnlicher Seife unb in ebenfo j eigenartiger 2tu3roaf)I folgen bann bie anberen Sitteraturen, bie mir hier über» geben bürfen. Erwähnt fei nur noch, | baß ber£>eraubgeber bab 8udj beb 8erid)t* erftatterb: „Beiträge gut 8511er* lunbe aub ffiort unb Sieb", 1868, ent* baltenb über 100 poetifdje Übetfe&ungen aub gtvangig Sprachen unb Paletten, famt beren Originaltexten, färntlid) gum | erftenmale überfefct, nicht gu fennen | fc^eint. Sr hätte b' et manche (oftbare : $erte für feine Sammlung finben (önnen. | Dr. Julius Centerwall: Fnin | Hellas och Levanten, Ströftog | tili lands och vatten i Grekland j och mindre Asien. Stockholm. 8on biefem vorgüglidjen 9)eifemerfe, beffen erfte Sieferung gleich wa«h tb«m I Erfdjeinen im 3ulibeft* b. 3-r ©eite 295, befprodjen tvurbe, liegen nunmehr auch bie $efte 2—6 vor, bie ebenfo fauber gebrudt wie fd^dn unb neu iüuftriert, ebenfo anmutig unb frifch gefchrieben wie lehrreichen unbintereffanten3nbölteb finb, wie $eft I. Sie »erben jeben Sefer j gemifj befriebigen. — Ermähnt feien noch | bie gehaltvollen, umfaffenben unb gar j fdjön gefchriebenen brei Äuffä&e in ber 1 Sochenfchrift Nta 'Iffiipa, dp. 707—709: 'H oxxu- j xooitxrjplq tov iv Bovwvla navtmaxt]- (äov xal xd vvv iv Evpwng Ttecvent- azrjßiu (bie 800jährige freier ber llniver* fitftt 8otogna unb bie gegenwärtigen Univerfitäten Europab) von bem ©eiehrten Dr. Evyivioq Zwftapldtjq, gegenwärtig in | 9Rün gehoben. Dem Spanier fehlt ba« un« fagbare ©efflhl einer bewegten 3beali* fierung, welche bie Schöpfungen be« Italiener« belebt. SRuriOo« Jungfrauen finb bon biefer Seit — munberfdjöne anbalufifche 9J?öben in ber ganzen SBcltlitteratur sticht einmal im Traume ein, 3tpem 2RäcenaS ben Söefift feines „SRagajinS" unb feines Herausgeber« ©dhüfetingS ftreitig ju machen. 3um ©djluffe bie ©emerfung, ba§ 3fjr ©arentbefe*©afc, ich ^ätte für baS „SRagajitt" befthnmte STOanuffripte furjweg für bie „©efellfchaft" Oerwenben taffen, als eine tügnerifdje ©erteumbung bejetc^net werben mufj, fo lange ©ie uns nicht mit tarnen unb ^liatfad^en als ©emeifen aufju* warten belieben. DaS ift bie Wahrheit 3^rer „©«Wahrung", Herr Äirdjbach. 3Rit ber gebüfjrenben adftung gftriebrid), B. U. hofBudföän&fer, Trrfegrr bt» „Xogajiuo" vom 1. 3annar 1879 6i« 81. SSforj 1888. tt adHd?*H ** Unfrer fachlichen Berichtigung, bie wir unterm 21. Oftober an Sie gefanbt, haben ©ie bie Aufnahme Der weigert, unb 3h” ©efflgigfeit erft oom „Urteile bei SRidjter«" abhängig gemacht. Obwohl unü ber § 11 be« ©refjgeje&e« jur ©eite fleht, wollen wir3h nen unb Shrem ©ebahten hoch nicht bie Sh” einer gerichtlichen Klage anthun. ©ie haben fich felbft berurteilt 3)a£ genügt und! Stranttnortlidje Seitung: Dr. TO. @. Co nt ab TOfinAen nnb Uatl Steift treu in Sftatlottrnburg. Setlag von XBMftelm Sricbtid), ®titaat$fd)iff auf ber ^o^en See ber politischen 2eibeitfd)afteit ju birigieren ^nt. Denn auri) Humanität, (£tl)i!, Religion, Siffenfdfaft, Kunft u. f. m. gelten ihm nur infotueit als roitflidje SBerte, als er fie für feine KriegSjmede auSbeuten fann. 21 Cie biefe ibealen Dinge ftnb if)m gleichfalls nur äßadftmittel — Kriegsmaterial, gür ben Staatsmann giebt eS nur ein (SntfdjeibenbeS in feinen Sdjäfcungen: bie politifd)e ©rnud)barfeit. Die mobemen 3)fenfd)en unb 93ölfer finb bie 9tad))oüchfe unb (Srbeu ber pergangenen Slenfdjen unb Söölfer. Die flaffifche ©efdjidjte Oetneift nur bieS (Sine mit Poller 3uperläffigfeit, bafj bie ganje Vergangenheit ber alten Kulturftaaten auf ©emalt, Sflaoerei, Vetrug, Sift, Irrtum aller 2 lrt aufge= baut mar. So lange bie 9?atur ben gemalt' unb ^errfd)füd)tigen ^nftinft in ber 3Jienfd)^eit pererbt unb meiterentmicfelt 511 bein feineren, aber beSmegen nicht meniger rürffi^tSlofen unb graufamen Sillen jur 3J?acf)t, folange bie ö>egen= matt baS Ergebnis aller Driebfrfifte unb 3 u ftönbe ber Vergangenheit ift: ebenfolange mirb ben beften unter ben hertfdjenben SERenidjheitSteilen, meld»e 1030 Soarab. mit ben Sonfequenjen bet ererbten ungeheuren Summe non ©ewaltfamfeiten unb Ungered}tigfeiten ju regnen haben, nichts #öl)ermenfchlicheS erreichbar bleiben, ate bie allmähliche Umformung ber brutalen ^nfünfte in feinere, raffiniertere. Sie fönnen baS ^iftorifdje ffunbament, baS ben mobernen Staatsbau trägt, nicht jerftören, fte fönnen — um bei bem ©ilbe ju bleiben — nur einzelne Steine mit h ö( h?ter ©orficht unb ©efdjicflidjfcit heraus* jiehen unb burch anbere erfefcen, »eiche eine größere politifche Sraudjbarfeit unb Dauer oerfpredjen. Seit eS eine höarrlicf>feit (Erfolge ju oetjeichnen. Der ÄriegSjuftanb aber ift bauemb, fo lange Wiltionen unb aber Willionen non Wenfdjen jum ©apfte als gläubige ©efenner auf« Miefen unb auch für ben ©apft baS Sprüchlein stecht behält: ©aft’ ich, f° roff ich. ©taube unb ©efennertum taffen fid) nicht unterbrftefen unb nid)t wegbefretieren, fte laffen fich nur im Saufe ber 3“h rtau fenbe wegbilben. Diefer SBegbilbungSptojefj ift erfichtlich noch nid)t weit gebiehen. (Er Wirb in jebem Augenbticfe unterbrochen, wo bie politifche Staatsweisheit für ihre Wadjtjwecfe in ber ©erbunfelung ber fitfpfe einen größeren ©orteil fieht, als in beren Aufhellung. Denn ber Staat tennt nur ein oberfteS ©efefy unb 3beal: feine Wachtfüde ju behaupten unb ju erweitern. Der ©apft beSgleichen. 3« nach bem Stanbe beS ÄriegSfpieleS fann beSwegen auch bet ©apft baS ©amter beS greifhtneS entrollen unb ein erleuchteter ftaifer ben §eerbattn ber ©eattion aufmfen. 3m Kriege gilt jebeS Wittel, baS Sieg Perfpridjt. Unb Stieg ift baS ©eftänbige. 3« ben politifchen (Gefahren, bie baS Deutfche ©eich umbrohen, gilt ber ©apft für ben Staatsmann genau fooiet als er Wacht hot, biefe (gefahren ju üergröfcem ober ju Perminbern. (Er wirb einfach olS ShiegSmaterial tajiert. (Er ift wertooK in bem Wafje, als bie baS ©eich bebroljenben ©ationen burch feinen geiftlichen unb politifchen (Einfluß bummer, blinber. Jtaifcr trab ©apg. 1031 gerriffenev, ärmer unb aftioutunfägiger merben. Gin üollfomnien tatgoti* ffertet, öerpäpffeltet, öon Mömlingen geleitetet Jranfreicg märe beifpieltmeife für bie Muhe bet Deutfcgen Meidet heute günftiger, roeil ein folget Jranl* reich nicht leicht ben Muffen, alt ben natürlichen SBiberfadjer bet ©apfttumt, $um ©unbetgenoffen hoben !ann. Dev aufgeflärtefte beutfdie Meicgtbiirger, ber bageint nicht Jreifinnigleit genug hoben fann, aber boch jugleicg in feinem (Stroerb, ©eftp unb Sebent« genug bot ben rebanchefüchtigen granjinänuem Muhe hoben möchte, latut alfo, fobalb er jid) einmal in bie Jucht« unb ©Solftgänge ber hohen ©otitif begeben, uichtt fegnliegev münfehen, alt bag et bent unfehlbaren ©apffe gelingen möge, Jranfreicg fo mit ©linbheit ju fcglagen, bag et igm alle bie tperrlicgteiten offeriert, bie ihm bat unbanfbare Italien entzogen hot. Die beutfdie 3eutrumtpartei mürbe barob bor Meib bergen — unb fo hätten mir borerft miebet einmal ben fchönften Uomöbienautgang aut ben tragifdien ©Hrmiffen ber mobemen grogen ©olitif. ©Seuiger angenehm für bie Jriebfamen unb gebulbig ©erbauenben mürbe gd| bie europäifdie, b. g- heute bie beutfehe Sage geftatten, menn nicht nur Jranfreicg, fonbem auch bat fegitmatifege Muglanb in bat Meg« mer! bet päpgliegen Obffurantitmut gd) einfangen liege. Darauf iegeint aüerbiugt ber ueuefte Ätiegtplan abfielen, ben ber ©tellüertreter (Egrifti auf (Erben mit feinen getreuen Jefuiten im ©atifoit auigegeeft. Um Gemalt übev bat bergagte beutfege ftaiferreieg ju geminnen, ift (Seine ^peüigfeit ber unfehlbare ©apft entfcglogen, fogar mit feinem natürlichen ©Siberjacger, bem legevifcgen ©apft4?aifcr bon Muglanb, gemeinfamen §anbet ju maegen. Um ben beutfegen ftaifer ju bebrängeu unb bie fo jämmerlich berlorene meltlicge $errfcgag miebet ju geminnen, ift ber ftriegtpnrtei im ©atüan (ein Opfer •tu grog — unb ben fegmar^en Dienftmannen ber beutfegen 3entrumtpartei gcgctlicg aueg wiegt. ©He äugerte fieg am 11. Dejeinber 1830 ber ©cgladgenbeitler SRoltfe in feinem Antmortfcgreiben an ©rofegor ©luntfegli über ben emigen Jrieben? „Der Stieg ift ein (Element ber bon (Sott eingefegten Orbnung; bie ebelgen Dugenbctr entfalten fieg bafelbg: ber Mbit unb bie Gntfagung, bie treue ©flicgterfüUung unb ber Geig ber Aufopferung; ber ©olbat giebt fein Seben gilt. Ogne ben Srieg mürbe bie ©Seit in Jäutnit geraten unb fieg im äRaterialitinut betlieren." Dat ig offenbar aueg bie Meinung bet ©tattgaltert Göltet auf (Erben im ©atitan. Alfo $rieg! Unb baju ber Jranjot, ber Muff', ber Dürf unb ber ©apff mit ben beutfegen 3entrumtmanneu im ©unbe — gegen ftaifer unb Meicg! 1032 «Ibetti. %nr\ Ufrtöjif mtb foq Don Cottrab 2Uberti. (3«rm.) * ebe grofcc geiftige ©ewegung, wie bie unfere eine ift, erringt ftdi uotur- Iicfj liiert fofort bie Herrfdjaft, fonbent ift ber t)efrigften ©efämpjung fettend ber (Regner au«gefc|jt, welche fie au» ihrem ©efiptum ju oerbrängen broljt. Diefe ©efämpfung ^at jumeift brei Stabien. 3m Anfang fucf)t man bie Bewegung lächerlich ju madjen, fie burd) faule SBipe ju töten. Kächft fie trobbem an, fo fuc^t mau fie burd) boMommeue« unb grunbfäblic^eö £obfd)Weigen $u unterbauten, mau ftellt fid), aid epftiere fie gar Hiebt Hilft auch ba» nicht, fo gebt man baratt fid) enblid) eraftlicb mit iljt ju befebäftigen, iubem man ihre (Grunbfäge audfü^rlidb bi«fntiert, fie unter Herbeijitierung uon ^immel unb $öDe ju miberlegen fucljt unb fid) baOei bemüht, ihr Kefen mit ober ohne 'Jlbfidjt fo oiel al« möglich ju entfteHen. Schlägt auch bie« fehl, fo folgt in einzelnen gäHett al« lebte« (Gegenmittel bie rot)e (Gemalt. Der beutfehe 9ieali«mu« ift augenblitftidj in ba« britte Stabium eingetreten, etwa feit beginn biefed 3aljre«. 3 n ©rofebüren, 3«* tungöartileln, Notijeit befchäftigt man fid) mit ihm bie SRäuner be« SeuiUe» ton« unb ber Kiffeniaub nehmen, ohne faft täglich auf bie Körte fRealiSmu», (iourab, Steger, ©leibtreu, lülberti u. f. w. jii ftofcen. Sürjlid) hat auch Sari grenjel wieber einmal (Gelegenheit genommen, feine Stellung $u unferer ©ewegung in einem neunfpaltigeit NiefenfeuiKeton ber „Nationaljeitung" feftjulegen. Kir haben bie unfere ihm gegenüber bereit« in $eft 10 bargelegt, unb wir wieberholen: Sari greujel ift oon ber ge* famteu ©ourgeoi«preffe ber (Sinjige, für ben wir Hochachtung empfiuben fönneit unb mitffeu, ber einzige ehrenwerte (Hjarafter unter all jenem per- fiben (GefmbeL Diefe« befteht faft nur au« bewußten ffälfcheru unb Süg» item, welche unfere (Grunbfäbe wiber beffere« Kiffen jumeift in« (Gegenteil berichten, um fte bann al« oerwerflich biujuftellen — bie alte Dafti! aller ©ubeu unb Schürfen. Un«, bie ©otfäntpfer be« Stecht« ber Nationalität in ber ©oefie, nennen fie bom $lu«Ianbe abhängig! Kir treten in jebem Kerle, auf jeber Seite für Sittlid)leit, Afeujchheit, Orbnung, fojiale (Gerede tigleit ein, für bie hbchften (Güter ber SWeitfchbeit, unb biefe (Slenben werfen un« ©ehagett am Kühlen int Scbniub oor — weil Wir junt erften SRale ben ©tut haben, bie heimliche» ©erirrungen ba« 311 nennen, wo« fie ftnb, ©erirrungen! Unb fie, biefe geilen Sügiter, bereu gan^e« dichten unb Schrei* Jtatt grengel unb bet fflealibmnb. 1033 6en fid) uur um bie Vefriebigung beb gemeinften ©efcblecptbgenuffeb brcljt, bie $aul $epfe unb ©enoffen unb alf bie Äffen, bie nur bie Vefchö« nigung unb Verhimmlung beb brutalen tierifdjen ©efdjlechtbgenuffeb in ihren SBerfen bejmerfen — beim mab bieten bie Sboellen $epfeb, bie Dramen ©riUparjerb anbereb? — mögen fich für bie echten Vertreter beb Schönen aubjugebeit unb ihre brutale Süfternpeit Steatibmub ju nennen! 3“ träg, um bie SBirflichteit ju ftubieren, bie erfte Pflicht eineb jeben echten ftünft« lerb, ba bie reale Statur bab einzig 2Bapre ift, geben fie ihre aubgehedten, berlogenen graben, bie tränten ©ebilbe ihrer mähfam erhtyten ^3^antafter«t, für bie echte ihinft aub, unb f dampfen über unfern gleifj, unfer- ernfteb Stubium ber SBirtlichleit, unb erfrechen fich unb ©ntmeihung ber ftunft bor* jumerfen, inbem mir unb befhceben, in jeber realen ©rfcheinung ben gört* liehen $auch ju etforfchen, ber in ihr lebt, nämlich bab natürliche ©efejj iljteb Dafehtb, unb benfelben barjuftellen. Von folch perfiber ft'ampfebweife, mie fie in ben Vlättem ber ©egner miber unb — gottlob erfolglob — ge« führt mirb, h«t Sari grenjelb mahrhaft oomehme Statur fich ft«tb fern ge« halten, gm ©egenteil, ftetb ift er bafür eingetreten, bab eine Vemegung bon folchem Umfange, folcher Vebeutung, mie bie unfere, burch Dobfdjroei« gen ober Verhöhnung nicht aub ber SBelt gefchafft merben tarnt, fo wenig, mie bie fojialiftifdje burch bab Sojiatiftengefefc, burch bie Verbote ber Ver« fammlungen, bab ßauptungen unter jufeßt eben, bie Wir nie getßan, unb bie unferem gefamten Denfen wiberfpreeßen würben. SBir jweifeln nießt, baß Dr. grenjel Wie gewiß Biele fcßoit not unS, eine unbeftimmte, teilweife Sßnung, ein unbe« mußteS ©efüßt non biefem ©efep ßatte. Slber es geßt in ber tiftßetif unb ftritif wie in ber ÜRaturWtffenfcßaß: berjenige iß ber (Sntbecfer ehteS ®e» fepeS, Welcßer eS juetß beweiß unb formuliert SBenn bie $ßßetif ber 3*** funß ßcß nießt in bie ßoßlßen tranScenbentalen ©pefulationen nerlieren, baS ftaxl tJrtnjfl unb Ixt {Realismus 1035 Reifet fuß felbß auf geben »iß, fo muß fie ßreng bie mathematifch*inbuftibe ÜRetßobe bet {Raturforfcßung enthalten. Sie muß Don bet Beobachtung unb bem Berfucß auSgehen, ße muß bie fcf) einbat elemeniatften Borgänge auf« ©enaueße prüfen, fie batf auch bie fcßembar unumßößlichße unb anerfann* tefte Xhatfache nicht alb Wahr annehmen, Wenn fte biefelbe nicht genauer toiffenfchaftlicher Prüfung unterworfen, fte muß fleh beftreben, äße ©rfdjei« nungen auf immer einfachere ©efepe gurücfguffihren, ße barf nichts uner« llärt laffen. Jpier wie in ber ÜRaturwiffenfchaft geigt eS ßcß, baß man ju ber (JrfenntniS ber einfachften ^rm^ip>icn, bie fcheinbar auf ber #anb lie« gen, nur auf ben weiteren Umwegen burch bie ejafteften Unterfudjungen tomrnt. ®iefe ÜRetßobe, welche wir in bie Äßßetif eingufüßren beftrebt ßnb, iß bie einzige, welche berfelben wirtlichen {Rußen bringen, $u thatfächlicher ©rfenntniS führen (ann, gu unabänberlichen ©efeßen: bie metaphhßfcß«bebu(« tibe hot bon Baumgarten an ßetS nur gu werßofem ßß^rafengefc^toö^ ge« führt ftarl Stengel fagt feht richtig, baß eine Bewegung, Wie bie unfere, fleh in ber Sitteratur aße 30 bis 40 3aßre wieberßott. ffiarum bieS fo fein muß, werben wir fogleich feßen. Sn golgericßtigfeit feines 3rrtumS ^ nämlich Äod Stengel wie fo Biele ber irrigen üReinung, ber {Realismus fei eine fitterarifche ÜRobe. 2)aS iß etwa fo Wahr, als wenn man fagen woßte, baS topemifanifeße ©ßftem fei eine maihematifch« geograpßifcße ÜRobe, ober bie inbuttioe ÜRetßobe fei eine pßilofopßtfcße ÜRobe, ober bie ißerfpettibe fei eine malerifche ÜRobe, ober bie Änatomie fei eine mebiginifche ÜRobe, ober bie ©tatißif fei eine nationalöfonomifcße ÜRobe. $He heutige reatißifcße ©cßule iß nämlich 9°* ({ine litterarifche {Richtung, gar (ein Programm, ßoeßbereßtter #err ®o(tor Stengel, fonbern ße iß einfach eine Beattion, unb nur barum iß eS mög« lieh, baß ßebe $unft fue^t in ber eimnal eingefd)tagenen Stiftung fo lange als möglich ju öertjarren, weil eS eben bequemer ift, nach ber Schablone ju arbeiten, als felbft bie %atur ju beobachten unb ßdj nach berfelben baS ÜJtußer felbft ju fraßen — unb fie gerät auf biefe Seife naturgemäß mit ber SeßertenntniS fpäterer Briten, welche öorauS eilt, in Siberfprudj, bis jum ©intritt einer ftärleren Steaftion, einer getoaltfamen Steformbewcgung, Welche jene in bie neue, ber JRaturertenntniS ihrer &eit parallele ©ahn etnjulaufen swingt. Sie Kenntnis biefer ZfyaU fachen toar aUerbingS bor unferem Auftreten unmöglich. (Erft ©leibtreu unb ich h Q ben bie ©ntbedung gemacht, welche aUerbingS für bie ganje fpefulatibe äfthetif ber XobeSftoß ift, baß biefelben Staturgefeße, welche bie ®or« gänge in ber medjanifchen Seit regeln, auch bie geiftige regieren unb fpejiell baS lünßlerifdje Schaffen, bie ffintßehung beS ßunft« werlS unb bie Sanblungen beS allgemeinen ©efchmadS unb ben ©ntwidlungSgang aller ftünfte beftimmen. Siefe newtoneSfe ©nt« bedang iß aUerbingS baS ©erbienft beS mobemen StealiSmuS, unb $arl grenzet Wirb ße unb ihre ©ebeutung uns nicht abftreiten tönnen. %uS bie« fern ©runbe nimmt auch in unferer ©ewegung bie Äritil, bie Negation, eine fo heroorragenbe Stellung ein, weit Wir eben bie Sahrheit befreien mtiffen bon ben Übermalungen ber Süge, um ße in ihrer urfprünglichen, natür« ließen $errlichleit barjufteEen. Sie moberne ftunft iß wie ein wunberbarer, alter SRarmorpalaß ber Stenaißance, burch eine Stjaljl ßheußlicher, angeliebter, baroder Neubauten entßeßt, bie in rohem Stud, ftiltoS, baS alte herrliche Sert fdfänben. Um baSfelbe in feiner Schönheit wieberhergußetten unb burch neue Silagen ju erweitern, muß man eben erß bie aßen, ßheußlidjen Sibauten nieberreißen, bannt ©laß unb Staunt für bie im ©eiße beS Schöpfers beS perr« liehen Originalbaues ju machenben ©meuerungS« unb gortfiihrungSbauten wirb. Sie lann man uns alfo unferen Sturmlauf gegen bie ©ertreter beS »erlogenen ftonbentionaliSmuS, bie §epfe, fiinbau, öberS unb ©enoßen, jum ©otWurf machen? Unfere ©ewegung iß eben eine Stealtion ber Statur gegen bie Un« natur! SaS Wäre gerabe fo, als wenn man ben Umbau ber gaßabe beS ÜÄai* länber SomS »erlangte, aber mit ©ntfeßen bie ©ebingung ßettte, baß oon ben heutigen unglüdlichen Stenaißancefenßem ja lein Stein weggenommen würbe! ©in britter ©unlt, in bem wir ftarl grenjel nicht gang betßimmen lönnen, iß feine ©ehauptung, ber jungen reaßßifchen Schule gehe eS lange nicht fo fthlimm als ben Schriftßeßem ber äßeren ©eneration, ba biefe jung 36 Vol. 4/2 1038 Sllbevtt. timten. SEBit hätten nut mit bet Stumpfheit be« ©ublifum« ju fämpjen, Jene abet hätten bie brutale Benfur al« geinb gehabt, bie ihre Starte »et* boten, unb ba« fei fdjlimmet gemefen. Da« ift inbeffen nic^t richtig. Bugegeben, bie Kämpfe $eine«, Sörne« unb greiligrath« mit bet 3*nfur maten nicht angenehm, tfbet bantal« ftanb bie Ögentlicf)feit in Oppofitüm jut Regierung. Siebe« Unrecht, ba« bie leitete ben Schriftftellern zufügte, erregte jehnfach bie Zeitnahme, bie Sympathie bet fiefertoelt. öffentlich ttmrben bie Bücher oerboten — ^eimlicf) mürben fie getauft unb oerfchlungen. ®« ift füg für feine Überzeugung ju leiben, jebe« SWartqrium h at «troa« beraufchenbe«, menn man bie oermeintlichen ©egen feine« Solle« hinter geh meig. ftein ÜRitglieb ber h^nügen Sealiften mürbe fich nur eine SRinute befinnen, mit einem föntet, einem greiligratl) ju taufehen unb für feine Überzeugung zu bulben, gefangen zu ftfcen, zu bluten. Sieber Schriftgellet mirb für feine Überzeugung bulben, menn er nur überhaupt litterarifehe« Sinterege im Solle meig, mie e« bamal« gemefen. Der Äampf gegen bie Seibenfchaft hat etma« (Srljebenbe«; man tarnt ben Segnet hoffen, aber ber ftampf mit ihm macht Steube, ber Süd auf bie mitfühlenben Snhünger hn Seifte erquidt. Der Stampf mit ber blühen, ftumpffinnigen SRaffe, ber mobernen ©lutofratie unb ber Sefettfcgag, bie in ihrem Sanben liegt, macht aber feine greube, er ift tähmenb, fürchterlich, entferlich, baut biefe« Se= finbel feratt feine Sfoeale, mie ge ber 91bfoluti«mu« Oon eing bei aller Srutalität hotte, er tennt nur ba« (Sine al« $üchge«: geh fatt zu fregen unb im eignen f$ett zu ergiden. 2Bie biefe« $ad über bie fömg benft, bie ihm nur ein leerer Stnnegft&el, ein Segenganb ber Unterhaltung ig, h°& e ich lu meinem Äugajj „Die fömg unb bie Sourgeoige" genügenb nachgemiefen, bente ich- Sieber echte Seemann mirb lieber bei Sturm mit SBinb unb SöeEen fämpfen unb bie Srug bem mütenben (Elemente barbieten, al« bei fauler Stille müfgg im $afen liegen unb Oergeblich oerfuchen audzulaufen unb fömr« zu geminnen. Die fßregmametufen $intelbep«, oon benen grenze! fo oiel SBefen« macht, toaren ja, bei aller Srutalität, bie bemunberung«mürbigften ©hrenmänner im Sergleich mit ben Serliner Selbprogen oon ber Ziergartenftrage. Sie oerfolgten bie Segner, meil ge in ihnen bie Bergürer ihrer eigenen SRadEg ahnten unb bienten bamit hoch nur inbireft ber guten Sache jener. Stber betrachtet euch unfere Solbberger, Sleichrüber unb fömforten mit ihren eblen Sattinen unb Züchtern, biefe« geig« unb h^zOerlagene Soß, für toeldje« bie Stammaftie unb bie Zaufenbmarfnote ber hücggr Setifd) ig, für toeldje bie ©oefte gerabe gut genug ift, ge in Schlaf zu lullen, menn ge geh mit ftugern unb fyunmetu ben SRagen ooU gefdjlagen, unb bie Sieben einen „Schauten" nennen, ber Karl grengel unb bet (Realismus. 1039 anbere Sfbeale h°t als beit Stnfjeitit unb bte (Ifjaifelongue, unb ber bon einet Äunß träumt, welche bie bergen erfcf)üttem fall unb bie (Seiftet auf* timten. „®rfdrittem? ffiaih gefchrieen!" (rächgen fie auf, „Reifet 'ne 3bee bon Kunß? greffen, ©efdjlechtSgenuß unb fdjtafen, baS ift baS einzig ffiahre!" Unb bet Kampf mit biefet ftumpffinnigen, (alten, butdj unb burdj (orrunt* pietten Klaffe, bie für alles ©ewattige unb äRäcfjtige nur ein DölfnifdfeS Naferümpfen h<*t, ift gehntauf enbmal fettetet, langmietiget unb mii^eboKet, als ber gegen BunbeSrat unb ^refjmamelulen. Siefe Ratten (eine attbetn ©affen als bie brutale ©ewalt — jene ^aben baS (Selb unb ben Neig bet Behaglidjlett, bet gettlebe, Welche taufenb feige unb fd)Wan(enbe Strebet loden unb oerführen. Nur wenn biefe Klaffe Pom ^errfdferttfron geftürgt ift, nur Wenn fie in ihren gunbamenten bebtest, ßittem unb Ängß übet* fällt, ift bet Sieg einet neuen, wiebet auf bem gunbament aller Kirnß — bet oon ber mobetnen (SefeUfd^aft PetWotfenen unb oertönten fieibenfefjaß — ererbauten Äunft möglich, Sir haben nut einen Berbünbeten, an beffen Seite unS bet Sieg gewiß ift Unfer Sieg wirb an bem Sage entfliehen fein, an Welkem bet erfte Kommerzienrat an bem Bfahthalen einet Bogenlampe Unter ben ßinben, gum Spott bet ehrlich mit §irn unb $änben atbeitenben SRitwelt angebunbett, ljriße Schweißtropfen bet Slngft Pergießt. Unb ich hoffe gum $immel, baß ich noch «leben Werbe, biefen erfetjnten Sag! Sie ©affe biefet elenben (Segnet ift bie perfibefte, welche eS überhaupt in bet ©eit giebt, taufenbmal nieberträchtiger, als bet Pergiftete Ning bet Borgia: baS Xobfcßweigen, baS Unfeßen aller unfetet Begebungen als nicht pothanben, wie eS Pon bet heutigen erbärmlichen unb (äuflichen beutfehen Bteffe geübt witb, bie faß ohne fluSnaßme in ben $änben beS Kapitalismus ftedt. Dr. grengel beftreitet gwar, baß biefe Sa(ti( gegen unS geübt witb, abet baS iß bet Pierte BnnK- in bem wir ihm ungenügenbe Information Pot* werfen rnüffen. Stein, eS giebt eben nut einen Karl Grengel in bet beutfehen gournalißif, bet obwohl unfer (Segnet, bodj jebergett uns fein Blatt geöffnet hat gut Bertretung unfetet SNeinungen, unb unfeten Schöpfungen ßetS felbß bie eingeßenbße Beurteilung unb ftngeige gewibmet h°t- ®t iß aber eben auch nn BerhältniS gu unS bet eingige echte (Sentleman unter ben Breß* menfeßen bet Gegenwart Stur gang Wenige beutle Blätter haben bie ein* faeße ÄnßanbSpßicht erfüllt, ßele, 3>oede, ftbftchten unb Äunftmittel mit 3*>ta unb ben gtanjofen fo nie! gemein tfaben, mie ein ®Ieph<»nt mit einem ©iger, bie mir eine »öQig ftelbftänbige unb eigenartige ©etoegung »ertreten, beren erfted unb höchfted Sßrinjip bie Nationalität iftü SBo giebt ed einen Schuft gegen foldje Nieberträchtigfeit, folch miffentlidje, faft burdj* gängig anonyme ©erleumbung? 3umor ber ©itterleit in ihr auf. „Du muht mir helfen, äRartin! Du muht mir helfen! Sch weih — nicht wahr? Du haft mich fehr lieb: ich bin hoch immer gut gegen bich gewefen, nicht wahr? ©un muht bu auch lieber gegen mich 9 ut fein unb muht mich fdjüben. Sillfl bu ba«, ja?" Sftte Äugen bligten wenig m&bd^en^aft. Sie ^ieU igm bie #anb über ben Difch, igre Sippen jucften. „Schlag ein!" Äufmetffam betrachtete SRartin feine ©chweger. (ES fehlen, als ob er feine fchwachen ©eifteSfräge bis gum Übermaße anftrenge, um bie SBorte ÄieSdjenS gu oerftehen. (Er oerftanb offenbar, ohne natürlich im geringgen ben graufamen £oIjn gu fühlen, unb tangfam unb ernft legte er feine $anb in bie feiner ©chweger. „3a, ich Will eS," fügte er. „Sennft Du ben Onfel Sticharb noch, SRartin?" „Der , liebe 9Hc^arb ‘ geigt er ja. Drüben, über ber £>ecfe mohnt er.“ „3a ber, bet liebe ftiegarb — ich habe ihn fegt, feht lieb. Unb Wenn ich nicht einmal fo leben foQ, bag et mich umarmt unb lügt, wenn ich ** will — bann mag ich 8 ac nicht leben, bann Will ich liebet tot fein." „Du mugt ihn heiraten, SieScgen." „Stiegt wahr, SRartin? 3a, baS hab ich auch fchon gebacht. Unb bag ich baS (ann, bagu foHg Du mir helfen. $örg Du?" „3a. SBill ich!" ÜKartin fcglug mit ber Sauft auf ben Tifeg, mitten gwifegen bie Rapier» gguren, bie erfchroclen gufammenfuhren. ©eine Qü ge geigten eine ungewögn* liehe 3nteQigenj, bie Äugen hatte er ftarr auf SieScgenS Stirn gerichtet, als Wollte er alle ihre ©ebanfen unmittelbar in geh aufnehmen. „0 feine SRutter!" rief SieSegen plöplicg (aut auS. Äu«h ihre Sänfte ballten geh, igt ©lief leuchtete wilb auf. ÜWartin beugte geh über ben Digg. SBie ein Schwerhöriger laufcgte er. 3anb unb brogte geg felbft emggag mit bem geigegnger: „Zu! Zu!" — ©eine gefamten ©eigebfräfte befanben geg in einem ungemögntiegen Aufrugr, er gatte etmab gana feltfameb mirflieg »erganben unb bab flögte igm groge Sreube unb ©enugtguung ein: „3a, ja: icg meig eb, icg meig eb!" Zer SRonb fegien fegt bureg bie Stäbe ber 3alouffe inb 3immer. hinter berfelben ganben bie Senget offen. (Eb mar eine geige, brüefenbe Sulinacgt. SRartin 50g bie galoufie iu bie #öhe, loobei et iljt ebenfalls mit betn Zeigefinger ber linfen §anb broljte, Wenn eS (narrte. 9 hm lernte er ftd) hinaus. ©S war alles ftitt in bem bermilberten ©ärtc^en, baS tjinter bem $aufe lag. ßinfS unb rechts grenzten anbere ©ärten mit einer ÜJtauer an unb im $intergrunbe jog fidf eine fjatbner« fattene £ecfe einem größeren ©nmbftücf entlang, in beffen SDhtte ein altes, aber redjt ftattlidjeS §au8 ftanb, ein tperrenljauS auS bem borigen gabt« bunbert, halb ©alaiS, halb SiHa. Dorthin richteten ficf> bie ©liefe SRartinS. ©r mufterte bie genfler beS ©tocfroerfeS $u ebener ffirbe. ©eine fdjatfen Singen bemerften, bab öerfd)ie= bene offen ftanben unb bafj hinter jmeien noch ßiebt brannte. SNit einem ©afce toar er im ©arten. ßauttoS fällig er im ©chatten ber äftauer auf bie $ecfe ju. „fließen bat gefagt: id) fott nic^t Ober bie #ecfe . . ." ffir machte ein bebenflicbeö ©eftdjt unb überlegte. „SRub id) bod) — tarnt ja nicht anbetS." Sin einer ©teile, too fte ziemlich eingeriffen mar, überflieg er bie §ecfe. Nun Oerbarg er ficb in ben ©oSquetS beS ©atfS . . . grau ©oebemfetb fafj in bem eleganten ©peifejimmer feitmürtS an bem großen runben Xifdj in einem ©cbaufelftubl unb laS. Sie batte bie ßampe nab an ficb bttangejogen unb hielt ba$ Such biebt/bor ba$ @eftd)t. ffinblicb Heb fte baSfetbe in ben ©djob fallen. @ie gähnte unb fab gebantenooll butd) ba$ meit offene genfter in bie monbbeüe Nacht hinaus. ©in Nachtfalter batte ficb in ber Äuppel ber ßarnpe gefangen unb raffe im XobeSfampfe fummenb um ben beiben ©plinbet. ©erbrannt fiel er auf bie-toeibe ßeinmanb, bie noch bom Slbenbeffen bet ben Xifcb bebeefte. grau ©oebemfetb fdjnellte baS Xier mit bem SWittelfinger bom Xifcb- ©S mar eine grobe, moblerbaltene grau in ber ÜDhtte ber ©iergiger. 3bt ftopf mit bem enganliegenben febmarjen £>aar jeigte eine auffallenb regelmäbige gorm. gbre Züge maren ftreng unb ernft unb bie bunüen, ruhigen Stugen blichen berftänbig unb felbftbemubt grabeauS. gebt griff fie nach einem ©riefe, ber auf bem Xifcbe lag unb bliche hinein. ©S mar ein ©rief ihres ©offnes, ©ie batte ihn febon öfters gelefen. ©r lautete: „ßiebe ÜJhitter! Xu baff mir auf ben borigen ©rief, in bem id) Xit bie bemühte ©eneralbeid)te ablegte, nicht geantmortet. geh meib jtoar borerft burcbauS ®er treue Stuftet. 1049 nid)t, tone id) mit biefcä Schweigen ju beuten habe — bei bem aufgeregt« erwartungbtootten Suftanbe aber, in bem id) mich jur 3«it natürlich befinbe, wirft babfetbc begreiflicher Seife beunruhigenb auf mich. liefet Umftanb ift eb aber nicht allein, welcher mich toeranlagt, früh«, alb ich eb eigentlich &or hatte, wenigftenb acht Dage früher nach $aub ju reifen. 3ute ber $eimat. Sn ber Stacht toom 13. auf 14. fomme ich in Hamburg an, am 14. toormittagb toerbe ich an Deine 2pür Hopfen . . ." Stau fßodjernfelb legte bab SBlatt wieber auf ben Difd). „Dab ift morgen,“ fagte fte laut bor ftch hin- Sie bachte nach- 3h lc Stirn würbe trüber. Sirb er oon ihr taffen? Cr muß, er fall- Sab? Diefe gamitie, in ber Sahnftnn unb Schwad)* ftnn offenbar erblich finb, biefe gamilie . . . unb mein einziger Sohn? Smpe in bab Schlafzimmer nebenan. Sft eb unrtlich bie SXonbnacht gewefen, welche bie grau ueranlafjt hat, bab genfter nicht ju fchliehen? Ober war eb ber SiUe eine« anberen, eineb SRanneb, ber ba braufien unten im ©obquet oor bem genfter lauerte, ber gefpannt ju ihm auffah, ber nid)t wollte, bah eb gefchloffen würbe? £wang biefer Sitte, ber beb toerachteten Sbioten, ben ber felbftbewuhten, Rügen grau? — Seriufchlob flieg er butchb genfter inb 3immet. Die Stiefel hatte er aubgejogen. Stuf Strümpfen fchlich er gu ber £ammerthür. Cr h° r( hte hinein. Cr fah burchb Schlüffelloch. Drinnen brannte noch ßantpe. Die grau hatte fid) entHeibei. Sie wufch ftch iefct. Sn groben, mutwillig gefpreijten Schritten, nur auf bie 3ehen tretenb, ging er jurüd jum genfter. Cr fefcte fich auf bie genfterbanf, legte bie 1050 Ätftget. $önbe mit bec glädje nach unten untec feine ©chenfet unb fc^aufelte mit ben ©einen in bet fiuft herum. Set SDiottb, bet feine ©eftalt auf bem Xeppid) bei 3immeti ali ©Ratten abjeichnete, bet 9Ronb amftfiette ihn. Senn immer, menn et ein ©ein befonberi ^oc^f^neSte, bann !am bet ©Ratten bei Sufjei einen Hugen* blirf an bet ©eite feinei Äötpeti ba unten auf bem Xeppidj jum ©orfdjein, bai fah ju brottig aui. Sa fafj er unb „lachte ftch eini": SWartin hat »arten gelernt ffiemt bie böfe grau erft fdjläft, »itb fie SRartin mit feinen grofjen $änben tot brücfen. J)iq mm ^umoresfe t>on (Timm Kröger. (öfm#tiorn, So (TI rin.) I. f ai ©ehöft Sleuborf ift j»ar an ftd) »ebet berühmt noch merftoürbig, aber ei befifjt ein ©läbdfjen, bai fiel) jur ©erühmtljeit unb §ur 9D?etf* »ütbigleit entwidelt. Sa liegt ei, bai Heine ©ut, jtoifdfjen Hdet unb ©iefe, ©alb unb £>eibe. ©in gluf} »inbet ftch in trüger ©erbroffenheit burd) bie ©bene. Sai ©leidfmafi feinet an fdjilf 5 , »eiben* unb erlenumflorten Ufern ootübet« gtoüenben ©eilen »itb nur einmal butef) eine Xerrainerhebung geftört Un»eit bei #ofei burd^fc^neibet et ben ©Ijimboraffo bon Sleubotf. Seffen abgehackte Äuppe überragt ali ein fteil abfattenbei ©lateau ben ©affet* fpiegel um nahezu feehi gufj; bon ihrer ©bene überbrüeft bet ©lief ben in gehoppelter ©reite lebhafter oorüberplätfchemben Strom. Hn fleh ift bie ©jenerie Weber großartig noch fthtecHich. Hber ganj SReuborf nennt im $inbtid auf bie ©reigniffe, bereu ©thauplafj biefer $ügel War, bie Xiefe bei ©tromei eine grauftge, bie ©reite eine ungeheure. Senn hie* ift bie ©ofjtrappe bon 9?euhorf. $ier gelang bet un=- bergleichliche ©prung, bon bem 3fung u ”h Hit fagt unb fingt. $iet ft$t J)ie (Rogtroppe bon Steuborf. 1051 bie altersgraue SJtufe bon Steuborf, bemutterte Stunenfchrig im Shttlig, bie Spinbel in bei £anb unb fpinnt unb fpinnt um bie $öf)e baS (Gefpinnft golbener Sage. 3 h*e Äreife mitt id) nid}t gören. Sie lebet eine einfc^meic^elnbete Sprache als bie (Gefchidjte. 3en Sicht gerichtlicher Sorfcfjung, bie augerorbentlichen Gegebenheiten aufguheHen, aber mich »erlägt nicht baS Gemugtfein, bog bie (Gefdjichte auch fjier bei Sage erliegen mitb. Unb hoch fdjöpge noch niemals ein $iftori(er auS bejferen Quellen. Spiele ich &<><$ felbft in biefer (Gefdjidjte eine Stolle, grnat nicht bie erfte, auch nicht bie groeite, aber hoch eine Stolle, bie ben GemegungS« nein ber unerbittlich fortfcgreitenben $anblung barftetlt. II. ftlauö hieg er unb Stad)tmäcbtet mar er. S)iefe3 2lmt legte ihm bie Gerpflichtung auf, allnächtlich einen Stunbgang butcf) baS Slnmefen gu machen. (Ein SBächter h at ettoaö $elbenljageS; mir tierbinben mit biefem SBort bie Sorftetlung redenhaften SJtuteS. Sillein unfer §elb mar tein £>elb. 2)enn als er (Gelegenheit hatte, feinen SJtut gu geigen, bemieS er mohl (Ge= manbtheit, aber leinen SJtut; als er berpflicgtet mar, feine Sange gum Angriff gu fchroingen, machte er bon berfelben einen ungemöhnltdjen emifphäre in ben befannten Sinien. Sem Äuge minften auS abgrunbtiefen Seiten fern unb ferner eitrige Sterne! Ser @iriu8 blinjelte unferm Klau8 bireft in bie Äugen: „Su bäum' langer KIau8, ttrie minjig bift Su unb wie Hein ift Seine ©rbe!" Ser Pächter öerftanb ihn nicht. ©8 flog burdh feine (Sriiuterung eine berfchol? lene Sage, jeber ©tem trage ben »erHärten Seib eine8 Serftorbenen burch ben Äther. (Sr maß ba8 Sidjtpünftchen geringfcf)äfcenb mit feinem Äuge. Scr ©ebanfe, bafe er, ber baumlange KIau8 auf biefem ©trahl, biefem 9licht8, beffen aufgeblafene8 Safein er auSjublafen ficfe getraue, menn er nur heranfönne, burch bie Süfte reite, erregte feine §eiterfeit. Sie ®or= fteHung war ju albern. (Sr lachte! ©ein Sachen loav ein ©emifch bon foltern unb Siehern. ©eine Sach- falbe mar meit unb breit befannt. Sarin that e8 ihm deiner gleich- So lachen fünfmalhunberttaufenb Xeufel, menn ber (Sble in bie unreinen ffie= gierben frauenhafter Sahrtaufenbe jurücffäQt. 0 biefe8 Sachen! Senn e8 fleh ben ©chmingungen ber ©ruft entrang, edjoeten bie benachbarten ©ar= tieen feine8 anfehnlicheit Seibe8. Sa8 Sachen hotte bi eie (Sigentümlichfeiten, aber bie miehembe Klangfarbe mar bie herborftechenbfte bon allen. Set ^offdjmieb Karften Srich nannte ihn be8halb ba8 „Stofe" unb bie ©eböfc ferung bon Steuborf erhob biefe ©ejeichnung gu einem allgemein befannten Stecfnamen unfere8 Klau8. Äuch ber ©iriu8 lächelte; aber e8 mar ein überlegenes, iromfcfjeS Sächeln, mie e8 einem Stern erfter ©röfee jufommt ©on bem Sachen unfereS Klau8 echoeten Sittfel unb (Srfer. Sie tljö= nerne fjlota be8 #errenhaufeS lachte heH unb filbern, bie ©iebet ber Sirt* fchaftShäufer grob unb bumpf unb berb, ein menig roh mit rücfhaltSlofem, bäurifchem (Behagen. Ser fpeufdjober hielt fich ben umfangreichen Seib, ber 3 iehbnutnen ftemmte in fdjüttelnber Sache bie $anb in bie #üfte. ©8 mar unborfichtig bon bem Sächter, fo gu lachen. Senn menn ftch Die fto&trappe oon SReuborf. 1053 fe|t oof uneclaubten SBegen befanb, fo muffte biefer, baff bet fchteefliche SBäc^ter nahe. Dann mar eb 3cit auf bie Kettung bebacfjt ju fein. Unb fieh'. IV. Unb fieh! SBarf fid) nicht eine bunUe ©eftalt mit fräftigem ©chmung aub bem Senfter beb ©rbgefchoffeb? Dab ift lein fabenfReiniger Statten ber fßlfan* tafie! Die ©flicht ruft, ebler ftlaub! „3m Bentrum ber ©efaljr, ba mehen Deine Sonnet!" $ei, roie blipte bab Muge unfereb gelben! SWictjt mahr, mir fehen ihn mit eingelegter Sange ben freien Dieb ju ©oben rennen, mir ^ören ben Übermunbenen um ©Tonung flehen? @o If&tte eb fotten fein, fo mar cb leibet nicht. SBohl rafte ber 2 Bäd)ter, aber er rafte in rnilber Stucht. Über ben $ofplafc bonnerten feine Srufftritte, ben bab ©ehöft umgärtenben SBaH überflog er in rnilber #aft. ©elang eb ihm bab 3flüf)tnglingb bie ihm mohlbetannten ©feile beb Slurfchüpen Motor, ©t mar ein teilnehmenbet ffreunb, eine oerftänbniboolle, fchöne ©eele. Dab bescherten bab Uuge, treue Muge, bie fchaUhaft gurücl* gelegten ©ehänge, ber mebetnbe, lange, bufchige ©chmeif. 37 Vol. 4/2 1054 tröget. Die ftoßtrappe Bon Weuborf. Unb nidjt allein bon Stero war bie gtucßt bemerft Worben. 3toet Äugen Ratten ber witben 3agb im Anfang forgenbotl, bann erweitert nad)= gebticft. 'Set große gipftern lächelte biefem $>oppelgeftirn freunblidj ju, ohne Überlegenheit, ohne Spott unb ohne Ironie. Seucßtete hoch auS biefem Äugenpaar eine Siebe unberg änglidj, wie ber ©lanj beS großen SiriuS. VI. Ob Stero geplaubert? Ob bie SKitfpielenben baS ©ütjnengeheimnis beriefet? (SS ift unaufgeflärt, wie unb Wo. ©enug, baS Heine Abenteuer würbe belannt unb machte bie 9tunbe. (Sehen Wir ben berfdjlungenen ißfa= ben ber bichtenben ©ollSfeele nach. Seiber wanbette fie auch hier, wie fo oft, ben Säftergang ber ©erleumbung. Unferm gelben würbe etwas nach« gefagt, Wobor ihn Älter unb eheliches I^od) hätten fdjüfeen foHen. Äarften SBrich, Satirifer bon Steuborf, welcher als OefeQe ben §arj burchwanbert hatte, bebor er hier .fpoffchmieb würbe, ließ feiner Spotttuft freie Sahn. Son ihm würbe bie benlwiitbige Stätte, wo fötauS ben gluß überfprang, mit anzüglicher Sejiehung auf ben Stecbtamen unferS gelben juerft als Stoßtrappe bezeichnet. Unb fo heißt fie bis auf ben heutigen ütag. Warften SBrich zeigt gremben unb (Einheimifchen Spuren bon Stiefenfüßen, bie StauS bem ©oben unbergänglid) aufgebrürft haben füllte, baneben bie Spuren eines tßferbehufS, juriicfgelaffen bon bem ©Öfen, als er unfern gelben gejagt. 'Dunfle ©erüchte, baß SlauS ficß auf SBegen befunben, Welche in gleicher SBeife bon Stecht unb Sitte berboten ftnb, würben bon ihm genährt. ®aS StileS ift fdjon lange her unb greuitb £jein hat bem Äarften SBrich ben lofen 5D?unb gefdjloffeit. ©iir hat baS Stlter baS §aupt befcßneit, unb unfer $elb ift fchon längft bem Schmerze gefränfter (Ehre entrücft „SBaS im Sieb foH ewig leben, muß im geben untergehn". Äuch bon SlauS mußte bie lefete Spur feines (ErbenbafeinS getilgt fein, bebor bie SDtufe bon Steuborf auf bem |)ügel anc gluffe bie ajiafdjen ihres ©ewebeS einfehlug. (Erft bie 3eit berleißt einer Sage 3auber unb Änmut unb befreit fie bon allem niebrigen ©eiwert. Unb bie SJtufe bon Steuborf arbeitet langfam unb bebächtig „nach berühmten SDtuftem". Stoch ift ihr SBerf nur halb boflenbet. (Erft ben Künftigen ©efdjlechtern wirb fflauS ein redenhafter Jüngling fein, ber burdj £obeSberacßtung bie ©eliebte beS $erzenS bon bem hartherzigen #ofbauern erringt. (Er bricht — fo wirb bie Sage Weiter berichten — am rettenben Ufer fterbenb zufammen, unb fte fucE>t bor ben Äugen beS in wil* bem Schmerz auffdjreienben ©aterS ben Xob in ben fBeUen! DaS iß bann 3rud}6. Der fflittttet. 1055 bie öottenbete SRohtrappenfage öon SJteuborf, befannt im ganjen Sanb. aber SRtemanb Wirb fingen unb fagen öon unferer mit bem nüchternen ©riffel beS ftiftorifer* aufgejeichneten ©efdjichte. ÜRiemanb mitb fragen nach t> er gerichtlichen ©runbtage bet SRofetrappenfage. HooeUette oon en groben, froftbtauen £än= ben bliden muhte unb bie bleichen Sippen fich in ftummer (Erregung be* megen fah. 1056 3rHd}*- SRan war jept in bet ©orftabt. ©aSlaternen leuchteten ba unb bovt auf. ©on bet Sofomotiüe Hang jeitweife ein SBaruungSfignal unb mit bumpfem Stollen flog bet ßug übet baS ©flafter. SRun ^ielt et. Set Schaffner rifj bie Xhüte auf. SRit feinem Stuf btang ein feuchtet Schauet in ben SBagen. Sie Schlafet fuhten auf unb alles tappte nach bem HuS= gange. Sa unb botthitt ©erteilte man fidj in bie Strafjen. Set bleiche Htbeiter fchtitt gwifchen halbfettigen Sfteubauten nach einem graftgen ©ebiete, baS noch leine Käufer trug, benn mitten ^inburc^ fchnitt ein unbebecftet, fchmalet fömal, bet nach bem nahen Stoffe ^inleitete. Ser föntal foEte in nfichfter 3eit überwölbt »erben unb beShatb hatte baS Siefbauamt ben SRamt bto= gemiefen, bamit et ben Stafen am SRanbe »egfchaffe. Hl« er heute feinen erften $ieb mit ber $acfe that, »ar bereits bie Sömmerung hereingebrochen unb ein riefelnber SRebel neteinigte fich »itbelnb mit ben Sänften bet föoale. Sen Arbeiter fchauerte unb et arbeitete hoppelt rüftig. Hber eS half nichts gegen ben groft. — Elun hatte et einen tüch* tigen Raufen Etafen unb ffitbe auSgehoben. ffit legte bie $ade bei Seite unb gog neben auS bem blätterlofen, im SBinb fpielenben ©ebüfehe einen Schubtarreu h^bei. Sobann nahm et bie Schaufel gut $anb, ftach ein, unb ptaffelnb foEetten bie ©rbfdjoEen auf ben ©oben beS fönten. Eibet — »aS »at baS? SBatum ftarrt bet SRann fo entfept auS feinen gudenben Hugen? ©t bebt, »anft — ba föEt bie Schaufel hin! fRun ftürgt er ftöljnenb übet ben ftarreu. — ©ine EBeile war eS gang ruhig, lautlos »tilgten fich bie fchlatumigen SBeEen ber floate, lautlos bog fich baS bürte ©taS, lautlos »aEten bie ESolfenbaflen am grauen girmament. Sa h»b er ächgenb fein Stntlip: eS »at fahl unb toteSruhig, nur unftöt glitten bie Hugen. ffit fptach mit fich felbet: „SRarie, ja, eS rumpelt auf bem Sarge! §örft Su! Ser Totengräber wirft bie ffirbe brauf!- SRarie! SBarum bift Su tot? SBarum, warum liegft Su ba unten? SBaS foE’S mit ben fönbern — h u , tote eS rumpelt auf bem Sarge! — 3 ept fptang et in bie £>öhe. ©erwunbert ftarrte et auf ben föttten unb fchüttelte ben fö)pf. — „3a, »o bin ich benn? SBo? SaS ift ja gat nidjt — ihr — ©rab — baS »at — ja geftetn, geftern! ©eftern haben »it fte htnauSgetra — ®h, wie hetfc ift’S hoch! ®h! mein fö>pf, mein ftopf! SBte baS brennt unb Hopft! So h«fi — ach!" ffit beugte fich niebet, ergriff hafüg einen Stein unb preßte ihn an bie Schläfe. — „SaS tljut gut! — fühl ... — Oh! ich bin f° tttübe — muh — tnich — fefcen-gu Sit — SRarie! Huf ben Sarg, oh, oh! — ba, fo! — ©eit, SRatiedjen, Su bift fortgegangen. $ab Sich nicht lieb genug gehabt. ®*t SBittwer. 1057 I)ab Dir nidjt genug 311 effen gegeben unb ben Sinbem. 3°. red)t gehabt! fortgeljen, fjeimgeljen, frfjlafenlegen — rnljig — rut)ig. Sein junger, lein Xurft, feine ftranfljeit, fein ©erid)t8ooß$ieljer. 3a, ^aft rec^t geljabt, grau — ad) SRarie — id) bin fo franf, fo gar nid)t vet^t in ben #itodjen — idj tfjät’ fo gerne fcfjtafen , . 3 £ td berftummte er in toafjn- finnigem $inbrfiten. Xann fummte er weiter: „ 3 a fo! bie ftinbet woßeit ©rot Ijaben! $ufj! wie fie frieren! SWarie, fief) bod)! Sßie fie jittern in ben biinnen fiumpen — StRarie, mufjt fficfcn, mufjt mieberlommen — bie armen ftinber! Sldj — Herrgott! SBatum fjaft Xu midi fo arm, fo, fo bettelarm, fo, Ijufj, Herrgott! Herrgott! 3d) — id) — f)aljaf)a — ben reifen ßeuten, benen giebft Xu aße§, bie bürfen fauflenjeit geljen unb fönnen bod) bie ftinber fettfütteru unb — unb — Herrgott! SBarum Ijaft Xu mid) nidjt reicf) gemadjt, warum gerabe mich nid)t, warum nid)t! Herrgott! warum — nid)t! $örft Xu! — Sie war bod) fo fromm, bie SRarie, unb fjat oft ju Xir gebetet unb idj l)ab’ weinen miiffen, wenn fie gebetet l)at, nämtidj barum, bafj id) fo ein t>erflud)ter, fd)lecf)tev, bummer ft'erl — bin. Herrgott! ffieifjt Xu, waS Xu gefd)afft fjaft — geholt Ijaft Xu fie unb fjaft mid) ba gelaffen, in bem (Slenb — in bem falten SBettcr — gar! — Slber Warte — id) Wiß Xid), f)a Ija Ija! — Xie föinber — bie Werben au$gefd)i’Ut — Hing, ling, ling! Xie werben auSgeboten bon ©tnatswegen. Kriegen’? beffer, wie bei mir, wartet iljr kleinen — wartet — wiß eudj gute Xagc madjen. 3 a » ja, bin bodj nidft fo bumm —; unb Xu $errgottd>en ba oben! bin nidjt bumm, gar nidjt fo einfältig, wiß Xir’£ fdjon geigen! Stufft Xu midj nidjt, — fo fomm id) bod) ju Xir — ob Xu ntidj wißft ober nid)t — fomm’ id) bod), bod)! Äomni’ gleidj! SRarie! — mad) — bie Xtjiiu — auf — Cngel! 3 $ fomm’! $urra! 3 dj fomm’, Xu Herrgott — Xu Xu. — Xralala — SRarie, idj fomm'! — id) — fomm’ tralala!" — Unb wie ein auSgelaffene« ßinb jubelnb, fdjreienb, ladjenb lief er itberö Selb an ben $fafj. a( m Ufer ljiett er nidjt an — geraben SßegS rannte er in ba? trägflutenbe SEBaffer. ,, 3 d) — fomm’, — SRarie!" 1058 Uttfer X>id)teralbum. f oit her alten 3nfa=üefte flattert j^olj Caßitiens Sanrter, Unb burd? Cujcos mcite Straßen (Tönt ber Spanier Siegesjnbel, Die bei taumelnben (Selagen 3h** blut’ge Seute teilen. Uralt ^eilige (Sefäße, Schmer non (Solb unb Cbelfteinen, Uralt ^eilige Symbole, (Ciergeßalten, (Sötterbilber, Schlägt bic ßanb gemeiner Sölbner Hafd? in (Trümmer, baß U^r (Solb UM’gcr ihren Stiften biene. IDiißcr, roher Särm ber Sieger, — Sanges Schmeigcn ber Scßegtett! Jfcrn ber Ulenge mcilt pijarro, plane fdjmiebenb, ftoljc plänc, It>ie er feiner E^errfcbaft (Srcn 5 cu IDeiter behne unb ins 3°eige ßd?. | Schön, bod? ßreng fmb ihre §üge, j Stol 3 unb traurig iß ihr Slicf. 1 Unb pon rafdjer (Blut entjtinbet, ' UDill pijarro ße umfd?lingen. Dod? ben Dold? aus ihrem (Sürtcl Heißt ße brohenb: „tüeiche pon mir, (Tomafuya, Sonnenjungfrau, i Sin id?, Htahualpas (Tochter, i Ijöre, mas mein lUnnb Dir fünbet!" ! U?ar’s ein Heft pon fargem WTitleib, j IDar’s ber Schönheit ßumme Sprache, I Die ben ßarren Sinn ihm beugten? Cr, ber nur gemohnt 3 n hetrfdjen, ; Sdjmeigt unb laufdjt ber 3ungfrau Hebe: i | „£ei ^olöen nidjtl *) fonnenjungfrauen mären bem Sonnengott gemeinte, j>riefterlube 3ungfrauen, bie, d^nlid? ben PcjtaUnnrn Homs, bas Heufd^eitsgelAbbr ablegten, auf beffen Übertretung (Tob ftanb (XNe „©efeDfdjaft" oeröffentlid^te im 9. I?efle bes porigen 3af}rgangs 8rud}ftäirb Peine (tage enben! Ungeahnt beim ^reubenmatye XPirb bes Hähers Stahl Pid? gnben, XPirb bes XTtörbers Sdjwert Pidj fällen, | Pen Pein eignes Dolf gebar. I f 7 öre meinen Sdjwur, fo wafyr id? | 3n bie Brujt ben Poldj mir botjre, | XPirb gefdjeij’n, was idj oerfünbet!" — Sdjaubemb manbte ftd^ pijarro Don ber Sonnenjungfrau £eidje; XPas fein finftres fjer 3 bewegte, I XPar es Sdjam, mar’s flüdjt’ge Bene? XPer fann in ber Seele (tiefen, 3n ber Bruft ber Xllenfdjen lefen? I Sdjaubernb roanbte ftdj p^arro — Unaufbaltfam fdjritt er weiter j Pann auf feinem blnt’gen IPege, i Bis ber (tag Fam, wo ber 3 un 9 f rau ! Badjeflüdje fid? erfüllt.- _ (ßüntfjer XPalling. edtjolberlin, uerfdjwiegner Straudj, Ptdj t)alt idj fyodj in Ctjren, Pu t)aft ein grünes BöcFIein an Unb trägffc blaufdjwa^e Beeren. XPerftfolberlin, mein Sdjatj, ber trug XPie Pu ein grün (Bewanbe, 211s an ben 21ugen beerenfd?war 3 Per £iebe (Blut entbrannte. XPerf^oIberlin, Pu ftebft im XPalb, 21Uwo bie Dögel fingen, ITtein Sdjag rnotjnt jet$t in einem Ejaus, XPo freublos pfalter Flingen. (Er figt am (Bitterfenfterlein, Bewacht oon grauen Bonnen, Unb benft an Pidj, XDerfljolberlin, XPie halb bas (Slücf 3 erronnen. jUf 6er Äommerfdjwüle liegt erbrüdenb | * 21uf ber enblos fladjen EJaibe, £?te unb ba nod? prangt ein Böslein 2lnf bem fonnuerbrannten Kleibe. , Qodj in £üften greift ein Kibit^ j Uber bie oerlaffne (f)be, XPäbrenb an bem buttft’gen Saume Sdfon ©erglüht bie 21bcnbröte. 0b idj auf bie Blume blicfe ©ber laufd}* bes Dogels Sdjreien, Kann ftdj bod? oon tiefer Schwermut Uimmermebr bas Ejer-s befreien. *) Hfldj bem peruanischen lTlyfbos war ©olb oon ber Sonne geweihte Zbränen. **) 3nti -- Sonnengott. 1060 Unfcr Didjtetalbum. ^crlalfett. n mfibe ITlaib, mo millfi Du tjin? (Es {Hebt ber Schnee nnb finrmt bet IPinb, üor Kälte meint Dein armes Kinb. IPas fragft Du midj, rootjin tdj geh’? 3Hag, Hudf nicht gefdjmnrft mit feiftem Doppelfinn: 3n Bug’ nnb Beten sieht ihr Dafein hin: Dienfileiftenb fanben audj ein ©bbad; h*er Hoch ein Kaplan nnb ber Chor jungen oier. Der ZDirtfdjaft aber biefer Reinen IPelt ^rau Barbara mar forgenb oorgejiellt. Die, ehmals frfihlingsfrifdj, jegt achtjigjährig, mit fechjehn £en 3 en merfte, mie gefährlich •) 21us ber biographifäpn Stint |u bes franjdflfdten Didiers 3 . 8. ©reffet fomifdpn Papageien* €pos, „Vert-Vcrt**, bas nddtfens im Perlag oon p. Heclam jnn. erfd^einen wirb. Unfer SMdjteratbum. 1061 Die fdptdbe ZDelt, entfagenb rettete Den Cugenbpreis, fid? mnnter bettete 3m Klofterljeim, moi)l anfangs nur als Ulagb Bei einem jener C^or^errn, mohlbehagt, Sobann jcbodj in ehrfuchtsoollem Drang Die < 8 oupemanten»ZDürbe fid; errang. So fam’s, ba§ trog bem ZDedjfel bet (Seftalten Sich fhramm erhielt ihr IDirfen unb ihr ZDalten. Zinn benn, jum Kerne fo mm’ td? ber «ßefdjidjte Die, jfingfi paffiert, idj mahrheitstren beriete: 3 m Frühjahr mar’s, ba — mög’ er £utas hei§en, Der jfingfte Chorbub’ arg befam bas Beigen, Das f{ei§t, bas Beiden an ben Untertanen. Die Q5sd}en mürben morfdj mie Sdjtadjtenfahnen; Don (tag 3 U Sage marb bie Srefdje fdjlimmer, Unb ans bem Daniel tauchte Bofenfdjimmer. ^rau Barbara mit ängßen unb mit Sorgen Bemerfte, mie fidj fnnb tyat, mas verborgen; Doch, fplitterarm, mit mas bie Blöge bccfen, ZDenn nirgenbmo oon Indj nnb Stoff ein Rieden ? jjjubem mar ja ber ärrnfie aller 3 n, tgen Don nnbefanntem (Elternpaar entsprungen. Zliemanben gab’s, ber feine (Slieber fleibe, Unb niemanb mot}l, ber ihm bie Zlrmut ncibc. So fror nnb jappelte bas arme Kerzen, IDie an beeiftem Bad; einfam bas (Erichen, ZUs ZIbamit nerbammt 3 um Stnbenhocfen, Dergeblid; mar ber Sonne märmenb (offen, Zlur fanernb ftjjen, blofj fat} man ben Zirmen: Da, l{öd;fter Zlot fam rettenbes Erbarmen I ^ran Barbara, als Helferin nnb Ulntter, Befdjaffte Bat 3 a gutem Unterfntter, 3hr UTittel 3 mar mar feltfam nnb oertraeft, Dod; Zlot half fleiben mas ba blanf nnb naeft. «Ein altes Ulefjbnch fam ihr oor bie ZIngen, Das jnji 3 ur ZInst)Uf fdjien itjr moty 3 a tangen, ©mar alt nnb fdjäbig gleich ’nem morfdjen Bettig ©ertappten Pergamentes, fingerfettig — Doienn audj an 3ugenb ein Quartaner, £eftmutig ausjuijarren als Spartaner — Dodj unperfdjämt folgt feinen Wea, bas Seeg. Kein Kragen ifjn bes Stapels (Qual entlöji — Der ,feinb burd?bringt bie ZTadjt gebeimfter galten, 3«gt — nein, bei (Sott, s’ ifi nidjt meljr ausjuijalten — (Er madjt ft dp tuft im freifdpenb lauten „2tul“ (Sleidp fdptpa^geflemmter Kage im „miau" ^lieljt er, bie fjänbe frampftjaft Ijinterm Hilden, (trepp ab nnb auf — unb lägt ftd? nimmer blidenl Der Sang perflummt — roer trägt baran bie Sdjulb? Die böfe Habt am flieli’nben Hotenpult! Jro üod?tt>afö. turmgebrodpne Urmalbtanneu, Hiefenblöde von (Sranit Hi§ bes tüilbbadps bunfle IDoge 3n bie grüne liefe mit. Unb f{ier roudjern aus bem UToofe Breiter tattidp, (Eifcntput, (Solboerbrämte JDaffcrlilien Unb bes (Siftfdjiramms rote Brut. (Saufelnb fdpxpebt ein (Eintagsfalter Durcfj ben taufenbjälpr’gen H?alb, tPie burdp eine Didpterfeele (Eine lidpte Craumgeftalt. Uliindjen. ^einj (Dffer. f m ffalbtraum laufdp’ iie ber £en 3 in bie €attbe £}injtiirmt im UTär 3 ? . . . 3m tpalbtraum laufet’ idp ben (tönen . . Ü?eldj’ monniger Klang I . . . Utidp fagt ein unenblidpes Seinen — €s gliitpen gefeffelt bie (tlpräneu, So met) unb bang . . . 1064 Hafer Stfdgmlbaia. 3 m Qalbtraum lanfdj’ id; ben Onen . . . IDie roirb mir melfl mein (Slficf, mein liegt in Sterben! — So lag in ben I 8 nen mid; gerben 3n Deiner ZlülfM . . . * * ♦ t ag ffiger Daft fo qnafooQ morben fannl IDelj, bag es einen Kolben EDaljnftnn giebt, Der fdjmeidjlerifd; bie Seele Dir umfog . . . Didj fdpneidjelnb morbet, meil Dn iljn geliebt I lOelt, bag bes iettjes 21 ntlig trügt ben Cob, Der tüififd; feinen t;ol;fen Blid Dir birgt! €r grent Dir bnft’ge Blüten in ben Sdjog . . . Unb ans ben Blüten geigt, ber Did; ermürgtl 3 " fyolben Slfiten fcbläft oerberbltd; <5ift . . . © adfte »o!}I, bag Dn ge nimmer pgüdlg! Dn glanbg, bag Dn mit beit’rem fef Kitir. litis 6ettt $faftetttf<$ett. J. 3dj i;affe 2)id}! (TI canto dell’ odio.) jHenn Du oergejfen einft im (ßrabe f^lummerft, Bebeeft mit €rbe, Unb (Sottes Kreuj wirb aufgerichtet jiehen Kuf Deinem Sarge; U?enn ©tertropfen bnrdj bie fyalbgefdjloff’nen gähne Dir ft (fern, Durch Deine graufen, leeren Kugenltdl)(en Die Würmer frieren: Dann wirb ber Con, ber Knbern frieboerheifjenb. Dir (Qual bereiten Unb Dein (Sewiffen falt unb unerbittlich Dein £jirn scrfleifdjen. Dem (Sott fowol;!, ntie feinem Kreu 3 e trotjenb, 3ns (Stab hinunter Dringt ber (Sewiffenswurm, um Dir 3 U nagen Kn Kopf unb Qeqen. Der U>urm bin iermorfd?ten Sarge, Dein 2las umfdjliegenb. mit Deinem £jer 3 blut rniil idj fättigen Den Eiag, ben alten, mit 3nbrunft in ben £eib, ben fdjamentblögten, Die Krallen (plagen. 21ls Hadjgefpenfi, als ©eifei bes Perbredjens, ©in Ejöllenfdjrecfen, So t}änge einig tdj an Deinem Bufen, 3n midf gedauert. 3ns ©Ijr, fo fdjdn einft, rnf idj nnoerföljnlidj Dir bitt’re IDorte, Die, gleid; bem gliUjenb ijeig gemalten ©ifen, Dein Ejirn oerbrenneu. Unb fragft Dn, toarnm idj mit ©ift Didj tränte Unb Didj jerfieifdje? So antmort’ idj: „Kannft Deiner blonben Ejaare Did; nodj erinnern? Denfft Dn ber fdjänen, golbig blonben Ejaare, 2>um Halfen fliegenb, Unb Deines fdptoarjen, tiefen Kngenpaares Poll gelber flammen? Der Bäfte Üppigfeit, ber fünften ^ülle Ejajt Dn oergeffen Unb roeigt nidjt meljr, n>ie fdjön Dn marft, betljörenb Unb Ijeig oerlangenb? Dag Du jnr Sdjau ben nacften Bufen trugeft $är jebes Kuge, Uns Deinem Bette einen Durchgang mad?tcfi, Ejafi Dn’s oergeffen? — tDarft Dn’s nidft, bie ben Crnnt’nen, ben Solbatett Umarmung boteft, Ejinunter ftiegft jn unnennbaren Kfiffen Unb tnidj oerladjteft? — 3$ aber liebte Didj, bin bittenb nieber Por Dir gefallen. Bei einem Slicf oon Dir n>är’ gern geftorben 34f Dir 3 n $ngen. 1068 Unfet Sidjteralbum. ISarum nur mir bcn ffl§en Slicf oerfagen, mir, bet Sich liebte. Der ich ffir Sich midj gern emiebrigt hätte Ju Seinem Sflaoen? ZDarnm mir „Hein", als ich ju Seinen £fifen Um (Snabe flehte, 3nbes bie Kuppler in ber 5tra§e harrten Huf Seine Käufer? Su laelt 3 n nichts sufammen fallen: mir liegt nichts b’ranl Bleibt nur Sein munö mein eigen fonber Jmeifel, Sann, Schmale, if mir Hlles gleich, 3 Sr emig fdfön Unb gern mär’ i df ein Coter. Bodj fdjdner iji — mer’s mag oerßch’n — Kn ett$e^«terrt<^ ^tfttor ober: ^ic Öcftpeftfdjc.*;) Don ^ran3 Ejelb. (Manchen.) n bes mäbdjenpenfionates ©arten flimmert frot? bie Sonne — 3 n ber Klaffe bumpfe Stidluft. Dort bojiert ja €l^ren«Diftor Über ben Begriff bes Schönen llnb ein offnes Jfenfter mürb’ ihn Stören, weil er inngenfdjroadj. Diftor n>ar Difar feit Kurjem. (Einfi oon jiemlidjer ©efunbheit, Qatten ihn bes Stifts geheime 3bealiftifd?e ©enüffe §roar erfüllt mit Selbftbefrieb’gmtg, Doch fein förperlidjes (teil IDarb babei fo gelblich mager. Dag er nnter’m Kleib bes Preb’gers IPenig ^leifch ju bergen fehlen. „Blfo auch bodj mot}I fein finnlich Unljarmonifdjes Begehren 1" Dachte bie penfionsoorfieh’rin. Übergab brnm bem €unu<^en furchtlos ihren 3»ngfern>Qarem §ur gelahrten Untermeifung 3n ber £itteraturgefchieht\ Diftor las Sonette piaten’s. Bings jn (fügen bes Katyebers Sagen um bie Krbettstifdje Seine netten Schülerinnen. Ratten fidjernb fleh oerfdpuoren, 3h« mie tofl rerliebt 3U machen. Um fleh bann 3U amüfieren ITtit bes ©iiebermanns Dermirrung. IDarfen ihm bie übermüt’gen 5 fiIe Sprengt er mit bem 8 aronegd}en (Einfam bnrd} bie Buchenmalbung. (IDeit voraus fdjon ritt ber Ceutnant.) Efeute hatte ge bas pfäfflein 2 luf fein frommes Sog gefegt. Olfihfam hielt er gd} im Sattel, Unb ber fd}abenfrof)e Bacfgfd} Sdjnttete gdj aus oor £ad}en, IDenn er, frampfhaft pirouettierenb, 3h T erhigte Slidfe juDarf. Unter ihrem falt’gen Reitfleib 1 £äffe geil es nat;rt)aft £ieblid;e (Sebanfen roadjruft: Sanfte Buttermild; unb Sdjmierfäs! Did; nur will fortan id; reiten 1 Dod; ergebt fid; über meinen fforijont ein pegafns — JDart’l ben »erb’ id; tüdftig jupfeu 21 n ber genialen tttäbne! Knr3 unb gut, idj »erb’ Bebaftor — ffotjn unb (Seifer auf ben Didjtfport, 2 Iuf nrfprünglid; 3 ngenbfd;Snes! Dorftdjt, Dorjtdft, Pfaffe Oiftor I Sitjt Du aud; mit viel Kplomb 21 uf ber Knl;, bie Babm unb Käs giebt. Kuf bem feiften Bebaftionsßubl, £eg’ Did; bod; ju fd^arf ins §eug nidjtl Denn »ir »iffen’s ja: Du felber CDoütejl auf bem Did;tro§ reiten, Qaft Bomane, ©perntejte, | Bubbt;a>£pen fdjeiterijäujig, ; Unb »eijj (Sott »as all gefleiftert — IPurbeft fläglid; abge»orfen, tDeil bie Sdjenfel Deiner Bahmfeel’ JUljn biirr unb marflos finb. j £feut ert;ielfi Du in ber Dichtung I Utit ber Peitfd;e eine Prime | Über bie Satyr«Difage — j Uber €ifenfd;ienen fuhren I 3 n bas £anb non Deiner OTild^ut; I I Könnt' jtd; bod; einmal ein Did;ter, I Dem Dein greulid; (Et;un ju bunt »irb, j tPirflid; eine Beitpeitfd;’ leiden — ! Deshalb Dorfidjt, lieber Diftorl JkiUtrarodjfl JPfeubmfen* Bon Otto 3ulius Bierbaum. (SBerfin.) I. €in turifcfjEt ^auptmanu. « nfere 3eit fteljt iin 3*iafte3, bev 1076 Sttrbaum. ffreube ober be« ©djmerje«, ober Sieber, gefungen im fdjmermütig «büfteren ©aßabenton. ®« finb liicfjt ©ebidjte eines ^üngtingö mit fdjroadj beftaumten Sippen, nic^t $erjen8ergüffe einer jugenbtidjen Seele, welche gäßrenb fcßtoärmt: „®rft in ber SKitte meiner breiiger 3aßre fdjrieb id^, burdj einen gufaß, mein erfteS ©ebidjt", erjäßtt er in einer furjen ©etbftbiograpßie, au« meiner mir and) erfahren, mie mit ganjem $erjen unfer fiptifer ©otbat gemefen, mie er at« fold)er burcß 7 ißrooinjen unb 11 ©antifonen getoorfen, in jmei Kriegen be« ©olbatenernfte« gernähr unb oermunbet morben, unb mie er bann, nacßbent er in bie Vermattung feiner ßotfteinifcßen $eimat einge> treten gemefen, nun fcßtießticß at« einer Oou ben, idj meiß nid^t mieoiet £aufenben ©djriftfteflern ©eutfcßtanb« lebt. Slber maßrlicß, unter biefer Segion ber beutfcßen ißoeten ift er einer oon ben SBenigen, melcßc biefe« Kamen« mert finb, ja er bejeidjnet eine ganj befonbere 9lrt biefer ©attung ancf) unter feinen Itjrifdjeu SWitfängem, benit er ift einjig in feiner Ärt. SBetiu man e« im Mgent einen bem beutfcßen Sßublifum nidjt eben at« Unredjt anredjnen barf, baß e« bie tanbläufige Saüenbelmafferltjrif oer* Idjmfißt, meld)c matt ift, mie fiouifeit« Simonabe in Stabale unb Siebe, unb faft ebenfo giftig, nämlidj burdj fiangmeiligfeit beinahe tötenb, inbem fie jutn allergrößten Steile nidjt« bietet at« billige ©ummeleien auf $faben, bie Oou ©roßen unb Steinen, ©nten unb ©djledjten Ifingft au«getreten finb, mie üernadjläffigte S)orfftraßen; meitn alfo in biefrm fünfte bie befannte ©teidj* gittigfeit be« beutfdjeu tefenben Vublifum« (canis a non canendo) entfeßulb* bar ift gegenüber ber attju abgegriffenen unb rniubermertigen tprifdjen Um* laufSmünje, fo muß bodj ganj cutfcßiebcn barauf ßingemiefen merben, baß biefe Saußßcit ©iinbe ift gegenüber ben ^eroorbringuugen eine« $)idjter«, beffen eigenartige« Talent turmtjodj über ben cpßemcren ©irtuofenftiitfcßcn ber berührten ©orte fteßt, ja ber, um e« furj unb ftar ju fagcit, nicßt bloß bei un«, fonbevn aueß in ben übrigen Sitteraturen nur 'ganj SBenige feine« ©teidjeu finbet. Kur ein furjer ©lief burdj biefe ttjrifcßeu ©Iätter foflte für 3eben ge> nügen, ßier bie Offenbarungen eine« ftreng befonberen ©eifte« ju erlernten, beffen ©onberfteßung aber gerabe barin ißreit ©ruttb ßat, baß biefer $)idj* ter in origineßer aber burdjau« natürtidjer ©praeße ©efüßte unb ©über au« bem ©djaße feilte« ©emüte« ßebt, metdje un« in ißrer frifdjeu Hnfdjau* lidjleit anmuten mie liebe greunbe, traute, ßerjtidje, tapfer* treue ©enoffen, — benn e« finb eben ©mpjiubungen, bie ein 3eber fein eigen nennt, beffen Jperj unb ©eift gefunb finb, beffen Kugen frifdß unb ftar in biefe medjfet« bunte SBett btitfen. 'ätber freitieß, biefe Crigenfdjaften finb uießt meßr feßr Sitterariföe Klaubereien. 1077 häufig unb eS ift mohl möglich, bah auch nid^t ein gebet unb »orjüglich noch nicht eine gebe fähig fein roirb, biefen Ärafttrunf männlicher Sprit )u »ertragen, nadjbem galjre hinburdj ber ©tagen »erborben mürbe burdf ben ©enuf ber Zauberhaft bihtnen SBafferfuppenlhrit, auf melcher nur gau§ feiten ein paar glänjenbe gettaugen echten ©efühlS unb frifcher ftraft fchmammen. Kbet mer gefuub genug mar, biefe Iprifdje Jpungerbiät ohne emftlidhen Schaben ju überflehen, ober tlug genug, um einen meiten ©ogen um bie SHidje biefer ©ettelfuppenjubereiter ju machen, ber muh meines (Erachtens miberftanbSloS ^ingeriffe» merben »on biefen ©erfen brängenber, fubelnber Äraft, »on biefen ^erjenStönen ber SBahrheit unb ber Seibenfchaft. Doch man glaube nicht, bah unter biefer elementar triftigen Statur bie ftunft gelitten, „ftunft unb Statur fmb (Eines nur!“ ©ei biefem Dichter fmb fte faft ausnahmslos in entjüdenbfter Harmonie mit einanber »et? fdhmoljen. Die nur mit ben innerlichften Daftgefiihlen beS echten JtünftterS ju finbenben, fcheinbar faloppen, aber boch fo muub« unb ohrgerechten SBeifen beS ©oltstoneg, bie funftreicheu Steimfpiele fchmierigfter italienifcher gorm, ber SthpthmenauSbrud ber ©affabe, in melcher SBort* unb Silbenfolge Hang* malerifch ben gnhalt ju fennjeirfjneu h Q t, bie auffdjnetlenben, hüpfatben ©erSfiihe im launigen ©ebid)t, bie muchtigen, fchmerhinbröhnenben SBort« Hänge im emften, tragifchen — SttteS baS an feinem ©labe, im richtigen ©erhiltniffe, ungejmungen, mie ohne Slunft gemacht. DaS ift nicht blojj bie eroig betonte „fdjöne gorm", melche »on ben ganatifern ber ängerlichteit geprebigt mirb, biefe fpielenbe, »irtuofenhaft gefchicft eingehaltene Stegei« richtigleit, in melche fich inhaltlidje ©analität fo häufig fleibet, — baS ift fefteS, organifcheS öerroadjfenfein beS ©anjen, bie F>ßd)ftc Seiftung beS Dich* terS, ber ja ein Schöpfer fein foll. Dicfe, mie aus fid) heraus »on felbft gemorbene Harmonie jmifdjen Inhalt unb gorm ift aber nur baburd) mög« lieh, bah ber Dichter auSfdjliehlich SelbfteigeneS, #erjempfunbeneS, ganj ihm felbft ©ehörigeS giebt, nidjtS (eicht SlngeflogeneS, nidjtS ihm UugemäheS, aber »ielleid)t gerabc im 3eitgefchmadf ©eliebteS unb baher »on ihm aus unfünftlerifdhen Stiidfidjten StufgegriffeneS. (ES ift in ben ©ebichteu Silien* cronS »on SBort 511 SBort erfidjtlid), mie alles änherlid) ober innerlich cr * lebt, KHeS felbftgefehen ober 30115 mit eigenen Seclenfräften »oU empfunben ift. Daburd) aber finb bann auch ©ebidjte »on beftridenbem Stei 5 gefchaffen morben, ©ebidhte, bei benen einem baS $erj aufgeht, mie feiten in biefem Sehen, ©ebidhte melche bie SBirtung eines ©lideS in ein paar fdjöne, feelen» bolle SJtäbchenaugen ^aben, auS benen Siebe unb ©eift mie Sonnenfehein ftrahlt. Dro| gorm unb Inhalt tönnte bieS aber boch nod) nicht fo fein. 1078 ©ierbaum. wenn nidjt nod) ein« ^injufäme, nämlich eine gerobegu oerblüffenbe, Kipne Etnfdjaulichleit bev Spradjc, weldje natürlich ba« Hanbwerlöjeug hanbwetf«« mäßiger Sprit oerfdjmäht, nid)t« mehr wiffen Witt non ben attmählid) gäng* tid) plattgetretcnen „bidjterifchen" @emeinplä|en, wie ERonbfcheinfitber, Sonnen' golb, Etadjtigallenfang, fRofenlippen unb bergleidjen ^olbe ©erfcf)Wommen* beiten, fonbem Weldje mit ficperem ©lief unb frifchem SWut biejenigen Äufjer* tidjfeiten erfaßt, welche bie Situation eine« ©ebidjte« am flarften oeran* fdjaulichen, unb unbeirrt um ba« gange Schablonenfpftem Iprifdjet 9teben«arten bafiir eben ba« Sort gebraucht, Welche« am beutlicbften unb treffenbften ba« betreffenbe Objeft nor unfer innere« Sluge legt, SRan lefe g. ©. folgenbe Sigiliane „Little reinembrance“, gugleid) al« ©ewei« bev formellen Steiftet* fdiaft, ber Stimmuugdtlarheit unb eben jener 3“0 um 3ug mit Raten, guten Sotten eine erfreulidie, paefenbe ttufdjaulichteit gebenben Sprache: 3 m Sdjneegeftöbet mag bie Stabt ertrinten, SBa« f Ammert’« mich, ich fipe warm unb troden. ©emerflid) !aum hör’ ich bie XpAee Minien, Unb hinter mit fchleicht irgenb wer auf Soden, Um rafdjen Sprung« an meine ©ruft gu finfen! 3 ed, feinen Sefet gerabegu in bie Stimntuug mithineingu« fepen. Hier bleibt biefet iu ber £>auptfad)e befchauenb unb bähet liegt hier für ben Sichter bie Hauptaufgabe in bet ptaftifdpfefteu Sarftettung ber Figuren, in ber prägnanten, wie mit einem fdjarfen Schlaglicht beleuchtetet! Stimmung. Unb hierin geigt fidj Siliencton al« ein tealiftifchet EReifter im ebelften Sinne, wie man au« folgenbem einfachen unb bod) fo etfchütterabeit @ebid)t erfehen möge: Stttetariföe filaubeteien. 1079 Xob in $ljren. 3 m ffieijeufelb, im Äotn unb SRoljn Siegt ein Solbat, unaufgefunbcn, 8 mei läge fdjott, jtoei Häcfjte fdion, SRit ferneren SBunben unoetbunbeu. SutftflbetquÄlt unb fiebetmilb, 3 m ZobeSfarabf ben Äobf erhoben. (Sin lebtet Ztaum, ein le^tefi Silb, Sein bredjeitb Äuge fertigt nadj oben: Sie Senfe taufet im Übtenfelb, (Sv fie^t fein Xorf im UtbeitSftieben. Äbe, abe, bu §eimattoelt — Unb bengt baS ^auft unb ift öerfdjieben. 3ft baS nid)t mef)t, als bie einigen füfjen ©efjnfüdjtigteiten aU’ jener Sijriferdjen, bie eine reelle ober erptjantafierte Saura beftngen im alten Ion ton ©onne unb SBonne unb $er$ unb ©d)mer)? Sfber beStjatb ift bie Siebe in ifjren $öf)en unb Xiefen, bie rechte, ed)te, gefunbe, begeljrenbe Siebe beS SRanneS jum SSeibe nidjt Weniger ein X$ema ber Siliencronfdjen Stftit. ©djtoebeln unb ÜRebeln ift freilid) nidjt ju finben, fonbern audj fjier ftraft unb SRut ber wahren, unberpUten Seibenfdjaft, beS gefunben Siebes* triebeS nadj bem SRejept ber „©eneralbeidjte'' ©oetlieS, ber eS aud) immer alfo gehalten: „nidjt )u liebeln leid mit Ungen, Sonbetn feft uns anjufaugen Un geliebte Sieben.' 4 ®8 ift ferner, auS biefer fiertlidjen Srotif ein SRufter fjerauSjufud/en, möge hier je eins fteljen für bie Siebe im ©lüd unb für bie Siebe im Seib. SRüdfidjten auf ben SRaum nerbieten eS leiber, gerabe bie bejeidjnenb* ften ju wählen: ©lüdeS genug. Senn fanft Su mit im Urne fdjliefft, 3 iH ich für bie bielen herrlichen ©enüffe, »eiche mir biefer Stjrifer non ©naben bet gött« tt^en Statut bereitet ljat, gerne ben ©erud) ber Äefcerei auf mid) laben unb gefteljen, ba| mir ©allaben, toie „Siet Äugen ftnb im SBege", fotoohl ben ©allaben Urlaub«, Sdjtoab«, at« auch ©ürger« gleichwertig bänfen. Äudj aufcerhalb be« engeren Stammen« bet ©allabe gelingt S. ber tragifdje Don jumeilen auf« ergreifenbfte, mie in bem gerabeju unübertrefflichen *$ochfommer im SBalbe", beffen 2^ema an fich fd>on fchmachnerbige ©efta« linnen ber egHufiben ®rhabenbeit«lhri( in Kämpfe be« Äbfcheu« berfefcen bürfte — e« hanbelt fiaft, gegen baS Urteil ber gorfchet, Welches entftanben ift aus bem 3ufammenfluß von taufenb Sehren ber Beobachtung unb beS 5)enfen$, gegen baS Urteil beS BolteS, Welches in feiner Unbe* fangenheit jumeift baS richtige trifft? 3)ie Bcrtörperung ber Kleptomanie War alfo jebenfaHS ein gefährliches ©yperiment — bie 91rt aber, wie Krefjet biefen experimentellen, umftrit* tenen, burdjauS noch unfertigen Stoff benupt hat jur Schaffung einer fo glaubhaften, ja überjeugenben gigur, wie eS biefer Dr. phil. $ippe ift, muß unfere Bewunberung für baS Können beS $)icf)terS auf biefem ©ebicte noch fteigem, umfomehr, als eS galt, in berfelben außer bem Kleptomanen auch «och ben entlaffenen Sträfling auS guter gamilie, ben burch mehrfache ©efängnisftrafen tief gebemütigten ehemaligen ©eiehrten, ben beleibigten unb betrogenen ©atten unb Bater ju fchilbem unb bei aUebem eS unS glaublich erfcheinen laffen, baß in biefem furdjtbar jerriffenen §erjen bie Blüte eines geläuterten, burch ®uße geläuterten gbealiSmuS ber Xljat erwachfen unb jur grueßt Werben tonnte. SBußten gerecht Dentenbe nicht fchon längft, baß Kreier ein hochbebeutfameS bichterifcheS gngenium ift, einer bon ben mit bem geheimnisvollen Seelenblicfe Begabten, bie ihren 9Witmenfd)en inS gnnere ju fchauen Permögen unb alle Swänge biefeS ^erjenSlabprintheS erfaffen unb felbft in ftd) eigenft begreifen unb bann wiebergeben mit ber Kunft beS Haren, wahren SBorteS — an biefer gloriofen Seiftung müßten fte eS et« tennen. Unb bie ©eredjten Werben’S auch. Ob bie große ÜDienge ber fßreßmädjtigen, fo ba fijjen auf bem Wichter* ftuhle ber Kritif unb SSi^e reißen wie bie feßnobberige Sucht ber Berliner ©affenrüpel? 3t ermangeln toerben. @8 ift fcgon ermähnt toorben, roorin biefe flögen hefteten bejüglicg ber bramatifcgen Drittel, aber eg finb aucg fcgroertoiegenbe Mängel in ber Ggaratter^eicgnung einzelner ©erfonen Porganben. So ergeben ficg bie grauen be8 Xramag niegt über bie Schablone, fo enthält bag SBefen beg eigentticgeu gelben Unbegreiflicgfeiten, fo entbehrt ber megr Berfprecgenbe Ggaraftet be8 ©rogfaufmanneg SBötm ber ftrüten golgeriegtigfeit Stäket auf (Einzelheiten einjugegen, berfagt ftch biefe ©efpreegung, welche auf ©runb ber ©orfteltung, nicht be8 ©uegeg getrieben nmrbe. SBogl möglich, bag bie angebeuteten geiler ber Ggarafterfcgilberung fo fcgarf gerportraten burcg bie nngenügenbe Darftettung einer ©orftabtbügne, meiere ftch jmat bie rügmlicgfte Sftüge gab, aber bodj nicht megr ju (eiften bermodjte, al8 eben in igten Sräften lag. gn biefer ftinficgt mar e8 fielet ein geiler, bag Stücf im Often aufjufügren. Sein ©ebanfeningatt, bie ©röge feiner gbee, ber tapfere gbealiSmuS feinet Xenbenj unb ber tapfere 9teali8mu8 feinet Stoffmagi mürben ihm auf einer großen ©ügne einen großen (Erfolg fiegetn. SBaren biefe großen ©ügnen für ben „©ürgetlicgen lob" nicht ju gaben, ober gat fie Treber nicht gemodt, ber Xicgter be8 Ofteng? 3Rit erfegeint legtereg beinahe magrfcgeinlieger al8 bag erftere. Xireftor ©lumentgal h Q l in fo frönen ©erfen erflört, bag fein fieffmgtgeater offen ftege ben 9teuen, roelcge bag Seben erfaffen mie eg ift in feinen guten unb fcgledgten Seiten, alg bag er nicht ein Stüd mit ©et= gnügen gätte annegmen follen, roelcgeg biefem ©rogramm fo fegr gemäg ift, unb Xireltor ©atnag gatte gemig erfannt, mag eine gute 9tegie mit guten Kräften, fo mie bag in feinem $aufe Bereinigt ift, aug bem Ärejjet* fegen Stüd ju maegen imftanbe märe. Sille Slugfegungen, meldge man bom realiftifcgen Stanbpunfte aug ju madgen gejroungen ift, mürben ja bei ©&= urteilung Pon biefer Seite aug megfaüen, unb bag, mag gier anerfannt mürbe, barf aueg bort mit gutem ©emiffen anerfannt merben. Unb rnügte eg ben Igeatecbire!toten niegt aueg reegt lieb fein, einmal ©ebanten Pon aftueSer, ergreifenbet ©ebeutung auf igren ©ügnen Perförpern ju taffen, melcge bag ©ublilum niegt blog untergalten, fonbent anregen unb fomit tiefer für bag Xgeater übergaupt intereffieren? 2)a8 beffere ©ublifum, ich meine natürlich boä fleiftig beffere, toiU buregaug niegt blog amüfiert merben, menn eg in8 Xgeater gegt. ©8 ift für jeben tiefer angelegten SRenfcgen ja gerabeju eine ©ein, in fünbgafter ßeitoerfegmenbung jroei big brei Stunben lang ftiH ftgenb Sünben gegen ben geiligen ©eift begegen 39 Vol. 4/2 1086 9inrtx»m. jeh’n ja muffen. Daher Me Dielen gelang Weilten, oerbroffeneu ®efkf)tet in ben SBanbelgängen Währenb bet 3®ifchenpaufen. Sie ganj anbet# bei Serien mit Iräftigem ©ebanlemnljalt, felbft »nenn berfelbe Dielfeitige Volenti! herau#forbert. Da bleiben bie 3ufd)auer auch Währenb bet Raufen beim ©tüde in belebter Unterhaltung, im gär unb Sibet be# @ebanlenau#taufcbe#, bet ©eift be# ©tüde# flutet auch burd> bie goperö unb fdjliefjlid) jum Xheater mit hinau#, ben angeregten #örer begleitenb unb innerlich weiter* befcfjäftigenb. Da# ift ein wirtlicher (Erfolg, ba bat bie Sühne ihren Setuf al# moraliithe SilbungSanftalt erfüllt. (Einen folgen (Erfolg, neben bem äufjcren eine# Dollen unb häufigen Applaufe#, weichet SJtajc Dreher mehrfach auf bie (Bühne rief, hat ber „bürgerliche Dob“ ooDauf errungen. 9htr noch bei gbfenfchen ©tüden habe ich fo lebhafte fRachtoirlung be# ©efchauten außerhalb be# 3 u fchauerranme#, fo angeregtlebhaften SReinung#au#taufeh beobachtet, toie hier toährenb ber Saufen be# ftreperfchen ©tüde# in bem primitioen „Dunnel" be# „Sol!#* tbeater#", einem niebrigen ßellerranme, ber ben größten ©egenfap ju ben gefchmadooüen SRäumlichteiten be# „Seffcngtheater#" barfteüt. Aber bie öor* nehm*fchönen Sanbelgänge be# Slumentljatfchen $aufe# oermochten au# ben elegant gelleibeten $erren unb Damen, Welche in ben 3®ifanb burch i* en lohenben £aarbufänbe geriet, ht bie äufjerfte ©eftürjung üerfepten. Sie geigen barin, bafj ber fünftlerifche SBert biefer neu aufgefunbenen Semätbe gleich 9tuQ ift, bafj biejenigen, welche 3§nen fo au«nehmenbe ßobfprüche erteilt, „grofje S eiehrte unb fchled)te ftennet" genannt werben ntüffen, bafj ba« (Sanje nur oon einem „finbigen ftunfttjänbler" mit großem Eluffeljen in Sjene gefegt würbe ju einem un» ferner abjufeljenben 3ü>ede. Da« Ijeijjt forfd) in« 3 eu 9 geljen. 3d) fann gar nicht betreiben, wie tief mid) biefe 3 h ce Äu«einanberfefcungen niebergebrücft hoben. 3 ifd)>ägptrtifd)rn ©ilbnijjf. 1089 bie einen nid)t ^inbert als öffentlicher „tluSfdjreier" eines „SdjwinbelS" auf« gurteten, baS, mein $err, ift hart, mehr als hart, eS ift oemidjtenb. Unb bod) — fo fchtoach ift bie menfchlidje Statur — begann ich aHmählid) wie* ber Stut gu fd)öpfen, fdfmeichetnb raunte mir bie ftetS bereite (Eigenliebe inS Ohr: „Sielleicht haft bu Stecht unb ber Unfehlbare Unrecht!" — fo ift biefer Srief entftanben. ©ah ich felbft mich iree, märe mir vielleicht eher in ben Kopf ge« gangen, als bafj fo oiele berühmte unb oerbiente Scanner fid) mit mir ge« irrt haben foUten. „©rohe ©eiehrte unb fleine Kenner" nennen Sie biefelben ebenfo geiftreich mie treffenb unb djarafterifieren fie weiter als „mehr poetifd) benn fritifch angelegte ©nthufiaften". 3 eff et oon Shnen getefen. #err (ßedjt, ich etHftre (aut unb feierlich, bah meine eigene Steinung hiermit nicht übereinftimmt Sfd) hübe ©ie immer für einen Staun oon ganz netten alten (Berbienften gehalten; 3hre „ßunft für Alle" ift mir ftetS als ein anerlennenSwerteS unb oor dem zeitgemäfjeS unb einträgliches Unternehmen erfchienen, bie 3duftra* tionen ftnb freilich bisweilen herzlich fditedjt unb 3hre Auffäpe wenigftenS etwas — eigentümlich- Sogar fehr eigentümlich- ©ie finb nämlich jept nicht mehr gemeinoerftänblidj, fonbern machen in Sieffmn; 3hre SHber* fprüdie, bie eigentümlid)e Art Shrer Folgerungen, bie fräftigen SKeber« tJriebtfdj ©edjt unb bie 0tietif(ben ©übniffc. 1093 holungen — alles Dieffinn, bie höh*« SBeibheit eined frönen ©reifenalterS: baS ffinbe fliegt nriebet an ben Anfang an! Verjeihen Sie, fehr geehrter $err, bafj ich mit erlaubt habe, fo (urjer $anb „bie Summe 3h re8 DafeinS ju jiehen". Uber Sie toacen mir ein )u anftieljenbeS Dbjeft, als bafj ich mich nicht, einmal in 3h«n VannfreiS getreten, aufs Sntimfte mit 3hnen hätte befchäftigen follen. Sie erinnern fich bielleicht ber Antwort, »eiche ein berühmter SRaler einem Shrititer er« teilte auf beffen Stage, »eShqlb er ftch benn auSfdjtiefjlich ber porträtier« tunft gemibmet habe. „SEBeil eS mich ® m meiften ergäbt, fo ein Ding, baS nie bagemefen ift unb nie »ieber fommen »irb, $u ftubieren unb feftju* halten". So erging eS mir mit Sh* 1 ** 1 - Sie »aren mir fo ein einziges, fchnurrigeS Ding, baS ich unbebingt fefthalten mufjte, unb ba meine Anficht über Sie hin in SRünchen bon fehr bielen geteilt »irb, bieS aber anber« »ärtS nicht ber Sali ift unb bon ben )»ö(ftaufenb Abonnenten öftrer „Äunft für Ade" bielleicht jehntaufenb auf baS fch»ören, »aS Sie über (ünftlerifche Angelegenheiten ihnen $u berfichem fich bemüßigt fühlen, fo glaubte ich, ba§ biefe Sifürung im allgemeinen Sntereffe auch eine öffentliche fein mfiffe . . . Saft bemitleibe ich ®ie! SBährenb anbere ©reife in ftiller $urücf* gejogenheit einen heitern unb ruhigen ßebenSabenb genießen bürfen, ift Shnen bon ben ©öttern baS grauenhafte ©efchicf auferlegt ju fchreiben unb immer »ieber ju fchreiben unb »aS Sie fchon manchmal getrieben, jum ahnten SKal etwas ausführlicher ju fchreiben. So »erben Sie eS auch in biefem Solle machen. Anfänglich »erben Sie auf meinen pietätSlofen An« griff »eg»erfenb herabfehen unb nur mit Verachtung non ihm reben; bann aber »erben Sie fich hinten unb mich »iberlegen, auf 3h lc (Erfahrung unb 3h r gereiftes Urteil hinweifen, alle bie großen fiünftler aufjälflen, bie mit 3h nen fl laum beneibet werben. SRit gejiemenber $od|ad)tung! Dr. @mil SWaier. $\t[ inltrimJiaimfy Xmwfedjfau in ffiiittdfjtm ui. !Oet0leit$enbe 3$etrarif)tungeu. Don ZIT. <5. Conrab. gejagt, wirtlidje Semageltbeit ober geljeudjelteg 9ttd)tberftei)enfönnen, worin einft bie granjofen bem eigenartigen fünftlerifdjen ©(Raffen anberer ©filier gegenüber fo ftarf — unb fo fred) waren, gilt in ber ge« bilbeten SBelt nid)t mehr al 8 ariftofratifc^er ©orjug. ©o fontmen un 8 auch bie ©panier leinedwegfi meljt — fpanifdj oor, mögen fte aud) ttod) fo fc^neibig fpanifd) malen. Unb fie malen fdjneibig unb fpanifd), bafj efi nur fo fauft unb fteljen mit beiben gfifjen auf bem ©oben unöerfälfd)t echter nationaler ftunft. 3b** SDtännlein unb SBeiblein, i|re Pfaffen unb Tonnen unb tjürften unb wag biefelben treiben, bafi ift alle« fo ec^t, wie ftniebofe unb SBabenftrumpf unferer bajuwarif(|en öe* birgler«3Raler ober Ä. o. SBetnerg oon ©alben unb gett unb ©ieberfeit triefenber ©erliner ftommerjienrat, ber in einem Greife big jum ©laben ooHgeftopfter, boc^mütiger, efelijaft fatter unb alg SRobepuppen beraug» Sie internationale ftunftfdjau in 3Ründjen. 1095 ftaffierter Sebemänner unb Seberoeiber nebft beten güngetcpeu unb Siofenafeu, feinen ftebjigften ©eburtötag feiert — ein fcfjeufjlich nüchternes unb fcfjeu^ltd) matjreS 8ilb! SRicht für einen roten fetter ^Soefie in biefen überqueüenbcn SohQjabenheit beS mobemen Bourgeois«SRiltionärS — nicht im Schlot möchte ich baS Äonterfei biefer toohlgebomen Sippe hängen haben auö gurcht, ich dünnte ben ©efdjmacf an Surft unb Stinten unb SdjmeinS* rippen, biefen ebten ©otteögaben, üedieren. Unb baS möchte idj mir Pon 8 t. o. Sernev unb feinen Äommerjieiträten um feinen $tei8 anthun taffen. Übrigens ift bieS in bet ftunft fein ©eiidjtSpunft, fonbem nur ein futinarifcher ffJrfoatgefchmacf. Ser Appetit fönnte einem auch bei gemiffen fpanifchen HReifterbilbem pergehen, fo efettjaft finb bie frommen Stoffe — unb fo großartig gemalt, ba§ man fich untoiUfürlich bie SRafe juhält. Stber eS ift erftauntich, maS bie Spanier für §ejenmeifter finb unb m alten gor* maten unb in alten Sätteln gerecht. Unb babei flar unb einfad) im 85er* toicfeltften, j. 8. biefeS SRiefenbilb „@ine 8ifion im Äotoffeum" Pon gofö 8 enttiure — eine Seit beS efftatifdjen ganatiSmuö unb ber gläubigen ©erhimmelungSmut. SaS noch rieftgere SRiefenbilb beS berühmten ißotafen ganSRatejfo „Sie Jungfrau pon Orleans führt ben f önigtichen #of pon 9?heimS jur Krönung in bie fitothebrate", ift ein bummeS, böhmifd)eS Sorf baneben, trog alter garbenpradjt. Überhaupt hat baS gefamte matenbe Stapentum auf biefer KuSfteltung nichts, maS fich aiit ben Seiftungen beS Keinen Spaniens meffen fönnte. Unb Spanien ift bieSmal mit feinen altererften SRamen gar nicht pertreten; eS fehlen, um nur einige ju nennen, fßrabitta, 8illegaS, SRabrajo. Sefcterer ift im Äugenbticf nicht aus $ariö fortjubringen, Wo er plötfich atS 8itbniSmaler in SRobe gefommen ift unb bis an bie oierjtg* taufenb granfen für ein Porträt befahlt erhält. Äber bie im ©taSpataft gu äRünchen aufmarfchiert finb: 8enttiure, 8itlobaS, äRoreno*©at* bonero, Siningra, Domingo, finb tautet geniale ÄertS. Siefet 8enl* liure j. 8. rüdft mit brei ©itbem inS 8orbertreffen: bem fd)on ermähnten SRiefen*8hantafieftüd „ffiine 8ifion im ftotoffeum", bann ben beiben präch* tigen ©enrebilbem „Ser äRarienmonat in 8alencia" unb „Sie $reiSPer* teitung in 8alencia". Sährenb bie nächtliche 8ifion in ber 2lrena*8tuine an ©raufigfeit unb Seibenfchaftlidjleit, fomohl in ber ©mpfinbung als im 8 ortrage, altes überfteigt, maS bie alten fpanifchen äReifter an fettig enoet* jüdungen gemalt haben, finb bie beiben anbem Keinen 8itber fo füfjen, heiteren ftinberfaenen in Kirche unb Schute gemibmet, roie man fie Pom harmtofeften beutfchen Senthnentatiften, PorauSgefefct, bafj er ein ©enie uub fein Stobbel, nicht lieblicher ermatten fönnte. Sie geinlfeit ber £f)ataf* teriftif in ben Äöpfen, fomie bie lebhaft bunten unb hoch ju einem poetifch 1096 Contab. anmutenben ©efamtton ßarmonifierten Soeben bet beiben letztgenannten Silber, erinnern ein wenig an unfern beutfeßen Äbolf SRenjeL Äbet wen fönnten wir jur Sergleicßung mit ber granbiofen „Sifton" ßeranjießen? Zie Herren SRafart unb ftaulbacß felig ßaben ja aueß in riefigen Sormaten gefcßtoelgt, aber alles jufammen, was fte in intern ganzen Sieben gemalt, reießt meber in ber Zecßnif unb noeß weniger in ber Zämonte ber ©mpfmbung aueß nur entfernt an biefen fpanifeßen SRittemacßtSfpu! ßeran. Unb ßält man Ser« binanb ftellnerS beutf<ß«preußif<ßeb Slpotßeofenbilb alb rein ftinftferifeße ftraft»2eiftung baneben, fo erfeßridt man förmlich uor bet juderw&fferigen Sederei unb banalen Pßilifterei beS ftarlSrußer SWalermeifterS. Unb baS folt ben Furor teutonicus pertörpern, ber ben ©rbfeinb in fotoffalen ©cßlacßten gefeßtagen unb baS mäcßtigfte SRititärreicß ber mobemen Seit auf bie Seine gebraut ßat? ZaS fallen bie gelben unb ißte $elbenattitübe fein, bie allein (Sott unb fonft nichts in ber Seit füreßten? &cß waS, laum eine ßeroifeße Satletfjene in einem 9tob!o«©cßäferfpiel möchte fo wenig Zeufel im Seibe haben, wie biefeS ÄeHnerfcße $elbenbitb! Überhaupt macht unfere ganje tanbeSübticße, großformatige ©efcßüßtS» malerei ben ©inbrud, als Wörbe fte Pon bieberen SnPatiben beim Ubenb« trunf auSgeöbt, in ©cßlafrod unb Pantoffeln, fo wenig #elbenßafte8 unb HRonumentaleS hol fi« in ber (Smpfbtbung unb in ber Sorbe. Za ift j. S. ein „Sllaricß in Rom" pon unferm Profeffor SBilßelm Sinbenfcßmit in SRüncßen unb eine „ZuUta, Zocßter beS ©erPiuS ZulliuS, ißr ©efpann über ben Seicßnam ißreS SaterS treibenb", Pon ©rnft $itbebranb in Sertin, jWei SieblingSwerfe unferer afabemifeßen Sobrebner — in beiben Silbern gähnt unS bie Raturtofigfeit unb gefpreijte Äomöbianterei ber ßiftorifeßen ©lieberpuppenfunft an jum öerjroeifeln. (Einiges baran ift mufterßaft ge« jeießnet, einiges anbere tabelloS gemalt — aber langt baS $u einem leben« bigen, monumentalen ftunftwerf, baS unfern ©hin entflammen, unfer $erj begeiftem foU? Kein, eS ift iticßtS bamit, benn eS feßlt biefen ©efcßicßtS« malern felbft ber lobernbe ©eniuS gewaltiger Zßatfraft, eS feßlt ißnen bie monumentale ©efinnung, ber bejwtngenbe ©ßaratter ber großen Perfönlicßfeit Unb nun fteHe man biefe glatten Profefforen«3Ratereien neben bie ftörmifeßen, braftifeßen ©efcßicßtSbilber ber jungen fpattifeßen SraufeUpfe, neben ben „(Einbruch ber Sarbaren in Korn“ Pon (Eßeco ober „Victoribus gloria“ (leßten Rft einer rbmifeßen ©eefeßlaeßt) Pon SillobaS! ©erniß, naeß bentfeßem ©cßulbegriff feßlt eS biefen Seuten an bem „reeßten fünftterifeßen ©mft", wie eine beliebte Pßrafe lautet; eS ift alles in $aft unb Unraft toilb ßinge« ftrießen, eS fommen fogar S*ßler in ber drießnung Por unb in ben ftoftümen ift nießt alles arcßäologifcß lofeßer; eS ift leine fanfte „legitime" $eugung Die internationale Jtnnftföan in Stünden. 1097 im ehelichen Jpimmelbette bei Kunft, eS ift eine leibenfchaftliche Überwältigung unb Umarmung bei SRufe im glßheitben SchöpfungSraufch junger, unge* geigelter Kraft, wobei et auf ein SBiftdjen mehr ober weniger Korreftheit nic^t mehr anfommt: aber et ift eine echte Xljat ber wirtlichen Kraft, ein Triumph lebenfibollen KunftgeifteS! 3a, et ift ju merfwflrbig, wie angeftchtS folget fönftlerifcher 3eugniffe unb Xhatfachen unfere Kunftfchwfifcer immer norer unenttoegten Xüdjtigteit unb bem ^o^en ®mft iljteS Raffend atttnäljlidj ju jenem ©lafj bon $nerfennung burdjgetungen, ba£ fie bot gemeiner tritifc^er Änrempelung fcfptyt. 3« ©erlin, mo neben Siebermann ber etrna* berbe ©farbina alä $auptbertreter ber naturaliftifdjen Stiftung gilt, mirb man fid) burd) bie (Erfolge ber neuen ©d>ule auf ber bieämaligen ©tündpener Sntematio* nalen ebenfalls ju einem {ferabftimmen be« feiger üblichen Rolfen XoueS in ber altmeift erlichen ftritit entfdjliefjen müffen. Xenn bagegen ift nid>t meljr aufjutommen: alle traftbollen Xalente, alle maljrttafrigen ftünfüematuren bei 9iad)ttmd)fe$ treten zur neuen Sich¬ tung — nod) je^n Qaljre ftampf unb Arbeit unb bie $eitgenöffifdje ftunft fleht botttommen unter ber $errfdjaft ber fjeute nodj fo arg befe^beten $ett* maler, vulgo Saturaliften. ISS ift unter ben angebeuteten Umftänben gerabeju erftaunlid), mie grofj unb mächtig jejjt fd)on bie 3<>^1 tyrer Sänger in Xeutfdjtanb ift — unb Z*oar, mie mir auf ber grofjen ©äindjener ftuSftettimg uni in jebene ©aale überzeugen tönnen, leiften fie gleich ÜberrafdjenbeS im tiefgemfitlidjen ©eure* büb, in ber Samilienfjene — Sridjetborf, „Xifdjgebet" — mie im grofjen ©djladjtenbilb — Sodjoll aui Xüffelboef, „Unteroffizier ftaifer bon ben ©tagbeburger ftfiraffteren, fährt feinen fdjtoer oermunbeten Sieutenant aui bem ©efedjt" (in jeber ©cziebung ein ©teifterbilb, biefe ©zene aui ber ©chlort bon ©ionbitte, bie einzig echte unb ehrliche Sampfbarftettung oljne glunterei) — mie im 3eitbilb überhaupt — Seopolb b. Saltrentlj, „Somm nicht meljr mit", Suefjl, „©egelnäljer", ©mitlj, „©pitalgarten" — nicht zu reben bon ber Erneuerung ber religiöfen ©talerei im ©inne ftrengfter X^aratterftubien an Sanb unb Seuten ber biblifc^en Segenbe — fßigtein« Ijein, „©rabtegung" u. b. a. ©tag, mie gefagt, aud) ber ffiiberfprudj bie Snertennung nod) über« miegen, mag felbft bie überzeugte unb mofjlmottenbe Sri HI an ben ©ertretem ber ungefhmintten SebenSmaljrljeit no<§ mandjeS trübe ©äljrungSinomeut zu beanftanben Ijaben, im grofjen unb ganzen fmb bie ©ertreter ber mobemen Sbeale att’ ben $unberttaufenben, bie im Sommer 1888 mit offenen ttugen burdj ben ©tünd)ener ©laSpalaft manberten, nicht als bie berlorenen ©djafe 2>if internationale Äunftfcpau in Uffflndjen. 1099 ber frönen ftunft, fonbern atd bie gelben neuer ihinft= uub Schönheitd* Probleme im ©ebädjtnid geblieben. ©ad Stiirmifche unb RebeHifdje, wad und oon ben SBänben ber beutfchen Abteilung ^erab fo jugenbfrifdj unb fiegedgewifj anmutete, fanb fid) weniger auffällig bei ben anberu germanifchen SSölferfcfjaften pertreten. Hm Wenigften oietteid)t bei ben Öfterreichern. ©ei aller Jüdjtigfeit unb Hnmut fjerrfc^t bod) ein gewiffer weiter unb greifentjafter 3«0 bor. ffid fehlt bie 5rifie internationale ftunftfdjau in 9Ründ)en. 1101 Jublet unb anbern ©arifem Dorgeführt wirb, ftnb gute, befanutc ©adjen, bie im Streite ber ®djulen fein neues Seroid)t in bie SBagfdjale merfen. S)ie beiben Silber, roeld)e ber ©fulpteur galguiere als Dilettant in ber SQtalerei auSgeftellt t)at, ^aben nur unmiffenbe Äritifer Derführt, über bie naturaliftifche Stiftung ber granjofen alten Unfinn8*ßohl aufjutoärtnen. 3 uin ©eften beS ©atifer fftealiSmuS gehören bie großen, ffijjenartig behanbetten Semälbe ber genialen 2. ©reSlau (befonberS bie unfagbar frifd^e unb fraftDoHe „grfihlingStanbfdiaft"). Allein bie SJtehrzaljl unfcrer jeitungS» fd/reibenben Äunftrid)ter (jat fid) nur an bie paar frfjon längft berühmten 9t amen gef)alten unb Don ÜJteiftern gefdjmärmt, bie burd) ihre Abmefenf)eit glänzten, fo bafj man in ben aHermeiften AuSftellungSberidjten gar fein ffiort über 2. ©reSlau finben fonnte. SS ift ein Jammer, bafj unfer ©ublifum wie unfere Äritif bei ben granjofen nur immer auf baS ©enfationeflc unb Abnorme auS ift unb baran fid) fo erfdjöpft, bafj für baS ©efiutbe, Süchtige unb SUtafjDode fein ftarfeS Sntereffe mehr übrig bleibt ©o tonnte auch ber franjöftfc^e ©ilbljauer gremiet mit feinem „Drang' Utang mit geraubtem ÜRegertoeib" im ©orauS auf einen fenfationetlen Srfolg rechnen, bem bie gurp nod) mit einer erften gofbenen SWebaille bie offizielle ©anttion ju erteilen fid) beeilte. $lucfj mir zögern nicf)t, bem granjofen für ben originellen Sinfall unb beffen famofe plaftifdje AuSgeftaltung unfere Anerfennung ju zollen, obwohl mir fofort erflären müffen, bafj biefe Arbeit als reines ftunftmerf unS burd)auS nid)t auf jener leudjtenben $ölj« fid) zu galten fcheint, m eiche unfere einljeimifdjen ©teifter — in erfter 2inie ber geniale SRaifon mit feiner IRiefengruppe „®ie gefeffelte 9taturfraft" für einen Sföomunentalbrunnen, bann ©iemering mit feinem 9JtoItfe=9teiter* ftanbbilb, ©egaS mit feinem „eleftriften gunfen" u. f. m. — erflommen haben. SS ift ferner, menn nicht unmöglich, baS geiftig=fünftlerifche Sefamter* gebniS einer fo großartig reifen AuSfteUung, mie biefer britten intematio* nalen ffiunftfchau in ©tünchen, in eine furze gormet zu faffen, bie mit ber $raft eines ©djtagmorteS Don SJiunb zu SJtunb fliegt Allein mer unfere ungef^minften Aufzeichnungen ehrlich überprüft unb auch z 10 '!^ 11 ben geilen zu lefen Derfteht, ber mirb Don felbft ben rechten ©cf)lufj ziehen unb barauS baS ©ertrauen fchöpfen, bafi bem neuen Seifte, bem Seifte bet 9tatürtichteit unb SBaljthaftigfeit, ber in ber föunft fo fchöne ©iege erftritten, halb auch ber ©ieg auf ber ganzen 2inie beS mobemen 2ebenS Zufällen mufi. -- 40 Vol. 4/2 1102 Sonrab. jlrl^uq °^iigfr r Ä mm l>jjfotw“ in ftünt^m. Pott 2IT. <0. Conraö. l | | | rtbur gitgerb Xrauerfpiel „Die Kofen bon Xßburn“ ßot bei M t feinet erften Huffüßrung im Wnigticßen Kefibenjtheatet (22. Oftober) betn toenig jaßlteichen Bufcßauerfreib im ganjen recht gut gefallen. 3n* fonberßeit fpracßen bie mittleren brei Sitte mit ihren tetbenfcßaftlicßen üppigen ©jenen feßt lebhaft an, wäßtenb bet erfte Hit (alt lief unb bet lebte, auch im Hufbau fcßwächfte Hit, butdj bab ^ereinfpielen bet fßeft —. ein peft* franfet SRinftrel unb Hofnarr oerenbet auf offener 8üßne — ben empftnb» lieberen Zeit beb fßublilumb berlebte unb babureß bie toahrhaft tragifche ©cßlußmirfung beb Dramab beeinträchtigte. Die Darfteller erjielten mehrfache Herborrufe; am ©cßluffe ber beiben le|ten Hfte erfdjien auch Per dichter, ein mittelgroßer, ältlicher, etwab oet» grämtet $err mit ßoßer Stirn unb grauem Henriquatre, um fich für bie freunbliche Hufnahme feineb SEBerleb banfenb ju oemeigen. Dab ©tüd fpielt um 1660 in (Englanb auf bem 2anbfi|e ber fturti» fane flabß H°® am ' n Äenfington. Obtoohl ber ©pieljettel oierjehn fßerfonen namhaft macht, enthält bab Drama hoch nur brei Hauptrollen, bie für fich ganj allein imftanbe Wären, bei etwab weniger fflebfetigleit unb mehr ficht» barer Xßat bie fünfaftige ^anblung aubjufechten. HQeb (Epifobifcße ift nur wenig charafterifierenbeb ©eiwerl jur (Erhöhung ber malerifchen SBidung ber fBiißnenbitber. 2e|tere finb meift feßr hübfeh unb ftimmungbooll, jerren aber juweilen mit ihren (Eßoralgefängen hinter bem ©orßang, ihrer ftompar» ferie u. f. w. bab Drama aub bem Kaßinen beb intimen beraub unb geben ihm bie Hlluren eineb ßiftorifchen ©peltalelftüdb mit großem Hpparat, wab eb offenbar nach Xon unb Haftung ber entfeheibenben ©jenen unb tragenben Kotten nicht fein fotL Die brei Hauptperfonen finb: bie blonbe, üppige Xeufelin 8abß HaKam, ber breißigjäßrige ftarl n., jebet #olI (ein Äönig, unb beffen Igugenbfreunb @ir Kobert Kablet), (Ebelmann, ©eiehrtet, Hrjt unb ßauptfächlicß, b. ß- wäß« renb beb Dramab, Hb(et unb Sußprebiger mit feßr fünbßaften Kücffällen in bie Suft am oerffihrerifch SBeibKcßen. Da alle brei für bab Drama gleich Wichtig finb unb fleh. Wie in bie öebeutung, fo auch *u Pen Kaum, ben ißnen ber Dichter jumißt, jiemlich gleieinheitlich oerteilen, würbe bab ©tüd bejeteßnenber naeß einer bon ißnen ju benennen fein. Der romanttfeß Hin» genbe Xitel „Die Kofen bon Xßbum" fagt bom jgnßalt unb SBefen beb ©tüdeb nießtb aub; baß ißr Duft imftanbe wäre, ben fßeftßaucß beb le|ten Krtljur tJfitger'S „Stofen oon Xt)burn" in S?flnd)eu. 1103 ^fteb erträglicher 311 machen, (amt nid)t behauptet »erben, benn eb ffaib Stofen üom Stichtptap, mit ZobebfchWeifj betont Ser fünfte ÄTt erfcheint überhaupt nur gu bem 3 ®ede 00 m Sichter erfonnen unb fo breit aubgeführt ju fein, um bab fßublifum bab ©rufein gu teuren, benn bab SBenige, »ab er an eigentlicher $anblung unb (ftjjaratterbeutung noch enthält, fönnte jwanglob mit bem bierten Sdte oerfchmolgen merben. 93er biefen fünften Äft bei ffitger erträgt, hat bab Siecht betwirft, ftch je wiebet über peinliche «Situationen unb unbefriebigenbe Schlüffe in ben SbfetuStamen ju beflogen. (Erinnert ffttger in biefem Stüde fehr oft ju feinem Stuhme an bie bramatifche ©harafterifierungbfunft beb grofjen not« »egifchen SdjriftfteUerb, fo jeigt er fich boch gerabe in ber ©ehaitblung beb Sämonifchen unb ©rauenhaften alb ber fdjwächere Sichter. SQb bichterifche ©efamtleiftung föitnen biefe „Stofen bon Zpburn" jeboch faum fo hoch gewertet werben, alb beb ©erfafferb mit Siecht fo be* rühmte beren ©iihnenbarfteHung leiber immer noch aub fachlichen Stücfftdjten bon fo herborragenb leiftungbfähigen Zheatem wie bem SJtün« ebener abgelehnt $u werben fcheint. immerhin bietet Sitger auch biebmal wieber ben echten SJtenfchen« barftelletn fchaufpielerifche Aufgaben erften Stangeb, ein ©erbienft, bab in ber 3eit flacher StoQenfchreiberei unb funfiberlaffener (Effeftljafcherei gar nicht h»(h genug angefchlagen werben fann. Siefer ftönig ftarl, ein echter „SRorgen Wieber luftit", ber ben topfhängerifchen (Engtänbem ein heitereb Steghnent befcheren unb alb gefrönter Son $uan fogar bie üppige (Eirce $aHam §ur Königin erheben will; biefe ©tabalena £aHam felbft, eine fett* fame SRifdjung aub fturtifane unb $elbin ftotgefter Sßeiblichfeit, jum höchften Opfer für ben ©eliebten ihreb §etjenb bereit, bie ben leichtfertigen ftönig berfchmäht unb feinem abfetifchen greunbe unb ©ufiprebiger Stableb 00 H elementarer Seibenfchaft an bie ©ruft fliegt, aber in märberifchem Stachebnrft fofort ben Stapf bebfetben Dom ftönig alb brünftige $erobiab ertanjt, nach* bem Stabtet), bie bertörperte SBahrhaftigfeit, fein unb ihr Seben burch bab ©eftänbnib jerftört, bafj er ber unerfannte genfer beb ©aterb ftarlb n. ge* wefen — unb fdjliefjlich ber Stanig wieber, wie er aHeb im Stiche täfjt unb oor ber ©eft Steifjaub nimmt, fobalb bab ©eftglödtem ber befoffenen Zoten« farrenführer an bem luftigen Sanbfifc ber Ötifj ^attam fdjautig oorüberflingt unb leptere bann, bon allen oerlaffen, in Sehnfucht nach ^ )em enthaupteten ©eliebten Stöbert Stableb ftch oerjeljrenb, an ber Seiche ihreb foeben an ber fßeft geftorbenen Starren nieberfinft, bib fie im ftehraub ber Seuche in bie Stacht hinoubwanbert, bem ftlang beb Zotenglödteinb nach: Sab aüeb ift fo reich unb mit fo Diel pfpdfologifcher SJteifterfchaft oon bem Sichter ju 1104 $amnter. Dotier 9Renferj entbecft unb ihr ©eheintniS auSplaubert, fonbern eS fmb figurenreiche, Don überftutenbem Sieben erfüllte ßutturgemätbe großen Stiles, mit ber ganjen Stajfenbewegung beS ©offeS im $intergrunbe. Dation haben bie $rähn>inlet>äfthetifer natürlich leinen S)unft. SBenn ber h°auptperfon ein $auptmann a. ®., Welcher mit einer ©anfterSfrau non zweifelhafter ©ergangenljeit in ehebrecherifchem Umgänge lebt, fo ift biefe Inhaltsangabe ungefähr fo jutreffenb unb erfdjfipfenb, als Wenn jemanb nom ©oethefdjen Sauft fagen wollte, eS fei bie ©efchichte emeS SähmflbchenS, baS non einem überfdjnappten ©rofeffor a. D. oerführt unb bann im Stich gelaffen würbe. SBie oernagelt unfer hoc^mOgenber ßirähwinlel « Äfthetifer allem wahrhaft fd)öpferifie Schilberung ber ©efeUfchaft ift breit angelegt unb iljt ju liebe inaffen* hafteS epifobif^eS ©etwetf in ben 9toman eingefponnen, fo bah berfelbe nach einigen moderen Sfalüufen fchliehlich in lauter ©ingelbilber auSeinanber* füllt, ©erfdjiebene $anbtungen gehen unoermittelt nebeneinanber h er , benn baS äfthetifche ©efefc ber gefchloffenen Äompofition fdjeint auS bem Segel« buche ber Seatiften, wenn fie überhaupt ein fotcheS haben, gefhrichen . . ." ®et tieffinnige #err ©farrer SEBeitbrecht echot: ,,®8 treten fortwühtenb neue ©erfonen auf, am Schluffe faft jeben Kapitels reiht ber graben ab, um im näcfjften irgenbwo anberS aufgenommen ju werben. Natürlich hbtt ber Soman nach f° unb foOiel Seiten auf gut jungbeutfeh eben einfach auf, ohne bah ntan einfieljt, Warum jept gerabe . . ." ®et #ert ©farrer üon Stähringen fafelt Oon einer „jüngftbeutfehen Äfthetif", bet $ert Iwttor oon ©ranbenburg üon einem „Segelbuch ber Sealiften", oon ber beftimmenben fünftlerifchen ©igenart unb ben befonberen Äbfichten einer fraftooQen Schriftfletlernatur wiffen beibe nichts in ihrer Unfere tittetarifdje »ritif. 1107 fogenannten jfritif auSjufagen. ©a tätlich haben beibe fjo$mögenbe Krittler nichts gegen ben ©eatiSmuS an fich — ©ott bewahre, benn baS wäre ja fo bumm, tnie nic^t ein „Äftljetiler alten Silage«" öffentlich fein batf! — aber fie hoben fetjt nie! gegen ben ©ealiSmuS beb ©chriftftellerS, ben fte jeweils unter ihren fritifchen Rängen hoben. S>er £err Pfarrer Don SRähringen finbet ben ©ealiSmuS SonrabS „langweilig", „unjtcher ^enrmtaftcnb“; ber £ert Xoftor non ©ranbenburg finbet ben ©ealiSmuS ÄlbertiS „(iiftern", „geljäffig" unb lägt im $mtergrunb feiner ftritif ben „©taatSanwalt" als broljenbeS fflauwau=©efpenft auftauchen. ©älprenb jebodj ber äfthetiter aus ©ranbenburg einigermaßen in ben Äern beS ©omaneS einpbringen unb ben Sefern borjulegen fich bemüht, finbet. bet äßhetifer aus SWähringen bei Ulm, baß ber ©oman feines fritifchen Opfers gar „feinen eigentlichen Inhalt", „feinen gelben" höbe, baß im ganjen ©utße „fo gut wie nidjtS gefchieljt". 2)a8 ift nun freilich ein wenig ftarf gelogen, aber ber furjweilige $od}> mögenbe fann leiber nicht anberS, wenn er feinem anbem Xiftum einige ©laubwürbigfeit oerfchaffen will: „ßangweilig ju fein wie 3°lo, baS hoben bie mobernen ©eatiften gelernt!" ©enn in ffranfreich, in ©ußlanb, in ©fanbinabien, wo ber moberne ©ealiSmuS in Sitteratur unb Jhinft längft bie hetrfchenbe Sünftform ift, irgenb ein fifthetißerenber Xorfpfarter feine SangweiligteitSflage gegen 3ota, Xotftoi, Sjelanb u. f. w. öffentlich auf brucferfchwätjlichem ©ege borbringen wollte, Würbe ihm ein nieberfchmetternbeS ©elächter antworten. Qn unferem ernften, gläubigen Xeutfcljlanb fann ßch fo ein hochmögenber 3tuchfritifuS ben bummen ©paß ungeftraft erlauben, ©ir fönnten jwar noch ben ©eweiS erbringen, baß ber $err ©f artet aus SKähringen als ÄritifuS überhaupt mit einem feßr mangelhaften ©irflichfettS» unb ©ahrheitSßnn auSgeftattet fein muß, wenn er gewiffe ©ehauptungen über ben ©omanfdhriftfteller ©ottrab für bare ©tünje genommen wiffen will, allein eS lohnt nicht ber äRülje, mit biefer ©orte bon $ocfjmögenben fich »eitet einjulaffen. ©8 genügt unS, baS einßchtigere ©ublifum auf bie äßhetifche Unjulänglicßfeit unb ben fritifchen Unwert biefer ©orte bon aufbringlichen Sitteraturrichtern auS $r&htohtfe( wieber einmal aufmerffam gemacht ju haben. — 1108 Armin. !$0tntq auf ht[ (Dpirnlmlpq. Pon ^rifc 2trmin. (3}«fin.) «fr eit SBagnerS lobe ift eS ftitte geworben in ber Opern* wie in ber fonftigcn fionjertwelt. SBie bie ledere Oon ben 83irtuofen, fo wirb bie erftcre Oon ben Operetten beljerrfcht, bie ebeitfowenig wie jene mit wahrer Jhiuft ju fdjaffett hoben: Operetten, neue unb alte (wie bie oon l'orping), oerfdjämte unb unoerfdjämte (bie erftere ©attung beoöllert jumeift bie 9?eglerfcbc SRufe), in* unb auSlänbifche Werben neben bem betannten flaffifcfjen ©runbftod als Bonitäten ben 9tepertoirS unferer jpoftljeater ein* oerleibt. 2BaS fi<±> baneben an emfthaften SBerfuchen bei unS fd)üd)tern ju regen wagt, jerfäUt in jwei Abteilungen oon jiemlicf) gleicher SebeutungS* loftgleit, ©ntweber eS rührt oon fleißigen Üpeaterfapellmeiftem ober folgen bie ei werben Wollen f>er, 9Jiännent, benen iljr angeftrengter Seruf noch 3eit läßt, bem angeborenen meufdjlid)en SRachahmungStriebe nach äugen &uft ju madjeit. Solche Seute oerftepen meift gauj gut für ©ülpte, Singftimmcn unb Drdjefter ju fdjreiben unb fhtb gewöhnlich überjeugte SBagnerianer; baper man benn bie gelben ber trodeneren mittellfochbeutfchen (Epen bet Steife nad) üorgefiihrt belommt, Oon ber Söüljne fyex ben ganjen Abenb (einen einjigeu gelungenen Ion, auS bem Orchefter aber nur Seitmotioe unb Septimenafforbe oeminunt, bag mau nicht weig, wo einem ber ftopf gebt. £at nuu fo ein „mobenter SSeber" auSnahmSweife etwas ©enie im Seibe, baS ftd) a(S mufifalifche ffirfinbung&fraft unb als brängenber SelbftänbigfeitS* trieb bofumentierte, fo entftebt eine Oper wie fßaul ©eiSlerS „^ngeborg" (1884 in ^Bremen aufgefübrt), bie eiitjige nadjwagnerifdje, welche, foweit meine Kenntnis reicht, etwas fßofitiüeS enthält, £ier jeigt ftd) nicht nur ber routinierte Ibeater*Lettner, ber bei aller Eingebung an SBagner bodj ab unb ju etwas wie bie Suft empfinbet, feine Sänger aud) wirtlich fingen ju laffen (unb bag SBagner felbft in feiner lepten reifften fßeriobe oft gleiten Drang Oerfpürte, jeigen feine abgerunbetften SBerte „©ötterbämme* rung“, „SReifterfinger", „fßarfifal"), — fonbent auch ber auS Ordjefterwerten, Siebern unb namentlich ben ^oc^geitialen Älaoiev * „ffipifoben" als reiche ffirfinber befannte SRuftfer; aber bie „3ugeborg" ift ihres XeyteS wegen gerabeSwegS unaufführbar, übrigens ift biefer Äomponift feitljer oerfchoUen; ob er noch lebt, ob er wieber eine Oper oerfuegen, ob er bann wieber einem fo woblmeinenben, aber fo unglaublich p^itiftröfen „Dichter" wie bamalS in bie $änbe fallen wirb — wer weig eS? $omet auf bet Opernbftpne. 1109 Stic anbere Stiftung ift mit einem SBorte erlebigt. (ES tommt bor, bafj tüchtige SRufiler, meiere bittet fräftige Ausübung ihres #anbroerteS ben ©eifall ber Sadjgenoffen unb eines DeileS beS SonzertpublifumS gemonnen haben, biefen 9tu^m auSnupen wollen, um ftd) baS mäcptigfte SDtittel be* rühmt ic. ju werben, baS Sweater aud) noef) $u eigen ju machen, ©o ift eS &u ertlären, wenn jefct ber Jtlabierfpieler b’AIbert unb ber ftontrapunttift ©tahmS bie SBelt mit ber Steflame für if>re beborftehenben Opern in Atem erhalten; fo fmb bie Opern bon SRenbelSfohn unb Balberg, bon ©c^umann unb fReinede, bon SBüerft, ©rütt unb bielen, bieten anbent, alte mit bem gleiten (Erfolge, entftanben. Die Herren ibentifijierten SÄuftt unb Beater unb bergeffen, baff alte berühmt geworbenen Dramatifer bon ÄifdjploS bis SBagner fich ihre Decpnit bunt) langjährigen Dieitft im £h eatct fetbft unter bitteren (Erfahrungen mühfam ertämpfen mußten. Da fepeint eS fid> plöblicp ju regen. (Etwas Ungeahntes gefepiept. (Sine Arbeit bon monftröfen Dimenfionen, bon berbtüffenber Art tommt auf unS )u, länger unb bitter als ftc je geraffen würbe, Auguft ©ungert heifjt ber ftrebfame SÄann, ber, naepbem er jidj burch ein preiSgefröuteS (!) ftlabierquartett (!) eineu zweifelhaften ©upm erworben holte, fidh jagte, bafj SBagner mit einer Detralogie unb mit Opern, bie fechS ©tunben bauern, fo biel Auffepen gemacht hot. folglich tönne man baS SRittel wohl noch «io* mal probieren. SBiU er fiep auch «io ©ühnenjeftipiethauS bauen, ober wie benft er fich foWeit bie Aufführung feines ben „ffting beS Dübelungen" an Sänge, Wie eS fcheint, weit überragenben SBerfeS? 3n ©apreutp wirb er wohl borläufig bamit nicht antommen. Denn er jagte ftch oodj mehr: „SBagner hot feine Degte allein gebietet, alfo thue ich oucp. (Er hot aber nur bie germanifchen ÜRptpen bramatifiert, unb bie alten Deutfchen finb hoch fo langweilig; alfo nehme id) lieber bie ewig fepönen ©riechen bor, wie fie unS ber alte $omer fo unbergänglich gefchilbert hot.“ Unb Wirtlich, et nimmt QliaS unb ObpffeS bor, biefe Sorpora ber berfchiebenften, inhaltlich fich bielfach aufs fchärffte wiberfprechenben, ber (Entftepung nach um 3aprpunberte auSeinanberliegenben (Epen, in benen bie gefammelten unb berquidten fRefte ber ©oefte eines ganzen ©olteS unS borliegen, bramatifiert fie für bier Abenbe unb nennt baS ©anje „homerifche Seit"! — SBaS nach biefen allgemeinen Anbeutungen bon bem ©anzen zu erwarten ift, tann nicht zweifelhaft bleiben; bennod) tritt eS mit einer ißrätenfion unb zugleich geftüpt bon einer iReflame in bie Offentlichleit, bie eS wünfchenSWert er- fepemen laffen, wenigftenS in $ürz c auf bie Details einzugehen, bie ja an fich möglicherweife ber ©arbarei beS ©anzen ein ©egengemiept z u holten oermöchten. 1110 Hrmin. 9hir ein Teil ift bisher erfdjienen, „ber Tetralogie brittet Äbenb", ©aufilaa, unb jmar tut ßtaOierauSjuge mit Tejt. Ter Tejt ift, ein« fdjlieglid) aller Titel, ©emerfungen ic., jugleicft in engtifcfter Überfegung beigegeben, ba bie Englänber belanntlieft ba« mufifalifcbfte ©oll (Europas finb, (ba§ ganje SBerf trägt eine SBibmung an bie STaiferin griebricft), in ber Tgat toirb bie Station, Welcfte igre Äunftbebürfniffe mit £änbel, $at)bn ÜRenbelSfoftn unb ©uHiOan befriebigt (warum gat fte ficg ben £an« u. ©ülom no WeiSfagen, wäljrenb bie Schatten ihre SBe^erufe refrainartig auf eine HÄelo« bie fehmettern, welche unfreiwillig fomifch an SRenbelSfohnS „Seife jieljt burch mein ©emüt" erinnert. ttbfahrt. (Srfter $tft: Ser nacfte ObtjffeuS tritt flehenb unter bie wafchettben, im Schumannfchen ©enftonatSftil fingenben unb tanjenben ©^aeafinnett, benen Staufifaa ihre Seljnfueht nach einer paffenben „©artie" in fform einer Sraumerjähtung auSgefprochen h at - Sie »erliebt ftdj energifd), legt bie £anb aufs $erj, ftammelt mancherlei, jieljt ben fremben ©abeengel an unb fiteilt ihn bem eigen« ju biefem 3 We£ f (ober auch jum 3>oecfe wirtfamer ©erwenbung ber ©ledjinftrumente) »on ber Sagb h et »otbeilommenben ftönig mit feiner Suite »or. 3weiter Uft: (Sin junger SHarat, ber bei $ofe »ertehrt (Iprifchet Senor), Staufifaa hoffnungslos liebt unb ben fremben ©aritonrenommifteu mit begreiflicher SDtifjgunft anfleht, iiberrafcht bie monologifierenbe ©rinjeffin im ©arten unb wirb jubringtid). Stettung burch ben eigen« ju biefem 3wede »orbeilommenben Obpffeu«. (Sinige inhaltlofe ftonjertdjöre unb Seflamattonen im ©rahmSfchen ÄonferbatoriumSftil. Sritter «It: ©alabiner bei ben SRajeftäten. Ser Sänger ftpt. $ier muh ich etwa« einfehatten. ©ei $omer unterhält ein blinber Sänger bie ©efeflfdjaft, ein alter URann mit beliebigem tarnen, wie fte fo oft in ber alten Segenbe biefeS fangeSfrofjen ©olfeS erfdjeinen; bamal« gab eS aber Diele btinbe Sänger, wie eS bei unS noch Oiele blinbe Organiften unb Seiermäitner giebt, weil bie armen ©linben, bie fich ih* ©rob oerbienen mftffen, mit ber SRuftI noch Qm beften fertig Werben. $err ©ungert er« innerte fich ober, bah ouch §omer blinb war (gewih! fo gut wie XhampriS unb SemobofoS) unb fagte fich: warum (ann man nicht ben unterblieben (Spiter felbft auf bie ©üt|ne bringen, Wie SBagner ben $anS Sach«, Saube ben Schiller, ©u|(ow ben ©oethe unb Offenbach ben aju ftnb biefe Herren fionjertmuftfer oom reinften SBaffer, nicht burch bie leifefte Äenntni« theatralifcher (Etforbemiffe getrübt; mit ber nötigen Slugbauer aber lann $err hungert auf bem frönen ßanb* ftpe bei ©enua, oon bem bie Sorrebe batiert ift, gemif noch f«h r oiete Zetralogieen, bie bann aber nur mit engtifchem Xejte erfcheinen mögen, in bie SBelt fepen. ffiit haben gefehen, toohin bag Äofettieren mit ben ©riechen, bag Spielen mit Figuren, bie man nicht berfteht, geführt hat: mir haben fdjtieftfich nicht btofs bie hamerifchen gelben, fonbem ben leibhaftigen $omer auf ber Opembühne gefehen. Die Äonfequenjen lann fich jeher gieljen; bag ©erl felbft betlohnt lein nähere« ober emfthafte« ©ingehen. 3m (Berliner Opern* hau« mirb eg fchon aufgeführt merben; noch freilich qualifiziert eg fich f&t ben Stemfdjen herein, bag SJeipjiget ©emanbhau« unb ihr ganje« ©efolge bon SRuftlanten« unb $ilettantenberfammtungen. Jtmq Jtmjtfdjhnig, X?on ZIT. (ßolbft ein. (iBerfiit.) ttotto: „%mn e§ gtctt nuuit&crW Vttrn twn Oolfgang ftttdibod). « err ftirchbadj, Dr. ©hlermann« titterarifdjer Schüpling, fchreibt in feinem ®re«bener „SRagajin" mit ber feine fritifchen Offenbarungen ar.gjeidjnenben Staibetät: „«He«, mag ung al« häßlich, efeUrnft erfcheint, ift im ©runbe ent« artete Statur.“ „«lieg!" SKan fuche fich Seifpiele ju biefem, „«Heg, mag ung häßlich* efelpaft erfcheint" — unb fchiebe bag ber einfältigen Statur alg „(Entartung" in bie Schuhe, ©g ift jum Xotfcljießen. Suftig aber mirb bie Sache, mernt #err ftirchbach fofort auch «in« 1114 (Eolbjtein. (Eine (Entfettung. „öorliebe für bie entartete Statur" für feine geliebten „3bealiften" in Sn« fpruct nimmt! 3a, biefe Sbealiften timten nie genug triegen, fogar bie „entartete Statur" ift bie Somäne ihrer „©otliebe"! SBa« t^ut aber ber reinliche Sbealifte mit „adern, wa« tätlich, efeltaft erfcbeint?" £at er gute SktWenbung bafür? Statürtid). föirthbath erftärt, bat er bie entartete Statur „unter bem GefithtSpunft feiner 3bee" faffe, woburct ihm bie „(Entartung" — er nennt’« einige feilen fpäter aud} „©djweinerei" — „im Grunbe weniger fühlbar" Werbe. $a« fei ber grofje Starteil, ben ber aufgeflärte 3bealifte bor bem „naiben Stealiften" borauö« habe, ba biefer ja „fetbft ein ©tütf Statur" fei. SBunberbar! Statt biefer op>^afterei, bie unferem ®re«bener Stambaftu« felbft* öerftänblict al« t°t e Genialität erftteint, fiitlt er ba« jwingenbe fflebütfni« fict eine gemeine Schimpferei JU gönnen, bamit er natt ber fritifcten Grleichte« rung feine« Gehirne« auct fein gepreßte« ibeattftifcteS #erje einige Gr« quitfung tobe. SRan böte: „Steuerbing« berftett man gar unter Staturali«mu« eine SBeltanfttau« „ung, weltte im Grunbe webet ibealiftiftt itoth realiftifct ift. fonbern einfact „fredj unb nieberträchtig; «tarafterlofe unb talentlofe Vertreter einer ge« „banfenlofen Steigeret ei ber ©innlittleit, bie biel ju ffatttipfig angelegt „finb, al« bafe irgenb einen beftimmten ©tanbpunft gegenüber bem Seben „tätten, ber real ober ibeal, naib ober fentimentatifcb Wäre, toben ba« „SBort StaturaliSmu« in ®eutfcttanb unb im Storben aufgebraecEe zu bienen mu| Sßfüdjt unb greube jebeS maljrljeitSliebenben SRanneS fein. Sunbt Ifatte, um bon ber SBeredf* tigung gar nidfft zu fpredjen, gerabezu bie Serpflidjtung, fobalb er ftc^ nur beffen bemu|t mar, fein (Entgegentreten merbe ber ®ritil im ganzen zu gute lommen, aufzufteljen unb fein ÜQeto einzulegen gegen eine Strt zu urteilen, meldffe ebenfo feljr en vogue als berberblidf) ifl (Er meift feljr richtig barauf Ijin, toeldfje Stellung ein 9teuling in ber miffenfdjaftlidjen Seit einem foldjen 41 Vol. 4/2 1118 Stoin. ©erfahren gegenüber einnehmen Würbe, ba# bie geutje grud)t feiner Arbeit berbirbt ohne auf ben ffritifer im großen unb ganzen ein fdjleehte# ßidjt ju Werfen. „Stemmen wir einmal an, ein Wann, ber ftd) burcf) forgfältige gorfcf)ungen auf feinem ©ebiete au#jeidjnet, unterfänge fid) bie 'Arbeit eine# Jachgenoffen unter Anwettbung aller jener Wittel, bie Wir im borfteljenben fennen gelernt, ju gatf ju bringen, Würbe er baburdj etwa non bem Ser* trauen, ba# man ihm bisher gefdjenft, fonberlidje (Einbufee erleiben? 3dj glaube mit Kein antworten $u bürfen. Wan würbe i(jn für einen fdjatfeit, bielleidjt aUjufd)arfen Stitifer erflären. Aber e# fönnte fein, bafe bie Surdjt, bie er um ftcfj ju nerbreiten weife, feinem fitebit eher nüfete al# fefeabete. 3fa nodj mehr, er felbft würbe bielleidjt in bem guten ©lauben flehen, ge* tfjan ju haben, Wa# nun einmal nach ben üblichen Sitten ber litterarifd)en Äritif ju tljun geftattet ift." $ödrft treffenb ift ber Sergleidj, ben SBunbt hier jwifdjen ber SBürbigung alter unb neuer ffierfe anftcKt: „(Sin Sh^ 0 ^°9 e — nidjt ben ißlato ober ben Ariftotele#, fonbern irgenb einen fubaltenten SdjriftfteUer ber hellenifitifchen ober fpätrömifdjen 3«* beliebig burdj (Eliminationen unb Sfnter* polationen oerunftaltete, würbe aller ©laubwürbigfeit für bie 3^^ »er* luftig gehen. $em SBerfe eine# 3«tgenoffen gegenüber ift alle# erlaubt. (Sr mag fidj Wehren. S'ann ober will er e# nicht, fo behält ber Angreifenbe Kecfet. Üeilweife aber behält biefer tmter allen Umftänben 9tedjt, weil and) bie öffentliche Weinung an ba# ©efefc glaubt, bafe alle#, alfo auch ein grunb* lofer Angriff, fchliefelidj einen ©runb haben müffe." Sie ift ba# alle# fo fehr wahr! Aber gerabe be#halb ift e# einmal 3«it. einen Sturm gegen einen fotch’ unberechtigten ©rauch ju unternehmen, unb bie öffentliche Weinung hat allen ©runb, SBilfeelm Sunbt Danf baffir ju wiffen, bafe er e# nid)t unter feiner SBürbe erachtet ^at, einem Äritifer, ben er fonft nicht ge* rabe §u fürchten braucht, entgegenjutreten. ®iefe# ©erfahren gewinnt gerabe burdj bie Autorität Sunbt# bie gröfete ©ebeutung. @8 jeigt, bafe nicht nur fcfeledjte Sdjriftftelter jenem Wifebraudje jimt Opfer fallen, unb jweiten#, bafe e# fein 3*'^*» eine# fdjledjten SdjriftfteUer# ift, auf eine Sritif burdj eine Äritif ber Äritif ju antworten, wenn er glaubt, bafe ihm burdj jene Unrecht gefdjeljen fei. Wit Stecht bebauert SBunbt, bafe in ber litterarifdjen fititif ba# Snhrfeeit8gefüljl fo mangelhaft au#gebilbet ift; unb ba# thut ein anerfamtter Wann, ein bebeutenber Denfer, bem auch bie fdjlhnmfte Äritif nicht# bon feiner ©ebeutung rauben fönnte! Auch er, ber ffch eigentlich gar nicht, menigften# im allgemeinen nicht, über bie $ritif perfönlich ju beflagen hätte, ift erfüllt bon Abfcheu gegen einen gewiffen ©eift, ber ftch ba niebriger Seife gettenb macht. Wan nehme borau# ab, mit welcher (Erbitterung tmb Übet bie Verpflichtungen bet littetatiföen fttitif unb ber 3eitfchriften. 1119 welkem Siel «Schriftfteller Pon jenem ©eift fpredjen werben, ber ihnen, ba fle fid) gu Werten gu fdjtoach ffatb, in ber Dh fl t gefabet i>at! Kur wer bltnb ift ober wer nicht feljen will, wirb leugnen, baß ber Seipgiger ©hü°f 0 bh einen ber wunbeften fünfte unfereb ganzen ©eifteblebenb mit fcf)onungbtofer (Energie offengelegt unb bemonftriert Ijat. — Aber bab allein, ein fo großeb ©erbienft eb wäre, ein PoHftänbigeb wäre eb bocf> nicf)t. SBunbt hat alb ein richtiger Argt nicht nur bie SSunbe befühlt, fonbern auch bie SKittel angegeben, welche ihm gut Teilung geeignet erfdjeinen, unb beren SBivffam« feit er gwar nur aub Analogieen, aber aub biefen fjödrft fdjlagenb nadjgu« weifen Perfud)t. SBir muffen für jäten ©orfd)lag bantbar fein, welcher be* fä^igt erfdjemt, bie Äritit bon einem geiler gu befreien, ber mit ihr fo unbereinbar ift, Wie bie Unreblidjfeit bei einem SBäcßter; benn ein SBäcßter beb geiftigen ©igentumb ber ©tenfchheit fott bie Sritif fein. «Schon aub biefer ©efugnibanweifung tarnt man erfefjen, wie wenig bie ftritit ihrer ©eftimmung entfpridjt. ©b gilt baher, SKaßregeln gu ergreifen, welche bem ungetreuen äBädjter bie Dreue entweber in ©üte ober mit ©ewalt anb $erg legen, gur geneigten Kac^ac^tung. SBunbt bleibt bei ber Angabe ber SRittel, wie man bab SBaljrheilb» gefügt ber litterarifcßen Sritif hebt, ooKftänbig auf bem ©oben febteb philo« fophifdjen «Spftemb. ffir erwartet aÜeb Pon ber ©ittwidelung. Unb man muß ihm, wie wir fdjon oben aubeinanbergefeßt haben, gugeben, baß feine Analogieen biel für feine Anfchauungen empfehlenbeb enthalten. Den SBattbel, welcher ihm unb wohl jebem Dentenben unerläßlich fdjemt, erhofft er Pon ber moratifdjen Aufhaltung, welche ihm, wie aUeb anbere, burch bie ©nt« widelung ber ©er&nberung unterworfen erfcheint. Unb er geigt bie fflichtig« teit biefer Anfcßauung an einem fehr etlatanten ©eifpiele; an ber Aufjaffung, bie man gu Perfcfjiebenen Seiten Pom ©ud)nacf)bruot, fo feht im Unrecht märe. Aud) mir ffatb ber Anficht, bafj e8 foldje geitfdjriften giebt, aber mir müffen hoch fagen, bafj mir ein fotche? Verfahren in ber Ratur ber geitfdjriften überhaupt, menigften? in gemiffein ©iitn begrünbet finben. Xie geitfdjriften hoben zwei Prinzipien, mie jebe8 richtige Unternehmen, — et prodesse et delectare volunt, fie motten itüpen unb unterhalten, fle motten ben Verftanb unb ba8 £>erz gleidjmäfjig befchäftigen, fte motten ber thatfädjtichen, fie motten ber äfthetifchen SBahrpeit zur Verbreitung Oerhelfen. Der thatfädjtichen SBaljtheit fudhen fte ihre ©tettung zu fichem burch bie miffenfchaftlichen Artilel unb bie ftritif, ber äfthetifchen burd) Veröffentlichung gebiegener poetifcher SBerte in Ver8 ober profa. $aben nun bie geitfdjriften unb mit Redjt biefen hoppelten gmed unb müßten gegen jebe Veröffentlichte Jtritif einer nirfit minber umfangreichen Antifritif ihre ©palten öffnen, fo Über bie Betpßicßtunflen bet Ittterartfcßen Jttitif unb ber 3«tf^rifte«. 1123 glichen fie nic^t meßr fid) felbft, fonbem jenem Zeile in einigen Zage«* Leitungen, Welker mit „©precßfaal“ überfdjrieben ift, in meinem jeber feiner jeweiligen SReinung unb ©emütSftimmung ’&usbrud Detlefen fann, moßl« gemertt, in fo Weit er ben ootgefcßriebeneu Kaum nid)t überjd»reitet. 2Ba3 füllte ttoßl au$ einer 3eitfd)rijt werben, Welche neben üiedeicßt jwei Originalfritifen audj nocß jwei Stntitritifen brächte, über Welche nun Weitere Äußerungen erfolgen Würben? fie Würbe ju einem fritifcßen Zurnierplaß, We(d)er ja ein gewiffes ^ntereffe immer noch hätte, allein ber äftßetifd)e Zeil, ben fie bod) mit gleid)er Siebe pflegen füll, Würbe babei in einer SBeife ju turj fommen, baß ber berechtigte ünfprud) beS ©ublifumS nicht erfüllt werben mürbe. Die 3eitfd)tift liefe ernftüd) ©efaßr, ihre Siebe jur Bidigteit unb berechtig feit mit ihrem fel)v un¬ gerechten unb unbilligen Zobe ju befiegeln. 9hm giebt eS aber 3*itfd>riften, Welche nur ber wiffeufd)aft(ichen SBaßt« heit bienen. Diefe förnten fidj hinter bie ©cßanje beS ©raftifcßen nid)t jurütfjiehen. ©ie werben jugefteßen muffen, baß eine etwaige Stntifritif ihren 3 Weden, bie SBaßrßeit ju t erbreiten, ebenfo bient als bie urfprüug« ließe fititif felbft, unb fie haben baßer nicht bie Berechtigung, fid) ber Stuf* naßme jener ju entließen — aber auch biefed nur in gewiffen ©renjen. *ucß biefe Qeitfcßriften ftnb an ben Staunt gebunben, fie bürfen ißu nid)t iiberfeßreiten, unb wir müffen, fo feßwer es uns Wirb, barauf hinweifen: bie 3eitfcßrift loftet ©elb. Zraurig müffen wir bie fBaßrßeit beS SBovteS an« erfennen: „Seicßt bei einanber mobilen bie ©ebanfett, boeß hart im Staunte flößen fieß bie ©aeßen." ffis wäre gewiß baS $beal einer 3sttfcßrift, meldje ber ©ereeßtigfeit folcße Äonjeffionen maeßte, baß fie felbft ißres materiellen StacßteileS nicht achtete, allein, Wo giebt eS eine foldje unb wer würbe, Wir Wollen ganj eßrlicß fein, folcßem 3wecfe feine ÜRittel jur Verfügung fteden? ©in beutfeßer ©erleget nießt unb ein anberer aud) uießt, vielleicht, baß fieß eine ©efellfcßaft oou woßlßabenben ©cßriftftellern bilbete beßujS Verausgabe einer folcßen ißren eigeuften 3weden bienenben 3**1* feßrift, welcße nießt barauf ju feßen ßätte, mit wieoiel Uitterbilanj fie abfeßließß berat mit Uitterbilanj feßließen faft alle 3sitfcßriften ab. ©in wirßicßeS Obium würbe baßer bie 3eitfd)riften, „Welcße eS gruitb« faßlich ableßnen, bem Stngegriffenen jur 9ted)tfertigung gegen bie wiber« faßrene Unbill baS SBort ju gönnen“, nur bann treffen, wenn baS beregte SBort für ben fonftigen 3nßalt ber 3sitfcßrift bem Staume naeß irreleoant wäre, wenn eS baS Stecßt ber übrigen Beiträge nießt alterierte. fBie fehl¬ es nun ju ben Uranöglicßfeiten geßört, auf eine fpaltenlange Ävitif mit einem furjen Briefe genügenb ju antworten, bas fann fid) jeber beuten, aud) 1124 Settitt. wenn er nodj nicht in ber fatalen Sage War, feinen fcfjriftftellertfcben Wanten oerteibigen ju miiffen. BerWeigern nun aber wirtlich 3eitfchriften felbft folgen furjen Bemerfungen bie Aufnahme, lernen fie eS tmrHicfj prin« jipiell ab, ber Wahrheit, aud) wenn fie nur in bem ©tauben eines (Ein» feinen gefränft ift, jum Wechte ju öerhelfen, fo haben wir eS mit einer Berfibie ju tbun, unb wenn Wunbt fold)e 3«itf'Stiften fennt, bie f«h in einer fo aller prioaten unb öffentlichen SWoral inS ©eftdjt fdjtagenben Seife benehmen, fo hätte er fie namentlich nennen ntüffen. XaS Wäre ein Wirt» lieber Aft ber ©elbfthilfe geWefen, ber baS $ubli!um bariiber aufgeflärt hätte, WaS eS oon ber Wahrheitsliebe unb bähet non ber ftritit ber 3^ fd)riften jener Obferoanj ju hatten hat. Wie Wir fehett, hat baS Wunbtfche Sbeal ber wirtlichen Antitritit fehr Wenig AuSfidit auf Berwirtlidjung auS bem einfachen ©runbe, weil eS ftch ju fehr mit ber Wirtlichfeit im flonflift beftnbet, unb ber „©ntwicfelung" auf biefem Wege ift teiber, WenigftenS menfchlich« Berechnung nach, 3%*? unb Xhor nerrammelt. Wenn wir baS fagen, fo leugnen wir barnit burch» auS nicht ben Wert ber „©ntwitfelung" auch auf biefem ©ebiete, fonbern Wie fehr Wir ihn anerferaten, mag man barauS erfehen, bah wir felbft Wagen möchten, einen Borfdjlag nach beregter Wichtung hin ju machen: Xer Wunbtfche Sorfchlag ift nicht beShalb unannehmbar, Weil er auf einem falfdjen ^rinjipe beruht, fonbern beShalb, Weil er bie ißrayiS nicht ge» nügenb für biefeS ^ßrinjip in Xienft fteKt. Wir wollen oerfudjen, baS ju thun, unb unS ohne Umfehweife fofort eines BeifpieleS bebienen. Wir üerfprechen unS oon ber Ausführung biefeS BorfcfjlageS für bie tJörberung ber wahrhaftigen (itterarifdjen ftritif Weit mehr, als oon ber ©ntwitfelung jum Beffem, wie fie Wunbt in bem allgemeiner werbenben höflichen Xone erblidt. Xer eine Umftanb, bah »tan in höflich« So™! noch Oiel gröber fein fann, als in auSgefprodjen unhöflicher, macht ben Wufcen biefeS ganzen fogenannten gortfdjritteS oottfommen ittuforifdj. Auch bem „©(hupe ber $erfon", Welchem Wunbt erft baS Wort rebet, muh bodj oon ihm ber BorWurf gemacht werben, bah « jur AuSbilbung unb fjörbe« rung ber Wahrheitsliebe jebenfallS eben fo wenig als ber höfliche Xon beigetragen hat. beffen fich unfere ßritif befleihigt Wenn man heute bie „Sache", bte „Bartei", baS „©pftem" angreift, fo ift baS bodj nur ein BorWanb, benn man fd)tägt auch hi« 11117 Öen ©ad unb meint ben ©fei „Der ©in^elne", fagt Wunbt ©eite 61, „ift immer ein ehrenwerter SRann. Aber wenn mehrere ehrenwerte Seute jufammentreten, um irgenb ein ab« ftrafteS ftoQeftiowefen, etwa eine fogenannte .moralifche B«f°n‘ ju hüben, fo ift biefe ,moralifche B*rfon‘ in ber Wegei fehr unmoralifch- Auch i n übet bie Beipflichtungen bet Ittterarifcpen ftritif unb bet Bettfcptiften. 1125 bie totffenfc^aftCic^e Debatte ift biefe ftmtreidje ffiftion, bie ben berühmteren .juriftifcben 2Kftionen‘ an Sruchtbarfeit nicht nachfteht, eingebrungeit." De#» halb fofl felbftöerftänblich bet höfliche Don nicht oertoorfen toetben, aber et foE ftch mit einet gröfjeren ^tuftidjtigfeit oetbinben unb foE nicht bie Kritit berwäffem unb oetgiften ju gleichet 3eit 3»»ar foE auf einen ©anbei $u hoffen fein, weil bie toiffenfchaftliche ©ahrheüstiebe überhaupt größer ge» worben ift al# früher, allein mit bet Hoffnung ift nid)t8 gethan, unb mit ihr batf ©unbt fleh auch nicht begnügen, ohne feinem ^tinjipe bet ©etbfthilfe untreu ju werben, ©ir wollen bähet ihm unb allen, bie eS fonft angeht, unferen obigen Sorfchlag jut geneigten Kenntnisnahme unter* breiten. Sielleicht folgt ihr bann bie „freunbtiche Hochachtung" jum Seften unferer Kritif unb probuftiöen Sitteratur. Auf eine folche ©eife töimte eine wirtliche ©etbfthilfe ju ©ege gebracht werben, bet mehr al# ein nur relatioer ffiert beijumeffen ift (©unbt ©. 67), benn biefelbe ift nur in ganz geringem Umfange Pon bet SereitwiEigteit anberer fieute abhängig, unb bie Abgeneigten Werben fich bem Stauche fügen müffen, fobalb bie all* gemeine ©itte ihn anerfannt unb ihm einen gewiffen moralifchen ©ert bei* gemeffen hat. Die Ablehnung gegen biefen Stauch wirb man für ebenfo unmoralifch halten, wie heutzutage ben Hachbrudf eine# Suche#, felbft wenn ba# fetpipenbe ©efep emftweilen aufgehoben werben würbe. Daher wünfehen Wir bem Sorfcplage ©unbt#, eine Kritit ber Kritit entgegenjufepen, er möge nach unferem ©inne mobifiziert werben; wir finb feft überzeugt, bah er fo einen wirtlichen Hupen bringen wirb, burch Sörberung ber ©ahrbeitstiebe. Auf ben weiteren perfönlichen Inhalt ber ©unbtfcpen Schrift einzu* gehen, erachten wir al# nicht z u unferem Dhema gehörig, e# bleibt jebem überlaffen, fich ein eigene# Urteil barüber zu bilben, in wieweit bie Klagen be# Shttofofhtu berechtigt finb. Sin fdjöner Sewei# aber für ihre Se* rechtigung fcheint ber Umftanb zu fein, bah Pe, obwohl bon einem perfön* liehen Streite auSgepenb, zu Srgebniffen führen unb bie 3«tigung oon Früchten anregen, bie ebentueE ber Allgemeinheit zugute fommen tönnten unb hoffentlich auch zugute fommen Werben. SWit biefer tröftlichen AuSficpt wollen wir unfere Ausführungen fchliehen. Angenommen, ein ©epriftftefier fann eine angreifenbe Kritil nicht an* erlernten — Wie ba# ia juWeilen oortommen mag — ober er fühlt fleh burch biefelbe gar beleibigt, — wo# foE er thun? Schreibt er eine ffint* gegnung in berfelben 3eitfchrift, fo muh Pe, um überhaupt aufgenommen zu werben, furz fein, felbftoerftänblich aber wirb pe nicht imftanbe fein, eben wegen ber Kürze, ber urfprünglichen Kritif fich f° gegenüber zu fteflen, bah fie ein wirtfame# ©egengewicht bilbet, im ©egenteil, pe tönnte in bie ©e» 1126 &»in. Über bie Serpfndjtunflew bet litterarifdjen fttitif nnb ber gettf^riften. fahr fommen, gerabeju ber erften Äritif ald Solle $u bienen, »ad ber Schriftsteller bod) fid)erlid) triebt beabfichtigt Ijat. 3ft bie Entgegnung Wieberum lang genug, um ©ead) tung ju oerlaugen, — fie ift ju lang, um aufgenommen ju »erben. 3« beiben SäHen ift alfo ber Qtotd oerfeblt fBelched ©erfahren fod nun eingefd)lagen »erben? Der angegriffene Schriftfteller laffe junächft feine Äritif auf eigene ftoften in Sorm einer deinen ©rofdjüre bruefen ober ilberlaffe fie im günstigeren Sode einem ©erleger. 'Dann veröffentlicht man in bem Storrefponbenateile, ben faft jebe 3eitfd)rift bat, eine rebaftionede ©emerfung, bafj §err 9t. 9t. ald Antwort auf bie Ärttif bed £>errn X. X. gefdjrieben h°t unter bem Xitel: fo unb fo, unb ju jebem $efte ber 3eitfd)rift wirb ein Ejemplar ber be* treffenben ®egenfd)rift binjugelegt, fo bafj jeber fiefer ber erften ßritif fid) aud) im ©efifce ber Antilritif befinbet unb fid) fo ein Urteil bilben fann. $ierburd) würbe jeber 3eitfd)rift bie Audrebe geraubt »er= ben, bafj bie befagte Antifritif fie in ihrem 9taume beeinträchtige, unb Wenn biefed ©erfahren üblich fein wirb, »erben wir auch «in fichered Urteil barüber gewinnen lönnen, mit welchem Eeifted ftinb 4oir ed in einer QexU fdjrtft $u thun haben. Aud) hinter bem ©orwanbe, bafj SJtehrfoften ber 3ufenbung entftehen, fann man fid) nicht mehr bergen, benn bie meisten Abonnenten außerhalb bed Erfcf)einungdorted begehen bie 3eitfchriften oom ©uchhänbler, bem mit ben 3eitfd)riften bie Exemplare ber Antifritif ju* gefanbt werben fönneit, unb ber feinerfeitd wieber beibe Sadjilel jufanunen abliefert Dem ©erfaffer ber ®egenfd)rift bleibt ed felbftöerftänblid) unbe= noinmen, biefelbe auch ™ weiteren Streife burch ben ©udjhanbel oerbreiten au laffen. SBettn wir biefen ©orfchlag machen, fo finb wir oon oorneherein baoon überjeugt, bah ed genug 3eitfd)?iften geben soirb, bie fich „prittaipied" bem? feiben gegenüber ablehnenb oerhalten werben, aber fie werben ed nicht fdttnen, ohne fid) ein feht »efentlidjed Dementi ju geben, unb biefer Um« ftanb wäre oietleid)t baju geeignet, auch renitentere ftreife fügfamer $u machen. Dafj ein fo(d)er ©orfdjlag, berufen ber SBahrljeit ju bienen, benjenigen 3eitfd)riften miHfomnten fein inufj, welche jebe fein potitifdfer ®eift, ben er in ber Sage ift auf ba« reichte zu ent» falten al« Sbefrebalteur ber „Correspondance de Portugal“, eine ber beften gefangen be« ftönigreid)« (Politif unb $anbel) unb zugleich bie einzige gefang, bie — feltfam mag e« fdf) einen — bon Parteigängern ber Sie» generabore«, Progrefftfta« unb Slepublilano« geleitet ttrirb. 3*be Partei Ijat an biefer geitung tfyren Slebaltenr angefteüt, unb biefe Siebalteure befeljben fid) gegenfettig mit ber angebomen SiebenSmürbigteit üjter Stajfe. Unb ber gebet biefe« SRattne«, ber bie midftigften (unb emfüjafteften ©taatSämter beHeibet, ift ein entgüdtaibe« breialtige« Suftfpiel entfdfapft, — „une petite bluette insignifiante“, mie er e« nennt — ba« ben erften ©filjnen Portugal« (Eljre madjt unb in frembe ©praßen überfept morben ift: „Casamento e despacho“. (Ein @tü(f, ba« reidj ift an ©lipen ber Originalität unb IjumorPotten ©ebanfen. 3$ Ijabe e« einmal gefeljen, muffte aud), ba| ber ©erfaffer be ©erpa Ijiefj, bermodjte aber nidjt zu baden, bafj er ibentifd) fei mit bem Staatsmann. Deshalb manbte idj mid} mit einer grage an iljn, unb ba mein ©rief in bie geit fiel, too Deutfcf)lanb feinen eblen ftaifet griebrtdj berlor, fügte id) einige entfpre$enbe geilen bei. 3^ erhielt halb barauf eine Hntttort, au« toeldfjer idj nadjfteljenbe ©teile beSljatb wörtlich Ijier anfüljren ttrill, toeil biefetbe fomoljl für ben portugiefifdjen Staatsmann, al« audj für unfern allgeliebten ftaifer djarafc teviftifd^ ift: Hntonio be Serba. 1129 .... „II y a dam votre lettre une apprdciatiou qui m’a fait beaucoup de plaisir, an snjet de votre regrettd empereur Frdddric HL L’Allemagne a bien raison de le regretter. Sa mort a 4t4 une perte non seulement pour l’Allemagne, mais pour l’Europe. J’ai eu l’occasion de l’avoir connn et d’avoir causd avec lui plus d’une fois k Berlin et k Potsdam, chez le vieux empereur, son pire. Je n’ai jamais vu un prince si aimable. II avait l’air de ce qu’il dtait, un grand et noble coeur. Son passage trop court au suprdme pouvoir, sa fin tragique, tout porte k la pidtd et aux regrets“ .... — — — ©ie 9Re{jr$a$I ber portugieftfdjen SDtinifter befielt au8 Ittterarifch berühmten SKännent. SBer ftdj at« begabter ©d)riftfteller Verbots t^ut, farat mit Sicherheit barauf regnen, bafj ihn ba« ©ofl in« Stbgeorb« netenljau« entfenbet, ober baf; bie Regierung bei ihm anttopft, in ber Äbficht, ihm Ämt unb ffifirben ju übertragen. (Sin ©chriftftefler ift auch ber ftöntg be« Sanbe«. ®or 3a^rt)unberten mar ba« Heine Äönigreidj ein mächtiger $anbet8« ftaat, feine ^errli^feit ging jugrunbe, aber au« ben Xrümmem berfeiben mudj« eine neue $erttidj!eit Verbot: bie ©tüte be« Sbeal«. freilich fte^t ba« gemöt)nlid|e Soll noch auf einer feljr niebrigen ®itbung«ftufe, auch bie hohe ftuttur ber ©tfinbe ift nodj eine junge, mit bem ©erfatt be« Sanbe« berfiet auch fte. Um Don Dichtungen ju reben — feit ben „Lusiades“ fhtb nur menig meltberoegenbe ©Köpfungen gezeitigt, aber im neunzehnten Sahrhxmbert blüht e« empor unb e« ift ju ermarten, bafj ba« Sott ber ©eg« nungen ber ßunft unb be« Schönen teilhaftig rnerben mirb, jumat e« fdhon jefct ba« ®rofje, ba« ihm noch unbelaitnt ift, z u ehren metfj. ©iefer ®etft ber ©erehrung unb SBürbigung be« ®uten unb ©chönen mar e«, ber ftntonio be ©erpa jum SRintfter gemacht h 0 *. Smat Hein ift ba« ßanb unb begrenzt ift feine ©prache; aber glücHid) Zu preifen ftnb feine Dichter unb beider! 1130 ©tanb. IfBnrtk P«to. Kritifc^e ©loffen ooit 3 U ^ US Br an b. (Äätidjm.) tfoemer^ffolm. jHfin SBunber hat ftd) ereignet! — ein genialer Xramatifer ber ©egen- wart h fl t ben berbienten ©üljnenerfolg errungen — ju feinen ßeb* jetten! 3bfen, ber Xramatiler, hat einen adftunggebietenben ©ang al« X^eater* bitter errungen. 3taar erreicht bie 3“$ feiner aufgeführten Xramen nodj lange nicht bie O. ©lumenthal« ober ©. ßtnbau« — aber „bie ©rfinblinge bom parterre" lönnen ben Xidjter ber „©efpenfter" nicht mehr ignorieren; ber 9teali«mu« erobert fid) bie iljm bi« jept ängftlidj berfdjloffenen ©firnen. 9tid)t lange mehr — unb bie äufjerfte ßinle ber neuen ßitteratur« ridftung — ber 3°lai8mu« — wirb feinen Xriumphjug auf ben Welt* bebeutenben ©rettem beginnen! SBir beglüdwünfd)en 3bfen ju feinen ©rfolgen unb tbir Werben jeber= jeit auf feiner ©eite fteljen, „bi« bie breimal ^eitge ©ahrheit Ü}re fdjwarjt Sahne redt, bi« ber SRenfchb'it tieffte SBunbe (eine ^ß^rafe mehr »erbedt.* (©leibtreu.) Dennoch lönnen wir eine Srage nic^t unterbröden. Denlen wir un«, 3bfen fei ein Deutfdfer unb er habe beutfche Dramen gefdjrieben, befeelt oon ber gleiten, faft unheimlichen SBahrheit«liebe; fteHen wir un« bot, er höbe bie „©tfipen ber ©efeUfchaft" in« Deutfdje überfept, habe ftatt ber ©erhättniffe in einer tleinen norWegifchen ©abeftabt btejenigen irgenb eine« beutfdfen Ärähtoinlel« ober ftuhfdjnappel« mit feiner fatirifchen gadel beleuchtet, habe eine beutfche @h e jergliebert in ber Seife, Wie er e« in „9lota" gethan, habe bie $eiligleit ber gamilie, ber beutfchen ga* milie, in ber Seife angetaftet, wie in ben „©efpenftern" gefdfehen; wer hat ben SRut ju behaupten, ber Deutfdje wäre gefeiert worben wie ber Sfcor* weger? Die fonferöatiöe ©reffe hätte ihn reoolutionär, bie rabifale reaftionär gefcholten — bie einen hätten ihm ©lanbatfudjt, bie anbem ©plttterridjterei borgeworfen. 3bfen Wäre, befi ffatb Wir getoifj, — fchWeigenb feinen Seg gegangen, biffige Soumalartilel mit bebeutenben Serien beantwortenb, aber aufgeführt wäre er fdjwerlicf» worben — häuften« parobiert, etwa in ber jammerboHen Seife, wie neulich in ©ertmer „ffijpblättem". $envif 3fbfen. 1131 'Äber aurf) ber Norweger hat grimmige Gegner genug in Deutfcplaub unb e« märe fcfjltmm, wenn bem anbet« märe — benn Fbfen ift ein lampf* fronet Stehlet, — lein ibpUifctjer Stohrpfeifer, fein betliebtet Sautenf Kläger. 3»at betoegt fid) feine SJtufe meift im engen ftreife be« Familien* brama«, abfeit« bon ben Sdjaupläpen ber SBeltgefchichte; befoitber« liegt ihr alle« ftiftorifdje ferne — aber bennod) btauft ber Sturmobem be« abgeljepten XIX. Saprpunbert« bernefjmlicper burd) biefe« fieptet« Serie, al« burd) bie irgenb eine« anbern lebenbeu Dramatiler«. Da« ift unfete« Staaten« bet größte Stuljm Fbfen«. Selbft bie beften Dramatiler bet ©egenmatt tönnten iljre Stüde — Softüm ic. abgerechnet — auch tm hörigen Fatjrljunbert gefdjrieben hoben — geliebt, getänbelt, intriguiert fjat man ja bamal« fo gut unb beffer (gefchmadboQet menigften«) mie jept. — Änber« 3fbfen. (St ift ein mobetner Dichter; mobern nicht im Sinne bon ßinbau unb ©lumenthal, fonbetn im Sinne Schopenhauer« unb im Sinne Darmin«. Seine $etben tragen fich mit meltberbeffernben Qbeen, fo ©ranb, fo 9to«mer. »Stohe Äbelgmenfdjen" miH er f(hoffen — in immer meitern Steifen. Wber ba« Serljängni« jermalmt auch Sbfen« gelben unb ber ißeffi* mi«mu« ertötet ben ©lauben an bie fitriich«fo$iale Seltmenbe: ©röjjre« tooüteft auch bu, Aber bie Siebe juringt ÄH un« nieber; ba« Seib beuget getoaltiger. Huch berfttntmem 3bfen« gelben mehr ober rninber in ihrer Umgebung. Deffen ift fich 8- ® D«malb in ben „©efpenftem" bemujjt. So ßeute herrfchen mie $aftor 3J?anber«, ba lann leine ftunft gebeifjen — unb e« jieljt ben Ftudjbelabenen fort nach $ari«, ju ben genialen, mitftrebenben, mitftreitenben greunben, unb ju ihren luftigen ©rifetten, mit benen fich f° fcpön plaubem lägt, nach $ari«, mo man geniefjenb arbeitet, mäljrenb man arbeitenb berfommt ba oben im Storben, mo bie öffentliche Meinung regiert rnirb bon bem proteftantifchen $uritani«mu«, belanntlich ber poefielofeften, engherjigften Religion, bie überhaupt erfriert Da« (Sntfeplichfte, ma« e« für biefe Sorte Pfaffen giebt, bie bon Sutljer nicht« haben al« ben (Eigenfiitn unb Unfehlbarleitöbünlel, ftnb — nach ^ >cm Unglauben unb ber Seperei natürlich — bie fog. „Fleifdjeiber* gehen" (delicta camis, bie« Sott ift belanntlich eine (Srfinbung be« la* nonifchen Stecht«). Natürlich mirb e« bann jur $auptforge betartiger Seelforger, burch Spionage unb Serb&chtigung ba« Familienleben ju bergiften. 1132 ©ranb. 3n biefev Umgebung ift bet ©ater beä armen Ddioatb jugrunbe gegangen. („Sefoeufler* III. Äufjug.) Stau «loing. SS mar »ie gfrüblingbmetter, nenn man ihn nut anfah. Unb bann biefe unbfinbigc Äraft, biefe Sebbaftigteft in ihm. OStnalb. 9tun — unb? Stau Stibing. Unb nun mußte bieS lebensfrohe Äinb — benn bamalS toar er nichts anbreS at« ein Äinb — mußte eS hier in einer balbgtoßen Stabt umbergeben, bie (eine etbebenbe greube, fonbern nur ©ergnflgnngen ju bieten bermag. $ier mußte er bleiben, ohne einen SebenS jmed'ju haben — er batte nur ein Ämt. Sr fab nirgenb eine Strbeit, ber er fidj mit all’ feinen ftrftften bitte wibmen fönnen, — er batte nur eine ©efcbftftigung u. f. f. 3n biefer Umgebung erfüllt fterra; aber bann wollte er ftßnell reieß Werben, ßng einen Salbß anbei an, fällte ©äume auf bem ©oben be« gi«fu« unb berfiel fo ber ©ereeßtigfeit be« ©efeße«. ©roßßänbler Serie, ©ifenWerfSbeßßer ic., war bamal« mit ißm affociiert unb War minbeften« ebenfo fcßulbig Wie jener — aber ni<ßt in ben Stugen ber SRenfcßen — beim er wußte ßcß au« ber Stßlinge ju winben unb ben armen ©fbal ßmeinjujießen. Unb le snccäs justifie tout ßat befanntlicß SRapoteon I. in feinem genialen ©pni«mu« ber Seit berfünbet. Slber ber reiche @ifenwerf«beßßer erweift ßcß bem alten ©fbal gegen; über nad) SRöglüßfeit erfenntlicß. greiließ bie berlorene ©ßre fann er ißm nießt wiebergeben, aud) nießt ba« alte Selbftbewußtfein, bie berlorene Rraß; bafür giebt er ißm aber Scßreiberarbeit unb bejaßlt ße ißm beffer, at« ße Wert iß, juweilen befommt ©fbal fogar eine glafdje ©ogna! — beim anbere $)inge maeßen bem Sitten feine greube meßr. 3>a, ber reitße Serie tßut noeß meßr; er berforgt arnß ben Soßn be« ©fbal, ben §jalmar, unb giebt ißm fogar — non plns ultra be« ©»et mut«! feine eigne äRaitreffe ©ina jur grau, ^jalmar erlernt auf Serie« Roßen ba« ©ßotograpßieren. Seiber wiU aber t Serle« eigen gletfcß unb ©lut, fein Soßn ©reger«, biefen ©betmut nießt anerfennen. ffir bureßfeßaut feinen ©ater unb will feinen greunb $jalmar, ber unter biefen 8erßätt= .'penrif 3bfen. 1135 niffen aümälig oerfommt, wieber furieren — burdj bn? Staljlbab bcr SBahrheit. ffitit fonberbarer ffnuj, ber junge SBerle. Seibet, Wie ftdj fein ©egenfpieler, ber berbrealiftifdje Stelling, au?brürft, am „täftigeu Stedjt- fd)affenheit?fieber, unb, Wa? noch fdjlimmer, am $ergötterung?belirium". ©reger? SBerle mietet fief) ein bei ©fbal?. 'Dort madjt er bie @e= fanntfdjaft ihre? einzigen fiinbeb, ber fteinen $ebwig; unb biefe ftettt if)m i£)r Siebfte? üor — eine SBilbente. ©er alte SBerle fdjofe fie einft an auf bet Sagb, fie befam ein paar Sdjrotfömer in ben Seib. $ebroig. Sie befam fie unter bie glügel unb ba tonnte fie nicht fliegen, ©reger?. Unb bann tauchte fie unter? (Efbal (WMfrie mtt fcbtwm dünge). Können Sie roof)t benten. Thun bie Silb« enten immer. Tauchen unter — fo tief fte fönnen, Älter — beifeen fitfj feft in Tang unb Sllgen — unb aD’ bem Teufel?fram, ber ba unten ift. — Unb bann fommen fie nie roieber herauf. ©reger?. Slber fiieutenant (Efbal, 3h*e Silbente ift hoch roieber herauf« gefommen. (Efbal. 3h* ®ater hotte einen unglaublich biffigen $unb. Unb biefer $unb — ber tauchte unter unb holte bie (Ente roieber herauf — ... §jatmar. Senn Tu nicht ©reger? Serie roflrft, roa? möcbteft Tu benn fein? ©reger?. SBenn ich roöhlen fönnte, fo möchte ich om liebften ein fluger #unb fein. ©ina. (Ein $unb? fcebroig (unniatürii«). 0 nein bodj. ©reger?. 3o, ein roirflich aufeergeroöhnltdj fluger $unb; fo einer, ber auf ben ©runb nach ben ©ilbenten geht, roenn biefe untertauchen unb fiebwig ift nur noch ein fdjöne« SeflamationSthema für ihn. ©reger«. Unb ba« wagen Sie oon palmar ju fagen? 9telting. SBir wollen wieber miteinanber reben, wenn ba« erfte ©ra« auf ihrem ©rabe oertrodnet ift. Sann fönnen Sie ihn wa« aufhuften hören „oon bem Sinbe, ba« bem ©aterherjen ju früh entriffen", bann fönnen Sie ihn ftdj einjuderu fehen in 9tührung unb Setbftbetounberung unb Stitleib mit fich fetbft. ©affen Sie nur auf! ©reger«. SBenn Sie 9ted)t haben unb ich Unrecht, fo ift ba« Seben nicht wert, gelebt $u werben. 9teHing. £ ba« Seben fönnte tropbem noch ganj fchön fein, wenn wir nur Srieben hätten not biefen oermalebetten ©töubigern, bie un« armen Beuten bie ©hüten einrennen mit ihren ibeaten Sorberungen. ©reger« (fu*t ow n<6 bin). Kenn ba« ber Satt, fo bin ich froh, baff meine ©eftimmung ift, »a« fie ift. 9teIIing. SDtit ©erlaub, wa« ift benn 3h te ©eftimmung? ©reger« (im flbgeben). Ser Sreijehnte bei Xifch ju fein. 9tetting. Sa« glaub ber Seufet. @o fommt ber SRealift 3bfen auf anberm SBege ju ber gleichen (Sdjtufj* folgerung, toie ber Qbeatift unb Kantianer ®jalmar. 3Tber fo lang bem fo ift, laßt aud) bem Didjtcr feinen fokalen ^ßeffi= mi 8 mu 8 , ju bem er nur ju feljr berechtigt ift. 3 ebenfad 8 aber nimmt bie „SBilbente" einen bebentenbeu Vla$ unter 3bfen8 SEBetfen ein, fie ift fogar tf)eatra(ifd) wirffamer al 8 „9?o3inet$- holm", jeboef) fdjeint mir biefe 8 poetifeffer, pft)d)ologifd) tiefer. — ©emerfen 8 Wert ift — unb bie 8 fdjeint mir bie '?ld)itte 8 ferfe ber 3bfen= frfjen Didjtung — bafj auch bie „SBilbentc" cigeutlid) nur ßataftropfje ift. Diefelbe beginnt mit bem (Sefpräd) ^uifdjen Vater unb 3 ot)n unb bem (Sntfdjlufj be 8 lefcteren, feinem greunbe (Sfbal alles $u oerraten (I. Slft). 3 n ben 3 bfenfd)en Dramen ift glcidjjam bie ißulüertonne fcfjon ge* laben, aQe 8 fdfon oorbercitet — ber Didjter legt nur bie Öuntc an unb bie (Sjplofion ift ba. So aud) in „9to8mer8l)otm". ©8 fehlt nur nod) Stebeffa 8 (Snthüduitg unb bie ßataftrophe tritt ein. ^ufolQe beffett liegt <£jepofttion unb Peripetie außerhalb beS Drama 8 , in ber Vergangenheit, unb mufj erjäljlt, tarnt nid)t Oor unfern klugen erlebt werben. HderbingS wirb biefer 3ef)Ier au 8 geglid)en burd) bie gläitjenbe Dia= logifieruttg, bie 3bfeit beherrscht, wie Wol)l fein Sebenber. Die Sprache wirft frappant uaturwahr. Sie ahmt ba 8 L'eben uad), etwa wie ein fßauorama bie Statur. (Sin fold)e 8 SÄeiftermerf ift bie (if)‘irafterifierung ber fleinett tpebwig. 3ebe8 SBort ift bem Seben abgelaufcht. Uttb bod) giebt e 8 Eßt)tl)ien auf fritifdhen Dreifüßen, bie behaupten: 3bfen ift gar fein Stcalift. Sragt man fie warum, fo fagen fie, weil er xHuduahmejuftäubc ^eidfnet. 5118 ob ber 9teati8mu8 nur Stdtag 8 menfchen unb 5(dtng8creiguifie porträtieren bürfte. Sticht im Stoff, in ber Sftethobe liegt ba 8 28#fen be 8 Steali 8 mu 8 , ober, wie bie Staliener treffenber fagen, be 8 Veri 8 inu 8 . — Die fogenannten 3 bealiften (ba 8 SBort ift, nebenbei bemerft, fchr fd)(ed)t gewählt, ba e 8 be= fanntlich längft in ber Vh^ofophie eine gauj aubere, feft fixierte Vebeutuug hat) bie fogenannten ^bealifteu, beffer gefügt Stoloriften ober Äuitoen* tionaliften, fehen bie Dinge an burd) bie trübe ®tide ber fogenannten öffentlichen SJteinung ober be 8 h^^^e« ©efehmaefö — aber ber Verift bemüht fid), mit eigenen Slugeu 511 fehen. 3 e »e fdjrcibeit au 8 Sicminidjenjeu, biefe uiunittelbar au 8 bem üebeu heraus. Darum berührt un 8 jebe 8 neue SBerf 3bfen8 wie eine ©ntbecfuug auf bem ©ebiete ber brainatifchen ffuitft, eine (Srweiterung ihrer ©rennen. Da 8 1138 3ufcgrift and bem fieferfreiö. Stubium biefe$ DidjtevS aber fei allen empfohlen, bie baä Stglagroort oon bec Unfägigfeit unferer 3«t jum Drama nadfbeten, oor allem aber fei eä empfohlen bem juugen Deutfcgtanb. 3bfen* Dramen fiub bic befte fßoetif für angegenbe Dramatifer (womit natürlid) nod) lange nid)t bie Waegagmung empfohlen fein jott), fte ftnb aber aud) bie befte (Stgif für merbenbe SRäitner. Jfosdjfrift nm hm Jlmrkrtb. ®erlin, am 5. Cftober 1888. sMeiliegenbeö Wtanuffript, welcgeö ieg mir 31 )««! oorjutegen erlaube, ift göcgft feiegtfinnig abgefafst infofern al$, glaub’ ieg, fein @latt im gangen ffleiege mit Ausnahme ber „©efeßfegaft" ei aufnegmen bflrfte. Wiegt beögalb, weil eä befonbere Äflgngeiten enthielte, befonbrro polemifcg ober irgenbwic rabifal wäre, fonbern ein* fadj, weil ei einen ©egenftanb beganbclt, unb mit Säfirme beganbelt, ber noeg buregauä extra muros ber Salons ift, in benen man beutfege ®oefte „fultioiert". ift möglieg, baft ieg inicg oießeiegt boeg irre, aber ieg gäbe in biefer $inftegt einige ©rfagrungen gefammelt. — ffiie ift ei aber anguftellcn, über berartige Dinge aueg in anbern 33!fittern gu reben, b. g. oon ber Seber weg gu reben? Seg gäbe iegon bie fegwierigften Serfucge gemaegt, felbft mit ergwungener $erabtönung meiner fröglieg erhobenen Stimmung, unb in SIfittern, bei benen ieg fonft Stuffäge ange» braegt, bei benen alfo meine Säeife im übrigen feine rebaftioneße Wntipatgie ge* funben, g. 8. in ber „Weuen freien treffe" oon ffiien, — aber ba& Segweigen bei ©rabeS ift ©eneratmarfegwirbel gegenüber ber tötlicgen SRuge, mit ber folcge 8er* fuege abgetgan würben. SäaS Sottrnb Wlberti in ber legten Stummer ber „©efefl* fegaft" über biefe Dinge fagt, ift fegnubergaft riegtig. Selbft bie Sluänagmen, welege er anfflgrt, finb, glaub’ ieg, nur auSnagmSweife Slusnagmen; jebenfaflS ift ein biplo» matifeger ftlüfterton aueg bort erfte 8ebingung. — Die folgen biefer Serfegloffengeit ber öffentücgcn Urteilsorgane finb, foweit ieg ei gier in 8erlin beobaegten tann, göegft bebauerliege, wenn fie aueg an fieg gerabegu läegerlieg finb. 3^ c f) r if t „Sramaturgifcpe ©lätter" fagt, toirb jeber bcnfcnbe Sefer, ber fiep niept fepeut, bie ffiaprpeit p fagen unb p pören, unterftpreiben, — mit ben tritifepen 'Äußerungen über bie „granffurter 3*«tung", bad „©erliner Sageblatt" unb auep bie „Kunbfcpau" bflrfte es) fiep botp aber etwad anberd oerpalten! ©Senn ber geeprte Äritifer meint, man bürfe nur einen ©lief in bie beiben erftgenannten „©ourgeoidblätter" werfen, um fiep p überzeugen, baß fie ein Sammelplaß oon gemeinen ©erleumbungen gegen bie „Sorfämpfer ber gefunben, fräftigen unb ftolgen ©Japrpeit" feien, fo Werben fiepet fepr oiele, benen ebenfalls eine gefunbe gortbilbung unterer ©oefie in ben ©apnen bed SRealidmud ernft am tperjen liegt, bie ebenfalls berechtigt finb, z“ bepaupten, bie erwäpnten Sagedblätter Zu fennen, mit bem ftopfe erftaunt über bie fepr „jtpneibigen" Attaquen f(püttein. 3uoörberft möcpte itp entftpicben gegen ben Kamen „©ourgeoidblatt" für bie „granf* furter 3«tung" proteftieren; zugegeben, baß biefer Sitcl Oielleicpt in gewiffer $inficpt bem „©erliner Sägeblatt" beigelegt werben fönnte, bleibt ed botp ganz unflar, mit weltpem Ketpte bad fübbeutftpe Organ, bad immer mit Unerftprotfenpeit unb Offen« peit für bie ©efamtinterefjen bed ©olfed — opne Kücffupt auf klaffen ober haften — eingetreten ift unb eintritt, mit biefer ©enennung beeprt werben bürfe! Kun zu ben „3entnermaffen ber bobenlofen ©emeinpeit!" Kud biefen unb ben ipnen folgenben peftigen Scpmäpungen unb ber feparfen ©egcnüberftellung ber „Kationalzeitung" müßte man ben Scplug ziepen, bag bie ©lätter abfolut nieptd oon ben ©ertretern bed Kealidmud wiffen wollen, aud ben gemeinften ©eweggrünben biefe audfcpliegen unb befämpfen. Kun, itp pabe bie „grdnffurter 3«tung" bid in bie ©litte bed ©lonatd Sluguft pinein gelefen, itp tteibe bie Seftüre bed „©erliner Sageblatt" autp jeßt notp, bin aber nitpt imftanbe, cinzufepen, bie 'Mitarbeiter feien foltpe Jperfulefje, bie mit „3entnermafien bobenlofer ©emeinpeit, Süge unb elenbeiter wiffentlitper ©erleumbung" fpielten! ga, itp pabe botp einen Koman £ regerd in bem geuilleton ber „granffurter 3eitung" abgebrutft gefunben, bad „©erliner Sage» blatt" patte boep einem Jpciberg feine Spalten nitpt oerftploffen, ben „3eitgeift" Zieren öfters Sluffäße aud ber gebet ber geiftooüen Sitptcrin unb ©pilofoppin, ber füpnen ©ortämpferin für bad ©rinzip ber Moberne ©aronin ©ertpa oon Sutt* ner, in ber „Kunbftpau" enblitp waren — wie itp ntitp zu erinnern glaube — 1140 ftritif. (Erklungen beS normegifchen fflealiften Sjellanb unb eine gftnftige Beurteilung bcfit biehterifdjen Stoffen« $bfenS oeröff entlieht! Hätte angefidjitS folget Ifjatfacben $err A. feine ©affen nicht etwas weniger fdjarf fdjleifen foffen! ? 3ene Blätter haben fidjerlich feinen ftreng realiftifchen Stanb* punft in i^ren (itterarijehrn Abteilungen, fie taffen ber jungen Sdjule angehötenben Schriftftetlern gumeilen öieüeicht gu Beurteilung miberfaljren, — eine Berech» tigung aber gu folgen Befdjimpfungen ohne gebüljrenbe Beweismittel wirb man bem geehrten Jfritifer nicht gugefteljen bflrfen! Wit Hochachtung (Ergeben# ©Ieimift. Waj Bictor fjraenfl. ‘Xvitit Soutane unb fttoeOen. „Bie atri gierin*. SebenSbitb aus bet mobernen ©rfellfchaft t>on 3. B. Sib* mann. Bern, Bertag oon Sdjmibt, Stande & ft'omp. Bie „Begebenheiten", welche ber Berfaffet gu einem fogenann* ten „SebrnSbitb" gufammengefteHt l)ot, trugen fich in einer „mäßig großen Stabt" gu. Sagen wir g. B. in Bem. Bie Bis» fretion oerbietet bem dichter, unS ben Samen gu nennen. (Ein „wohtbefdjaffener junger Wann", Dr. HonS Almeneuer, Stubent, SchulamtSfanbibat, Wuftcr alter | Bugenben, AKeifter aller Sijfenfchaften, jeber Soll ein Brachtmenfch, fiept auf bem Btofefjorenbatl ein „etwa neungehnjälj» rigeS Stäbchen", fjtäulein Bougatbine Sininger, BanfierStochtcr, natürlich gleich* falls Wuftcr alter Bugenben, jeber 3oH eine „Batrigicrin". Sic hot alles, was gu einer edjtcn Somantjelbin Warlittfdjcr Schule gehört: „wunberootle Beeten» gähne", „atlerliebfteS Stumpfnäschen", „fchwere 3öpfe", „blipenbe Augen", einen „Schall", ber „aus ihren 3äflen lacht" u. f. w. u. f. w. Bem armen Dr. Hons Almeneuer war fie „fchon oon Beginn beS BalleS an aufgefallen". „Außer» orbeutlich lieblich fchien in feinen Augen baS Spiel ihrer (Stiebet; eS lag barin eine weiche Anmut, bie ihn fejfelte". Sa» tflrlich „ein Waler würbe an ihr allerlei Selber entbedt hoben", meint ber $err Berfaffet; „bie H ou t ber jungen Bo* trigierin hätte brillanter, tofiger fein bürfen" u. f. m. Seiber mar Dr. $anS Almeneuet fein Waler; „feine Blide hat» ten oon bem Woment an ber ©eftalt ge» (julbigt, ba er fie erfpäht hotte". BaS fönnen wir ihm umfo weniger übel neh» men, als auch ber Hefe Berfaffet gu | bem Schluffe fommt, baß fetbfi ber mäfelnbe Waler, „wenn er etwa auf ben „(Einfall geraten wäre, eine (Eoa gu malen, „fich für eine foldje Berförperung beS „SeibcS nach feinem innerften Seien „fein beffereS Wobell hätte wfinfehen „fönnen als biefeS Wäbdjen, beffen bieg» „fam gefchmeibiger Seib alles in fich j« „fcßließcn fchien, waS im Begriff beS „echten SeibeS liegt, Bugenben unb „Schwächen, bie feit Anbeginn berWenfch» „heit bem WanneSoerftanbe fo oiele fchwer „lösbare SRätfel aufgegeben hoben." Bie Warlitt felig hot gwar im all* gemeinen feinen unnüpen Sortfdjmatl gemacht, aber wenn fie „etwa auf ben ffritif. 1141 (Einfall geraten märe", einmal im befon» beten bof einen folgen gu matten, ^ötte fie fif „fein beffere* ©tobeO münffen fönnen", alb biefe* Sibmannff e ©brafen« gemurftel. Dr. ipan* Almeneuer, „naf bem er „mit Kedjt bebaut batte, baß ein ©all „nift bagu ba fei, bem Wanne nur bie „fhtmme ©etraftung folgen Sauber* „au* ber gerne gu geftatten", faßt auf Seite 11 be* Sibmannff en Seben*bilbe* fif ein $erg, ber ©atrigierin „auf jeben gaO feinen Kamen gu nennen unb feine Harte gu Überreifen" unb fie gu fragen, „ob e* if)m geftattet fei, fif für ben näfften lang ober für einen fpäteren in ißre BaHfarte eingugeifnen". Auf S. 12 bat er aber ffon feinen Sforb weg. „©feine ©angfarte bat leine leere Stelle mehr". 8 U * ©filberung ber mferen Umftünbe biefer §aupt* unb Staat*aftion in ©ebanfen, Sorten unb ©eberben menbet ber berffmenberiffe ©rofaift ; mieber gange gmangig ©rudgeilen auf. j 3n biefer pomaben Seife, bie febr an* beimelttb an bie gute alte Seit ber Sanb* poftfutffen erinnert, merben mir bon $errn g. S. Sibmann, bem langfamften I aller postillons d’amour im Keife be* j HRarlittff en Koman*, nof einige ©ußenb | Seiten auf allerlei langmeiligen Sta» ! tionen umbergefabren, bi* mir enblif bem Dr. Almeneucr unb feiner ange* beteten „©atrigierin" im $aufe gtninger* ! mieber begegnen. ©er Sufaü bat e* ge» j fügt, baß Almeneuer ber $au*tebrer be* | gmölfjfibrigen ©ruber* ber „©atrigierin" | mürbe. Sunber über Sunber Sib« l mannff er Hutff er*©bantafie! Unb nun fpielt fif auf ben folgenben 200 Seiten ber niftsfagcnbfte, fabefte unb bfimmfte jpau*lebrer»Koman ab, auf ben megen feiner (Eingigfeit bie beutffe, b. b- bie ffmeigeriffe Sitteratur ftolg fein barf. ©ie fetige ©larlitt fann fif im ©rabe umbreben: ein fotfer ©riumpb ber Ur* langmeiligfeit unb ©lattbeit mar ibr in ihrem gangen Seben nift gegönnt ge* mefen. Sie bie ©eff if te au*gebt? Kaf mebrmonatlifer §au*lebrerffaft ift ber biebere unb oerliebte $an* Sllmeneuer be* ©efopptfein* mflbe, er bölt ber bum« men ©an* bon „©atrigierin" eine ful¬ minante moraliff e Stanbrebe unb ff ifft fif naf Argentinien ein, um bafetbft eine gut begabtte SfulfteHe gu über* nehmen, ©a* „SebenSbilb" enbigt auf S. 272 mit ben poetiffen Sorten: „Sine Sofe fpäter ftunb (siel) ein „junger ©tarnt auf bem ©erbed be* naf „Argentinien beftimmten Steamer* ,Kep* „tun 4 unb fab um bie Abenbftunbe bie „Hüfte (Europa* in grauer ©ämmerung „berff minben. (E* mar ba* Sfapftinifterre. „,Finis terrae 4 ! fagte ber junge ©tann „melanfoliff oor fif b' n - i3“ ! ba* „(Enbe be* Sanbe* meiner $ugenb, meiner „Siebe, meiner feligften Hoffnung! Finis „terrae 4 !" Amen Selab. ©er Sefer be* Koman* fann nun, menn er überhaupt fo lange au*gebalten, ba* Sibmannff e ©uf mit gutem ©emiffen in ben näf ften Hädlaben ftiften. ©er ffritifer bat, um feiner ©flif t gegenüber bem ©ubtifum unb bem ©if • ter 3. ©. Sibmann boD gu genügen, nof (Einige* hing» gu fügen. Sunöfft über ba* ©eutff be* ©if* ter*. ©a*felbe entbehrt ber grammati* faliff en unb ftiliftiff en Keinbeit. Süße mie: „Aber e* fommt mir bor, baß unferein* Unreft tbut, folfe* ©ribat» ffulmefen, ba* ohnehin u. f. ro." ohne ©ragie — finb nift feiten, ©agu falffe Anmenbung überlieferter 9teben*arten, mie: „(Er hatte feinen Sohn babin" (Seite 115); falff e Anmenbung eingelner Sör* ter, mie: „(Er ff mang fif au* bem Sfiffe" — „(Er ftieß bom Sanbe ab"; ©ebrauf flbetflflffiger ffrembrnörter, toie in: ,,©ie geiftige Kutlitöt mar eine notoriffe" — „(Er lafte auf bei ber bloßen Suppofition biefe*©ebanfen*". Sablreif finb auf bie gang unbeutff 1142 ttrtttf. gebauten Sabgeffige. Sin ©eifpiel: „3« | biefer jungen ffiatrijietin lebten neben» I cinanbec jmei Mächte, — ein guter fanf» i ter (Seift edjt weiblicher Hingebung, bet ; fic p einem Befen machte, bae burd) bie Siebe einen Wann nnfagbar beglfiden i fonnte; bod) ba lebte auch ein Dämon 1 beb Stoljeb, umfo mächtiger in biefem i tfaße, »o fid> bem Stanbebbemufjtfein I bab eb(e jungfräuliche ©efüljl gejeßte, | bab fief) gegen bie erften Sejfeln fträubt, bie Siebe ihm auferlegen miß". Wodj ungeheuerlicher ift ber folgenbe Watten* : fönig Don Sieben« unb 3>Dif eben jähen: „Bar eb ihm auch bib jeßt erft zweimal Dergönnt geroefen, ihr felbft näher p treten, fo hotte buch fchon bie Si^ieijung p ihrem 3rnmilicnfeeife feinem H e *J* n täglich Nahrung gemährt, unb beftunb (ftatt beftanb!) biefe Wahrung auch nicht 1 in beutlichen Hoffnungen ober in $hon« j tafiegebilben einer glfidlidjen 3ufunft, | mar fie fogar mit recht bitteren Siemen« i teu brr 3urfic!fehung, ber Demütigung ! gemifcht, fie mar hoch feine Serienreife I geworben, fo bafj ihm ber ©ebanfe, p ' aßc bem noch Dom Satcr Dougalbinenb j in ©elb befahlt p werben, ein peinlicher würbe.“ ! Dab ift nicht mehr gefchrieben, bab ! ift gefchmiert. Son folchen Schmier« { Muftern wimmelt bab Bibmannfche Sud*. ' Snblich einige $enterfungen über bie , lechnif, wenn man bei einem fo ftümper« ' haften Vortrag überhaupt noch Don einer \ fünftlerifchen Srjählungöwcifc rebcu miß. Der SSerfafjer unterbricht mieberljolt bie (Sefchichtc burch perfönliehe Sinmifchung: | „Sb liegt nicht in unferer Wbfid)t p er» | pißen, wie u. f. w.“ — ober: „Bir bür* ; fen fchon hie* einfchalten, — ba ber fer¬ nere ©ang ber Sreignijjc unb für biefe 1 Mitteilung nicht mehr ben Wnlaß gewährt - — bafe u. f. m.“ Bo eb gilt, burch bie | Sntfaltung ftärffter Sefchreibungstunft I auf ben Sefer p Wirten, entzieht fid) ] Bibmann allen Schwierigfeiten mit Wc* benbarten wie: „Sb war ein unbe« f ehr ei blich lieblicher jjtühlingbabenb“. Ober: „Dab jenfeitige Ufer bot ein herr* (icheb Sanbfchaftbbilb bar (sic!).“ Bie armfelig fein Scpilberungbocrmögen, er« heßt aub folgenbem ö.'ijpiel. (Sb hanbelt (ich um ben Smpfangbfaal beb $atri)ier« haufeb.) „Die Bänbe jeigten branneb ©etäfel aub eblem H 0 4» ntit ©olbleiften oerjiert. Die Decfe beb Saalb mar ein $rachtftfict in Stucfatur-Ornamentif... Sinplne Mauerpfeiler jwifchen ben ffen* ftern unb gegenüber bie lange Hinter» manb beb 3iwmerb wiefen ßlgemälbe auf, Männer unb grauen in ber Dradjt früherer 3al)rljunbertc" u. f. w. 3 U foldjer Höh* ber ®efchreibungbfunft fchwingt fleh auch ein nicht gonj unbegabter Ouar« taner in feinen Stiiübungen mit leichter Mühe auf. Wicht weniger fdjulfnabenhaft ift unfereb Dichterb Bibmann $äljigfeit unb ffertigfeit, mit Silbern u mp geben. Sin SBeifpiel: „Denn ihm felbft war eb nur in ber Klarheit wohl, wie bie fto* rede am (iebften im hellen ©ergbndje wohnt, öei aßet biefer Abneigung gegen Schwärmerei brach er nun boch, wie ein oerliebter ^Jage, doiii nächften Bei» bengebüfeh 3n>eigc...“ Womöglich noch fchöner unb ptreffenber hontiert. unfer Dichter mit ber Metapher in folgenbem Saß: „Dab fühlte er, unb in ber Selig« feit biejeb ©efühlb erwiberte er mit warmem ©litte bie Sprache ber deinen unfdjulbig neefenben ©eifterdjen, bie in ben flaren Wugen Dougalbincnb wie 3ifn", ift Saul Sinbau — feine ganze innere $oljl« heit, fein Cerfennen aller fojialen Cer* ijältniffe, feine Pöflige UnfenntniS beS wahren 2ebenS beweift feine neuefte Nopeflenfammlung, benannt „©unberliche Seit 44 — parbon Sente. ©ie aQe bie Herren, bie fleh erhoben fühlen über ben „Siebs" — bie fid) unb bie fogenanute gute QfefeBfdjaft anbeten, wie baS golbne »alb (welche SelbfterfenntniSi), fnd)t fid) Soul 2inbau ba bie Stoffe, wo fie nicht zu finben, ober wäl)lt einen Stoff, ben ein Anbeter fdjon längft nor ii)m gefunbrn. TaS macht fich in porliegen» ber Si'miiilung fehr merfbar. Die erfte Crzühlung „Wein ffreunb §ilarinS" ift eine boefeintrrrffante pathologifche Stubie, aber fie ift burchgeführt mit jener rotnan« tifchen Oberflädjlichfeit, bie nur baS flu» feere fieljt, ber ber Clicf für baS innere abgel)t. Tag (angfame gntfteßen beS ©ahnfinnS, baS ©achfen ber Errungen, baS enbliche Seftfteljen ift mit einer furzen Notiz beS SrzteS abgemacht — welche Nidjt3 ift, als eine inS Cemünftige übertragene Nefapitulation beS CriefeS beS 3rren. — 2inbau h nt nur mit ber fertigen Xbatfad)e gerechnet — nun ift aber baS 3ntereffante beS ©ahnfinnS nicht biefer felbft, fonbern fein (Sntfteljen. §ätte Sinbau pathologifche, ober nur pfhdjologifdje Stubien gemacht, würbe er hier manches anberS gefdjaffen haben — fo ift et abfolut unfähig, einen (Epa* rafter lebenswahr zu geftalten, faft aüe feine Shoraftere finb Schablonen — Schemen — Marionetten. — Tie heitere unb hoch wieber traurige fRebaftionS« fzene Kollege Schnabel" ift perhält* niSmäfeig am Ceften gelungen. Tie NebaftionSfiguren finb felbftrebenb nach (ebenbem OTobefl, nicht ungefd)icft ge« ftaltet — Por flflem Schnabel felbft, in einer Urfprflngiidjfeit unb unangefrän* feitet Nonchalance, ift wahr, ber ®fjo* rafter beS Unterfud)ungSridjterS hingegen — nun, et mag ejiftiert haben, fo aber, wie ihn Sinbau fchilbert, nicht. TaS ift bie reine Unmöglichfeit. 3n bie Hefe Zu bringen, in bem bunflen Schacht bie oft tief Perborgene Sfb | igenKopebue an alle bieStittelfdjmieranten HeOue! — SSenn baS ein anbetet Stetb* liehet getrieben hätte, mürbe ihn bet $err Sinbau grünblich „runtergrriffen" hoben als Hbfdjreiber «.!! 3a baS „Hunterreigen" oerfteht bet §err Sinbau — fogar bei guten SBerfen. 3e lebenbe Dame not ilpet fittenfiren* gen ©ebmefter nid^t befteben. 23ie fid> bodj alles jum (Enten menbet, baS lefe man im ©oman felbet nach, bet ent» f$ieben ju bet beffeten unb üorneb» rneren UnterbaltungSlcftflre gäblt. W. „Smei Königinnen, Seraph- ®ie oiet Zemperamente". ©oöeHen oon ©aeber» 9»af ocf». ©reSlau, Schott» (aenbet. @aebeutenbe ©e*f auS bet Qreber ©raufemetterS unb be» gnügen unS für tyutt, unfte fiefet auf biefe bemetTenSmette Stfcbeinung unftet Überfe|ungS(itteratur empfeblenb bingu* rneifen. 9113 4. ©anb beS V. Jahrgangs oon SngelbotnS allgemeiner ©oman» ©ibliotbet erfebien ein neuer ©oman oon Ouiba unter bem Zitei „fiabp Dorotheas Säfte", in bem ber be» tannte Äutor ein feines Bitb bet eng» lifeben SefeKfdjaft zeichnet. Den 6. unb 6. ©anb berjelben ©ibliotbet bilbet ein italienifcber ©oman „Marcbefa b’Ät« cello", beffen ©etfaffet Wemini ift. DaS ©ingen unb Dulben eines b»4' bergigen SeibeS tritt unS barin mit et« febütternber Zragit oor Äugen unb ruft unfete marme Zeitnahme mach- (Stutt» gart, 3. Sngelbotn.) ©on ben „Kleinen ©omanen auf bet Böltermanberung" oongelij Dahn ift bet VL ©anb unter bem Zitei „Ättila" foeben etfebienen. Die ©etiobe biefeS Äritif. 1151 ÄönigS bitbet ben piftorifepen hinter« grunb beb Romans, bet und bie be¬ fanden Botjflge beb §iftoriferS unb (Romanciers Sahn bon neuem not bie Äugen führt (Berlag bon Breitfopf unb Mittel, Seipzig.) — Äuf Sapn’fcpen $fa* ben wanbeit au cp ein piftorifeper Vornan „Ser ©otenfürft" bon Äbam Sofepp (EüpperS (Sfiffelborf, fjelijr Bagel); eh» Warm gehaltenes ©eleitwort Selis SapnS führt ben jungen Äutor empfeplenb beim Bublitum ein. Unter bem ÄoDeftibtitel „ S cp i eff a I e" hat Sctbinanb bon Saar eine neue Solge bon (Robellen erfepeinen taffen ($ei- beiberg, ©eorg tBeiß). Sen Inhalt beb BanbeS bilben brei Lobelien: „Siente- nant Burba" — „Seligmann $irfcp" — „Sie Sorglofen", prächtige Schöpfungen, benen ein warmer (Erfolg gewiß ift. Äuch ben brei pübfcpen (Erzählungen, bie Äba fiinben in ber SBinterfcpen BerlagSbucppanblung in Seipzig unter bem Xitel „Äub bergangenen la¬ gen" erfepeinen lieg, wirb eb nicht an Sreunben unb Sefern fehlen. CfMI. Sichtungen bon SUcparb b. Hart¬ wig. (^r. Spiel, Berlin.) Rieparb bon Hartwig ift unfern Sefern fein Unbe- fannter. Seine RBeltimtergangSbicptung, womit er feinerjeit in ber „©efellfcpaft" unferem (Mitarbeiter (Ebuarb b. $art* mann mit ©eift unb $untor ein wenig am BPHofopptnbart zupfte, pat gewiß bei allen Sefern eine fettete Äufnahme gefunben. Balb barauf erfepienen beb Sichters „SBeltmärcpen", welche in fehr anmutiger XBeife wichtige ©emütb- unb SebenSfragen ber mobernen BilbungS- SRenfcppeit im ©ewanbe beb SRärepenS nnb ber ÄUegorie behanbeln. Sab Buch hatte einen großen (Erfolg — in ber Breffe; ade (Parteien bet litterarifcpen JEritif, bieSbealiften, bie Romantiter u. f. w. überfepütteten ben Sichter gleichmäßig mit Sobfprüchen. $offen wir, baß ber (Erfolg auch beim faufenben Bublifum ein namhafter gewefen. $eute liegt unb ein neueb ©dnbepen (118 S.) „Sich¬ tungen" bor; Buch ber Siebe, Bai» laben, Intermezzo, SRarrenbreoier unb freie Rpbtpmen luutet bab SnpaltSöer- Zeichnis. 9Bir haben in jeber Äbteilung bortreffliche, preifenömerte Stücfe gefun¬ ben — in ber einen mehr, in ber anbern weniger, am menigften unter ben Bai» laben unb im Rarrenbreoier. ©anz Bebeutenbeb, ben allerbeften ©ebichten unferer berüpmteften Sprifer (Ebenbürtiges bietet bie Äbteilung „Buch ber Siebe". Sieber wie „Stage bie Stofen brunten im Xpal, warum fie fo wonnig blühen?" — „SJtein Storbftern bu, um ben bie SBelt fi biefe8 Buch wirb beit ©eg gu taufenbeit oon bergen finben, tote matt e8 ja bei einem fo beliebten Sichter nicht anbei# et* toarten fann. W. Äarl 3oi),*) ein ®eifteSoerwanbter 9ifidert8, lägt in feinen fiebern Dom gotbenen £»orn" bie Stimmen ber ffieisheit, ber Befdjaulidjteit unb ber Siebeertönen, bod) finbet er feinen StuSbrud für bie ergreifcnbe Schönheit be8 SReereS, für bie {Reinheit be3 §immet8 unb für bie SJlilbe ber Suft, bie ber phantaftifdjeften ber Stäbte, Conftantinopel, ber Stabt „Ärn flolbenen fporn" ebenfo eigen, wie ber Sdjmup unb ba8 Äbenteuer. Schabe, bag biefer Sichter nicht mehr (Blut be8 Zemperamente3 beftgt, unb bag man ihn, eben biefe8 9Rangel8 toegen, nicht ben grogen ©oeten ber Seit anreihen fann; gu feinem ®lüd hält er, wohl fehr mit Unrecht, nicht biel oon einem tarnen, benn: „Ötn Warne — ja, ma* Uegt an einem Warnen? Tie Hofen, menn fle anbet* hieben, Sie hauchten hoch biefelheu Tiifte, Unb mären hoch bie munbetfamen, Tie ?ebenben ba* $etj erfchlfrften Unb Zoten blflhn al* 6 chmud bet Grüfte." Ä atl 3 oh flberfieljt hierbei, bag Stofen feine SRenfdjen finb, unb bag gut Un» fterblichfeit, biefcm Sraume ber $oeten, ... ein 9tarne gehört. Stolger, energifcger unb oft bis gu Ihtönen ergreifenb, flingt bie Shtif be8 Slbalbert oon §anftein. ffia8 er in „Bon ÄainS @efdjledjt" bietet, ift oft ooü Schwung unb Seben. Sie „Cingelbilber": „Sa3 ffiieberfeljen", „Sa8 ®eftftnbni8", „Sie (Einweih' nng" unb „Sie ©rebigt" ftnb, al8 *) Steter oom gotbenen $otn. «ripjig. Setlag oon 9 . *. Siebrtftnb. 1888. Son ftatnl •efftleftt. Son Kbalbttt oon Sanfietn. Berlin 1888 . C. g. Contab# Suftbanbiung — Sani Ulf ermann. Selbe Saftet ftnb tttfflift auf« gegattet echte lt)rifch*et>ifdje ©erlen eine8 grogen Sichterd wfirbig. $außein ift ein SReifter ber Sprache unb einer ber wenigen Berufenen, oon benen bie Seele oerftanben wirb, bie Seele „Bon ftainS ®efchledjt", bie al8 Siebe jauchgt, at8 junger geh empört, al8 ftranfpeit flogt unb al8 ®ebanfe ringt unb oergweifelt! . . . Seiber, . . . ach, bag ber Schönheit immer ein „Seiber" folgen mngt . . . ftören in bem fdjönen Buche bie gwei „(Eingelbilber" „ftain" unb ba8 „3 m Banne be8 SiffenS". Siefe poetijd)* bhtlofobhifch fein foüenben 9tu8einanber* fegungen finb einfach unwahr unb lang* weilig unb ber Bombaft in ben gwei ®ebichten „Rain" erinnert an eine Sitteratur*$eriobe, bie gnm ®lü« ift bie ganje aUm&fttige Sonne I 3ft moDt’ ftn oeraftten, betrittein, oetUrinen — 3ft tann niftt, ift tann nut betounbern nnb meinen!" A. T. Drama. ©eltgericht, Zragöbie in 6 Hften oon_B leib treu. ©. 3nebrich, SeiOgig. Ser Sichter fchtieb: „(Erft nach Settüre biefer Sichtung wirb man erfennen, wo8 ich'will nnb fann." — „HU mein ©ollen unb Äönnen gipfelt in biefem ®efchicht8folog." — Unb I)ier heißt et in ber Xhat: ein ©ort, ein SRann: ber Weib beutelt, aber jeber Unbefangene in ftritif. 1153 beit Sanben beutfcher Äunft wirb begeiftert beit 1)of)tn Soranfdjlag beS Schöpfers unterfdjreiben. Selten genug ift man (o fiegljaft überzeugt, baß uns mit bem jflngften SBerf eines SerfafferS gugteidj beffen reiffteS unb reinfteS in ben $än» ben liegt, als mietet. SBflljteitb „Schlechte ©efeUfdiaft" nid)t minber als „©rößen- wal}n" ben ©egnern — icb bcnfe fie mit als Äftljetifer berechtigter wie unbereih* tigter 9trt — wohl flächen gu wuchtigen Stößen bieten, beginnt hier ben blühen- ben, terngefunben fieib ber Dichtung ein fo ftarfeS feftoerwobenes fßangertleib, baß meber eines SimfonS jflbifche ©felS« finnbade noch eines ©oliatS Iß^ilifter- fdjwert Schaben anguridjten bermag. SBer ritterlich nnb nicht berferferhaft biefet neuen Iragöbie entgegentritt, b. h- wer nicht etwas non berfetben nerlangt, maS ihrem SBefen, ihrem SBiQen, fogufagen ihrer Seele wiberftreitet, ber wirb freubig anerfennen mfiffen, baß ein hoher, herr¬ licher SBert bieS SBerf auSgeidjnet. SBer weiß, ob irgenbeiner ber in gang ©uropa gu etwartenben IReoolutionSgefftnge im nüchften 3ahr imftanbe ift, biefem beut» fcßen, frfihlingSgeitigen Irama ftch an- gufcßließen. 3r. fünf lüften atmet fiep bie SBelt ber fRebotution gu lobe. 3n fünf 'lüften ftflrgt ber monarchifche ©e» banfe, ihm nach bie ©ironbe; ber lan- toniSmuS folgt, IRobeSpierre ftirbt, lal* lien gaufeit bahin — unb Napoleon wühlt fein SchredenShaupt langfam em¬ por. 3n fünf Siften all baS? SBer ffinbe baS nicht — fflljn? SBie aber, wenn biefe wunberbar banblungSooHen Äfte, fo wie fie ftnb ober faft fo, heut noch bie realen SBüIjnen VerlinS g. V. beftei- gen fönnten, fdjtanf unb fiarf unb all¬ bereit — wenn fie auf bem Iheater ihr fieben gu entrollen — wenn fie ihre fdjarfen ©Ijataftere fgenifch hanbeln gu taffen — unb baS fßublifunt gu erfchüt- tem, gu entfepen, gu begeiftem oermöd)* ten? Qfnbeffen! SBie bie linge nun ein¬ mal liegen, fo wirb man wohl auch auf baS „SBeltgericht" harren mflffen, wie gebührlich, bis gunt jüngften Idg. Sed sapienti sat: WnS ©leibtreu Will, ßeht man nach her fieftüre: ©r will bie öflhne mit aller Äraft unb ©ewalt fei¬ ner bichterifchen ©rfdjeinung erobern, liefen „SBiüen" befunbet beutlich bie eherne Äongentration, bie theatralifche ÄriegSgudjt, bie Verteilung ber ©ffeftc, bie flare ©ruppierung beS SSoIfeS, bie leforation, bie Sprache, bie ffarbe, furg baS SSfiljnenbilb: lichter wie Sefer haben eS ftetS oor Äugen. Unb waS VIeibtreu nun „fann", wenn er fo „will", baS foO ber Neu» gierige felber ftch beantworten, wie er Suft hot. §ier noch hieS: SEBir beb fl r- fen fünf bis fecps bramatifcher Äümpfer, bie theatralifche SBucht in ihren Ärmen, gefchichtlichen JJemblid in ihren Äugen, Öbeen im .'pirn, ©erechtigfeit unb ©oefte im bergen tragen — unb willens ftnb, bie buhlerifcpe franfe Cperette gu feffeln unb baS prahlenbe überfippigc SRufif« brama gu entthronen. SBir begrüßen eS baher ooU greube, baß ein SOtann oom 3Rut unb oom SBerte VIeibtreuS bereit fcheint, biefer Äoporte »on Streitern führenb oorangufchreiten. $oIa oerffln- bete oor einiger 3<>t: „Noch einige SRo- mane, bann wiD ich baS Iheater mir erobern". 30 I 08 Name bebeutet an fiep faft fchon Sieg, unb wir leutfehe pflegen bereits ohnehin bie Nachahmung Sar- bouS. — Videant consules! $eißt eS nicht, unferem Solf ein moberneS heut¬ iges Irama mit Dollem lichterfchwunge oorgufflhren unb unlöslich einguweben, eße jene oerljießenen 3oIa-lramen gu uns h e rflbermogen? 3dj glaube hier Iftntme unb lürme gu bauen, gilt beut» fepen Iramatifern als Sache ber ©fjre. SBeltgericht — ein Irama ohne gel¬ ben, fo nennt Vleibtreu felber feine Ira» göbie. 6r oerheißt eine birefte Sortfepung, einen „Sauft ber lljat". Äuf biefen 1154 ftritif. „Sauft", brr Aber ein fo goge? unb egerne? ©oftament wie borliegenbe Sieg* tung, fid) noch ergeben foD, mug man gefpannt fein. 3« ber „Zragöbie of)ne gelben" bebingte bie 3bee (mcnfcglichet ©töfee unb menfcglichen Streben? Kidf- tigfeit) gaglteicge fid) folgenbe gelben, welche, Halbem wir fie ungebrochen, un- befiegbar auftreten fallen, erfaßt werben bon ber SKorbibegga be? Seben? unb ber Sdjulb, bie fcgnell gerftört in Seiten ber Kebolution: ©tänner unb Leiber fegen wir ba plöglidj trAnteln, tränten, ba» ginwanfen unb fterben. Ser 3uf(^auer aber, ber fi frage. Kenn ba? geliebte Stünftlertum in ben Kebolutionlgetben anttingt, fo glaubt ba? gordjenbe Dgr manch intimen |>ergen?ton, manch innerften ©ebanfen be? Siegtet? fetber gu Dernegmen. — 3n bie inneren geiftigen SBanbetg&nge ad ber Sgarafteriftif fönnte fich mit wahrhaftem Vergnügen ebenfo teiegt ber $iftorifer ber Keb. wie ber rein poetifeg ©eniegenbe berlieren. „Kur ba? fdjarfe unb reblichc Segerauge be? Sicgter? bermag ba? grögte (Sreigni? ber ®e- fegiegte mit unbeftecglicgem ©agrgeitleifer in fieg aufgunegmen unb wiebergu- fpiegeln." öleibtreu gat bte? gefagt — unb getgan. 3« grogen nie fegwanfen- Ättttf. 1155 ben flinien, begattet unb beleuchtet, prangenb tu fjatbe unb ©laftif, burd)* zogen Don Stern unb ßeben, Doll Seele, atmenbe SOtenfchen, flehen be8 Dich» tetS ©eftalten not unS, mit zwei Sorten fpringt bie Äapfel ihre« innerften Sein«, fibetrafchenb, bisweilen bidjterifdj genial. (Stab. Stolanb, 8tobe8pierre, Danton.) Sa8 enblid) jeben ohne 9tu§naljme feffeln muß, auch wenn er im übrigen anberer Überzeugung, baS ift bie Sprache, »eiche beim Drama mehr als bei anbern Diof» buchhonbl., ©tünchen), Derbient burch feine glänjenbe Darfteüung, feinen reidjen Inhalt unb wertDotlen ©ilberfchmud eine erfte Stelle in jeber Siebhaberbibliothef. Der ©erleget hat auch fiue billige ©olfS» au8gabe in gefürjter gotm öeranftaltet. — Die „©ejdjichte ber ©tündjener Itunft im 19. gahrhunbert" bon griebrid) ©echt (©tünchen, ©tuet* mann), enthält zahlreiche, intereffante SBuftrationen unb bietet auch im Dejt fehr Diel 8elef)tenbe8. 9118 reine8 ©efdjichtS* wert wirb e8 fich bei ben befannten ©in« feitigfeiten be8 ©erfafferS faum z tt behaupten Dermögen. — „Sur ©Ijtonif ber ©tünchener Oper". Dh*o***'® r * e f e unb «©erichte Don 08tar Sterz. 8»ei ©ünbe (granz’fche #ofbuchhanbl.). Der ©erfaffet nimmt unter ben beutfdjen SHufcfreferenten einen ber erften ©läpe ein. ©r entrollt f)ier ein ©ilb Don bem SJtfindjener Dpernleben ber lepten 3>ahre, ba8 in jebem ©etradjt bie ©ezeichnung glänzenb Derbient. Diefe 9lufzeier Spradjtünftler, ber fid> wie ein $ejenmeifter balb ber Senf», balb ber $fjantafte»0prad)e, balb ber Stiftung beibet in neununbneungig Äbfhtfungen mit ooüenbeter Sicherheit bebient, hat er in feiner Sitteratur, am toenigften in ber beutfdjen, feineSgleidjen. Unb barum wirb er noch für lange gu ben wenigft geiefenen Autoren beS Weiches gehören. 3dj glaube aber nicht, bah « fich aUju heftig barob grämt. Sein neuefteS ©udj, „8»r @enea* Iogie ber SWoral" betitelt (SabenpreiS JRf. 8,60), hat er bem lefetoeröffenttidjten „3enfeitS oon @ut unb Söfe" gut (Ergftngung unb ©erbeutlichung beige» geben. SS befteljt aus brei Abtjanbtungen in AphoriSmenform: 1. @ut unb ©öfe, @ut unb Schlecht; 2. Schulb, fchtedjteS Oewfffen unb ©ertoanbteS; 3. SaS be» beuten astetifche 3beale? Sann eine ©orrebe unb eine lange Anmerfung auf S. 87/38, worin er öffentlich unb förm» lieh ben Sunfdj auSbrücft, bah irgenb eine ^ilofop^tfc^e gafultät fich burdj eine Weihe afabemifcher ©teiSauSfdjreiben um bie görberung moralifcher Stubien oerbient machen möge. (Er bringt gu» nöchft bie grage in Sorfchlag: „Selche gingergeige giebt bie Spradjtoiffenfchaft, inSbefonbere bie etpmologifdje gorfdjung, für bie (Entmicflungögefctjichte ber mo« ralifchen ©egriffe?" Sabei rechnet er nicht bloh auf baö 3«tereffe ber ©h^ 0 ' logen, #iftorifer unb 8eruf8*©hiIofophen, fonbern auch auf bie Teilnahme ber ©hhfiotogen unb SRebiginer gut (Erfor» fchung ber moralifdjen ©robteme, wogu fein neues ©uöd^fiten). Streber* unb ©ucfet* tum, Speidjellecferei, Sdjwcifwebelei, bie ben t. T. Stachtgefdjirren ihre patentierte fcochadjtung bezeugt, ftaßbuctelei — Sflge, Heuchelei hoben einen erbitterten unb ge« föhrtidjen, weil mutigen, oon ffialjr heit unb Stecht erfüllten Segnet in Spielberg. Spiel* berg fagt bie ©ahrt)eit rütffic^tSIo« unb rücfljaltloS. Unb leiber ift eS ja baS größte ßob, was man einem ©enfdjen fagen Tann — wenn man anerfennt, baß er wahr ift. ©ahtheit Tann man mit ber Saterne fudjen unb finbet fie in biefer ©eit ber ftomöbie hpch nur bei UuSerwöhlten. ©it bem „©enfdjen* 3beal" fönnen wir in eingelnenfßunTten abfolut nicht flbereinftimmen. Spielberg bezeugt ber ftunft eine gu große ©iß* adjtung, aOerbingS, bie ftunft, bie wir bis jept gehabt — ift nicht einen Dred wert — aber jeßt hoben wir ja in ber Sitteratur einen Solo, einen ttonrab, Bteibtreu, Äreßer, einen DoßojewsTi — in ber ©ußT einen Sticfjarb ©agner — auch bie ©alerei fchließt fich ber frifdj« fröhlichen realiftifchen Stiftung an — wir hoben alfo wieber eine Äunft — eine Äunß, bie eS wahrlich toert ift, hoch geachtet gu werben — benn fte trögt ja gut Cerwirflichung beS non Spielberg erfehnten 3fbeaI8 bei. Cr erblidt jeboch in ber JTunft nur ein $inbernis ber StüdTeljr gut Statur — felbftrebenb hot er recht, fo lange er bie patentierten $of» poeten, bie fujmnen* unb ÄrönungS* marfch * Äompouißen, bie f>eiligenfdjein* ©aler meint. — Unrecht, großes Un* recht aber, wenn er unfere eble, freie Ihtnft berunglimpfen will. ©aS er ftber dürften, Diplomaten, ©anbarinentnm unb SeiftlidjTeit fagt, ift meift trefflich wahr. Sr fegiert baS uns Unnötige unb Sdjöbtidje mit genialer Birtu ofttöt — el ftehet Por unS ba, alles fatfchen StangeS unb DheaterfchimmerS entfleibet, in feiner erbörmlichen Stadtljeit unb ftoßl* heit; ho ift er fich einer Sefahr nicht bewußt ge« worben. .Der ungebilbete Sefer wirb hin bie Srengen, bie ber Sebilbete unb Spiel« berg fetbft gezogen hoben will, nicht gießen. Söße wie „Du Tannft burch Un« ehrlichTeit gum ehrlichen ©onne werben. Du Tannft burch Staub gum höchften Un* fehen gelangen" — ftnb boch nur mit Bor« beßalt aufguneljmen — ober „Uuf einen Staubmorb Tommt'S nicht an — wenn Du tob, gilt eS fo Piel wie ein Stofen* ftflber" — baS fhtb Söße, bie ben Traffeften SgoiSmuS prebigen — bie ber Sebilbete wohl gu wfirbigen oerfteljt — weil er beten ironifdjen Stebenfitra er« Tennt! Stimmt fie ber Ungebilbete in fein ÄBC auf, wirb fich ©pielbergS Sfbeal nie Perwirflichen. Spielberg hot oftmals leinen größeren Snob als fich felbft — er legt feinen 3been einen §emm« fchuh an, er weiß wohl — was er meint, bie große ©affe wirb feine ©orte nach* empfinben — nicht ben 3nljalt, ben Seift biefer ©orte. 3m „ftampf gegen bie befteljenbe Crbnung" entwirft Spielberg ein PöOigeS SebenSprogramm. grüßte er in ben beiben anbern Schriften auf ben mobernen, fogiaten fragen, fo bafiert er f)in ooS unb gang auf Stouffeau. — ©aS er h* er empfiehlt unb Perteibigt hat ftch teilweife in UmeriTa bereits reali« fiert unb gwar in ber 0ueiba*Semeinbe, fogar teilweife im ©ormonentum. feiet will er nnr ©enfeh ohne Unterfdjieb fein, ein Stieb ber großen, allgewaltigen Sta« tut — nnr in ißt unb für fte leben. DaS iß fo weit gang gut — Statur iß baS BoKTommenße ber ©eit beatna ille qui procul negotiis — glfictlich ber ©ann, ber frei in ber Statur leben Tann — aber bie rüdljaltlofe Bermerfung ber Jtunß unb ©iffenfdjaft Pon ben fultn* teilen ffrortfeßritten iß eS, bie baS meiß fo oortreffUdje Programm einfeitig macht Die ©enfehheit ßeht auf einer Stufe, bie gur Degeneration führt — baS iß un« Ätitif. 1163 leugbar — aber biefe Degeneration mürbe bef cplennigt merben, menn atte^been Spiel- bergb fidf Dermirflicpten. Das ffrroeden beb Familienfinnb — baS Geben in unb für bie Familie, baS iß ein fdjöner, ebler Sebanfe, ben ich nebenbei bemerft in meinem Vornan „Iriftan" in ähnlichem Sinne aubgefprocpen — aber bie Döüige fRüdfepr in bab ÜRaturleben? — 9iein — ber moberne TOenfcp brandet gemiffe Bequemtccpteit, gemiffen SujuS — fcpon im 3«tereffe feiner ^ämorrhoiben. — Drop ifjrer Errungen ftnb SpielbergS Bücher märmftenS gu empfehlen. Sie enthalten einen unenblicfj eblen, mobern fogtalen ftern. Sin jeber Sefet mirb fiep erhoben nnb geftärft fühlen nach Seftüre ber ©fiepet, im Bewufjtfein, bafj eb noch wahre Sännet giebt, bie für Stecht nnb Freiheit ber Senfepheit fämpfen. Spiel* bergb Schriften gehören gut Äategorie ber „Berbotenen". — Das feiert ihnen bie weitere Berbreitung, bie man im 3n- tereffe ber Allgemeinheit nur bringenbft mfinfehen tann. $anb non Bafebom. ©etbfib Geben unb Serfe. Bon Älejanber ftifcher. (Eingeffiptt non SRaurub 3<5lai. ßeipgtg, SS. fjriebrich- Ach, biefer ©etöfi war auch fo (Einer! Sticht in biefer ier Sbfd)nitten bab Sehen beb eblen ©fätthrer« bet beutfchen Ra¬ tion; bie etfte Sbteilung umfaßt feine Kinber» unb 3uflenbjafjre bi« gu feinet im Saßte 1868 erfolgten Sermäljlung mit bet ©ringeffin ©iftoria oon (Eng* lonb; bie gweite Abteilung befdjäftigt fich mit bem geitabfchuitte Dom Satire 1868 bib 1870, in welchem bie ©roflamation beb ©eutfcfjen Kaiferreicheb erfolgte, ©ie btitte Abteilung führt nnb ben Krön« bring beb beutfdjen SReidjeb bib gum lobe Kaifer SBilljetmb I. oor. Sn ber oietten Abteilung enblidj wirb bie furge {Regie* rungbgeit beb ©tarnte« eingehenb ge« fdjilbert, welcher in fich alle Xugenben Dereinte, bie fein Soll hätten beglflden müffen. ©et Snljang bringt ©tofla* mationen unb (Erläffe beb Äaiferb, ©tiefe nnb Zelegtamme bet ftaiferin. ©ab ©udj, beffen wir hin (Erwähnung tljun, gehört fichet nicht gu ben (Eintagsfliegen r bie auftauchen, um albbalb wiebet gu Der« fdjwinben; eb wirb auch noch fänftigen (Benetationen ein intereffanter hiftorifchet Seitfaben bleiben, welcher ihnen Suffäluß geben fann, über bab Seben unb SBirfen eineb ©lanneb, bet ein beffeteb Sob Der« bient hätte, alb jene«, welche« bab Sdjid« fal ihm befchieben. Th. ©ie ^ipgietne bet Siebe bonfßanl ©tantegagga. Stach bet oietten Auflage anbbem Statienifdjen. (Eingig autorijiette beutfche Subgabe. 3«na, (B. (Eoftenobte. (Eb ift fein geringe« ©erbienft bet rühmlich befannten Senenfer Setlagb« hanblung, bem beutfchen ©ublifum nach unb nach bie in Stalien epochemachen« ben Schriften beb fühnen Florentiner Schtiftfletterb unb grotfchetb ©tantegagga in guten Überfettungen gngänglich gn machen. ©tantegagga — ein ©tann in Smt unb SBürben: et ift ©tofeffor bet Sntljropologie unb Senator beb König« reich« — hat in beutfchen Sanben feinen Kollegen, bet eb ihm in feiner (Battnng Don SchviftffeDerei guoot thun fönnte; et hat auch in feinet $eimat feinen, bet ihn barin überträfe. (Ein Spradjfünftler erften fRangb, ein Steiftet feinet nnb Dolfbtümlichet ©atfteüungbweife. Der« binbet et mit bem bornehmen (Befühle beb ©idjterb bie Unerfchrodenheit beb ©enterb unb Forfcherb. Su feinem berühmten ffierfe „©hb* fiologie bet Siebe* bilbet bab ootliegenbe ©uch bab Seitenftüd. SSir wollen unb feine ärgttidje ©efugnib anmaßen nnb bem Urteile beb patentierten ©tebigin« manne« fibetlaffen, wab in biefem feit« famen ©udje „§i|gieine ber Siebe* ©te« biginmännifcheb ift. Unb gehört nur bie fchtiftftelletifihe Seiftung nnb bie gut beutfchen Subgabe Dom ©erfaffer befon* bet« gefchtiebene ©orrebe ,,©ie Scham« haftigfeit in bet ÜBiffenfdjaft*. ©ie Sbfertigung bet .berfdjämten? unb bet „heudjlerifchen* Sefet, bie nnb ©eutfchen ber italienifche Schriftleiter alb (Baftgefcheuf fpeubet, gehört gnm SSergtängenbften, wab wir feithet oon ©tantegagga gelefen. ©eim 3 eu «» fo fpridjt ein ©fann, in welchem fleh at> tifche Feinheit, gefunber italifdjer ©len« fchenoerftanb unb fonnige Fteiheitbliebe beb mobernen ©enterb auf« (Blfidtidjfte Dereinen; fo fchreibt ein SchtiftfteDet, bet ftch nie gum Sateien ber fogenannten .öffentlichen ©feinung* herabgewütbigt hat, fonbetn ftetb bab $aupt ftolg et« hoben trägt gegen ©otntteil unb $en« d^elei! Unb wab et fpricht nnb fchreibt, mögen ftch bie großen unb fleinen lat» tflffe biebfeitb nnb jenfeit« bet Slpen gejagt fein laffen. ©enn auch jenfeitb bet Slpen, im freien Sanbe Stalia, wo man ben griechifdjtn Statuen noch feine Äritif. 1165 bleiernen fteigenblfttter umfängt, erljob fidf ein Sturm ber (Entrüftung gegen Kantegagga, alb feine „hbgieine ber Siebe* erfdjien. (Ei, ei, ein fo berühmter Shriftfteder, ein fo beliebter ©rofeffor, ein Kitglieb ber erften fiammer beb Äönigteidjed — unb ein folhed ®udj! SBie fann ftc^ ber Kann fo weit ber» irren! Unb er Ijat’ö bod) aud) gar nidjt nötig, würbe g. 9. Seine $o$wflrben ber Sitteratur-Sittenprebiger 3. ®. ffiib» mann vom ©erner ©unb in abgrfinb« lieber ffieidljeit beifügen: er $at’b gar nidjt nötig, ben 8btrittögruben«8Mumer ober „©adjtfönig* ber berliebten unb Iie> bedfranfen Kenfdjljeit gu machen, er l)at ja gu leben alb ©rofeffor unb Senator, er fod bab fhmuptge ©efdjüft ben Seu» ten, bie wie Sola, donrab u. f. w. babon leben mflffen, fiberlaffen!! ©atürlid), ber ©ienft ber Soweit unb ber edjten Humanität, ber nidft mit bem ftleifter« topf frommer Sögen kontiert, ift ein „fhmupiged ©efdjäft* für bieje fhein» ^eiligen Bionäroädfter, für biefe fdjielen« ben adedbefferwiffer, benen bab (Erlennt« nibbermögen ober bie d^rli^teit nid)t audreidjt gut (Etfaffung ber ©fiatfadje, baff bie nadte SBaljrljeit fhamljafter ift, alb bie $albber$üdte Sßa^r^ett ber tafuiftiföen Siebriandwirtfdjaft unferer ebenfo furdjtfamen wie fredjen Schein« fnltur! Unb wenn nun foldfe ©flher, wie Kantegaggad „hpgieine ber Siebe*, Jeden Kuted in bie burhfeudjte ffielt treten, fo finb bie 28ortfüf|ter unb jour* naliftifdfen Seitlfammel rafdj beim 3eug: fie fritifteren nidjt, fie befdjintpfen! ?ld), wenn biefe ©efdjimpfungbbirtuo* fitöt fo biel ©eljirnfhmalg loftete, Wie bab ÄuffteDen ernfter, fjöperet ©efidjtd« punlte in Äunft unb SBiffenfdjaft, Wie bab dinfdjlagen neuer, gefährlicher ©fabe in ber Sforfchung unb $iaften Shriftftederart Kantegagjab gu geben, fepen wir ben Sdjlufiabfhnitt feiner Haffifdjen ©orrebe wörtlid) her: „heilige unb gefegnete Sdjotten ©rie« henlanbd! Steigt auf, um biefen trü» ben, ftintigen ©ebel ber $euhelei j U gerteilen, weihet und ade einljüdt unb gu gleicher 3eit nah ©orbell unb Safriftei rieht; bertreibt mit ben pei» teren unb warmen Strahlen (Eurer äftpetif biefen giftigen Shtmmel, weihet in ben tiefen Spalten einer falfhen unb oer* berbten ©ilbung wudjert. ©eilt und, 3{jr ©riehen, (Euere leufhe unb heilige ©adtljeit mit, bie ©adtljeit ber mebigSi« fhen ©enud; befreit unfer ftleifdj bon ader Shminfe, adern 3tmid, aden Sum> pen ber taufenb unb einen heudjelei unb ftedt und nadt bor bie Sonne, bor jene Sonne, weihe jeben Korgen ewig jung auffteigt, um und Seib unb Seele gu lieblofen; weihe ed berfdjmäl)t, in jene ©iefen pinabgufteigen, wo nur Shinimel geheimen fann, wo in frampfbaftem ©e* 44 Vol. 4/2 1166 Sritif. luimmet bie fallen Ougenbrn, bie ftanf- haften SoDüftc unfereb Sahrhunbertb gApren.* Oab genügt, nicht tvahr? Sn ba« TOebiginifdje f)abrn wir und, nie gefagt, nidjt eingumifdjen. über bab foD auäbrücfltd) Ijeroorgetjoben nerben, baß bab Such burdjroeg in allen ©t bloß einer fdjriftftel* letifdjen Seiftung erften Slang«, fonbetn auch einer tiefgrünblidjen, ernften roiffen» fdjaftlidjen ürbeit macht! TOöge c« ©e« gen ftiften! TO. <8. Conrab. Öfterreidjif djer Salenberver* lag. Saum baß bie erften ninterlidjen 31öden gur (Erbe nirbeln, ba fommen fie un« alljährlich in« $aub geflattert bie fidjtbaren SBaljrgeidjen ber 3afjre«iteige, bie Salenberbfidjer. Jg»ier fachmijfen« fdjaftlidje al« unentbehrliche Stacfjfchlage« bfidjer für rooljl naljegu jebe ©erufbart, bort beleßrenb unterljattliche für alle Sreife ber Familie, neben piunfboS aubgeftatteten ©alonbfldjleinb bab einfache Sirtfdjaftbbuch für ben täglichen §aub« bebarf, fo liegen fie ftoßmeife bor nnb aufgefdjidjtet. üuf bem ©ebiete beb ftfterrcidjifchen Satenberverlageb nehmen eine fogufagen aüeinherrfdjenbe Stadjt* ftellung bie firmen Carl fromme nnb TOorig ©erleb ein, erftere, feit 1748 befteljenb, in verbientem TOaße, (entere noljl nur in fefjr aufgebaufchter Seife. (Eine maljre Jpodjflut nflplicher |>anb* nnb Sladjfdjlagebücfjcr für aüe ©erufb* gneige ber ©efeüfdjaft fenben beibe Sinnen in bie Seit, juribifdje unb mebiginifdje, päbagogtfdje unb tee^nifc^e, forftmiffen« fdjaftlidje unb öfonomtfche, ©efdjäftbnotig» Salenber unb Salenber für bie elegante Seit, »olfb« unb ©efdjäftbaubfunftb« falenber, einfache ©lodb* unb giertidje ©ottemonnaiefalenber, aber nenn nir bei ben aub fromme« ©erlag ftam« menben unb an ber nebft gebiegenfter ©ebigierung trefflichen üubftattung er« freuen, ftaunra mir bei benfßerleb’fchen über bie hö bibliotljef* erfchienen foeben „Sehrbuch be« Teutfchen litterarifchen, fünft« lerifdjen unb gemerblichen Urhe» berrecht«. Pon Dr. p. Tanbe, ein für Schriftftetter mie Perleger gleich mistiger Satgeber. Söfar 9tftfald in Äöln h ot bie benlmfirbige Sebe, bie $flrft PiSmard am 6. 3ebr. 1888 im beutfehen Seid)«* tage gehalten hot, jambifd) frei bearbeitet unb mit Porroort unb (Einleitung Derfehen in S. Don Teder« Perlag in Perlin er* fdjeinen taffen. Ta« Dornehm auSgeftat* tete $eft ift mit bem Pilbe be« Seid)«* fangler« gefchmüdt. Som unb bie Sömer Don 9triftibe ©abelti. 9tu« bem 3talieniferauSgegeben unb eingeleitet Don ©bmunb S. Seibt. (TreSben, ©. Heinrich-) Satur gef Richte beSmeifjenSlla* Den Don Tin*te«homartfe. 9lu« bem ©hinefifdjen fiberfept Don Äarl Sein* harbt (fünfte 9tuflage, umgearbeitet unb ergingt Don 5. Srane Schmiemig. (Perlag Don Seinholb SBertljer in Seipgig.) ©ine gelungene Satire auf ben dmang unb bie ©nge unfrer fogialen Perhält* niffe unb 9tnfchauungen. ^raujlfifche Citteraü». „Etudcs sur la France contem- poraine“ Don ®. Senatb. (Pari«, Stlbert SaDine.) Tiefe« Dor Äurgent erfchienene Puch be« Profeffor« für frangöftfdje Sprache unb fiitteratur an ber 9llabemie gu Sau* fanne mürbe Don ber frangöfifdjen Äritif, fo meit fie mir gu ©efcchte lam, fehr günftig befprochen. Ten Inhalt bilben brei 9tuffüpe: 1. Ter SaturaliSmu«, 2. brr ©influfi Teutfchlanb« auf ffranlreich Don 1870 bi« 1885, 3. ber SogialiSmu« in Jranfreich, Don benen bie beiben erften, mie au« ber mibmettben Porrebe an Ptabame ©bmoub 9lbam beroorgeht, früher in ber „Nou- veile revue“ üetöffentlidjt mürben. Ter britte, um ihm furg Dormeggunehmen, mill nicht mehr fein al« eine umfaffenbe, flare TarfteKung ber einzelnen fogiati* ftifchen Theorien unb Strdmungen, mie fie gegenmürtig in granfteich nebeneinanber hergehen; ber Perfaffer nimmt meiter nicht Stellung gur tfrage, übt meber Äritif, noch Polemil. ftrittf. 1169 SWeht Sntereffe für unS ljat ber erfte Huffab, um fo ment al« beuteuben (Epoche, fo hat er jwei Kege; ift er eine unfelbftänbige Natur, fo Wan- belt er auf bem alten ©eleife weiter, ift er ein unabhängiger ßharafter, fo -Will er um jeben ©reis originell fein; er greift (flhn baS ©egenteil von ber Denbenj auf, welche bisher bie f)trt\d)enbt war!* So alfo entftanb auS bei i '-antisme“ $ugoS, NhtffetS u. f. u *u:eh Neaftion 1170 «rttif. bet fReolfSmu« nuferer läget Set $etr ©erfaffer meint demnach ffiet, ba| bie gewaltige realifHfdje ©ewegung unb ihr Sieg lebiglich bem ©euernngbbebflrfni« HUfner äRänuer entfprang; ba« Reifet tief greifen, bie Sache im Äern erfaffen! Sen $errn Sola mag ba« aOerbiug« gefipelt hoben. Sbet — bet 9teali8mn8 fe|t ben 9tomanti«mu« and) fott, befonbet« inbem et ben gleiten ©effimi«mu« gunt Sn«» btud bringt. Est-ce que Hasset n’a point soaffert et crid sons l’dtreinte de cette maladie qu’il ddnonce comme le mal du sidcle?“ Sber, mein berehrtefier $ett ©rofeffor, hoben Sie benn gat feinen Stimmet babon, ba| Solo« ©effi« mi8mu8 gang wa« anbete8 ift aI8 bet SRuffet«? Set romantisme oerfdjwanb, bet rda- lisme wirb auch wiebet abfommen, benn „tout systime, qu’il soit politique oa littdraire, a autant, sinon plus, ä craindre de luimöme que de ses ennemis.“ Sb« gefehen babon, ba| fRenarb i)ier ba8 ©rin* gip mit ben ©ertretem be8fetben bet« wedifett — eigentümlich, ba| bet SReali«» mu8, bet „comme toate Chose porte en soi le gerne de sa ddcadence,“ feit ben Seiten $omer« noch immet lebt! „La littdrature“ — h«§t e« im nädj» ften Kapitel — „comme toujours, suit le moavement qui entralne la socidtd;“ ba8 ift gwar nicht gang richtig, man mfi|te benn „SJlobe* mit „Seitftrömung* iben» tifigieten; hoch Will ich ba8 al8 hier neben« fddjtich übergehen. Sie Seitftrömung ift nur bemoftatifdj — „c’est alors que le roman, ce geure populaire par excellence, commence h sentir l’odeur du peuple, ä camper en pleine lumidre de Trais ouv- riers, ä reproduire le langage cru et violent de la rue et de l’atelier.“ SSelche Siefe! ba8 heilt philofohhifd)« Sitteratur* gefauptfraft ©ratefiß ftedt freilitb im Detail, man ift wäbrenb beß Cefenß ftbon buttb bie gragiöfe toßfanifcbe Sprache bauernb gefeffelt, aber alß ©rgäbler »er« ftebt er baß fcbwierige Problem, baß Sdjidfal ber banbelnben ©erfonen burtb ihren Ebarafter, ibr $anbeln gu moti» nieten, bem (Sangen einen Togifcb*not« wenbigen Stbfdjlufc gu geben, niumor be« ginnt, unb baS tragifibe ©nbe ni ft »fit gegangen unb hat in ®egenfchriften ©iberfpruch er- fahren. Badjbem er Bubeld Berfe, bann bie Don Uhfanb unb $eine in herrliche ©rofa übertragen hot, fingt er und fetbft bad lepte Siebedabenteuer bed Winne* fängerd in feiner ®eife oor. Bad) lan¬ gem Schweigen ein Tdftliched Sieb Dom 3aufr4 Bubel. Allen, bie Don bem glän- genben 3ubilfium in Bologna hörten, wirb auch belannt fein, wie Earbucci bie Feftrebe übertragen würbe. ®ie er in „Lo Studio di Bologna“ in gebrängter Form bie ©efchidjte ber Stabt, ber Uni» Derfitflt entwidelt, auf wenigen Seiten ein flared prächtiges Bilb. SBie er bann Doch erften ffliebererwachen Qtaliend im Wittelalter, ber ©iebergeburt bed römi- fchen ©echt? in Bologna beginnenb, bad alte ©ort: Alle ©ege führen nach Born — auch auf bie lepte Erhebung unb Be¬ freiung 3tatiend überträgt unb an ben weitumfaffenben Bücfblicf neue Hoffnun¬ gen für bie 3ufoiift fnüpft. ©ettp Sacobfon. üpanifch« (ittevatur. Sie Eatalanen finb jept in Spanien bie Söwen ber ©aifon. ADed, Don ber Ilu- stracidn espafiola y americana bid gut Epoca, Don Castelar bid gu Cännvaa del Castillo, feiert Barcelona ald bie Stabt ber ©eltaudfteHung unb ber Sichter, bed ©af- fenglanged unb ber Arbeit, ald bie Stabt, bie unter ihren foubetänen ©rafen ihre Unabhängigfeit Derteibigt, unter Sanria ftch Buljm in ber Ferne erworben, für ihre Freiheiten unter Fühtung Don Eiarid unb Serratlonga gefämpft unb ald Bi« Dalin Don ©enua unb Benebig ihre Herrfdjaft über bad Wittellänbifche Weer behauptet, in beffen ©affent bie glän- genbften Eibilifationen fleh fpiegelten. 3m Ateneo Don Barcelona hat un» längft Eaftelar mit ber ihm eigentüm¬ lichen Begeifterung ber catalanifchen j Sitteratur bad ©ort gerebet, bie fepon i im 18. unb 14. 3<>h r h un bert burdj ihre ■ bie Ergeugniffe Don Ftanfreich unb 3ta- i tien flbertreffenben ©rofa werfe fich aud» ! geichnete unb nur bie Sprache Alfonfod X. j in feinen wunberbaren Büchern gurBe- ! benbuhlerin hatte. i Sie catalanifehe Sitteratur bed 18. j 3ah?hunbertd, fei fte nun in eatatanifcher j ober cafHtianifcher Sprache gefchrieben, i ift eine echt fpanifdje. Sin Satalane, Eap- | manp, h Q t ber fpanifchen Berebtfamfeit i ein Senfmal gefept; ein Eatalane, Ari- | bau, h°t bie erfte coleccidn de autores caatellanos h«audgegeben; gwei Eata¬ lanen, ©arcerifa unb ©iferrer, haben bie Senfmäler Spaniend gur SarfteDung gebracht unb bamit bie Bationaleinpeit in ber ffunft bewiefen, wäfjrenb ein an- berer Eatalane, Mild y Font&n&ls, bie Berwanbtfchaft bed caftilianifchen roman- cero mit bem catalanifchen geigte. Sie ©flege ber catalanifchen Sitteratur thnt ber fpanifchen Bationateinheit feinen Ab- ' bruch, für bie Eatalanien in ben Navas de Tolosa, in ber vega Don ©ranaba, in Sepanto, in ben Unabhängigfeitdfrie- gen, in Afrifa unb Euba gefochten. Sie catalanifehe Sprache ift eine wahre Be¬ reicherung ber caftilianifchen; bie cata» tanifche Sitteratur, bie in unferm 3ah** hunbert neu erblüht unb an ber ©eidliche, wie Berbagudr, EoOeH unb laronjt per« Dorragenben Anteil genommen, ift eine 3ierbe ber fpanifchen Sitteratur. Aid Weifter ber catalanifchen Sprit ift ber Bebafteur ber „Benai- firitif. 1175 censa“ Don Barcelona, Angel Gui- merÄ, pernorgetreten. Seine Boefien, welche bie 3«t bon 1870 bis 1887 um» faffen, finb in einem Stacptbanb non Dollenbeter Sdjönpeit Oereint (Barcelona, 3oan SümiratI, 1887), ber ju jebem biefer eigenartigen ©ebidjte Oorjflglicpe ftim« mungd» unb ftilDoße Silber, halb non bem catalanifdjen ftünftler 3.8. ScHicer, halb non bem Katalanen 91. 3abrdd, bringt. ® ni merü ift ber ©cpegarah ber Sptif, benn aucp fein Selb ift bad ©rog* artige, bad Bpantaftifcpe, bad Unpeimlicp» frauenhafte, tnie in Sürgerd Satlabe „Senore"; er ift auch ber Nunez de Arce ber catalanifchen $oefie, benn auch feine Seiet h»! eherne Saiten, bie in allen fpanifcpen §erjen wiebertlingen. ©enige Berfe genügen feiner ©eifterpanb, um und ergreifenbe Silber Dor bie Seele ju ftetten. Sr ift Äünftler burch unb burcp: Bpilofoppie unb Dogmen bienen ihm nur jum fünftlerifchen Stoff, tnie weicped ffiachd formt fich ihn» für ben ©ebanfen bad ffiort; er finbet für 0üed bad pla» ftifdje Silb unb bie ^farbe, für bie Sagen bed ©ittelalterd wie für bie tleinften ©njelpeiten unb Srinnerungen feined eignen Sehend, unb ebenfo bie ©jenen non 3ubüa tnie bie piftorifdpen Spifoben Oon ägppten führt er in fünftlerifcpem Staturalidmud, mit bem ftudbrud ber ©aprpeii, hoch ftetd ohne profaifche Stob» heit und Dor. Sinjig in ber ganjcn fpanifcpen Sit» teratur ift bad ©ebicpt: Jesüs al cel (3efud im §immel). fßamenlofe Sitterfeit über bie menfchliche ©emeinpeit gegen» über bem Opfer eined ©otted bet Siebe hat b^r ber Dichter auf ben Sippen, unb ber Scpluggebanfe, ber ftatt ber Särtlicpfeit unb Demut bie fcerrfcpfucpt unb ben fßomp ald bad befte ©ittel, um über bie ©enfcpen ju regieren, empfehlt, ift non gewaltiger Ifraft. 3um flagenben (Epriftud fpricpt ©ott Sater, inbem er feinen Sohn jept in anberer ©eftalt §ur ®rbe jurüdfepren lügt: Sur «Belt, mein Sotjn, noct) einmal »ieberfrbre, Dodj nid)t Bott Demut, {ei all $err ertannt! Der ÄSn’gt CSnig gdj, um* $aupt, Da« pepre, Sdjlmg’ breimal golfe’tte* öanb! Dtftgft Du im Durpur auf ber StB’ erf(Seinen, Die, weil Du arm unb rinfad), Dir nidjt glaubt. 9tit teriegeimaffen wappne Du bie Deinen, Unb 3 eher grfigt Dept $aupt! 8a§ Utibtaudj brennen Dir unb lad Dein lieben Stet« in ber $ut oon JRob unb fKeif’gen fein. Dann fft bie gange Dienftbbeit Dir ergeben Unb »fit bie ftfifte Deinl 3ept ift ber Same ©uimerä in 011er ©unbe. 3eboer 27lonatsfd{rtft „<ßefellfd}aft".) «■ 1888. $eft i—6 ( 3 lptil—^eptem&et). Cdp3ig. 7«r(ag #ou £PiC$«Cm ^ri«brt$ «. 8. Qoffca4)t)dnb(K. gn$affsi>etseid)ni$ Sette Hlberti, Conrab, ©er ©entfe|e unb ba* ©udj. 5 Cicero ober ©arwin?.817 Ctne Sgmufcfdjrift gegen ©einrieh ©eine.818 ©afeboto, ©. Don, eine Strettfdjrift gegen ben Keali*mu*.186 ©leibtren, ftarl^Jtealibmue unb Katurmiffenfehaft. 1 Kuffaffnng bet Siebe unb gufunfttyoefie.897 öraufemetter, <£., ©enrif 3bfen (1888—1888). 888 ©araf>*!b, S., ©enjamin ©icuna SRaefemta.80 etnfi, Otto, ©ie ©efc^lec^tsliebe unb ihre litterarifehe ©ebentnng .... 168 Siebter, SB m., ein foanifeljer 8olf*biehter..846 ©artmig, Kicharb ooj r ©arf man eine ©ichtung oom Stanbfronft ber ge« feltfehafttidjen HRoral au* beurteilen.18 JEritif, Unfere litterarifehe. L 3* 9. Sinbel, Sie bie ©tfttter für litterarifehe Unterhaltung rejenfieteit.87 IL 91. 9. Conrab, Sie bie „©eutfdje Kenne* ihre fritifehe Aufgabe erfüllt .864 UL 9?. 9. Conrab, ein Oerfpüteter ©rief an bie „Sdjlefifehe Bettung" 411 Seift, ®rthur r -0imon Kabfon.88 Sienharb, Srih, Deformation ber Sitteratur. 146, 884 9lanerhof, emil, ©ie Süge in ber ©iehtung. ©ritlbarjer.889 Kitfehmann, ©einrieh, ein Sort über metrifehe llberfefeungen . . . f 888 ©ehafheitlin, Äbolf, ein „Enfant terrible“ ber ©po*biehtung in Italien . 77 ©ehrnibt, ©ant, ©ie Bufunft ber beutfehen ©iehtung.66 Stimme, (Eine, be* Ku*lanbe* über ben beutfehen Keali*mu* .... 180 Senier*, Älfreb, einige* über ©ranmor. 886, 897 See Sitteratnr. Bibtiot^ef ber ©efamtlitteratnr . . . . BiBlifd)«romantif$e ©enfationitttteratnr . DieRnngen unb 8$rit. Drama . . . .. grauenfrage. 3fbfen*Sitteratur. ftrieg8roiffenf$aft. SitterarliiftoriföeS. Sljrif ber $a(btoett. JJfjttofobljie. Romane unb RobeOen. @bra<$toiffenf<$aft. überfefcungSlitteratur. Betriebenes . . b) RuSMnbiföe Sitteratnr. Rrmenifdje Sitteratnr. ©öijmifdje Sitteratnr. (fttglifäe Sitteratnr. granjdfiföe Sitteratnr. §ellenifd}e Sitteratnr. gtatienifdje Sitteratnr. Rotnifdje Sitteratnr. Rolnijd&e Sitteratnr im Rnilanbe . . . $ortngiefif$e Sitteratnr. Ruffifdje Sitteratnr. Rntijenifdje Sitteratnr. 6lanbina»ifd}e Sitteratnr. ©t>anif<$e Sitteratnr. Ungartfdje Sitteratur. . 48 .84 . . . 114, 198, 196, 840 ... 89, 118, 196, 848 .119 .44 .47 .846 .117 .968 80, 109, 189, 967, 887, 414 .181 . 69, 906 48, 196, 901, 967, 369, 419 .814 . 60, 916, 867 . 68, 184, 909, 988, 487 64, 197, 908, 969, 866, 498 . 188, 991 . 66, 186, 984, 860, 489 . 69, 919, 987, 868, 444 .60 . 141, 918, 990, 866, 449 . 186, 977, 859 .189 ... 61, 140, 986, 488 .368 . 67, 149, 440 ©tarn nhsij jDaruri« 4 ? Pon <£onrab 2llberti. (23frfin.) hie&e '-Bücher nach ßeipjig trogen, wenn inan fieute bic X^otfac^c noch ausführlich erörtern wollte, bafj alle ^(nfc^auungen unferer 3eü in einem gewaltigen UmfchmeljungSprojeffe begriffen finb, unb bafc bie mobeme Siotnrwiffenfc^oft baS geuer ift, WeldjeS unfer ganjeS ßeben unb Senfen burchglüf)t. gebe 3cit hat ihre geiftige $i$jiplin, welche ihr ge* famteS ®enfen unb ßeben bc^errfcf)t, unb fo fpinnt jefct auch bie SRatur* miffenfdjaft ihre gäben um fünft, ^olitif, fojiale unb fultureöe Süerljältniffe. @3 ift barum ganj natürlich, bafs fie ifjre f>errfchaft fo ftarf als möglich befeftigt, bafj fie fiel) in ben ^perjen ber ((eranwac^fenben (Generation feft* fefcen will, unb bafj eS barum if)r Ijauptfäcfilicljeö SBeftreben ift, aud) bie ©djule in ihre (Gewalt ja befommen. ©ine gänjlidje Umgeftaltung beS Unterrichte unb ber ©r,yef)ung wirb ton ihren Vertretern berlnngt. Slber obgleich hiefe Örage fd)on feit fahren in ber ^reffe unb in ein* flHfjreichen Greifen auf baS ßebhaftefte erwogen unb Don allen ©eiten be* tradftet wirb, fo h at fie hie grofje SDlaffe bod) eigentlich nod) nid)t auf* gerührt. *3)iefe ftel)t ihr nod) jiemlid) teilnal)mlo§ gegenüber unb hört allen SluSeinanberfefcungen unb Debatten oor ber Öffentlidjfeit mit einem ge* 45 Vol. 4/2 218 Klbetli. Kiffen ftopff dritteln ju. Xer ©ater beflagt fid) wogl öfter barüber, baff fein 3unge fo niete umtiige unb iiberflüffige Xiitge in ber Sdjule lernen miiffe, bic fo fdjnell al? mögtid) ju Oergeffen feine erfte ©fliegt nad) Abgang Don ber Schule fei. fRicgtSbeftoweniger fdjicft er feinen Sogn nad) toie üor auf ba? ©gtnnafiunt unb lägt ign ben ganjeu ©ilbuitgSgang beSfelben burd)tnad)eu r ob ne fid) an ber Agitation gegen baSfelbe ju beteiligen; beim bie äugeren Vorteile, roeldie biefer ©ilbungSgang bietet, finb nod) immer •\u grog unb ju oerlorfenb. $ier fpricgt ficf) bie ©leidjgiiltigleit ber grogen SRaffe and, bie Abneigung berfelbeit gegen allen Streit auf rein geiftigem ©ebiete, ba? auSfeglieglidje ©erlangen nad) SRuge, bie Xeilitagmlofigfeit an aller (fortentroitfelung be? moberneit hebend, ber f>ag gegen ade? 9teue, foferit bie? nidjt rein tec^nifd)=praftifcTier Srt ift, bie ffurdjt oor jeber ftören= ben Ummäljung, bie ©orliebe für bie alten ausgefallenen ©eleife. Xenu nirgeubs toinmt ba? XräggeitSgefeg im fokalen Sebett fo jur ©eltuug, toie in einem bürgertid)en Staate, in bem ba? Streben itacg bem ffrieben, nad) ruhiger nngeftörter Arbeit ba? gauptfätglidje ©erlangen ift. So fomntt eS, bag bie Unterrid)t?frage in ©efagr fd)»ebt, eine rein fad)lid)e ju merben, bag ba? groge ©roblein, in meinem ©eifte ber Unterrid)t ber 3»tunft ge= leitet toerben foU, fid) ju befcgränteu fdfeiitt auf bie rein tedjnifdje unb Stüglicgfeitsfrage ber guloffung ber Stealfdjulabiturienten jum Stubium ber Sttebijin. Stidit ein Xeil be? ©olle? ftet)t gier gegen ben anbem, toie in ben grogen politifcgen unb fojialen (fragen, bie unfere 3*it bewegen, fon- bem eine ©rofefforenpartei gegen eine anbere. Unb bod) ift gerabe biefe grage bon nidjt geringerer ©ebeutung für nnfer ganje? Seben, für bie 3ufunft unfere? ©olle?. Die (frage ift nid)t: Soll unferer Sugenb an Stelle be? SuSmenbigs lernen? bon (formein unb ©grafen jtoeier toten Spradjen bie lebenbige 5teube an ber lebeubigen Statur eingeprägt merben, ba? flare ©erftänbni? für bie ©orgänge in berfelbeit, eine borbereitenbe ftenntni? be? praftifcgen Seben?, ©erftänbni? ber fojialen unb politifcgeit ©rfegeinungen ber ©egeit= wart? ©onbem fie lautet einfad): Soll für unfere Qugenb ba? fdfulmägige Sefen ber Scgriften C£icero? burcg ba? iiefeit ber ©(grifteit XarWin? unb ber neueren Staturforfcger erfegt merben? 3n feinem auf ber borjägrigen Staturforfdjerberfanunlung in SBie?baben gegoltenen ©ortrage über „9taturforfd)ung unb Scgule", ber in ber ganjeit gebilbeten SEBelt mit 9ted)t ba? grögte Suffegen erregte, gat ©rofeffor ©reger fegt jutreffenb nadggemiefen, bag ber beutfdje SbealismuS, ba? fdjöttfte unb loftbarfte (Erbteil unfere? ©olle?, nidjt ba? minbefte ju tgitn gat mit ber ©gmnnfinlbilbnitg, bag e? eine Sdmlmeifteranmagung ift, menn ©rofefforen Sicero ober Stormi«? 219 bei lateinifcpeu Sprache glauben, bie OueQen unb Brunnen beö ^bealiSmuS gepaßte! ju t)at>eu, bafj eS nicpt notwenbig ift, ocpt bis jepn Stunben wöchentlich bec lateiuifcpen unb bec griecpifcpen ©rammatit ju opfern, um eine ibeale ©runblage beS (SparatterS für baS ßeben ju erhalten. Sor* trefftief)« Überfepungen bringen unS ben ©eift ber alten @d)riften genau fo nope, wie bie Originale, unb unfere alten $elbengebicpte, bie SBerfe ßutperS, ScpiQerS, ©ötpeS unb ©patefpeareS ftnb weit beffere OueQen einer ibealen, bie Seit in ihrer liefe auffaffenben Knfcpauung, als Cicero, öirgil, $oraj. SRidjt ber ^bealiSmuS wirb grofj gezogen auf unferen ©pmnafien, fonbem ber ftult ber fßprafe. 3>a8 ©anje läuft julept hinaus auf ein KuSwenbig? lernen oon fc^ön ftilifierten Lebensarten, unb es ift bie pöcpfte Aufgabe beS lateiuifcpen ÄuffapeS, biefe aus bem 3ufammen^ans $u reifen, in welchem fte an ber UrfprungSfteQe fiepen, unb opne Lücfftcpt auf benfelben wieber jufammenjuftoppeln, gelegentlich eines beliebigen XpemaS, auf welkes fie nicht im minbeften paffen; ber lateinifche Sluffap ift bie Sölüte beS humaniftifchen Unterrichts, in ihm gipfelt berfelbe; bie Lücfficht auf biefe ©lanjleiftung ber ißrima beherrfcht fdjon ben tateinifdjen Unterricht ber ©ejta. Lur jum QmtAt ber Aneignung einer Knjapl lateinifcher ißprafen werben <£iceroS unb (fäfarS Schriften gelefen unb in ben UnterrichtSftunben burchgefprochen. Xiefeiben erwachsenen Schüler, Jünglinge oon achtzehn bis jwanjig fahren, benen eS unmöglich ift, ihre ©ebanlen in Karen, Klappen, einbringtiepen Säpen ihrer SLutterfpracpe mit ffiärme unb ©e» fchicKichteit barjufteQen, foUen bie ölemente, ber gebrechfeiten ißprafeologie beS gewanbten römifchen Äbootaten beherrfchen, beffen oerfchnörfelter $erio= benftil fie eben für eine angemeffene fchriftliche ©epanblung ihrer SRutter* fptache OoQftänbig unfähig macht, ba ber fprachliche ©eift berfeiben ^bem beS ßateinifepen burchauS entgegengefept ift X)er Primaner legt ftd) in einem $efte eine Sammlung an, oon einigen Xupenb auS ben römifchen ©chriftfteQem gezogenen ißprafen, bie nun gelegentlich eines ganj beliebigen XpemaS jur Serwenbung tommen müffen, gleichviel, ob fie bahin paffen ober nicht 2BaS ift nun bie golge einer fotepen oon ben Septem, ben Leitern ber geiftigen LuSbitbung gebiQigten unb anempfopfaten ©ewopnpeit? Xa folcpe SWetpobe bie ©runblage unferer ganzen geiftigen ©ilbung ift, fo gewöhnen bfe ©ebilbeten fiep oon früp an unb bei ben meiften Gingen niept mehr auf baS SBefen ber Sache einjugepen, fonbem bie ©prafe für bie Sacpe felbft ju nepmen, fiep mit berfelben über ben eigentlichen ftern pinroegjufepen. 3« feiner 3eit pat wopl bie $prafe, bie fepöne Lebensart eine folcpe perrfepenbe ©ebeutung gewonnen, wie heute, unb man miifjte 220 «Iberti. bitfe Vüd)er fcf)r eiben, wenn man bie unheitboKen SBirfungen berfeiben auf bie ffintwüfelung unfered gangen Sehend bacfteSen wollte. 3fnbem man bad gange gewaltige ©ebäube ber mobemen SlaturWiffen* fdjaft in bie eine alberne $!jrafe gufammenfaßte, baß ber fötenfd) Dom Äffen abftauune, hat man ber Verbreitung ber großen unb tief einfe^neibenben SBaßrfjeiten berfelben im Volfe auf Sa^re ßinaud bie größten $emmniffe in ben SBeg gelegt. Die leere fßprafe, baß bie SDhifif erfreuen unb be¬ ruhigen foQ, unb baß bad eigentliche SBefen ber SJtufil bie liebliche SRelobie fei, ßat bie Volldtümlichfeit ber SBerfe SHcßarb ffiagnerd, eine ber größten Dhaten bed germanifchen öeniud, Qaljrjehnte lang gehemmt unb aufge* halten. Die Don Daufenben gebantenlod nachgefprocßene Vh ra f«: mit unferen ßlaffifem fei auf Salphunberte ßinaud ber erreichbare §öhepuntt ber beut* fd)en Sitteratur erfliegen, eine ftnfdjauung, gegen bie ftch niemanb eifriger gewehrt hat, ald unfere ftlaffifer felbft in ihren eigenen (Schriften, hat ber (Sntmicfetung ber mobemen Sitteratur, welche bie fßoefie mit gang neuem (deiftedgehalt erfüllte, auf Sahrgeßnte Döttig bie Vaßn Derfperrt. Sitbem man fid) mit ber finblidjen Strafe, bie ©ogiatbemotratie wolle „teilen", hochmütig hinwegfepte, über ben berechtigten ftero ber Anfprücße ber Ar* beiter, wie er nunmehr auch Don ben herrfdjenben Parteien anerfannt ift hat man in ben unteren ftlaffen ben wiitenben §aß gegen fid) felbft nur ge* fteigert unb jene (Siefahr erft gu ihrer heutigen Audbeßnung anwachfen (affen. @o machte unb macht ftch Me Vh tQ fe auf allen (Gebieten unfered mobemen Sehend breit 3n ber Dhat, fie hört ftch gut an, fie fchmeidjett ftch leid)t bent 0h re «n, ffiiner nimmt fie Dom Anbem auf, man plappert fie nach, unb man taufet fid) fomit burch ein paar oberflächliche Sorte über ben eigentlichen ftern jeglidjer Sache hinweg. Stiemanb wirb und ber Übertreibung befchulbigen, wenn wir behaupten, baß foldje gänglicß unbeutfehe Art gum großen Deil ihren ©tunb in unferer humaniftifchen (Ergießung hat. 3ß nun in ber Dl)ät bie Staturwiffenfchaft bad Allheilmittel, welched biefen gehler mit fo Dielen anberen befeitigen Wirb? $aben wir nun nötig, unferer 3ugenb einen anberen Sehrftoff üorgufepen, um aud ihr emfte SRännet unb benlenbe grauen gu machen, gegen bie man folcße Vorwürfe nid)t wirb erheben fönnen? (Ed ift wahr, bie fRaturwiffenfchaft lehrt und, wie ihr SBahlfpruch lautet: bie Urfad)en ber Dinge erfennen. Sie erträgt feine Ißhrafe, feine fd)öne Siebendart, fie ftreift biefelbe mit unDerblmbbarer 9türf)tembeit ab, fie unterfucht bie Vebingungen bed SBerbend, Veftefjend unb Vergehend aller Dinge unb fällt barnad) ihr Urteil über biefelbe. Sie lehrt und, baß biefe fftcero ober Storwin? 221 gange ©rfcpeinungdroelt, in ber mir leben, auf unabänberlicpen Staturgefepen b$ru^t. $atte man und früher gefagt, ba% opne ben Killen (Kotted lein Sperling oom $)acpe falle, fo leprt man und jept, bafj opne bie Nötigung eined Staturgefeped (ein Sperling oom ®acpe auch nur bad (leinfte lröpf= epen auf unferen #ut pernieberfaöen taffen (önne. Unb biefe ©efepe ald Urfacpen aller ©rfepeinungen fuc^t bie Kiffenfcpaft auf möglicpft wenige einheitliche gurütfgufüpren, fie bemüht fief), bad Kalten berfeiben ©efepe auf allen ©ebieten ber ©rfcpeinungdmelt gufammen gu [teilen, bed geiftigeu wie bed materiellen Sehend, unb fuept ben möglicpft (ttrgeften unb einfachsten dudbruef für biefe ©efepe. Seit $erbart oerfucht pat, bie ©runbformen ber ©rfepeinungen bed S)en(end auf wenige maipematifcp* algebraif dje [fov= mein jurüdgufüpten, feit feine Scpüler unb Stacpfolger biefe SRetpobe auf bie ©ebiete ber ftunfttepre, ber ©olldmtrtfcpaft unb japlreicper anberer [fäcper übertragen paben, ift bie Änfdjauungdweife eine allgemeine geworben, Med in ber Kelt taffe fiep auf eine matpematifepe [forme! gurüctfüpren. Stadj ©enebitt fott ja unfer ganged Renten, ©mpftnben, ^»anbeln nur beein« flufjt werben burep ftereometrifepen ©au bed Scpäbetd. ©rpeben wir nun biefe Sfafcpauungdweife gut perrfepenben, gewüpren wir ipr (Einfluß auf ben Unterricpt — wad wirb bie natürliche [folge fein? Kir wollen unfere ftinber aufdiren über bie Wapre ©erfaffung ber Statur. Mer ed wirb in ben Unterricptdjapren unb gegenüber ben noep ungefcpulten (inblicpen ©emütern an 3eit mangeln, bie gange [fülle ber ©rfcpeinungdmelt, biednalpfe berfelben, ben fortfepreitenben ©ang ber Ableitung unb ©inorbnung auf allen ©ebieten ipnen mitguteilen. Kir Werben und begnügen müffen, ipnen bie pauptfücplicpen ©rgebniffe ber ftetig ftep felbft erWeiternben Kiffenfcpaft mitguteilen, fie bie gefunbenen ©efepe unb [formein gu lepren. Än Stelle bed (leinen 3umpt wirb ber (leine ©inner treten, fie werben bie ©rünbe ber $aupterjcpeinungen in ber Kelt in ©ppftt, ©pemie, ©otani( in ©eftalt algebraifcper [formein lernen, an Stelle ber ©enudregeln Werben bie ftriftatl* formen treten, an Stelle ber „oieten Körtet auf id" werben fie bie Sauer« ftoffoerbinbungen mit ipren epemifepen $eicpen audwenbig lernen müffen, unb man wirb bie Siegeln ber ©ptyfif bepufd teiepteren ©epattend in ©erfe bringen, wie bie ber Deltinationen. SRan wirb niept mepr ©prafeotogien anlegen, fonbern $erbarien, niept mepr lateinifepe Huff&pe anfertigen, fonbern §irnfcpnitte unb epemifepe SRifcpungen, unb in ber möglicpft eyalten unb feplerlofen Äudfüprung berfelben wirb bad gwangigfte £faprpunbert ben Xriumpp ber realiftifcpen ©ilbung fepen! SSit einem Kort: an Stelle ber ©prafe wirb bie [formel treten .... man wirb ben Xeufel burep ©eelgebub audtreiben. 222 XI6erti. $afj bflinit nirfjt eben üiel gewonnen ift, erfe^eint flar; benn baS ffiort „non scholae sed vitae“ wirb bann in bemfelben Srabe eine Unwafjrhtit fein, wie fjeute. Der ^urchfchnittSmenfcfj, ber nicht ben ©eruf eines tecfj* niterS ergreift — unb auch im realiftifd)en (Staate wirb eben nicht jeher Stenfd) lecfjnifer werben tonnen — wirb ftd) bann eben fo gut wie fjeute bemühen ntüffen, nadjbem er bie Sdjule Oerlaffen, baS Steifte t>on bem wieber ju oergeffen, Was er gelernt fiat, wenn er nicf)t mit einer Söffe unnötigen ©affaftS ft cf) burcf) baS ganje Sieben fdjleppen will. Slber bie }(rt unb SBeife, bie $)inge unter ben Sinbrüden feines Unterrichts ju be* trachten, wirb bann ebenfo bleiben, wie heute: er wirb ficf) beftreben, affeS ,}u fdjematifteren, wie jum teil fcfjoit heut, affeS, was er ftefjt, hört, erlebt, in beftiimnte ftlaffeit unb fjäc^er einjuorbnett, unb biefe Änfcfjauung wirb auf fein Raubein unb Genien jurücfwirten. ®er Stenfd) wirb bem Stenfdjen bann in fojiafer $infidjt nichts fein, als ein ftraftmotor, eine Stafd)ine $ur Srjeugung oon Strbeit, er wirb nur noch baS Stecht unb bie Stöglichteit $u erfrieren haben als Stitglieb einer ©erufSgenoffenfdjaft. 2)ie inbioibueffe 9frt, bie affein bem 2eben Steij unb Stannigfaltigteit oerleiht, bie ficf) fchon heute in ben $anb(ungen unb im äußeren ©erhalten ber Stenfcfjen oielfach minbert, wirb affm&hlich faft ganj oerloren gehen. SBaS nicht in bie Sonnet, in baS Schema bineingepafjt, wirb oerworfen werben. Sine nüchterne, troff* tofe, gewaftfame 3eit joirb tommen, eine Beit ber unbebingten StehrfjeitS* herrfchaft, eine 3eit ber ftarren, reijlofen, nioeffierenben Sormel. Unb foltfje Srfcfjeinung muh }u jeber 3«t eintreten, in Wetter ber Stoff über ben Seift fiegt. So lange ber Seift beS ftatfjotijiSmuS tebenbig war, fteffte er bie ©tüte ber Stenfdjljeit bar, baute er bie gotifchen Xome, eroberte er baS Zeitige 2anb, fnitpfte er Orient unb Occibent jufammen. Sobatb aber bie leere Sovmel in ihm bie Oberfianb gewann, ber Slblafjfram, bie 9teti* quienoergötternng, war eS mit feiner Allmacht ju ffinbe. Sin Xeil nach bem anbem bröcfelte ab, er würbe eine Stacht neben anberen, gleichen. 9tun fteht bie 3taturwiffenfd)aft fchon im Anfänge ihrer $errfcfjaft oor bergteichen Gefahren, baS $uf)ertid)e, baS Shtenotechnifdje jur $auptfadje ju geftatten unb ftch baburd) bie eigenen Sunbamente ju untergraben. 1)en Sieger be* herrschen, affe ftreife beS fiebenS in feinen ©ann jwingen, bie XBett um* geftatten, bie Sinjelnen wie bie ©ölfer gattj unb feft unter feiner $errfct)aft halten — baS fann nur ber Seift, nicht baS Stertmittet, baS fich fo gern an beffen Stelle fejjt. Stögen baher unfere Dtaturforfdjer nicht glauben, baS Stätfel ber Butunft fchon gelöft ju hoben, inbem fte oorfchlagen, ben heutigen UnterrichtSftoff burch einen anberen ju erfejjen! Xer Stoff allein macht wenig auS. Cicero ober Karmin? 223 Die S&elt wirb baburdj aüein nicfjt glütflid)er, baff itt bev Sdjule an Stelle ber Sieftüre ber Schriften (SiceroS bie ber SBerle Darwin« tritt. Die einfettige ^errfdjaft beS uaturtDiffeufcfjaftltcfjen SehrftoffeS wirb nur, wie eS fcfjon ^eute jum Deil ber gaü ift, eine einfeitige SluSbilbung ber Dedjnil im befolge h<ü>en, unb biefe, weit entfernt, ben ftampf untS Dafein ju mäßigen, t>erfd)ärft ihn nur: wie wir ja fehen, baff bie StuSbilbung ber ftriegSwaffen bie 93511er gu immer heftigerem Sßettftreit, ju immer größeren, ben (Srwerb beS griebenS berjehreuben Sluggaben jwingt. SBiirbe felbft Sßemer Siemens feinen Drauin jur Ausführung bringen föniten, ©rot unb gleifdj auf djenufdjent SBege ^cr^ufteUen, fo Wäre bamit nidjt üiel gewonnen — benit eS Wäre ber Anfang ber Anarchie, nicht ber beS golbenen Zeitalters. Sobalb ber SJtenfd) täglidj nur jwei Stunben ftatt je^n wirb arbeiten mitffen, um feinen Unterhalt ju fiuben, Wirb fid) bie 3<*hl ber SJtorbe ber« fünffachen. Sticht „ffiiffeu madjt frei", fagt baS Sprichwort, fonbem ,,©il- bung!" Die blofje Anfammlung bon Dhatfachen unb Siegeln aber ift nicht ©Übung. SBiffeu ift äOtadjt, aber ©Übung madjt frei. Der (Seift beS Unterrichts inuf» ein anberer werben, innige Siebe jur Statur, fid) eins §u fühlen mit berfelben, bie (Erfdjeinungen beS ©ebaitfenS ber organifchen Cfntwicfelung in ber Statur, in ber (Sefdjidjte, in ber ftunft, ber (Seift ber öater* länbifchen (Sejchichte, ber ©erfaffung beS mobemen Staates unb ber (SefetU fdjaft: baS ift eS, WaS unfere gugenb lernen muh, baS ift eS, waS wir bie ©ilbung ber Zulunft neunen möchten. AIS fiinb muh ber junge ©ürger bie Urfacheu ber galjrhunberte lang währenben Schmad) fernes ©aterlanbeS lennen lernen, bie iunere 3«rriffenheit, bie Äleinftaaterei, ben $ubet ber einzelnen Stämme, unb täglich, ftünblid) muh ber 3teid)S=, ber (Einljeitg* gebanle in ihm gepflegt Werben. Der Darwinismus foü ihn glauben machen, bah «8 «ine fortfchreitenbe, ftetige, organifche ©ntwidelung $u immer höheren gönnen ber finulicheit unb geiftigen SEBelt giebt, er foU ihm SJtitleib unb SJtenfdjlichfeit bem Dier gegenüber beibringen, foU ihn lehren, baS ©ute ju thun um ber Sjienfdfheit Willen, ohne Stücfficht auf zeitliche ober ewige ©etohnuug. Solche Anfdjauungeit in bie $>erjen ber gugenb etnju= pffanjen ift wichtiger, als fie bie unregelmähigeu griechifchen ©erba ober bie klaffen beS Sinnäfdjeu SpftemS auSWenbig lernen ju laffen. Stamen, 3nh 5 len, gormetn, Siegeln foü ber Änabe nur lernen, iufofern fie ihm als mnemotechnifche $auptauhalt8punfte bienen fönnen, fie foüen aber nicht wie — heute — bie $auptfad)e fein. Sticht ber UnterrichtSftoff ift eS, ber unfere heutige 3ugenb überbürbet, unfelbftänbige SRenfchen aus ihnen macht, bie leine eigene SDteinung in aüeu Dingen h<ü>«Ur fonbem gebantenloS nach* beten, WaS ihnen liftige Schwäger, fonferoatioe, ultramontane, fortfr emfter Seruf! — {MH bie „fchöneit" ©efchiditen, Soutane, SobeHen mit ihrer Spannung unb Stimmung unb fröhlichen (toenn „fie ftd) Wegen") ober traurigem (menn bie Staut am $er$fd)tag ftirbt) Abgang, taffen nur ein öefühl franf^after SBeijmut, ungefunben Sehnenb jurüd. „Unb wie in jebem Sotmner ftredt ber Sofenftraudj feine fdjwanfen $metge über bab alte (Gemäuer; wie jebeb golfr fliegt bie Schwalbe um bab traute $aub mit feinen treuen Semofynem; ©rabmüdchen baut fein Seft im XBeifjborngehege beb füllen Öärtdjenb" — (folgt ein ©ebanfenftrid), währenb weldjeb bie gerührte Seferin 3**1 h at » f»«rf bei magren großen ©oefie? — Siefe ©oefie trägt uiid) weit weg in irgeub ein ©pantafielanb, wo „eble" ober aud) „böfe" (weld) leptere aber im ©erlauf ber Öefd)id)te gänjlid) gebucft werben) SJienfdjeu wohnen, wo fid) eine founige Siebedgefd)id)te abfpielt, „fo gaitj attberd" old iin trodeuen Seben „bei und ju §aufe". Uub fo erleben mir’d, bafj überfpannt angelegte Knaben, oon ben SBunbent ber buntfarbigen Jitbianergefd)idjten erregt, fid) tpatfädjlidj aufntadjen, eben foldje Abenteuer, bie fid) fo bepagtid) hinterm Ofen weglafen, in ?lineri(a felber ju erleben. Safj Jünglinge unb Jungfrauen mit ben fie umgebenben Greifen unb l)eimatlid)en $uftänben unjufrieben werben unb ein franfpafted Sepiten nad) Stoman=(Srlebniffen unb 9ioman*$etbeu im unruhigen ©ufen tragen. Unb unfere poetifd) an* gefjaudjten Samen, ©lauftrümpfe, alte Jungfern 11 . bgl.? — Slurij ihnen ift ed eine wapre SBoHuft, fid) bon ber profaifdjen Mtäglidjfeit fortjufliichten in bie „Sraummelt ber ©oefie" unb auf fdiweltenbem Soppo ein bunftig ©pantafiegemötf um fid) perunt ju jaubeni. ©fui über biefe morppiuntpafte ©oefie unb ©oefie*?(uffafftmg! — Sie SRarlitt, #epfe, Sinbau, Hopfen, 8ad)er*3Rafod), ja, id) wäre beinahe berfudit, ben weitaud größten ©erwärm ber bidljerigeit fRomanjejen unb fRooeQenfcbreiber ju biefen #albpoeten gu redinen! Sie paben uid)td getpan, ald unfer ©emüt aufgeregt, wie ein unfluger ©ater feiner Steinen ©pantafie burd) graufige SRärdjen überreizt. Unb felbft eine gefuube öJemiitdbilbung uub ©enriitdpflege erreid)t ben päd)* fteu ©eruf ber löniglidjen ©riefterin unb ©roppetin ©oefie nod) lange nid)t. „(Sine ©d)ale Ooll (Xljriftenttjräneu" wiinfept fid) jwar auef) Stopftod ald fioptt für fein ©ingeu unb Siebten, ber „(Spriftentpränen" fliegen aud einem erhabeneren öefüple unb ebleren ©djinetje, ald bie ©adfifd)* jäpren, bie ob ber ©djwinbfudjt einer fRontanfigur ftromweid bergoffen werben. Jene Xpräneit ber wenigen (Sblen, Spränen, bie ber Untergang ober bie Rettung einer Seele, eined geiftig ftumpfen Sllltngdmenfdjen per* oorlodt, tragen jugleid) ein befreienbed Moment in fid). SBad !ann mid)’d flimmern, ob hier ober bort eine SRorbgefcpidjte paffiert ift; wad flimmert mid) bied ober jened flüglicp audgebiiftelte, pfpdjo* (ogifche ©roblent, wenn nid)t bad (Swige, bie Jbee, bie unmittelbare ©e* beutung für mid) felber — aber ja nicht tenbenjpaft! — ^cröortritt, fon* bent nur immer bad ©tofflidje, bie Jabel, bie Söfung?! — ^Reformation ber Sitteratur. 227 Sein ober 9tid)tfein! — nad) bei» (Einen, mad not ift, mu§ fid) bie ^Befjanblungömeife einer männlichen ©oefie richten. Sticht abjief)en foU fie und non ©eruf unb SBerftagdleben, fonbern und erft recht in badfelbe ^in= einjiehen. Stber und badfelbe lieb machen, Don (fixeren ©eftdjtdpunften auffaffen lernen, bodfelbe läutern, mit Ijeljrer ©migfeit burd)träulen. Sad nenn’ icf» eine gefunbe ©oefie! ffieg mit bent Stofflichen! Sie Seele, bnd (Ewige, innere ift allein bad ©leibenbe unb baljer allein ttürbiger ©egen* ftanb einer ernften ©oefie für SRänner. SBenn idj ein Sichterroerf beifeite lege, null icf) benfelbett ffirnft, bad« felbe erhabene ©efühl Derfpiiren, bad ben edjten ©haften burc^bringt, meint er aud bem ©ottedljaud tritt. Sticht ernüchtert lehrt er juritcf in bad „3ammerthal" ber SBelt; nid)t ant Stofflichen ber ^eiligen ©efd)id)ten, bie ba gefdjehen in ©alaftina, bleibt er hoffen, fonbern am ©migeit, am inneren, ©aläftina ift überall; ber $eitanb in jebent ^fingerljerjen; ber „Fimmel" gleichfaöd nicht irgenbmo im SBeltraunt — aHed Sehnen unb 3flitd)ten aud ber „böfen" ober „profaifrfjen" SBelt franfhaft unb gänjlid) ungefutib. — * * * 23. Sie ©erfönlichfeit . . . Sille ©hilofophiett, ©hfteme, ©tajimen u. f. m. flattern unjufammenhängenb in ber Suft herum. „Uitfer SBiffen ift Stücf* werf." SBir fftnnen unntöglidi ben ganjen abftraften ©allaff itberblitfen. Sie geniale ©erfönlichfeit aber fept an fich felber aHed in jufamntengebrängte Stenlität, Beben, $anblung um. 3ene eine ©erfönlidjfeit, bie alled auf fid) fonjentrierte, an fid) Der* förderte — fonfret, anfdjaulid), bem bümmften Sifdjer mie bem fltigften Schriftgelehrten faßbar — Eingabe an jene ©erfönlichfeit mar Eingabe an bie taufenbfach jerfplitterte, luftige, ftücfmeife überall IjerumflieQcttbe SBal)r* heit, bie fid) auf biefe ©erfönlichfeit Dereinigt unb in ihr berförpert hotte — hierin liegt bad ©eheimntd bed ©Ijriftentumd unb ber SBirfung jebed ©enied. Shriftud fagte: ,,3fd) bin bie SBaljrheit." über biefe feltfame Eingabe an ihren $eilanb miffen fid) Ungebilbete taum 9ted)enfdiaft ju geben — natürlich! Slber menn fie aud) nid)td be* meifen fönnen, fie fühlen, bafj fie im {Rechte ftnb. 24. Sie äufjere ©efd)id)te bed $eilanbd ift ein ©organg, melcfjer innerlid), mit allen Stabien, mie fie bie ©Dangelien beridjten, nodj heute unb immer fich an jebem SDtenfchen mieberholt. Slucf) mir miiffen aud ber Stadjt ber 228 £ienl}arb. Mtäglidjleit, borin mir gleichgültig unb ftumpfjtnnig herumftolpern, jur (SrlenntniS eines höheren, inneren Berufes geboren werben — auf fettfame, uns unbewußte SBeije. (SS beginnt ein fchmerjootter ftampf mit ber tagSmelt, bie uns burcf) ihre IReije mit ßift, burcf) beu Drang ber 5 U burchbrechenben Verhättniffe mit (bemalt bei ftd) behalten will. SBir fterben ber MtagSmett — ein fchmerjücher für bie Stugen beS oerlorenen ftumpfen Röbels fd)inadjöotler lob. Dafür aber flehen mir auf in unferer ewigen, reichen, herrlichen Innenwelt! (Erft mit bene Xobe jeboch, ber Himmelfahrt, hört aller ftainpf auf, ftnb wir Oöüig unb ungeftört Herren unferer 3 mten= weit DaS (Erbenleben ift ein täglich, fbinblid) (Sterben unb 31uferftehen. 25. %on allen öeifteSprobulten ift baS Didjtevwer! baS ooUfommenfte. (Es fonjentriert unb oerlörpert gleichfaiu bie in Vhtt°f°Phi e unb SRetaphhfit, in SEBelt* unb Seelenleben lofe umljerflatternben SBahrheitSfepen ju einer anfchaulichen, gefchloffenen, aHöerftänblidjen SBahrljeit. (Sin SReifterbrama wie H^et ober SRacbetfj ftettt uns nicht eine ober ein paar SBaßrheiten bar, fonbent bie äBatjrheit. 26. 3ola . . . ©emiß barf ber Dichter bei Veßanblung feines Stoffes nicht oon allerlei litetaphhfifchen ober religiöfen Vorurteilen aus gehen; nidit Seit unb äRenfdjett nad) feinen Hirngefpinnften tonftruieren. ©ewiß muh eine ftrenge ©eobadjtuug unb (Erfahrung feinen Schilberungen jugrunbe liegen. (SS giebt feboch nicht allein äußere (Erfahrungen, bie man an Slnbent macht, wie baS bei 3ola in ben Vorbergrunb tritt. Vei Seelentämpfeu nüfct unS äußere (Beobachtung nichts; ^öc^ftcn« fönnen wir einige Äuße* rangen, bie einem innerlich berjmeifelnben äRenfdjen entfahren, auffchnappen unb getreulich nach experimentaler SRetßobe aufjeichnen. (SS giebt aber Vorgänge, bie wir nur burdj baS SRebiunt unfereS eigenen inneren löfeit unb oerftehen fönnen. „Vhrafen“ unb „Vorurteile" ftnb baS barum nicht, wenn mein inneres einigermaßen gefunb ift. (SS giebt eben noch manches jwifchen Himmel unb (Erbe, 3ola, woooiT beine Veobadjteraugen nichts merfen! Alnb gerabe bie Seetenbmflifte finb unS Deutfdjen bie Huuptfache. ‘ 3eben* faDS ift mir wichtiger, wenn ich ben ftampf eines SRenfdjen jmifihen Sinnenluft unb 3 beal mit erlebe, erfihüttert bis in meine tiefften He *^ 8 tiefen, als Wenn mir, wie in 3otaS „au ventre de Paris“ 30 ober 40 Seiten lang ber ©emfifemarft in ber SRue be lßont*5Reuf anfdjaulid) gemacht wirb, „©aßr" ift ja baS leßtere auch; wäre auch „wahr" unb „wirtlich"' wenn ^Reformation ber Sitteratur. 229 id) bie Sauart eines SlborteS in alten Details gefmacft>oU barlegte. (SS fragt fiel) nur, ob baS alles auch mistig ift, mistig enttoeber an fid) ober für bie ©efamt*$?ompofition beS SBerfeS. — Stil, SluSbrud, Säuberung, (Sßaraftere — alles SBaßrßeit; aber baS &bmeffen, tuie lange bieS, wie lange jenes gefdjilbert toerben; baS Berecßnen, wann biefer, wann jener Cßarafter ouftreten; wann überhaupt iticf)t bei Sd)ilberungen öerweilt werben barf — baS alles Äunft. Unb in legerem fünfte feßlt 3olfl, »eil er eben bloß in feinem Stoff, nießt zugleid) auef) über bemfelben fteßt. (SS liegt baS toieber tiefer: felbft bieS tßut er mit Sewußtfein unb faft prinzipiell — ob aber mit ffleeßt? 3<ß benfe a(S' an ein Mufter richtiger Bereinigung ton ^bealiSmuS unb 9iealiSmuS immer toieber an Sßafefpeare. 27. M bie BererbungSgefcßießten follten bicfjterifd) nid)t oenoenbet toerben. SSenit man freilich allen freien SBillen, alle Sonberftellung beS (Sinzeinen außer aeßt läßt, unb alles einem bis aufs innerfte fieß erftredenben DetermintS= ntuS unterorbnet — bannfamt man freiließ nicßtS gegen bie Didßter, roelcße bie Bererbung u. f. m. zunt Xßenta gewäßlt, eintoenben. Dann fmft alle fßoefie Zu einer Xßatfaeßen*21ufzäßlung ßerab, wobei fubjeftioeS Jüßleu unb Beur* teilen burcßauS nießt mitfpielen barf? — Der roman experimental geßt nuS ber SBeltanfeßauung beS MaterialiS« muS ßeroor. 2BiU man bie Beßanblung ber BererbungSftoffe, ben Deter* miniSmuS in ber poetifeßen BeßanblungSweife, ben roman experimental u. f. w. befämpfen, fo neßme man zunäeßft mit ber (Sinfeitigfeit beS Materialismus ben Äampf auf, baS anbere giebt fitß oon felbft. — ,,'ülleS begreifen ßeißt atteS Oerzeißen". DaS zweite „SllleS" ift boeß gar zu ftarf; eS müßte adermenigftenS mit einem „MancßeS" feinen Bl°ß oertaufeßen, wenn nießt mit einem „(SinigeS". Stießtiger wäre ber Saß, wenn er lautete: „Stiles begreifen wirdt milbere Strafe". Stßon ber lange Brozeß: bie ganze (Sntwidelung eines BerbreeßenS intellektuell z u Verfolgen, ermattet unfer etßifcßeS Bewußtfein. DaS Berbreeßen fteßt nießt nteßr fo naeft unb feßroff Oor unS, fonbern ein Dunft oon (Srflänutgen unb Berwidlungett ßat fieß brum unb btan gelagert. — „SlHeS begreifen ßeißt aHeS oerzeißen". SBetm ieß mitß alfo genau in alle Umftänbe unb Berßältniffe ßineinbenfe, bie irgenb ein ^nbioibuum etwa Zum Mürber geformt ßaben — (Srzießung fowoßl unb Einlage, als aueß Umgebung, Beeinfluffung unb Situation — fo muß idß mir gefteßen: ber Mann ßat ben in unb um ißn liegenben ©efeßen gemäß geßanbelt Seßr 230 Siienfjotb. richtig! ber Xeufct fann nid)t logifd)ev fein. Slber nun bie lächerliche Folgerung: Deshalb werbe id) if>nt, ber fo „naturgemäß" gehanbelt hat, liebebolle Xeil* nannte, ja, SWitleib entgegenbringen unb ihm mit X^ränen im 9luge eine etwaige Sd)äbigung beS (Gemeinwohls ober meiner eigenen Sntereffen — Der« jeifjen! Stber wer fagt benn baS? DaS fdjlägt ja bem ©orberfaße gerabeju inS (Gefid)t! 3fd), id) muß beu in unb um mid) liegenben (Gefeßen gemäß einen folgen Schäbiger beftrnfen, öerabfdjeuen, unfd)äblid) machen. Diefelbe Sogif, bie il)n jum 3)iörber jwingt, jwingt mid) jur ©eftrajung biefeS SRörberS. Mnnerlid) mögen wir ©egreifenbe ißm ja öerjeihen — baS ift aber für ben SBeltlauf jiemlid) gleichgültig, unb überhaupt nichts neues. Sd)on ein gewiffer (S^riftuiS gebot: Riebet eure geinbe" — nicht ihr Xhun unb Dreiben, aber ihre bielleicht ju beffentbe unb ju rettenbe Seele an fid). Unb berfelbe SRamt fagt: ,,©itf>tet, berbammet nicht, bamit ifjr nicht aud) berbnmmt werbet!" 28. @rblid)feit unb Sererbung fpufen aud) in 3olaS iteueftem Drama „Rende“. Diefe Ren^e ift fo jiemlid) fdjutbloS — überhaupt ejriftiert ja ber ©egriff Schulb gar nid)t für ben HRaterialiften: „Sünbe unb Sd>ulb ift ein Unbing" orafelt ber Serfaffer bon „ffraft unb Stoff". (GrftenS bie Anlage, jweitenS bie ®erf)ältniffe — baS fbtb bie (Srjeuger unb ©eftiminer alles menfchlidjen Df)“ 08 unb DenfenS. Die reine antife SchicffalStragöbie, bloß überfataliftifch, infofem f!e ihre jwingenbe Allgewalt auch auj bie Munitionen ber Innenwelt auSbehnt. Die antife Dragöbie betont ja auch baS Smualmenbe beS äußeren SchicffalSjwangeS — aber woßl bemerft: beS äußeren. Der #elb fann bermöge feiner inneren ftraft, bermöge feines SöillenS, feines (Glaubens über ben äußeren Unfall triumphieren, fann mit einem SiegeSjaudjjen auf ben Sippen in ben unberbienten Xob gehen. Sfber auch biefe inneren ©orgänge ftellt ber Determinismus als unfrei hin: felbft bieS SiegeSjaudijen ift eine ©eftimmung ber „Anlage" unb ber „©erhält* niffe". Sehr wohl! 9Wag auch ber „freie 9S3iUe" beterminiert unb mafdjmen* haft gelenft unb geleitet fein — unS erfdjeint er nun einmal als freier SBille. Unb auf biefe Dh Q tf Q d)e unb ^Realität, baß fich ber HRenfdj nun einmal als frei unb berantwortlid) fühlt, muß auch eine wahrßeitSliebenbe Sßoefie 3Rücfficf|t nehmen. — Stud) baS „(Gewiffen" ift ja, wenn wir im SBörterbud) beS SRaterialiS* muS nad)fchlagen, bloß ein (GrjiehungSrefuItat einjelner ©affen unb Stämme, ©un ja, bie ©rfcheinungSformeit unb Äußerungen biefeS ©ätfelbingeS mögen (wie fflima, ©obenbefchaffenheit, fiebenSWeife u. f. w.) ht lmenblidjen ©aria* Deformation ber Sitteratur. 231 tioneu fidjtbav werben, ber niljenbe 5ßt»l aber in biejev (Erjdteiumtgen Slucht ift eine nur allju jweijellofe Stealität. — Ren4e hatte if>re gefährlichen Einlagen Don ihrer nerbenfranfen SÖiutter ererbt, welche gänjlid) in Unfittlid)feit untergegangen loar. ZÜefe SOJutter hatte ihre Anlagen jebenfaltö tnieber ererbt — unb fo föttnen wir aufwärts fletteru bis 9lbam, unb alle fßoefie bleibt ein trodeneS ?(ufjät)len non Xl)nt fachen. Slber eben biefe urteilSlofe objeftioe 9tufjäf)lung will ja ber S)?ate= rialiSmuS. Schön! 3öf>lt nur all eure beobachteten Xljatfachen auf: 3)lorb unb Xotfchlag, ©iebftahl, Hurerei, Söllerei, $ungertob; jählt aber auch auf bie Zhatfacije beö 3bealiSmuS, ber hingebenben Siebe, Opferwilligfeit, #ütt= metSbegeifterung! Slber baju feib ihr nicht fähig: benn roaS ihr nicht Doll begreift, fönnt ihr nicht lebenswahr reprobujieren; unb ihr begreift'? nicht, weil ihr*? nicht h°bt unb nicht an euch felbcr fühlt. Zenn beobachten an anbern läfct fich baS leptere nicht, fonbent nur an fiel) felber fühlen unb erleben. — Zer Züchter nun, ber bon Shofefpeare etwa? gelernt hätte, mühte mit feiner Sehanbluitg ba einfepen, wo bie unheilvolle Sererbung in baS be¬ treff mbe ©efdjledjt eintrat. Ziefer ißrojefj ber Sterbenrninierung ging jwar allmählich oor fich, ober in irgenb einem (Ereignis ber Sorjeit ift hoch ber &eim ju )ud)en. greilid) ift auch bie (Entftehung biefeS ÄeimeS wieber bttreh unentwirrbaren $aufalitätSnejuS bon taufenb Umftänben unb Urfadjen be= bingt, unb ich ntüftte mich, mie gejagt, logifcherweife jum feligen 3lbaiu jurüdfdjlängeln, um bort, beu Singer an ber 9tafe, eine grünbliche (Eypofition ju einer umfaffenben Xragöbie ju erbüfteln. Wahrhaftig, unermefjlidje 9luS= fichten für baS moberne naturwiffenfchaftliche SererbungSbrama! barin bie (Ejpofition bei 9lbam unb feinem Siinbenfatle anhebt unb ber fünfte 91 ft in ber Söfnttfnrbe einer Sarifer Suftbirne fein (Snbe nimmt! 29. „Le roman experimental ne met donc plus son intdrßt dans l’ingi- niositd d’une fable bien inventde et d£velopp£e selon certaines rdgles. L’imagimation n’a plus d’emploi, l’intrigue importe peu au romancier, qui ne s’inquiete ni de l’exposition, ni du noeud, ni da ddvouement . . . L’ceuvre devient un proefes verbal, rien de plus; eile n’a que le mdrite de l’observation exacte, de la pändtration plus ou moins profonde de l’analyse . . . mSme parfois ce n’est pas une existence entiäre, avec un commencement et une fin, que l’on relate; c’est uniquement un lambeau d'existence, quelques anndes de la de d’nn liomme ou d’une femme, une seule page d’histoire humaine“ . . . 232 Sienparb. Unb bentgentäß bidjtet aud) 3°l« — ober beffer: weit biefe Dich* tungdweife feine Starte ift, fteltt er folc^e Xheorien auf — 3ota, ber mit äußeren Hugeu feine Stoffe non außen betrautet greilich, wenn id) irgenb eine äußerlidje Hrbeitergefd)id)te erjäpte, fepe id) an einem äußer» licken Momente ein, um nach Ablauf ber ©reigniffe ttrieber irgenbmo abju* brechen. Soiad bebeutettbed SBerf ©erminnl ift nud) fjierfnr ttjpifcf). Die ©efchidjte feßt an bem Momente ein, wo Stephan nad) bem ©oreuj fommt, unb fließt bad leßte Kapitel mit bem SBeggange Stepband noch ©arid. Sd)öu! ®om 3otaf(ßen Stanbpunfte unb überhaupt bei ©eljanblung foldjer Stoffe bureßaud empfehlend wert! 3fth feßitbere äußerliche Seute, Arbeiter, bie lein befonbered Innenleben haben, Xurcfjf djnittömenfchen, SRorb unb junger unb Aufruhr — wedffatb foH fiep nicht auch bie ©efamtfompofition nach äußeren ©efichtdpunften richten? „La nature eat aeaez belle, aaaez grande, pour apporter avec eile un commencement, un milieu et une tin.“ ©ewiß! X>ie Xpatfachen genügen und. Huch bei Settüre eined Seitungd« abfdjnitted ergreift und bie naette Xhatfacpe. ©d empfiehlt fid) atfo, irgenb eine Seitungdaimonce feinen Stoman ju ©runbe ju legen unb biefelbe forg» fam analpttfch unb nach experimentaler 9Ketl)obe ju einem ganzen Suche ju erweitern. ißrotofolle; audführtiche buchlange Hrtitel, ber 9tubrit „©olijei* bericht" entnommen. 3dj habe wiber biefe ©oefte nidjtd, aber Wahre, große ©oefie ift fie nicht. — 8 om „3beal", bad er mit bem „Unbetannten" ibentifijiett, glaubt Sola, baß ed immer mehr bem „SBiffen" weichen müffe. ©er ganje ©eltlauf ift alfo, nach 8ola, ein tonftanter Äampf mit bem 3beal, bad immer mehr bahinfehwinbe, wie bad SRarf eined Stticfenmarffchwinbfüchtigen, unaufhaltfam, unrettbar. 3n biefem gälte iffd atlerbingd zeitgemäß, ben berrohenben ©rb* bewohnet ben reatiftifchen phantafie», gemüt», tompofitioudlofen ©xperimental» roman aufjutifchen. SBad freilich Sola unter „Sbeal" unb „Sbeatidmud" t»erfleht, fepeint mir ein bidchen untlar unb, wie ntled, mit naturwiffen» fchaftlichen 3°la * Hugen gefchaut. SWir mit meinem gering entwicfelten hiftorifepen ©litte fommt ed bot, ald ob ber Äantpf jroifepen „gbeal" unb „SXaterie", jwifthen „gleifcp" unb „©eift", jwifchen Hußen* unb gmienwelt bauern werbe, fo lange bie ©rbe um bie Sonne rollt, ©on einer allmäh» ließen ©rtötung bed ^beald mag wohl faum bie 8tebe fein; bad Sbeal ift etwad rein ©eiftiged, 3nnered; bie ©eleudjtung , in welchem tmd ber Stoff erfcheint; ber $aucp, ber alled überweht — wie will man biefem ätper* leichten Suftwefen mit bem plumpen SWeffer bet fftaturwiffenfepaft ju Seite gehn?! Slber wapt iffd: Wer fiep prinzipiell abmüht unb baran gewöhnt, alled mit ben äußeren Sinnenaugen ju fepen, ftumpft ben inneren ©eiftedblicf Deformation ber Sitteratur. 233 ab — bie untilgbare, fid) burd) fiel) felbft vidjtenbe ©ünbe roiber ben „I)ei= ligen ©eift“. Die richtige SRitte innejulialten: jugleid) mit irbifdjen unb ewigen Slugen §u fel)en — ift bie einjig gefunbe Bereinigung bon „9teaIiS= muS unb „SbealiSmuS". 30. ©S ift fd)ier berwunberlid), in welchen SbealiSmuS ber fRealift 3ola gerät, Wenn er in feinem rom&n experimental auf baS glüdlidje 3^ta(ter ber fiegljaften, allein feligmadjenben ©jperimentalmetljobe ju fpredjen tommt „Sobalb wir,“ meint er, „beni SRed)ani8muS einer 2eibenfd)aft auf bie ©pur tommen. Werben wir biefelbe audj betjanbeln unb furieren, ober bod) möglicfjft unfdjäblidj machen tönnen . . . Kennt man einmal bie ©efepe, bie Sittern ju ©runbe liegen, fo braucht man nur biefen ©efepen gemäfj auf bie ©injelnen einjuwirten — unb fiepe ba, Wir paben bie perrlicpften fojialen 3 uftänbe." Dad tann nur 3emanb fagen, ber mit nuturwiffenfcpaftlicpen — alfo gänjlic^ turjficptigen — Slugen in baS Seben fcpaut. SBie aber ein Dicpter, ber in bie bon taufenb unfttptbaren (felbft bem ppperfcpärfften 3<>lefiHalifdje SBefen am beften bont Stanbpunfte ber cpriftlicpen SBeltanftpauung auS. 3ctcrt fo biel Ufr wollt: bie cpriftlicpe SBeltanftpauung ift unb bleibt bie allein gefunbe! Sie War, wenn ipr piftorifd) in bie Ber* gangenpeit bliden wollt, ein unenblicper ©egen für bie gefamte Sftenfippeit, fpejieD für uns ©ermanen; unb fte Wirb hefteten, fiegreidj unb unerffüttert über SWaterialiSmuS unb alle anbent riSmuffe pinauS. Spre formen unb SluSbrudSWeifen werben fiep änbern; auep bie Kanäle, bermittelft berer fte bem Botte jugefüprt wirb. Slber ipr Kern ift ewig wie ber SRenfdj. „$immel unb ©rbe Werben oergepen," fagt jene übermenfepliepe Diefengeftalt, bon ber bie unermefjlidj reifen, unabfepbaren fiebenSftröme auSgingen, ,Fimmel unb ©rbe werben bergepen — meine SBorte aber werben nidjt 46 Vol. 4/2 234 Sienparb. oergepeu." Uub waprlup! (Sin SBettanfdjauungbjpftau uacp bau anbecn ftoijicrt auf gebredjlicpeit ©teljen baper, um halb ttrieber Don einan anbcrn übet ben Raufen gerannt ju toerben — ewige, obwohl notwenbige fhranl* feiten! Xab (Epriftentum, fo linbereinfacp uub bocp fo abgrunbtief, ftept vupig unb popeitbboll wie in ben Xagen bet ©Zärtprer. Unb ob bie @otteb* Raufet oerfallen unb bie Äanjelpatpetiler betjagt werben; ob bie pepre Xpeologia mit iprer Slfterweibpeit unb ipren fpipfinbigen Xogmen in £)pn= matptblrämpfen am ©oben liegt — bab (Eprifteutum bleibt! Xen ftörper mögt ipr fteinigen, bie ßleiber jerreifeen ober burcp’b Sob oerteilen — bet ©eift, fag' idp eud), wirb bleiben! Xer ©eift beb (Epriftentumb wirb neue jünger jeugen; wirb fiep anbere unb ftärlere ©utgen bauen; wirb fiep anbete ©riefter ertüren unb anbere Xonarten alb bab abgeleierte Äanjel* patpob. ©eib bereit, ipr ©oeteit bon ©otteb ©naben! 31. (Sin teligiöfeb ©Zomeut ift eb, bab ficf> bon nun ab in ber ©oefie gel- teub machen wirb. (Sb gehört in lepter in ber Äritil jum guten Xone, über bie armen Später beb jüngften Xeutfeplaitbb, biefe „©tafe fepotengrüner jungen", mit ©pott unb #opn unb ban ©uften ber ©eracptung perjufatlen. Unb bennod) ift ipr gefamteb Auftreten, bon piftorifcper SZotunbe aub be= trautet, ipr Safeln bon ©Zefftab unb ©Z&rtprertum unb SBelierlöfung eine Ärt ©orwort jur neuen Xieptung. Sb judte fle an allen (Sden unb (Snben; unb fo ferlügen fie ju, orbnungblob, ungefcpult, unb — erlfebten eine Hüglige ©ieberlage. 3P* ©ramarbafieren unb ©orbrängen iprer werten ©erfon betätigt mir bie (Srwartung unb bab ©erlangen ber 3 *ü weniger naep frönen, guten ©Borten unb ©Berten, alb öielmepr nadp ©erfönliep* leiten, ©owopl bie Xiepter felbft in iprem gefamten Seben unb ©Birten, alb auep ipre ©eftalten, bie fie fepaffen . . . Xaper befepaut fiep Seber, .ob er niept am (Snbe ber erwartete ©Zeffiab fei. 3 n jebem neueren ©Serie guett biefer (Sigenbünlel burep, 3. ©. wie mir fepeint, auep in ber ©orrebe $u (E. Sllbertib „©lebb". — Sluep in ben (Srjeugniffen unferer jüngften Später (©Zobeme Xieptereparattere) ift ber religiöb * etpifcp=ppilofoppifdje Xon niept 3u überhören. — föarl ©leibtreu wirb gern mit ben Xicptem ber „©unten ©Zappe" unb ber „©Zobemen Xieptereparattere" über einen Seiften gefcplagen. (Srnft $iel beginnt eine ©efpreepung oon ^enteQb „©tropfen" mit folgenben ölige* meinen ©grafen: „Xie jugenbliepen ©oeten ber neueftat fogen. realiftifepen SRicptung in unferem fangreidpen Xeutfeplanb, welche man meprfadp alb bie jüngft beutfepe ©cpute bejeiepnet pat, ftnb in mepr alb einer ©ejiepung ganj Deformation bet fiitterotur. 236 erfreuliche ©rjctjeiuuugen auf unferem ©arnafj, namentlich fomeit eS fleh um Iprifche ©ethätigung hobelt. . . (Segen bie ©ticltuft biefer läge haben fie fich alle berfdjmoren: flarl Sleibtren, SB. «reut, (Jonrabi, S. Salloth, bie ©ebrüber $art unb mie fie fonfit noch h^fitn mögen . . . $enled ge* hört auSgefprochenermafjen ber Schule ©leibtreuS unb ©enoffen an" . . . ©eltfam ift, ba& eine ©efpreefjung in ber realiftifchen „©efedfdjaft" gänzlich ben Stab bricht über bie „Strophe«" i^red „IRitfchülerS", m&hrenb Jperr C. £iet in feiner ©efprechung mnrme Sorte ber Anertennung finbet. „$aben mir benn," ruft bort 9Rag $albe (Oltoberheft), „noch leinen Lilien cron ober SadothS? SaS unterfReibet benn bie moberne realiftifche Lpril Don bem fimpten SRinne* ober SRonbgeleier unb Steimgeflingel? Doch mohl, bafj mir hinter jebem, felbft bem Ileinften bichterifchen ©robufte ber 9(ealiften eine fcharfumriffene ©erfönlichfeit mittern, bie auS bem Snnerften ihres eigentümlichen SefenS, auS ihrer inbioibuedften Lebenserfahrung Der* förpert unb geftaltet. Da ift adeS Anfdjaulichteit, LofaRotorit, ©rbgerud), alleö in bem Scf)meljtiegel beS SubjeftS umgemünjt unb mit bem $errfcher* fopf beS fouDeränen Dichters Don ©otteS ©naben geftempett." AuSgejeichnete Sorte! Unb nun Dergleiche man bamit bie farblofe ©e* fptedjung (Smff 3i«lS in dir. 46 ber „©lütter für litt Unter!)." (1887)! — Alfo, um mieber Don biefer Abfchmeifung juriiefjufehren, mit biefen Leutchen barf ©leibtreu nun unb nimmer jufammengemorfen merben! ©S mag ihn ja fchmeicheln, gleidjfam als $aupt einer Schule anerlannt ju merben, unb man lennt ja bie Neigung beS beutfdjen Sftejenfenten im Spe* jieQen unb beS beutfepen ©tidjelS im Allgemeinen, alles nach Schablonen, Spftemen, Schulen &u orbnen unb fein fäubertich in ©eil) unb ©lieb ju (teilen. Der ©erfaffer ber „fRebotution ber Litteratur" ift jeboch ein burdf* auS felbftinbiger ©eift, ber in feinen Andauungen, fomohl öfthetifdj als auch religiöS'philofophifch» fich nur negatib, in ©ermerfung beS ©eftehenben, mit jenen Iprifchen ©ramarbaffen berührt, ^dj möge bie ©ehauptung, bafj bie adermenigften ber jüngft*beutfchen Lieberfegen berftehen, maS ftarl ©leib* treu eigentlich fühlt unb miß; fo menig als bie fcfthetifer ber abfterbenben ©oefte biefen Dfiufer Johannes ber neuen Dichtung §u mürbigen bermögen. Auch bei ©leibtreuS ©oefie*Auffaffung ift ein religiöfeS SRoment ju ber* fpüren. 3n feiner trefflichen englifchen Litteraturgefchichte berf&dt er bei ©efpredjung ©halefpeareS gerabeju in einen ön", bab Verbtuag genügen ift — weil bie gewaltige Seibenfcgag bab enge Strom« bett überwogt unb f eff eilob über bie Saaten brauft. (Eb mag bieb meinet« wegen „unfcgön" fein, aber eb ift wahr! — * * * 33. (Eb ift in biefen unfertigen plantofen Sagebudjblättern aQgu wenig ber ungeheure (Einflug ber Daturwigenfcf)ag auf bie (Entwicflung ber neueften $oefte betont werben. Sföit gutem Sebacf)t Sab liebe SBort „Daturwigen« fcfjaft" wirb unb fo überlaut oon allen Seiten in bie Ohren gefdjrieen, bag bie SDahnung angebracht f^eint, über bem Vetonen beb Gegenwärtigen nicht bie güglung mit ber Vergangenheit gu oerlieren. 3ebe Vewegung, wenn ge bon Sauer unb (Erfolg fein Will, mug irgenbwie auf einem berechtigten Untergrunb ber Vergangenheit ruhen. SJtit bem biogen Umreigen unb Vet* werfen ift wenig gethan^ Such bie Deformation fiutherb war nur ein 3utüc!gteifen auf ben alt« ewigen Geift beb allein Wahren ^bealibmub, Wie er geh im Urchrigentum unb in (Ehriftub gegenüber bem „Slntidjriftentum" beb $abfttumeb, Wie eb gut 3eit Saoonarolab unb Sutherb auftrat, oerförpert hatte. Dicht unmittel« bat auf ben grogen (Sntbecfungen unb (Erfinbungen beb 15. ^ahthunbertb fugte bie Deformation; biefetben waren oielmehr blog bie Sßofaunenftöge, bie auf allen Gebieten alle Geiger gum Dadjbenfen über ihr jemeiligeb gadj aufriefen. ähnlich auch h* ut *- Gin einfeitig Überflügen ber Daturmigenfchaft, ein $ereingiehen ihrer formen unb Slubbrucfbweifen in bie Sitteratur, eine natur« wigenfetter. (Stuttgart.) jKm 20. SRärj biefeb ^[a^reb feierte $enric 3&fen, ber gvöfete Iebenbe bramatifd)e Siebter, feinen fedfjigften ©eburtbtag. Sern üon feiner $ei« mat, in unferm Vatedanbe weilt ber gefeierte Didjter auch an biefem feinem ffitjwntage, unb wie er einft jum großen Subelfefte feineb $eimatlanbeb einen biefeterifdjen ©ruß bortljin fanbte, inbem er in furjein Utnrife bie ©e= fcbidjte, ben Sebettblauf feineb Vaterionbeb, att feinem geiftigen 9luge oorübev paffieren lieg, fo fanbte i^m fein Volt nud) ju feinem Safttage einen 9hid= blid auf fein Seben unb SEBirfen.*) 3a, eb ift ein Seben boll reid)en Grfolgeb, ooll bebeutenber Ifjaten, auf bab ber Didjtev, ber ttod) beute in fötpevliefeer unb geiftiger Vollfraft baftebt, juriidblidt. Mud) ibm bat nid)t immer bie Sonne beb ©lüdeb, be* ©rfolgeb gelädjelt, aud) er bat traurige läge ooH Mnfeinbung unb 9tot überfteben müffen, aber nimmer liefe er ben 9Äut finfen unb immer blieb er fiefe feineb hoben bemufet. So bat er benn aud) auf eine reiche 21jätigfeit jurüdjubliden: Sleunjebn ober, wenn man miß, jtoanjig Dramen •) ftenric 3äger, Jpenric 3bfen 1828—1888. Et literaert Livsbillede. 1 ©onb ßej. 8o. (296 Seiten mit 4 Mnficbteu unb 5 $ortrfttd.) Kjöbenhavn 1888, Gjl- dendal. ißrei# 5 Kronen. §enric Sbfen 1828—1888. 239 hat er bi« jept neben einer großen Slnjahl non ©ebidjten unb einigen litterarifd)en Slufftifcen geraffen, unb wenn man beamtet, weiter gewaltige Denfprojefj, welche Durdjarbeitung feiner 3bee, Weldje Vertiefung ber (£t)n= rattere fief) in jebem einjelneu SBerfe offenbart, fo erfüllt un« (Svftauncn bor biefer Scfjöpferfraft. Sbfen« Sieben ift int großen Untriff wolfl burd) bie nerbienftnolleii SBerfe non Vranbe«, fßaffarge, Vafeniu« ju Sebermamt« ßenntni« gelangt, aber bie feinen Vejiehuitgen jwifdfen feinem Sieben unb feinen SBerfen finb nod) fo gut wie oöüig uubefannt. So objeftin Sbfen« SBerfe nämlich aud) gehalten finb, fo feljr wir un« aud) im ©njeluen enthalten ntüffeu in fei* iten DarfteUungeit pcrfönlidfe Verl)ältniffe ober ßrlebniffe ju fud)en, fo wirb fid) bod) bie erfte Anregung, bie Gntfteljuug ber ©runbibee feiner Dichtungen auf äußere (Sinflüfie jurüdfül)ren taffen. So tniiffen wir bemt $>errn £>enric Säger für feine gebiegene Slrbeit banfbar fein. $iev wirb über manchen ^Junft au« Sbfen« Beben ein ftralflenbe« Sicht geworfen. 3unäd)ft mad)t £enric Säger barauf aufmerffatn, wie fich niele (£igen- tiimlid)feiten be« Sbfenfdfen SBefen« fid) au« feiner gemifd)ten Stbftammung herleiten (affen. S n ben Slbern feiner Vorfahren rollte bänifdfe«, beutfeffe«, fdjottifdje«, beutfehe« unb wieber beutfehe« Vlut, aber fein Dropfeit nor* wegifdje«. Sein Sbeali«mu« unb $uvitani«mu« bürfte fid) uielleidjt auf jene fd)ottifd)e Slbftamniung, feine Slnlage für ba« Spefulatibe, feine Vor= liebe für bie reine Slbftvaftion, fein Sinn für ba« fonfequente unb fpfte= matifche Denfen auf beutfdjen (Sinflufj jurüefführen taffen. Seine SWutter war eine Deutfdje, unb wenn wir bie über fie oorljanbeneu Schitberungeu mit bent oergleidjen, wie fierrlid)feit beS bisherigen SebenS war eS gu ©nbe. 9htr ein fleineS SaubhouS auferhalb ber ©tabt blieb ben ©einen übrig. SDian famt fid) beufen, wie biefeS Ereignis auf ihn als ältefeS fiinb wir* fen mutte, ©in tiefer ©ruft oerbreitete fch über ihn trofc feines jugenb* liehen 9tlterS. ©r fpielte nid)t wie anbere ftinber. Ulm liebften 30 g er fd) in eine Heine &’aminer guriirf unb fdjlof fid) in berfelben ein. £ier fat er im Sommer wie im SBintev bei ber ftrengften Stätte unb befdfäftigte ft flammenb oon Oppo* 242 Braufemetter. fitionöcifcr laut ec bann na

n ber grogen ©efedfehaft ift bie Heuchelei nur nicht fo grog, roeil bab Snbioibuum freier lebt Ratten bie ,,©tü|en ber ©efellfchaft“ bie gefeUfchaftliche peuchelei ent« hüllt, fo enthüllte ,,©ora" bie priOate, bie peuchelei ber ©Ije, unb hi» gellt 3bfen auch für bie §rau jum erftenmale bie Sorberung ber ©leidjberech» tigung, mährenb er ge bibher nur alb in ber Siebe jum ©tarnte aufgetjenb bargeftellt hatte. Der ©ora folgte eine fjlut Don Dibtuffionen, namentlich mürbe bem Dichter immer mieber bie &rage entgegengefchleubert: „Mber mab mirb aub ben Sinbem? SBie lann eine ©tatter eb oerantmorten ge ju oerlagen?' Bbfen antmortete mit einer ©egeufrage: „©Iauben @ie, bag eb ben föitbem beger geht, menn eine folcpe (Ehe fortgefept mirb?“ Die Mntmort auf biefe ftrage geben bie ©efpenfter. pier mürbe enblich bie übliche ©efetlfchagb« moral in ihrer ganzen Slubbehnung analpgert. Unb mieber erregte 3bfen einen ©türm beb UnmiHenb, mieber mürbe gegen feine Mugagung ber @e= fettfdjaft mit allen ßraftmitteln opponiert; um ihn zu miberlegen, zeigte geh bie ©efettfdjaft mieber in ber SBeife, bag ber unbefangene Bughauer igm nun erft recht ©echt geben mugte. Mber auch $bfen blieb bie Mnttoort nicht fdjulbig unb biefe h*eg: „Der ©oKbfeinb." SBie Doftor ©todmann bie fdjäbliche SBirfung ber Quellen, h fl t 3bfen bie ber meigen ffilj«* barfteilen $enrit 3bfen 1838—1888. 245 tDottcit, unb tote jener !am er felbft jur ffirfenutnifj, baff bie ganje mobernc ©efeflfcpaft Oergiftet ift. Unb toie Stocfmann fid) nicf»t einfcpücptern lägt, fonbern in ber ipn befäutpfeitben ©efeltfcpaft ipr jum Xrop auSparrt, fo pat auch gbfen fid) burd) bie 9lufnapnte feiner ©efpenfter nid)t nbfd)reden taffen ober fein 3**1 auS ben Stugen oerloren. Slber ein tiefer SRifjmut patte ipn ergriffen. Sielteicpt »Dar eS toirftid) jwedloS, bie ibeate gor» berung überalt perumjutragen, too fie nicfjt ponoriert Werben fann, öietteidjt oemicptete er mit ipr nur baS tepte SebenSgtüd ber XurcpfcpnittSmenfdjen? Xie golge biefer ©ewiffenSfrage toar bie „SBilbente", in ber ber Söapr* peitSpelb gbfenS $um ungtüdticpeu Scpwäriner geworben. Slber bann befuepte gbfen im gapre 1885 abermals feine $eimat unb mit (Staunen gewaprte er, weteper wilbe ganatiSmuS unb weltpe Erbitterung bie politifepen Äämpfe in ben ©emütem jurüdgetaffen, bie pafjerfüllte Strt unb Seife, in ber mau bie ißerfonen angriff, anftatt um bie Sadje ju fämpfen. Xiefe Einbrüde finb eS, bie er in feinem „SloSmerSpotm" jur Xarfteltung gebraept pat. KroU unb Martensgaard ftnb bie ©eftalten, bie fein tepter Hufentpalt in ber $eimat ipm eingebradjt. Slber niept nur bie fßarteigegenfäpe bringt biefeS Xrama jur XarfteHung, fonbern auep bie ©egenfäpe ber alten, überlebten ftultur, bie SebenSanfcpauung unb Sotten Oerpfufcpt (StoSmer) — bie erftere fann freigemaept werben, aber ber Sitte bleibt oemieptet — unb ber jungen, unberüprten Statur, bereu SebenS« anfdpauung frei unb beren Sitte ftart ift, aber erft geläutert wirb, als eS ju fpät ift (SRebeffa). So gepen fie beibe ju ©runbe, aber über ipnen ftraptt baS ber SRenfcppeit, bie greimaepung beS Sinnes unb bie Säir* terung beS SittenS empor. Rosmersholm ift eine SSerperrlitpung ber Oer« ebetnben unb erpebenben SRacpt ber entfagenben Siebe unb entpätt bamit gbfenS eigene ©taubenSüberjeugung. — ES ift fetbftrebenb, bafj gägetS mnfangreiepe unb pöcpft intereffante Arbeit auep no(p auf anbere fünfte pelle Sicptftrapten wirft; Worauf eS mir pier aber antam, war, alte jene Stetten perauSjupeben, bie auf bie Entftepung ber Xramen gbfenS unb iprer einzelnen ©eftalten, fowie auf ben Eparafter beS XicpterS Sicpt werfen. 246 Siebter. JHn spamstlpij Tülksbir^btj. fiiifrorlli|loriU( Slijje oon tt>m. ^ieöler. (Sußroro.) P ie weitaus größte ber niobemen fpanifcfjcn unb Portugiesen Poeten ßaben außerhalb ißrer $eimat, oonteßmlicß in 2)eutftßlattb, baS gemeinsame SoS, baß fie in ber Siegel nteßr genannt als befaitnt finb unb nitßt feiten meiß mau überhaupt gar nitßtS ton ißuen. 9HS öor längerer Seit mehrere beutfeße Seitungen bie SRelbung brachten oon einer ©efdjwerbe beS fpanifeßen ®icßter$ Antonio be Jrueba über eine ißm bon einer meltbefaunteu beutfdjen Jirma »iberfaßrene Scßäbigung feiner 3nter= effen buteß ©erleßung feiner Stutorrecßte, »erben bie meißen Sefer ben 9tamen biefeS in Spanien fo beliebten ©otfSbüßterS »oßt jum erften Stale gehört ßaben. X)enn bie fpaniftße Sprache unb Sitteratur beftßt bo<ß nur eine Oerfcßwinbenb (leine ©emeiube in $>eutf<ßlanb unb fobiel mir ßaben in (Erfahrung bringen fönnen, ßat man bislang nodj nidjt ein einjigeS feiner Serie ins ®eutfcße übertragen, um ber beutfcßen SeferWelt ju ber ©efannt* feßaft beS ®icßterS ju berßelfen. ©ei ber unS $eutfcßen fo oft nadj* gerüßmten Uniöerfatität, bem regen Snterefie, baS boeß fonft ßierjulanbe ber auSlänbifcßen Sitteratur entgegen gebraeßt wirb, unb ber großen ftiißrig; feit unferer ©erleger muß bieS gereeßte ©ertounberung erregen. $en Cin* Wurf, baß eS fttß oietteießt nießt ber Stüße oerloßne, eine Übertragung feiner Serie ju untemeßmen, ba feine ©oefieen »oßl nur unbebeutenb feien unb oietteießt nur für bie SanbSleute beS ©oeten Sntereffe ßaben möcßten, mürben mir nießt gelten laffen fönnen, »eil man ja bamit einer ganzen ßoeßbegabten, mit fo feinem ©erftänbniS für »aßte ©oefte begnabeten Station ben ©or»utf ber UrteilSloftgleit maeßen »ütbe. Sir glauben beSßalb bem Sefer feinen feßleeßten ®ienft ju ertoeifen, Wenn »ir feine Slufmerffamleit auf unfern ©oeten ßinjulenfen futßen, ben man cum gr&no salis ben fpanifeßen ©umS nennen bürfte. Sie bei bem erlaubten ©auer an ben Ufern beS 3tpr ftanb aueß an feiner Siege bie Slrniut, bie StieffcßWcfter beS ®enieS, »ie Sdjerr fie nennt. Antonio be $rueba ß la Ouintana »urbe am 24. $e» jember 1821 ju Sopuerta, einem $>orfe in ©iScaßa als ber Sptöfjftng einer -finberreießen armen abeligen gamilie geboren. Seine erfte Sugenb unb fein ©ilbungSgang gleitßen oöttig benen beS berüßmten feßottifeßen Sängers. 9tu(ß er ßat »eher ein Sßceum befueßt noeß afabemifeße Stubien gemadjt. $öten »ir ben $icßter fetbft übet biefen ©unft 9HS ißm ein ftrüifet Sin fpanifdpr SolfSbidjter. 247 nad) Herausgabe fcinCö elften Söerfcd, beS „libro de los cantares“ (©ud) bet Siebet) — aüerbingS in beftec Slbficht — ben ©ortourf inadjte, bafc er ein gaulpelj (holgazan) fei, meil et nicht, wie inan eS ton ihm crmartcu bütfe, jebeS 3aljt bic fpanifdje Sittetatut mit einem ©udje bercidjcte, aut« mottete et golgenbeS: SJiein Seben ift ein SRuftet ton ^(tbeitfamfeit gemefen. Schon als Äinb fagten meine ©Item ju mit: ,,©eh' unb tetbiene deinen Unterhalt auf ehtliche Seife unb tergifj nid)t, bofc mit, bic mit hu no4 weit ©effereS, 34 b a b’ ti wobt erfannt Dein $aar unb Deine Rügen (Befallen mir gar gut, 34 liebe Deine ©Sangen, Die f49n wie ©fiI4 unb ©lut. Dein ©tflnb4«» unb Dein $d!84en, Die liebe i4 gar febr . . . 3ebo4 Dein fflfjeS §erg4en, DaS liebe i4 weit mehr. ©raunäugtein. Sine Serenabe. Deine Rügen, ©raunduglein, ©egaubern mi 4 febr, ©04 mehr als bie ©ofen, RlS 3a8min no4 mehr, ©o 4 webt als bie ©erlen, ©04 mehr als Sapbir, Drum fann i4 obn* biefe ©i 4 t leben aDbier. Drum beßen bie meinen Si4 immer auf Di4, Drum mö4f idj, 4** Strahlen, Sie töteten mi4* Drum fiHjl i4 guftieben Unb g(ftifli4 mi4 bin, SBenn an Deinem Senfter Du geigeft Di4 wir, SBenn Du einen ©lief bann ©on bort mir wirfft tyt, ©raunduglein, unb weiter ©egebr i4 ni 4 tS mehr. Deine Rügen, ©raunduglein, ©egaubern mi 4 febr. Dein (Bdf}4en burdjßreif i4 ©fit fröhlichem Sieb, 47 Vol. 4/2 250 9RfiHer. ©efinge bie Slnmut, Sie @ott Sit bef^ieb. Sie Rächte »erbring' id), 3Rein £äubd}en, bot Sit; erjd}en, mit glaub’, grfit Sich ju erttagen, SiebreijenbeS ftinb, Sen Siegen, bie ffälte, Sen eifigra fflinb. Set gtimmige §off)unb, Sen oft auf mid} ffät Seine gotnige SRottet Stich gat nicht entfeft 0 hör meine Siebet, Sfprilröilein füg! Saä Siebt Seinet Singen Stid} taften nicht lieg. (Ein Schmetterling bin ieh, ®on Siebe entbrannt, 9Röd)t’ ftetben im freuet, S ai Sein Slug’ entflammt. Solch ®nbe ju finben 3ch glühenb begeht. Seine Stagen, Sraunäugtein, Sejaubetn mich feht. ®em ©uanifd}en ißoeten macfjjutufen unb bag recht halb einet unfetet gtogen SBetlagöfirmen einen ÜberfegungöfünfHet mit bet 8Set= beutfdjung beö einen obet be$ anbeten SBerfeö, rot allem beö „libro de los cantares“ beauftragen möge. Jh&foq Saust* Cragöbie in 5 Elften oon itbolf ZTTäUer. (fine ffanderei flott einer Jiritil.) Don Johann oon tPübenrabt. (3Pforjflrint.) Ä i mar auf bem ffiifenadjer ©chriftftettertage. 3oftor S®ufti Cnbe. 251 Da trat an unferen Xifcf» ein ^odigetoadjfener SWann mit Äblerblirfen, auf ber Stuft bie große gotbene 2RebaiQe für Jhrnft unb Biffenfchaft, ihm bom Äaifer non ßfterretch verließen. SBir unterhielten uni, bii Sener aufbrach, um feine SBohnung im Sreunbeihaufe aufjufudjen. ftaum mar ber $üne gegangen, ali mein Machbar mit einem ironifchen Surfen um bie SDhinbminlel mich fragte, ob $err Dberförfter SRüHer mir auch fdjon ben jmeiten Xeü non ©oetljei Sauft öorgelefen habe. 3 eine Vnjaht bermittelnber, — aber ali ich ein paar Stunben fpäter auf bie Uhr fah, rnaren bie Sichtungen um nichti ge« Härter. 3*h Sero rotlben Stange Seines Streben# Sre^It noch bie »arme S^at be# SebenS, Segl reineS Sftenfdjen«ERitgef ül)I. $a nagt igm ERepgifto, gögnifcg, fatirifcfj wie immer. Er möchte bon Sauft baS Seien lernen; unb ba biefer eS fetbft nicgt famt, berebet ign SRepgifto, ftcg aufs neue in baS tofenbe fieben ju ftürjen. (Sr fügrt Sauft in eine ©tabt, in welcger Xefcel feinen Etblagfram treibt; gier begegnet ignen SRartin ßutger unb Sauft ftegt plöfclicg inmitten ber fReformationS« bewegung. SRäcgtig ergreift ign baS ©egen beS reformatorifcgen OetfteS; aber Weiterblicfenb, als ßutger, ertennt er aucg nur ju gut, woran eS bem Eluguftiner unb beffen Eingang fefptt. „Unb nun, — (Ein bumpfeS, unfruchtbares Zgun! — Sie alte £ircbe toanft, boch biefe neue Statt baß fie fi«h ber jungen (Regung freue, Statt ftcg vom fiarren Sogma auSgugeilen, 3u einem baterlänbifcgen Serein Sich ju entfalten, grog unb frei ju fein: — Stan lägt auf altem, morfchen ©runb baS §au$ Unb beffert göcgftenS grobe Söcher auS. Unb brinnen ad' ber fdjalen Schwäger $tex" — u. f. m. 3cg bin mit biefem Zitate am Einfang beS britten Elftes. 3gw geht eine groge ffiartburg=@jene (ßutger unb ERepgifto) unb baran fcgliegenb eine ©tubentewSjene (SRepgifto, iw Äleibe SauftS, ein Kolloquium mit ben SRufenfögnen haltenb) oorauS. Sefdgreiben lägt [ich bie tegtere ©jene nicht, fie mug gelefen werben, Sie ber Sbgn, ber mir eben an ben Satßern rüttelt, gägrt unb brauft eS barin; jebe Partei tomrnt jum ©ort, aber fie alle hegt ber „Oeift, ber ftetS berneint,“ weiblich burcgeinanber. Sei allebem finb bie beiben erften Elfte nur bie Einleitung für bie nun angebenbe eigentliche Xragöbie. ©enn man j. S. bie ©jene ßutger* SRepgifto, fo fcgön fie ift, ohne grogen ©(gaben für ben (Sang ber #anb* lung auSfcg eiben fönnte, fo tritt uns bom britten Elft an ein feftgefügteS (Drama entgegen. $auptperfonen finb Sauft, Karl V. unb SRaria Doftor gauft« (Enbe. 253 0. Ungarn; SRebenperfonen SRepffifto, (Sranoella, Hlba. gn einer SBeife, bie an äRarqui« fßofa gemahnt, ohne bocf> ein ttbbilb beleihen ju fein, tritt gauft f>ier burdj Vermittelung SRaria« oor beren faif etlichen ©ruber. Huf h öt hfl originelle Hrt fyat SDiephifto oerftanben, bem Softor ben SBeg ju bahnen. SRepIjtfto macht ed ein infemalifched Vergnügen, im #erjen SRariad eine tiefe Seibenfdjaft für gauft ju entjünben, bie frei* lief» erft bei bem goß bed fiepteren jum furjen, aber unenblidj tief unb fdjön geft^ilberten Hudbrudj (ommt gauft felbft ift nur öon bem einen, grofjen (Sebanfen erfüllt, bad $erg bed Äaiferd für ein hrdjtidjeä Veform* projeft ju gewinnen, fiarl hält ihn für einen Vroteftanten; gauft: „Der Äuguftinermöndj in feiner Seilt, (Er gab ber Seit ein geiftige« Signal, Unb bie Vegebenljeiten in bent Sieid) Sie türmten fidj in »eiten SBogenfreifen 3 u großen Xbaten auf ber SBeltgefc^ie^te. Dodj tleintidj finb bie firdjlicb* engen Sdjranfen, Somit ber 9tiefengeift fich felbft umgeben: fehlt ein grofje« (Etwa«. Äarl (frtDattun 0 «BoU): Unb ba« märe? guft: Da« frifche, nationale (Element, Da« in fich felber fidj erhöht, erweitert, Unb ein Ijarmonifch* einig ©an$e« bilbet!" Smmer gewaltiger fühlt $arl fich ergriffen; betut Wad ihm gauft norträgt, hat unflar in feinet eigenen Seele gekümmert. (Sr ernennt ben Sottor ju feinem iftuntiud; aber ach, SBürbe bauert nicht lang. Sie ßift ÜRephiftod ift fehlgefchtagen, (SranbeSa unb Hlba wittern einen (Seift, ber ihnen gefährlich ju werben broht gn einer erfdjütternben ©jene naht Rarl V., oon Bweifeln gefoltert, feinem ©eidjtöater, ©ranüelta; unb biefem gelingt ed, ben Äatfer ju überzeugen, bafj bad Streben bed Soltord ein SBerf bed ©Öfen fei. Sarauf Verhaftung, welche SJtaria oergebend ju »er* eiteln bemüht ift. HRaria («nein): „gn tiefer Schmach unb geffeln, — §err be« geben«! O biefet gantmer! — Ä1P mein glelj’n oergeben«! — (Braufamer ©ruber! — — — — (Ein eble«, reiche« Sein magft Du zertrümmern. Du achteft im 3 *rftören nicht ber Sunben Der Stnbern, bie am Unglüd biefer Stunben (Einfam Oerfflmmem!" 254 (Eonrab. Setter 9tft: Saug im Reiff er. Umfong bietet igm äRepgigo $ülfe, Sauft oerfcgmägt eine jebe. Seine Spüler lommen, um ign $u retten; aber fcgon ift ber lob igm nage. 9hxg Oernimmt er bie Sftacgridjt oom Siege $erjog$ SR orig, bann ftirbt er. Die Srjenget tragen feinen Seift aufwärts, 9Re* pgigo Oerfmft mit ber entfeelten £ülte. Soweit baS Drama. SRan wirb jugeben, bag eS auf eigenen Sögen gegt; babei gat ficg ber 9tutor fo in ben Seift unb bie StuSbrucfSweife SoetgeS oerfenft, bag man (mögen micg bie SBeimaraner nicgt freudigen!) mitunter ben Stttmeiger fetbft ju göteu glaubt. 9hm aber baS Dgeater, bie Stuffögrung, bie mobeme ©ügne! Sott icg gunbertmat SefagteS wiebergolen? — Sud) rufe id) an, 3g* Rottegen in 9lorb unb Söb, Sud) 9lfle, bie 3g* mit Dramen in ®tanföerfen unb in fßrofa oergebenS an bie Xgore unferer SRufentemgel gepolt gabt 3gr wigt, wer unb was geute bie fflitgne im Srogen, Sanken begerrfegt; ber 9leg ift ScgWeigen! Docg wir wotten mit bem peffhniftifcgen 3itat nicgt fcgtiegen, ogne einer tröftlicgen SluSgcgt ju gebenfen. 3« öerlin, ber Raifergabt, regt ft cg neues, oietoerforedjenbeS fieben. Dort fott aucg jener Rung, ber an uw feren $oggeatem fein Staunt oergönnt wirb, weit ge ju gocg ift für bie Seiger, Wetcge bafetbft regieren, eine Stätte oott fröglitgen SebeigenS be* reitet werben, SRöge bemt SRütterS «Saug" eine ber ergen Saben fein, wetcge unS in ben neuen SRufengatten in Würbigger Sonn bargebracgt werben. !tH*r»rodjf$ XriliL n. U)ie bie „Deutfege Heoue" igre fritifege Hufgabe erfüllt. Don Hl. <0. (Eonrab. (91li4ra.) f oeg baS fott unS nicgt abgatten, unfere fritifege Stufgabe ju erfölten, fpriegt ber anongtne SRicgtbeitfcgwinger im 3unigeg ber ebten «Deutfegen SReoue" (Sbuarb Drewenbt in 99reSlau), främpett bie Unfete litterarifd>e ffritif. 255 $trme( auf unb mad)t ftc^ an fein mürberifdjed ©efdjäft mit nQ’ bet ©e* wiffenljaftigleit, 93oraehmheit unb ©rajie, welche bie litteraturgelehrten ÜRad)- vichter bet alten Schule ald unantaftbared 3unftmonopol beftyen. „Dod) bad fall und nicht . . SBad foB und nid>t u. f. tu.? Der Umftanb, „bafj mit und babei beträchtlidjen ©efapren audfefcen." §öd)ft fdjauberbar unb erftauntid) f>elbenf>nft jugleid), biefed ©d)au= fpiel, wie fid) bet beutfdje 9tedue*$ritifud — and angebotenet SJefdjeiben* heit derfdjweigt bet ©rade natürlich feinen werten 9?amen! — ben „be* trädjttidjen ©efahren audfefct", um feine ,^ritifd>e Aufgabe $u erfüllen". Unb wof|et erwachfen ihm biefe „beträchtlichen ©efahren"? Sid), bad ift eine Ijeiflofe 9iäubergefd)tchte! Der füfjne iRamenlofe bet gewiffenpaften, dornehmen unb grajiöfen „Deutfdjen 9tedue" hat nämlidj feine „Jritifche Aufgabe" biedmal (im Suniljeft) an einigen „ERitgliebern jener StJtiengefeBfdjaft für gegenfeitige Cebendderfidjerung" ju erfüllen, „welche fid) ald jüngfted Deutfchtanb be§eid)net" 2Wan benfe! Sin SBithelm SBatloth unb Detted d. SHliencron! (id ift und yoar nid)t befannt, bafj fid) bie genannten ©cbriftfteBer jemald ald „jüngfted Deutfcfjlanb" bei itgenb einem Iitterargefdjid)ttidjen ©tanbedamt hätten eintragen taffen, aber bad macht nicf)td. Der grofje iRamenlofe bet „Deutfdjen 9iedue" rechnet fie baju — unb bamit fßunftum. SRit ben ERitgliebern biefed ^üngften u. f. w. h Q * nun fotgenbe SJeWanbnid nach ber Sludfage bed SRamenlofen: „SBenn man eind biefet SRitgtieber auch nur teife ju tabein wagt, hat man aldbatb bie ganje Jtäffenbe SReute auf bem $atfe, unb ihr mit Studfcf)lufj ber £)ffentlidjleit erfdjeinenbed Seibjournat nimmt fürchterliche SRndje an bem gredter." ©norm! Die ERännet, welche bem Jritifchen Slufgabenerfüfler ber „Deutfehen 9iedue" fo „beträchtliche ©efahren" bereiten, finb atfo gar Jeine SRänner, nicht einmal SRenfchen, foitbern eine „Jtäffenbe SReute", atfo $unbe! Der beutfdje Dichter SBithetm SBaBotfj — $unb! Der beutfehe Dichter Detled d. Siliencton, Königlich pren&ifdjer $auptmann a. D. — $unb! Sitte übrigen ©umma ©ummarum — £>unbe, §unbe, $uttbe! @ine „ganje Jtäffenbe SReute"! Unb bie SBerte biefer $unbe, bie nicht bloß „Jtäffen", fonbern merJ= WürbigerWeife auch ©ebichte, SRomane unb SRodeBen fcfjreibcn, hat ber Jühne SRamenlofe ber ebten „Deutfchen Eiedue", wie er derfichert, „pftichtfdjut* 256 Sonrab. Unfece (itterarifche Äritif. bigft burcfjftubiert, um fie pjnchtfdjulbigft ju befpvedjen," obmohl er toufite, bafj er fidj babei „beträchtlichen (Gefahren audfept . . ." Unb nun erhebt fich ber Samenlofe jur Holten £öhe feiner Jollfühn* heit: er fpottet aller @efct()veu, bie fdjou bei einem „leifeit“ Jabel auf ihn lauem — frfjiuingt feilt fritifdjed Richtbeil unb fdjlägt bie @ebid)te, 9io= mane nnb fJtoöellen fdjreibettben $unbe be« jiingftcu Jeutfdjlanbd ein- fad) tot! Daö 9täl)eve biefer ffSrojebur bitten mir im ^uniheft ber oomehmen, gemiffenhaften „Jeutfdjen 9ieöue", bie ja nicht ganj „mit 9(n3fd)lujj ber £)ffentlid)feit erfdjeint", gefäUigft felbft nodjjufeheit. ®enn ed ift fehendmert, toie biefe eble Sh'ebue ihre fvitifdje Aufgabe ben jüngeren toaterlänbifd)eu dutoreu gegenüber „pfttchtfchulbigft" erfüllt. Sa, fo ift ed: meint einmal ©emiffeuhaftigfeit, Vornehmheit unb ©rajie and ber beutfcheu litterarifdjeu Slritif gefd)muubcu fein füllten, in ber mehr* belobten 9ieüue mivb man fie immer nodj finben ald linoergänglidjed 3unft= monopol ber guten, alten, namentofen flritifevfdiutc — Schinberhanned unb mtb fitompagnie! S5Me giguva jeigt! Unb eine gemiffe ältlidje Haudtuibofratie in ber genifletonpreffe, bie in unferem litterarifdjeu $eutfd)laub gar frifch unb frech mit ben afabe» mifcheu Sßacfetfopfen um bie SSJette bie flaffifche ®d)önl)eit uitferer Hltoorbem preift, fdjlägt s J5urseU»äumc üor Sonne, bafj ed nod) fo hertlidjc ifeibjournate im 9i'eid)e giebt, mo man foldje 9)?nfterbitber ooit uaterlänbifd)er Jlvitif jüdjtet, toie biefer (rhren-dnoupmud ber @hten= 9ieüue. — 3» 11 * 3d)Infj teilen mir folgeitbe 3 u fd)rift and uufernt Seferfreife mit: Quis tulorit Gi-accho.« etc.! Sie „Seutfche Seuue" beftagt fich über bie gegenfeitige Seftamemadjerci Anbcrer! Ser Spipbube fchreit: »galtet ben Sieb*! SaSfetbe Statt, metche« fich nicht gefreut hat, eilte Seihe ber beften beutfcheu Samen ber (Kegenmnrt für Tange 3 e >t h'nau« lächerlich p machen, inbent e« fie p einer „Seutfchen SebuegefeOfchaft* bereinigte, beren einziger ftmtd Seflame für biefe« eble Statt mar. (Sin Anblicf für (Kötter, beutfdje Srofefforen Arm in Arm mit bem Herausgeber ber „Seutfdjen Seoue* bor jeber glurttjür leiern p hören: „Haben ®< f nicht« p abonnieren?" (Sine AftiengefeHfdjaft pfammentrom» mein pr Ausbeutung eine« totTiegenben gföpe«! 3 f h n ffrrjte bor ber ßffentliehfeit pfammenprufen, um ein totgeborene« fiiub Tebenbig p machen! Unb ber Ano« npinuS roirft anberen Seuten Seftamefucht bor! Sie eigenen Mitarbeiter auf- forbern, in öffentlichen Sorträgen Abonnenten für ba« Statt p merben unb ihnen pr Setohnung für ba« (Sinfangen einer beftimmten Anptg Summer bann finan* jietle (Srteidjterungen p gemähren — aber bie Heute, meldjc Setlame machen . . . ftnb Anbere! ffierft boch einmal einen Stiel in bie Summern ber ebten Monats« fdjrift! 3n ben Sorgimmern alter Staatsmänner ben Soben abtreten bi« biefe ffritif. 257 auS BerforgniS fflt baS fßarfet fiep perbeilaffen, peranSgutreten unb bem eblen Witarbeiter gugutufen: „(Kitten Worgen, machen Sie, bah Sie pinauSfommen!' unb bann bie „Unterrebung mit bem berühmten Staatsmann' als fenfationellfteS ®t* eignis in alle Weit pinauSgupofaunen . . . unb biefe {Reoue wirft anberen Seuten Sietlame not! Äaum bah ein Zpeaterbireftor ober ein Ähnlicher berühmter Wann, ben bei Sebgeiten niemanb ernft genommen, bie Hugen gefcplofjen, anS Zotenbett ftflrgen, ben Hinterbliebenen bie SBafcpgettel beS Beworbenen, bie auch nicht baS minbefte bon allgemeinem Jntereffe enthalten, auS ben HAnben reihen, fte in alle Weit als fenfationeüe Veröffentlichungen hinauSfchreien, an alle SReoaftionen Bürften« abgüge fcpiden, um ponorarfreien Stacpbrucf bet fßubtitationen betteln, bamit nur ja bet Stame beS eblen Blattes in bie ihm trop aller „Stebuegefeüfcpaften* ber* fcploffene öffentlichfeit bringt-unb bie „Zeutfcpe SRebue' wagt eS, bie „(Kefettfcpaft' ber SReflamefncpt gu berichtigen, bie „Zeutfcpe Stebue", bie notorifch in „Slbonnentenfang macht', mirft einem Blatte marftfdhreierifcheS Auftreten bot, baS lebiglich für eine „Jbee' Bropaganba machen min unb baS feine gange fitaft in ben Zienft einer Sache gefteKt hat, bie früher ober fpÄter flegreith burcp* bringen mirb unb muh! 3a, mir „Hunbe"! C. A. Uematte unb betten. SS ift eine in bottspfpcpologifcper Hinficht jebenfattS (ehr intereffante Sr* fcheinung, bah in ben testen fahren, ge- rabe als allenthalben gegen eine gemifje Ärt weiblicher „Hanbarbeit' gu gelbe gezogen; als ber Wert ber bon grauen unb Jungfrauen auSgeübten litterarifchen Brobuftion bon ber Aftpetifcpen, ethifcpeu unb befonberS bon ber nationalöfono* mifchen Seite betrachtet unb geprüft mürbe — bah gerabe in biefer 3«t, fage ich, ie Sefcftwifter finb Der« gejfen unb bet eftrwfirbige Sätet; . . . bie Stuftet ftatb, al? Senbet, jeftt Slejanbet Sa; noeft ein ftinb Wat. 01? bem Sätet bie Äunbe geworben, baft fein geliebter Senbet fieft Dom guben« tum abgewenbet, ba flucftte et bem Softne nieftt, abet et trauerte fieben läge um iftn, wie nm einen Zoten unb Senbet? Same warb nieftt meftr genannt im §aufe be? Sätet?. Hte;anber lebte al? reicfter Staun, boeft feinet Sattin warb et im Serlaufe bet gaftre um fo meftr flberflflffig, al? et plbfclieft gu fielen begann; fie faufte fieft Io? Don bem Staune, beffen Seftönfteit nnb Straft fie oorbem beraufeftte, beffen feelifefte Sigenfcftaften gu fennen fie nie betfucftt batte, unb fo gog benn 8Ue;anber allein fort in bie Silber, naeft bem Silben, bet ftanfe finngen graefen ntaeften foO. 3aftte ftinburcft gog et, ein Sftanfet, bureft bie blflftenbe ©eit, mit fieft gerfaUen, gtfl» belnb, feine früfteren SIauben?genoffen, bie 3uben, meibenb. gmmer Heftiger tobte bie firantfteit in iftm; bie neue Seftre, bie et angenommen, oerlieft iftm feinen $att. 3e meftr et fbrperticft Der« fiel, um fo meftr umjeftmebte iftn bie Sr« innetung an ba? Slternftau?, unb enb« lieft, feine Seftnfucftt nieftt meftt bemeiftern fönnenb, befefttoft et al? ^rtembling, al? Saft bott gu fterben unb unter ftemben Samen bie leftte fRufteftütte gu finben in einem jflbifeften Stabe. Unb fo gefeftaft e? aueft! . . . Sdeftft btefer Stgfiftlung ift ba?Seben?> bitb: „Sin Älmofeniet" gu rilftmen, ein Settlet, bet für ärmere betteln geftt. Sie „Stifeftefte" foE bemeifen, baft nnr gleitft gu gleieft, ber 3ube gut 3übin, ber Sftrift gurSftriftin taugen. 3nber„Stifie Sefefticftten unb Silber fleo $erg« betg'Sfvaenfel? ftaben außer iftrem Iit« terarifeften, aueft einen fulturftiftorifdften Sett, benn fianb unb Seute finb maftr« ftaft gegeieftuet; ba? Sneft oerbient ge« lefen, nnb in Dielen Singen beftergigt gn werben. Unb nun, neungeftnte? Safttftnnbert, ftolgefte? bet geholter! Sie geit naftt, wo bie Seitenloden Dom $aupt bet pol« firitif. 261 nifchen 3uben fallen, wo bie Kaftane Ber» taufet werben gegen bie allgemeine San» beätradjt, wo bev unleibliche Singfang, baS erbärmliche Fübifdjbeutfch nicht mehr gehört wirb: oerfflnbe eS, o ftolges 3ahr« hunbert! ®irb bann auch ber Staub, ber an bir hängt, bein Vorurteil, oerfchtoinben? ... A. T. Karl ©röll: Silberbuch eines Summier«, Äbolf SanbSberger. ©erlin. ©Derliebfte, (leine, frifch getriebene Feuilletons! Karl ©röH ift bon entfchie* benem fabuliftifchen latent, nur oerfagt ihm hi« unb ba bie ftunft, feine burch« weg« trefflichen Stoffe mflrbig auSguge« {(alten unb burchgufflhren. Qnbeffen wirb jebermann biefe flotten Sfiggen mit ®e« hagen lefen, bie in ihrem pauäbädigen Humor, in ihrer braHen (Sefunbheit, in ihrer gelungenen fatirifdjen Färbung einen prächtigen (Einbrud machen, ©tan foflte eS oft gar nicht glauben, bag ein poli« tifchet Schriftftefler fleh fo ben ©lid für alles Flotte, Siebliche, $arm!ofe bewahrt hat, als eS bei Karl ©röD ber F®fl ift- Für mein @efühl ift biefeS ©üchlein un* gleich beffer geraten als beS üutorS (fltg« lieh erfchieneneS ffierf: »Sin moberner Zotentang*. ZaS (Stele, SenfationeOe liegt ©röü oiel ferner als jenes heitere, (iebenSwflrbig'braftifche (Element, baS im „©ilberbudj eines ©ummterS* bie fdjön« ften ©lüten treibt. ffiit lönnen baS ©fleh* lein mit beftem Oewiffen empfehlen, gur Steife > unb ©abeleftüre ift eS wie ge« fchaffen, fowohl wegen feines häbfchen Inhaltes, als feiner gefälligen ZuSftat« tung. Karl ©röH gehört gu ben wenigen Foumaliften, bie mit ooüfter litterarifcher ©erechtigung ©uchauSgaben ihrer Fettil* IetonS Peranftalten. E. W. „ZeSSebenS ftleinigfeiten*. ©il« ber unb Zgpen aus bem ruffifchen Seben oon 9t. Schtfchebrin (3Jt. H- Saltpfow) Äutor. Überfepung oon 3of|- (Edarbt. (H- ©ehreS ©erlag, Hamburg nnb Stitau). Zie EBerfe SdjtfchebrinS, beS bebentenb« ften ruffifchen SatiriferS ber 9teugeit, fmben in Zeutfchlanb noch immer nicht bie SBflrbigung, bie ihrer heroorragenbeu ©Mdjtigfeit entfpricht; bie hiw Borliegen« ben, lebenstreuen ©ilber auS bem ruffi* fchen Seben geigen bie glängenben (Eigen« fegaften beS ruffifchen SlutorS Bon ihrer beften Seite, unb finb wie gefdjaffen bagu, bem ©erfaffer bie Sympathie beS SeferS gu erwerben. Zie oorltegenben Sfiggen finb nicht ber Satire gewibmet, eS finb Bielmehr Sittenfchilberungen, für beten lebenSBoüe Zreue ber 9tame Schtfchebrin im BorauS ©ürgfehaft leiftet. Zie £e(* türe beS ©ucheS Bermittelt uns nicht nur bie ©efanntfdjaft eines IiebenSwfirbigen (ErgählerS, fonbern auch *i*eS Schrift« fteüerS, Bon bem fich augerorbentlidj Biel lernen lägt. SBir empfehlen bie Bortreff« lieh Berbeutfchten (Ergählungen anfs befte. Z. Zie Ungnfriebenen, Roman Bon (Emil ©tarriot, ©erlin, Freunb unb 3edel. (Emil ©tarriot, ein intereffanteS ©feubonpm, hinter welchem fich be» fanntermagen Fräulein (Emilie ©tataja Berbirgt, ift eine h oc höegabte Schrift« fteüerin, bie mit ihren Romanen „Zie Familie Hartenberg", „Zer geift« liehe Zob", Stft ber Zonfur" fich rafch einen Berbientermagen glängenben Ramen erworben; umfomegr befrembet unS ihre legte Ärbeit „Zie Ungufrie* benen", welche burchauS nicht auf ber Höhe früherer Seiftungen fteht. Sie wollte einen Roman auS ben bürget« liehen ((reifen ©ienS fchreiben, bie Familie aber, welche fie ba fchilbert, ift eigentlich nur ein htrabgefommeneS (Seftnbel nnb ©tignon, bie fogenannte ©efte unter ihnen, ein Oefcgöpf, baS fich wie eine Strogen« bime benimmt unb felbft gum Schlug, als fie ihrem Bertommenen Schwager 262 Äriti!. Salbredjt eine Stanbrebe Ijdlt, uns nicht recht interefßeren roiü. gretij 8aß*ow» bet junge ©rjt, ift nodj ber ©efte aus ber ganjen ©efeOfchaft, aber im ©runbe genommen embftnbet man nad) ber fiel* türe beS SRomaneS feine redete ©efrie» bigung, fonbem nur ben SBunfdj, ©mit Starriot möge iljr unbeßreitbareS unb auSgffprodjeneS Zalent ba(b im Zienße einer befferen ©acf)e Oermerten. ©tiliftifdj ift ber Vornan feljr f)öbfcf) gehalten unb einzelne ©pifoben in bemfelben finb auch, loSgefdjält oon ber aOju großen ©reite, gang bebeutfam. 9m großen ©anjen aber forbem mir gerabe oon ©mil Starriot mehr als fte unb geboten, eben meil ft« ei« Zalent ift. r. ©ältrenbe Ärdße. ßlga. ©in Montan auö ber oonteljmen mfftfdpen ©efeOfchaß Oon ©oleSlam StidjailomitfdjStarldmitfch. Sfrei bearbeitet oon §. oon Sanfenau, faiferlich ruffifcher ©taatSrat a. Z. Stit einer ©orrebe oon Siciebric^ »on ©oben* ftebt. Zie ©oman * Zrilogie „©äprenbe Äräfte", beren jtoeiter ©anb in obigem ©Oman Oorliegt, hat in §. oon Banfe« nau, bem tiefen unb oertrauten Äennet rufßfdjen Sehens unb rufßfcher Sittera* tur, einen glfidlichen Searbeiter gefun* ben, benn um ben in Zeutfdjlanb noch unbefannten ©utor h»« etnfü^ren ju fönnen, mußten eine große Stenge poli» tifd>er ©bljanblungen, bie nur ffir ©uß* taub bemerfenSrnert finb, fjinmeggelaffen merben unb ebenfo mußten, um baS ftßhetifdje ©efüljt beS beutfdjen SeferS nic^t ju beleibigen, fdjtüpfrige unb fri» oole ©jenen in oerß&nbnisooßer Seife unb ofjne ©rüberie gemilbert merben. ©Oe biefe Anbetungen ßaben bem großen ©oman burdjaus nichts oon fei« nem ffiert genommen, fonbern berfelbe mürbe baburdj im ©egenteil bebeutenb erl)ö^t unb für unfere ©nfprfldje erft lesbar gemalt. ©emerfenSmert für ben eben erfdjie« neuen ©Oman „Olga* ift nodj, baß barin bie martige ©eftalt unfereS großen Äanj* lerl, ber bamalS ©efanbter am ©eterS« bnrger #ofe mar, auftritt unb baß in jutreffenber, liebensmürbiger Seife nicht bloß feine Ijeroorragenbe geiftige ©ebeu« tung, fonbern audj fein bamaligeS ^duS« HcßeS Sieben in ©eterSburg geftßilbert mirb. R. ©auch: @edjS ©ooeflen aus bem ©O« tagsleben oon Siuife Seßfirdj. ©er« lin, ©leganber Zunder. Siuife Seftfirdj ift eine SdjriftßeOerin, bie eS mit fidj unb ihrer ftunft ernft nimmt, bie aber oerbient, auch oon ber Äritif ernft genommen unb oon ber Siefe« melt in fjofyem Stoße beachtet ju merben. Zie beften Sieiftungen ber Sammlung finb: .©auch“, eine bflftere ©efdjidjte aus bem ©DtagSIebenoon merfmflrbig fidlerer ©ha» rafterjeidjnung unb .Zer rote@hamI“, eine erßhfltternbe XragöbieinnooeOiftifcßer grorm. Ziefe Heine ©fijje aOein bemeift, baß uns in Siuife Seftfirdj ein erjdhlen« beS Zalent erftanben ift, mit roeldjem mir Oon nun an ju rechnen h 0 ^- .©in Sieb* iß eine Ijübfdje, anfpruchSlofe ©pi» fobe aus bem Sieben einer oertommenen Sängerin. $n ben beiben testen ar¬ beiten behanbelt S. Seftfirdj fojiale Äon« ßifte mit mehr ober meniger ©efdjid unb ©rfolg: .Zer Äuß eines ÄinbeS* iß gut erbacht, aber etmaS ju fentimental ausgeführt. .ZaS ©echt ber Siebe“ befaßt ßch mit bem ©djidfal eines ©rbeiterS, ben bie fojialiftifdjen Srrleljren oerführten, fo baß er bie ©rbeit Oerachtet, bem Zrunte oerfäDt, fein £>au8 fdjdnbet Ziefe ©e« fcßichte hat bie ©erfafferin mit anerfen* nenSmerter pfpdjologifdjer geinljeit er» jdhlt. E. W. Smei hetoorragenbe beOetriftifche ©o* pitftten ebierte foeben ber ©erlag oon ©bolf ©onj & Äomp. in Stuttgart ©S ftnb bieS .Zer Unfrieb* oonSubmig Jhritif. 263 ©anghofer unb „Zifiphone'. (Eine ®efd)i$te auS bem Sefumatenlanbe non ©ottfrieb Schmab. 3eneb ift rin natur- frifcher, prächtig erjagter Sotfroman beb rühmlichft befannten SdjilbererS beb börflerifchen Sebenb, biefeb ein hiftorijchrr iRoman anb ber römifdjen Äaifergeit, bet in fiompofttion nnb Sarftellung ben talentvollen, fielet geftaltenbra Äünftler »errät. Sie belannte Sionellenfolge non Sie« tor non Straufj, bie unter bem Jtoüef« tintitel „Sie Schule beb 8ebenb", bie (Ergähtungen „Sab @1 üd“, .(Eine Schulb* unb „SRenata* enthält, er« fchten foeben in gmeiter Auflage in (Earl Kinterb Uninerfitätbbuchhanblung in $ei« beiberg. JtyUnfnptic. 3m Saufe beb norigen Monats hat fihen »on Äarl Sunderb Serlag in Berlin läuflid} in ihren 8eftp ge« bracht unb bamit finb bie opera omnia beb erlauchteften beutfehen Senferb ber Stengeit, bie einen mähren Schah beb ebelffen föftlidjen ©rifteSgute« barfteBen, famt unb fonberb in ben ßänben eine« Seriegerb bereinigt. (Eb uerfteht ftch non felbft, bah bie Kerfe, bie §artmann in 3nlunft fchreibt, gleichfalls bei Kilhelm gfriebrich in Seipgig etfeheinen metben. (Bleichseitig mit biefer Mitteilung »er« binben mir bie anbere, bafj (Ebuarb non ßattmamtb „Äfthetif* bnreh bab (Erfcheinen ber Sdjlujjlieferung foeben fomplett gemorben ift; bab groß angelegte Kerf, bab mohf gn bem tieffiten unb ge* banfenreichften gehört, mab fein Serfaffer gefchrieben, liegt nunmehr abgefdjloffen nor unb unb ermöglicht erft baburch, bie gange Sebeutnng biefeb Siefenmerfb gu ermeffen; bei bem tollen Surdjeinanber, bab unter unferen äfthetifchen Begriffen in lepter 3*it Slap gegriffen hat, bürfte eb biefer „Slfthctif* beftimmt fein, flärenb gu mirfen unb fegenbreiche folgen gu geitigen, um fo mehr alb gerabe auf biefem ©ebiet bie litterarifche Srobuftion feit langem ftagniert; unb fo barf man mohl, ohne fich einer Übertreibung fchnl« big gu machen, fagen, baß mir in ßart« mannb jüngfter Schöpfung ein Kerf be« fipen, bab für bie Kiffenfcpaft beb Schönen non bahnbrechenber Sebeutnng fein mirb. 3n ben mit feinen Sor« gängern gemeinfam behaubeiten Partien fteht ßartmann auf beren Schultern unb ftüpt fich gum Seil auf neu erfchloffene Quellen. Sie eingelnen äfthetifdjen 8e* griffe (beb häßlichen, (Erhabenen, Zra» gifdjen, Äomifcpen, ftumoriftifchen) unb bie noch fchmebenben Streitfragen aub bem ©ebiete ber Äunftlepre werben nach ihrem gerichtlichen (Entmidelungbgange in befonberen gufammenhängenben Mo« nographien behanbelt, mährenb bie ©e> fchichte ber äfthetifchen ©runbpringipien bie größere erfte ßälfte beb 9taumeb einnimmt unb burch ihre engen 8e* giehnngen gut ©efdjichte ber Metaphhfif auch mbrtnoQe Beiträge gu biefer lee¬ reren liefert. Ser Serfaffer hat fich auf bie äfthetif feit Äant befdjränft, teil« aub räumlichen ftücffichten, teil« meil bie eigentlich miffenfchaftliche äftljetif erft mit biefem beginnt, ober meil boch gum min« beften bie norher behanbelten äfthetifchen (Probleme in ber nachfantifchen «fthetif fich miberfpiegetn unb auf höherer Stufe in »ergeiftigter unb nertiefter ©eftalt mieberfeljren. Sie befannten JBorgüge ber $artmasnf bie neueren Ber« fuche proteftantifcher Bheologen, ben Obeengehalt be« Shtiftentum« auf fpe« fulatiber Bafi« ju bertiefen unb }u ber« jüngen, einer fcharfen Iritifchen Beleuch« tung. Bropbem bofumentiert fich $art* mann« Stanbpunft nicht al« ein ber Steligion feinblicher, al« gfreunb unb im Ontereffe berfelben hebt er im ©egenteil bie Unzulänglichfeit ber überlieferten Stetigionsformen unb ber liberalen Um« bilbungSberfuche h'tbor unb fteQt fich hiermit in einen jchroffen ©egenfap z u jenen ©egnern be« SljtiftentumS unb meltlich ©efinnten, melche bermeinen, ba« 48 Vol. 4/2 266 Sritif. refigiöfe Sebflrfnt« be« Söffe« burcp weft* Itd^e 3ntereffen beliebigen ju fönnen. Seibe ©griffen Ijaben bei intern Cr» fdjeinen ungeheure« Auffepen erregt nnb in frucptbarfter ®eife gewirtt. Sticht ge* ringere Anerfennung fanb fein „®apr* fjeit unb 3tftum int DarwiniS* tnu«*, ein Sud), ba« offgentein af« bie befte populäre Vorlegung ber barminifti» fcpen Dpeotien unb gugfeicp af« bie facptunbigfte unb befonnenfte Sritif ber* fefben oon pfjifofoppifcper ©eite ange* fepen toor. §artmann p8ft fiep hier gleich fern bon unfruchtbarer Negation nie bon unfritifchem ®ntbufia«mu« unb weift ben wiffenfdjaftfidjen ©rrungen* fchaften Darwin« unb feiner Schüfe ben ihnen gebflprenben Sfah in ber 9?atur» ppifofoppie an, ohne bem tefeofogifchen 3beafi«mu3 ba« geringfte ju bergeben ober bem Stateriafidmu« unppifofoppifcpe Äonjeffionen gu machen. Da« unter bem Ditef „$ur ®e* fchithte unb Segrünbung be« $ef* fimiSmu«* erfcpiewene ®erf ift eine Serteibigung«fcprift in eigener Sache, gu bem 3b»ecfe gefcprieben, bie Unfein* bungen unb SRißbeutungen, bie ber $art* mannfche Seffimi«mu« erfahren, gurflcf* guweifen, unb feinen ©tanbpunft ffarer af« bisher gu enttoicfeln unb fefter gu begrflnben. Aach biefen gelegentlichen Ausführungen unb Serteibigungen in anberen ©chriften wibmet ber Serfaffet biefem Segenftanbe pier fine eigene Unterfuchung unb geigt in gefonberten Cffap«, baß fein ©tanbpuntt oöflig mit bemjenigen Sfant«, be« „SaterS be« fßef* fimi«mu«*, übereinftimmt unb baß biefer SeffimiSmu« miffcnfchaftlich ebenfo wohl begrünbet wie prattifd) wertoolf ift. Son ben anbern ber pierper gepörenben Schriften heben wir noch befonber« her* bor „Sur Sefotm be« höheren ©cpulwefen«*, ein ®erfchen, ba« gu ber fich mehr nnb mehr gufpipenben 8rrage unfere« pöperen ©chufwefen ©teffung nimmt unb wichtige bepet* gigung«werte Satfcpfäge für bie not* wenbige Umgeftaftung unferer höhnen Schufen beibringt unb bie pofitifche Sro fchüre „Die pofitifchen Aufgaben unb Snftänbc be$ Deu tf cp en Seich«.* ®ir gehen nun gu ber Setrochtnng oon Cbuarb oon .§artmann« §aupt* Werfen über unb beginnen biefefbe mit bem ®erf, ba« feinen Serfaffer über Sacht gurn berühmten 3Ranne machte, bie „fßpitofoppie be« Unbewußten*, ! unb ba« wie faum ein anbere« philofo* phifdjeS ®erf (feit 1869 bi« je|t er* fchienen 9 Auflagen unb würben über 12000 ©jemplare abgefept!) ©rfofge auf* guweifen hot, würbe eS bod) batb nach feinem ©rfipeinen nicht bfoß af« ein wiffen* fchaftfiche« unb fitterarifche«, fonbem af« ein fufturgefcpichtficpe« unb gefelffchaft* fiepe« ©reigni« gefeiert. Diefer fenfatio* neüe ®rfofg, ber bei einem umfangreichen metapppfifepen ®erfe af« Unifum in ber ©efepiepte be« Sucppanbet« baftept, unb bie große Sopuforität, beren fiep bie „Spilofoppie be« Unbewußten* erfreut, taffen jebe« nähere Singeben auf ba« ®ert af« überffüffig erfepeinen. Sann man bie „Spilofoppie be« Unbewußten* af« ba« Programm ber Spilofoppie ©buarb 0. §artmann« begeiepnen, fo bringen bie nun fofgenben §auptwerfe: „Da« frtttiepe Sewußtfein", „Da« refigiöfe Sewußtfein berWenfcppeit*, „DicSefigion be« Seifte«* unb „Die töftpetif*, bie an Diefe unb geiftiger Sebeutung ba« ®rftfing«werf weit überragen, nun bie Durchführung be« Programms. 3n noep pöperem Stabe af« bie „Spifofoppie be« Unbewußten* pat „Da« fittfiepe Sewußtfein* affge« meine« Auffepen unb ben febpafteften ©ebanfenauätaufcp peroorgerufen, aber auep bie erbitterten ©egner Startmann« erfennen wilfig bie ungewäpnticpe fuftur* piftorifepe ®icptigfeit ber ©rfcpeinnng an. Da« Sucp wenbet fiep an bie ©ebilbeten ftrttif. 267 bei gangen beutfdjen Pollei, alieintoiffen« fdjaftlichei SRabnroort gut erneuten Prfi« fungber geiftigen Sunbamente bei fhtlidjeu Sebeni unb ihrer relatioen SBertfchäßung. ®li Seitenftüd gu bem ebenerto&ljnten Serie iß Jpartmanni „Dai religiöfe Demußtfein berSRenfdjbeit imStu« fengange feiner (Enfmidelung* an« gufehen, ei ift ber gerichtliche Xeil einer Peligionipbilofopbie, bereu fpftematifcher Xeil in ber barauffolgenben „{Religion bei Seift ei' enthalten ift. Die beiben ©flehet, oon benen übrigeni jebei eine ab« gefcßtoffene (Einheit für fich iß, finb für jeben, ber fich um bie brennenbften Xagei« fragen flimmert, ebenfo unentbehrlich mie für ben SachPbilofopben, Xljeologen ober $ißoriter. Pon bem fünften §auptmerl, ber „t# ft b etil", fbrachen mir bereiti im (Eingänge unferei ©eridjti. Seiber fehlt uni ber {Raum, um auch ben „Sieben« merlen* (Ebuorb oon fcartmanni, beten Xitel mir oben angaben, einige Sorte gu mibmen; mir müffen uni baher mit ber Pemerlung genügen, baß biefelbe famt unb fonberi bai in ben §auptmerlen niebergelegte pfjtlofop^ifc^e Softem meiter auibauen unb nach beftimmten Stichtungen hin ergängenb erroeitem. — Soffen mir ben (Einbrud, ben mir burch bai Stu« bium ber Schriften erhalten, in feiner Sefamtheit ini ®uge, fo fehen mir in (Eb. oon $artmann eine (Erfcheinung, bie oon gerabegu phänomenaler ©ebeutung ift; $artmann ift nicht nur ber unbeftritten größte ^hilofoph unfrer 3*i*» fonbern ge« hört auch gu ben oorgüglidjften Denletn, bie Deutfchlanb überhaupt heroorgebracht hat. «uf ben Schultern Sdjopenbaueri ßeljenb, beffen Sehre gu (Enbe benlenb, unb fpelulatio mie enetgifd) befeftigenb ift er ber Schöpfer einei eigenen philofophifdjtn Spftemi, bai bagu beftimmt erfcheint, in 3ulunft bai berrfchenbe gu merben. Daß ber $artmannfche Peffimiimui in immer größere Seferfcßichten bringt, bemeifen bie ftetig notmenbig merbenben Peuaußagen feiner Schriften, bie auf einen Äbfaß fcßließen laffen, mie er bei philofophifdjet Sachtitteratur fonß auch nicht annäberob ftattgußnben pßegt. (Ein nicht minber berebtei 3eugnii für bie Popularität bei Ph«lofophen mie auch für bie Stellung, bie er in unferem geiftigen Seben ein« nimmt, bitbet auch Sitteratur, bie fich bereiti um feinen Pamen unb feine Schriften gebilbet hat; ein chronologifche* Pergeidjnii ber „$artmann»Sittera* tut* Oon 1868—1880 meift bereiti bie ßattliche 3®hl oon 770 Stummem auf! Picht gum menigften unterßflßt ihn in feinen (Erfolgen, bei bem nicht fachmftn« nifch gebilbeten Publifum fein glängen« ber Stil: et ift einer ber menigen Phi« lofophen, bie nicht nur gut, fonbern fogar oortrefflich fdjteiben, unb biei trägt nicht menig gut (Empfehlung unb leichteren Perftänbtidjleit feiner Schriften bei; ali SdjriftfteHer mie ali Phitofoph ift (Ebuarb Oon $artmann eine gleich eigenartige (Er« fcheinung, eine (Erlernung, beren geiftige Pebeutung mohl erft oon ber 3»lunft ooK unb gang erfaßt merben mirb. A. G. Ptrfchitöentf. Deutfcßer £itteratur«ftalenber auf bai 3ahr 1888. $erauigegeben oon 3ofeph Äürfchner. 10. Jahrgang. Stuttgart, Spemann. Dieimal lommt ber „ftttrfebner* fpät, aber er iß hoch menigßeni getommen. Die Sehnfudß, mit ber man bai Such ermartete, ift ein genügenber Pemeii, melch' michtigeiOueKenmaterialnachallen Pichtungen er enthält, melch’ unentbeht« lieh ei §anbbud« er für ben Pebatteur, für jeben Serufifdjriftfteller iß. 3ofeph Äfirfebnet hat fich bereiti gabt« reiche Perbienße um bie beutfehe Sittera« tur ermorben unb fein Sitteraturlalenber gehört nicht gu feinen geringßenSeißungen. (Erßaunlich ift bie Stofffülle, bie fo über« ßcßtlich in einem oerhälniimäßig Keinen Panm untergebracht iß, bemunbemitoert 268 Äritif. bie SerlAßlicpfeit ber Daten. Die ^ödjft j wenigen fjätle, wo und bad Sud) in Stid) läßt, finb roof>l jebenfaHd mehr auf bie SachlAfftgfeit ober Unauffinbbarteit ber Sdjriftftellfr, alb auf ben Herausgeber gurüdguführen, ber bie benlbar größte SWüße aufgeroenbet, um ben „Sfürfcpner* gu einem unentbehrlichen, praftifcpen, gu« Derläffigen fflegfüßrer burcf) bad Sabp« rinth bed fßarnaffed gu machen. Der „Äflrfdjner* gAplt biedmal 16000 Schrift« fteHer auf, — um ©ottedwiflen, wo wirb i bad noch hinfflh cen > eine foldje Über« bölferung ift gerabegu unheimlich. 3« wenig 3ahreu, wett’ ich, fehlt ed nicht Oiel auf 100000 Stüber unb Sdjmeftem im apoü. Um aber biefem anwachfen ind Unermeßliche bo ju« fammenfept, oorjufAhren unb mutwiflig, aßerliebft, hAbfch, fofett, fchmiegfam unb föftlidj fmb enblich bie dquareße, bie fich burch bab ganje Buch jiepen unb faft auf jeber Seite bebfelben anjutreffen fmb; man möchte faft fagen, baß biefer reiche ©ilberfdjmucf ben Cftaobanb, ber ein ©teifterwerl ttjpograpbifeher ftunft ge« nannt jn werben oerbient, ju einem ©egenftanb beb raffiniert aubgeflAgelten ©enuffeb macht (Verlag oon (Ealmann 840h in ©arib). 8wei ©änbe, fritifche Stnbien ent* haltenb, unb jwar jwei ©änbe, bie jn bem ©eften, Scharffinnigften unb ftlar- ften gehören, wab feit langer Seit anb Sicht ber öffentlichst getreten ift, finb foehen bei Dupret in ©arib erfchienen: „Etudes sur le thä&tre contem- porain“, in benen man nach ben eigenen Sorten bebVerfafferbSefranc (ein©feu» bonpnt, wie ich glaube, aber ein ©feubo- nhm, bab unb nicht belAgt) „weniger Sob« hubelei alb ernfte ftritif" finben wirb, nnb an benen man leicht ertennen wirb, baß ber „Verfaffer Aber bie Serie unfrer Beit frei Oon ber Seber weg ju fprechen oer« fleht"; fAr ihn hoben auch bie „gewich« tigften barunter ihre fchmadjen Seiten unb ber ftritif erwächft bie Verpflichtung mit ber ooßen Saffrheit nicht hinter bem Berge ju holten". Jperr Sefranc wirb biefer Verpflichtung, wie auch feinem Wa¬ rnen, in ooßetn Stoße gerecht unb er giebt manchen Seuten Dinge ju hören, bie ihren oermöhnten Ohren recht unangenehm dingen werben; ich ftimme mit ihm ganj barin Aberein, baß er ftetb einen Unterfchieb jroifdjen bem ©Uten unb bem Schlechten macht unb baß, wenn er Dinge tabelt, bie man gemeinhin bemunbert, bieb we* niger ihm, alb bem bargefteßten ©egen¬ ftanb jur Saft ju legen ift. fcerr Sefranc weiß auch feinem Dabei eine ganj eigen¬ artige ©eftalt ju geben, er wählt bajn bie leichte ©erfißage, bie (anm bie $aut jn rißen .fdjeint, bie in Sahrljeit aber «ritif. 273 ben baoon betroffenen in Oöüiger 9tadt- beit geigt, Sefrone’« Buch enthält eine reiche Süde ber Belehrung. Weht minbet reich an Belehrung toie an oetnünftigem unb richtigem Urteil ift auch bab gweite ber obenerwähnte* VA* eher: „Nospoites“ oon3nleb Zellier. flier liegt ein tomptetter, fehr gewijfen* hafter Rührer burch bie Sitteratur beb geitgenöffifchen grranfreichb oor. Sie Ker» fönlidffeiten finb im uahren Sichte ge¬ flaut, bie Serie finb auf ben ihnen ge« büljrenbra Blafc gefteüt, unb wenn ich noch binguftlKr baff ber Banb eine ftatt« liehe Safjl oon fd)önen Stfiden, bie ber aüerjüngften Seit angehören, enthält, »erbe ich über ben ffiert unb 9tupen biefeb Bucheb, bab ich mit bem lebhaf» teften Qntereffe gelefen habe, »ohl nidjtb mehr gu fagen brauchen. Uganne, ber tthefrebafteur ber Ste¬ ttue „Le Livre“ gab bei Quantin in fftarib einen eleganten Banb „Zigzags d’un curieux“ beraub, ber in taufenb (Exemplaren abgegugen, einige feiner geift* oodften unb tiebenbwflrbigften Stubien enthält. Sie Seit ber Bücher befreitet natürlich bie (Befamtfoften ber Sammlung: ScfriftfteÜer, Kublilum, weibliche Bücher¬ narren, 3Dufrationbmefen, nachgelaffene Schriften, Bücherfreunbe, Sammler, aüeb bab geht unb tommt in lebhaftem Schritt unb gieht fich mit frohem Wienenfpiel burch bie 300 Seiten biefeb Bucheb hin, bab fo amüfant, unb babei fo erfüllt oon heiterer Sebenbpljtlofophie ift. Sie über« reichlich eingefreuten Änefboten oermeiben eb glfldtich, banal gu werben; an gas¬ reichen, feinbeobachteten Süßen, bie oon großem Seingefühl geugen, ift auch fein Wangel unb ebenfowenig fehlt eb ben hier unb ba gegeidfneten Sharafterportraitb an Originalität; aüeb in adern ein fehr unter¬ haltenbeb Buch. Ser Äutor, ber für bie Seit ber Karifer Bibliophilen ben Ängel- punft hübet, um ben fleh aüeb breljt, macht fich in recht gtüdlicher Seife über feine ftoüegen, bie oon ber Büchermanie befaden finb, luftig. Uganne ift ein her- oorragenber Siebhaber oon geläutertem Befdjmacl unb adfeitiger Bilbung, er ift ferner ein Sachmamt, wie ber oorgüg« lichfte in feiner Offigin thätige Srnder — leitet unb überwacht er boch ben Srncf feiner Kublifationen felbft, oon benen manche, wir nennen hier nnr „L’Even- tail“, eine wahre dteoolution h• dtobnp weit entfernt baoon, ber erfte hefte, hergelaufene Schriftfteder gu fein, nichtbbeftoweniger legt er fich felbft Saumfehrauben an ober fpannt gum minbeftenb boch feine Sefer auf bie Solter nnb gwar oermittetft ber gang fonber- baren Sprache, beren eingelne Sorte wohl gumeift im Sörterbud} gu finben finb, bie aber burch Äubeinanbergerten, Sieberaneinanberfchieben unb (Entgegen- ftedung gu einem gang gergauften Sprach« fonglomerate geworben finb. 3ft ihm biefer Stil natürlich? 3ft eb ein be» abflchtigter (Effeft, ben gu erreichen ihm oiedeicht einen ffreib gefoftet hat, für ben nnb bie Sertbeftimmung fehlt? 34 weih eb nicht unb fann mich bar* 274 Äritif. über nicht auälaffen, benn 3* Jp. Ro«np ift ein Romancier, beffen ffiejtn ejrotifcber Ratur ift — er bat ja auch, irre idj mid) nicht, lange 3*it in Sonbon gelebt nnb bat auch bort feine erften Romane ge» fdjrieben — nnb bet Xitel bet oorlie» genben ©udje«, „Marc Fane“, erinnert im Slang ja au ßept nnt barin, baß Ijier bai Sob me« niget bflnngefät erfdjeint. Semaitre be« fchäftigt fid) bi« mehr mit ber Setgangen« beit unb ben Älafftfern, fflt bie et eine attügefprodjene Borliebe an ben Zag legt. Unb ba et fid) bin auf einem Zettain bemegt, bai ibm fpmpathifchet iß, fo iß ibm au£ bramatifcher Uutor ift, jumeift mit ber Seit beb Xpeaterb: @ou» bau;, Cugfene Scribe, Stachel, behaupten hier ben Cprenptap. Xer allgemeine Gtunbjug biefer Wemoiren ift eine un= gegierte, natürliche Unmut, bie Oon (Steift, Sartgeffipl unb SoplmoIIen überfHeftt Xie Befcheibenheit herrfcht in ihnen oor, nicht nur in Sorten, fonbern auch in Xpaten unb ba* ift ein meitereb $eugnib für bab feine Xaftgefüpl beb Uutorb, ber in feinem Buche bab „(StemAIbe einer Seele entmirft, bie fich burch ftete Berührung mit anbent Seelen, bie jumeift ber eige* nen meit überlegen maren, bilbete", eine Biographie, „mit ber fich anbere Biogra* Phieen oerfcpmeljen". (Er fpricht jumeilen bon fich, aber nur, um Gelegenheit ju finben, recht nie! bon Unberen ju fprechen. Sie biele giebt eb unter ben Selbftbio« graphen, bie bie Selbftberleugnung fo meit treiben? Unb mie biele giebt eb benn, bie babei ihrer CrjAptung einen folcpen Bei} ju berleihen roiffen, mie ihn biejenige SAgoubbb befipt? Sfirbe ba ber ßefer nicht geneigt fein, ein Buge jujubrüdra, febft menn eb bem Uutor gelegentlich pafftert, feiner (Eigenliebe flehte Sonjefjionen ju machen? — Bei Berrin unb Comp, in Barib er« fchienen §mei BAnbe, gefammelte Stubien enthaltenb; in bem einen, „Portraits de Mattres“ betitelt, befchAftigt fich ®* beb Cffartb mit litterarifcpen Stagen, mdhrenb ber anbere unter bem Xitel „Compositeurs cblfcbres“ mnfifa« Iifche BuffApe aub ber 3«ber beb Baron (Etnouf enthAIt. Beiben Serien ift ber mittelmAfjige Sertgehalt gemeinfam, unb bab mirb auch burch ben guten SiOen nicht aubgegliihen, oon bem beibe Unta¬ ten offenbar erfüllt finb. 3m fpejieBen müchte ich noch pinjufepen, bah §err beb Cffartb obtrfKAchlicher, $err Crnouf bagegen fchmerfAQiget ift. Wit biefer plumpen SdjmerfAfligfeit fucpt er auch in ber Borrebe auf bie Borjfige feineb Bucheb pinjumetfen; Boffhti, Beetpoöeu, Weberbeer, Wenbelbfopn unb Schumann haben hier bie Soften ber Unterhaltung ju befreiten. — $ert beb Cffartb führt unter feinen „mattres“ — ipreBapI betrügt elf— SchriftfteOer unb Xicpter auf, bie ju ben erlauchteften loten beb XIX. 3apthun« bertb gehören: Cpateaubrianb, ßamat» thte, Ulfreb be Bignp, George Sanb, BA« tanger, Sainte«Beuoe, Wicpelet, Xpeopp. Gantpier, Bictor be fiaprabe, Cbgar Ouinet, Bictor $ugo, fürmapr eine ftatt« licpe Beipe ftoljüingenber Barnen, aber eb giebt boep auch noch anbere, bie nicht minber guten Slang haben: Baljac, Slaubert, Baubelaire, um nur einige peraubjugreifen, fepeinen $errn beb Cffartb gan§ unbetannt geblieben ju fein. Xie Cr« IIArung biefer fonberbaren Bubfcpliefjung bringt unb bab Bormort: $err beb Cffartb pat gegen ben , entiebrigenben Batura« Iibmub* Stellung nehmen motten unb pat baper mit unerbittlicher Strenge alle bie« Äritif. 277 jenigen bem CftraciSmuS unterworfen, bie baS JtainSgeidjen biefer , (Emiebrigung “ an ber Stirn tragen. 3 um ®tüd für uns wirb baS b°rte Urteil beS Herrn beS (EffartS feine SefefceSfraft erlangen. L. d. H. 3tnffif«tc (Mtcratur. 3n weiteren ^iefigen Seferfreifen er« freut fich unter ben neueften Roman« fchriftfteOem namentlich 9. SRidjaitoff einer großen Beliebtheit, bie bei genauerer Befanntfdjaft mit feinen fchriftfteüerifchen (Eigenfchaften eincrfeitS, fowie ber bor« Ijerrfchenben Sphäre geiftigen Sehens in Rußlanb (ber praftifch»Phitofophifchen nämlich), anbererfeits auch wobl erflärlich erfdjeint. Seine Zarfteflungen taffen auf grflnblicbe SebenS« unb SRenfchentenntniS fdjließen, bie an echt philofophifcf) ä u uen» nenbe, unb als folcbe allerdings peffi* mifHfcb gefärbte, Beltanfid)t ftreift. Ohne tiefere Bärme, ohne irgenb meitgebenbe ftongeffionen an flberfinnlidje 3bea(e, noelnb auftritt) als 3flngling, gut BefreiungSgeit oon Politiker Schwärmerei angeftedt unb baraufbin eines HttentateS gegen feinen reaftion&ren Onfel oerbächtigt, nach langer SefängniShaft oerfchicft wirb, welche Schidfale ihm bie Zeitnahme ber Zante, bie an beiben Jfinbem SRutterfteHe Vertreten, in fo Srabe gugieben, baß ber gweite, um 10 3aljre jüngere, Boris, ber H«Ib beS Romans, im übrigens unbegrünbeten @efühl ber 3urüdfepung, eine Hbneigung nicht allein gegen ben Brnber, fonbern gegen alles auS ge« wobntem Steife h^rauStretenbe felbft ebelfte Streben fagt unb fich einer ge« Wiffen überlegenen Sleidjgültigfeit gegen ftrengere fittliche ftorberungen überhaupt überläßt. 91IS gang junger SRann allein unb mittellos in Petersburg gurfldge« blieben, ha* er baS Slfid, im reichen Haufe eines ber bortigen Banffübrer — ruffifigierten Radjfomnten jübifch»beutfcher Borfabren — gum Hauslehrer erwählt gu werben, wo er, in ber Sunft feines PringipalS immer fteigenb, nadjbem ihm eine einträgliche Hnfteüung an ber Banf verfchafft unb er mit einer Richte beS HaufeS verheiratet worben ift, gum Schluß ber Srgäblung, als er feine ftrau, nach furger (Ehe, burch ben Zob wieber ver« liert, gum Sdjwiegerfohne avanciert, auf biefe Seife, wiewohl fidf bisweilen Hn» forberungen einer anberen Ratur in ihm geltenb machen, namentlich bie Umtriebe an ber Banf ihm wiberffehen, aümälig inmitten beS eleganten gefeOfchaftlidjen ZreibenS, in Bohlleben unb Senfiffen aller Hrt fich gum foliben Beltmann frbftattifierenb,wäbrenb ber ältere Bruber, nach aufgehobener Helft, fich einer befrei« benen nüplichen Zhätigfeit auf bem fiel» nen (Erbgute ber Zante wibmenb, einer gmar auch nicht völlig harmonifchen aber manche innere Befriebigung garantieren» ben (Ejrifteng an ber Seite einer jungen gebilbeten fjrau entgegenfieht. Zer Zitel beS BucheS begieht fich inbeffen nicht fo« wohl auf baS Verhältnis ber Brflber gu einanber, als vielmehr auch auf baS beS Helben gu feiner (Beliebten, einer gewiffen Stöße ber Demi-monde, bie er einft, ba 278 fttitit. fle nocp de Meine Säperin feine Stuben« nacpbarin mar, juerft oerfflprt bat, moranf er bie ©orwürfe feine« ©emiffen« nnb bie gurdjt oor ihren etwaigen Mnfprücpen baburcp pnt Schweigen bringt, baß er fiep überjeugt, ©tlbung, Stellung, fomie Anlagen f(hieben fle bon bornherein, et !Bnne bon bauernben ©erpflicptungen hier nicht bie fRebe fein, ba beibe leite fa, mie er fiep’« mit ©enugtpuung mieberholt, auf getrennten Ufern ftäu* ben! — Äacpbem feit bem Heimgange Zofto* jem«ftj«, Zurgenjeff« nnb einiger anberer bebeutenber Somanbicpter, berbunben mit bem Südtritte ©raf Seo Zotftoi« bon ber öffentlichen Scpriftftetlertbdtigfeit (beffen le^te Schriften nur prioatim in Mb« fünften furfieren unb übrigen« mpftifcp« religiöfen 3npalt« finb) eine Mrt Still« ftanbe« auf bem ©ebiete ruff. ©ellettiftif eingetreten p fein fdjien ober menigften« ba« litterarifche 3ntereffe ber gebilbeten Seit feine entfcpiebene SBenbung p neh« men mußte, macht in neuefter 3* litteratur enthalten fein (bie fich ja auch fchon in einzelnen Stellen Zoftojem8fp8 ahnen läßt), ber e« oergönnt fein mürbe, burdj immer größere ©eranfchaulichnng be« innigen 3ufammenhange« geizigen nnb ftnnlicpen Seben« ber Satur im Sten« fchen, fomie bei fteter ©erfotgung be« eigentlichen (Snbgmed« biefer Sedjfelmir* fung, einft vielleicht einen ungeahnten Muffcpmung menfchlichen Zafein« p oer« ffinben, unb — menn man fich einmal Zräumen überläßt! — enblich baäjenige Stabium p feiern, mo Sirflichfeit unb 3beal fich falt eine; feinet (Ergäben- gen, „Ser Feigling' („Tpyci,“) betitelt, wiebergegeben werben. ffiir »erben ^ier mit fftnf ©erfonen belannt gemacht: brei burdj gute 3teunbfd}aft berbunbene Stu¬ ben ten, ber Schweflet eine« berfelben, angeljenben ArjteS, Warja ©etrowna, unb noch einem Argte. Ser ftetgltug einer ber Stubenten, baS pbilofopfjierenbe 34 in biefer (Ergäblung — bat ficb bei beginn beS türfifcb-bulgarifcben ÄriegeS old fjreiwilliget gemelbet. ©iewoljl, nicht allein praltifcb als SOtenfd) non feijr neroöS etnpfinblicber unb fomit furcht- famer Anlage, fonbern aud) tbeoretifdj, gefcgworenet 3*tnb beS ßriegeS unb folg- lieg offne alle ©egeifterung für beffen ®rogtljaten, auch nic^t aus einer oft migoerftanbenen ober bocg fälfdfHcb auf- gebautsten Siebe gurn ©aterlanbe, miü er ficb, oon allgemein menfcglicbem, gu ungewöhnlicher ©oteng entwideltem Stecht*« unb ©flidjtgefübl getrieben, in bie Steigen ber ©rüber [teilen, um nicht nie ein blinb ©eoorgugter einem allge» meinen Übel gu entgegen, CS »ergeben inbe* nie; SOtonate, ohne bag bie Ste- ferneliften, in benen er eingetragen ift, gerangegogen worben wären unb fdjon giebt er ftcg ber Hoffnung gilt, ber (Ein- löfung feiner ©erpflicgtungen »ieKeicgt Übergaben §u werben. 3ngtoifcben girb* aber an bem SebenSgorigonte feiner ffteunbe eine fcgwere SBoffe herauf. Äuf jma ftanitfcg, ber mit bem ©efcgwifter« paar eine gemeinfame ©ognung bezogen bat, ift fterbtid) in HRarja ©. oerliebt, welche fein fjeuer mit freunbfSafttidjer Zuneigung ober nur Sutbung erwibert. Ser ©erlauf beS ftriegeS, ber fidf in fo bebauertidjer, unwillige Opfer forbetnber ©eife auSgubegnen brogt, $at in igr ben Cutfcglug wacggerufen, fid) als barm- gergige Schweflet bem allgemeinen ffioljle gu »eiben unb Äufjma* beftünbigeS, bringenbeS (obgwar faft fhtmmeS) ©er¬ ben raubt igr bie nötige Stufe unb ®e* mütSrube. Äufjma fjanitfcg gerät in ©ergweiflung. 3« feiner büfteren, leben« Oeracbtenben Stimmung »ernadjiläffigt er ein 3«bnübel, baS er ficb burt lang in einem Kiemer goumal rebigierte, unb enbtiep berfeptebene gefammelte fürjere Äuffäpe. Ser Ertrag biefer lepteren Ausgabe (mit beiliegenbem Bilb beS SetfafferS auf bem Xotrnbette) ift, nebft bemjenigen einiger jüngft pier unb an anberen Orten ber« anftalteter litterarifeper Übenbe, §ut Er« rieptung eines Senfmais über feinem ©rabe beffimmt. — Kritif. 281 Wffewolob Wichailowitjdj @ar« fdjin. lern weiteren Pichten unb Wirten Wffewolob ©arfdjinS fjat bet lob ein 3a$ Siebt ber SBelt erblichen biefelben in ben Spal¬ ten ber „Pyccnaji Mwcjjb“ (Suffifeper ®e* banfe), einer 1880 pie* gegrünbeten Beitfeprift, welche ftcb eine Ärt Monopol für bie SBerfe neuauffommenber feprift» fteflerifeber latente angelegt ju b Q ben febeint unb bafür bann fpäter auch bie Verausgabe biefer SBerfe in ©uepform übernimmt, ftorolenfo oerfügt über ein Xalent, baS ficb offenbar mit ber Seit» ftrömung nicht recht oereinbaren lafjen wiB. Seine SBeltauffaffung, feine ge¬ tarnte ©eifteS- unb ©emütSanlagc neigt entfebieben zum Somantifcppoetifcben, unb fo febr er meift auch beftrebt ift, nicht ben ©oben ber SBirflicbfeit zu Oerlaffen, fo gelingen ihm boödjfte erfdjien, bie innere Sertie* fung — wir finben gar nicht bie IRulje baju, ba bie äußern SReije, bie hier Der» icbwenberifdj um und oerftreut, gar ju oerlodenb ftnb. 3»aitg“ bad 3relbgefd)rei ift, (ich in Sinnedart unb ©eftaltung einer ftreng gefcbloffnen Äunftricbtung ju »eiben. Sad ©ebidjt ift ein ©efang auf bie Siebe, ©ine „Stoa“, ©öttin ber grünen ffialbfdjatten erbebt fi fonen ber heften feiner Scbaufpiele mie „Xante", „ber SRentefcpreiber*, „9lm* brofiuä" unb „(Empor" ftnb auch Xidjter, — er tonnte aber feiner $«t, p a ihm bie Originalität fehlte, nicht einer ber ©rogen merben unb oerfuchte beSpalb burch Schönheit ber (froren baS Jeplenbe gu erfepen. (Erft als älterer 9tann foßte er (Erfolg haben, eS mar aber bamalS gu fpät für ihn, (Einflug als Dichter gu betommen. Sein erfteS unb befteS Schau* fpiel „Xante" mürbe 1862 oon §eiberg, ber bamalS Xireftor ber föniglicben Xfjea- ter mar, oermorfen. Später oerfuchte er mieber baS Stflcf aufgeführt gu betommen, ia fogar in Xeutfchlanb machte er oor einigen fahren ben Berfudj bamit, aber erft oor Kurgem mürbe eS in Kopenhagen gum erften 9tale unb gmar mit grogem (Erfolg aufgeführt. Seiber lag er fepon um bie $rit auf feinem Sterbebette. *18 Berfaffer trat er fehr früh auf. 1840 getoann er nämlich bie golbene 9iebaiße für eine äfthetifche Hbpanblung. Seine erften ©ebiepte hatten leinen grogen (Erfolg, erft mit bem ©ebidjtcpfluS „Xäm* merung" oerfepaffte er fiep einen Staaten. 9t., ber fehr oiel Sprachtalent hatte, machte 1852 eine Steife nach Italien unb Spa* nien unb überfepte gurüdgefeprt XanteS göttliche Komöbie, mogu er gehn 3apre brauchte; bie Überfepung mar afler* bingS oorgüglich, patte aber feinen (Ein* flug, mie g. B. SpalefpeareS Serie auf baS bänifepe ©eifteSleben auSgeübt. Sein Scpaufpiel „SmbrofiuS* patte einen bei« fpiellofen (Erfolg auf bem fgl. Xpeater in Kopenhagen, mürbe auch mehrfach in Xeutfcplanb aufgeführt unb erlebte als Buch 8 Auflagen. Xie fpäteren Schau* fpiele gefielen aber nicht, befonbetS „Xer SRing $paraoS"; „(Empor" mürbe auch in Xeutfcplanb aufgeführt. 9US 3ouroaIift mirfte 9t. mehrere 3apre bei bem „Xageblatt". 9t. mar eine fepr ibeeße Statur, menig origineß unb probuftio, patte aber oiel Sinn für bie Schönheit ber 3<>rm; fein Urteil mar teils burdj angeborne Sitter* feit, teils burep fein Sdjidfal etroaS feparf, aber fonft oorurteilSfrei. 5. B. ®. Sv* {feiern ueutfitr fitteratur. 3nr fünfpunbertften 3apreSfeier ber chriftlicpen Xaufe 3agießoS, biefeS in BolenS ©efepiepte fo fepmer miegenben (EreigniffeS, roarf StaniSIaro Smotfa in feinem „3apr 1386" einen fRüdblid auf bie Seit ber Bereinigung SitauenS mit $o(en. 3a tebenSmarmen Stricpen geiepnet er an ber $anb neu erfcploffener Queflen jene mieptige (Epocpe unb ent* midelt bie bamaligen politifcpen Berpält* niffe SitauenS oon ©ebpmin unb Olgierb ab. Sefdjäftigt fiep Smotfa mit ber Begrfinbung ber ©röge beS ßteicpS, fo mäplte Xpabbäus Korgon in ber „3nneren ©efdjidjte SolenS 1764—1794" ben oon ben heutigen ftiftorifern mit Borliebe beleuchteten 3'itpunft feines 288 ftritif. politifdjen Untergänge«; er führte in bie ©efdjidjtäfdjreibung bie ftatiftifdje «na* Ibfe als neue« ©lement ein. «udj «bolpb ©awidSfi« 1888 erfdjienene« Serf „1572—1795“ ift für bie «ennt* ni« ber inneren 3aftänbe be« ©ölen* reid|S, unb jtoar wäbrenb ber lebten Zwei ^fa^r^unberte feine« ©efteben«, be* beutungSboH. Über bie ©arteifämpfe wäbrenb ber Regierung be« lebten $önig« StaniSlaw «uguft ©oniatowsti giebt S*. ®nli«jett)«n« Stubie über „Die ©otodi« unb @j(artort)«fi«", bie bor* nefjmften Sertreter ber fogenannten „f>a* triotifcben" ©ortet, näheren «uffd)lufi. SRandjen tiefen ©inblid in ba« polnifdje StaatSgetriebc gewährt auch ba« „®ol* bene ©udj be« bolnifdjen «bei«", beffen Zehnter 3a^rgang 1888 bon Ibeobor 3btbIiit«Ti bearbeitet würbe. «wf bie (Enthebung be« polntfc^en «bei« gebt ©raf 3tani«lani ©tiero«zow«fi in feiner burdj Sappentafeln erläuterten „©olnifdjen Veralbif", 1887, zur Ad. Da« ©efdjidjtswerf be« 3obann Dtugofs erfuhr 1887 eine burdj umfajfcnbe ©e* lefenbeit untcrftüfcte „Jhritifdje «nalijfe“ au« ber fteber «lejranber Semlo* tnicj’. Durd) $erau«gabe bon „Sanb* tag«*Diarien au« bem 3abre 1587“, fitafau 1887, machte ficb Äuguft So* fotowöfi um bie fiemttni« ber bama* ligen inneren 3uftänbe be« Staate« ber* bient. Den erften militärifdjen unb unparteilichen (fatf) bericht über bie SRe* bolution bon 1830'31 gab 1886 ber ruffifcbe Stabsoffizier ©uzbrewSlt), polnifdje Überfettung bon ©. 3. ©t)* fowsfi 1887. «uS ben lebten Sagen be« «ufftanbe« bon 1863 teilt 3- 8- ®. manche bisher in weiteren Äreifen unbe* fannt gebliebene ©orgänge mit. Die 3nfurgcnten hofften auf ©nglanb« unb tfranfreidj« biplomatifdje ©ermittelung, aber, um nicht in eine feinblidje Stellung }u ben brei DeilungSmädjten gu geraten, mochte fein Staat für ©ölen eintreten, „nur ber greife ©apft gab, wa« er batte, fein ©ebet*. Die burdj eine mangelhafte Äonftitution b froor 9 fru f f u f 3 f tf°b**ti* beit in ber Keinen ©epublif Ärafau bon 1815 bi« 1846 wirb in ben „Denfwür* bigfeiten be« ©rafen Stanislaw So* jidi (1888) in ein bette« Sicht gefteltt. (Einen erfreulichen Fortgang nimmt bie in Semberg feit 1887 erfdjeinenbe „$ifto* rifche ©ierteljabrSfdjrift“. Die beibeit erften ©änbe bon be« ©rafen Stanislaw DarnowSfi um* fangreichen „Stubien zur ©efdjichte ber politifdjen Sitteratur“, einer Srudjt ge* reiften ©eifte« unb Siffen«, berbreiten {ich Uber bie politifdjen SchriftfteUer be« 16. 3<>b r b un bertS. Den 3nl)alt ber Sbatefpearefchen ©fibnenwerfe erzählte inßilrzeSt aniSlawWo/mian (3©be. 1882—87) unb ftreute bie bebeutenbften Stellen in mufterbafter Überlegung ein, Zugleich auf ©efeitigung atte« etwa für bie 3ugenb «nftöfjigen ©ebadjt nebntenb unb ba« $iftorifche auf ba« richtige Wag Zurfidfflbrenb. ©eter CbntielowSfi beurteilt in feinem Buch „Unfere «obel* liften“, 1887, fieben polnifehe (Erzähler. (Er beginnt mit bem, bon ihm au herbem in einer ©tonograpbie gewürbigten, 3- 3. ffra«zew«fi unb einem Überblid Aber bie erften z e b n Sabre feine« Schaffen« unb enbet mit bem jept fo gefeierten Sienfiewicz- 3» „Starpla unb ihre ©e* Ziehungen za ©tidiewicz', 1887, zeichnet Slabt)«law ©etza biefen bon bem Didjterfflrften mit einem bauernben unb ftrablenben tttimbu« umgebenen ©egen* ftanb feiner erften Siebe, biefe« mit hohem ©eift unb feltener Schönheit begabte Sefen. ©tidiewicz' zweite Siebe galt ber jungen ©täfln «ntwicz, bie er im „©an Dhabbäu«* al« ©ba berherrtidjt bat. 3b« ©iogtapbie lieferte 3ohann Sie* miertSfi, Semberg 1888. ©ine „@e* fchichte ber allgemeinen Sitteratur* in groflem SRafjftabe begann 1887 in Sar* Kritif. 289 fdjau ja erfdjeinen. Sie unS bortiegenbe Abteilung befjanbelt in jtoei Vdnben auf ca. 74 Srudbogen bie ©efchichte bet mittelalterlichen Sitteraturen, nach beut» fdjen, cnglifchen, ftanjbfifchen unb ita» lientfchen Werfen non 3- A. Swi§cidi unb 0. ©rabowsfi bearbeitet nnb butch gut überlebte Wufterbeifpiete iHu» ftriert. SaS gebiegene „©eogtapljifche ®ör* terbuch beS Königreiche 0olen unb ber anberen flatoifchen Sauber“ ift gegen Enbf beS 3ah re2 1887 bis jum achten Vanbe (0o4ajsce) üorgefdj ritten. Unter bem Xitel „Anzahl unb Verbreitung ber polnifchen Vebötferung* non Ebuarb Cjbüöfi erfchien 1887 eine recht be» achtenswerte StatifHf, welche bie im 3ahre 1882 im rufftfchen leite tebenben Voten auf 6 900 000, bie öfterrei^ifchen auf 2 930 000, bie preußifchen auf 2 672 000 fch4t. Über Rumänien fchtieb ®ta» bpstaw Sunin 1887 aus eigenen, Wäljrenb eines oierjehnjährigen Aufent¬ halte bafelbft gefammelten Erfahrungen unb flocht intereffante Säten auS bem Seben ber ausgezeichneten löniglichen Xidjterin ©armen Splba ein. Ein bom galijifchen SanbeSauSfchuß mit 3000 ©ul» ben fuboentionierteS nahrhaft monumen» taleS fßradjtwerf bereitet fleh in bem bon ber Krafauer fjfirma Kutrjeba & Wur* ZhüSfi ins Seben gerufenen «Album Krafauer Anfichten “ bor, Aquarellen bonKoffaf unb XonboS mit erfldren- bem Sejt bon einem erprobten Kenner biefer altberühmten Stabt. Stanislaw KarnonSIi, Verfaffer bon t>iftorifch nertboKen ©hronifen ber Stäbte Vot- nifdj Siffa unb IRadwiß befchrieb 1888 feine Steife nach 3tatien anfdjaulich unb feffelnb. 3n ber britten Serie ihrer poetifchen ©eifteSgaben (1887) ftellt Warta Ko» nopnida ihr reiches latent nie immer in ben Sienfl beS fßeffimiSntuS. Außer- bem überfepte fie 1887 berfidnbniSboll $eineS „Atta XroE“, biefe Satire auf bie Stomantifer ber fchndbifchen Schute, biefen Quijote in Verfen. Auch Widjael Vatudi, ber in fo bieten ©ebieten Stahl- gemanbte, lieferte in feinen „fftaefieen“, 1887, neben manchem eigenen echt 1p» rifchen Erguß zugleich Übertragungen #einef ffihlSauSbrud unb ^erjtofer 3ronie. Ser mit ber fdjwebifchen Sitteratur eng ber» traute ©rafVenzelftjerna Engeftröm gab 1887 EfaiaS SegndrS fepöne, aber unboKenbete Sichtung „@erba", welche im 3ahre 1148 fpielt, polnifch nieber. Eigenartig muten bie fßoefieen beS uftai* nifeßen EinfteblerS „SBiberhaH ber Seele 3ulianS“, 1887, an, großenteils Sonette weltlichen unb retigiöfen ftnljalts. Eine feßöne Iqtifdje Vegabung, eine Wifdjung bon ©ettfehmerz unb tiefer Empfinbung befunben Viftor ©omutidiS gefam« melte Sichtungen (1887). Ser bereits als Politiker Satiriler unter bem Vfeu* bonpm Ehodjlil bietgenannte ©labimit gagorSli gab 1887 ein tprifcheS fftaem „König Salomo“ ^erauS, welches in fchwunghafter Siftion bie brei djarafte» riftifchen Eigenfchaften beS VhiMoph«« auf bem Xh wne f bie eines Sfouft, Wan- freb unb — Vdranger z« bereinigen fucht. Unter Qofeph Subicz OrlowSfiS „Voefteen',1887, gebührt ber ergreifenben Kriegs- unb SiebeSepifobe „Am ©rabe ber Erinnerung, Erzählung eines nach Sibirien Verbannten* bie erfte Stelle. Eine Sammlung zum Seil bereits früher beröffentlichter Sichtungen^. 3. KtaS» ZewSfiS erfchien 1888, ingteichen feine, im ©efdngnis zu Woabit entffanbene, bon genauer Surdjbtfngung beS Stoffs Zeugenbe Überfettung bon fünf Suftfpieten beS VlautuS. 290 Äritif. Sott 8lfreb Woffig, bem Serfaffer bet „Sragöbie bei @ebanfen8" (1886) erhielten mir 1888 einen Sanb „Soefieen", welcher außer einigen, balb in Serien, halb in Srofa niebergelegten pofitioifti« fdjen Stagimen unb Monologen baS geiftboQ originale Xrauerfpiel „Xer £önig oon Sion“ enthält, beffen$elbSar»£ot fchmer unterbrüdte griedjifche Soll fidf politifch unb geizig allmählich mieber aufgurichten beginnt; nid)t allein im befreiten 3Rut« terlanbe, auch in ben Don ben Sürlen noch beherrfchten griechifchen Äolonieen menbet ber Srieche Don feiner £>aupt» befchäftigung, bem #anbel, fich gern gut pflege ber Äunft unb ©iffenfchaft. Reiche Patrioten ftifteten in Htlfen, in Smhma, in Jlonßantinopel Schulen, Sibliotheten unb SRufeen; ber Prachtbau ber uenen Hlabemie in Athen, bad neue SOtufeum in Olhmpia unb Diele anbere öffentliche Sebäube mürben Don Sribatleuten er* richtet unb bem Staate gefchenft; bie eingige griedfifche UniDerfität in Athen mit ihren 5000 Stubenten mirb faft gang aud Stiftungen patriotifcher Srie« egen unterhalten. Sriedjenlanb iß in aufßeigenber Cntmidelung be« griffen, unb heute fchon lann ber Srieche, trog mancher üblen Cigen« fchafteu feined Chatalterd, bereits ald ber trüget moberner SeiftedtuI« tur im Orient begeichnet werben. - Sie Scgilbernng Don Cphefud, Set« gamum, Smhma unb Äonßantinopel iß Dorgflgtich; Dorgflglich auch ber gange Schlug bed Berichtes, ben mir ber Huf« merlfamleit nuferer leitenben Centreu gang befonberd empfehlen möchten. 3m Begriffe, biefen Hrtilel gu ßhlie« gen, tommt und Don befreunbeter $anb noch ein Cjemplar ber gebiegenen grie» cgif^en Überlegung ber bereits in fech« gehnter Huflage erfchicnenen (Epoche machenben Schrift unfeted weltberühmten Sanbdmanned Stof. Dr. Submig ©fidf* ner: „Äraft unb Stoff" (Mvafut xal a YXt], vnd ’AvÖQtov il. errn Stof. Dr. H. Solg gu Sarmßabt, bad Chtenbiplotn ald lorrefponbierenbed Stftglieb bedfelben gugefaubt Setantoottttifte fiettung: JtatlWIefbtteu in Kbatlottenbutg. Setlag Don XBil^elm ftriebti#, Dmrf non 9. 9. Wöbet in fleißig. *^r* *^p *£^ *rt* <^* "^ ^a Jfi <^* **f^ 5^ ~* >v/Ä£iSfcrt m;»a^^^^vao^)!oo,aow//s^^n- ^.^i^^i^i^j.^^^i^^iL^i^^ii^iL^ii^n^lt^it^ii^l 4^f|^ ^ ^ ^ 1^1 |b V^« X* ^ ^ . ^>i . i|W jp^ <®_ igZxWt ßü* g) i I/*” [1888 J&r. 5 (5Cu0iijt).J 4 jfriFfessimg b*ij Jfhii} imh JhikanFteitoisii}. Don Karl Bleibtreu. (Sljarfollrnlinrg.) |||!|f|ne 3toeifel f)abe id) 9tecf)t gehabt, wenn icf) bcftcitt („9teüolution ber Sitteratur"), bafj bie gejdtjtec^tlic^e Seibenfcfjaft bic ftärffte 2eibenfd)aft an fidj fei. Me Seibenfdjaften, bie ibealen »nie bie gemeinen, finb gleich ftarf. ®en ©efd)lecf)tStrieb jum Nervus rerum ju machen, Wiberfpridit ber genauen SBeltbetradftung. 9US Nervus rerum mufj oielmetjr bie perfönlidje auptleibenfd)aften in feinblidjen ßontaft jur „Siebe" gebraut, fo fiegt in ben allermeiften fällen bie nacfte ©elbftfudft, bon toeldjer bie „Siebe" irgenb ein namfjafteS Opfer toerlangt. Um junger unb Siebe brelft fid) alfo roo^l ber Äampf umS ®afeiu, infofern ber junger jur Arbeit, bie Siebe jur gortpflanjung treibt, öon biefen rubimentären Trieben ftellt fid) aber ftetS ber erftere als ber ftärfere bar. 5D?an betrachte bod) bie 9laturmenfdjen (SEBilbe ober Säuern unb Slrbeiter), auS toeldjem ÜJfotib bie meiften Kämpfe berfelben ertoadjfen. üluS ber ©runft ber umS SBeibdjen fämpfenben $irfd)e? $eineSmegS. ©onbern teils auS ber ©ier nad) ©efifc, teils auS ftrebenber ober Perlener 50 Vol. 4/2 298 Sleibtreu. ©telfeit. ®ie ©ferfucßt iß eilte ftärfße Seibenfdjaß, ja Woßl, aber nicht als ©ferfudjt um ein SBeib, fonbern als Steib auf ©ang unb ©eßß!*) Unb bie Siebe als höherer ©egriff, bie fogenannte wahre Siebe? ©e* miß, fie ift ftärfer als bie perfönlicße ©elbftfucßt, überwinbet fogar bie covere ©innlicßfeit, oerjidßet auf ©efriebigung ber ©teßeit unb ©eftygier; fie ift in SSBaßrheit ftärfer atS ber Job, benn fie ift ftärfer als baS Seben, als bie ©elbßfucßt, beS SebenS ©runbprinjip. ©on ißr aber gilt faft baS SBort SarodjefoucoulbS: „ Jie wahre Siebe gleißt ben ©efpenftern; alle haben baoon gehört unb niemanb ßot fie gefehlt" Diefe ©fepßS inbioi» bueßer SebenSetfaßrung beS franjöfifdjen SBeltmaniteS fliegt natürlid) über baS 3© hinaus. Jaß eine folcße Wüßte Siebe, bie Ottern troßt, borfommt, ßeht außer grage. ©olcße SluSnaßmefäße Werben aber aud) ftetS geßiffent» lief» ßerporgeßoben unb mit einem JugenbpreiS beS SWußmeS gefeßmüeft. ®enn wer bie SB eit fennt, weiß, baß felbft eine grobpnnlicße SiebeSleiben» feßaß feßr feiten mit aßbeßerrfeßenber ©tärfe auftritt; aud) ift eS bie Slrt biefer Siebe, baß fie fuß in fid) felbft nad) entfpreeßenbem Jelirium ber* jeßrt. Jie ,,waßre Siebe" aber, b. ß- bie monogamifeße Siebe für ein ©njel* mefen, weld)e ßcß burd) Seib unb ©ttfagung ßäßlt, Welche aßen ©efaßren trofct unb ben S'ampf mit ber mißgünftigen SB eit aufnimmt, welche enblicß in abfoluter Jreue anbauert, — eine foldje Siebe (ommt außerhalb ber gefe^lic^en ©he äußerft feiten oor unb Perliert innerhalb einer folcßen leib* gefeftet harmonifeßen a8 ©gen» tümliche aber bleibt befteßen, baß aße großen $erjenSleibenfcßaften nie bei normalen Umftänben, fonbem immer nur in ©erbinbung mit einem Seiben entftehen unb anbauem. 3J?an fönnte baßer, ftatt beS Starrenwortes „Siebe iß SBahnfinn", gerabeju erflären: Siebe iß ©eßmerj. SSBer, ber menßhlidjen ©efeflfcßaß juwiber, bie fcßlecßten Seibenfcßaßen beläcßelt, tritt aus ber menfdßicßen ©efeflfcßaß auS unb wirb baßer Oon ißr mit inftinftioem $affe Perfolgt S)enn bie ©efeßfeßaß erbaut fieß auf ben fcßlecßten Seibenfcßaßen. Dtun trägt aber bie fcßlecßte Seibenfcßaß ßetS *) 3*>lo ßat in „La Terre“, tro(j feinet patljologifdjcn @rotiF*3(uffaffung, biefer SBaßrheit bie Cßre gegeben. Htiffaffung bei Siebe unb gufunftbpoefie. 299 ißren giucß unb ißre Solter in fuß felbft, roäßrenb ber Jtampf gegen fte, b. ß. bie 333elt, ebenfalls fi<ß unenblüßem Selben oermäßtt. Die gewaltigfte aller Seibenfcßaften ift baßer ber Scßmerj. „®btb nur ift gewiß, ber Scßmerj", fagt ©ranbeb irgenbwo, „ßier ift bie SRögticß« feit für eine befreienbe Dichtung". 9)tit ßdcßftem SRißtrauen begegne man baßer aller ißoefie, melier biefe ©runblage feßlt 333er „ßarmontfcßeb" Drauflobgejucßge jur Optimiften^iebel freifcfjt, toie unfere Sauf unb SJtiiuie» poetlein, bleibe lieber ftumm. Denn bie innere Unwaßrßeit gutft ßier auS allen Stfißten. Sn ber SBeibßeit ber (Spiluräer ging bab Altertum ju grunbe. Unb jwar meine icß nicßt bie mißoerftanbene SinnlicßfeitStßeorie feiner oerirrten jünger, fonbem (Jpifurb Streben felbft, burcß fcßöneb SJtaß in allen Dingen unb ©eßerrfcßung ber roheren Seibenfcßaften ein fittlicß ftfföneö unb baßer glürflicßeb Sieben ju geftalten. Dies Streben beb #eHenibmuS War an ficß lobenswert. Allein, er oergaß, baß man bie Unluft nie ganj überwinben (ann, weil in unb felbft bab unruhige ©rinjip ber Unluft liegt (alb Sangeweile) unb bie Organü fation unferer pßpiifdjen Statur naturgemäße Scßmerjen ßerbeifüßrt. Die erhabene befreienbe ©ebeutung beb (£ßriftentumb aber berußt in ber Sr* (enntnib, baß ber raftlofe Sümpf gegen bie Sufi jugleicß bie Unluft über« winbet Diefe ßoße Seßre fann natürücß, falls man fie an ben inbioibueüen Sinket* unb Dur(ßf(ßnittbmenfcßen anlegt, nirgenbb fo Har jur Srfcßeinung toinmen, alb in ber Siebe, ©pron fingt mit Steißt: „0 Love, what is it in this world of ours, Which mmkes it fatal to be loved u unb nennt ißren beften Dolmetfcßer ben Seuf jer (belonntlitß in jeher ©e« jteßung nur $u waßr). Der ©tenfcß trägt hi feiner eignen Seele einen SRacbetßfcßen Dolcß, ber fuß gegen ißn felber feßrt Sb giebt Zragäbien, wo (ein ©lut Oergoffen wirb unb bocß taufenb SBunben bluten. Die DarfteHung foldßer SiebeSfcßmerjen wirb immer ein banfbarfteb Zßema für ben erforenen Dicßter fein. Die Siebe alb ßöcßfte Seibenfcßaft ftßeint freiließ nur feineren Staturen eigen. ©leießwoßt tonunt ßmgebenbe fcßmerjüotle Siebe in allen Spießten, wenn aueß wie gefagt äußerft feiten, oor. (Die „Stomeob unb Julias hn Dorfe" finb freiließ notß feltenere Hubnaßmen, alb bie im Sßalaft.) SJettn itß anberbwo ßpperfultureUe Snbioibualitäten unter bem (Einfluß einer un« feligen $erjenSßingebung barftellte, fo oerfueßte itß 3. ©. in ben Stör« 300 Vleibtreu. toegifdjeti Wobellen („ÄuS WortoegenS ^odjlanben") bie SiebeSleibenfchaft einfacher ftarfer 9 taturföhne borjuffihren. 9 hm unterbleibet man im Gebiet ber Siebe getoiffermageit brei ©tabien: ein IprifcheS, ein epifdjeS, ein bramatifcheS. Die SReiften tommen in ihrer 6 mpfinbung, fo lange Don Siebe wirtlich bie Webe fein tarnt, nicht über baS Sijrifdje hinaus. Die meiften Dichter ebenfowenig. 68 ift bieS ba$ ©tabium ber rein fubjeftioen inbioibuetten VerfönlichfeitSempjtnbung, ohne aQen 3ufammenhang mit ber b fetbft ein Unbing, weil ber Stenfd)ennatur wiberfpredjenb. Steigert ftdj baS ©efüpl ber „greunbfchaft", jene einzige unb feftefte ©runblage einer bauemben „Siebe", auf einen ljotjen unb teibenfd)nftlid)en ©rab, fo Ijört eben bie greunbfdjaft im gewöhnlichen Sinne auf unb bie Siebe fftngt an. Denn normale greunbfdjaft beruht, geht aUeS mit rechten Dingen ju, tebigtidj auf Perbünbeten 3ntereffen unb gleiten Steigungen ober Auffaffungen: greunb* fdjaft entfielt atfo wefentlidj burch Siebe ju etwa# brittem, baS man ge» meinfam liebt. Steigert ftifdjen Stcmn unb grau aber fann, trop alles ffeptifdjen ßopffcpüttelnS ber Superflugen, zweifellos eine wir!tid)e greunbfdjaft ob» walten; wirb biefe aber )u einer leibenfcb»aftlic^en Anteilnahme, fo tritt bie „Siebe" unter anberem Samen ein. Ober werben bie erlauchten Seelen Stichel AngetoS unb Vittoria GfotonnaS etwa leugnen wollen, bah >h te „platonifdje Siebe" (man nannte eS auch fo, nicht „greunbfchaft") fämttiche Kennzeichen berfelben Siebe trug, bie fonft bei gewöhnlichen Stenfdjen mit gewiffen pljpfifchen Stebenumftänben Perfnüpft ju Werben pflegt? SBenn Vittoria Pon Viterbo fortw&hrenb nach 8tom reifte, um über bie Arbeiten ihres greunbeS *u courant ju bleiben, befuchte ihre Kunftbegeifterung hoch immer ben anwefenben Steiftet. Sßar er fetbft anberSwo, fo bachte fie nicht anS Steifen. Unb wenn Stichel Angelo lebhaft bettagte, bah er immer nur bie $anb feiner „greunbin", nie ihren Stunb gefügt, unb in begeifterten Sonetten ihre Schönheit prieS, — fo genügt bieS ftittfchweigenbe ©ingeftöitb* niS bafür, bah aud) biefe platonifdje Siebe zwei grober ©elfter fid) nur in einer äuherlichen — gormalit&t Pon ber gewöhnlichen „Siebe" unterfdjieb. platonifdje Siebe, als Siebe ohne jebeS phpfifche Verlangen gebacht, ift eine contradictio in adjecto. Siebe ohne Simtlich(eit giebt eS nicht AIS ob aber bie ganze Siimtidjleit in einem gewiffen Alt beftänbe! Sehr fdjön bemerft Vpron über ben „memorable kiss“, welchen StouffeauS un» glücttiche Siebe (©räfin ftoubetot) jeben Storgen als bamalS üblichen Ion» oentionetlen ©ruh ihrem Anbeter Perabreichte: But to that gentle toueh through brain and breast Flash’d the tbrill’d spirita love-devouring heat; In that absorbing sigh perchance more bless’d, Than vulgär minds may be with all they seek possess’d. (Childe Harold III). 304 Vleibtreu. Die diebenöort Vutwerö: „Wenn bu liebft unb einen anberen Wunfch hegft, al8 ben, bie £anb beiner ©liebten §u Kiffen, fo liebft bu nicht", et» fdjeint baher mehr al8 oerbäd)tig. 3ebe Siebe, fo „platonifd)" fte äußerlich (au8 welchem Örunbe immer) fei, ift finnlid). ©ne Sitterotur alfo, wie bie grä^lid)e „ibealiftifche" Söacfftfc^poefie, lann ^b^ftenb al8 fjeudjlerifdjer Decf* uiantel fdflüpfriger Süftemheit k 1« Gtauren einen Anfpruch auf Verecßtigung ergeben. Die 3utunft4poefie aber, beren ©nft ben Jbeati8mu8 ganj wo anberö furfjt, Wirb eine Siebeöbarfteflung ohne griinblirfje Betonung be8 ©innlichen ebeufo ftreng öerpönen, wie bie heutige fiteinfinberbewahranftatt ba8 (Gegenteil Worauf biefe ßufunftäpoefie aber ihr $auptaugenmerf richten wirb, baS ift bie ftrenge Klarheit ber Analpfe, Womit fte jebe tonoentioneHe ©itt* id)teit8trabiHon mit togifrf>er ©d)firfe Oon ben ewigen ©efe|en ber wahren @ittliödjften8 bann, bafj man in ben adermeiften JäHen in außerehelichen Verljältniffen nicht fo grüitb* lieh unb anbauentb „lieben" tann, wie in ber (Ehe!! Alfo oom ©tanbpunft einer finnlich p^pftfdjen ©ferfucht eher ein Vorteil! — Wan fönnte ein* Wenben, eine gefdjledjtliche <£^c=©emeinfe^aft brauche nicht auf Siebe )u be* nihen, ein fonftigeö SiebeöOerhättniS aber Wohl, ober bod) minbeftenS auf Sinnlichkeit. 9hm haben aber bie gewiegteften ffilteften Wenfdjenfenner, ttuffaffttng bet Siebe unb 8ufunß8poeftf. 305 toie ©tontaigne, Sarocßefoucaulb, Sa ©rup&re, übereinftimmenb geurteilt: DaS Seib begehe einen gfe^Itritt faft immer auS Sdjmädje, feiten auS ©affion. — Sie bei ber (Styefdjliefjnng taufenb äußerliche ©totine nritfpielen, fo tännen Siebesfehltritte enttoeber auS ©chtoädje unb Sangemeile unb rafft» nierter Verführung ober aus (Sitelfeit ober gar Stadrfucht (fein felteneS ©totib) hctborgeßen. (Eine bolle Siebe ohne (Eiferfucht iß ein Unbing, mie ja fetbft bie Sreunbfdjaß nicht frei baoon, ba ber menfdjtichc (EgoiSmuS bieS einmal mit fich bringt »(Eher Kröte fein, als baß ein Sinfel im geliebten Sefen für Slnbere fei!" fnirfdjt Othello. 3umen gehltrittS ber grau nor ber (Spe behanbelt- ©arbou in „gernanbe". Dort beleiht ber (Satte Marquis feiner grau, fobalb er ben ©eweiS hat» baß fie ihm nortjer aUeS gefdjrieben hatte, ber ©rief aber unterfchtagen War. Stun ja, WaS fonnte er anberS, bem Fait-accompli gegenüber! Der (Sbetmütige gießt natürlich gar nicht bei feiner eignen ©ergeißung in ©etracht, baß er felbft ein langes SiebeSnerhältniS mit einer ihn leibenfchaftlich tiebenben ©itwe gernaitbeS Wegen gebrochen hat! 3«, ©auer, baS ift gang WaS anberS! — 3bfcn8 Dina aber fragt ihren ©tann, ben fie liebt unb ber fie bezweifelt fragt, warum fie ihm ihren begangenen gehltritt berfchwiegen habe, latonifch: „SEBürbeft bu mich fonft geheiratet haben? Unb ich liebte bidj." So naio*realiftifdj benft baS ffieib auS bem ©olfe. Unb wenn nun Sreding als Störenfrieb bie „ibeale gorberung" präfentiert, fo hat man gang Stecht, ihn am liebften bie Xhür hinaus gu Werfen; berat mit Sanenbetwaffer wirb feine (Sefchühte gemacht, unb mit „ibealen gorberungen" fpringt baS fogiate Seben in aden ©unften graufam um, warum nicht auch iu biefem? hierher gehört nun auch bie „Stettung" ber (gefallenen, bie befonberS in ber frangöfifchen Sitteratur ihr ©efen ober Unwefen treibt DumaS' ,^ame= lienbame" als inbioibueder (Singelfad War an ftcfj Weber unmöglich noch lieh. SllS aber eine gange Schule in Stomanen unb Dramen bie (Sefadeite als Opferlamm anbetete, ba Würbe eine ©ahrßeit gur Süge, gut tonoentioneden ©ßrafe, unb ber Stücffcßtag in Äugiet’S „Demimonbeßochgeit" war gefunb. §eute giebt eS nun eine fchöne philofophifche Sehre non ber Unfreiheit beS ©idenS unb hier liegt bie Sefaßr nahe, aus bem ©ann tonbentioneder ©orurteile fuß umgefehrt in ben 3ttft>ah n bw Sophismen gu nerlieren. (Sßrifti ©ort „©er fiep rein fühlt, ber werfe ben erften Stein auf fie" fod feineSwegS auSfagen, baß ©ßrifhtS baS ©ergehen an ftch, Q uS Welchen ©totinen auch immer, irgenbwie entfchulbige. Diefen erhabenen Seherbticf, Welcher nichts nerbammt unb nichts entfchulbigt, aber adeS nergeißt, fod auch ber Dichter befißen. SS gilt alfo, jenen großen Äampf beS SebenS, ben föampf non Deter* miniSmuS unb freiem ©iden, auch in ber Darftedung ber Siebe gtun SluS» trag gu bringen. (Sernif) giebt eS eine Unfreiheit beS ©idenS. Denn jebeS ©efen ift ber Sflabe feiner ©ererbung. Die (Srgiehung, auf welche manche Denfer ein übermäßiges ©ewießt legen, änbert baran wenig, — eS fei berat, baß bureß ein ßernorragenbeS, ftetS Oor Slugen ftehenbeS ©eifpiel ber Stach« Äuffaffung bet Siebe nnb 3ufunft8potfte. 307 aßmungbtrieb beb SRenfcßen geweeft wirb unb fpäter bie ^mmen=9Äad)t ber Sewoßnßeit folc^e Seime näßrenb befeftigt. Soßl aber wirb bie Ser« erbung beeinflußt butdj bie Serßältniffe, obfeßon. fie in ißrem Sem unangetaftet bleibt (Ein ©öfewießt auf bem Dßron entwicfelt fteß anberb, alb einer in ber glitte; umgefeßrt bei ebteren Einlagen ebenfo. Damit wirb bie greißeit beb Sillenb bei aller Unfreiheit noch nießt aufgehoben. Sb ift wahr, bab SiUenborgan felbft muß baju borßanben fein. Dabfetbe entwicfelt fieß jeboeß progreffib mit bem Sacßbtum beb Sebenb. geber fennt bie Antwort, bie ©ofrateb bem fßßßftognomtter gab, Welcßer lauter fcßäblicße Xriebe an ißm entbeeft haben wollte: ga, fie feien fämtlicß öorßanben getoefen, aber fein Sille habe fie niebergerungen. — Diefen Sillen ju einem wirtlichen Sillen ju machen, bab erforbert eben freie SiUenbanftrengung. Säre ber Sille unfrei, fo Würbe bie ©etßätigung bebfelben nießt felbft ben Sillenbbegabteften felbftüberwinbenbe SRiiße oerurfaeßen. Stapoleon („biefer SRenfcß ßat einen Sillen, ber bie Seit aub ben Singeln hebt"), beffen ßöcßfte Senie*2uft bie ©eßlaeßt, De= fannte: SR an ahne nießt, wiebiel Sßarafterfraft jum fiiefem einer ©eßlaeßt geßöre, wie er fuß jebebmat baju aufraffen muffe! — Senige wiffen Woßl, Wetcße ßelbenmütige ©elbftjucßt ber arbeitfamfte unb frueßtbarfte Sunft* probujent aufjuwenben ßat, um unentwegt ju feßaffen, wab boeß jugleicß feine SRiffton unb feine 2uft fein follte! Stein, nein, bie bequemen fßßrafen t»on beterminiftifeßer Unfreiheit fmb grrleßren gefährlicher ©cßriften, bie natürlidj allen ©cßwäeßlingen unb gaul* peljen angeneßm. gn Saßrßeit aber liegt bie ©aeße fo: bie Außenwelt giebt bem SRenfcßen bie Sorten mit — nun fpiete er, Wie er'b berfteßt! Sb ßeißt alfo aueß ßier, mit etwab beränbertem ©inne: „Den SufaH giebt bie Botfeßung, jum ©cßidfal SJtuß ißn ber SRenfdj geftalten." gn ber Statur ift bab anberb. Die Sellen taueßen auf unb nieber, ber Untergrunb bleibt, unb bie Sellen rollen ftetb auf ber gleichen ©teile hin unb ßer. Der SRenfcß aber ift (ein bloßeb Sinb ber Statur, wie ber naturwiffenfcßaftlicße SRaterialibmub ißn gern auffaffen möcßte. Der Vergleich mit allen übrigen 2ebewefen, beren Organibmub logifeß-otganifeß ben Staturgefeßen folgt, leßnt biefe Stuffaffung ab. Der SRenfcß, äußerlich organifcß aub ber Statur entwidelt, Wirb, infolge eineb ßößeren Sefeßeb, beffen Urfacßen wir nießt ergrfinben, unorganifcß ßin* unb ßergetrieben. Det SRenfcß ift ber Segenfaß ber Statur, nießt ißr ©flaue, noeß Weniger ißr 2ieblingbfinb, aueß nießt ißr ©tieffinb. Die Statur ift feine geinbin unb er fämpft mit ißr, fo lange er lebt. 308 Sleibtren. tiefer ©eqenfap jeiqt ftc^ nirgenbS fo beutlicß, als in ber gefcßledjt* liefen Siebe. 3m BerßältniS beS SNenfcßen jut bin fein unbebingter Bereßrer SJteifter BolaS, fo feßr ich f«n«i gielbewußten ffintft unb feine fiüuftlerfcßaft bewunbere. 3)ie „ffiinfeitigleit" unb „^ßebanterie", welche ihm auch üourteilStofe Beurteiler oorwerfen, Der« mag ich jeboch in feiner 3)arftellung ber ©efcßlecßtSIiebe nirgenbS §u er« bliefen. 3» „Stffommoir" (©eröaife) unb „©erntinal" hat er manche ber non mit ßeroorgeßobeneni&rfcheinungSformen gefcßtecßtlicher Berwicfelungen prächtig erfaßt. 3n SbfenS „Slota" unb „Stebefta" fann ich hingegen nur über» fpannte ßpperibeologifdje Stärrinnen fehen, einen bichterifchen Spiritismus* Humbug, eine weibliche „Heilsarmee".*) *) Hierbei eine allgemeine rebaftionelte Bemerfung. Unter meiner Stebaftion foH jeber ju SBorte lommen, ber nnfrer adeingültigen fRicßtung ßulbigt. Man wirb gefeßen haben, baß ich im Bunißeft in SienharbS geift» Dollem $ronunciamento fogar flarfen Xabel (aus Mißöerfteßen ber «bfießt gerabe gegen baS, morin ber $auptwert beS ffietfeS befaßt) gegen meine „Schlechte ©efeHfeßaft" ruhig bem $ublifum »ermittelte — ein UfuS, ben ich auch bei Seitnng beS „Magajin" ju befolgen fo glfidlich war. «Hein, bamit ift noch burcßauS nicht gefagt, baß bie Mitarbeiter biefeS XeilS unfrer MonatSfcßrift auch immer bie «n» fießten ber Htebattion oertreten. So fann ich eS nimmermehr gutheißen, »enn ein Serehrer BbfenS im 3ulißeft benfelben fdjlanftoeg ben größten bramatifeßen Xicßter ber ©egenroart nennt. 3<ß fcßäpe 3bfen fetbftoerftänblicß als © e i ft feßr ßoeß, ob» feßon icß feine rein negatioe Xßätigfeit unb feinen Äarrifatur-BefftmiSmuS ebenfo wie feine ßßperibeologifcße Spipfinbigfeit nur als eine Borftufe höherer geläuterter jufammenfaffenber SBettanfcßauung betrachte. $cß fcßäpe ißn, trop mancher Sdjtoäcßra, aueß als Xicßter feßr ßoeß. Xer Mann, ber fo bie Söfung beS Julian «poftata» KätfelS gefunben ßat, ift mir eßrwfirbig. «Hein, wenn man ißn als Xrama» tifer großfeßreit, wie bie naturaliftifcßen $eißfporne bieS betrieben, fo habe icß bafür nur baSfelbe Säcßeln, womit icß feiner Beit ben unreifen BeitStanj begrüßte, ber um BbfenS banlbarften «ntipoben, ben Xßeatraliler Silbenbrucß (jept aueß feßon eine ßalb gefaHene ©röße), fieß auStobte. 3<ß habe bie einmalige «uffüßrung (Don „Stora" ju feßweigen) Don „©efpenfar", „fflilbente", „SRoSmerSßolm" in Berlin mit burcßgelitten unb fann nur oerfießern, baß auf jeben nießt Don ber Mobefranfßeit Suffaffung bet Siebe uub 3ufunft«poefie. 309 Unb Joemt mit un« nun Don bent ©etgänglic^en, bem Übetgang8bid)ter 3bfen ebenfo »Die Don ben foffüen ttberreft=Poeten einet Derftoffenen Poefte* epooefte. 311 empfiehlt, SRenfcgen, ob SRann obev SBcib, bie merftid) über beit SRittetfcglag ginaubragen, unter bem (Einflug ber Siebe ju fcgilbem, fo Oertange icg nocg nicgt einmal fo Diel. 3m ©egenteil fann man aucg (wie 3 . 93. in Sfaubertb „SRabame ©ooarg") ganj mittelmäßige SRenfcgen unter bem (Einguß biefer Seibenfdjag fdjilbern, Wenn bieg nur erfcgöpfenb unb folgerichtig gefcgiegt. Die einfeitige ©gege ber Siebebbefegreibung in ber Süteratur gat unb bib* ger nocg nicgt ein eii^igeb ©emälbe geliefert, Worin bie fiitnlicgen tWatur* jWang*SBurjetn unb bie geiftigen Stubftraglungen in umfaffenbem Stagmen ficg barlegen. Stuf „glücfticge" ober „unglücflicge“ Siebe fommt eb gierbet nicgt an; bab richtet ficg fowogt bei ber Siebeb^nfpiration beb ©elbgertebtcn wie bei ber Dargetlung bebfetben tebigticg nacg bem SRaße ber eigenen ÄTag beb Did)=> terb. ©ine gtücfticge Siebe ju fcgitbem erforbert megr Straft alb bab Untge« tegrte; aber nur bann, fallb bieb ogne jebe ibealiftifcge Übertüncgung gefcgiegt Die ©egriffe 00 m fittticg Erlaubten fcgwanfen, obfcgon bie SRenfcgennatur unOeränberlicg. ©egr ricgtig urteilt (Eoleribge: „Tom Jones of the present day would be another, withont being in the ground a better man“. Sittein, mit Stecgt rüg 0. ©rnft: „§inWcg mit jener einfeitig befcgränften Stuffaffung beb Siebebbegriffb, ber biefem nur feetifcge SRerfmate jufdjreibt unb alte finns liegen SRomente oerfegweigt!" Siebe ogne ©innlicgfeit giebt eb nicgt unb eine Siebebpoege ogne garl finnlidje ©eimifegung ift ein ©egemen. Dodj oerfalle man nur nicgt inb entgegengefegte (Ejtrem unb fege bab pfpegifege (Element ber Siebe gintan! ©inntiegteit ig nicgt Siebe, fonbern jebe erng ju negmenbe „Siebe" gegt urfprüngtieg aub feetifegen ©rünben geroor, bei wetegen bie SBagtOerWanbtfcgag beb ©ggfifdjen in unbewugtem $albbämmer wirft ©ei einer Siebe gögerer ©attung fpiett ber Sortpftanjungbtrieb an ficg nur etwa fo mit, wie jwei Steunbe, bie geigreieg unb gerjlicg ©efügte unb ©ebanfen aubtau* fegen, jur (Ergögmtg ber ©timmung ein paar gtafegen jufammen aubgeegen. Die ©iiuüicgfeit ig nur bab SRittet jum 3»>ecf, nicgt ber 3meef fetber. Sttb fotege „mit tiefer SRenfcgenfenntnib angelegte pfgcgologifcg * pggfto* togifege ©gmpgonie" fann bie ©dgtberung einer magren Siebe gewiß bie göeggen gorgerungen ber Dicgtfunft befriebigen, fallb fie ficg in gete ©e* jiegung ju größeren allgemeinen ©efegen gellt. (Eb Wäre fegon ganj Oerbienft* lieg, bie ©erfegiebengeit oon SRann unb SBeib in biefer ©ejiegung anfegautieg ju maegen, wie für bie liebenbe Stau bie ganje Seit oergnft, für ben tiebenben SRamt göcggenb bie fongige Stauenwelt, (Eb Wäre ferner nötig, bie SButjek fafern ber barjugetlenben Siebebleibenfcgag blogjutegen unb bie Oorbereitenben SRotioe ju jergtiebem. Denn bie großen ©cgicffate beb $er 3 eitb bereiten ficg Wie ade anbre großen Ärifen langfam Oor, unb fommen 3 war im ent« fegeibenben Stugenbticf plögticg wie ein ©tigftragl — aber ben ©lig bereiten 312 ©leibtreu. Äuffafiung bet Siebe unb SutunftSpoeftr. eben Sßetterwolfen bot, bie felbfi Wiebet au# jahlreidjen atmofphärifehen (Etfcheiitungen fid) Verleiten. Alleb Unmotibierte, 3ufallmä|ige, Unbemittelte mu| berfdjwinben. Sann Wirb aud) ein Walter Steiftet ben ewigen SBechfet, bab (Ebben unb gluten betonen, weites ben ÜUtenfcheu aubjetdjnet unb grabe in bet Siebe aub Seinen Urfa^en gto|e folgen jeugt Siebe alb Seiben* fcf)aft hat jum ©eleite fottwährenbe (£tferfud|t, 3fteifel, 3utd)t, j. bab (beliebte ju berieten ober gat eb ju betlieten. Solche Dualen gleiten bet StotwenbigEeit luftreinigenbet ©türme, ba ftiebli^eb Stufen abftumpft, unb aub foldjet (Erregung allein bie gro|en (Entfdjlüffe leimen Eönnett, welche Siebe aub einet tribialen ju einet ^ö^eten Seibenfchaft ergeben. Sab wirb fie aber erft, faUb fie fid), fei eb burd) Amalgamierung mit bem (Ehrgeig, fei eb aub ibealeten ©rünben, mit ben gro|eu Stagen, bet 9Renfd$eit bet* Inüpft, wie wir bieb befoitberb bei herbortagenben SXännem beobachten fömten. (Eine grofje StaturgWang*Siebe in ihrer ganzen ^eiligen SBut fleh aub* leben gu taffen, welche bie Stechenpfennige beb Adtagbtebenb für ben einen gefunbenen Siamanten fortfchleubert, welche alle ßronen bet Seit alb Storno* bianten=@pieljeug wettet neben bet einen Stofen* unb SomenErone bet Siebe unb trofcig ruft: „Sßeh bem, bet fie antaftet!" — bab ift auch h^d noch, Wie bei Abamb ©iinbenfatt, bab bebeutfamfte bidjterifdje SRotib. Stie abfttaft, nie unftnnlid), nie gufaHmäfjig, nie für fleh allein alb 3bt)Il, fonbetn immer in wec^felfeitiget (Beziehung unb (Ergänzung gut allgemeinen Au|enwelt unb ben fogialen 93ethltniffen, — fo wirb bie Siebe immer noch eine führenbe Stolle fpielen, auch nt bet mobernen SuEunftbpoefte. 3 ch h a fte bie naturwahte ®d)ilberung bon Srauenchatafteten für bie eigeut* liehe ©ignatur Wahren Sichtertumb. Set @efchled)tbtrieb bitbet ben Stormalnerb beb^hhPfthen, mu| bähet auch in einet normalen ©eijtebEraft alb ÜDtotor mitwirten. Sie ©ittnlichfeit bet fehöpferifdjen ^Stjantafte betwechfele man freilich nicht mit bem gewöhnlichen ©egtiff berfelben. Senn hier waltet bab ©efefc einet h^fhftbetfeinetten, einet ©ergeiftigung bet Seibenfchaft bot. XBahre ^ßoefte ift hbchlgefteigerte ©innlichleit, nämlich AnfdjaulidjEeü. Sie bilbenbe ftunft giebt nur ben äu|eten ©hmebeinbrud bet Singe mieber, bie ©oefte aber faugt bab Snnerfte bet Singe in fich ein. Stachfchaffenbe brünftige Siebe gut Statut wie liebebolle JBerfentung in bie Stauenfeele entftehen bei einem gto|en Sichtet aub bem gleichen fßrogefe, inbem fleh angeborenen pfpchologifd) *abftra!ten ©hataEterifierungbber* mögen eine fhtnliche Seibenfchaft anpa|t, ohne beten bermittelnbe fchöpferifdhe SBärme alle fhinft bla| unb matt unb rhetorifch bleibt Klberti. Sine ©djmu&förift gegen $rinrttb $eine. 313 Don Conraö Jtlberti. (3trfm.) » antljippe gilt, tro| aller mobemen ftettungöperfuche, ber gangen SBelt noch immer aW ba$ ©orbilb einer j&nfifdjen, boshaften Settel, bie, unfähig frembe ®eifte8gröhe gu erfaßen, ficf) an einige unbebeutenbe, äujjer* liehe Schwächen berfeiben (ratlt, um ben SDtanit, ben bie gange gebilbete SBett ^ulbigenb bemunbert, öffentlich gu perhöhnen, gu fchmähen, unb ihm hmterliftig baö ©efdjirr mit übelbuftenber §lüfftg(eit über ben Stopf gu giefjen — baö Stafter altweiblidjer Sieberträchtigleit unb ©erftänbniölofigteit Stein anftänbiger Sfenfch, ber ihren tarnen nicht mit ©erachtung auöfprädje! über e* ift eine alte (Erfahrung: (ein Stanfch (amt fo gewöhnlich fein, bah er nicht (Einen fänbe, ber fich noch gemeiner machte, noch elenber, blo| bamit er öffentlich auftreten unb in alle SBinbe fchreien (ann: feht ihr, mein Sachttopf ift noch gröfjer unb ich (ann ihn noch gemaltfamer bem Stabern an ben ßopf werfen — ift ba$ nicht auch ein Stahm? Stein altei ©eib (ann fo alttoeiberlich fein, bah fich nicht einmal ein Statut fänbe, ber feinen ©tolg barein fepte, pon fich S u hören: 'Ber (eift noch beffer, beffen Stimme dingt ttod) greller, ber führt feinen ©efenftil noch (räftiger! Der Strang Pon Difteln unb Staffeln, ben bie 3ahr$unberte Xanthippenö Stabenten gemunben, hat mit feinen wetten, bürren ©lättem bie Suhe eines Schreiber* lein« in SDtaabit geftört, unb wenn biefer be$ Stadjtö fich auf feiner alten, Wurmftichigen ©ettfteüe herumwälgte, fdjlafloS, fich baö ©eljirn germarternb nach einem ©erteger, bem er feine (täglichen Reimereien anbieten (önne, nach» bem er bie im ßitteraturtalenber oergeiehneten Pon St bis 3 Vergeblich an* gegangen unb gulept ba$ (Erfcheinen auf ©ubffription hatte antünbigen unb bie eignen ßoliegen um Abnahme eine« (EjemplarS hatte anbetteln ntüffen — bann fdjien biefer ßrang in ber Duntelheit auf ipn gugufchweben, höhnenb, nectenb, wieber emporfliegenb, fo wie er bie $anb bamach auöftrecfte, feinen (Ehrgeig aufftadjetab, bah ih m wenigftenS ein ßrang erreichbar wäre, unb War eö eben auch nur ein Strang pon (Blättern ber SiebltagSbtume ber (Efel ©eine $ättbe gitterten, erregt hob unb fentte ftch bie ©ruft, unb empor* fpringenb röchelte er: „SBa8 bu (onnteft, ßoQegin, (amt ich auch! @ie wollen mich Bufft hören, hoch fee follen eS, fte ntüffen eS; oerftopfen fee ftch öie Ohren Pot meinem ©tagen, fo follen fie fte boch öffnen por meinem Schimpfen . . . ffieib beS ©otrateS, meine SDtafe bift fortan bu!" Unb er 51 Vol. 4/2 314 SUberti. ging Ijin, unb legte ab ben alten beutfcßen Wanten feine« Bater« unb nannte ßd) nad) bem feine« nunmehrigen Borbilbe« — Xanthippu«, fo auch äußer¬ lich anjeigenb, weß @eiße« fiinb er Oon nun ab fein rooQte. Dann blicfte er um fid). SBo in ber SBelt gab e« ettua« ju ßhhnpfen? Watürlid) auf bem Gebiete ber Sitteratur — benn oon bem wirRidjen, lebenbigen, bran» benben Seben weiß biefe Ärt uon Stubenhodem ja nicht fo uiel! Jfam ba eine £erbe angejedjter Jünglinge oorbei, mit jerhauenen, brutalen ©eßdjtem, plumpen ©tiefein unb toeit oont §alfe abftehenben fflodfragen. 3Äit rauher Bierßimme fangen fie gemeine, jotige Sieber jum greife be« ©aufen«. Unb wie fie gerabe am Denfntal eine« großen Dichter« ootbeifamen, ber auf feinem Bfoßen ßanb, in heiterer Äuhe, bie Sinne »erfdjränft, ba bünfte ben angefoßenen Kumpanen, baß biefe h^tre, ba« flehte Seib ber ®elt oertachenbe SJftene jum ©pott über ihre brutale Äu«ßhweifung herab gejogen fei. SBart, bir wollen wir'« weifen! rief ber Rührer ber ©chaar ju ber ©äule hinauf. ,4?aft bu bich jemal« befoßen wie Wir?" Der arme, man mome Dichter, er fonnte nicht nein fagen, er fonnte fid) nicht mehr bewegen, er fonnte nur immer weiter lächeln, ruhig, mit oerfdjränften Sinnen! „Wein?" fchrie ber Rührer Weiter, fid) immer tiefer unb tiefer in ffiut erbofenb. „$aft bu jemal« friebliche äJtenfchen, bie im Dienft ber SBahrßeit forfcßen, im Dienß ber Drbnung roadjen, ohne baß fie bich ) e gefränft, au« freien ©tiiden beleibigt, burdjgeprügelt, beine $unbe auf ße geljept? Wein? ©o biß bu auch fein Deutfdjer! £>aft bu je jterlid)e, fpip julaufenbe ©tiefein getragen, mit Schnallen unb Änöpfen? £>at bir je ber Wod prall unb fefch um bie $üften gefeffen, unb fecf unb elegant ber Gplinberljut auf bem fiopfe? 3a? ©o bift bu fein Deutfdjer! Unb herunter mit bir! ißfui!" Unb ße begannen ßotfepen aufjulefen unb nach ber Bitbfäule hinnufju- werfen, baß ße ihr an ben Baden, ben Kleibern flehten, unb ßhlugen ihr ffiaßer ab ju ben güßen ber ©tatue. Unb wie Xanthippen« fühner SBah^ fifnfel folche« Dhun ber ftreitbaren 3ünglinge erfannte, liefen ihm oor ffreube bie Dhränen au« ben Äugen, fein $er$ bebte, er breitete bie Ärme au«, ftürjte f»inju unb rief: „ffleifdj oon meinem gleifd) unb Blut bon meinem Blut! Saßet mich m it euch feßmeißen, $erjen«jünglinge! Äuch ich höbe ein Wad)tgefdjirr!" Unb fepte fid) hin unb ließ bei ßr. SB. ©runoro in Seipjig eine ©chrift bruden: ,,2Ba« bitnfet euch um §eine?" unb wibmete ße feinen herrlichen SWitfäntpfern, „ber ftubierenben 3ugenb" — ba« heißt jenem Reinen, oerftänbni«(ofen Deil berfelben, ber unter 50 SRillionen allein ba« SBefen be« Deutfeh tum« meint in feinem §evjen ju tragen, unb jeben für einen Berräter am Batertanbe erflärt, ber nicht wie er feine ganje (Sinnahme, bie fauer abgebarbten ©parpfennige be« Bater«, burdj bie ©urgel jagt, ber nid)t Ctne Sdjmu|friftlich*germanifd) aubgiebt, nur (Einen gelten taffen unb &Qeb aufeer iftm in Snmb unb ©oben treten gu wollen, alb ob bie beutfd)e SBalftaUa, biefer mächtige, wolfengetragene, un* abfehbare Saal, nur ein engeb Scftornfteinfegerloeft Wäre, in bem fnapp ein einziger ©tenfeh ftd) umwenben faitn. Unb giebt eb wirtlich Seute, bie Heine Uftlanben, ©törifen, ja felbft Sötften oorgieften — leufel, fo lafet fie boeft unb brängt ihnen nicht euren @efd)mad fortwäftrenb alb beit eiitgig« mafigebenben auf. Seib iftr benn bie einzigen ©tenfdfen mit gefuuben klugen unb Oftren? Seib iftr fo gang fiefter, hat eb eudj bie Offenbarung Der* fönbet, fteftt eb in ben heiligen ©üeftern irgenb wo getrieben, baff nur euer Sefdpnad gelten barf? Äber nicht genug, bafe iftr bie, weld)e einen aitbem Sefdjmad gu befennen wagen, Zfyovtn nennt. Sie foHen auch noch Schürfen fein, ©aterlanbbberräter, Sott weife mab ÄHeb, iftr befpeit fie, be* fd)impft fie, unb möchtet fie am tiebften aub bem Sanbe weifen, nur weil ihnen ein paar anbere ©erfe beffer gefallen alb euch! Unb ber ©fann felbft, ber biefe ©erfe gemacht, er ift nicht nur ein fehlerer Didier in euren ftpgen, nein, weil euch feine ©erfe nidft gefallen, fo foK er auch ein ßuntp fein, ein Sägner, ein SBöftting, ein Sottebleugner, ein ©aterlanbbberräter — iftr wifet felbft nicht, Wab. Sab ift bie ßampfebweife beb Heren Santhippub unb feiner Senoffen: ÄUeb bewerten, entfteden, bem Segner ©eftauptungen unterfRieben, bie er nie gethan, ben Stampf auf ©ebiete hinöberfpielen, bie ber Änbere nicht einmal gu ftreifen gefuefet, unb ber ©taffe einreben wollen, ihre Heiligtümer feien bebroftt, ba eb fieft nur um einfache ©teinungbber* fchiebenfteiten auf gang befKmmten, ungefährlichen ©ebieten fjanbelt! Unb bab nennt biefe Sippe dfriftlich, bab nennt fie beutfeh! * * * Sch Werbe Herrn Saniftippub natörlid) nicht auf bab ©ebiet folgen, auf bab er unb in feiner Schrift hinterliftig gu loden toerfucht, auf bab beb ©affenftaffeb, ber gemeinen Unbulbfamfeit, ber Hufftachelung ber niebrigften aller menfcfelichen Iriebe. Ob H*ine gute ober fchlecfete ©erfe gemacht, ob er bemnaefe ein Senfmal Perbient ober nicht, bab ift lebigtich eine fSfcage beb ©efefemadb ber litterarifchen Sfritit unb hat nidjtb bamit gu thun, in weldjeb ©ottebftaub feine (Eltern beten gegangen. H^ ne toar fein Sichter, 318 Klberti. fdjreibt #err Xanthippu# grofj unb felbftbewuht hin, unb beroeift bamit, bah iljm aud) ba# geringfte Serftänbni# für ©oefie abgeht. Serjelbe #err Xan- tljippu#, bev oor furjem ben „filabberabatfd)"=9lebafteur 3oljanne# Stojan in Serlht öffentlich für ein bern Sophofle# ebenbürtige# ©enie erflärte, fpridjt feinen ben Sicpterruhnt ab! (Sr flannnert fid) an Heine, unbebeutenbe Schwächen be# SRanne# unb beweift, bah i^nt bie ftennttii# ber einfadjften fritifchen ©tunbgefepe entweber bollftänbig unbefannt ift, ober bah btinber, thörtdjter ©artet enhafj ihn perführt, biefetben ju Perleugnen. @o gut wie jeber 3tt»eig ber menfd)lichen Kultur ift aud) bie ©oefie bem ©efepe ber ewigen fjortentwidlung unterworfen, unb e# giebt in ber Sitteratur fein non plus ultra. Sie ©oefie ift fo gut ein Seil ber ntenfd)* liehen ftuttur, be# 8Beltorgani#mu# wie irgenb ein anbere# Sing. Sie hot ewige, funbainentale ffintwidlung#gefepe, aber fie hot feinen ewigen, tpraimifd) au#fd)liehlidjeu Stil, fie bewegt fid) wellenförmig fort, unb feine SBelle ift fo §od), bah nicht eine fpätere fie überragen fönnte. ®# ift freche, unbutb* fame Änmahung, wenn ber ©otifer bem Sarrocfiften ba# Stecht ber (Stiften) abfprechen will, e# ift bie plattefte Unwiffeuheit, wenn $err Xanthippu# fchreit nemo ultra Goethen! SBemt er feine ?(rt gelten läjjt, al# ben ©öthefchen Stil. SBojit bann überhaupt nod) biepten, wenn ber ©ipfel bei ©atnafj ein für alle SJfal befept unb unerreichbar ift? 3 n ber Sitteratur giebt e# feinen Sefip ber erften §anb. (Si giebt feine abfolute SBaijrheit, feine abfolute Schönheit, fdjon barum nid)t, weil ei un# unmöglich ift ba# Sing an fich ju erlernten. Sie# freilich würbe bie Bereinigung ber abfo> luten SBahrheit unb Schönheit barftellen. Si# baljin aber, bi# biefe ©r= fenntni# ben SJlenfthen möglid) ift, muh e# jeber 3*it unb jebem SRenfdjen erlaubt fein, bie SBelt unter bem ©rabe feiner (Erfenntni#höhe unb feine# Semperament# anjufdjauett, unb e# wirb ftd) nur banun honbeln, ob ber Sinter, al# ber Solmetfd) ber ©mpfinbungen unb ©efüljte ber rebeunfun* bigen SWitwelt ben ©eijt unb bie SBeltaufjaffung feiner 3eit in Harer, pofl- enbeter f$orm jur Sprad)e bringt. Sa# hat ©ötpe gethan, wie nie ein Zweiter ©oet ber SBelt, er felbft war bie lepte #älfte be# achtzehnten, ba# erfte Srittel be# neunzehnten ^ahrhunbevt# in einer einzigen ©eftalt oer= förpert — unb barum ift bie Unfterblicf)feit fein. Slber bie SBelt ©ötpe# war eben nicht mehr bie SBelt $eine#. Sie 3eit warb älter unb legte bie feibenen Strümpfe ab unb bie Schnattenfcfjuhe unb zog berbe fräftige Seberftiefeln an, unb lieh fid) einen Sart wadjfen an bem bi# baljin glatt rafierten Sinn. — §eine# Sprit ift eine f$ortentwitf= lung#ftufe ber ©öthefchen, nidjt ihr ©egenfap. Sie SBelt war eine anbere geworben um bie SBeitbe be# zweiten Jahrzehnt#, fie hotte begonnen etwa# Sine Sdjmufrfdjrift gegen $einri(g $eitte. 319 ju empgnben, »ab ge bi« bagin nie an gdj felbft bemerft, beffen fte ficg bebient gatte unbewußt, feiten, nur ju ben unumgänglicggen ©erricgtungen. — Die ©eit befam plögltcg Sterben! — Sie lebte tricgt megr nur mit bem $eigen, bem ©egim, fie lebte auch mit biefen feinen, empgnblicgen, ben Körper burcglaufenben, bon äugen un* gcgtbaren Strängen unb gäben. Da« Surren unb Staffeln ber 9Äafcginen= räber, biefer neue, bie fiuft in etbigem Sittern ergattenbe Don regte fie auf machte fie au« bem früher ungeftörten Schlafe entporfagren, ba« §aften unb Drängen unb ©orroärt«treiben raubte igr bie ©efonnengeit, bie Sammlung, fie befam Suf&üc, fiel au« einer Saune in bie anbere, begann mit Sachen unb enbete mit ©einen. Sie gatte leine Seit megr nacg garmonifcger Äb= gefcgloffengeit ber (Eigenart ju ftreben, fie toollte geniegen, rafdj, im gtuge, gier nippen, ba logen, unb eilte wie gauft bon ©egierbe ju ©enug unb im ©enug berfcgmacgtenb oor ©egierbe. gn biefer Seit toar $eme geboren, unter igren (Einbrüden nmcg« er auf, mit fdgarfen Sinnen fag er bie ©eit netböfer unb netböfer »erben, rugelo« au« einer Stimmung in bie anbere fpringen, ben Junior mit jebem aar, den blaueften klugen, bod) olpte fjunberttaufenb Xljaler, und p feinen Süfjen frfjmärmte und träumte. Sie Oerljälptten iljn — und nidjt* tfjut melier al* oerfpottet p werden in feinen Ijetligften ©efüljlen. S3ie dem entgegen? O der $oet ift fdjlau, er findet einen 9u*toeg! Sr fdjmärmt, er träiuut fid) ganj hinein, mit innigfter Qnbrunft in jene fii$en, ^eiligen Cm* pfinbuttgen, und meint der Sauf betfelben in breitem- bluffe au*geftrömt ift, dann tritt er oor und fagt: „Steine Herren, im übrigen mar da* 9He* dumme* geug, und idj benfe über die Siebe gerade fo gemein mie Sie!" 3a* empörende, miitend madjenbe JHcfyem, da* fid) fdjon leife erhoben, Oer* ftummt: „ein oemünftiger, ein tüchtiger SRenfcf»!" fdjallt e* oon Stund p Stund — der lidjter aber ballt Ijeintlid) die Säufte, baff ilju die Crb&rm* lidjleit biefer Stenfdjen pr Süge priugt, die Stunde der SBonne, die er felig oerträumt, !aum baff fie beendet, felbft oerfpotten p müffen, um ni$t felbft pm Soott der SBclt 31 t merden. fflenn eud) baljer $eine nidjt gefällt, fo Saget die Seit an, biefe nctoöfe, brutale, materialiftifdje 3 eit, Welche da* ruhige beljaglidje 8 u*leben einer ©mpfinbung nidjt (ennt, welche die ljannonifd)e ©ntmidelung de* Cinjelmefen*, mie fie nodj Sätzen blühte, nid^t me$t geftattete, diefe auf* geregte, unterljaltungäbebürftige, au* einer Stimmung in tiie andere fpringenbe ©efeUfdjaft! Stagt eud) felbet an, denen die Offenbarungen eine* finblidjen jperjen* nur nod) ein ©egenftanb neugierigen Säbeln* find . . . fdjlaget ein ftreuj oor eud) felbft, bod) freujigt nid)t den Sinter, der ein Stenfcf) ift mie i$r, abhängig oon allen Bedingungen, 3uftänben, Berljättniffen feiner ©efellföaft und feiner 3 cit! * * * Niemandem mürbe die perfide ftampfe*meife de* $errn Xantljippu*, {»eine überall gegen ©dtlje au*pfpielen, fidjerlicf) Oertoerflid)er erflehten, al* dem X>td)ter de* „Budje* der Sieder" felbft, denn in $eine* ganger Sijrif tritt deutlich da* Beftreben ju läge, auf dem ©runde organifdj fort* Sine 6d}mufcf$rift gegen Jp«inrid) $cinc. 321 jubauen, ben bet SReifter errietet. 3n ben fünften perlen feinet Sqril mar @öt fft burdjaub Stealift, bab Reifet, et bemühte fid), ben tiefften ®e» fühlbinljalt mit SSermeibung jeber ©Ifrafe, jeber ^o^Ien Stljetoril, in bet fnappeften gorm, in ben fchlidjteften. einfachen SBorten fo Har unb ein« bringtid) alb möglich aubjubrftcfen. ftann man fidf etmab einfacheres unb jugleidj etgteifenbeteb benlen alb jeneb „übet allen SBipfeln" ober „SBer nie fein ©rot"? Sie f)öd)fte realiftifche ftunft jeigt ftd) aber in bet tiefften SBirfung mit ben einfadjften SRittetn. Unb an biefem ©unlt fefct $eineb ftunft ein. ©ne SB eit non Schmerjen prefjt et in einen fimplen, unfchein* baten ©ierjeiler jufammen, fein Sitten ift ein ©erbitten, et, ber gelitten, toab Xaufenbe leiben, fpridjt, mie Xaufenbe fpreßen, offne bie Spur eineb hohlen, erfftnftetten ©athob, fdfltcht unb mahr, mie bie Statur felbft, bie ihre eignen ©orgänge unb SBanblungen fdfitbert „Slnfangb moQt’ id) faft netjagen . . — eine Xragöbie in niet geilen. Set Sichtet ftjjt Stftdjte lang, SBoche um SBoche an folgen niet geilen feilenb, arbeitenb, ihnen jebe unnatürliche Sejmungenheit neljmenb, jebe fdftoetfäUige ftonftruttion, fte fo leicht, fo natürlich ^tnjuftellen mie bie gmprooifation eineb überfttömenben $erjenb, et menbet (Sliftonen an, gelegentlich unreine Steime, um nur ia ben Slnfchein beb (Erfonnenen ju übetminben, einen leisten, freien ©nbrud ju erjielen, bie Statut fleh felbft nortragen ju taffen in ihrer fo rüffrenben netlegenen Unbeholfenheit — unb $err XanthippuS fomrnt unb netlangt, bet Sichter hätte fleh bon ihm erft ein ftolleg übet ©oetif lefen, ftch non ihm, bem groben ftrititer Xanthippub, belehren laffen foUen, baf» „©eläute" unb „SBeite" lein reiner Steint fei! 0 Äitmafjung, o ©linbheit, o Un« miffenheit! Stuch ©tofa hoff bu nicht fchteiben fötuten, niemalb h Q ft hu einen richtig gebauten Safe juftanbe gebracht, ©etfaffet bet „$ar$reife* unb bet „Stomantif^en Schule", bu barfft eb glauben, $err 3£ont^ippub fagt eb bit unb ftreicht bit mie einem Quartaner bie Stellen rot an, mo bu ben Satin anmenbeteft, m&htenb bet ©ebrauch ben nierten gaH notfehteibi Sah in beinet „$arjreife* mie in SBagnerb SDtuftlbramen bie (Elemente gleichfam felbft Sprache ju bebmmen fcheinen, bah »>it meinen, aub biefen einfachen, fchmatjen, gleichmäfjigen geilen bie Sannen felbft taufchen, bie Quellen felbft murmeln ju hüten, bie Stehe felbft burdf bie ©üfche fchlüpfen ju fehen, inbeb etquiefenbet, ftärfenber Stabelbuft unfere Stafe trifft — bah hie un« netft&nblichen, fauberm&lfchen unb ben ©ngemeihteften unfahbaten griechifch« lateinifchen Stubbrücfe, bie fürchterlichen Schachtelperioben gichteb unb $egelb jum erften SDtal ihren tiefen, aber laum erlernbaren Sinn in beinet Sat« fteüung oot aller SEBelt offenbaren unb bie metterfchüttemben, aber laum 322 «l&erti. einem Dupenb Wenigen Perftänbfidjen ©ebanfen burcf) bid) gemeines @ut rnerben beines SotteS, ja aller Kationen, unb erft burd) beine rhetnmein* flare Darftedung bie SRögltdjfeit bei SerftänbniffeS, ber Serounberung, ber $utbigung frember Kationen toeden . . . maS gel)t baS und an? Du ^aft einmal ben Datio für ben ÄccufatiP gefept, unb $err XanthippuS fept bid> in ber beutfcfjen 6prad)fhmbe an baS unterfte Gnbe ber ©cbulbanf. Du l)aft unS ertöft ton bem fürcf)terlidjen Sanne, bie ber grißlid)e, unbeutfdje, ben römifdjen Sd)riftftedern nachgebilbete ^Jcriobenftil ber flaffifchen fjeroen über unfere Sprache gebracht, bu jerbradjft baS Stofruft eSbett ber enblofen Sdjadjtelfäpe beS ©eheimratSftileS, ber Sartijipialperioben, ber ineinanber geflohenen Kelatiofäpe, bu gabft ber Sprache geinljeit, ßeid)tigfeit ber ®e- toegung, lehrt eft bie fdjmerfädige, fid) leidjt unb gefügig im ©alger unb Sänbler umljetbrehen, bu marft ber Danjmeifter ber beutfdjen Spraye, bu oerliefieft ihr bie gähigfeit beS ÄuSbrudS für jene uityäljtigen, fein abge* tönten ^eiteren unb betrübten Stimmungen beS KugenbtidS, meld)e fommen unb porüber gehen mit bem ©etter, mit ber Spannung unb ©rfdjlaffung ber Keroen, leljrteft fte lächeln, grüßen, plaubem, fid) Perneigen! ßutljer hatte tf)r baS ftämmige ©erüft ber ßnodjen gegeben, Seffbtg bie aus* bauemben, biegfamen, ftraffen Sehnen, ©öthe unb Spider baS triftige, gefunbe, PoQ unb mächtig gerunbete gleifd) ber StuSfeln — bu gabft ihr baS feine, für jebe Stimmung, für bie feinften ©nbrfide, für ben ©rab beS ffiaffergehaltS ber Ätmofphäre empfänglidje ©etoebe ber Kerpen! «ucfj ein Deutfdjer bift bu nie getoefen! $err XanthippuS fagt eS, unb ber ift ein maßgebenber Kister. Du allein Ijaft jmar neben ©ötlje ben Kußm ber mobemen beutfdjen ßitteratur in ade Sänber ber ©eit ge» tragen, in ßänber, in benen man nidjt einmal etmaS Pon ScßiderS unfterb* tidjen Schöpfungen mußte, bu ßaft mehr jum Kuß™ ber bis baljin Per* ad)teten beutfdjen Soefie unter aden Söffern beigetragen als Uljlanb unb SRörife unb ade bie ja an fidj ^oc^öevbicitten SKänner, bie man bir jept gegenüber ftedt, aber baS adeS giebt bir bod) noch fein Kedjt, bid) einen Deutfdjen ju nennen, XantpippuS fpricht bir jebe Serechtigung baju ab! Saß bich ejpatriieren! Dein Saterlanb ift ba, mo Sofapüt Kationalfpradje ift — in KirgenbSljeim. SBenn ein SanbSmamt nach S ar tS tarn, arm, Ijetuntergeriffen, elenb, ohne drittel, ftdj ju ernähren ober meiterjutommen, fo ging er ju bir, flagte bir fein ßeib, unb bu nahmft ihn auf, beht Suppentopf ßanb auch für ihn auf bem $erbe, unb mar mie fo oft ®bbe in beiner Dafdje, — in ber Dafdje eines beutfdjen Dichters — fo mußteft bu für ißn ju nrirten, ißn ju empfehlen, baß er menigftenS für ben Kugenblid ben nagenben (Eine ®<$mu$fd}rift gegen $einri nad) Vefdjäfügung unb ©rmerb umgetljan. 3a, ©tenber, bab Ijaft bu gethan, unb icf), Santhippub, ein Seutfdjer unb ein (fljrift, rufe „Vfui!" über bitfj SRudjlofen! Sein Vatertanb errnieb bir bie (Eljre, bicf) oerhungern ju loffen, unb bu tuagteft eb, biefe Slubjeidjnung, burcf) bie man bid) alb Sinter aner* famtte, abjuteljnen unb einen ©ehalt non granfrei d) anjuneljmen, ©rbärm* lieber! Su begriffft nicht, meldje ft bu, mir maren fo gtücflid^ in Seutfcfjtanb unter ber ^errfdjaft beb Vunbebtagb! Viemanb erfredfte ftd>, ein unjiemlicheb SBort aub> jufpredjen gegen §errfd)er ober ßird)e! SBie ein Vater forgte ber gürft für feine ftittber, mab ihnen fehlte, fab er ihnen an ben ftugen ab, fle batten niebtb ju flogen, fie brauchten nicht einmal ben SWunb ju öffnen, fie batten nur bie Heine SRübe beb Steuerjahtenb, unb alle bie Unamtehmlich* feiten ber Xeilnahme an ben öffentlichen ©efdjäften maren ihnen erlaffen. Vicht einmal bie ©orge brauchte fie ju quälen, ob fie am näcbften Sage ihrem ©efeffäft mürben nad)gehen ntüffen ober auf bem gelbe ber &)tt für ihren geliebten Sanbeboater mürben fterben bfirfen, noch peinigte fie ber ßutltmer um ben Verbleib ber öffentlichen Cinfünfte, ihrer ©teuern — ÄUeb bieb nahm ihnen ber güüge Vunbebtag ab, Seutfchtanb mar gtücflich, ju* frieben, heiter ... Sa fommft bu, Unfetiger, unb reijeft fle mit frechen, fpifcen SBorten auf miber ihre güügen Herren, raunft ihnen lofe ©orte inb Ch r » SWajeftätbbeleibigungen, Srohungen, gemeine Verhöhnungen beb $ei* ligften, ber Unterthanentreue, nennft bie Siebe ber $errfd)er Xprannei unb ftacfielft bie Vethörten auf, bafe — mie Vf erbe, bie burch ©Hdje ber Vremfen toll gemorben, fortftürmen, blinb, jiettob, aHeb über ben Raufen rennenb — fo jene mögen, an ben geheiligten ©tüfjen beb Xferoneb ju rütteln, unb fie fidf felbft bab god) auflaben, bie Vürbe ber ©orge um bie öffentlichen ©efdjäfte, bie fie nun Sag für Sag fchmerer brüefen, bie fte fo gern abfd)üttetn möchten unb nicht mehr fönnen! Sreimal Vfui über bicf)! Unb bann triebft bu bie gredjheit fo meit, gar noch ju behaupten, bu liebeft bein Vaterlanb! Sich mit ftaifer SRajenb treuem Varren ftunj ju Pergleichen, ber in ber ©chellenfappe bem $ertfdjer mit tufüger SKiene fürchterliche ©ahrheiten fagte, ber ihn nicht 0erliefe in bet Voth, ihn be* freite aub ßerfer unb $aft, unb bann alb einjige ©nabe ftab geht ja beinah f° toeit wie (Säthe, ber $eibe war mit 3t>hifl en ' e . Ätheift mit $rometheu«, Rantheift mit gauft . . . ftann etwa ein Rtenfcf) alleb zugleich glauben? SieljfP bu nun, ba| bu ein gewiffentofer feuchter bift? So oerurteile ich W*h Z u ewiger §öflenftrafe, ich, Srofjinquifitor £anth4ü>u«! Kelch ein auffähiger, rebedifdjer öefett bu warft! Unb je älter bu wurbeft, befto fchtimmer! Hnfang« war eb ja nach J u ertragen. Hbet bu oerbot in weifet (Erleuchtung ber hohe öunbebrat, bamit bie gehotfamen Unterthanen burch beine tofen Reben nicht fätber aufgeftachett würben, währenb bu ber Heimat fern weilteft, unb nat&rlich ohne bich (Elenben ber Sh re einer gerichtlichen Rerhanbtung wert zu holten, ohne Urteil unb Recht, burch einfachen Refcf)tufj, beine Schriften, unb mit weifer Rorftdjt nicht nur bie bereitb oeröffentlichen, fottbem, um ftch gegen bie zu erwartenben Zulfinftigen Angriffe zu fch&hen, ba hoch bie Übermacht auf beiner Seite war, au$ gleich ade«, wa« bu noch bein ganze« fernere« 2eben lang fchreiben wurbeft, fo bir .oodftänbig unmäglid) machenb, noch ferner zu beinern Rolle Zu fprechen, beinen Rächern jeben Hbfag, bir jebe (Einnahmequede entziehenb, bamit bu enblich einmal temteft, bich ruhig z u oerhalten! — Unb bu, (Elenber, faheft bie tiefe ©ei«heit biefe« Refchluffe« nicht ein, im Segenteil, bein loben unb $efcen warb mitber unb unerträglicher; flott bich gehorfam (Eine 6djtnu&f<$rift gegen fteinridj §etne. 325 in Xemut ju fügen, toagteft bu — o unerhörte« Unterfangen — fogar beine geinbe, bie biaufen? (Sin Subentoeib, bie am Hamburger ©teintoeg mit atten #ofen gehanbett! Ät* freb SReifjner, Heinrich Saube — bie Etamen »ertünben bie Äbftammung! Sürft $üdter4IRuStau? (ES ift ein öffentliches ©eljeimniS, bah ct maufchelte! Sah bich nicht betrügen, beutfcheS Sott! SBahre beine heiligften ©fiter, beinen tinblidjen ©tauben, beine un»etfätfof fept beliebten Diplomaten, ber merr giertet pötte micp gütig an, unb üerfpracp mir, Wenn icp ipm bie nötigen Auöfttnfte gegeben paben würbe, feine Stttfpracpe bei ©rammont. ©» »urbe bamat» in gang (Europa oiel amneftiert; bie Sitte* rang war, wie ba» ©pricpwort gept, bem Unteraepmen günftig. Docp nocp immer »uffte i(p nicpt, »er Dranmor fei, »ie er peifce unb »o er »eite. ©» gab bamat» notp leine jwötftaufenb beutfcpe Dicpter unb ©(priftftetter unb (ein Jtürfcpnerfcpe» Sepifon, ba» oon alt biefen „guten" SRuftlanten ftunbe gab. ©» blieb mir atfo ni(pt» anbere» übrig, at» Srodpau», ben Serteger Dranmot», um bie Abreffe be» Dicpter» gu befragen. Umgepenb tarn mir bie Antwort au» Seipgig gu, man tooQe (Einiges übet Dranmor. 329 für ©tattmot ©riefe unb fonftige ©enbungen gerne ungefäumt Vermitteln, fei aber butch (Shrenwort verpflichtet, Weber Käme, ©tanb noch ffiohnort beb ©ichterS gu nennen. 3$ fd^tieb nun an ©ranmor, wie e« mir umS $erg war. 3$ \tyU bette ihm ben mächtigen (Sinbrucf, ben bie „ißoetifchen Fragmente“ auf mich gemalt, fagte ibm, wer ich fei, unb bat ihn, mir (Gelegenheit gu geben, ihm bie KAcffeljr nach (Suropa burdh ©eihilfe mächtiger Fürjprecher, viel* leicht gu ermöglichen. ©em ©riefe fchtof» ich einige Kümmern ber „Keuen freien treffe" bei, bie baS auf ©ranmor ©egügliche enthielt, unb baS nachfolgenbe (Gebiet: Hn ©ramnot. „Ob Du ein Seemann heiter, DaS SReer mit $Snben greif# — Ob Du ein Mlpter Weiter Durch bie Savannen ffteiffi — Ob Du beim Slang ber Sterne, Solbflaubenb auS bem Sanb, Sebenteft an baS ferne, DaS bentfche Baterlanb! Wicht »ei| idj’S; ftemb geblieben 3fi mir ber Warne Dein; Doch brang, »aS Du gefdjrieben, Wir in bie Seele ein. Unb weil ich Dir nicht geben Kann flberS SReer bie $anb, fiaff ich bieS Blatt entfchueben — Den!' be|’, ber eS gefanbt!" Wien, 1865. WIfreb ZenierS. SRottbe vergingen; ich blieb Aber unb von ©ranmor ohne Kachricht (Sttblich fam mit im Oftober 1865 ein Schreiben auS ©rafilien gu. 3ubetlanbe 62 Vol. 4/2 330 tenierd. ber Sichtung &cimiftanmot. 331 gejogen. SBie hätte ich felbe auch in bem ungarifeben fianbftäbt^cn pflegen fönnen? Die (Elite be* ÄaufmannSftanbe* bort fab midE) über bie Ädjfeln an. SBar eS boeb unerhört, bajj ein ©etreibehänbler ©ücber, ja ©ebidjte ftbricb . . . „Sticht* toiffen unb oiel (Selb Perbienen!" Da* Sprüchlein galt bamal* im frönen Ungarn. Da rüttelte im Sabre 1867 ba* Oeft^icf be* b^c^^erjtgen BRofimilian pon SDtefito bic ^erjen unb bie ©eifter auf. Die Blamen Suarej, ©ajaine unb Blapotcon HI. mürben nur mit Sföcben genannt; al* nun gar bie ftiutbe nach (Europa tarn, bafj SRajimilian bingcricbtet morben, tonnte bie Drauer feine ©renje. SBie ein Älp tag e* auf allen ©emütera; ba flatterte Pon ©io be Saneiro im September 1867 Dranmor* erfeböttembe* ©ebiebt „Äaifer SRajimilian" nach (Europa biaöber. (S* tourbe in ber „Bleuen freien ©reffe" abgebrudtt unb erhielt babureb bie pon Dranmor beabftebtigte toeitefte ©erbreitung. SU* ich ba* ©ebiebt, ber (Erfte in (Europa, in Äaab Pon Dranmor empfing, toar mein (Entfcbtufi rafdj gefaxt. Satb teilte ich ihm meine ©Infld^t mit, ob e* nicht beffet fei, ba er fein Riefengefch&ft bon (Europa au* boch nicht perföntid) leiten Wmte, wenn er ba*fetbe hi Rio auftflfe unb in (Europa ein neue* begtünbe? Sil* Antwort hierauf erhielt ich ein faufm&nnif^e* $irfular, worin gerbinanb ©chmib ber @efd)äft** weit mitteilte, er überfieble nacf) (Europa unb fein greunb @toß werbe fortan at* Kompagnon unb (Eljef ba* $au* gerbinanb ©chmib, ®toß unb ftompagnie führen, ©chmib nannte im Birfnta bie feht bebeutenbe ©umme, bie er al* gonb ber neuen girma juwenbe; bem Birfufo? waren einige herzliche S^ten an mich beigelegt, worin er mir ffir bie Rufrichtigleit meiner SReinung banfte, mir aber erll&rte, baß Üjm bie faufmännifchen ©erhältniffe in (Europa $u fremb feien, unb baß er „bie ©pipbuben auf ben europftifdjen ©örfen ju fepr fürchte", um mit ihnen ben, unter gunftigften Umftdnben, gemeinen SBettlampf ju beginnen. (Er wünfche Ruhe unb bereite ade* jur rafcpeften Überfieblung nach ©ati* bebot. ©elbftoergeffen wie er war, betrieb er früher nodj ©roß’ (Ernennung )um t t öfterreiiptfcpen ©eneraßonful für ©raftlien. $n Dranmor* früheren (Eigenf cpaft al* fotcher biente er ber 0fterrei$ifcf)en Regierung fo fepr, baß ihn biefe in ben Ritterftanb erhob. Um ba* 3<*h* 1870 empfing er au* ben $f)unu ©obieSfi oon Semberg heran* jog unb Drembowta entfette, ©iete ber zehnteiligen Strophen beS ©ebichteS finb ®ohn gut gelungen unb oerrateit poetifchen Drieb unb ©djwung, anbere beteibigen baS 01) r butd) gärten, burd) ©einte wie: Diefen — riffen, wüten — mitten, gewinnen — flintmen, ©pnfopen wie: teifn, jehr’n, ©ol’n, Dtphä* refen ohne ©räpofition wie: ’S Seben, ’S ©efühl, ’S ©egiment, „ob aud) 336 Xitfdjnunm. Chi Bott Met raetrifdje ftberfepiagttt. bet ©ole ’S ©lut für« ©oterlanb geloffen*. dergleichen ift ganj uujuläfftg. auch f^teiben wir nicht SRarija, fonbetn SKaria u. f. w. $ öffentlich lernt bet Überfefcer biefe unb anbete gehler allmählich oermeiben, was ihm, ba feine ©achbübung jumeift eine feht freie ift, um fo leichter toetben mfifjte. Das oben (Sefagte gilt auch oon bem fcohnfchen SteprobuttionSWerte „Li- bertas, Siebet auS ben greiheitslämpfen". Die Libertao bet Überfefpuig eliminiert ©etfe unb ©itber, fubftituiert fchmächete unb fühlt (SarqpäSfiS ftriegbfeuer bebenflidj ab; |»oetifc^ed Zalent ift jeboch bem Übetfe|et feinet Wegs abjufpredjen. Die britte beutfche Arbeit unfereS SerfafferS ift eine ftnalpfe beS „ftonrab BaUenrob" oon ÜRicfiewicj. 818 biefet Dichter §u SRoSfau unb Petersburg in ben angenehmften ©erhältniffen, geehrt oon allen, bie burth (Seift unb Slang heroorragten, fich glücflich fühlte, Oerbachten ihm bieS feine potnifchen greunbc. (Sleichfam juni ©etoeife, baff er baS Unglücf beS ©ater* lanbeS auch tn bet grembe fdjmerjlid) empfinbe, fchuf er feinen „Batten* tob". Diefe oon ©pronS (Seift getragene poetifche (Srjählung machte burth ihre eigentümlichen ©Über unb als reoolutionärer Becfruf großen (Sinbrucf, aber man warf ihr auch ö or, bafj fie ben (Srunbfafc: „bet 3 Wed heiligt bie SRittel" oerherrliche. Diefer ©ortourf toirb baburch gemilbert, ba| Balten* tob bie grüßte feines ©errateb am beutfchen Orben nicht geniest, fonbetn einem etenben Xobe oerfällt. Der eibbrüchige $elb ber Dichtung hot übrigens Wenig mit jenem Äonrab oon Battenrob gemein, welcher im 14. gahrhunbert als $ochmeifter in SRarienburg refibierte. Solche h'fto* rifche Untreue barf man inbeS einer Dichtung — ob nun in ©erfen ober in fßrofa — nicht als gehler anrechnen, ein Zabel trifft nur bie grofje Saht „(Sebübeter", Welche aus berlei Ph at, taftegemälben ihre (SefchichtS» fenntniS fdjöpfen. ftoljn legt ben gntjalt beS SOWdiewicjfchen BerfeS in ftürje bar. Die eingeftreuten Stellen barauS finb gut Wiebergegeben. Seine überfepung einer Auswahl (Hjamiffofcher (Sebidjte enblich jeugt nicht nur oon (Singehen in bie Intentionen beS Dichters, fonbetn fie ift auch bem ©orbilbe abäquater. Die ber polnifchen Dittion eigene prägnante ftütje, bie greiheit iu ber fpntaftifchen ©erbinbung unb ber jtoanglofer fich barbietenbe Reim erflären bieS. Die Oon ftohn beigefügte biographifche Bürbigung beS bei unS mehr, als er annimmt, gefdfäfcten SpätromantiterS ift fehr fpmpathifch gehalten. *tttff. 337 Uemaite unb HdveOen Xheobor Storm f! Sr war ein trefflicher »Jtünpter*, ein ©eipet brr Ko« teile, fobalb man barunter bab Stein« •eure Oerftetjt. Kun, wab weiter! 3*be hMjtre Suffaffung, jebe ©ebanfenDer« tiefung, jebe Stementarfrap mangelte ihm. tfüt testete trat eine f4wüte »er« pedte Sfipernheit ein, wie im ,©atb« Winfel* unb „Aquis sabmeraus“. (Einen fo engen (Seift gu einer Xi4tergröf}e erften Kaugeb aufbaufchen tonnte nur bie unter« Wüftlidje $^ilißerei bet beutf4en Kac^t« wüster, benen ewig bab Sleinpftbtifche im Stute fipt. Unter ben Kefrotogen er« göpte unb am meiften ber im „#amb. Sorrefponbeuten*. Sin junger Dr. Xan» nett (nicht gu Dertoedjfeln mit bem ame« rifauifdjen $ungerfflnpler Dr. Xanner) hungert bort (ftgftrlic^ gu fpreßen) fein bürftigeb äfthetifpenfum mit mögticbfter ©ebanfen*abpineng tapfer bur$. ,3a,' ffließt er, ,wen haben wir noch, um bie ©ürbe ber ©annheit unb ber fßoefie gu wahren gegenüber bem tollen Sftrm ber Sinber, benen ein f$mufciger Xbftatfc^ berXBirfli^feit ein ftunft« pfld bflnlt?' ©er finb biefe ftinber? 6inb eb bieüei^t fotc^e, bie auf jeber Seite ihrer ©erfe nidjt nur mehr ©elterfa^rung nnb Seetenlenntnib, fonbern au4 unenb« H4 mehr tdftt $oepe unb wahre 3beaIHüt entfalten, alb Storm unb feine ©enoffen in intern f&mtli$en Stimmungbgebubel? — So tollen Xummheit unb Selbpfucht Weiter im Seitbtang ihrer Iritifdjen Un« reife unb Iitterar$ijlorif$en Unwiffenheit. $elj* unb ernft rietet ber 8ufunftf4auer auf bieb Xotjuwabotju ben unerforfi^tid^en Stid nnb — tadelt. K. B. ,34** Kornau non 3ba Sop«Sb. (Stuttgart, Xeutfdje Serlagbanpalt.) Sin bef4eibeneb ©anbdjen, für bab ber Xitel »Kornau* manchem Cpr faft gu anfpru4bDolI tlingen mag. Xie bem beutfchen Sefepublitum burcp ga^Ireic^e arbeiten bereit« befannte unb liebgewor« bene Serfafferin führt unb in biefem neueften ©erf in engem Kalmen ein moberneb Sittenbitb Dor Hugen, Doll Iebenbiger, flbergeugenber Sahrf4eintich* Mt bor. Xab X^ema bilbet ber heutgutage immer mehr P4 aubwadjfenbe, fraffe Sgoibmub beb Singeinen, ber »34** Jtuttub. Keprüfentanten unb gugtei4 Opfer bebfetben finb ein jungeb (Ehepaar aub ber 5i«atlgwett, unb eb ift Stau Sop«Sb Dortreffti4 gelungen, biefe beiben 34-©enf4en in ihrer gangen, eigent« Ii4 bebauernbwerten, feelifdj-gemütlidjen «rmfeligfeit pingufteiten. Xaneben wir« fen um fo .wohtthuenber einige anbere tfigureu, unb ljergerquicfenb, wüprenb bie ftinberfgenen Don abfoluter (Edjtheit unb Katflrtidjfeit, bie i4 um fo tjityer (cpape, ba fie fetbfl anerfannt begabten weiblichen Schfiftfteüem nur fetten getingen. — Stau Sop«Sb hat fid} bamit alb ©eiPerin in ber Schitberung ber finblic^en Sfpdje be« wflhrt unb man brauet ihre prüchtiqe Xarftettung nur mit jener anberer ge« rühmtet Äinberbidjtetinnen, g. 9. grau Sara fcuplerb gu Dergleichen, um fofort ben Unterfchieb gwifchen echtem ©otb nnb fabrigiertem Xatmi gu fpflren. Xer Sop»Sbf4e Kornau ,34* Dtdre na4 meinem ©efdjntad ein unanfe4tbareb ©uper ebelrealifHfdjet SrgahtungbfunP, wenn bie eingige Sigur ber jungen Sou« fhte ni4t ein wenig f4abtonenhaft ge« raten wfire. aber nur gang Wühfctif4e, oerwöhnte Ohren werben ft4 baran ftoßen. S- b* B. »Sie ma4t Sortiere.' Sertiner Sittenbitb Don $einri4 Büttner. (Ser« Iin, (tafferer u. Xangiger.) Xieb ungemein gemeine Unfittembilb 338 ffritit. eine« pfeuboutjmeu Serfaßer« begrüßen I wir mit {Rührung. Senn h« et etfennt j man, nie allgewaltig ber echte SReali«mu« j (ich Sa^n brach- Hier flieht’« (eine falfdjen 3bealitäten, (eine »$roftitutiou be« Jpet* gen«", feine unnötigen Iprifchen (Einfdjieb- fel, oor allem (eine 3been. $>ier ift alle« hödjft gewöhnlich unb banal, wie ber wahre (Reporter «Kealiömu« e« wüufdjt. di ift, al« ob bie Schweinerei Bon gang Berlin gufammengeflofien wäre. Sa« „Senfionat" ber grau B. Schulp in ber ftanonirftraße, bie Herren Offiziere ber $ot«bamer ©arnifon mit ihren »deinen grauen“, ber Singeltangel, bie Kellnerin« nenfpracbe — alle« mutet un«lieb Ber« traulich an. Kur immer ’ran, meine Herrfdjaften, (aufen, (aufen! $ier iß toa« für« ©emflt. Solcher ffleali«mu« wirb ben oerftocfteften Börftaner gu fich 6e* (ehren, Hier finb bie unanfechtbaren ftunftgefepe ftreng burdjgeführt, welche anbre ftealißen burch i^reit überffüfftgen 3been»BaDaft fo oft Berieten. — Sch erg hei Seite! (Bin flott getriebene«, gut fomponierte« Unterhaltung«b&chlein pi« (antefter Sorte. Soll Salent nnb SBip. K. B. ,8(u« fchtoerer Bergangenheit.* (Ein ©efchichten«Sb(li<« Bon SBilbelm Senfen. Seipgig, (Elifdjer. dt ift (eine grage, baß genfen gu ben bebeutenbften Poeten ber ©egenwart gehört. Seine grudjtbarfeit ift eine enorme unb boch h“t fitertf gegnet zu fein. Sepon um ber ©ebiepte willen, bie Subwig unb 9ngelita oon $5rmann entflammen, oerbient bab Bfiep» lein große 9nerfennung unb weite Ber* breitnng, abgefepen oom wopltpfttigen 3»eefe, bem eb bient. E. W. Äritit. 343 Silhouetten, ©ebicpte oon ©runo X eil heim, (©ubapeft, ©. (Stimm.) ffiieberum ein ©änbdfen Sprita, welche ] baS ©etb als Sirne oerperrlichen ober, nenn auch nicht oethecrlichen, hoch als pitanteSStoffmnfter Der werten. Ser ©ante beS Autors ift uns nicht neu, benn fchon feine ©ebichtfammlung „Xutti Frutti" haben toit beifällig begrüßt. Sie „Sil* honetten" geigen einen entfchiebenen fjort* fchritt, groar nicht in gebannter Äon- geption, aber inbegug auf bie ungemein frifche, wohlgepflegte grorm. ZeDheim toenbet fich mit (Seift unb ©erbe gegen bie $endjelei ber ©efeOfdjaft im ©unfte ber Srotit, er weiß bie ©erlotternng unferer heutigen Semtmonbe * ©irtfchaft ht brennenben Farben gu malen. SaS ©üchlein fehltest mit rooplgegielten dpi« grammen unb Apoftropljen allgemeineren Inhalts, oon benen wir bie lepte, leicht Oerftänbliche als ©tobe girieren wollen: „ßturrtlf, aufgcftlafene Sanltulotten, ttcWrmlic^ an dfflnnung unb Qkbanfen, TOIt ©orten, bie ber ©Übergabe Ipotten Unb wie fle felbft latrinenmAfcig ftanfrn, 60 wetterten fie Io« auf 3$n, bie Rotten, flU* iprrt ttftemibmel €teme fanten, Unb tbaten ficb »ufammen in ftomplotten Bon Ronplulultw-, fcirn unb Senbenfantfen. grifft! ©ar bal ein bienenemfifl 6 n$en 9taft patquiflanttfd) rüpelhaften Boten! 6 ie hoben ficb, nupt^itifebe ttunuc&en, 3m Schimpfen gegenteilig überboten. Tie tthronifa be* Unflatb# mag et buchen. 9t aber lachte ftoifch ber Beloten Unb lieb fle hecheln, böbtien, wüten, fluchen, Tie fchon lebenbig »Ahlen »u ben Toben. K. B. ©flntper ©allingü betannte (Se* bichtfamrnInng„©om Sanb bei ©eins unb ber ©efänge, ©anberungen bnreh Spanien an ber $anb ber Sidjttunft," ging auS bem ©erläge oon 8. ©ierfon in SreSben in benjenigen oon ©ilhelm grrtebridj in Seipgtg über; ber neue ©erlag bereitet eine g wette Auflage ber beliebten Sammlung oor. Srama. König Sridj, unter biefem Xitel hat ber öfterreichifth* ©egafuSreiter Stephan SRilow in gweiter, oerböferter — pat« bon Oerbefferter Auflage, bei §. 3ifcher in ©orben ein Xrauerfpiel, natürlich in Jamben unb 5 Alten erfcheinen (offen. Ser Spriter Stilom ift alfo unter bie Sramenbichter gegangen; ift fchon ber Sprung oon ber btipblanen, angeträntel» ten Sprit auf bie h'tßen, weltbebeuten« ben ©retter fchwer, fo ift eS boppelt fchwer, wenn man ben Sprung mit einem König (Erich macht. Srama unb Sprit flehen fich fchroff gegenüber, fo fanft.fäu« felnbe in aßen möglichen unb unmög* liehen (Empfinbungen fdjwebenbe Spriter wirb fich nie gut Kraft unb (Energie, gnr oielgeftaltenben ©aprljeit unb rüdfichtö« Iofen Offenheit beS SramatiterS empor« fchwingen, er müßte es benn mit hinten« anfepung feiner felbft. ©er aber hot biefe Selbftüberwinbung? SaS mertt man nun auch am König 8rich — waS ift auS bem geworben ?1 Aus bem traft« ftropenben, im ©ahnftnn großen ffionar» chen ift ein epilepifcher, gehirnerweichter Schwächling geworben. Sie Sarfteüung ber teilweifen ©erlotterung unb beS ©IbbfinnS ift unenblich fchwer unb wahr* lieh (eine bantbare Aufgabe — aber in ihr geigt fich ber wahre Sichter. Oer fich biefen Stoff erwählt, ber tann jept unenblich oiel hineinlegen — ber tann unferer moberneu ©eit einen Spiegel oor* halten. Ser unglfldliche Subwfg II. oon ©apern unb (Erich finb in ben (Srunb« gügen bie gleichen Sharattere. SaS hat ©rilow gar nicht bemertt; wenn er oon biefem Stanbpunft ausgegangen, hütte er oieHeidjt ein bebeutenbeS Srama ge« fchaffen — wenn überhaupt feine anf finnlicher, wadetiger ©afiS beftehenbe Kraft bagu auSreicpte. So aber ift (Erich eine antiqierte grignr ohne Kraft unb Saft; man fieht, baß ihm baS Müden* mart fehlt, wo es ihm abhanben getont« 344 Sritif. men, erfährt man nicht. Wan fte^t, bafj et mit ben $finben in bet Stift Return* fuchtelt unb allerlei unftnnige JRebenö- arten macht, warum? — 3a, ba* mag fi df bet ßefer ober 3ufen - Unb Sa¬ rin, baö htaS'fcnbt ®efen, bie poefienm« buftete Blume? (Eine gan§ gewöhnliche Birne, ohne (Emjtfinbung, ohne befeeli- genbe Siebe, bie ÄUeS, ÄfleS bergift, wenn fie ben (beliebten in bie Ärme fchliefjt — eine Birne, bie fidj barüber freut, Königin gu werben. Staat »et* buftete fie im lebten Äfte gtunblol mit einet Bhtafe, bie gn glauben abet felbft bet betrachte (Erich ju »eraünftig ift. Kein — fo fchteibt man feine Bramen I Unerbittlich wahr muh man fein, mit eiferner Sonfegueng muh man »ormiittö fchreiten — man muß „in baö »oOe Wenfdjenleben hineingreifen*, ein Stficf hetauönehmen unb. eö fchilbetn, wie e* ift. Sann baS bet Shrifet? Wein — et fieht baö Seben burch bie bnnfle Brille weichlicher Sentimentalität — et fann fein frfiftigeö Sinb erzeugen, et fann nnt onanieren. 3 ut Bramatif gehört etwa! ÄnbeteS. Um nicht ungerecht gu fein, muh anerfannt werben, bah bie Sprache glatt unb fliehenb, teilweife »oe- tifch, »on jener gelecften Stäche, wie Wit fie bei Wilom gewohnt ftnb. Uber genügt baö, um nur ein einigermahen anftünbigeö ffietf gu fchaffen? 3ft bet geiftige Schalt bet Sorm wegen ba, ober bie &orm beö geifrigen (Behalte* wegen? hoch wohl lehteteö. Wan fann feht ele¬ gante Betölein fchmieben nnb in ihnen hoch weniger wie Wichtö fagen — bai beweis unö g. B. WUom feht oft! Wit bet tjform iffö nicht gethan. ffieltbe- wegenbe Stagen foüen aufgeworfen, in biefem SaHe bet mittelalterliche Seiff eines (Erich mit moberaen Stagen »et« möhlt werben; baö ift unbebingt nötig. Wir brauchen feine Sentimentalitftten anö »ergangenen 3ahthunberten — wir haben in unfern fogialen Stage, in nuferem, leibet bobenloö gefnnfenen de- feüfchaftswefen Stoff genug für Bramen — Bramen, bie ihren 3med »oll nnb gang erfüllen. Unfete bramatifche Sitte« ratur iß feht httabgefommen, wit be« Stehen unö mit allen Safera unfereö (BeiSeS, biefelbe wiebet gu heben — nnb wir werben eö erreichen. Beöhalb, liebet Wilom, bleib bei Beinern Seiften — bat« bon bei Beinet Shtif. NB. 3f9cboIogif<^en unb fokalen ©efabren be« Agitator«, wenn inau«retchenben Smecfeit nicht un¬ treu werben. Sein Such fod auch ben Sewei« erbringen, baß ber Qournali«- .mu 8 nicht (wie man gewöhnlich behauptet) bem Aaronöftabe gleichen mflßte, ber ade« Anbere »ertilgt, baß nicht .3eber, ber inmitten biefe« ffiirbelwinbe« fich butchfreujenber ^ntereffen fteljt, unmög¬ lich bie ruhige Sammlung unb Serien« hing in bie ©eit bet $been unb ©efüple finben fönne unb baß enblich faloppe @e* finnungötofigteit unb wipelnbe Slafiert» heit nicht ju ben unbebingten Attributen be« Sageöfdjriftfteder« gehören müßten. Unb wir ftimmen ihm bei, wenn ber Sichter nur ben ©infetjAgen unb labt)* rinthifcßen Serfdjlingungen be« fo feljr jebe« höhnten 3“8 eg entbehrenben, poli» tifdjen fjjarteiljaber« fern bleibt, wenh et unbetflmmert wie ftch Aber ihm bie Sölfer fcßlagen, in ba« Ejtraftübchen »unter bem Striche" flüchtet. Sann tönnen feine Schöpfungen felbft in ba« mißheDige ©ewirre ber egoiftifdjen 3nter* effenfämpfe einige Afforbe au« erhabenen Sphören hitteintönen laffen, er (ann auch ba« Epljemäre sub specie aeternitatis betrachten unb Aber bie öbe Adtäglidjfeit einen ©iberfchein be« Sanbe«, au« bem er entftammt, »erbreiten, unb wie bie Ouede Arethufa ihre urfprünglidjeSAßig« feit bewahrt, obgleich fte bie bitteren @e* wäffer be« SReere« burcßjogen, fo fann auch bie (Reinheit ber Sichtung babei »odfommen erhalten bleiben. Sie Sage«- litteratur ift einmal ba« Ade« refotbie- renbe 3«*tatnt be« litterarifchen Seben« unb ©efdjmacfe« geworben, ber §aupt- fhcom, in ben ade anberen Emanationen ber gebet in gahllofen Kanälen einmün- ben, unb }u beffen Klärung fte eben »iel beitragen fönnen. Selbft folche Sichtungen, bie mit bem Sage entftehen unb mit bem Sage »ergehen, fönnen auf biefe ©eife höheren 3»>tctot bienen: El rote eile e recn k ce qne Tirent lee roset L’etptce (Tan mttiii. Ade biefe ©ebanfen würben un« beim Surchlefen »on fflecßöler« geßaltnodem Suche felbft bann auftauchen, wenn er un« in feiner Sorrebe auch ttidjt bireft barauf h'ttwiefe. Ser un« in biefem Suche gewährte Einblicf in bie raftlofe Shätigfeit öfterrei(ßifer geuidetoniften, in ihre nimmermübe gArforge ben 3 n * fammenfjang mit bem poetifchen SRutter- lanbe, bem fie entfproffen, auch mitten im ©ewühle ber fie umtofenben Stoß- wogen be« immer mehr »ermitbernbeu gaftiondtreiben« nicht §u »etlieten, be- meijt un«, baß man bei ader tRAtffidjt- name auf ben ©efcfjmacf ber Sefer ben» nocß bie Seitung unb Sereblung beöfelben nicht au« ber §anb geben müffe. ©e- fonbet« angenehm fädt un« aber in ©edjöler« Seurteilung unb ©ertfdjäpung anberer Schriftfteder neben bem h*® h öon ftin* fei jepeiben gu laffen, »eil fie befürchtet, wenn er gurfldf&me au* bem Sndjtpaufe, fbnne er bor ihrer $Sgticpfeit erfepreden; eben »eil fie ihn über (Ille* liebt, bangt fie babor feinem (Blüde im Wege gu flehen unb toiQ lieber felbftlo* gehen, alb ihm gur Saft »erben; nur fdjwer gelingt e* ben greunben, fie bon biefer 3bee abgu« bringen. „3$ wäre unb bliebe fa fein, trop bet ©epeibung, wenn er ei »oüte, unb ich wäre bann gum gweiten Wale feine freie Wapl unb bobbeit glüdlicp, unb er füge bann, wie ich nur an ihn gebacht unb an fein (Blfld." Za* finb Worte, bie 3opanne nicht nur gefagt, fonbem auch gebacht, fie finb fo echt weiblich gefühlt, neben aller panbeln* ben Äraft, bie an ba* Wännlicpe ftreift. Wit ©egug auf $ortenfe (Eornu, bie Ougenbfreunbitt ÜRapoleon m., beren Wutter eine fiammerfrau ber Jtbnigin $ortenfe gewefen, weif) bie Sewalb auch bi*pet Unbefannte* gu ergäplen. Sie hat in regem ©erfepr mit grau ffomu unb beren (Batten, einem tüchtigen $ifto« rienmaler, geftanben unb beflagt ei tief, bag bnreh ben beutfep-frangöfifepen Jfrieg bei QahteJ 1870 jeher perföntiepe ©er« (ehr mit bem (Ehepaar aufgepBrt hat. $ortenfe (Eornu war Stepubtifanerin de pur ung unb hat ei bem einzigen (Be* fangenen bon $amm trog aller 3«genb* frennbfehaft nie »ergeben fönnen, bag er nach ber Jlaiferwürbe geftrebt unb ben ©taat*ftreicp oom 2. Zegember in ©gene gefegt hat. Werfwürbig fmb alle (lu*fprficpe, welche $ortenfe über 9ta« poleon thut, bie Seit unb bie (Ereigniffe weifen baranf pin, nie fcharf ihr ©lid gewefen unb wie richtig fte Napoleon beurteilt hat; babei führt fte hoch fiele* an, wa* gu feiner (Entfcpulbigung bient, weift auf gepler hin, welche in feiner (Ergiepung lagen unb bie nicht anber* al* unpeilooQ wirfen fonnten. $ortenfe erg&hlte gannp eine Qemerfung ber ftaiferin, welche wieberpott gu »erben ferbient, weil fie eine merfwflrbige pro« phetifche ©eranlagung ferrflt — c*l* nämlich eine ihrer $ofbamen ba* (BIfid prie*, beffen fie an ber ©eite be* Äaifer* teilhaftig werbe unb »eiche* fie gu einer ber beneiben*werteften grauen ber (Erbe mache — erwiberte (Eugenie: ,3a — fehr glfldlich-bi* — man un* eine* Zage* gum genfter pinau* unb auf bie ©trage werfen wirb!' Zie blinben $eine«dnbeter — welche an bem ©ilbe gar feinen, auch R <anb nehmen. th. „Sftterarijcße Welief«." Dichter« Porträt« non Sruft fliel. Dritte ftolge. Seipgig, Sb. Sättig. Srnft 3ifl ift ein« ber gebiegenften unb tüchtigften Sitterarfjijtorifer, bie »ir gegenwärtig beftptn. Da« feine unb tiefe ©erftänbni«, »eiche« er bießterifeßen Serien entgegenbringt, ber gerechte unb hoch moßlwollenbe ©tanbpunft, non bem au« er feine Urteile fällt, ba« große litterarifche Siffen, »eiche« benfetben einen bebeutfamen fjintergrunb nerleiht, machen feine ©tubien gu fpmpatßifehen, wertooßen Seiftungen. Sr beßanbelt in biefem ©anbe eine Weihe ßeroorragenber ©oeten »ie ©Meißner, ®eüer, 3orban, Seutholb unb ben jungen nerljeißung«« Dollen Dichter ©ierorbt. Der Wnßang umfaßt ©tubien über eine einftmalige ©ertiner litterarifche ©efeüfcßaft: ber Dunnel, ein nach fianbfchniftlichen ©Mit« teilungen entworfene« Seben«bilb 3- »• Staubig« unb eine fleine ©tubie über ©ictor §ugo. W. „Da« litterarifcße De-utfcßlanb". ©on Slbolf $inricßfen, ©erlin unb Woftod, ©erlag brr Wlbumftiftung. 1887. ©or nicht gu langer 3nt würben wir Scßriftfteller ade burch 3 u f ra t)uugeu be« $erru hinrießfen beläftigt, in benen bio« graphifche ©Mitteilungen für ba« geplante Dorliegenbe Serf erbeten »urben. Der Sortlaut ließ ba« gange al« eine Salle plumpfter 2trt erfcheinen, eine ©peiulatiot anf bie Sitelfeit aller an Slnerlennung«« mangel franfenben $albtalente unb Dilettanten, benn natürlich würbe al« ©egenleiftung für bie Aufnahme bie @ub> flription auf ba« „Ser!" wenn nicht gr> forbert, fo hoch erwartet. Daß fieß eine genügenbe Wngaßf Dummer finben mürbe, war oorauögufeßen, bie »erben ja be« launtlicß nicht alle — e« giebt boch immer Seute genug in Deutfchlanb, »eiche für bie noch nie genoffene Sh« einmal ihren Warnen gebrudt gu feßen in ©erbinbung mit einigen felbftgefchriebenen 3eilen be« Sobe«, ber felbftuerfaßten ©eßauptung, baß fie gu ben anerlannteften beutfeßen Autoren gehören, fünf ©Marl in ben SRinn« ftein gu werfen bereit finb. Die anftin« bigen Schriftfteüer ^aben natürlich faß au«nahnt«lo« ba« ftinrießfenfeße Sirlnlar unbeachtet gelaffen, felbft eine gmeite Sn« gapfung mit ber Derftedten Droßung, ber $erau«geber Würbe fieß bann bie ©er« fonalnotigen anberweitig befeßaffen müffen, wo fie vielleicht nicht fo gutreffenb, ba« ßeißt nießt fo lobenb lauten bürften — e« ift nur gu bebauern, baß ftch, trof« bem bie anftänbige ©reffe rechtzeitig oot biefem ^uüibug »amte, boeß noeß ein paar leiblich befannte Schriftfteüer Don fo unbegwingbarer Sitelteit fanben, bem« felben noch anertrnneube Sorte be« @e» leit« mit auf ben Seg gu geben. Watür« ließ ßat ber „$erau«geber" fieß nießt uerfagt, biefelben größtenteil« im lejt al« ©Männer Don unfterblicßen ©erbienjten ßingufteüen. Sin Dienft ift be« anbern »ert. Da« ©Macßwerl ift nun erfeßienen unb erweift fieß al« ba«, al« »a« man e« oorau«gefeßen: ein gönglicß »ertlofe«, oßne jebe« litterarifche ©ringip gufam> mengefteüte« ©ammelfurium, in feiner Sritil. 351 Stift auch »nt gu begleichen mit Srttm- mer« befanntem bortrefflidjen Ser! über bie beutfd|en Sc^riflfteHer be« neungebn* ten 3a^r^unbert8. ©ergebend forfdjt man nach irgenb einem ©runbfap, ber beit {Rebafteur geleitet fiabeit lönnte. Siele mistige unb böchangefebene Schrift» ftetter fehlen gAnglid), anbere ftnb in wenigen 3<>ten abgetan, anberen, beten Samen unferem Df)r fo fremb Hingen, wie unferem bergen, ftnb gange Spalten gemibmet, boll ber 2lufjäf)(ung ber gleich« gfiltigften Umftänbe itjreä Seben«. (Eine Sortfepung wirb angefünbigt — pte baber 3egli^er feine« Seutel«! 3mmer» bin wirb ba« Such ftetö mertoott fein al« Steifer be« §öbepunft« fdjriftftetle- rifcber (Eitelfeit. (Energifdje Sermabrung aber forbert ber Unfug betau«, ben $ert $inridjfen unter ber Starte follegiaten SobItbätigfeit«ftnne« treibt. Seit 3ab ten (finbigt er alle feine Unternehmungen biefe« unb Ähnlichen Silage« mit ber Semertung an, einen Zeit be« fReinge- »inn« gu fünften notleibenber Schrift* ftetter bermenben gu motten, er bat eine „Sllbumftiftung* gegrflnbet (gur (Erinne¬ rung an ba« berüchtigte Scbriftftetter* album) — aber nod) niemal« habe ich trop meiner auf ba« meitefte au«gebrei> teten Htterarifchen Segiebungen non ir« genb einer Unterftüpung eine« notleiben* ben Bottegen burcb §erm $inricbfen gebürt, noch niemal«, ma« boch ba« erfte roAre, non einer Öffentlichen {Rechnung«* legung in einer Sache, wegen ber bie (Öffentlichkeit in Slnfprucb genommen wirb. beftritten. Ser Wirb aber gleich mit Sbalefpeare unb ©ötge« „Sauft* al« Sergleichen operieren! „Za« ift bie Sauftbidjtung ber ©egenwart — ein §ufarenritt burcb ba« {Reich be« ©eifte«!* 352 XtulT« 3a, net wirb immer gleich 3auß« ©icßtungen ermatten! ttnb melcß' ein ßinfenber ©ergleid)! »König Seat" — ba mären noch gebanflicße ©erflfirungä« punfte. ?lber mer mirb immer gleicß gu ben Sternen greifen! SltleS nur äußer* lic^e Setracßtung. ©er Roman »©rößen* maßn' ift einfach ein Raturprobuft. ©nt» mebet fo ober gar nießt — Sie befte Sntmort auf bie ©rodete beb ßtebfamen©bilologenfeßnflffelera folge anbei ein Subjug aus einem ©riefe, melden jfingftbin ber geiftooOe 2rriß Sienbarb an ben ©ießter felbft Aber „bab großartige Start* richtete. $ier geigt ficb jo recht, mie ber ^etlige ©eiß ber Stabt« beit hoch überall oerftänbniboode 3Anget mirbt. ,... 3«f ßwr enblich ift aubgebrüctt, mab bie 3«t bebarf, mab ße in nnflarem Sehnen fueßt unb ahnt — eine erbebenbe, ftärtenbe, echt beutfcßsrealiftifcße ©oefie! ©ab ift ber beutfehe Realismus, ber gleich meit oon 3ola8 brutalem ©rauflobfchil« bern mie oon ©oftojemblib tieffinnigem Seelenfegieren entfernt ift, b. ß. gmifeßen beiben bie richtige, unferem beutfeßen ©enten unb ©mpßnben abäquate Kitte innebält. Kraft, ©iefe, Zroß allem 3t« bifeßen gegenüber, echt bemutooDe $in« gäbe an bab (£roig«SOgemeine — fo ßeßt biefer fo gang beutfehe ©ießter »KejßaS biefet wirren 3eit bor unferem ©lid.. „tfreiließ, ber ^ier gefeßaute KeffiaS bat noch oielfaeß etroab oon ber fampfmilben Zäufer«3oßanneS«Ratur an ßcß: biefe emige Sufregung über bab Otterngezücht, bieb perfönliche (Element, oon bem er ftch nie recht gu befreien weiß, bie Snfamm* (ung einer ben gangen Organibmub oet« feueßenben ©alle läßt ben ©eplagten nicht gu ftiDbeiterer, (ächelnb auf bab ©ebelfer ber Kenfcßenfinblein unb ihre Steden« pferbeßen berabfehauenber Ruhe gelangen. 14 „... ©ab SHermeifte in biefem Roman — einige, jeboeß feßr mittfommene unb interefjante, ©reiten abgerechnet — ift gerabegn meifterbaft. Senn ber ©er* faffer biefer Rotßerfcßeu ©efeßießte leim ßodbbebentenber ©ießter ift, mer iß bann ein ©ießter?! Staun man bab ©eniale, Rene, ©roßartige beb britten ©anbei nießt mit ftaunenber ©emunbernng er* tennt, mer in aller Seit foü benm ben ©eiß biefer 3«*» beb bentfeßen ©ol« leb, ja ber gangen SRenfcßbeit anberb nnb bejfer analpfteren?! 21 ber munbern mir nnb nießt: im Sügemeinen iß ja biefe Sitteratenbanbe oiel gu faul, um eine neue Ratnrerfcßeinung pßicßtfcßulbigß gm ftubieren; fobann iß eb bie oon Xgg gm Zag fetter merbenbe ©ummßeit nnb ©e* feßränftbeit, welche ben großen ©eiß nießt Oerßeßen lann; enblicß bie ßttlicße ©er* fommenßeit, Feigheit, fteucßelei u. f. m., welche bab unbequeme aufrüttelnbe Rene nießt einfeßen mill. Saulbeit, ©nrnm* beit, Scßlecßtigleit — mer miü im Kampfe gegen biefe heilige ©reieinigfeit je anf Sieg unb ©rfolg hoffen?!' ©»Unreife bebDr.8erbß leuchtet feßon baraub ßeroor, baß er bie Rotßer«0e* feßießte lobenb für ben beßen Zeil bei ©ueßeb erftärt unb bem ©eben abgelanfcßt finbet, nacßßer aber bie notmenbigen Konfequengen biefer Sffaire befrittelL ©in Zeit ber ©rofeßüre ließ ßcß in ißrer oß ßülflofen RaiOetät mie bie ©ottor* ©iffertation eineb ßrebfamen, jungen äßßetiterö, ber ßcß bem tbblicßen ©ro* fefforen«Koüegium ber alten 3ionbmäcßter gern inßnuieren möcßte, inbem er bai $aupt ber Reoolutionäre naeß allen Regeln ftrenger SHffenfcßaft attafiert Solcß Idblicßeb Streben fei getränt! Star promooieren hiermit ben Dr. 3*rbß gnm ©rofeffor bet »ibeaten* Äßßetit, fo ßcß auferbaut auf Seffing nnb Scßiüer. Sieße aueß barflber Kan» „Kritif ber reinen ©ernnnß“. PerfcbietmM. ©ab ©eßeimnis ber $egelfcßen ©ialeftif, beleuchtet oon concret«ßnn« Jhltu. 363 lichem Stanbpunlte von (Eugen $ein* ti dj S chmitt (Berliner philofoph. Bor* träge. $eft 16—17.) Berlag Don 9. (E. SR. Bfeffer (St. Strider) in OalIe»SaaIe. Brei« SR. 8,60. Siefe Schrift ift forooljt burch i^ren Stoff wie burd) bie gong eigenartige Bearbeitung in ^o^em Stabe geeignet, ein allgemeine« ^ntereffe wach* gurufen. Schon ber Xitel weift auf eine ber intereffanteften, meift umftrittenen, bunlelften nnb fdjroierigften fragen nn* fere« 3ahrhunbert« h<», welche ber Ber* faffer in gang neuem Sichte gu geigen unternimmt. 9« wirb bon 3ntereffe für nnfer Bublifum fein, in einer 3on ber Schwiegermutter", welche« un« ber be* tannte ftulturhiporiter unb $umorip Dr. tCbolf ftohut hi in ber Sitteratur unb Sichtung, wie in ber Kip* unb Sage«* preffe unb Hnelbote behanbelt. 3«n glei« chenBerlageerfchienen ferner: $ermann Bahr, La marquesa d’Amafegui. (Eine Blauberei; Steue (Eefdjichten au« bem »ollen Seben »on *** (Berfaffer »on „HttmobeO* unb „SRorgenrot") unb bie gweite »ermehrte Huf läge »on „Stirn« men im Sturm", @efammelte Sich* tungen, bem arbeitenben Bolle gewibmet »on SRaurice Steinholb »on Stern. 3nt Berlage »on 0. Cfjiopri« in Zrieft ift erfchienen: Sultan 3ahia au« bem faif. ottomanifchen$aufe ober Hie;. 0raf »on SRontenegro unb beffen Stachlommenfchaft in 3talien. Steue Beitrüge gur (Sefcpichte ber orienta« lifchen fjrage unb ber politifcheu Be* giehungen ber Sfirfei gu ben europäifchen Staaten im XVII. 3ah*b- < auf @runb» läge neueutbedter biptomatifdjer Hften au« italienifchen, fpanifdjen unb englifchen Hrchiben. Bon Bfof. Bittorio ffatu* albt Sa« ungefähr 700 gr. 8® Seiten ßarfe Buch, ba« fftr bie 0efchichte öfter» reich« unb 3talien« »iel 3ntereffante« enthält, geigt eine SRenge fehr felteuer Bortrait«, Kappen unb fjfacfimile«. „Ser Heine Sorb" »on 3. $. Burnett Hu« bem (Englifchen Aber* fept »on (Emmp Becher. Sa« prächtige Kerlchen, ba« in (Englanb Huffehen ge» macht, wirb ftch auch hi* 1 rafch bie Oergen im Sturme erobert haben. (Stuttgart, 3> (Engelhom.) „Bon einem, bet au«gog ner»B« gn werben". (Ein nengeitlich*neuro« pathifche« SRärchen »on R Schmibt» Cabani«. ((Edftein’« hwnoriftifcheBib» Iiothel Str. 38, Berlin, fRicharb (Edftein Stachfolger). „Sie Baria« unferer Sprache*. (Eine Sammlung »on Botltautbrflden »on Dr. gfrang Söh^«. (Oeilbronu, Berlag »on @ebr. $enninger.) „Stentennot'. Supfpiel in fünf Htten »on Karl 8teip(SRflnchen, Sheobor Hdermann.) „Oamlet, ein 0enie'. 3®*i Bor¬ träge »on Oermann ZflrI. (Steubnip* Seipgig, SRa; Ooffmann.) „Sie Bebeutung be« Worte« für bie Schule*. (Eine metho« bifche Hbhanblung »on Dr. 3of*Ph 2oo«. (Brag, @uPa» Steugebauer.) Biltor Kelten (Oan« (EQiffen), „Bebenlbüchlein für Kelt unb Se« ben". Seipgig, Sigi«munb unbBollening. 354 Äritif. Sin recht nflftlidjeb, fdjön aubgeftat« teteb unb mit jpoljfchnitten oetfeheue« ©erleben. 3» bet Jorm beb Almanachb giebt badfelbe für jeben lag im 3aljre Sorte bet Sebenbweibheit über Arbeit, dteichtum unb Armut, Südjer unb Sei« tüte, $anbeln unb ©irlen, Humanität, Kaehficht unb ©rofjmut, Unglüd, Sätet* lanb, Saatbett u. f. m. Xie betreffenben wohlgewählten Steden finb mit einer ganj lobmopolitifdjen Unparteilichleit ben Schriftfteflern oder Seiten unb Söller entlehnt, unter welchen jebodj, felbft» rebenbet SBeife, bie heimatlichen am häufigften borlommen. 9iid)t weniger alb fieben gleiehjeitig etfcfteinenbe Kobitäten geben unb aub bem Serlage bon SReinholb ffierthet in Seipjig $“• ©it geben nachftehenb bie Xitel ber einjelnen ©etle, bie fich famt unb fonbetb alb wertwolle litterarifehe Seifhingen bofumentieren unb bebbatb auib bie warme Smpfehlung, bie wir ihnen mit auf ben ©eg geben, gerecht« fertigt erfcbeinen Iaffen: „$err im $aufe ober ein geklagter ©arlamentb* Wähler", Schwant injwei Aufgügen bon ftriebrich Kofciub; „Abolf $ell* berg," Sehaufpiel in bier Aufjflgen bon Settft Xorieuj«8rotbed. „Slfa," eine nobediftifdje Stubie bon rieb rieh S?onnemann.„9iobericbÄlingbart,“ eine Abenteurer«@efchichte aub ben h öc h* jten unb aderhöchften 8ilbungb«Äreifen ift eine präd)tigeSrjählungbott3tenäub ©affetbogel. 3ulian ©ei&, ber ficb »« lurjer Seit alb §umorift einen guten Kamen gemacht hat, beröffentlieht unter bem Xitel „Aub bem Xollljaufe beb Sebenb, acht jeitgenöffifche 6a« tftren", unb „Seichte 8teijungen, ©ereimteb unb Ungereimte«", jwei ©erleben, bie fich burch feinen §umot unb geiftbode ©ointierung aubjeiebnen. „Schelmenweifen" bilbet ben Xitel einer Sammlung tjumoriftifcher Xich* tungen unb Sffab« bet beften Sänger beb beutfeben Xiebterwalbe«, bie Stift Srenjel jum fceraubgeber b at - ®i« Sufammenftedung biefet humoriftifchen Anthologie jeugt bon einet gefeftietten $aub unb feinem Sefftänbnib fflt h M * motiftifche ©irtung. ©eorg bon ©iapdi h®t feine bei« ben Äuffäfte „«antb praltifdje ©bi* tof ophie, eine Säfularbetrachtung", unb „Arthur Schopenhauer", bie beibe bei ihrem Srfcheinen in ber Sof» fifrac^e r nad) bet natürlichen ©ntwidelung", lieg §an« Wofer bei $eufer« Setlag in Seuwieb erffeinen. £r«it)iftf4< (iüetatnr. Hbermal« liefert 3'<>n Sichepitt ben ©ewei«, baß et einet bet begabteren Sdjriftfteller Sranfreich« ift. Unter feinet $anb nimmt alled, wa« e« auch fei, ©lauberei, Soman, Op4ra comique, @e» bicpt, philofophifdje Sbljanblnng, Kritif, Pantomime, eine inbibibueQe, Verbot» tagenbe ©eftaltung an, Sein foeben auf« geführte« Drama „Les Flibuatiör*“ bat feinen Suf al« bodenbeter Weiftet beb Seröbau« noch erhöbt; „Cöaarine“, bet bei Waurice Drepfou« etfcbienene Vornan, fann benfelben alb Soman» fcbriftfteller nur feftigen. Sadf Wabame Hnbrö, la ©lu, Wi» arfa, ©raoe« ©en« u. a. muß Cöaarine a(b Sortfdjritt bezeichnet werben. Die $elbin, eine alte Jungfer, wie man ebenfo fo bejeicbnenb wie nacbficbtblob fagt, bat eine flehte 'jihnlidjfeit mit Wabame Än* brd unb eine anbete mit jenen Stauen, bie in beutfcben {Romanen unb SobeQen häufigen Stoff geboten. Säfatine jebocb erfdjeint lebenbiger, mabtet, man möchte fagen in feufdjer Sinnlichfeit. 3h te ©e* jchichte ift einfach, ergteifenb, mit jener ftanjöfifchen Ungefuchtbeit unb Schärfe getrieben, nie fie Sid}epin zu treffen weiß. 3b re Siebe ju ©aul be {Roncieuj, betn fie bie größten ©eweife ihrer Siebe giebt, bem gegenüber ihre (Ergebenheit unb OpferroiKigfeit feine ©rennen fennt, bilbet Wotib unb Konflift bei {Roman«, ihr lob roätjrenb ber ©arifer Kommune bie btamatifche Söfung. Sie folgt bem bereit« Dahingefdjiebenen, non bem fie im lobe ebenfotoenig getrennt fein will, wie fie e« mäbrcnb feine« Seben« ge» toefen. Die Kette ungezählter Opfer toar ba« felbftlofe ©anb, ba« fie mit Aufgabe ihre« ganzen 3$« zu>ifm. Ohne bor irgenb einer Konfequenz zurücfzufchrecfen, ohne (ich burch ba« Hnbenten bergangenen ©lüd« unb Srieben« erweichen zu (offen, fdjäpt er feine <£l)xe höhn al« alle« auf ber Welt, bemiffioniert, berwunbet ben ©e» liebten feiner ©attin in einem Duell unb tötet biefe. Da« Kinb aber, ba« er für bie Srudjt biefe« efjebrecherifchen ©erhältniffe« hält, berflucht er unb ber» 356 Jfritif. folgt eS gut Stunbe, bo er nur eine Seieße finbet, mit feinem $aß. Sie Rerfönticßfeit beb ÄaßitAnS Äon* cieuj ift gewiß eine ber mÄdjtigfteu unb ergreifenbften unter benen, bie Ridjepin gefcßaffen. Stuf bem ©runbe biefer bop* betten, breifacßen Raeße fdjlumntert allem gum Straß nodj eine unoertöfcßte Siebe, in biefem $aß, ber nießt frei ift oon ©ewiffenSbiffen, abermals Siebe. CS ift ein CtwaS barin, bas getannt, gefüllt, gelebt worben. ReSßalb auch bie Oe* wegtßeit, gÄlle beS Romans, bie, abge« feßen oon ben brei bagu beitragenben $aupt»Rerfönticßfeiten, noch bureß Reben* perfonen oermehrt werben. Sie aQe haben ihren abgefchtoffenen Rahmen unb erlernen bem Sefer in ihrer wohl* getroffenen RatArticßfeit ooD tebenbiger Originalität. Übrigens fcheint Stichepin, wie be* reitS Roger*StiI4S in einer fArgticß.oet* öffenttießten Stubie fagt, weniger beforgt um Cntwurf unb Stufbau beS RomanS als fotchen, fonbern um 3nbi0ibuatifie* rung feiner Rerfönticßfeiten. RaS Wefen geht ihm Aber bie gornt, ber ©eift Aber ben Stoff. 3n feinem neuen Roman gleicht bie feine ©eftatten fenngeichnenbe 8 reite ber ©ßarafterifterong berjenigen, bie man bereits in„Mad. Andid“, ber alten Stutter in „La Glu“, in Scßwefter Doo- trouvd u. f. w. bewunbert. SRöglich ift eS, baß man Ricßepin oorwerfen wirb, fich in Cdaarine aOgu feßr Oon ftSnbiger Schwermut haben be« ßerrfeßen gu taffen. Roeß baS ift Sache beS ©efeßmaefs, feine Äritif. fJAr bie* jenigen, bie feßwierigen Problemen, eine Oon einem gelauterten ©eift entfaltete unb ergrAnbete Rfßcßotogie gu finben lieben, wirb- Cdaarine mehr als Roman fein, ein Ruch, baS gum Renten anregt. Stellt bore ftotetterie, iß „La Duchesse de Langeais u geworben, ©eorg Sanb lebt in Bäatrix alb Camille Staupen. «ub einet, bon ©abriel Setrp toiebet* gegebenen, in Roljant ßattgefnnbenen Unterhaltung gmifdjen Ralgac unb ©eorg Sanb iß bet gmifdjen ihnen Ijerrfchenbe Unterfdjieb bortrejflidj gu erfehen. „Sie fuchen ben 9Renfe). Zie Stobeßf, bie ihn am beften djarafte« rifiert; ba« Sujet ftarf au« ber Suft gegriffen, faft grote«f; ba« Cefte barin finb Säuberungen bon Bleifeeinbrüden. Stemirowitfch • Zantfchenfo genießt Aber« Ijaupt al« Cerfaffer bon Btcifebüdjern, bon benen mehrere in jweiter «uflage er« fdjienen, mit 9tec^t geartete« «nfeljen. Zie genannte Stooefle enthält golgenbe«: (Ein Stäbchen bon wahrhaft abfdjreden« ber $äßlichfeit ber Sefidjtbgfige, fonft aber wohlgebilbet an Seib unb Seift, erfüllt bon Ijeifjeftem Seben«* unb Siebe«« berlangen, gerät |)Iö^Ii<^ auf ben Se» banfen, iljr Slfld auf bem Stabfepbaü gu berfudjen: 3)er junge, fd)öne, bon allen Salon« bermöljnte 2Kaler SB. hat ihr, ohne baß fie ihn perfönlidj fennt, fcetg unb Sinne gefangen, unb wie fie bei einem Ztjeaterbefuch gufäüig au« fei« nem SRunbe bie an einen SJreunb ge« richtete Äußerung erhafdjt, er werbe ben Steft be« «benb« auf ber Bleboute gu» bringen, ba erleuchten fie biefe ©orte wie ein Cli&. Sie eilt h*n — bie Stutter wirb burdj einen oorgebIicf)en Cefucß bei einer ftreunbin getäufd^t — unb ihr Cor« haben gelingt glängenb; fie bezaubert ffi. burch Seift, ffiifc unb «nmut, fie wirb feine Seliebte, ihr SRabfeninfognito natürlich ftrenß wahrenb. (Einige ©ochen genießt fie fo be« hb gang biefe« (EEperimente« ift inbeffen fürchterlich: (Entfepen malt fich auf ben Sügen be« Äflnftler«, er berläßt fie in ftummem Srauen. Sie berfäüt in Zief» finn. «ber bie 3erftreuungen einer Steife in ben Sfiben, ber 3«u&er ber fchönen Sanbfdjaft, einer üppigen Statur thun ba« ihrige, noch einmal wirb .fie beim «nblid einer rofengefchmüdten Seiche, auf beren lädjetnben 3ögen fie ba« Cer« fpredjen einer friebbotlen (Ewigfeit gu Iefen glaubt, bon unbegwinglidjer Zobe«« fehnfucfat ergriffen; fchon will fie fich ba« Seben nehmen, ba flößt ein an fich fl f “ rinßfüßigrc Umftanb — e« fällt bon ber Zede ber Srotte, wo fie fich bepnbet, ein fenchter Zaufenbfuß ihr auf« Seficht — ihr hoch ffiiberwiHen bot bem fühlen Stabe ein. — (Ein einigermaßen tröft« Ucher, wenn auch bielleicht poetifdj uicht gang befriebigenber Schluß. C. St. Stotowitfdj greift in einem flehten Cuche »Sin Cibchen %t)Uo» fophie" (He mhoücko *Maoco*in), btt« et unter bem fßfeubonpm eine« SRargui« C’Äwitfcfj hetaubgiebt, bie uom Srafen 8. Zolfioi in beffen reIigiö««phiIofophifchen Schriften, bomehmlichin ben »Cefennt« niffen* niebergelegten SebenSanfidjten nnb Srunbfäße an. Stachbem er erörtert, baß e« ber (ßhilofophie nie gelungen fei, ben 3wed unfere« irbifchen Zafein« gu beftimmen, teil« weil hierbei Drittel unb 3wed berwechfelt würben, teil« weil un« infolge ber finnlich mangelhaft bermittel« ten Äongeption be« SBeltaÜ« biefer 3®ed bielleicht überhaupt berhflüt bliebe, meint er, wie gwar auf Iogifchem ©ege nicht bie (Egifteng, noch aber baffir auch bie Sticht«(EEifteng eine« fdjöpferifchen, weit* 360 Kritit regierenben guten (Beißed bettiefen »er¬ ben tönnte, (Braf Zolftoi fiele jebenfofld fein 3beal gar )u fegr auf platte (Erbe, inbent alle Zrüume eine# ftrift natur¬ gemäßen Sehend begufd (Erhaltung bet (Befunbgeit unb (Erzielung eine« fanfteu, fcgmerzlofen Zobed fic^ in ein paar gggie» uifdje ©orfdjriften jufamntenfaffen liegen. Stotowitfcg wirft Zolftoi oor, folgte Zgeo« rieen glitten gut Urfadje bie Zobedfurcgt (ju bet fug @raf Zolftoi übrigens frei¬ mütig be(ennt) unb teilt und mit, baß eine feiner Zuftcgt nacg fo enggerjig- peffhniftifcge Znwanblung, wie ge in Zol- jtoi'd Klage barfiber: „baß bie Statut igm mit feiner (Erfdjaffung einen {(glimmen Streicg gefpielt gäbe*, gipfele, igm oon Seiten eined Stoffen befonberd nage gege. Stußlanb gäbe in feiner furjen ßegrjeit feine ©efügignng jnr göcgften (Beifted- fultur fo glünzenb bargetgan, bag ed goffen bfirfe, einft auf biefer ©agn ooran- Zufcgreiten. 9tecgttgun — bad (Ente ttoüen — mugten bie Stenfcggeit jum unbe* fannten $iel geleiten. Stotowitfcg fcgeint ber Überzeugung zu leben, bag bad $eil ber Seit aud Stuglanb lommen werbe. — SBiMommen wirb’d und fein! Ob aber jened unbefannte 3^1 nicgt ogne bie ©flrgfcgaft eined geiter-gefunben (Erben- bafeind unb übereinftimmung jwifcgen Statur- unb ©fKcgtforberungen (Befagr liefe — wie fcgon fo oft! — in Sternen» gögen zu berfiiegen, wüte oieüeicgt aucg ZU bebenlen? — Zad ©ueg entgilt tnancge anregenbe (Bebauten, treffenbe, unter» galtenbe Silber unb ©ergleicge unb z«i<ß- net ficg burcg grajiöfett, leisten Stil aud. (Braf Zolftot'd „Sefenntuiffe* fhtb feit einiger 3*it in Stußlanb lonfidjiert. hierin mag zum Zeil ber (Srunb liegen, ttedgalb er feine Zbganblungen nicgt megr im Zrud erfcgeinen lügt. Seine legte befannt geworbene Scgrift, oon ber er im nötigen Sagt jwölf Kopieen an¬ fertigen lieg, beganbelt bie biblifcge Zuf- faffnng ber (Ege. L. S. „nyrcBOJumxb no Kawcasy.“ [Steife- fügtet burcg ben Kaufafnd, Zif- lid 1888.] Ziefed im Aufträge bed Cgefd ber Bioiloerwaltung im Kaufafnd oon bem andgezeicgneten Kautafudtenner 8. Sei - benbaum abgefagte ©ueg ift bad erfte Werl, metcged ein genaues ©ilb aller faufajtfcgen Buftänbe unb ©ergültniffe giebt. (Ed ift leinedwegd ein gewbgn« lieget Sleifefügrer, wie fte in bezug auf anbere Sünber jügrlitg zu Zugenben er¬ fcgeinen, fonbern ein ©ueg, welcged einen g&geren miffenfcgaftlicgen Wert beftgt unb bennoeg für jeben leiegt oerftflnblieg ift. Zer erfte Zeil maegt ben fiefer mit ber Statur, ben ©ewognem unb ber (Be- fegiegte ber faufaftfegen Sünber befannt, ttügrenb ber zweite eine genaue ©e- fegreibung aller berjenigen Zouren ent- gült, welcge für ben Steifenben befonbered Bntereffe bieten. Zad Sudj ift mit znftlf fegfinen BÜuftrationen unb einer Karte oerfegen unb bflrfte, ba fieg bie Bugl ber beutfegen Kaufafudreifenben mit jebem 3agre Oergrbgert, aucg in beutfeger über- fegung wittfommen fein. 9. & 3t«Iieirif4« (itierattr. Alle Porte d'Italia, de Amicia. Treves, Milano. „Zn ben Zgoren 3to- taliend* ift in ztoeiter Zuflage erfegienen unb be Zmicid gat feine trefflicgen (Baben, Sanb unb Sente zu fegilbern, fein Cr- Züglertalent, feine warme Siebe zum 8a» terlanb barin aufd glüdlicgfte bereinigt. Zie ©erge unb Zgüler Oon ©iemont unb Saoogen, feit aegt Qagrgunberten wieber» golt ber Scgauplag blutiger Kümpfe, oon ber grauenooHen ZIbigenfet-Serfolgung bid zu ben Kriegen gegen Jranfteieg unb Spanien, bieten (Belegengeit genug z* fegbn eingexagmten Kultur- unb (Befcgicgtd* bilbern. Zie Krone bed ©uegd iß bie anmutige giftorifege Stooeüe: Bmannele Filiberto a Pinerolo, worin eine be- Kritff. 361 geißerte Patriotin, gehoben burcp bie gteube, ba* Sntgflden at* bet geliebte Sürft in bie lange non gfcemben befehle Stabt eingiept, bem, früher, al* ©panier nic^t gern gefepenen Witter, bie #anb reicht Äuf gang anberent Sebiet pat be Ämici* burcp „Cuore“ einen (Erfolg in Italien erteilt, beffen fiep nicpt ein« mal bie frangöftfcpen Womane rühmen btlrfen, »elcpe bocp immer noep bie Sefe» tifc^e ber itatienifcpen Salon* beperrfcpen. Cuore ift gum päbagogifcpen 3®ed, gut Crgiepung be* Soll« getrieben. (Ein Scpfller geicpnet feine (Einbrftde unb (Erinnerungen auf, nom erfien läge feine* (Eintritte* in bie Kommunatfcpule bi* gum legten be*(E;amen*. Zagwifcpen ©riefe ber (Eltern, berSefcpWifter an i^n. Bacconti mensili, (Ergäplnngen, bie ber Knabe al* Kuffag gu liefern pat, ober bie ber Sekret »ortrügt. Siefelben bringen meift (Epifoben au* ben Wefreiung*lümpfen, Seifbiele non $elbenmut unb Äufopferung ober toarmer Waterlanb*Iiebe. Wictor (Emanuet pütt gerabe feinen (Eingug in bie Stabt, ber Water eine* Schüler*, epe» maliger Solbat, läuft, mit feinen Se« baiOen gefcpmüdt, neben bem Sagen per. „Selcpe* {Regiment ?* fragt ipn ber König. „Wt. 49' ruft ber Weteran, unb ba fiep bie* {Regiment befonber* auögegeicpnet bat, reicht ihm ber König mit freunb» liebem Srug bie $anb. ghreubeglüpenb ftflrgt ber Water gu feinem Knaben, unb ffibtt ibm mit ber $anb, „noch »arm nom Srug be* König*' über Stirn unb Sangen, bamit er bo fochten. Wach Cabour* Sort „Liberr chiess in libero «tato“ gab man ber Seiftlicpfeit bie Freiheit, Schulen gu grünben, fobalb fie fleh aber ber (Er* giebung ber Bugenb bemächtigt haben, »öcbft ihr (Einflug mehr unb mehr. 3e|t fiept man ba* Werberbliche biejer fjtei« peit ein, unb ber neu beratene Codice penale (Strafgefeg) giebt febarf genug gegen jebe Weeinfluffung auf politifchem unb ergieblichem Sebiet gu Selb. Sit grogem $omp bat man foeben in Zrafte« »ere(SRom) eine prächtige Kommunalfcbule {Regina Sargperita eröffnet, ben immer noep ftarf befuepten Klofterfcpulen ein Waroli gu bieten. Zagegen fcpilt ber Offerbatore {Romano wfitenb ba* Zpema, welcpe* man benSiceiften gum (Examen« auffag gegeben: Wetracptungen bei bem fRfldblid auf bie Wefreiung unb (Einigung Bftalien*. So pat „Cuore“ für un* im» merpin auch einen fulturgefcpicptlichen Sert, unb man lüfe e* mit noep weit grögerem Wergnügen, wenn nicht etwa* gu Wiel Sentimalitüt fiep barin breit 54 Vol. 4/2 362 »ritt!. machte, bie teiber ben Italienern leicht anftebt, nenn fie gefühlvoll finb. „Testa“ — ftopf — nennt bagegen ©antegagga, ber vor »urgent Le estasi umane Veröffentlichte, fein Such, bat in etwas anberer gotm ähnliche 3»ede verfolgt, worin er aber baS Sen» timentale fo viel als möglich gu ver» meiben fudjt, bie gleiche Sache eben barum, halb nach Cuore von be amicis, auf feine ffieife behanbett. „9lut §erg, baS geht nicht, nur »opf, noch weniger. Sin ©enfdj, ber gang §erg ift, gleicht einem belabenen Schiff mit Segeln aber ohne Steuer, einer, gang »opf, wäre ein Schiff mit gutem Steuer, aber ohne Segel unb ©inb. Daher: flarer »opf unb gute« $erg, was foviel fagen will als: gute« Steuer unb frifdjer ©mb." Diefe guten ©orte fommen aus bem ©unbe beS prächtigen DnfelS Saciccia, gu welchem fein burch Semen flberanftrengter fßeffe nach S. Detengo am ©olf von Sa Spegia gefehlt wirb, bamit er fich bort erhole nnb ftörfe. Diefer Dnlet, ein ehemaliger Seemann, ift eine löftliche ffigur, trefflich gegeichnet, au$ ber Sog ein ©eifterfHtcf gemacht hätte. Der Serfaffer hat es ver» ftanben uns ben alten $erm lieb nnb wert gu machen, nur fehlt bei ber aus* führung ein wenig ber $umor, ben bie Snglänber mehr als bie Italiener be» fipen. alle SebenSweiSljeit wirb ihm in ben ©unb gelegt, babei 8^9« großer $ergenSgüte, bie auö allen feinen ver« ftänbigen §anbtungen blicft, Srgäljlungen auö bem Seemannsleben, Setrachtungen über ben (Karten, ben er wahrhaft gört» lieh liebt, über bie ©aljt beö SerufS, über „Spostati“ (Seute, bie über ihre Stellung hinauöwoüen). Der ©ann, ber grnei Drittel feines SebenS auf bem ©eer gngebradjt hat, liebt fein Saterlanb, fei» nen (Karten über alles, jeben Saum, jebe Sflange. Sr fennt nnb beobachtet bie Statur, lernt praftifch ihre ©efepe, beffer als burch botanifche Sücher, fennt bie Sigentflmtichfeit beS ©achStumS aus feinen Steifeerfahmngen. Das fchnede ©achten unb Steifen ber (Kerfte in Sapp» lanb g. S. unb er ergöhlt bas alles bem Steffen fo hübfeh, baß fßeftaloggi feine greube baran hätte. Dagmifchen fepr richtige Seobachtungen, bie fid) feine SanbSleute merfen follten, nach welchen verftönbige unteraehmenbe ©önner burch richtige anleitung ihrem Saterlanbe Vom größten SRupen fein fönnten. Die (Kört* nerei, Saumgucht fei leibet fehr vemach» lüffigt; ber Italiener liebe feine altna parens noch nicht fo, wie ber grangofe ben ©runb unb Soben liebe, gäbe fich nicht bie ©fipe fo gute grfldjte, Simen, äpfel g. S. gu ergielen, wie fie Snglanb, granfreidj, Deutfdjlanb hrrvorbrächten, babei in nicht fo gfinftigen abftufnngen von »lima unb Sobenarten wie fie Italien befipt. Die große Siebe gum Saterlanb, ber immer von neuem aufflammenbe Stolg auf bie Sefreier ©atibalbi, ©aggini, giebt ©antegagga Serantaffung gu einer präch» tigen Spifobe, ber ©efdjichte vom gifeßer Dpfilonne — fein Spipname — anS S. Derengo, ber am 5. Sept 1849 (Kari» balbi burch größten ©ut, burch @tiged ©ücblein oon Wantegajja ift: „La mia mamma“, bie Sebendbefdjreibunq einer ^errlitben Stau. Witttjätig an bet Befreiung bed ©aterlanbed, fuhr fie, gewarnt Uon aden, unter Cefabr uon ben £fterreicf)CTO feft» genommen ju werben, im ©oot Uon Sanero aud über ben Lago Maggiore nach Suino; bort lagern uerwunbete ©aribal» biner, bie fie nach ihrer ©ida beförberte unb bort uerpf(egte. Sie grfinbete in Wailanb bad erfte Äinberaftjl (crdche), bie erfte Snbuftriefcbule für Stauen, t^at @uted fo Uie( fie uermodjte. Xied ©fldj* (ein ift in ber Piccola Biblioteca del Popolo Italiano; Barbera, Firenze et* fdjienen, unb ed finben fid) noch manche intereffante S3dnbd)en barunter: Cristo- foro Colombo, Eugenio Checchi; Roma pagana, Raggero Bonghi; I poeti arsi- giani, Raffaele Barbieri. Sn lepterem ift auch bem £ante*@onbo(ier, Sntonio Wadebio, eine Reine Sfijje gewibmet. Cbne jebe Anleitung, aud eigener ©e» geifterung batte er ftcb bem Xante-Stubium gewibmet, ficb berart in bie Divina Co* media uertieft, baß er eine ganj neue, originelle Xcutung betau dgefunben, neue ©ereibnungen ber wunberbaren Seife burdj ^ötte, Segefeuer, Fimmel aufgeftedt bat. So wenig wiffenfcbaftlid} begrünbet biefe Auffaffungen auch fein mögen, fo iodte boeb ber eine ober ber anbre Xante» forfdjer ficb prüfenb bamit befcßäftigen, bem Wanne entweber feine Srrtflmer nach weifen, ober, fadd er wirf lieb bureb Intuition maneßed richtig erfannt bot, biefen Sbeen beffere wiffenfebafttiebe ©e« grflnbung geben. — Cd wüte, noch uon manchem guten, neuen ©ueb ju erjüblen, wenn bad nicht für biedmal ju weit führte: Uon ben Fiabe e leggende popu¬ läre siciliane, gefammelt unb mit Sotra uerfeben uon ©iuf. ©itrö, ©alermo, ber ftcb f**il l ®f «#k ® rt ihren ©icpter ju frönen, iß bet ®ra« nabier peißeßer ® un fö- ®* e Schöpfung be« greifen ©arben, bet bie ©dge be« fpanifcpen Rittertum» in nn« nacbahmlidfet Schöne toiebet heroorjau* bett, iß ba« bon ipm felbß im Hteneo bon SRabrib borgettagene unb iept auch in SKabtib in ©rud erfdjienene ©ebidjt „De Murcia al Cielo“ (©on SDturcia jum $immel). ®« iß ein 3utoel be« fcpteibenbet ©oeße; e« erinnert an bie (Erhabenheit bon SWilton« „©etlotenem ©arabie«" unb an ben ©rolog im $im« mel bon @öthe« „Sauft"; aber e« fpticpt auch an« biefem ®ebion Namireg & Sie.); ber Xejct ift au« ber gebet be« fpanifcfjen ßftilitär« 35. granciSco Sarabo, unb bie bortrefflichen 3ei (Gemahlin Scribonia. Au« ber (Grfchidjte I Nom« unter ben Äaifem au« bem Augn* i fteifchen §aufe ift un« ja bie Serweich* i Iichung unb Cntftttung — befonber« ber I höchften Äreife — hinlänglich befannt, um ben Xitel be« Suche« nicht gu mih* beuten. 35er Serfaffcr lehnt ftch in be* ftimmten Sanften an bie (Gefdjichte an. ! Tie eingeflochtenen Schilberungen, Situa« 1 tionen finb bon ausgeprägter Cigenart, i unb bie Choraftere mit jenem feinen ! Neatiömu« gegeichnet, ber ba« gbeate ber* I förpert. Cine plafSe Arbeit bon lit« ! terarijdjem ©erte. 35er 35ialog ift bon ffritif; 367 blenbenber SRpetorif. Sollte pier ba« Sieb* nettaleitt be« Snr. Soufa ©tonteiro ihm nicht $fl(fe geleiftet hoben? §at er e« hoch fo oft beroiefen in ben parlamenta* rifchen ffiortgefecpten ber Sorte«! ©uerra Qunqueira hot bie Sitte* ratur auch um einen Schah bereichert: „A velhice do Padro Eterro“ be* titelt fich ein ©oern ooD Originalität, ffinftlerifeher Schönheit unb SormOoH* enbung, bie bem oor einigen 3ah**i* er* fchienenen ©ebicht „D. Jolo“ nicht nach* fteht. ©uerra 3 un oInif T 1888 4&r. 6 (J&eptcmljcr).^ i7 z^mz J)iq Jmgq in hiq JütljlMtg* Pon <£mtl ZTCauerlfof. (3Biei0a&rn.) <ßrfllpar3er.*) » an barf fagen, baß bie bramatifcf)« ßunft btd^er ben Serfuch gemacht hot, bet menfdjlichen ßeibenfcßaft ht hoppeltet 2trt ju genügen: ein* mal, inbem fie bie fdjöne 2Renfcf)licf)feit burd) eine §anblung Oon folge* richtiger (Sntwicfetung jum enbtidjen Siege füfjtt — ba« gefdjieht int ßuftfpiel; ein anbermal, inbem fte jebwebe Seibenfchaft oetmittelft eine« fachgemäßen, unerträglichen ßeiben« bi« jut ooHften ©elbftoerleugnung bewegt — bie« öoübringt bie Xragöbie. Da« erftere ©erfahren ift einfacher; bie SBege, Welche ba«felbe einjufdjlagen hot, ffatb oon befchränfter 3®h^ : benn ba bie ©efriebigung ber böfen ßeibenfdjaften ein ©efiptum ber tragifchen SBelt ift, fo fieht jene« ficß an bie Xämonte be« guten $erjen« oerwiefen; bie $ei* lung enblid) erfolgt nicht oon §au« au«, benn ba« Gmbergebni« ift — Xroft. Xa« leptere SWittel hingegen ift tiefer angelegt unb barum funft* reicher; biefe« bemüht fid) juerft ähnlich wie ba« ßuftfpiel ber ßeibenfchaft genug ju tpun; unb ba bie« mißlingt, nötigt e« bie leptere, inbem e« ba« ßeib bi« jur Unerträglichfeit fteigert, jur freiwilligen ©ntfagung. *) 3n ben früheren §eften biefer Beitfdjrift erfcpienen bereit« bie ftuffehen erregenben Stubien be« nämlichen Berfaffer« über §eine unb $ora). $. 9t. 370 SRatterßof. @8 fann nie baoott bie Webe fein, eiu bramatifcße« ©ebicßt mit bem tarnen einer Xragöbie ju beehren, ba« mcßt bie brei Sorberungen berfetben oßne jeben Stücfßalt erfiiQt hat. Der gnßalt eine« folgen Drama« muß ju aßererft ßanbelnbe Seibenfcßaft fein, barauf Seib, ba« au« jener riefen* groß emporroäcßft; unb juteßt bie enblicße, nottoenbig bebütgte innere So«* löfmtg be« gelben bon ber ffielt unb bem Seben. ÄBie auch immer ber lob eintrete, er barf nicfjt äußerlicher 3 u faH» er muß leibentfproffene Stotioenbig* feit fein: ber #elb felbft muß ißn innerlich fuchen; nur bann iß ba« Schau* fpiel ju einem tragifcßen ©ebilbe gebießen, unb auch nur bann fann bie fBirfung beöfelben gleichen ttßarafter« fein. ©« ift unmöglich, für ben Dichter eine boßfommene Zragöbie ju fchaffen, unb beägleichen unmöglich für ben SÄenfcßen, ein fotcße« ffiert ju genießen unb e« fo im ©enuffe ju berfteßen, toenn beibe nicßt im feetifcßen SBoßbefiße ber tragifcßen SBeltanfcßauung ftnb. 28a« alle« biefe leßtere au«* macßt, ließe ficß ja bon einem, ber fie fennt, mit Seicßtigfeit in Säße unb Stummem bringen, ließe ftcß au«toenbig lernen unb fo getnußt enblicß aucß nacßplappem; aber ein bloßer ©ebäcßtni«fram berleißt toeber Cerftänbni« nocß fcßöpjerifcße SPtacßt. 2Ber ba« Zragifcße in ber SBelt wie in ber ßunft boßinßaltlicß begreifen toill, ber muß bie Dtagif be« Seben« borerft in feinem gnnem burcßfoftet ßaben. Zragifcße SBettanfcßauung aber bebeutet ba« bem tieffiten ffimpfinben abgerungene ©efenntni« bon ber Stotroenbigfett be« Seibe« unb bie bamit berfnüpfte tobedmatte Slbfeßr ber Seele bon adern irbifcßen Sein. SJtan ßabe folcße«, Serftanb unb Eßßantafie baju, unb bie tragifcße Jhmft toirb biefem Sefenner in ißrer bollen Scßöne angeßören; einem jeben anberen berfagt fte unerbittlich ißre £anb. Den feelifchen ©igenfcßaften ber großen Statur fteßen bie ©emütS* anlagen ber gefcßtoächten ©efeßfcßaft gegenüber. Stur bie Seibenfcßaft jeigt ben (Eßarafter an, ba lebiglicß fte, ,al« unbejnnnglicße Driebfraft iu jebe Zßat ba« bauernbe unb unberänberlicße SBefen be« ÜDtenfcßen brücft; bie Sinneöart hingegen, bie nicßt meßr fetbftänbig ßanbelt, fonbent nur nocß jurücftoirft, bringt e« beften gaße« ju ©eftnnungen, bie jebocß niemal« unbebingte Sicherheit getbäßren, ba fte je nacß ber Stärfe ober Scßtoäcße ber ©intoirfung halb ft egen, halb unterliegen. Stur ber ©ßarafter bewäßtt ficß in jebem gaße. Die Sinne«art änbert ftcß jtoar nicßt, aber fte ift fcßtoacß genug, um nötigenfaß« trügerifcß ju fein. SJtan ßat baßer boßfommen recßt, bie ungeheuere SDteßrjaßl ber SJtenfcßen cßarafterlo« ju nennen. Denn nicht bloß, baß bie Sinnesart auf ißre ettoaigen Äußerungen ßin ftet« unberecßen* bar bleibt: fte erfcßeint fogar in ben meißen SJtenfcßen bi« jur bloßen Sinn* licßteit berflacßt, al« toelcße ße bann überhaupt feiner Zßat weiter fäßig $ie Sfige in bet Sichtung. 371 ift — auf ben reinen Sinnenmenfchen rechnet höchftenS nocf) ber Rarr. 3ft bie Sinnesart fd)on ju jcbmadj, lun je mehr als gurücfmirfen ju fönnen, jo geht ber Rergidjt ber blofjen Sinnlidjfeit fogar bis auf ben lebten Reft einer feelifdjen 2Ratf)t: fiebere empfängt nur noch unb fennt lebiglidj Buftänbe. ähnlich ben SBeidjtieren ift ber reine Sinnenmenfd) ohne Rücfgrat unb ohne ffrtochen, bie äufjenmelt briirft unb fnetet iljn, als märe er ber bübfamfte Xeig; ein jeber Stof} giebt ifjm oeränberte Stiftung unb Sage. (Sin fo gearteter SWenftf) ftrebt nie, lebt aud) nidjt mehr im eigentlichen Sinne: er oegetiert. Sein gangeS Xafein geht barin auf, gu effen, gu trinfen, gu fchlafen unb fleh gu paaren — genau mie baS beS XiereS; ähnlich mie biefeS ge« braucht er feinen Rerftanb, blojj um oorgenannte Rebürfniffe gu befriebigen, unb fennt gleich biejem baneben etma noch ben 3eitoertreib unb baS ©efeH* fchaftSfpiel. ffiaS ihn Don bem lefcteren unterfcheibet, birrfte einzig bie gähigfeit ber Rebe fein, benn bie Dumpfheit beS feelifchen SebenS ift bei beiben gleich. Rur oermittelft ber Sprache geminnt er an neuen Gegriffen, bie er aber gu einem grofjen Xeile faum Derfteht; fein gangeS RerftänbniS erfdjeint Don feinen tierifchen Rebürfniffen umfangen; fo lange er innerhalb biefeS RaitneS bleibt, fpricht er Derftänbig unb Derftänblich, aber barüber hinaus hot er feine feftgegrfinbeten ©ebanfen mehr: mirb er gleichmohl Don einer pham taftifchen (Eitelfeit oerführt, fid) gum Staunen feiner äRitgenoffen in ben rem erlernten Gegriffen einer höheren (SrnpftnbimgSmelt gu oerfuchen, fo häuft er Unfinn auf Unfinn, meil er ben Dergeiftigten Sinn an bie tierifche Dehnung fniipft — er fafelt ober fchmärmt. 3mmer gleich nichtig an Seelenfraft, thut er baS eine ober anbere, je nach bem ihm ein höheres SRafj Don Rer« ftanb unb ^ß^nntafie eignet ober fehlt. Rur bie Seibenfchaft fafjt einen jeben Regriff in feiner ibealen SBahrheit auf unb Dertoenbet ihn bemgemäfj: benn als freimirfenbe feelifche (Eigenfchaft ber gro|en Ratur fann fie meber eine Schmälerung erleiben, nodj in (Entartung oerfallen — fte ift ftetS in ganzer Sülle unb Starte oorhanben, unb ift fo in ihrer (Erf Meinung gugleidj Doller Inhalt unb mahrheitSgemäjjer Regriff. Sie fchmärmt nie, fie Dermag nie gu fafeln. Xafür ftrauchelt bie Sinnesart, fobalb fte ftch ben Qbealen gu* menbet. Xiefe, ein 3mitterbing, mehr als Sinnlichteit, meniger als Seiben* fchaft, Derbürgt ein geiftigeS Seben innerhalb unüberfteiglicher Schranfen. 3h« (ErfenntniS ift gebannt an bie ©rengen ihrer SBirff amfeit unb biefe festere ift unfrei. 3nbem fie bie fo gemonnenen Regriffe beS (Empfin« bungSlebenS, bie nie anberS als ungureichenb fern fönnen, gu einem emigen SRafj ber 3&eale erheben miH, oerliert fie ftch in unbemufjte Süge: fte fchmärmt, meil fie in gehobener Stimmung bie gemeine RHrfiichteit Derläfjt, 372 9Rauer$of. um bie naturfcpöne aufpfucfjen unb biefe aub ©fanget an Seibenfdjaft nicpt erteilt. @o fepmebt fit jtoifdjen $immel unb (gebe, lagert fiep auf Sollen unb fepmetgt in Siebein. Sie ©innlicpleit fdßlee^t^in will bab rein tierifepe Safein fepon alb ein menfcplicpeb betrautet nriffen — auch bie ©innebart bet« langt biefeb; nur bemüht fiep bie teptere gur fetten $eit, bie Stopeit gu über* tünchen; beibe müffen im Sotten wie im ©erfudj trügen: unb inbem beibe eb zugleich unternehmen, bie Vorgänge einer nieberen ©rfcpeinungbmelt an ben ©efepen beb pöperen, aber falfch verftanbenen ©mpfinbungbtebenb gu erflären, müffen auch ©efenntniffe unb $anblungen in einen unbereinbaren Sibetfprucp geraten. Sie ©innlicpleit unterliegt jebem Steig, bie ©innebart bermag fleh bib gu ©efinmtngen gu fteigern, bie Seibenfcpaft erfcheint alb ©paratter. Sie ©innlicpleit fennt nieptb alb ftuftänbe, bie ©innebart mag gu Spaten ***** anla^t »erben, bie Seibenfcpaft allein handelt Snbem fo bie ©imtlicplett jebweber Steigung bie feelifche Sntttort fchulbig bleibt, berfucht bie ©innebart gum »enigften fich mit ben ^Begebenheiten, bie an fie perantreten, gu be* meffen. Siefe teptere pat ip«r gangen ©efepaffenpeit nach tvopl bie ftraft gu einer vereingeltcn, fei eb ftegreicpeit, fei eb evgWungenen Xpert, bie alb ©reignib ober ©egebenheit albbann auch 0on folgen begleitet fein !ann: nur ift beten ©runb bab Ungef&hr gemefen. ©in gufättigeb ©reignib aber entbehrt ber Qanblung. Siefe gu gehalten ift einzig bie Seibenfchaft im» ftanbe, bie traft ihreb fchaffenben ©ermbgenb ihr $iel lernet, bab ertaimte »itt — gleichviel wie, halb ober gang bemüht hoch immer planvoll unb folge» richtig Shat an Shat reiht, bib gulept bab ©tah beb Sotteitb völlig ift ©erhält fich aber bie ©aepe, wie angebeutet bann ift eb auch fiaffe gegen alled, wad biefer gleidj artet, früljgeitiQ ein jebed Safein oeraicfjtet, bad fid> als ein Xräger ber ibealen S)tanfd)lid)!eit oerrät Siefem SRaffenmorbe entfd)lfipft alle 3al>r* ljunberte einmal wie burd) ein SShutber, halb Ijier halb bort ein 38fift n 0 ber großen 9latur. Gerettet, würbe berfelbe gteidjwotjt mit feinen Serien in bem ©tumpffinn ber SRenge oertoren geljen, wenn üjn nid)t bie ©üljne erhielte. Senn obwohl aud) fonft fdjon ber mitlebenben Seele auf« innigfte oertraut, gelangt bodj bie leibentfproffene Sidjtung in ber ©efettfdjaft erft bann gu ©ebeutung, wenn fte auf ber ©jene gur finnlidjen ©egenwart erwart; bie SRaffe ift immer nur äußerer ©hat. Stammt ed aber einmal bagu, bafj jene fo bad geft itjrer Huferfteljung feiert, bann fprid)t unb Ijaw beit fte aud) in bem nur ifjr eigenen Stile gleich ber Staturgewalt entfeffelter (Elemente: unb foHte aud) bie Stange immer nod) nic^td begreifen, fo würbe biefelbe bodj für ben ftugenblid gum wenigften bermajjen erfdjüttert unb unterjo^t, um bie (Erinnerung an bad gewaltigfte Sd)aufpiel, bad fle je erlebt, weit in bie ßufunft Ijineiitgutragen. Sen ßeibenfdjaften entfprid)t ber (Eljaratter, ber Siraiedart — bie ©e* finnung, ber Sinnlidjteit — ber Steig. Ser (Eljaratter fc^afft bie $anbtung, bie ©eftttnung mifjt ftc^ an Saaten, ber Steig ruft Stimmungen IjerOor. Ser (l^arafter ift ein unab&nberlidjer, bie ©efimtung fdjwanlt, ber Steig — ein fteter Staffel: bemgufolge bebeutet eine $anblung — Stotwenbiglett; eine Xfjat — 3 u f Q ö; «ine Stimmung — wiKtürlidjer 3 u ftanb. Sie $anblung wirb burdjaud oon ber Seele beljerrfdjt; bie XI)at ift ein ©crgleidj gtoifdjen ©efimtung unb HufjenWelt; bie Stimmung unterliegt audfd)liefjlid) äußeren Steigen. 3m Srama Ijat ber SRenfd) bie fityrenbe StoQe, im Sdjaufpiel — bad (Ereignis, in ber ßomöbie ber Sinnenreig. (Eine Sabel freilich müffen alle brei, Statna, Sdjaufpiel wie fiomöbie f)aben; aber toäljrenb fid) biefelbe beim erfteren gang oon innen Ijeraud auf feelifd)em ©tunbe frei entwidett, erfdjeint bad gweite fdjon im Sienfte ber Shtfjeitwelt, unb bie britte ®rt unterwirft fid) fogar gang fCIaoifc^ unb gufammenljangdtod ber unabl&ffig wedjfelnben Saune bed äußeren Ungefä^rd. Sie grangofen Ijaben oieOeidjt unabfidjtlid) nur bad Süchtige getroffen, wenn fle iljre ©üljnenftüde für gewöfjnlid) oljne weitered ftamöbien nennen. 3rgenb ein ©orfaü (ommt i$nen gu ©efid)t; fte bruden ipn ab, gang fo üufjerlid) wie er fid) barfteüte, taffen auf biefe Seife oft bie wiberfprudjd 374 SRanerhof. üotlften ^uftänbc ^ort aujeinanberfotgen, ohne irgenb etWad für bereit Der« ftänblicpen 3ufammenljang ju tf)un ober tljun ju fönnen. JBemt fid) nun aber jtoei fotcfje 3uftänbe berartig ju etnanber »erhalten, baf} fie ftd) gegen« fettig oernuuftgemäfj berneinen, fo tritt ber Satt ein, wo und ifjre Serbin« bung ungereimt unb lächerlich erfdjeint Sine folche SBirfung wirb ftd) bei« fpieldWeife immer cinfteilen, fobalb ftd) bie tierifdje Unbefangenheit nienfdjiitf) ju brapieren Derfudjt — b. tj- fobalb ber SRenfcf) einer nieberen Orbtumg bie bem eigenen SBefen ganz fremben Gepflogenheiten ber h&h eien Gattung nachahmt, folche auch für fich jur HnWeitbung bringen will unb bie biefelben. Wie natürlich, ftetd an Unrechter ©teile oerbraucht. Stau bermag ben wirf« liehen Stenfdjen angefiehtd folcher Grfdjeinungen baran ju erlernten, bah berfelbe bemgegenüber lachen ober boch jum minbeften lächeln muh- Die mehr tierifdje Statur bagegen pflegt babei einen unerfdjütt erlichen Grnft ju bewahren. Gin Serliebter j. 8. will bie grau eined anberen entführen; auf feinem SBege §um ©teHbidjeüt trifft er auf ein Gotledhaud: Wenn er nun eintritt, um nach otter Gewohnheit ein jebeä Jagewer! mit einem Gebet )u beginnen, fo wirft biefed fomifch auf ein jebed benfenbe Gefd)öpf, weil ftch in ein unb berfetben Eßerfönlichfeit jwei Suftänbe ablöfen, bie fich feelifch gegenfeitig aufheben: ba ed unmöglich ift, fich uiit ©eroufjtfein ber reinen Güte hinjugeben unb bennoch gleichzeitig bad fchlechthin ©öfe anzuftreben. Gleichwohl tljut bied unabläffig unb täglich «ine Segion Don fogenaimten Stenfdjen, unb nimmt ad' folche Grfdjeittungen ald burchaud felbftDerftänblich unb höchft ernfthaft entgegen. Dem Gntführer fowohl Wie biefen (enteren fann fotdjeö begegnen, weil fie einen berartigen Gegenfap beften gaüed wohl Derftanbedgemäfj zu begreifen oermögen, aber ihn nicht zugleich auch ernpfnt« ben; unb nur wenn empfunben, Würbe ber biötang leere ©egriff zu einer befeelten ftraft in ihrem $anbeln werben. 3h r Gewiffen ift ein ntähfameö unb babei ganz oljnmächtiged SBerf ber Seh te > Gewohnheit unb Dreffur, bad fich uödig wie bei einem gelehrigen Diere Don ben fhmlichen Ginbtücfen abhängig macht. €>o würbe jemanb Don ftinbfjeit an baran gewöhnt, bie ftirche ald ein Gebäube anjufehen, in bem man feine ©itten Dortragen barf, unb er benupt baraufhin bie zufällige Gelegenheit, um bei feinem §errgott für bie abfcheulicfjfte ©finbe ein guted ffiort einzulegen. Denn ebenfo wie biefe nur fiinftlidj z u einer Hrt Don Gewiffen grofjgezogene Gewohnheit fleht auch ber ßebendtrieb, b. h- bie ©efriebigung ber ©elbftfucht, ganz unter ber Stacht bed ©innenreized; unb ed ift bedljalb auch bie einfachfte Solge Don ber ffielt, bah bie Xh&ttgfeit bed einmal erwachten unb oietteidjt auch ge« reizten Staturtriebed hurt unb unDermittelt mit ber SEBirffaraleit ber Dreffur abmedjfeln, ja in feiner felbftDerftänblichen Übermacht fogar ber lepteren Wie 5)ie fiüge in bet Sichtung. 375 in bem angeführten ©eifpiele, bie lächerlichfiten gronbienfte aufnötigen muß. Ähnlich fomifch »erhält eS fid), Wenn bie beiben ©anbiten in „gra Diabolo“ bei gejüdtem Dolch immer öon neuem ihre (Gebete murmeln müffen, fobalb baS betenbe 3«lindhen ben Slamen ber gungfrau SDiaria nennt, unb baSfelbe bennoch ermorbet hätten, falls ihnen 3ittcrfch€ ©aüabe ba. ©ine einzige Strophe auf biefem fur§en ©ebichte miegt bie ganje, ungereimte fßoffe beS mertmürbigen TragiferS auf. Seinem, ber nur halbmegS Urteil befifct, mirb eS beifallen, an biefer Stelle auf eine SiebeStragdbie ShafefpeareS ju Permeifen unb ju meinen, bafj ba etmaS ähnliches oor fich gehe. 3n Stomeo unb 3ulia entmicfelt ftch ^°S tragifche ©efdief ber Siebenben unter völlig anberen ©orau8fe$ungen unb ©ebingungen. 3ulia ift ju allererft feilte ©riefterin. ©eibe, Stomeo mie fie, haben ein unbefdränlteS Stedt auf Siebe, ftnb ganj frei, mit meit> geöffneten, liebeburftigen $erjen, bie jeberjeit bereit ftnb baS ©itb beS einzig ©eliebten in fid aufjunehmen, unb ftd alSbann für immer $u fdliefjen. Sid fehen unb fid angehören ift eins. Sie lieben fid, ttod beoor fie ent* beefen, baff ihre Familien töblid Perfeinbet finb. 3h rc ßiebe fornrnt im ®ie Sfige in bet Sichtung. 379 richtigen Sugenblide, iß ^eifeefteS ©erlangen, unb jebeS fpätere {inberniS bient naturgemäß nur ba}u, beren ©tut inS unerträgliche ju fteigem. Die {»elbin ©rillparzerS ift baS bolle ©egenteil ju Qulia. Diefelbe hat mit bem Seben eigentlich abgefdjloffen — fte geberbet ftch wenigftenS fo; bis ZU bev ©tunbe, in ber fte, nach ^ en Vorgängen ganz unbegreiflich, Seanber erhärt, fpricßt fte ungefähr toie eine taftfefte (Erzieherin ju ihrem früh® reifen, ungeft&men 3ägling: matt unb platt in Start unb ©eberbe. 2für 9tameo unb 3ulia ift fchon ber erfte ©lief ein Seben geteilten SeibeS unb geteilter Suft Sticht bloß ihre ftüffe, toeit mehr noch ih rc Xränen fmb ber feftefte ftitt beS gemeinfamen SofeS. 3>e graufamer baS ©eßieffat ihre Siebe oerfolgt, befto heftiger begehen ße barauf; unb weil nur fo ein echte« ©efithl feine ©rfifung befteht, bfirfen ße auch jule^t mit bem lobe beßegeln, wofür ße bis bahin jufammmen geftrebt, gelebt unb gelitten hatten. $ero unb Seanber erleben, ftreng genommen, nichts. Die $ero empßnbet fanm, ftrebt gar nicht; ße erfährt finnliche (Erregungen unb ift barauf — rnflbe. ©eibe fßaare feiern eine ©rautnadjt, — nicht ganz unter gleichen Utnßänben — bie eine als grau, bie anbere als „leichte ©erfou", hoch baß nur fo nebenher: mährenb aber {Romeo am näcßßen SRorgen in bie ©erbannung geht, unb gutia, um ihrem ©emahl treu ju bleiben unb ber Perhaßten zweiten ®h c auSjuweichen, einen ©cßlaftrunf nimmt, ber ße, bie Sebenbige, als ©eßeintote jwifchen bie mobemben ©ebeine ihrer Sthnen bettet, fchlafen #ero unb Seanber ihre nächtlichen Strapazen aus. Daß {Romeo unb Sulia nach allem, was oorgegangen, nur noch »it einanber, nie ohne einanber leben werben, weiß bon ba an mit unerfcßütterticher ©emißheit ein jebeS mitf&hlenbe {erj. SIS bann Sulia im (Erbbegräbnis ber ftapuletS erwacht unb ben toten ©atten ju ihrer ©eite erbtieft, tätet ße ftch, un ^ niemanb wirb ßch wunbern bürfen. Das gleiche ©echt aber, wie bie $ero beS ©riß« parjerfchen ©täcfeS am gebrochenen $er$en ju ßerben, hätte auch eine jebe fiuh, bie jufehen muß, wie man ihren zärtlichen ©efährten jur ©chlachtbanf führt Die ßnnlichen (Ergöfcungen einer SiebeSnacht — unb nur biefe fmb ber ganze Inhalt beS ©tücfeS wie ber ©erfonen — berechtigen noch nicht ZU einem tragißhen (Enbe — berechtigen um fo weniger, als ßdf bazu bie benfbar gewähnlichßen ©efchäpfe Pereinigt haben. Seanber iß häbßh, gewiß auch feurig; bie $ero wahrfcheinlich beSgleicßen. DaS ganze ©er* hältniS hat ßch leinen Sugenblid unb in nichts über baS Xierifdje er« hoben, unb baS SRänncpen lann taufenbfach erfejß werben, über in ©o* meo unb gulia hat ber Dichter einzige SRenfdjen bargeßeUt, oon fo tiefem, feelifchem ©eljalt unb Pon einem ftauber fo fchäner SRenfdjlichleit umwoben, baß felbft ber ©tumpfe ben beßriefettben {Reiz ihrer ©egenwart empßnbet 380 SRauer^of. unb iljnen nahbenlen muß — unb ße, bie ßdj allem mißen unter ben graben her 9tiebrigleit, bie außer ßdj niemanb toeiter tarnen, noch berfteljen, fie foHten je einanber bergeffen, je auf einanber beruhten tBnnen? So ift einer bem anbern unetfeßüdj; unb fobalb beb SebenB ein^igfter fßert baljin ift, fjat ber ÜRenfh ein Steht auf ben tob. 3“ alT ben $errlidj* leiten, mit benen gerabe biefe tragöbie S^atefpeare« überreif bebadjt ift, gefeilt ßdj freilich ein ©erfeljen bon nid|t unbebenHidjer ©eftalt: bie gäbet entmidelt ßh in ber testen $älfte miHlürtih unb abenteuerlich (SB ift (ein gmingenber ©runb baffit borljanben, baß Sßtlia alB tote beigefefct roerben muß, um ber broljenben unb fiinbljaßen ©erbinbung mit einem anberen ju entgegen. HnbereB lag nfiljer. Der StuBmeg erfdjemt gefugt; unb bie tragit beB ©efdjidB bertangt alB oberfteB unb unumg&ngtiheB ©efeß immer ben nädjften unb natürtidjßen ffieg — ober fie fdjtoäd}t ftc§ ab. t)ie 3“* fälligleiten ber Äußenmelt müffen mir unB fo gefallen taffen, mie ße über unB ^eretnbrec^en: mir fmb nid)t berantmortltdj bafür; aber in bem ©ereile beB eigenen $erjenS forbern mir in ber 9tot unferer ©ntfc^ßegungen bie Senate eineB unbeirrbaren ©efüfjlB. tie Sappljo ©riDparjerS Ijat $u intern Snßalte bie Siebfhoß ber betannten tidßerin mit einem Äutfdjet. t)ie tarne mar einft mit ber Seßer in ber $anb — ©r, bem SBiener giater ähnlich, ber heutigen tagB jum trabrennen in ben ©rater fährt — mit ©ferb unb Sagen na(fj Otpmpia gezogen, ffir, mie ein jeber feiner B^oß» liebt bie ©rettet unb baB Seaner Sieb, unb bie Stufmerffamleit, mit ber iljn aßen anberen PorauB bie umfubette Sängerin befdjentt, fc^meic^ett iljm, obfdjon er fidj eingeftetjen muß, baß fte bereits ältlich iß — fie Ijintoibet ßot nidjt umljm gelonnt, feine ßarlen ©lieber ju bemunbern; fo ßaben ftch beibe gefunben. 9hm möge man ttidjt mißberßefjen! eB iß meber unnatürlich nod; unmaßrfcßemtih, baß eine bot* netjme grau, ße lebe auf SeBboS ober in Sten, bie nätjere ©elaimtfhaft eineB ftattlihen gialerB ßidje unb macße — im ©egenteit! 9htr mirb eine foldje tarne ßherlidj leinen 3tugenblid bergeffen, maS ße ©eibe einanber ge» gebenen gaßeB fcfjulbig fmb. Sie mirb ißn, faltB eB braußen ftürmt unb fdjneit, mit liebreihen Sorten jum fettete geuer laben; mirb auf baB reidj* Iichfte für feineB SeibeB 9taßrung unb 9lotburß forgen, iljm jumeilen fogar bie faftigften ©iffen Ijöhßeigen jmifdjen bie meißen Büßne fhieben, in feine Stodtafdje berftoßten bie fdjmadljaßeften Bigotten ßeden — unb ©r, ftraß» lenb bon ßnnlihem ©eijagen mirb tßntetfjer ganj geuer unb glommen fein unb atteB tßun, maB et einer fo entjürfenben $errin nur an ben 9tugen abfeljen lann: voilA tout tfodj mirb ße bielleiht, ba eine finnige Unter» ßaltung eineB jeben ÜRafjleS reijenbße ffiürje fein foH, ißn nah ber leßten 2>ie Sftge in ber Sichtung. 381 ftagedtöfung ober bem ©eftnbcn feiner braunen ©tute fragen — aber fie Wirb atö ein fluged SBeib — unb bad muß fte bocf) atd große Dichterin fein — ftd» weidlich hüten ißm mit ©ebanfen ju fommen, bie fte ju anberer Seit üermöge gebet ober Stift ju Sßapier $u bringen pflegt. ffid ift traurig gu fagen, baß bie Sappljo ©ritlparjerd fo toenig ben gefdjjitberten 3beate entfpridjt, um ganj topflod bad Siotwenbigfte $u untertaffen, unb gerabe bad für bie Sachlage benlbar ©efähtlidjfte &u thun. $aum mit bem fefdjen SRatme allein, entfchteiert fte fid) nicht förperlicf}, fonbern geiftig unb ftellt bem nur auf ftötper abgerichteten ©alan atd „höhered Sefen" Por. Zu fennfit noch nicht bie Unermeßticßteit, fo beginnt fte bebeutungdooü, Die auf unb nieber wogt in biefer öruft — Der giafer wirb nach einem folc^en (Erguß einen freuen Seitenbßcf auf ben Oufen ber erhabenen grau geworfen haben, atd föimte ba ptößlicf) eine entfetliche Senbung por fleh gehen unb wirb juteßt betuftigt gefchmun« jett haben. O möchten boch alte Dichterinnen Siend unb ber übrigen Seit, fleh in ähnlicher Sage bor fo geartetem erften, böfen Säcfjeln bewahren! Dadfelbe wäre bad fichere ©rab ihred jungen Siebedgtücfed. Sticht bloß in fßferb unb Sagen, fonbern auch in grauenbufen fennt ftch ein richtiger giafer fo grünbtich aud, baß er recht Wohl weif}, wie fie alte meßbar ftnb; er wirb atfo lächeln müffen. Die atme $efl>in ©rittparjerd gewahrt nidhtd; fie ift fo im ßuge, ihn ju bitben, ihn )u ftch i u erheben, ihm oon alten Seiten ben Scgap ju geigen, ben er Pon mm an gtücftich ift, fein eigen ju nennen, baß fie eine Soge ihred wunberbaren ©ufend nach her anbeten aufrotten läßt, um enblich wie Piettönenbed SWeetedraufchen ißn ju umfangen unb ihn fo, wie fie meint, bauemb an ihre Diefe ju feffetn: (Bar fingftlid} geht fichd auf ber SWeufchheit $öh’n, Unb ewig ift bie arme ftunfi gejtoungen, du betteln bon bed Sebeud Überfluß — Saß und benn trachten, mein geliebter greunb, Und beiber ftr&nge um bie Stirn $u flechten, Zad Seben aud ber Jtünfte Zaumelfelch, Die Äunft ju fcßlfirfen aud ber $anb bed Sebend — wad bataufhin gefcheßen mußte, gefehlt: ber giafer nimmt Por ber fafetn* ben Sfärrm reißaud; unb lüßt bereitd eine halbe Stunbe fpäter bad hubfeße Dienftmäbchen feiner hochgeborenen grau, fteine grage, ed liegt ©efunbheit in biefem ftuffe — freilich bie ©efunbheit eined giaferd, bem bie Ungebutb nach ©emißheit, ob auch noch anbete ©rüfte wie jWei Djeane unermeßlich 382 SRauerhof. aubeinanberfluten, gang prächtig ju @efid)te fitest. Die eble $errin über* Tafelt ihn unberjehenb bei biefer ißrobe; rauft hinterher mit ber 3°fe unb miü biefelbe nieberftechen, alb ber fo beiß Umftrittene, offne fonbetliche Um* ftänbe ju machen, für bie „meßbare" ©ruft Partei ergreift Ma bleibt bemt freilich ber berfeßmähten „jhitfdjerbraut" nichts anbereb übrig, alb fich fchleunigft ißte ßeper $u ^olen, um menigftenb etmab im Arm ju bemalten, unb bann ber&djttidjen ©liefe« inb ©affer }u fpringen. Mab ift einerfeitb bie gemeinfte, anbererfeitb bie albernfte Äomöbie, bie fid) nur erträumen läßt. (Sb ift feßr maßt benfbar, baß eine bonteßtne grau — unb große Mieterinnen finb aubnaßmlob bieb unb noch Hug baju — betart ftnnlich für einen ftattlic^en fjfiafer entflammt, baß fie ißm bie Sted)te eineb Sieb» haberb auf $eit einräumt; aber eb ift gan) uubenfbar, baß fie fuß barüber ßinaub einem folgen ©tenfeßen fogar bauernb berbänbe, ba fie, unb märe fie aud) bie SBoKuft felbft, bennoeß gerabe alb mirttieß borneßme Stau für bab lefcie ©erßättnib juöörberft bie ibealfte Übereinftimmung im (Smpfmbungb» leben forbem müßte. Unb biefem Anfprucße bermöcßte meber $^aon, nocß irgenb ein anberer Stoffebänbiger ju genügen. gänbe bermeil ber bloße ©ünftling, baß Äutfcßer unb £ofe fuß int ganzen boeß nocß näßer flehen, fo toirb bie Marne bem ©äreßen feßtoeigenb ben Saufpaß geben, unb fuß ebenfo fdjmeigfam, wenn auch meßt offne ©itterleit eingefteßen: baß bieb nun feßon ber jmanjigfte getoefen! Aber feßon am jmeitnäcßften SDtorgen mürbe man eb im lebbifcßen grembenblatte lefen lönnen: baß fieß eine §errfcßaft für ßoßeb ©eßalt um einen ßeibjäger bon ßöcßftoorteilßaftem Äußern bemühe, unb baß folcße, bie bei ber ftabaüerie gebient, ben ©orgug erhalten, — unb ber große Stiß im Siebebgemebe ber bielgeprüften Mulberin märe geftopft. ©o berfüßte unter Umftänben ein ßoeßgebotene ßebbierin; ob genau fo, ift gleichgültig, menn fie fieß nur ju helfen berfteht, unb baff bieb ber galt, ift gemiß. Ob moralifcß? ob immotalifch? bie grage ift ^icr nicht ju entfeheiben; ein jeber mirb fie feiner Sebenbanfcßauung gemäß beantmorten — genug! baff bie Angelegenheit äußerlich comme il faat ertebigt mürbe. Aber nicht einmal biefer Iahten äußerlichleit iß ber Mragiler SBienb gemachfen gemefen. Um fieß unb anberen ein berftänbticheb ©ilb oon einer großen Mieterin unb bornehmen g*au ju fchaffen, befolgte er in Unrechter Art ben Stat eineb höheren unb griff fo niebrig inb „boOe STOenfcßenleben", baß er fofort eineb jener gemeinen SBeiber beim (Schopfe hatte, bie einanber bie StikEe bom ßeibe reißen, bie ftätnme in ben SJopf feßtagen, ©itriot inb ©efießt gießen, bie SWeffer jtoifeßen bie Stippen flößen unb mab noch mehr bie ©ericßtbjeitungen allerorten ju erzählen miffen — nur fchabe! baß berattige ©efeßäpfe eineb beborjugten „SDtänneßenb" halber nicht in ben Mob gehen. Die fiflge in bet Sichtung. 383 ©otd)e bringen fid) roopl juroeilen in eiferfüdjtiger ©ut gegenfeitig um, ober — ber grojje öfterreicpifdje „Xragifer" roirb noch unfere gange (Eprer* bietung oerbienen — ober e3 fpringt wirflicp einmal bie eine ober bie anbere, um ja einen bauemben ©Ratten in bie Sonne ber gtücflicp Sieben* ben §u werfen, in einem Unfall üerrücfter Soweit in« ©affer, fmbet jeboc^ ba« aufgefucpte (Element nafj unb fall unb pubelt au« fieibe«fräften roieber an« Sanb: e« fei benn, ber 5lufj= ober iDteeredgott göge fie gang wiber Sitten in feine Xiefe. ®ie« ift genau beferen ber gatt be« ©ritt» pargerfcpen SWäbcpen«. ®afj bie ©apppo üon jefjet fafelig war, wiffen wir bereit«; jept aber gum ©djlufj nimmt ipre Starrheit einen folgen ging, bafj fein menfcplicper ©inn biefelbe mepr erreichen fann; fo fagt fte gu $paon: 3

a« tragifepe Seib pat Weber 3eit noch Sorge mepr für berartig alberne 3lu8* ftaffierungen unb pflegt ba« Nötige ftet« furger #anb abgumaepen. 3Sufte — Statur; pöpete« ©efen — Dreffur. Stucp biefe Äontöbie pat $einricp Saube eine „fepöne Xragöbie" genannt ®8 wirb ftet« eine überau« peifle Aufgabe bleiben, ben freiwilligen Xob au« unglüeflieper Siebe ber ©efunbpeit begreiflich gu maepen: benn nur wenn eine fotepe Xpat fiep al« im pödjften ©inne gefunb erWeifi, ift fte tragifeper Statur unb Wirft bementfpreepenb. “Jim epeften noep möcpte ber ©epritt üon feiten eine« blutjungen, unerfahrenen unb unfcpulbigen SRäbdjen« gu üerftepen fein, aber oättig unmöglich ift er bei einer alten ©cpacptel, bie auf ebenfobiet Siebpaber wie auf 3apre gurüdgubliden üermag; e« fei benn: biefe wäre, gang wörtlich genommen, toll, ©icp eingig au« unerwiberter Siebe umgubringen, wirb auSnapmSlo« al« ßranfpeit erfepeinen, bie feiten« einer ftrau oietteiept noep SRitleib erweeft, bie aber, fobalb ein SJtann in S84 Staueefof. Stage fteljt, (aum etwas anbereS als SEBiberwitten gegen eine berächtfiche ©chwädje auffommen läft. SBenn grofe Dieter beit ©elbftmorb mit bet Siebe begrünbeten, fo hoben fte wohlweislich in ben meiften gälten ben fchwantenben ®runb noch anberweitig ju ftüpen gefugt, tnbem fte bie gurcht bot ©djanbe, bie nagenbe fßein eines unfdjulbigen $erjen8, baS berechtigte ©tauen bor einem Seben, baS fchlimmer fein Würbe als Dob, ober bie bet» ftänblidje ©ehnfudjt, mit bem ©eliebten bereinigt ju werben, an erfter ©teile betonten; unb eS gebürt ein fläglidjer Unberftanb baju, bie erfte Dichterin ©riech enlanbS fterben ju taffen, inbem man fte bieferhalb ju einem eifet* füchtigen unb oerfchrobenen gifchweib erniebrigt Denn nichts anberS tft biefe £eü>in ©riUparjerS, als eine #öderin, bie ©de bet SRohrenftrafe ihren ©tanb hfe Aflge in bet Sichtung. 385 ab« et tf)ut bteb unter bem ^öEifc^en (Sporn einer gang unerhörten Schmach, — in jenem Kugenblicfe nämlich, in meinem ihm bie gefdjicften Vor« fpiegelungen Sagob ben einzigen Srreunb unb Vertrauten alb ben auber« lefengen ©Surfen ber ffirbe geigen — wie berfelbe oorgebtich ^ö^nt unb beib«, b« oertiebten Närrin unb beb betrogenen (Seemannes fpottet; unb ei bleibt gteidjrooljt beim biogen SBort! »eil in b« grogen Seele biefeb SRaitneb aud) nicht b« geringfte Naum für bie gemeine Regung b« ©if«* fucfjt übrig »ar. ®ie Sappho ©rißpargerb ig eiferfütgtig: barum geht ge auch b« Nebenbuhlerin gu ßeibe, unb ba ge o«hinbert »heb, biefelbe um« gubringen, fo bringt ge Weniggenb auf b«en (Entfernung — bem (beliebten ab« möchte ge nicht ein $ärchen frümmen. Den b«hagten Nebenbuhl« gu bemühten, um geh ben geliebten ©egenganb ungefdjmälert gu gewinnen ob« gu «halten — ein foldjeb trachten bittet ben Inhalt ber ©iferfucgt. tiefe ig immer borhanben, »o b« Schlag ben Nibalen trifft; »« bagegen ben Streich gegen bie treuloggteit beb SRanneb ober beb SSeibeb führt, fucht bamit feine bnlegte SRenfchenwürbe wieberhergugeQen. ©b hat nie unb nir* genb SRenfdjen gegeben, bie hodjgegnnt unb gugleich eiferfüdhtig »aren: wohl aber SBefen ebelft« 0rt, benen bie gugefügte Schmach fo auf b« Seele brannte, bag ge gu Nähern ihrer ©hre »erben mugten. ten Schimpf empgnbet freilich nur ber SRenfd}, nicht bab ti«. SS« geh, eb fei SNann ob« SBeib, egebredherifch oergeht, emiebrigt bamit in feiner Sdjäfcung ben anberen gu einem tier, bab bereitb unter bem HRarftpreife geht, ©ine ber« artige Vefchimpfung bulbet fein HÄenfdj. Nur bie ©iferfüchtigen oergehen geh mit berfelben abgufmben — ba biefe fo Wenig bie ©ntiebrigung empfen* ben, bag ge oielmehr geh eingig üb« ben 0ubfaH an Sürtlichfeit entrüften unb geh Oöflig beruhigt geigen, fobatt bie Urfacge ber ©efdjäftbgocfung ent« beeft unb befeitigt worben ig. tafür gnb bie ©iferfüchtigen audj alle famt unb fonb«b bloge tiere. $n einem SNenghen ftirbt im Sugenblide ber er« fahrenen Schmach auch Siebe. 01b bab tier Sago bem SRohren mit feinen ©ingüfterungen einheigt, entgegnet ber leptere: <8ieb mich für ’ne Siege hin, Bergeub' ich je bie fttäge meiner Seele Sn folch’ öerblaj’neb, roinbigeb Betrauten Nach beiner Sdjilbetung. Stich raaeht'b nicht eiferfflehtig, ffleun’b heißt, mein SBeib ig fdjön unb liebt SefeDghag, Spricht gern unb gngt unb fpielt unb tangt bortrefflidj; ®o Xugenb ig, wirb ge baburdj erhöbt. Noch fallen meine eignen Sdjtoächeu mir Sie fleinge gurcht unb Sweifel Weden: Sie war nicht blinb unb wühlte mich- Nein, Sago, 386 Sfauertyof. Stfc’n tmO id>, d)’ i$ jwtffle; wen» idj jveiflr, fBiO i d) ftewei*; unb fyxb’ id} ben Bewei*, Dann bleibt nichts mtfyt al* bie*: mit einem SRal Sort mit bet Siebe ober Siferfudjt. ^euchlerifdj hatte ihn 3ago befchworen: — O bewahrt euch, $ert, not Ciferfudjtl Sie ift ba* ttngebeu’r mit grünem finge, $a* felbft bie Stabrung macht, Don ber e* lebt — Stoch felig ift ber Hahnrei, ber fein So* «Bohl lennt, unb ba nicht liebt, »o man ihn täufdjt; 3)och »eiche $öttenfhinben jflhlt ber Staun, 3)er liebt unb gweifelt, argwöhnt unb boch fchwftrmt — Othello hat gar (ein Berftänbnib für bieb ©ef knurre. Sie täufcge ihn! unb feine Siebe ift tot: Siub’ ich bich Derwilbert, galt, Unb fei bein Sufiriem mir um* $erj gefchiungen, So* geb’ ich bich/ fieug’ hin in aOe Süfte, finf gute* @Ifld — unb eb (ornmt fo, er löft fich bon ihr: nur nimmt bie Trennung einen (Dja« rafter an, mie er unter echten SRenfchen fonft nicht üblich ift» Unb Warum bie büftere Slrt ber Söfung? etwa weil Othello ein afrtfanifcheb Untier ifl? ©anj im ©egenteil! gerabe weil er ÜÄenfch, jugleich aber leiber ein Sieger ift. 3fm $inbticf auf feine Stau hatte er gelegentlich aubgerufen: Senn ich bich nicht liebe, 2)ann (ehrt ba* ®hao* wieber — wiefo bab ©haob? unb warum (ehrt eb wieber? ©eil ihm, bem fchwarjen SRenfdjen unter lauter weiten gieren, fein Siebebbuttb alb bie Beglaubigung feiner SJlcnfc^tic^Teit gilt. So lange er bie ©ebbemona liebt, »eig er fich iDienfch; ift fie ihm treulob, ift auch feine Siebe bahin, unb bab (Eljaob nimmt ihn oon neuem auf. ©ewig! SJlan bezeugte in Benebig bem SRoljren Sichtung unb ©hrerbietung, b. f). immer nur feiner Berbienfte Wegen, um ben Staat unb Weil man ihn brauchte; man fehlte ihn alb (oftbarfteb SBert* jeug ber ©efamtintereffen; hätten bie Benejianer feiner nicht beburft, wäre er auch nicht mehr ihrebgleidjen, nidht mehr SRenfch gewefen. So geftattete man Wenigftenb ben Schein. SRan that fo, alb gehörte er ju ihnen, unb bacfjte anberb. ®er (Sigennufc litt eb nicht, bag ihm 3emanb öffentlich Ber» a^tung bewieb; unb brang einmal ein unbeullicheb ©ejifchel bib an beb äRohren Ohr, fo füllte fich biefer wtirbeOoll in feine 1$hren unb Berbienfte, erfchien ftolj unb (alt nach äugen hin unb — litt innerlich unb unaufhör* Die Süge in bet Stiftung. 387 Iid). Senn fidj nun bie lieblicbfte unb ebelfte grau Senebig«, um bie fid» bie fcbönfte unb Oornebmfte gugenb ber Stabt umfonft bewarb, gerabe itpt jum ©emabl erwählte, fo war biefer Umftanb bor allen anberen geeignet, bem frantenben Setbftgefüble be§ HJtobren inmitten ber ©efetlfcbaft Leitung unb Sicherheit ju geben. Seme äußere Haltung batte nie einer Stüfce be= burft; unb fein innere« Äuge batte wobt taufenbmat ben ftoljen SÖIicf über bie Scheibe binweggetragen, wetcbe ber Seifte graufam genug jmifcben ibm unb fien Straften unb auf ben fßläfcen jufammen, um ihrem giftigen ärger über bie erfahrene 3uräcffe|ung junt menigften burch taute« Schimpfen Suft ju machen: „Sollt ihr eure Xocbter bon einem Serberbengft beefen taffen, wollt ihr, baft eure Stach* tommen in« 3focb tommen, wollt ihr fßferbe ju Settern unb Stoffe ju Sproffen haben?" gn biefem Stile geht e« weiter. Unb bie gutmütigeren geberben ftcb ttobt weniger frech, bafür oerwunbem fee fich aber böcblicbft unb fdjüt» tetn fo ttägticb bie Äöpfe baju, baft man fte taum ohne Stührung betrag* ten tann: — ein W&bcben, fdjüdjtern ©o flttfam ftifl, baft not ihr felbft ber trieb (Errötete — fie follte, ber Statur, Der Stugenb, §erfunft, allem freier junt $obne Da« lieben, toa« ju feh’n ihr gureftt erregte? gaubertränfe unb ^öltentünfte müffen babei im Spiele gemefen fein! Unb wie erttärt ficb ber fettfame Spul? Äcft! auf bie einfaebfte, atterbing« rein menfehtiebe Seife: Sie liebte mich, um ba« toa« ich beftanben; 3S märe bon neuem ba! 3In biefer empfinbticbften Stelle fept Sago mit feiner ©erläumbtmg ein: — Satin liegf*: wenn ich fo breift fein barf — So »iele Wertungen gurüdguweifen *u* ihrem Soff nnb Sang unb ihrer garte, Worauf in allein bie Statur bodj htvtoeift — Sah! fo »a* riecht nach franfhaftem (belüft, Sach Unmaß, unnatürlichen (bebauten — 99 fehrt ihr Irieb jurücf gu befferm Urteil, Sergleidjt euch mit ber Silbung ihre* Sanbe* Unb fühlt »ohf Steue. Solche* bon einem gremben erft einmal angeregt: unb Othello* leßte fröß* liebe ©tunbe ift gemefen. Zer ©htbruef biefer im Zone fo leifen, bafür aber im ©nute au*fcbmeifenben Unoerfcßämtbeit, ift ein fo furchtbarer, baß ber emiebrigte ERaim für ben Hugenblicf außer ftanbe ift, bie ©egenmart eine* anberen gu ertragen: „bertaß mich!" ftöbnt er auf; um batm in jene er» febüttembe Klage auögubrecßen, meldje bie mabre Statur feine* ©rame* bi* gur lepten gälte bloßlegt: Unb nun, auf immer goßr* »ohf be* bergen* Suß’! goßr’ »oßl, mein griebe! gaßr’ »ohf, bu naffenber $elmbufcß, ftolger Krieg, Sen Cßrgeig macht gurtugenb! 0, fahr’ »ohf! gahr’ »ohf, mein miehernb Sog unb feßmetterub (Erg, Wutfch»eOenbe Xrommel, muntrer Sfeif entlang, Su tönigfich Sanier, unb aller Slang, Sradjt, Somp unb Sfifhmg be* glorreichen Kriege*! Unb tbblich Wertgeug bu, be* rauher Sdßlunb Se* ewigen Sötte* Sonner »iberhallt, gahr’ »ohf, Othello* Xagwetf ift gethan! 390 ÜRauevljof. @o flogt fein tljatfräftiger Wann, bet im großen ©fite nrirft unb ju rnirfen (Gelegenheit hot, füllte er auch ba# getiebtefte SBeib — tote immer — Der* loren ^abert; bagegen empfinbet folget Slrt ber Wann, toetdjem ber (Glaube an flrf) abljanben gefommeti. Der DeSbemona Siebe mar be# Wöhren befeligenber (Glaube; Siebe unb (Glaube baljin! unb Othello# Zagroerf ift gethan. Sticht auS @iferfud)t — mie e$ bie (Grftnbung aber* nrifciger Äöpfe mifl —, noch auS #afj, benn nirgenb offenbart ftch feine Siebe überfchmänglicher, als gerabe in ihrer ZobeSftunbe, tötet Othello feine 5tau: fonbem er morbet fie, meil er Wohr ift, b. h- nicht al# halber SBilber, fonbem als fdjtoarjer Wenfd) unter meinen Zieren, ber ftd) oerjmeifelnb fragt, ob er benn mirflich gan§ außerhalb ber Wenfchheit ftehe. Denn biefe peinooHe grage, melche borbem nur bie Siebe befrie* bigenb ju beantmorten bennochte, mirb fdjrecHicher benn je bon neuem angeregt, memi fein SBeib ihm nicht bie Zreue hält. ®m SBeifjer, gleichen ©harafterS mie Othello, hätte ben bösartigen Schuft nach ein** ähnlich frechen ®erbäd|tigung ohne meitereS an ben nächften beften Stagel gehängt, aber ber unfelige Wann mufj fie glauben: benn inbem biefer erfte $htmeiS bon feinem Untergebenen fommt, bon einem Wenfd^en alfo, beffen Stellung unb Vorteil eS nach Wenfchenart mit fich gebracht hätten, bem Sorgefepteu ju fchmeicheln, unb nicht ihm mehe ju thun, beffen ganzes SBefen baher umfomehr nur fReblichfeü, (Ergebenheit, ausgemachte ©ieberfeit ju atmen fcheint, mfiffen auch jene SBorte beS alten Srabatttio, bie fo lange unlefer* lieh geblieben maren, in bem (Gebächtniffe Othellos aufflammen unb ©ebeu* tung geminnen — jene SBorte: Denn bafj Statur fo tniberfinnig irre — 3u Dir, ber ©rauen unb nicht Siebe f«hofft? jept, nachbem Sago gefprochett, mirb beS SaterS bisher ganj farblofe Ser* mutung für Othello ju einer fo grell teudjtenben (Gemifjheit, bafj er felbft mie geblenbet unb betäubt nachftammeln muß: menn bie Statur fich (Uber untreu! mehr bermag er nicht, bie Scham erftieft jebeS meitere SBort, aber ber üeraichtenbe (Gebanfe erft einmal in ihm felbft lebenbig gemorben, macht ihn oon ba ab $u einem Spielball in beS Schürfen #anb. 3agoS gemagte Intrige fönnte Oon nun an ganj plump, ja fo albern fein, bafj felbft ein ftinb fie burchfehauen müßte, wenn bie Statur fich felbrr untreu — ber Wohr hat ben ©tauben an fid) Oerloren, er mirb barum nur noch jenem Oertrauen, nur noch jenem folgen: fein SoS unb baS feine# SBeibeS ifl entfehieben. SBaS Oon biefem Stugenbticf ab in bem Innern Othello# üor= SHe fiflge in ber Sichtung. 391 geht, ift einzig ein erbitterter ftampf jwtfchen leibenfcfiaftlichfter Siebe unb brennenber Scham, benit er liebt bie grau, bie ifjn entmenfcftt bat; unb bab leptere ntu|, wenn einmal alb toabr bingenomnten, in Anbetracht ber ftotjen Statur beb SJtamteb ben enblidjen Aubgang beb ganzen $anbelb beftinnnen. Unb ba eb bie Schmach ift, bie alleb weitere fortan überherrfdjt, unb bie eb bem ebleren ©emüte faum geftattet, fid) ben erfahrenen Schimpf je noch anberb alb in fchambafter #aft eitt^ug efteben, fo wirb auch in bem SJtunbe OtbeOob ber feelifche Schmerj faft burchweg ju gebämpfter Siebe werben. Ab unb )u, oomehmlich wenn ihn 3ago bib aufb ©lut ftachelt, mag ein lauter Schrei unb eine entfeffdte ©eberbe fchneHhin an ber Orbnung fein: bab meifte jeboch (ann ficb ihm nur halblaut bom £>er§en ringen. Xiere brüllen, aber bie berfchömte Dual beb ©tenfchen barf fich nie anberb alb berfdjleiert geigen. Unb ba zugleich ein SRann biefer Art unb ©erpältniffe, bab Seib bib ju folgern Überfchwunge empfinbet, baff er entweber bergeffen ober felbft enben muh, fo benneint berfelbe juweilen bab erftere iwch ju lönnen, inbem er fich bi« Urfache feiner Schmach jum wenigften aub ben Sinnen fdjafft ®r felbft ober fie? Unb Othello entfdjeibet feinem ©harafter gemäfj, Wie eb bie ©eredjtigfeit ju gebieten fcheint: $ie Sache wifl’b, bie Sache roifl’3, mein $crj! Den 6affto überläfjt er an 3ago; bie ffrau ju richten nimmt er auf fich. Sinb biefe beiben erft tot, fie, bie einzigen fchulbigen Beugen feiner ©nt' menfchung auf ber einfamen, abgelegenen 3nfel, fo lebt auch bi« Sdjanbe nicht mehr, unb er hot feine SRenfchheit wiebet — fo wähnt er menigftenb. Unb bamit beginnt jener föampf jwifcben Siebe unb ©hre, wie ihn b er J* gerreifjenber bie tragifche Sjene nie gefdjaut hot, noch i* ffeit. ©S mürbe gemiß falfch fein, modte man fagen, baß bie ©efcßöpfe feinet Kunft nicht mirflich mären; biefetben finb bieS burchauS, nur ift beten ©chidfal unmirflich unb unnatürlich. Die fßerfonen in feinen Stüden finb feelifd) genommen btofje Diere, benen aber ein menfdftidje* Schicffal bereitet merben fod — maS ftnngemäß unausführbar ift. 2Ran mirb natürlich nicht behaupten bürfen, baß foldje Sefen ohne jegliche Sinnesart mären, obfdjoit biefe eben nur barin befteben !attn, bafj jene einzig unb unauf« hörlich allen ©inbrüden ber Slußenmelt unterliegen. Damit aber ift beten Dafein nichts als eine Steiße gufammenhangStofer 3uftänbe, bie fich toohl etflären, hoch niemals gu einer $anbtung Oerbinben laffen: ba bie Ießtere allein auf bem felbftänbigen unb gebieterifchen Sillen beS SRenfchen beruht Diefer fehlt, fo auch natürlich bie Vanblung. Slber auch nicht einmal gu einer fimtboflen gäbe! bietet baS ßeben biefer begetierenben Scheinmenfchen irgenbmelchen ©runb, roeil fein innerer gaben bie einzelnen ©reigniffe mit einanber oerbinbet unb meil eine jebe Verleitung unb gotgenmg unmöglich bleibt, inbem ade guftänbe bon außenljer midtürlich beeinflußt merben. ÄderbingS lebt eine jebe einzelne Stimmung folcher Sefen in einer Oe* gebenheit auf, aber feine nächfte ift berechenbar; bie gtoeite mirb bie erfte häufig genug oödig aufheben, unb baS Sunbertidjfte iß an ber XageSorbnung. 3n König OttofarS ©lüd unb ©nbe g. 0. mirtfchaftet ber angebliche Velb beS StücfeS mit ben ©roßen ber ©rbe ungefähr fo, mie eS feiner geil ber erfte Napoleon that; er richtete ftcfj am liebften feinen Dhron auf bem Sdjimboraffo auf, um nur ben Vimmel unb ben Sternen näher gu fein, unb felbft bie beutfche Katferfrone fcßeint ihm ent fo Verächtliches unb bebeutuitgSleereS Ding, baß er fleh bebenfen muß, ob er auch nicht ju tief fteigt, menn er fie entgegennimmt. Da ber ©flhmenfönig aber gulange ©ebenfgeit braucht, fädt bie Kaifermürbe an ben ©rafen VabSburg, ber noch gang Oor furgem erft im $eere OttofarS KriegSbienfte geleiftet hotte. Die ©efdjide geftalten fich bann fo, baß ber leßtere eines fdjönen DageS auf* brießt, um bem neuen Kaifer in einer 3ufammenfunft ein fräftigeS Sörtlein gu fagen, läßt fich aber Don biefem bermaßen oerblüffen, baß er alle feine großartigen ©orfäße barüber bergißt, unb nicht einen anberen, mie er fich anfänglich badjte, fonbem fich felbft auf baS tieffte bemütigt: er ßulbigt, er fniet, unb ein 3ufad roid eS, baß bieS fogar öffentlich genießt. DaS ift Die Säge in bet SMdjtutm. 396 ein Stoff )u einer Äomöbie: benn t>ier tac^t jebermann. BÄan batte nach alT ben Vorbereitungen bie Dljat eines hiuunelftürmenben (StpgeiieS unb unbeugfamen Stolzes erwartet, unb ber $elb entpuppt fiep als ein gemeiner Dicftljuer beS ©lüdeS. Sin biefer Stelle bricht auch baS Stücf felbft ju» fammen: ein #unb machtS genau fo; berfelbe ift breift, wenn man ibu gewähren läf}t, unb jeigt man iljm bie ^eitfdje, fo fufdjt er. Die bichterifche ©eftalt ©riHparjerS gleicht einem jener fmn(ich*begehr* licken, naib*anmutigen SBeiberl, wie fte bie Stabt an ber fdjönen, gelben Donau fo zahlreich unb fo reijboH erzeugt. So lange ein foIt^eS SBeiberl jung ift, oergifjt jebermann, bafj eS im ©runbe genommen ziemlich gewöhnlich ift unb plaufcht baSfelbe gar, fo betätigt feurig ein jeber ©lief, $änbebrud, Äufj, ober anberweitige Biegung ber SRännerljerjen, bah «S ohnegleichen herzig ift; ja felbft für feine unbebauten SluSflüge in bie höhere Biegion, öon benen baSfelbe jumeift in höchfter Verwirrung jurüeffehrt, haben bie Sinne ber erregten fitebhaber nur ein entjiidteS Sädjeln. DaS Währt, fo lange gugeitb unb ©rajie bauert: unb beibe oergehen. SluS bem SBeiberl wirb mit ben gapren ein SBeib; bie ftnnliche Vegehrlichfeit ift geblieben, aber bie naibe Unmut ber gugenbfrifche ift bahin; war baSfelbe früher harmlos, jefct ift eS abftdjtSüoH; auch blaufem „Requiem" folgte nacß einigen SRonaten ber „Xfömonemoaljer", tooßl ein Srtebni« Dranmor« in freier poetifeßer SerHfirung toiebetgebenb. ®« ift ein ©ebießt 00 H ©rajie, ©innlicßleit unb ©rübelei. Serfe Oon #eine, ber nebft (Sparte« Saubelairc ju X)ranmor« ßieblingäpoeten gehörte, unb oon ßubtoig ©eeger Hingen al« ßeitmotioe bureß. Xranmor ßatte bamat« bcn ©cbanfen gefaßt, bic feßwimmenbcn greubenßäufer, bie ©turnen* feßiffe oon Ranftng bicßterifcß ju oerßerrltcßen, unb barin ein ©itb etßt (ßinefifeßen ßiebeleben« ju geben. S)ie Ru«füßrung unterblieb: ba« ©ari« be8 Rapoleon HI., ju bem bamal« ©öltet unb Könige toaUfaßrteten, mußte ben ®icßtcr juleßt benn bocß mit bem eigenen Souper umfpinnen, unb al« er 3 a ß re fpüter nacß ©rajtlien jurücfleßrte, fanb er bort bie materiellen reifen grüßte feine« oieljäßrigen Ringen« unb ©cßaffen« jerftört, unb bie ©cbanfen an RattKnger ©lumenfcßiffe toaren ißm oerflogen. 3m testen ßebenSjaßre 1887—1888 oerfeßrte er oid mit bem jungen talentierten ®icßter ®rnft geller in Sem. Unter anberen, mir teil« be* tannten, teil« unbefannten SRitteilungen, bie er mir in ben jüngften Zagen über Zranmor machte, befinben fuß aucß folgenbe, bie icß mörtlicß anfttßre. ®mft gellet fcßrieb mir: ,,©eßr intereffieren tbirb Sie aucß eine Äußerung Zranmot«, bie er mir freiließ bamat« im ©ertrauen maeßte, baß n&mlicß nießt ba« „Requiem*, fonbem ber „Stämonentoaljer" fein leßte« Opu« ift, unb baß er biefen oiel ßößet fcßäße, al« ba« erftere, unb mir feßeint mit Reißt ©eine Rügen ftraßtten, al« er mir fagte: „Zen feßreibt mir (einer nacß!" ffinblicß, 1869 — 70, befueßte er toieberßolt ffiien, unb im leiteten 3 aßte aueß ©ubapeft, wo er toegen größeren 3mporte« ungatifeßer SReßte Serbinbungen mit ben erften ftunfhnüßten be« ßanbe« für Sraftlien ein» leitete. 3« SEBien, tooßin er mieß oon Raab au« berief, oerlebte er einige frößließe Sage, unb lernte perfönlicß einige ißm feßr toerte ißerfönlicßfeiten (ennen, fo bie Zicßter ©buarb oon ©auemfelb, ©buarb SRautßner, ßubtoig Ruguft granft, granj oon Zingelftebt, ßaube, bie ftritifer Dr. Sari oon Zßalet, ©tamm, ben ju früß baßingefeßiebenen, unb bie Zicßterin Rba ©ßriften, bie er feßr förberte, unb beren Rame bamal« bureß ißre „ßieber einet ©erlotenen" auf aller ßippen lag. Zranmor mibmete ße fpftter ißr reifße«, ißt mirfließ reife« SBerf, bie ßieber „Ru« ber Rfcße". Ob er ©riüparjer, ber ißm ant&ßlicß be« ©rfeßeinen« ber „Soetifcßen gragmente" Sorte ber Rnerfennung fcßrieb, aueß oon Rngefießt ju Rngefkßt faß, toeiß icß nießt (linigci fiter Shranmot. 401 Dagttrif4en fOIIten öefudje bei bet gamilie non Sonnleitner, bie ifem oon Rio au* befreunbet toar, unb in b&rgerfidjen Käufern, too et fty ebenfo gu $aufe füllte, ttrie in ben Salon*, feine 3*it in Bien angenehm au*, ftudj bie Biener „SRabame Zberefa", bie f4arfpointierenbe ®otf*fängerin Vntonia 8Ran*fetb $örte er in meiner SefeQfc^aft an, unb eine Ra$t im bamal* befonber* frfi^fi^en Stabtiffement St^menbtner gemfibrte Ujra nieten Spafe. Bo anbete Iahten, täfelte Dranmor, aber nie nerbitterte er bur4 laSonifc^e* ©timrungeln irgenbmem ba*, oft lei^tgef^firgte, Rergnfigen. „So tarn ba* 3®b* 1872 unb Dranmor befugte mi4 in meinem ba» maligen #*im, in ber einige 3*4*"* fpOter oerfuntenen Stabt ©gegebin. Die B^itung nahm Rotig non tyrn, bem beutfd^en SH^ter, in ber fermnagp* axtfe^en Stabt Der bortige Sefeoerein ernannte tyn gum (S^renmitgfieb unb ba* Diplom mürbe iptn non mir nad) Hamburg gefanbt Sr batte bort, unb gmar burd) bie „$oetif4en Fragmente" niete bergen ber 3 ugenb erobert, unb i$m gu C^ren mar au4 ein Saddgug geplant ben er fi4 aber nerbat 34 ^atte bie ftreube, ipn einen Zag bemirten unb bemetfen gu ttmten, bafe er, fo febt 4m bu£ Oberhaupt raßglüp, febt Reiter unb febt gu» frieben mar. Räubern er abenb* ben ©fenbapugug befliegen, fab üb Dranmor nie me$t; mir mar, al* ^fitte mein StOd non mir Rbf4ieb genommen, unb fo mar e* and)! Da* 3at)r 1873 tarn unb ber nernübtenbe Bai raubte mir mit de» mentarer (Bemalt alte*, ma* bem SRenfd)en mert ift: Rngefebene Stdtnng, RermOgeu, Sreipeit . . ., nur bie Rübe be* Semiffen* itüpt 34 butbete, ein Opfer ber 3*4 ber Knberen, unb meiner S4m&4*> 3m 3<4n 1874 berliefe üp Ungarn, ba* i4 feitbem gefcpOfttüp «** pie unb ba mieberfab. Salb barauf erf4ienen opne Romen no4 ?feubonpm»Ängabe, „Die Sieber eine* befangenen". Die ReafifKI barin erf4t*dte, unb eine Sintflut non oerbammenben ftrititen ergofe fid) Ober mi4; unb bagmif4*n gab e* Beurteiler, toefcpe bie Sieber mit benen non $eine unb non Senan net» gtüpen. Rubere, mie (Eugen 3^^- ber fpftter ein Sdnbcfeen miferabler eigner Sprit erfd) einen liefe, nertoiefen miefe gartfüpleub auf „ba* Seobacptung*» gimmer". ftup einige Biener litterariftfee (Baffenjungen fielen Ober ba* 0 u4, perfflntüp« Semeinfeeiten auftifepenb, feer. 34 gog e* au* bem Su4* baubet, unb patte na4 bieten 3<*b**n bie (Benugtpuung, e* in Äntpotogien 402 Xenieri. uttb in Sitteraturgeff if ten ertoö^nt ju ftnbeit, unb einige bet „Siebet eine« (Befangenen" »erben mif toofjl überbauern. 3f manbte mich, wie ehtft fßetöfi, „non allem Bftferwefen" ab, unb nur, fernab ben litterariffen Bfaben, meinem laufm&nniffen Beruf unb meiner gamttie unb einem ^weiten poffjerjigen greunbe §u, ber mif au« „9taft unb dngft" emporgeijoben, fdbftbergeffenb unb unWanbeCbar treu . . . Wie meine Berbinbungen, auf bie mit Stiranmor, mären für lange gelflft. Stof erguidte if mif an ber (BefamtauSgabe feiner Stiftungen, bie bei fßaetel inbe« erffienen unb manfe« borjüglif ©föne enthielt, fo bie (Bebif te „SaubabeS", „dmartjöi«" unb „Königin SRercebeS". Stil« (Be* bift „Än Pio nono" la« if mit geteilten (Befiflen, bemt „Pio nono“ empfanb, trofc ber Bamtflüfe, bie er gegen Freimaurer ffleuberte, menff* Ufer unb mar in fpäteren Sauren nur ein 83erzeug in ben $&nben feiner fftoefter*$r&torianer: ber Fefuiten. 3 nbeffen rollten bie 3(f re Porbei unb if Ijatte mir im melanf oliff en, attertümlif en fßrag mieber eine (Sjiftenj gegrünbet, unb fo fanbte if bann 1879 mieber Briefe unb Bfifet an Stiranmor, ber mieber in Brafilien meilte. (Sr antwortete mir mit ungeminberter $er$tif (eit unb teilte mir mit, baß er feit Fahren mieber ein deine« ftaffee*®jport*@eff Sft unter ber Firma F^binanb Sfmib betreibe, unb lub mif mieber $u regerem Brief* meffel ein. 3m 3aljre 1880 bertiej} if ffhrag, mo mir bie Sonne !aum Siftftümpfen ju fein ffien, unb teerte naf ©ien ju Frau unb Familie jurfief. Stnfang« ging e« mir auf in 83ien gtänjenb, bann oerbfifterte fif ber Börfen* unb mit f m, ber geffäfttife $immel Öfterreif«, unb wie (Braf töbert bon Sflippenbaf, ber $u wenig gemürbigte Stifter, tonnte auf if auSrufen: „(Srbleift, fr golbenen Zrdnme, So farbig unb friff fr wart!" Sn Stiranmor« oerffmiegene Seele ffflttete if meine ftüntmemi« au«, nnb ba er mif früher öfter gebeten, fm einige meiner (Bebifte ju fenben, um ein SRotto auf bon mir ju Ijaben, legte if einige Sieber meinem Brief an fn bei. Stil« eine ber (Bebifte muff if Ijier attfifren, weil fonft Stiranmor« Äntmort teilmeife unberftänblif bliebe. (SS lautet: „SJtir ift, al« vauffe braunen bie Sinbe, 818 fhable bie Sonne am $imme(, ber blan — Ält ift mein Seift, bof toirb er jum Jtinbe, Senn if fr ht bie Sagen ff au. 81t ift mein Seift, nnb bof t fre"6ee!e, Crfebnt f n brflnftig nie Blume ben tan, Cinige# Aber $tanmor. 403 Unb ge bringt nnb gftftert: ,Stein Sieb’ erjS^Ie!* fflenn idj tljr in bie Singen föau. (Bern fügt* idj bie $olbe nnb biente il}r gerne, S5oie ©otwenbigfeit baju jwingt, fonbern weil ich °^ ne anftrengenbfte Arbeit ju einem haltlofen ©efdjöpfe werbe. „3n biefem Äugenblide bin ich uoch im 3®eifel barüber, ob ich tu (Europa bleiben, ober nach ©raglien jurüefwanbern werbe, im lefctern gaHe anfang# ®ejember, unb bamt mutmaglich auf immer. ,,©tit grägter greube habe ich bie mir.überfanbten ©ebidge gelefen ... fchön ift bie auch Don mir tief empfunbene Strophe: 404 Denier*. ,Sern fü|f ich Me fcolbe, nnb biente ihr gerne, Dod} ... alt ift mein Seift nnb bie $a fetbe in ben „©efammelten Dichtungen" nicht enthalten finb, hier gerne jum ©Heberabbrucf bringe: 251nef au£ J5arb* unb ^ttbanterf&fl. Deatfa tum ftmtmoc. ,,Cjr celf te „Die Kocht lag auf ben fOben fchtoer, Da gog ein güngling noch umher, (Sin Banner tragenb weit buche Sanb, Huf bem ber frentbe ©ahlfbmh fhtnb: «iceipot! Daf dntlifc bleich, bai Äuge dar, Der ©lief ein Strahl unb muuberbar Die Stimme, heH wie Schwerterdaug nnb füg metobifh, wenn er fang: Spelfiorl (Einige* Met Sranmor. 405 Ring* au* ben ßilleu $fitten bricht, Oie trauter ©ruß bal $etbe Sicht, Die ©letfdjer broh’n, ©efpenßern gleich, (Er aber lifoelt »arm unb weich: (Escelßor! (Ein alter Sörfner warnt: „0 lag Sein nußlo* SRflh’n, geh' nicht fflrba|, (Ein grautet Sdjneefhtrm fliegt herbei." Ser Jüngling ruft: bie Sahn iß frei, «scelfiotl (Ein Stübchen fleht: JD hallt Saß, Sei meiner $eimat lieber ©aßl" Set Jüngling! ©imkern ßnb betont, Soch unbegwungen ßngt er laut: «tcelßot! „(Entßiehe bem SatHnenfaK, Sem 8r&htenßnrm, ber ©aßet Schwall." Sa* iß be* alten le|te* Oort, $0$ in ben Sergen tönt el fort: (Escelßor! Unb at* e* wieber.SRorgen war, Srang ju ber frommen Srflberfchar Sanft Sernharb*, wie an* tiefer ©ruft, Ser Seufjet bnrch bie ©interluft: (Escelßor! Sen Oanber*mann, ach, welchen 9uub, ©rub au* bem Schnee ber Jttoßerhunb; Soch feß nmflammert hielt bie $anb Sa* Bannet, b'ranf ber Oahlftnruch ßanb: (Escelßor 1 Sa lag bie hetrliche ©eßalt, (Erßarrten bergen*, tobe*falt; Som Fimmel ßel ein SReteot, Unb e* erflang wie (Engelchor: (Escelßor I" Songf ellow. „Xicb au$ tier ^erfiflnnun®". „Salmen fehmüefen meine $etmat, Unb fo traulich iß e* ba, Oo »on grünen Sl&tterfronen Un* begrüßt ber Sabia. ßeigt mit holben ©albe*fchatten, Srlnten, bie ben unfern gleich, Sterne, wie ße nieberlenchten auf ber Siebe $anbetreich. 3n ben trüben ©internttchten, Min ha tim ton palmelrns, Onde canta o aabla. Senn e* ßrahlt in Schönheit*ffl1Ie ©ie ich fonfE ße nirgenb* fah, Unb in allen Zranmgebilben 3ß e* meiner Sehnfucht nah, Kit bem glüßern feiner Salinen, Kit bem ©rnß be* Sabia. Saß, o Sott, etß bann mich ßerben, ©ann mein Sanb ich wieberfah, Unb bie Heimat* mich beglüdte, ©ie e* hier noch nie gefchah: ©ie bie $almen e* oerfünben Unb ber Ruf be* Sabia." 0, wie gramBoÜ benf ich b® Un ba* Sanb ber $almenhaine Unb be* Sfinger* Sabia: Su* „Kagagin für bie Sitteratur be* 3n= u. an*I." ©onfaloe* Sia*. SWir War e£, nadjbem ich ben Brief unb bie Sieber gelefen, al* müßte ich, ®ie ie ferne Horizonte fchau’n. Kutter Seit, bu tounberbarel Freiheit, füge* Himmetibllb, Cure beften ftümpen führen, einen Bflug im fBappenfdjitb. He Serheifinng Ift gelommen, nnb bie Hoffnung oieber ba, Unfre neuen XBattfahrtSocte heilen Steg, Manama. Unfre neuen SRttter tragen in ber Sauft ein grüne* Sei*, laut ber Jtfnber nnb ber Cnlel ifi be* Siege* fünfter frei*. Cine blütenbolle Sntunft, Sorbeeren, bie fein Selbherr fajtb, garten beiner tabfern Söhne, o mein beutfehe* Baterlanbl Stirgenb* grünen $arabiefe; boc$ befreit non Hungersnot, ffiirb ein junge* Sol! gebeten in ber Iropen Korgenrot" Da fiberfam mich am 16. Äpril 1886 eine furchtbare ftranfheit Sierjehn Zage muffte ich, ohne fpredfen, ja ohne mich regen p bärfen, auf bem ©chmerjen*lager pbringen. (Enblid) würbe mir geftattet, Stuft? p hören unb etwa* p lefen. Die HRuftf erfchütterte mich fahr; noch mehr ba* Such, nach bem ich griff; e* waren „Dranmor* gefammelte Dichtungen" . . . Stonate fpäter burfte ich rridhtd mehr lefen. 3dj goto* nach nnb nach, &i* mich im tluguft 1886 eine noch heftigere, noch flrau* famere ftranfljeit ergriff, beren ©puren auch irfft noch fehr merflidj finb. ©egen gebtuat 1887 ging e* mit. mir fehr fdjtecht; ich öberfah meinen Seben*Iauf unb fanb wenig tröftliche* bann: „3eij, Deutfdjlanb, ber ©eniu* ber SReitfdjIjeit trauern um Dranmor, ben Unberg&ngtidjen unb Un* bergleidjlidjen. Dranmor! . . . „Droit k la mer“, oon bem er fein fßfcubonlpn ab* leitete. Äd), ba* SReer Ijatte it)m ba* ©Iütf gebraut, ba* SReer f)atte itpn ba* ©tüar e$ 2)ranmor bef(hieben, in Sern ein noch bagu jiemlich einfameb Sehen gu führen. Sie Seinen Sorgen unb CinigeS über Dranmor. 411 Siörgeleien beS SebenS blieben ihm am Äbenb feiner Zage leibet nicht oerfagt. ©r oerlehrte nur mit menigen unb fucf)te Zroft im $aufe feiner ©djwefter, ber grrau Wäbu. Stach einer, mehr alb gewöhnlich heftigen, ^äuSlidjen ©eene befreite U)n ber Zob mit rafdjer $anb non allem irbifdjen unb geiftigen Weh, ©amftag ben 17. Stär} 1888. ©eboren am 22. 3uli 1823 ju Stettlen unweit Sern, erreichte Serbinanb ©dhmib ein Älter bon nicht ganj 65 3a^ren. Die ©tabt Sem füllte ben Sertuft, ben fie fo plöfelicEj, unb ad)! für immer erlitt ©o fie^t man mit Wehmut bem fdjeibenben ©trabt ber ©oime nach, aber bie ©onne leuchtet wiebet mit üerboppelter ftraft; bod) wenn ein Stenfchenherj gebrochen, wirb eS bunte! um alle, bie ti geliebt. „DaS Leichenbegängnis beS Dichter« Dramnor (fferbinanb ©chmib)" — fo berichtet ber „©unb", — „fanb Dienftag ben 20. Stär} ftatt. Stad)« bem im Zrauerhaufe baS Seichengebet war gefprodjen worben (oon $emt Sfarrer ©chaffrotb, ber über ben Serftorbenen fdhon oor fahren einen Sortrag gehalten), begann bie öffentliche Seichenfeier im SRfinfter bei großer Zeitnahme ber Seoöllerung, welche bie ßirche füllte. Der btumenbebeefte ©arg würbe oon ©tubenten unb jungen SJtännem, bie felbft ben Stufen opfern, in baS ©hör beS StünfterS getragen; }wei Keine Stäbchen folgten mit Stumenträiqen. Orgetfpiel unb ein ©horgefang leitete bie freier ein. hierauf hielt $err $rofeffor Dr. gerbinanb Setter, am ©arge ftehenb, eine emfte ©ebädhtniSrebe, in ber er baS Seben unb ©treben beS Weltmannes unb Dichter« in großen Bügen entwarf unb auf bie ©hrenfdjulb hinbeutete, bie für unS in ber SanbSmannfchaft unb Stitbürgerfchaft eines ©eifteS wie Dranmor liege, inbem man gleich ih m mutig für Sicht unb Wahrheit ein« ftehen müffe. $err Slom fang hierauf }ur Orgel baS Dranmorfche Sieb „3hh möchte fchlafen gehn", nach einer ftompofition oon ©. Stunjinger. ÄbermalS trat ißrofeffor Setter an ben ©arg unb las einige ©ebichte aus DranmorS „Stequiem". ©in Sorgefang fdjlo| bie freier unb unter Orgel« fpiel würbe ber ©arg aus ber ©eitenpforte beS StünfterS getragen. Der Zrauerjug, an bem fich nur bie Serwanbten unb intimften gfreunbe be» teitigten, ging nach bem entfernten Oftermunbigenfriebhof. Dort alfo, wo Wälber ooQ grüner Zannen oon allen $ügeht herabbüden, fdjläft ber aus bem Sanb ber ijSalmen jur $eimat Burttdgefehrte, unb ein früher Sugenb« wunfeh h Q i nach einem bewegten, reichen, rühm« unb müpeOoHen Seben feine fpäte, friebttche ©rfüQung gefunben." @o ehrte bie ©tabt Sem fich unb baS Änbenlen ihres grofjen ©ohne«! Stur noch einige Worte, beim meine Straft broht mich }u oerlaffent ... 412 (Eonrob. $ie litterarifchen Reliquien ®ranmorS hefteten in üier Rach trägen zum „Requiem", oier ergänjenben ©ebidjten. Soßl trug ftc^ XJranmor auch mit bem ©ebanfen, ftd) atä Sramatifer ju oerfueben, „bodj fcheint er faum, — tote ©rnft fetter mir mitteitte —, Aber bie Entwürfe beraub gefommen ju fein." Qitb nun fcf)ließe ich mit Dranmorä Sorten: , 3 $ grüfte Qebeti, bet um ihn gemeint; Sein Xob t)at und gehoben unb oereint 3n biefer 3*it, ber un^eiltooüen, fronten" . . . ffiien, 20. April 1888. Älfteb Xenier«. ir, . r .. TtiL Mu .,l A ,L °ff„titT, tmtramttjtj j^rntK* m. (Ein Derfpäteter Brief an bie „Sd^Iefifdp Leitung". Bon ZIT. <&. <£onraö. « df ßebe faßt balb jtnanjig Sabre im litterarifchen Stampfe unb habe toäbrenb biefer Seit außer ungezählten Sournatarttfeln an bie zmanjig ©flehet nnb ©tofdjüren Veröffentlicht, ©ierjebn 3ahre arbeitete ich im äuä* lanbe: in ber franjöftfchen ©djmeij, in Statten, in ffranfreidj. ®ie oater* tänbifdhe ftritil hat mich ftetü, menige Ausnahmen banfbar abgerechnet, mit aubgefueßter Rid}tS»ürbig!eit bebanbett #ier ein ©eleg. ©r fieHeid)t, bafj icf) mich mit begleichen KritikSnbiüibuen in eine $ibfuffion über bie Sren^en, Wo bie {Religion, unb nach einem be» Kannten ßefftngfchen SBort auch ber fßatriotibmub aufhört, eine Xugenb ja fein, aub Selbftadjtung nicht einlaffen barf. RBenn ich gegen irgenb (Sttoab in bem unqualifijierbaren ©chriftftücK 3hrer „Schleftfchen Leitung" ernfüich proteftieren möchte, fo märe eb gegen bie Sdjamlofigteit, mit welcher mir, bem Schriftfteller, non bem KritiKer in bemfelben Ätemjug bie beutföe @hre abgefchnitten unb bab grotebfe Kompliment gemacht mirb, ich f« SRaira bon Seift", eine „reichbegabte gebet, bie gebiegenere unb bleibenbere Sabeu, barbieten Könnte" ic., alb ob Seift unb technifche Sebiegenheit noch irgenb« melchen ffiert haben Könnten, menn fie im fcienfte ber ttnbeutfchheit unb $atertanbbfd)änbung Oerpufft »erben! Seehrte fRebattion, f(hoffen Sie fich für beutfehe KritiK junächft einen braoen ®eutfchen an unb taffen Sie ben bummen, ehrabfchneiberifchen Schmieranten, ber fich mit Sch- unterzeichnet, laufen fomeit ihn feine Seine tragen. SRit fchulbiger Ächtung! Sh* ergebener Dr. 3R. S. Sonrab. Hontane un6*Hdi>ettett> „$ie ganfare*. {Roman oon grip Stautljner. Srebben,$. SRinben, 1888. HIb ich }« ©eginn beb Sommerb aub gtalien gurfleffehrte, gebot mir natürlich bie Hnftanbbpflicht, biejenigen Äreife ber ©efeflfdjaft beb ©erliner SBeftenb auf» gufudjen, mit benen mich perfönlidje ©e« Ziehungen oerbinben, unb nachbem man mir ben Stabtllatfch, ber fich in meiner zweimonatlichen Hbmefenheit gngetrageu, in ooDfter Hnbführlichleit mit bem ®e» hagen biefer ftreife »orgefept — bie Trennung eineb betannten Salonfcprift» fteüerb oon feiner ©attin mar bamalb gerabe ber'Sieblingbftoff beb ©efprflchb, nnb bab ©erfleht »oBte miffen, ba| ber 415 Schrtftßeßer f$on babei fei, bie (Be* fdjichte feiner £A$erli$feit §u einen pttanten Vornan für bal „berliner Zage* Matt* auljufdjlachten — fam auch bie Siebe anf bie jüngßen litterarifdjen (Br* (Meinungen. „Die ftanfare* Don Srttfc Wautljner war eben ^eraubgefontmen, nnb Don allen Seiten würbe mir mit einer oerblfiffenben (Einßimmigfeit Der* filtert, baß man etwa« thörichterel nnb langweiligere! nodj nicht gelefen höbe all biefel Such. Unb biefe felben Jtreife, bie einft, Dot fahren, 3rri| Wauthner in ben fiebenten Fimmel gehoben all bal größte litterarifche @enie ber Segen* wart unb Don feinen nieblichen, l}orm* Iofen fßarobien fprachen wie Don einer Sertftrperung ber reinen, abfolnten $oeße felbft, bie ben Kamen bei Schriftsteller! bei jeber Gelegenheit im Wunbe geführt nnb Don (einem gefdjroärmt wie Don ihm — biefe felben Wettfeh en wußten jept nicht genug Steine über ihn jufammen* jutragen, allen $ohn, alle Verachtung auf ihn ju häufen, beten fte fähig waren, nnb fbrachen Don ihm in Zulbrflden wie Don einem blutigen, jebe Spur bei Zalent! entbehrenben Dilettanten. 3fn ber Zhat, bal Such fiel in einen tiefen Srunnen, man warf bie Sippen auf unb juche bie Zchfeln wie bei einem Werfe Don (E. D. $agen ober ZIfreb griebmannl Dal ift bie ©unß ber Sourgeoiße, bal iß bieguneigung bei gebilbeten $öbetl! (jänbeflatfchen unb gubtinjeln, fo lange beine $ur jelbäume unb Zrampolinfprünge unfere Sachmulfeln bewegen — einen ffrnßßoß gegen ben ^intern, fo wie bir bet Kopf ju fdjmerjen beginnt unb bu für eine Winute erfchlaffft ober gar Dot (Btel an bem eignen fchalen (Bewerbe Wagft, bit0 burep baS (Bange gept, wenn eS auep freilich gn einem RatpoS niept tommt unb aOeS fiep in tleine Rfeile unb abficptlicpe unb beSpalb mhtber wirf* fame SatoniSmen gerfplittert; — unb eS erfepien mir als ein RebürfniS, folcpeS an biefer SteOe, welcpe ber reinen tri* tifepen Saprpeit geweipt iß opne Rüd* ßept auf litterarifcpe unb perfbnlicpe SteDung unb (Benoffenfcpaß, ben eignen fpegieDen greunben beS Rerfaffer# gegen* über gn betonen. C. A—L .CrlebteS nnb CrbacpteS'. Ro* oeDen nnb Stnbien »on «rtpnr 9nt- peiL Hamburg, Steignet. Zer Rerfaffer iß offenbar noep ein jnnger Sann nnb fein Rncp eine litte* ftrttif. 417 rarifche Crftlfugifrucht. Cr bietet uni RobeOen: „$aß*, ,Dai Wirdjeu bom Cttd', .Dai war’i', mittelmüßige Quin* taner*Stilfibungen, für bie er bon rechti« »egen brei Stunben nachfil« müßte. 3 gar nicht narret benfen laßen, fhtb bie »Steuer Zhpen*, »eiche allein fdjon oerbienen, gelefen gu nerben. ©öpl ift ein liebenbnflrbigeb Zalent; er fießt bie Sdjnftdjen feiner fianbbleute, er ta» beit fie in gutmütigem Spott, aber man füßU eb ißm tropbem an, baß fein $erg im Siener ©oben »urgelt, unb barin liegt ber große Sauber, melden bab ©ütßlein auf geben anbfiben nirb, ber bie Stabt am Zonauftranbe fennt; bie gorm, in meldje fidj ber Zabel fleibet, ift burdjaub liebenbnert, bebßalb fann ißn auch berjeuige ßinnepmen, meiner fidj getroffen füllen mag. ▼. W. PefftßMem«. Sur Söfung beb $amlet»©ro» blemb. ^amlet ein ©enie. 3®*< ©ortrflge Don $ ermann Zürd. SReub* nip-Seipgig, 91. §offmann, 1888. 9tit unglaublichem ©umbum führte bot einiger Seit ein $err Zürd aub Ham¬ burg Dermittelft öffentlicher ©ortrüge, lobhubelnber SReflamen guter greunbe trab beb gangen betanuten Hpparatb feine neue #amlet*Crfl5rang in bie Seit ein. Cb foüte Reh, »enn man ben ©erflehe» rangen .feiner greunbe glauben bnrfte, babei um bahnbrechenbe, burchaub eigen« artige unb neue Cntbedungen Ijonbelu, bie tiefften ©ehetmniffe bet Zicßter»erl» flott Shafefpeareb foQten »ie eine Cin» berfibel Dor unb aufgefdjlagen fein, fo baß ieber fior* wirft unb beweifl, er, ber ffinf SRinuten toorßer nigt ben SRut befaß, ben SRörber feinte Batere au8 bem Sege gu {gaffen, ber ßg ißm weßrloe felbft in bie $aub gegeben ßatte, fonberu ßg gur Bemdn« telung ber eigenen ©gwdge felbß eine Äomöbie grißliger SRoral Dorfpielte, as bie er nie geglaubt 3g faßte alfo ben Hamlet pfpgo-’pßpßopatßologifg anf. Unb fo fgien e8 mir, baß man bie gu einer ffinftigen (Entbedung unwiberfpregliger englifger Bofumente aue ber 3«t bei (Entßeßene ber Bigtung, bae $amlet* Problem oermitteiß ber mobernen (riti* fgen SDtetßobe, unter 3>tßilfenaßme ber Staturtoiffenfgaft nnb ber ©efgigti* pßilofopßie, wenn ang nigt löfen, fo bog gn einem einigermaßen befriebigen« ben, borldußgen Äbfgluß bringen (önnte. tfalfg! grunbfalfg! fagt aber $err Zflrd. Sad Staturwiffenfgaft! wad (Be* fgigte! wad Bofumeitte! Spefulation mnß man ßaben! &ud ben Sorten ntnß mand lefen! Unb legen wir nigt an* — nun, fo legen wir eben unter! 3ß* feßt bei Hamlet eingelne ©eniebliße? Zßoren, §amlet iß bad (Benie felbß, ba* ©enie an ßg, unb biefed in feinem Ber« ßdltnid ber fgnöben Seit bed SRaterialid* mud gegenüber gu geigen, war eben bei Bigterd Äbßgt. Ber Beweid? Sbtu, ben magt ßg $err Xfird leigt! (Er greift gwei ober brei (Eßaraftergftge, Staublungen, Beben $amletd ßerand, wid* (ftrlig, oßne jeben ©ruubfaß, wie er ße gerabe faßt nnb feßt jebedmal ßhtgn: Bied aber iß ein bem ©enie eigentftm* liged Äenngeigen. 3» ber Zßat, eine leigtere Ärt bed Beweifed in litterarifg* (ritifgen Bingen (ann ed nigt geben. (Ed iß nur gnt, baß bie Bragöbie im SOtittelalter fpielt, nigt im nenngeßnten 3aßrßunbert, in ber Seit ber Beifeßdffe nnb ©tedbriefe. ©onß ßdtte ei nuferem ftrttif. 421 guten $amlet leidet begegnen fönnen, baß bet Uufnahme feinet Nationale bie 3frage an ibn gerietet mocben »4te: ,3h* 6tanb, mein $err?' .©enie!' . . . 3g glaube taum, baß bec fßoligri* magtmeißer ßg bamit gufdeben gegeben hatte. .©enie?' mürbe er roof)l geant* mortet haben. .Äenne ig nigt! ©ai ift bat für ein Staub? 3g fenne Sgußer, Sgneiber, Sieutenantt . . ., aber ©eniet fenne ig nnr in ©eßalt oerrüdter ©eniet . . ., foDten Sie fo einet fein?' 3^ merbe bei ber ©rflArung bet $emt Zflrd lebhaft an iene beiben 3üng« finge erinnert, melge fig feit 3ah«a für bie ©efßaße ber neuen beutfgen Zigtfunß autgeben. Srtagt 4t fie aber, auf melge Seiftungen, arbeiten hi* fie bat Verlangen grünben, alt folge üfti« miett gu »erben, fo fehen fte eug groß an nnb entgegnen entrflftet: .Seiftungen? arbeiten? ©ir fmb SReßioße unb haben alt folge nur bie $ßigt gu ejiftjeren, benn bürg unfete bloße ©gißeng etlöfeu mir bie ©eit, bie bar um für unferen Unterhalt gu forgen hat. Seiftungen? arbeiten? 3)at müffen bie anberen!' So fihnlig fgeint ßg’t $ert Zflrd mit bem ©enie gu beiden. Sefaße er ober nur bie minbefte philofoplßlge ®il* bung, fo mürbe er miffeu, baß ©enie nigt felbft eine inteüeftueüe ober über« haupt potentielle Dualität bebeutet, fon» bern nur ben h^gflen ©rab ber ©nt* midlung einer folgen im SRenfgen, bie Slfite unb ben gauberifgen $aug ooü* ftüubiger geiftiger unb feelifger ©efunb* heit So menigftent beftimmt Zilgep bat ©efen bet ©eniet, ber et oon allen am beften erfaßt unb bargefteüt hat. ©enie iß nigt eine SfAhiflitit an ßg, fonbern begeignet nur bie högftmögligße ©ntmidlungtftufe oberCntmidlungtfAhig* feit einer ober mehrerer ober aller poßtioer ©igenfgaften. 3« biefem Sinne erfgei* nen ©eftalten roie SRofet, ©hriftut, ©Afar, Seonarbo ba Sind, ©igelangelo, ©5the, griebrig ber ©roße alt Zppen bet ©eniet. ©efunbljdt, geiftige ©efunbheit ift bie erfte ©igenfgaft bet ©eniet — unb ber bürg unb bürg franfe $amlet ift baher eher bat ©egenteil einet ©eniet. Unb hatte bie anmaßenbe Unfehlbarfdt bet $erra Hermann Zflrd — benn bon bem Zünfel berfelben trieft fein ®ug — ßg einmal bie Stöße nigt oerbrießen laßen, einen Süd in Sleibtreut „Sara* boge ber tonoentioneüen Sögen' gu gun, fo mürbe er bort auffglüße über bat ©efen bet ©eniet gefunben haben, bie ihn moht ber unnüpen Stöße flberhoben hatten, fdn Sug in bie ©eit gu fe|en. ©r mürbe bann fdnen augenblid im 3mrifel barflber fdn, baß bat ©efen bet ©eniet oor allem nigt in einem himmelblauen, unflaren, ibealißifgen, über ber ©irfligfeit fgmebenben Zufel befteht, mie $err Zörd annimmt, fonbem im ©egenteil in fgneibiger, unaufßatt* famer Snergie, bie gum praftifgen §an* beln unroiberßeßlig bringt — fei et nun nag .fogitationeller', fri et nag .emotio* neOer* Stigtung, um biefe autbrflde 9torbaut beigubehalten. überfguß oon ftraft, ffampfetfreube, fortßflrmen Oon Zßat gu Zßat, bit bie Senbung erfüllt ift, erfgdnt alt bie ©runbeigenfgaft ber genialen Statur, unb nigtt iß bem ©enie fo fremb alt Sgmage, alt bat 3urüdmeigen oor ber plumpen, brutalen, materiellen antagtmelt. ©t menbet ßg nigt enttüufgt, oermunbert oon berfelben ab, fpinnt ßg toeiter in fdne Zriume ein unb geht gugrunbe, mie $err Zflrd mdnt — bat gut bat falfge ©enie, Shafefpearet Hamlet, Zurgenjeßt ©afa* roß, ©öget ©ertper — fonbem nimmt begeißert ben Äampf auf unb ruht nigt bit et — unb fei et ang am ftreuge ßerbenb — bie fgnöbe ©eit übermunben. 3n biefem Sinne iß ang Sßafefpeare dn ©enie, $amlet aber bat ©egentdl 422 ÄtWf. eine« foldjen — gerabe wie hermann lürd. C. A—c. (fine Antwort*) g8 tfit eigentlich nur ffiine, freilich fc^r ernfte Stage, welche bet gelehrte „Orientalin Stanj Seli|fch" an bie ©ebilbeten jübtfc^et Religion in fanffer, aber einbringlicljer ©eife rietet; ei ift bie Stage, warum bai mobetne Subentum bon ©hriftui, bem großen Stiftet bet Religion bet Siebe nidjt« wiffen motte? Setihfd} führt ben ©emeii, baß C^riftu« bet oon ben 3uben erwartete SReffiai fei, unter 2tn- ffi^rung bon Stetten aui bem alten unb neuen Jeftamente. ©robbten unb «boftel bertttnbeten biefe Sehre, jene bot Saljr« taufenbcn, biefe bot mehr ati adjtje^n* ^unbert Sauren, unb bie ©rbe gehört ber t$rift(id)en ©ett; umfonft fließen fich Ijunberte bon Millionen Ungläubiger, ff^inefen, 3nbier «. babon ab: fie werben bie ©emalt, ja bieRotmenbigleit biefet Sehre erfennen unb fid} an8 mütterliche $erj ber Kirche werfen; auch bie freien Araber ber ©üfte unb bie Btoitemi, bie in feften Stäbten wohnen, werben fich, langfam jWar, aber hoch, befehren, wenn ei bie ©olitif br8 2tbenblanbe8 erljeifchen fottte, Wenn bie beglüdenbe Äulturmiffion ©uropaS immer mehr in Slfrifa unb Rften einbringt, fei ei in ©eftalt. frommer SJtiffionaire, fei ei burch „©lut unb gifen". Rur gin ©olf wirb wiberftehen: ba8 jflbifche, wie ei ber ©erfolgnng bon naheju jmeitaufenb 3ahren wiberftanb. Ob auch taufenbe bon Öuben burch bie laufe fich h'wttberretten in bai neue getobte Sanb, bai ©Ijriftentum, ba8 ihnen irbifche ghre, neue weltliche ©üter bringen fott, att’ biefe tängfUidjen ober habgierigen ftnbÄbfatl, ju fchlecht für bai 3uben» tum, ju erbärmlich für ba8 ghriftentum. S)ie Rienfchheit ifCbem SRenfchen *> «mg« Stagen an bie «ebitbeten j&btfcftet Kation non Stang Seltftfcb* Seimig, Sentta(6uteau bet Snftituta JJubatca. <®. Sab« ) 1868 . angeboren, fonfl fäme ber 3«be ati 3nbe, ber ©hrift aI8 ©hrifi jur ©ett; aber erg nach » ah, „ber ein ftrenger, eifriger ©ott" läßt bie Satgen berSünbe nachwirfen nur „bii anfi bierte @e- fchtecht". Setißfch’ Buch ift troß attebem im würbigen, berföhntichen, manchmal fogar Ärttif. 423 im milben ton bet Coangetien getrie¬ ben, aber el »irb wenig Sirhcng höben in einer 3eit, wo anbere ^fragen bie Seit bebrängen, all bie religidfen. A. T. ,3m tempet ber Seltlittera* tut". Cine Sammlung oon wertooOen Seißelergeugniffen aller hnborragenben ©ölfer unb $eiten. Bll allgemeine! ©olfllefebuch bearbeitet unb mit litterat» hißorifdjen ©emetfnngen oerfehen oon $etnrich Solger. Sangenfalja, Schul- buchhanblung. S. 608 Segilonformat, ©teil ung. SR. 5,60. ftnthologieen finb heutzutage biOig wie Brombeeren; wir erhalten beten all¬ jährlich ei»* tnjahl mit ben ©erführe» ri pfehlenben ©uche!,4oir bewunbern auch ben Scßarffinn unb ben fritifchen talt be! Sitterarhißoriferl, ber am Schluffe einer jeben Abteilung fehr wertooOe hißo- rifch-fritifche Stotijen Aber bie einzelnen Schriftfteder beigefügt hat. ©aß Heinrich Solger ein burchaul berufener unb jn- oerläffiger SRann iß, ber ßch h«<* bem ©olfe all Rührer burch bal Bleich ber Seltlitteratur anbietet, merft ber Kenner fofort aul bem ©lane unb bem 3nhaltl- oetjeichniffe bei Serie!; baß er aber auch felbß ein bewährter ©teifter ber Sieber ift, ber fi$ oor feiner ©robe feiner eigenen ©arßeüunglfunß unb littera« rifchen Seßnnung ju fcheuen braucht, ba! hat er burch bie 3ugabe eine! eigenen Buffabel .©lief auf ben Kulturßanb be! 19. 3ahrh«nbertl* glänjenb bewiefen (S. 986—990). ©ie äußere ©ulßattung be! Serie!, ba! in feinem litteratnr- freunbtichen beutfehen §eim fehlen folte, iß in anbetracht be! billigen ©reife! eine burchaul befriebigenbe. SR. S. Conrab. ^»aniäfifche (Utevatur. Sieber bietet Snh be SRaupaffant bei OHenborff bem fiefepublilum eine Sammlung jener Stooeüetten unb Stirn« mnnglbilber, in benen er SReißer iß: „Clair de Lu ne“. Unter ben fran- jößfehen Stomanrierl ber (Einzige in feiner Brt, in jener Brt, bie ©rete $art nnb ftießanb fo reich oertreten, überrafcht er immer auf! neue burch bal Originelle, 3ein*3tonifche, Seichte feiner Seife. Sieß man bie reijenben Sachen, fo fällt einem unmißfflrlich. ber Siefrain be! hftöfa, nach einem 3apte faft, ain hocpjeitStage, | empfängt ber junge Satte, in einem buftenben Bouboir mit feinem peißerfepn« ten ©eibe fofenb, einen Brief: feine epe« malige SRaitreffe liegt im Sterben, nacp« bem fie einem ftinbe, feinem fiinbe, baS i Seben gegeben. Sr patte nicptS baBon gewußt unb alle an ipn abreffierten Briefe ungelefen jerriffen. 3ept will fie ipn nocp einmal fepen, fdjreibt ber 2trjt. Sr eilt pinweg in baS büftere Sterbe« jimmer, in bem Spänne mit ©affer unb SiS perumftepen unb häufen blutiger j ffiäfcpe liegen. „Sie blutete: blutete, }u | lobe getroffen, getötet burch bie ©eburt. 58 Vol. 4/2 426 ÄritiL 3ßr gange# Seben fto§ baßin; unb (Ei# unb Sorgfalt gum Xrop, ^brte, ihre le|te ©tunbe befcßleunigenb, bet unbe* ftegbare Slutfturg nicf)t auf." Sie fielet ißn an gu bleiben, bi# ade# gu (Enbe unb ba* ftinb nicht gu berlaffen. dt berfbricßt in bitterer fReue unb Ser* gmeiflung. Sie fh'rbt gegen Storgen, er aber ergreift nie mahnfinnig ba# Äinb mit feinem Äorbe, unb burch bie Stacht fliehenb, erfcheint er im $aufe feiner fdjtuchgenben, h“**enben Sattin. Seim Xon be# leifen Xßürengeßen# unb Sei* nen# (bringen alle Stauen auf. „83a* gießt’#?* ruft bie junge fjrau. „di ift mein Äinb — bie Stutter flarb foeben, — ich hatte mit ihr gebrochen — nicht* gemuht,“ ftammelt ber Satte. Sa* ent* fcheibet. „So gieb,* ruft ba* junge ffieib mit ber gangen Spontanität eine* großmütigen, unfdjulbigen bergen*, „mir moOen ei lieben unb ergießen“... „Conte de Noel“ ift eine Heine Satpre auf Äirdjengläubigfeit. Sie be* Schmiebe* ift berrftdt gemorben, tobfüchtig; fein Wittel hilft bagegen. (Enbticß fdjlägt ber alte ©farrer be* Sorfe* bor, bie Ätanfe ber großen ®eiß» nadjtSmeffe beimoßnen gu taffen. Ser Ärgt willigt ein. inmitten einer fingen* ben Semeinbe unb ßunbertfättig erftrah* lenben Sichtern liegt bie Sefeffene in graufen Äonoulftonen oor bem ©rieftet. dt aber fteßt unbeweglich, bie bon gol* benen Strahlen umgebene Wonftrang in hoch erhobenen Hrmen. Unb ba* bauert lange, lange. Sangfam, langfam mirb ba* ©eib ruhiger, bie bergerrten Stiebet ftrecfen fidj, merben weicher, — bann fenft ftch tiefer Schlaf auf bie feit lange fcßtaftofen Siber. „Sie fdjlief ben Schlaf ber Somnambulen, ßhpnotifiert burch ben fielen, gmingenben Ütnblid ber golbftrah* lenben Wonftrang, — begmungen bnrch ben fiegreidjen (Eßrifhi#.* Sa* ©unbet mar ooDbracht — bie 3r*au be* Schmie* be* gefunb. „Ln Beine Hortense“ ergfihlt bo» ber begmungenen, ungefannten, tief »er¬ grabenen Siebeäfäßigfeit einer ftarren, gleichmütig burch# Seben manbernben alten Jungfer. Siefe, oon ihr felbft un* eacßtete Siebröfäßigfeit offenbart ficß ben ihrem dnbe beimohnenben Sermanbten erft im lebten «ugenblicf: Sie Sterbenbe pßantafiert, unb immer unb immer fmb e* ihre Äinber, bie fie Heibet, ßergt unb füßt, ift e# ihr Wann, für ben fie forgt, ben fie ruft 3m SRebengimmer aber frühftücten bie lieben Schwäger, im Satten jagt ber Heine Steffe ba# $flnb* djen ber Xante unb im Sterbegimmer gattert ungeniert eine $enne, bie, oom Äinbe aufgefdjeucßt, baßin geflüchtet 3n „Le Pardon“ beßanbelt ber Stutor bie raffinierte Sraufamfeit groß* ftäbtifcßen Savoir faire’s einer jungen, naiven, oertrauenben, oon ihrem Satten betrogenen 3rau gegenüber. Surdj einen anonhmen Srief gemecft, mirb Ießtere bon ihrem Wanne baburcß beruhigt, baß er fie unter bem Sännet einer „reinen greunbfcßaft* felbft bei feiner Waitrefje einführt. (fortan finb bie beiben Srauen immer beifammen unb — ber Satte ift ber Sritte im Sunbe. (Enbticß gießt ba* (Ehepaar, größerer Sequemlicßfeit wegen, in# felbe $au# unb eng beieinanber leben bie Srei, bi# eine Sungenentgünbnng bie Seliebte auf# Sterbelager mirft (Ein bon ber jungen grau gefunbener 3ettel entßüüt ißr bie gange ©aßrßeit: „3»ngfet, welche bie Siebe «inet leibenföafttidjen Knaben al« .Spie- Ietei' genommen, nicpt opne biefelbe in jngenblicpem Übermut nnb gebanfenlofet Koletterie proboeiett gn paben. ©et Knabe errängt pcp, fie aber I5|t ba« SetpüUni« gn intern ©rüutigam nnb bleibt, opne je »erheiratet getoefen gn fein, »ffiitme eine« ©reigepnjührigen'. „Mademoiselle Cocotte“ ift eine fonberbare 428 firitif. biefem beauftragt, in einem ©threibtifdj bei Schloffel brei fßädchen Briefe fucht. „Jtämme mich," fletjt bie fplante, blaffe Seftalt unb, falciniert, glättet bet bebenbe Offizier bal lange meiere $aar ber &rou. Xann entfdjtoinbet fie unb nie ^at ber eitigft flieljenbe junge Sann bal Se» heimnil bei ©chlojfel feine« Sreunbel erfotfdjen fönnen. 3n ber Ärt unb Seife ber (Erjähtang jebotb unb ber leidjt angebeuteten Sitmijfenfchaft bei (Kalten unb Särtnerl tann bie Vertnu* tung liegen, all fei bie „Verftorbene* eben nicht geftorben, fonbern roat|n* finnig. „La Porte“ bient Saupaffant unb einem (Satten baju, fiagerfflllten machte. allmählich mächft in ber ©eele bei ©djmergeprfiften ein entfeplicher fßlan: nicht Sott allein fofl ftinber Ser¬ ben Iaffen, fonbern auch n - Sott ift ein Senfchenfchlächter, ber Xob unb alle ftranfljeiten, ftrieg unb ©euchen fhtb fein SBetf — barum Stäche an ihm! Unb mit geflogenen Slalfplittern unb Stabein lichtet er bie Seihen ber ihm anoertrauten, oon ihm äugerlidj oer* möhnten, mit Sederbiffen befchenften Äiu* ber. gum Xobe oerurteilt, beftridt er einen Vriefter, ber feine Vegnabigung erfleht, unb erft auf bem Xotenbette ge¬ fleht ber Sötber, ber »Sott, biefel Un¬ geheuer, nicht h Q tte triumphieren Iaffen moüen", feine fchredtiche Xljat ein. „Nos lettres“ fhtb jtpei Vriefe, bie, in bem geheimen ©djubfach ber toten Xante Stofe gefunben, Oon ber Vorficht unb ber geiftreichen Senfchenfenntnil einer Srau jeugen, bie oon ihrem (ge¬ liebten alle an ihn gerichteten Vriefe jurfldoerlangt, meil fie biefe unb mit ihnen ihr Seljeimui! nicht bem BnfaQ preilgeben moOe. Zugleich betont fie, mie menig fie barum bange fei, bag man biefe Vriefe nach ihrem Sobe fänbe. Xer Xob löfcht bie (Ehrbegriffe bei Sebenl aul. ©ie fdjreibt: »San rächt fi e« giebt in feinen feht aufrichtigen Aufgeichnungen ffunbe bon bem piTf* petfönlidjen Sparafter be« SWanne« unb SchtiftfteHer«, bon feinem inneren SntwidelungSgang unb feinen fleinen Stlebniffen, oon bem geit* genöffifchen igeater, welche« et feht eifrig befuchte, unb bann — bon feinen Sieb* fchaften; benn oetliebt war Segle jebet« geft. Ster bagegen etwa« über bie po« litifchen Steigniffe in bet wichtigen Epoche bon 1801—1814 fuchen wollte, ber würbe fich arg enttäufcht ßnben; biefetben finb nur gang beiläufig erwähnt. Die tref* fenben parabogaten Säße abet, bie au« aüen feinen Schriften hetbotleuchten, finb auch hier nicht feiten. So bet fol¬ gende: „3n Sachen bet SW oral ift bie Siebe gum fdjönen ©efchlecht bon bet* fchwinbenbet Sebeutung. ÄBe großen SWännet bei ben ©riechen waten in biefet $inficht äußetft leichtfettig; bie Siebe«« leibenfchaft berrät bei einem Wanne bie Energie, siue qua non genius.“ Unb biefe Semerfung ift au« bem ftahr 1808, alfo bon einem gerabe gwangigjährigen SKenfchen. Der fünftige Weuerer giebt ftch fchon in jener gopfflafftfchen 3ett burch bie Anwenbung bet gewagteren ReologiSmen funb, wie fie bie heutigen Senfationiften faum ootgubringen wagen 430 Äritif. mürben, g. 9.: passagdritd, calom- niable, villasse, il peluche de la neige. Steu aflerbingb, aber DotHom* men toerftänblich, alfo gerechtfertigt! 3»* tereffant ift eb auch, aub bem Anhang gu erfehen, bah Sepie im 3ahr 1839 mit Selbftmorbbgebanfen umging unb norher einen Sletrolog Aber fidj felbft fchrieb. (Einen gtoeiten Selbfhteholog (>erf aßte er 1887, ob mit ober ohne bie Sbftcht, freimütig aub bem Sehen gu fcheiben, mirb nicht gefagt Sie Herausgeber thun unb nicht gu miffen, mie fie auf ben oerbienfttichen (Bebauten gerieten, in unferen lagen anf ben bom großen ©ubtifnm gang bergeffenen, bon ben ftennetn bagegen um fo h®h<* gefehlten Kann gurÄd» gngehen. SBir erfahren nur, baß fleh anf ber Sibliothel gu ©renoble (Schieb Saterftabt) beffen Kerfe h l fett' nnb bei „Binbd', bet in bie SoMMcgtungen bal Snfgewedte, Segel« mtfege, wenn auch nicht bal Originelle 04ranger’l, ghteingalegen tonnte, dl blieb jeboeg bie Saterlanblliebe, neuer« bingl entfalt bureg bie ftalienifcgea Serlufte; ei blieb bal Stitleib für bie Stuten, für Me bent Scgicffal 8 erfolgten, welche Mel Stoff gn Oben nnb Nonetten lieferten. Bogt beoor nod) Me mobernen Sb« riler, bie Srmen beftagenb, mit fogia« liftifcgen Nulbrüegen gegen bie -Meißen nnb jene, welche genügen, tobten, bauten fegon bie Nomantifer an bie bfirftige, leibenbe Piaffe; biel gefdjag bemitleibenb, beute hingegen in 3orm bet Drogung. Qtnti SRitleib tonnte wiegt umhin, biefe fentimentale ®rt oon Sitteratur gu nAg* ren, welche man jeboeb heute oerwirft. Damall jagte man: „3enel Statt ifl bal fcgönfie, auf bal eine ZgrAne fAttt.' So oergrögerte fia, beten ebler Oefang auf ben Zob Camillo Cabour’i eine bon ben Italienern noch nicht oergeffene Iraner auibrfldt. Die furjen Sthhthmen entfbrachen ber aOge« meinen Ungebulb nnb ben befchleunigten «erafchlfigeu bei 8aterlanbei. Zern Italiener, Siebhaber bei leichten Oe« fangei, gefielen bie lebhaften meiobrama« ttfchen Strobhen, welche jebocb heutzutage ali gefchmadloi oerworfen werben. Za« mali fangen fie bie Solbateu unb SH« ligen, um fi'1 berfelben bemerleni« wert, welche bai Sorhergefagte über Me Steligiofitfit Dielet Shrifer, ®ratf inbe¬ griffen, befifitigt, obwohl fie in ZlearM nicht fo ftarf auigebrfldt war wie bie Saterlanbiliebe nnb Me Serehrung für feine tote Statt er. Zai oenetianifche Oebiet gab mti einen anbem perborragenben Shrifer, Oiacomo £aneQa (geftorben im Stai 1888). £m Sahre 1867 trat er aui ber Zunfelpeit mit einem Suche Ihrifcher Serfe ober beffer gefagt, mit zweien ober breien, in welchen ber Otaube mit ber 8Hffenf0ft & Soßn in ftogenßagen ift erftgienm: „über bie Sitßtnng auf SfSIanb in bem 16. nnb 16. 3agr* gnnbert* bon 3on ZortetSfou. Sie bAniftße „illnftrierte Sei* tnng' braute neulieg eine bon Dr. jar. B. «. Seiger warm gefißriebene Bio« gragßie $rof. ftontab Blautet« in ÜRfinißen, ber fuß fegt biel berbient gemaißt gat babnriß, baß er norbifiße BerßAltniffe, namentliig Sgraiße, Beißt nnb Eitteraturgefißiigte, in Seutf«glaub belannt gemaißt gat, weSßalb er aniß bon bem bAnifcßen Äönig Orben«geiißen erßalten ßat Birger SißblbftrAm ßat Betbfi* ©ebiißte in« Sißwebifiße übertragen unter bem Zitel „$arfenfgiel nnb Sißwertllang* nnb ift bebßatb al* SJtitglieb bon ber nngarifißen ffitffeu» ftßaftSgefeÜfißaft „A PetöfitanÜMg“ auf* genommen worben. Ser fißwebifiße Siißter Ontel «bam (Sottor (Earl «nton ©etterbergß) wnrbe am 6. 3nni b. 3- 8* 3«ßt* nnb ßat man ißn feßt gefeiert ©r ift notß feßr geifeShüftig. Bei 0. Samm 440 ffrittt. wirb in Bülbe eine Sammlung 609cm non erfcpeinen. Ber fdfwebifche Sichter 9. tt. BäAtp fiberfept SajoS Berichte inl Sdjtoe* bifche nnb giebt nflchfieuS eine Samm» Inng ffiifingefagen peranS. Bon Sdjooetin iß erfdienen: „Set beutfdje 3oIIoerein unb eine not» bifche Sollunion*, herauSgegeben auf Beranlaffung bet ©roffieter * Societüt in ftopenljagen. 5. 8. @. }«t fef^Ubie ber mgartf^tn •lenM^inng» „©efdfi djte bet ungarifchen Dbenbichtnng bon ben Ülteften8ei* ten bis auf BöröSmarth**) betitelt fidj ein SB et! Dr. 3ulinS (EfernatoniS, — eines SdjfilerS beS hochgeeprien, treff» li^en ungarifchen SitteratpiftoriferS ©tof. Dr. Alejanbet 3mteS, — welches jwei» fetSopne ju ben Brfcheinungen gehört, bie in bet ungarifchen SitteraturgefdjidjtS* fcpreibung eine fühlbare Süde auSfflllen. (EfernatoniS ffierf wirb fein Sitterar» hiflorifer entraten fönnen, im Tratte et fich eben eingehenb mit bet Sitteratut beS magharifthen BoIteS befdjüftigen totH. 9n ber SarfleDung beS ©anjen IS|t fleh wenig auSfe|en. Sprache unb Stil fhtb' einfach, flat unb elegant, wie fte ihn wohl peutjutage wenige fchteiben mögen. BaS gange ©er! jetfüllt in acht 9b* fchnitte, benen wir folgenbeS — auch fü* nicht*nngarifche Sitterarpifforifer intet« effanteS entnehmen. — gür baS ftttefte Senfmal in bet ungarifchen Sitteratut, Welches einen obenhaften Schwung beßpt, hült (Eferoatoni mit Siecht „Sie fieben Knuten beS heiligen Bernparb*, welche als Überarbeitung beS lateinifchen Originales fowohl butch ihn bilbetteiche, poetifepe Sprache, als auch butch bie *) A ödA-ktttl« tBrtlneto * ltfrtigibb ldGktffl VOrttomAitylg. (Badipul, Aifser). religiöfe Stimmung, bie ihnen eigen ifc jn ben fchönffen mittelalterlichen Senf« mfiletn bet nngarifchen Sitteratut ge* hören. Sie an (EhrißnS gerichteten Seilen mögen einen flehten Beweis hierfür liefern: „$k Muttsten, fammfueu Stabe •triff i$ Sfr an mit 8 Me; Surftenb, mit t mM c rttn Stoen •ans’ Urin brilifl' «Int i<4 fett«: gaV Sein Äreuj an mUb gebrfldt, nein’, — bo4 ift mein get) angiOtl“ Sie Seit bet ttberarbeitnng lügt fleh nicht genau beftimmen; not bem XIV. Saprpunbert mag fte wohl nicht entftan« ftanben fein. Obenhaften Schwung be* ftpen noch bie mittelalterlichen ungarifchen Überarbeitungen ber §pntnen „Ave Muri» Stella“ unb „Veni creator spiritug“, fet* net baS Slaria oethettlichenbe „^eilige Sieb* unb „Bin fchöneS Bebet an ben peil. ®eift*. Siefer teligiöfe ®ifer, welcher in ben oben ermühnten $pmnen bon wahrhaft obenhaftem Schwung jum AuSbrud tarn, fchlug mit bem XVI. Sahthnnbert, als bie Deformation auch < n Ungarn einen fruchtbaren Boben fanb, eine gana anbere Dichtung ein. 3n ber Sichtfnnfl h**lt bie ©eriobe ber trodenen bogmatifchen 3ünfereien ihren Binjug. Sarnm iff eS auch nicht ffiunberS jn nehmen, wenn bie ftirdjentieber ber ungarifchen Bro* teflanten biefer 3ritperiobe größtenteils jebeS ©efüpleS bar unb polemifchen ober bibaftifdjen 3npalteS ftnb. Unter ben ffirchenliebern bet SatpoKfen, welche in biefer 3rit entffanben ftnb, giebt eS an# nur einige, namentlich öaS mit bem Defrain: „SaS Ungartanb, baS arme Sanb, Bergiß nicht bein #eimatlaub" — berf epene Sieb, welche obenhaften Schwung nnb eine wahrhaft poetifche Sprache be« fipen. Brft gegen baS Bube beS XVL 3ahrhunbertS treffen wir Spuren einet Obenbicptung an. Beter XaSnibi überfept eine Obe ftorajenS (BL B. XIV. an Poathamnu); welche 1897 als Anhang Jfritit. 441 gum Werte B* 3(08009« „Sa« Sehen be« apoftet« $aulu8" gebrudt erfdjriut Sie Überlegung, bie — um« bo8 Bet«* mag betrifft — 00m Originale »efentlidj abweicht, hat einen gang djriftlidjen an* fing. Sie tarnen bet Söttet, fonte bie mhthologifdjen anfpielungen finb au8ge* lajfen unb bent Schlug ein chriftticher SRaljnruf beigefügt, fßeter Saönibi ift bet erfte, bet eine Obe $oragen« in« Ungarifdje übertrug. Sin anberer Sieb* ter biefe« 3af)thunbert8, ber fich oor allen anberen burdj obenljaften S n bet unga* tifchen Sitteratur geltenb, namentlich bei ben $auptoertretern biefe« 3ahth utl bert«, bei Otcgb, Beffenhei, Barcfai unb An908; boch feiner oon biefen tonnte fich ö u nahrhaft obenhaftem Sehnung erheben. (Erft mit bem auftreten Saoib Sgabo« unb Stajni« beginnt in bet ungarifchen Obenbichtung eine neue Be* riobe. Cfernatoni betrachtet Sgabd al« ben etften ungarifchen Obenbichter unb gnat au« folgenben Stünben: »eil 1. Sgabd guerft einige Oben $oragen« im 8er«mage be« Original« überfegte; 2. »eil er nach Haffifchen Stuftern felbft Oben fchtieb, oon benen einige ihren Botbilbetn in jeber Begiehung roütbig gut Seite gefteüt »erben tönnen. {Raj- ni« bebient fich wohl auch ber Haffifchen formen unb gnat mit einer Seidjtigteit, bie Sgabo abgeht, jeboch gefdjieht bie« ftet« auf ft'often ber Sprache (S. 22). Sgabd unb Stajni« nennt Sfernatoni mit Stecht bie Bahnbrecher auf bem Sebiete bet ungarifchen Obenbichtung. Set gtögte unb berufenfte Obenbichter biefer Beriobe ift entfehieben Stdoai. äuget feinen in jebet Begiehung gelungenen Überlegungen au« $orag, Catuü unb Sappfjo, finb oon feinen Oben bie „Sin bie 3 eit“ tt nb „Sie Unfterblidjfeit bet Seele“ »ohl bie fdjön* ften, ebenjo bie Obe, »eiche ber treffliche Sitterarhiftoriter Bänocgi in feiner Stdoai* Biographie guerft publigiert hat Cfet* natoni erwähnt noch g»ei Sichtet biefer 442 Ätitif. Beriobe, weleße all tfroßel bet „$nma« nitüt" Me tlafßßße Obe weiter aulbilbe» tut. Siefe j!nb Berfegßi unb Birig. „Berfegßi," fagt ©fernatoni, „iß in jeber Bejießnng bet gteunb bel^gortßßrittel nnb ber neuen 3been." Seine beßen Oben jeitßnen ßcß butdj gebröngte, eM« gtammatifcße Äfirje anl. Bitög ge» büßrt bal Berbienß, juetß fömt» ließe Oben $orajenl inSUngarifeße überfeßt jußaben(1824). SieSfwaeße feinet Oben ergebt ßeß $u einet ftlafßjitüt, Me bei Berfegßi nießt anjutreffen iß. Bon ben btei folgenben Obenbießtern, Saßfa, Bacfönßi unb ©fofonai, weleße ßeß auf biefem ©ebiete befonbetl ßeroorgetßan ßaben, netbient woßl nur ©fofonai non nnl ßernotgeßoben ju »erben, feßon anl bem ©runbe, »eil et unter bent ©inßuffe Blumauerl, JfleißS unb Börger! feine etßen Oben feßrieb. 3ßm ge» büßrt bal Berbienß, bie mobetne, gereimte Obe in bie ungarifeße Sitteratur juetß eiugefößrt ju ßaben. 811 bie größten, ungartfeßen Oben» bittet unfetel 3uß*ßunbertl erahnt ©fernatoni: Äajincjß, Berjfenßi, Äil, Äölcfeß, Bajja unb Bbrö!« martß, bie »it eben aul Raummangel einjetn nießt beßanbeln (önnen. Bit be» feßrfinfen uni jum Scßlufj nur noeß anf ben treffließen Sergleieß ©fematonil, »et» eßen berfelbe jwifeßen ben jwei bebeu» tenbßen Sießtern bet leßterwößuten ©rutfre — jmifeßett ©erjfen^i unb Börölmartß — jießt: „Börölmartß iß entfeßieben ein größere! Sießtertaleni; Berjfenßi iß flafßfeß, Börölmartß romantifeß. Unb ßiermit iß beinaße 8Del gefügt, wenn el nömtieß baßin oetßanben »itb, baß Wftßrenb bie etße Rießtung ßeß nerßölt» nilmößig nur auf einen engen Kreil befeßrünft, Me anbete ©Del umfaßt: ju* gteieß im güßlen unb Senfen fo»ie aueß in bet gorm ß(ß freiet bewegt. Biefer Umßanb maeßte el mögtieß, baß Böröl» mattß nießt nur auf nufere gauje ließt« (nnß, fonbetn aueß anf nufere Obe et» neuetnb ein wirf e; — nnb Me Baeßt bei Klafßjilmul aueß ßietin breeße; bet mo» betnen Obe jur fcerrfeßaß nerßelfe, weleße bann bei fßetöß nnb ®ranß ben fteieten Ion autß mit bet flafßfeßen Ruße net« einigen unb bie Bürbe buteß ben Rßßtß* mnl ebenfo aulbröefen fann, wie einft (jotajburcß feine flafßftßeu Berlmafjel"— Hel wüte furj gefaßt bet Sfußalt bei ©feruatonifeßen Betfel, bem wir unfer flob in jebet Be jießung niißt bat» entßalteu fönnen, namentlicß wenn wir bebenfen, wie feßwer unb mit wie nid Büßen el nerbunben iß anf einem gelbe ju arbeiten, wo fojufagen gar feine Bot« arbeiten norßanben ßnb. Bößlbaeß (Siebenbürgen). Dr. H. t. WlislockL ^*«tn|Ußf4< Ot te rat nr. ©ine ßißorif<ß*»iffenfeßaftließe Brbeit non ßoßem Sntereffe iß bal jüngß et» feßieneue gebitgene Betf bei ©tafen gicalßo: Garcia de Noata e o aea tempo. Dem ßeroorragenben Ärjt unb Ratutalißen bei 16. 3aßrßunbertl iß in biefem aul tiefgeßenben Stubien ßetnot» gerufenen Bueße ein folibel, nöüig nn» parteiifeßel Urteil gefönt. Ban frört bie gäben, bie aul bet Söngßoergangenßeit bil in unfere Seit frinnen. Set Berfaflet bei geleßtten Bueßel ßat in bet Sdßriftßefferwelt einen Ra« men non gutem, nollem Klang. Ul Rrofeffor bet Botanif am fßolßteeßnifina ju fiißabon ßat et ßeß auf bem ©ebiete feinet fießrtßötigfeit buteß netfeßiebene ®(ßtiften rüßmli<ß ßeroorgetßan. — 0 Lyrismo Brazileiro por An¬ tonio de Freitaa. (Emprexa das Hon» Rom&nticaa.) Untonio be greital iß ein junget Braßlianer, bet feine Stnbien in fiißabon maeßte unb titterarifeße Xücßtig» feit, Begabung unb eine feßarfe Benttei» lunglgabe befißt. 3fn biefem Bucße net« «tu«. 443 fucgt et ben Urfptung unb bie Seubengen bet braftlianifcgen Sgrif nacggumeifen. Bie Hrbeit ift für bie brafilianifcge Sitte» ratur Don nic^t megguleugnenbem ffierte; fie bitbet gemiffermagen ben ®runbfteiu gum Hufban fritifcger Stubieu. — Os maios — A reliquia — gmei neue Romane Don 3oftf SR. ({ 9 a be Oueitog. ßtoei realiftifcge Kunftmerfel Set oberflächliche Sefet fucht unb gafcgt nach augergemöhnlicgen Hbenteuern nnb tebolutionäten 6 teigniffen. 3 a auf ihn übt eingig bie 5abel Spannung au«. Set Beurteiler, bet Sichtet unb Künftler hat abet ein jroeite«, ein ptyttti 3 »teteffe, ti liegt in bet tünftletifchen Hu«fügrung beb littetatifchen Seife«. Set Roman* fdjteiber ift nicht nut ba, um bie Sefet mit pgantaflifcgen Silbern gu unterhalten, fonbern et hat eine Diel gögere Hufgabe, et hat oerebetnb auf ba« ©emfit, beffetnb anf ba« $erg gu mitten. Um bie« gn fDunen, mug et bie ©efeUfdjaft pfhcgo» logifch ftubieten, mag angerbem egperi» mentieren anf bem @ebiet bet fogiaten Ctfcheinungen. ( 89 a be Oueitog etfagt feine Hufgabe mit Dollem Srnft. 6 t ift fein Sflnget 3 °la«, fonbern befifct eine att«gefprocgene 6 igenatt 3 a bem „faate de 1 'abW Mouret“ unb bem „Crime de padre Amaro“ behanbeln beibe ben Sehl* tritt eine« ©ater«. Sa« ift bet eingige Be» rfigrung«puntt — bie Hu«fflhtungen finb gimmelmeit Don einanber entfernt! Set Roman Don 69 a be Oueitog erfchien einige Sagte Dot bem be« frangöftfcgen Realiften; met beibe Romane tieft, mirb entgücft guge» flehen mftff en,bag e« munberootteScgöpfun* gen finb, Schöpfungen, bie ben Ruhm bet Betfaff er begtünben müffen. 3n 3oIa«Bucg ift'« bie ibgKifcgeHtlegorie bet 6 inmeihnng bet beiben erften SRenfchen in bie Siebe! ©räcgtige, buftige Schilberungen, melche bie eingeftreuten $oten um fo mibermär« tiger etfcheinen laffen. 3a Oueitog’ Ro* man ift’« ba« 3 ntriguenfpiel bet ®eift* liegen unb frömmelnben Stauen unter bem Schatten bet teligiöfen Bumpfgeit einet ©roDingiatfatgebrate. Huch hi« be* fttiefenbe Schilberungen unb eine frap* pietenbe Beobachtung ohne gotengafte« ©eimerf. 3a ben neuen Romanen Don 69 a be Oneitog geigen fieg entfehieben grogartige pfhcgologifcge fjortfegritte. Senn ich ign mit einem beutfehen Scgriftfieller Dergleichen foQte, fo mürbe biejet Seutfche Sonrab HIbetti fein. Sie ooüenbete Sechnit, bie in bem ger» Dottagenben fogialen Roman bet @egen* matt „Set ift bet Stärfete ?" Don 6 . HI* betti, liegt, geichnet auch bie Htbeiten be« portugiefifd}en SchriftfteOet« au«, bie gleiche feine, fflnftlerifche Beobachtung nnb Raturmahrheit. Sa« menfchliche Begtiff«Detmögen mng fid) erft gängtieg an« bem Banne bet nnbemeglichen, trabitioneHen formen an«fdjälen! Senn e« ba« erteicht haben mitb, menn e« bie Kämpfe bet Salb* menfehen mit ben Sieten bet Silbni« für minbet gefährlich gält, al* ben fitt* liehen Kampf mit ben feit 3agrgunber* ten beftehenben Derftegelten unb Detbtief* ten Sogmen bet ®efellfolntf(^e £ittcrat«r. (Einen fjöd)ft intereffanten Seitrag gut SebenSgefdjichte KraSgewbfiS bringen bie foeben erföienenen „(Srinnerun« gen" (Wspomnienia) beb mit it}m auf bem ©ebiete ber polnifdjen (Erjöfjlerfunft rioalifterenben 3. I. Qfez (SKilfowSfi). Der gu ®enf tebenbe Qtt lernte KraS« gewSfi erfl furg oor beffen lobe fennen, alb KraSgewSfi, aub bem SRagbeburger ©efftngniS entlaffen, an bem gu Senf tagenben internationalen ©djriftgelter* tongreffe teitnahm. 3ei bringt intereffante (Enthüllungen über grau $eini$, eine Deutfdje, welche fünfgehn 3 af)re tpnburch KraSgewbfiS Sieben in giemlich unftarer Sofition teilte. grau $einifc, bie KraS» gewbfi nach ®enf nachfam, beherrfchte nicht bie g>oIttifche ©brache, geigte aber eine überrafchenbe Kenntnis ber neueren (Erfcheinungen auf bem'©ebiete ber pol* nifchen Sitteratur. (Einer bib nun gu oernacbldfggten Bgidjt gegen ben größten polnifchen Dichter that bie SBarfdjauer Sertagb« buchhanbtung ©enflge, welche foeben unter ber SJtebaftion beb heroorragenben Sä« terarhiftoriferb Dr. Beter (EhmietowSfi eine billige unb forrefte ©efamtauSgabe ber SBerfe ZbamäRicfiewicgS' oeranftaltet hat gum erftenmat erfcheinen nun bie ©chriften SlicfiewicgS' georbnet unb mä Kommentaren oerfehen, in einer WuS« gäbe, wie bem beutfdjen Sotfe alte feine Klaffifer Iüngft geboten fhtb. Die nt 4 Sfinbe arrangierte, mit einem Sortr&t beb Dichterb unb feinem Sebenbabriffe Oerfehene, fehr gugüngliche Ausgabe ge« winnt untfomehr an 3ntereffe, alb fle mehrere bib nun gu nicht oerbffenttichte ©chriften SRicfiewicgS bringt ©o bab Fragment eines DramaS „ 3 afob 3 aftii 8 » fi", weiterhin bie Entwürfe „Der gtoge Krieg ber gufunft", „ZlejanberißuSgfin", „über ben glationalgeig" „über bie Ser* nflnftigen unb SBahnfinnigen", „Über bab Streben bet Sölfer", „SRaggini unb bie SRagginigen", „Dtt ©ogiatiSmuS", „Die Bauern"; ein reigenbeb Sßürchen „ 3 b* wita", mehrere ©ebtdjte oon gweifethafter Kutljentigit&t, nnb bie polnifdjen über« tragungen ber frangöfifch oerfagtenSchrif* ten SticfiewicgS. — gu fcgarfer Botemil gab Zeobor 3 abfe « Shoiübfib ©cgrift „Zopen unb 3beale ber pofitioen pol* nifchen SeltetrifH!" (SBarfdjau 1888 ) Knlag. Der Serfaffer, ein gteprüfentaut ber jung*fonferOatiOen Partei, greift bie tatentoollften po(nif